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Frantzen-Chronik (1): De Grootes "Stachelhauser Erbgut"

Carl Ferdinand und Anna-Wilhelmine Frantzen von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)

Nach dem Hinscheiden meines Vaters, am 17. Februar 1897, habe ich mein Vorhaben, das Wenige, was über unsere Familie durch mündliche Überlieferung noch bekannt ist und welche Kenntnis der Verstorbene mit der größten Pietät pflegte und erweiterte, schriftlich festzuhalten, nicht mehr länger aufschieben können, wollte ich nicht befürchten, dass diese mündlichen Überlieferungen gänzlich verloren gingen.

Als Stammhalter unserer Familie tritt gegen Mitte des achtzehnten Jahrhunderts Johann Löther Frantzen auf. In jener Zeit war das bergische Land ein beliebter Ansiedelungsplatz der Einwohner aus den Nachbargebieten, besonders aber aus der Mark, den jetzigen Kreisen Schwelm und Hagen (dem sogenannten Preußischen). Im Gegensatz zu diesen Gebieten waren die Abgaben, welche die Einwohner des Herzogthums Berg zu tragen hatten, äußerst gering. Die Obrigkeit war in Düsseldorf, das Gericht in Hückeswagen (Bornefeld). Beamtenqualität hatte nur der Pastor. In der letzten Hälfte des ausgehenden Jahrhunderts scheint überhaupt eine gute Zeit für Remscheid gewesen zu sein. Die Remscheider Waren gingen meist nach Frankreich. Das dahin betriebene Geschäft war lohnend und brachte der Kaufmannschaft reichlichen Gewinn. So wird denn auch Johann Löther durch den guten Geschäftsgang bewogen worden sein, seinen Wohnsitz nach Remscheid zu verlegen. Vielleicht stand er schon bis dahin in geschäftlicher Beziehung nach hier, da ja die Remscheider Kaufleute, besonders damals in der Mark, seiner Heimat, viele Eisenwaren bestellen ließen. Die Zirkelschmiederei hat er dann auch, nachdem er sich hier angesiedelt, fortgesetzt, mündlicher Überlieferung nach unter Beihilfe von Gesellen und Lehrlingen. Durch seine Verheirathung mit Elisabeth Busch war er aber zugleich Miteigenthümer des sogenannten Stachelhauser Erbgutes und als solcher im Nebengeschäft Ackerer oder Landwirth geworden. Nicht unmöglich ist ja auch, dass gerade seine Verheiratung Hauptursache für ihn gewesen ist, die Mark zu verlassen und sich hier anzusiedeln.

Das Stachelhauser Erbgut war zu damaliger Zeit noch immer ein wertvoller Besitz, obgleich nach mündlicher Überlieferung sein Umfang bei der Theilung von 1763, beziehungsweise 1788 lange nicht mehr so groß war, wie eben 100 Jahre früher. Das Gut soll durch eine französische Emigrantenfamilie – de Groote – die ihr Vaterland ihres protestantischen Glaubens wegen verließ, bewirtschaftet und das darauf befindliche sehr umfangreiche Wohnhaus angelegt worden sein. Das letztere auf der Stelle des jetzt Alexanderstraße 13 gelegenen Hauses befindlich, war im Viereck um einen geräumigen Hof angelegt, ist jedoch im Jahre 1824 durch einen starken Sturmes zusammengestürzt. Die umliegenden, zwischen Alexanderstraße und Honsbergerstraße, von deren Gabelung an ersterer entlang bis etwas über die Kremenhollerstraße, an letzte, war bis kurz vor Honsberg, sowie die südlich der Honsbergerstraße bis zur Lohbacherstraße gelegenen Grundstücke, bildeten das kulturfähige Ackerland des Gutes. Hierzu kamen noch umfangreiche Waldparzellen am Stachelhauserberg und an dem Wege Lohbach-Ehringhausen gelegen. In früherer Zeit soll hierzu noch eine zusammenhängende Fläche von Grundstücken nördlich der Alexanderstraße und von dieser an bis zur Wiedenhofstraße gelegen, gehört haben.

Die de Groote´sche Familie ist nun der Überlieferung nach mit sämtlichen Angehörigen wieder nach Frankreich zurückgekehrt. Nur ein weibliches Mitglied ist unter Übernahme des Stachelhauser Gutes hier geblieben. Verheirathet war sie erster Ehe mit einem namens Ritter, zweiter Ehe mit Friedr. Honsberg aus der Ibach, demselben, der seine Einnahmen als Kirchmeister aus den Jahren 1723, 1724 und 1725 in das bei den alten Akten befindliche Einwohnerbuch vermerkt hat. Der ersten Ehe der de Groote´schen Erbtochter war eine Tochter entsprossen, aus deren Ehe mit Busch fünf Kinder hervorgingen. Diese fünf Kinder, als deren viertes die oben bemerkte Elisabeth Busch, Ehefrau von Joh. Löther Frantzen, dabei mitthätig gewesen ist, haben nun das Stachelhauser Gut 1763 unter sich getheilt. Der Teilungsakt dieses Jahres ging jedoch verloren, und so wurde im Jahre 1788 ein neuer ausgefertigt, der sich im Original noch im Besitz der Familie Busch befindet.

 Die Vermögensverhältnisse der Eheleute Joh. Löther Frantzen sind danach für die damalige Zeit gute gewesen. Abgesehen von dem ihnen zugefallenem Theil der Stachelhauser Güter, welcher nach dem Theilungsakt von 1816 = 11 Morgen, 74 Ruthen altes bergisches Maß gleich 390 ar umfassend - ihnen gestattete, zwei Kühe zu halten und damit einen auskömmlichen Unterhalt zu haben, brachte die Zirkelschmiederei, sowie die später, wahrscheinlich erst mit dem Heranwachsen seines Sohnes Johann Ferdinand angefangene Bäckerei so viel, dass man sie zu den damaligen bemittelteren Bürgern zählen muss. Allerdings bedarf das insofern einer Einschränkung, als sie bei ihrem Ableben noch eine Kapitalschuld von 600 bergischen Reichsthalern hatten, die aber von den Erben aus den laufenden Mitteln bei der Auseinandersetzung sofort gedeckt werden konnte. Jedenfalls aber waren die Vermögensverhältnisse für die damalige Zeit mit ihren unsicheren politischen Zuständen recht zufrieden stellend. (aus der Chronik der Familie Frantzen von 1763-1906, aufgeschrieben von Carl Ferdinand Frantzen in den Jahren 1898 und 1899, 2011 übersetzt aus der Sütterlin-Schrift von Doris und Klaus Schmidt. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Destille Frantzen, Alte Freiheitstraße 24.)


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