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Seltsam: Hier der große "Aufreger", dort totale Funkstille

Um Geld geht es im Rat der Stadt Remscheid und seinen Ausschüsse immer. Das ist nichts, worüber man sich aufregen müsste. Pikant wird es ganz selten. In der Ratssitzung am 1. März dürfte das allerdings anders sein. Da geht um eine „Sonderzahlung“ von 100.000 Euro, über die sich Wolfgang Roth, der frühere Chef der Remscheider Stadtwerke, nach seinem Ausscheiden freuen durfte. Und da könnten jene 15.000 Euro eine Rolle spielen, um die Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann gerne den Kaufpreis eines 200 Jahre alten Fachwerkhauses in der Lenneper Altstadt auf dann 150.000 Euro gemindert wissen will, weil Sanierungsbedarf besteht (feuchte Kellerwände). Liegenschaftsabteilung, Rechtsamt und Rechnungsprüfungsamt sehen das Kaufangebot des Dezernenten, der in dem städtischen Haus mit 137 Quadratmetern zur Zeit mit seiner Familie zur Miete wohnt, völlig unaufgeregt, weil „noch in dem vom Bauausschuss tolerierten Verhandlungsbereich“, und haben dem Bauausschuss den Verkauf zum angebotenen Preis empfohlen, zumal sich auf dem allgemeinen Immobilienmarkt auch kein wesentlich anderer Kaufpreis erzielen lasse. Seltsam: Die 15.000 Euro beim Immobilienverkauf sind dem RGA heute einen fünfspaltigen Aufmacher auf der ersten Lokalseite wert mit dreispaltigem Bild des Kaufinteressenten Henkelmann. Über die Sonderausgabe von 100.000 Euro bei den Stadtwerken war bisher in Remscheids größter Lokalzeitung offenbar keine einzige Zeile zu lesen. Dafür spricht, dass eine Suche im Internetarchiv des RGA ins Leere lief. Und dafür spricht ein Anruf beim „Leserservice“; der brachte die Auskunft der dortigen Mitarbeiterin ein „Ich wüsste nicht, dass es darüber einen Artikel gegeben hätte!“

Die Bergische Morgenpost hatte berichtet, dass der Aufsichtsrat der Remscheider Stadtwerke dessen früherem Chef mit 100.000 Euro die Rente versüßt hat mit der Begründung, er habe ja über zwei Jahre hinweg auch die Aufgaben des zweiten Geschäftsführers wahrgenommen. Das veranlasste die Grünen zu einer Anfrage an die Verwaltung, auf die sie in der Ratssitzung am 1. März eine Antwort erwarten. Und sie gaben dazu am 17. Januar eine Pressemitteilung heraus. Die ging auch an den RGA. Eine gute Gelegenheit für die Redaktion, das Thema aufzugreifen. Doch sie scheint sie nicht genutzt zu haben. Ich habe geblättert und geblättert und nichts gefunden, noch nicht einmal eine Kurznotiz. Auch in der Geschäftsstelle der Grünen, wo relevante Texte der Lokalpresse archiviert werden, ist nichts bekannt. Und dann heute im RGA der „Henkelmann-Aufreger“. Mir scheint, da sind die Gewichtungen gehörig durcheinander geraten – aus welchem Grunde auch immer.

Im nicht öffentlichen Teil der Bauausschuss-Sitzung am nächsten Dienstag steht der Verkauf des Hauses am Münsterplatz in Lennep an. Die Beschlussvorlage liegt dem Waterbölles vor. Er dokumentiert sie nachfolgend, damit sich die Leserinnen und Leser ein komplettes Bild machen können:

„ 1. Das Grundstück Gemarkung Lennep, Flur 6, Flurstück  315, groß 254 m2, Munsterplatz 23, wird mit dem aufstehenden Wohngebäude an Herr Dr. Christian Henkelmann, Munsterplatz 23, 42897 Remscheid, verkauft.

2.    Der Kaufpreis betragt 150.000,- €.

3.    Alle mit dem Abschluss des Kaufvertrages  Kaufvertrages verbundenen Kasten (Notar- und Gerichtskosten und Grunderwerbsteuer) trägt Herr Dr. Henkelmann.

Begründung:

Das in städt. Eigentum stehende Wohnhaus Munsterplatz 23 ist seit November 2004 an Herrn Dr. Henkel­mann und seine Familie vermietet. Im Herbst 2006 hat Herr Dr. Henkelmann der Liegenschaftsabteilung mitgeteilt, dass er am Erwerb dieses Hauses interessiert ist. Auf der Grundlage der Gutachtlichen Stellungnahme der Abteilung für Bodenordnung und Grundstückswertermittlung (62/4) vom 23.10.2006 wurde das Objekt zum Preis von 165.000,- angeboten.

Herr Dr. Henkelmann hat mit Schreiben vom 01.12.2006 angeboten, das Haus zum Preis von 150.000 zu erwerben. Hierbei hat er auf den Sanierungsbedarf des Objektes (Beseitigung von Fuchtigkeits- und Schimmelpilzschäden an den Wänden, insbesondere im Kellerbereich) sowie auf die Preisgestaltung umliegender Hausobjekte in der Lenneper Altstadt, die zum Verkauf stehen, hingewiesen.

Das unter Denkmaischutz stehende Wohnhaus Munsterpfatz 23 wurde um 1800 erbaut; es wurde 1985/1986 im Rahmen der Sanierung Altstadt Lennep* umfangreich modernisiert und instand gesetzt.

Zu den Feuchtigkeits- und Schimmelpilzproblemen teilte die Abteilung 62/4 mit, dass in den Kellern von Baukörpem dieser Baualtersklasse Feuchtigkeit baubaualterstypisch ist und an der fehlenden bzw. unzureichenden vertikalen und horizontalen Dichtung der Keiler liegt.

Bei dem ermittelten Verkehrsweg von 165.000,- wurde jedoch nicht berücksichtigt, dass das Objekt ver­mietet ist. Durch die Vermietung ist die allgemeine Verfügbarkeit des Objektes einbeschränkt. Bei einem Verkauf an einen Dritten, der nicht Mieter des Objektes ist, stellt das bestehende Mietverhältnis für das Grundstück eine Belastung dar, und es müsste ein entsprechender Abschlag berücksichtigt werden, insofern lässt das Angebot des vermieteten Hauses Munsterplatz 23 auf dem allgemeinen Immobilienmarkt auch keinen wesentlich anderen Kaufpreis erwarten als den von Herrn Dr. Henkelmann der Stadt angebotenen Preis von 150.000 . Zudem bewegt sich das Angebot noch in dem vom Bauausschuss tolerierten „Verhandlungsbereich“ von 10 % unter dem ermittelten Verkehrswert.

Die Erfahrung der Wohnhausveräußerungen der Stadt in den letzten Jahren hat gezeigt, dass in der überwiegenden Anzahl der Verkaufsfälle der festgestellte Wert in den Verkaufsverhandlungen mit den Erwerbern nicht erzielt werden konnte und Abschläge vom angebotenen Kaufpreis mit gleichen bzw. ähnlichen Begrün­dungen eingeräumt worden sind, um den Verkauf zu realisieren.

Das Rechtsamt hat nach Rücksprache mit der Amtsleitung am 17.01.2007 gegen den von Herrn Dr. Henkelmann angebotenen Kaufpreis von 150.000 € keine Einwendungen erhoben.

Nach den Vorschriften der Gemeindeordnung … bedürfen Verträge der Stadt mit leitenden Dienstkräften der Genehmigung des Rates, D. h der mit Herrn Dr. Henkelmann abgeschlossene Kaufvertrag muss dem Rat zur (nachträglichen) Genehmigung vorgelegt werden.

Die Verwaltung wird daher nach Beschlussfassung durch den Bauausschuss den Kaufvertrag mit Herrn Dr. Henkelmann mit dem entsprechenden Genehmigungsvorbehalt beurkunden lassen und diesen Verfrag an­schließend dem Rat in seiner Sitzung am 01.03.2007 zur Genehmigung vorlegen.“ (Zitatende)

150.000 Euro hält Henkelmann für einen „reell und marktkonform erscheinenden Preis“. Und mehr ist ihm das Haus auch nicht wert („Nicht mehr und nicht weniger!“). Henkelmann: „Mein Sohn hat Lennep und seine Altstadt kennen und lieben gelernt. Unter reinen Rendite- und Abschreibungsgesichtspunkten dagegen - so die Einschätzung meines Steuerberaters - ist von einem Kauf des Hauses (bewohnbar sind nur 137 qm) eher abzusehen, da das Objekt angesichts der schwierigen Immobiliensituation in der Lenneper Altstadt auch zu einem Preis von unter 150.000 Euro jetzt und auf absehbare Zeit für nur schwer wieder verkäuflich gehalten wird.“ Henkelmann will das zahlen, was die Stadt auch von einem anderen Interessenten bekommen könnte. Wenn sich denn einer finden würde.

Der Kulturdezernent hat inzwischen Oberbürgermeisterin Beate Wilding um öffentliche Behandlung des Falles bitten, damit auch das Liegenschaftsamt/der Baudezernent sowie er selbst cora publico die Möglichkeit zur Klarlegung haben. Der RGA-"Aufreger" hat heute einen Reporter des WDR Wuppertal zu eigenen Recherchen veranlaßt. Sein Fazit: "Diese Geschichte ist keine Geschichte!" Wie wär's mit einer 100.000 Euro-Geschichte?!


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Kommentare

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Chronist am :

In ihrer heutigen Ausgabe zitiert die Bergische Morgenpost den Lenneper Makler Ulrich Stenzel: „Ein normaler Vorgang“. Ein Preisnachlass von zehn Prozent sei "üblich, wenn Mieter das Haus kaufen, in dem sie wohnen." Denn das erspare viel Arbeit. Und Makler-Alltag sei auch, "dass ein Käufer erst mal verhandelt und nicht gleich den geforderten Preis zahlt. Ich verstehe nicht, warum das ein Thema ist.“

Wieland Gühne am :

Hallo, dass ist ja nur ein Thema, das der RGA diese Woche "verschlafen" hat. Schaufenster der Wirtschaft fehlte, obwohl diese Woche es wirklich rund ging. Kein Wort darüber, dass die Wirtschaft uns Politiker so richtig gezeigt hat, was SIE von uns (zu Recht) erwarten. Für mich ein wichtiger Impuls. Wenn nun auch die Politik bereit ist, sich wirklich in das Projekt reinzuhängen, muss es klappen. Aber zurück zum RGA dieser Woche. Offensichtlich hat die Umstellung des Erscheinungsbildes zu viele Kräfte gebunden. Wie sonst ist nach so einer Woche wie dieser zu erklären, dass im Kommentar vom Samstag sich der RGA mit dem RGA beschäftigt hat.

Klaus R. Schmidt am :

Der RGA scheint in der Tat mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein. Die Gliederung ist ok, doch die rote Druckerfarbe dominiert und ist gewöhnungsbedürftig, während die leichten Grautöne bei vielen Lesern eine Sehhilfe erfordern. Das Thema "Hauskauf" durch Herrn Dr. Henkelmann ist viel zu hoch aufgehängt. Wir sollten froh und glücklich sein, dass es für die herrliche (aber auch altersbedingt marode) Bausubstanz in der denkmalgeschützten Lenneper Altstadt noch solvente Käufer gibt. Der Kulturdezernent ist eine erstklassige Referenz und kann für seine Absicht nur gelobt und beglückwünscht werden!

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