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Frantzen-Chronik (2): Freiheitsstraße kaum bebaut

von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)

Nach der am 1. Mai 1811 erfolgten Übertragung des Geschäftes auf ihren Sohn Johann Ferdinand scheinen die Eheleute Joh. Löther noch bis Anfang des Jahres 1816 gelebt zu haben. (…) Die vom Vater übernommene Zirkelschmiederei scheint der Sohn nach einigen Jahren aufgegeben zu haben. Im Jahre 1816 legte er durch den Ankauf des sogenannten Haggelschen Hauses (jetzt Haus Nr. 13 an der alten Freiheitstrasse) den Grund zu unserem jetzigen Besitzthum an der alten Freiheitstrasse. (…) Im Jahre 1817 wurde auf den von Ehlis und Haggel erworbenen Grundstücken ein neues Wohnhaus, das jetzt an der alten Freiheitsstraße gelegene und mit No. 15 bezeichnete Haus, erbaut. (…) eine schwere Zeit für die Ehefrau Johann Ferdinands. In jener Zeit wurden die Neubauten meist im Tagelohn gemacht, bei welchem die Handwerker in Kost der Bauherrn waren. Dadurch wurde dem Haushalt eine ganz gewaltige Mehrleistung an Arbeit aufgebürdet. Jahre nachher hat dann auch Frau Anna Magdalene jenes Jahr als für sie ein recht schweres und arbeitsreiches erklärt, das umso schwerer war, als die Kinder noch klein waren und noch viel Arbeit erforderten. Nach Fertigstellung des Hauses fing Joh. Ferdinand eine Schenkwirtschaft an. Eine Quelle guter Einnahmen, die neben der Bäckerei nicht wenig dazu beitrug, dass die durch den Neubau übernommene Schuldenlast die Familie nicht untergehen ließ.

Damals war die Umgebung des Hauses No. 15 noch eine recht einsame. Nach dem Markte zu war die ganze Blumenstraße herauf, abgesehen von dem Nachbar Busch´schen Hause, bis kurz vor ihrer Einmündung in die Kronenstraße noch nicht ausgebaut. Auch die Freiheitstraße bis zur Einmündung in die jetzige Bismarckstraße war von Wohnhäusern noch völlig leer. Sie war überhaupt ein mit hohen Hecken eingefasster Hohlweg, über den ein Verkehr kaum möglich war, weshalb bis zu ihrer Verbreiterung und Niederlegung der Hecken im Jahre 1848 der Verkehr nach dem Birgderkamp (der jetzigen unteren Bismarckstraße) größtenteils über den Markt ging. Nach Westen, also nach der Schüttendelle hin, war der die alte Freiheitstrasse abtrennende Theil der Freiheitstrasse noch nicht vorhanden (erst im Jahre 1869 gebaut), und die ersten Ansiedelungen, abgesehen von dem jetzigen Hause No. 13, (lagen) bei dem Hofe Bruch. Die nächste Nachbarschaft war das damalige Preyershäuschen, an der Stelle gelegen, wo jetzt … die Brüderstraße mündet. Das neue Wohnhaus bildete annähernd die Mitte zwischen Groß- und Kleinstachelhausen (letzteres an der jetzigen Treppenstraße gelegen) wurde aber zum ersteren gerechnet.

Zu den beiden Geschäften, der Bäckerei und der Schenkwirthschaft wurde sodann 1823 … die Branntweinbrennerei begonnen. (…)Es war ein kleiner Anfang. In der Südwestecke des Kellers im neuen Hause wurde eine Blase aufgestellt, ausreichend für Rauh- und Feinbrand. Ein oder zwei kleine Bottiche wurden daneben in einem kleinen Anbau … untergebracht. Der Branntweinkeller befand sich in dem größten Raum des Kellers (nördlicher Theil). Die Versandtfässer gingen allesamt treppauf durch Küche und Hausflur. In dem östlichen Theil des Kellers befand sich die Backstube. Von hier aus führte neben dem Eingang zum Keller eine schmale Treppe in die Küche. (…) Mit der Branntweinbrennerei wollte es aber vorerst nicht recht vorwärts gehen. (…) Dabei mochten auch wohl Anfangs die nötigen Vorkenntnisse zum Brennereibetrieb fehlen. In der damaligen verkehrsarmen Zeit war der Absatz schwierig und gering. (…) Unter diesen Verhältnissen wurde der Betrieb der Brennerei Anfang der dreißiger Jahre wieder eingestellt. Zur Unterstützung in der Bäckerei wurde in jener Zeit Wilh. Böddinghaus, der sogenannte Back-Wilhelm thätig. Von der Burg gebürtigt und dort Grundeigenthum besitzend, war er in damaliger Zeit eine wesentliche Stütze des Geschäfts. Sein Burger Gut vertauschte er gegen ein solches an der jetzigen Kremenholler Straße und verkaufte dasselbe, nachdem er in unserer Familie blieb. (Aus diesem Ankauf sind durch die hypothekarische Belastung des Gutes der Familie erhebliche Schwierigkeiten erwachsen. Ein Theil der Grundstücke (Parzelle No.47) gehört jetzt noch zum Hofraum.) (aus der Chronik der Familie Frantzen von 1763-1906, aufgeschrieben von Carl Ferdinand Frantzen in den Jahren 1898 und 1899, 2011 übersetzt aus der Sütterlin-Schrift von Doris und Klaus Schmidt. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Destille Frantzen, Alte Freiheitstraße 24.)


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