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Neuer Pachtvertrag für Jagdreviere gilt ab 1. April 2014

Dichte Kronen alter Buchen verhindern, dass sich am Boden junge Laubbäume wie Kirsche, Ahorn und Esche, von Förstern gerne gesehen, ansiedeln können. Um durch eine größere biologische Vielfalt Sturmschäden (wie bei Kyrill) zu vermeiden, wurden beispielsweise im Waldgebiet Küppelstein schwächere Buchen zu Gunsten kleiner Lichtungen gefällt. Seitdem wächst dort viel junges Grün. Das aber freut nicht nur die Spaziergänger, sondern auch das Rehwild. Denn mit dem Unterholz wächst auch das Futterangebot der Tiere. Je größer aber das Futterangebot, desto größer auch der Wildbestand. In diesen so regelnd einzugreifen, dass der Wildverbiss durch Rehe die Forstwirtschaft möglichst nicht beeinträchtigt, ist Aufgabe der Jäger. Der Appell von Markus Wolff, Leiter des Forstamtes der Stadt Remscheid, an die Jäger, diese Aufgabe ernst zu nehmen und den behördlich vorgegebenen Abschussplan für Schalenwild auch einzuhalten, ist bei einem Gang durch Remscheider Stadtwald unübersehbar. An zahlreichen Stellen, etwa nahe der Hofschaft Leverkusen und am „Waldhof“, hat Wolff in den vergangenen Jahren kleine Areale einzäunen lassen (Foto unten rechts) um aufzuzeigen, „wie nötig der Schutz der Baumschösslinge von hungrigem Wild ist.“ Durch die Gatter vor Rehen geschützt, kann das junge Grün kräftiger ins Kraut schießen als außerhalb des Zaunes. Wolff: “Zu viele Rehe verzögern das Wachstum eines Waldes!“

Ab 1. April 2014 gilt ein komplett neuer Pachtvertrag für die Pächter von elf Remscheider Jagdrevieren auf der einen Seite sowie Waldbesitzer und Landwirten auf der anderen. Die Vermeidung von Wildschäden (im Wald durch Rehe und auf den Feldern durch Wildschweine) spielt darin eine größere Rolle. Im Rathaus erläuterten gestern die Übereinkunft (von li. n. re.) Hans Hermann Kempe, Ernst Alfred Kempe, Rechtsanwalt Stefan Hertel und Forstamtsleiter Markus Wolff. (Foto: Lothar Kaiser)

Der Interessenkonflikt zwischen Förstern und Jägern ist vielschichtig und scheint teilweise unvermeidbar zu sein, so auch der zwischen Forstamtsleiter Markus Wolff und den rund 330 Mitglieder der Kreisjägerschaft Remscheid. Denn ein Jagdrevier ohne Wildbestand ließe sich wohl an keinen Jagdscheinbesitzer (Bundesjagdgesetz §11)  verpachten. Die Verpächter sind die Waldbesitzer und Landwirte. Über ihre bejagbarer Flächen sind sie qua Gesetz Zwangsmitglieder einer ganz speziellen Körperschaft des öffentlichen Rechts, einer Jagdgenossenschaft. Davon gibt es im Stadtgebiet Remscheid gleich drei (durch die Eingemeindung von Bergisch Born, das früher zu Hückeswagen gehörte). Vorsitzender der größten Jagdgenossenschaft Remscheid (rund 3.000 Hektar) ist Hans Hermann Kempe. Vorsitzender der örtlichen Hegegemeinschaft Remscheid (nach § 10 a Bundesjagdgesetz), die die jeweils drei Jahre laufenden Abschusspläne der Remscheider Jagdreviere koordiniert, ist Alfred Kempe. Gemeinsam mit Rechtsanwalt Stefen Hertel, Berater der Jagdgenossenschaft Remscheid, und Markus Wolff stellten sie der Lokalpresse gestern im Rathaus den komplett neuen Pachtvertrag vor, den ein Jäger akzeptieren muss, will er zum 1. April 2014 eines der insgesamt elf Jagdreviere der Jagdgenossenschaft in der Größe zwischen 250 und 400 Hektar pachten.

Gatter beweisen: Zu viele Rehe verzögern das Wachstum eines Waldes. Foto:Lothar Kaiser

Die Jagdgenossenschaften legen ihre Erträge aus der Verpachtung entsprechend der jeweiligen Grundstücksfläche auf ihre Mitglieder um. Die Jagdgenossenschaft Remscheid erhielt von ihren elf Pächtern bisher pro Jahr rund 50.000 Euro. Durch den neuen Vertrag werden es einige tausend Euro weniger sein. Eine Ersparnis für die Jagdpächter? Mitnichten! Für eventuell anfallende Maßnahmen zu Verhinderung von Wildschäden sowie für festgestellte Schäden in den Wäldern durch Rehe und/oder auf (Mais-)Feldern durch Wildschweine fallen künftig für den Pächter pro Hektar seines Jagdreviers drei Euro für die Vorsorge bzw. bis zu acht Euro (je nach Wildschadensrisiko) für den entstandenen Schaden an.

Die Haftung der Jagdgenossenschaft für Wildschäden wurde auch bisher schon auf den Pächter übertragen. Nun aber wird dessen finanzielles Risiko gedeckelt. Wildschäden nach Möglichkeit zu vermeiden, ist nun das vertraglich vereinbarte gemeinsame Interesse der Jagdgenossenschaft (Verpächter) und der Jäger (Pächter). Mindestens einmal im Jahr müssen sie sich in dem Jagdrevier  treffen, um die Konsequenzen aus festgestellten Wildschäden zu beraten. Markus Wolff: „Haben die Wildschäden gegenüber dem Vorjahr zugenommen, spricht das für einen größer gewordenen Wildbestand. Dann muss der Zuwachs abgeschöpft werden!“ Sprich: Der Jagdpächter muss die Zahl seiner Abschüsse erhöhen. Keine leichte Aufgabe insbesondere bei Wildschweinen. Denn die „Schwarzkittel“ sind clever: Tagelang lassen sie sich nicht blicken (während der Jäger auf einem Hochsitz auf sie wartet). Kaum bleibt der Jäger einmal zu Hause, sind die Wildschweine wieder da und pflügen das Maisfeld um. Der Schaden für den Landwirt ist oft immens.

Wachsamer Rehbock. Foto: Hans Georg Müller.

Der Pächter verpflichtet sich, einen an den Wald angepassten artenreichen und gesunden Wildbestand herzustellen und zu erhalten, der die natürliche und künstliche Verjüngung aller im Jagdbezirk vorkommenden Hauptbaumarten ... ermöglicht und die Entmischung der Baumarten verhindert.“ (aus dem neuen Pachtvertrag) [Foto: Hans Georg Müller]

Interesse an Jagdrevier?

Wenn zum 1. April 2014 die elf Jagdreviere der Jagdgenossenschaft Remscheid für neun Jahre neu verpachtet werden, werden einige der bisherigen Pächter nicht mehr dabei sein. Sie wollen aus Altersgründen ausscheiden. Das macht den Weg frei für die bisherigen „Mitjäger“ in den Revieren, aber auch für weitere Jagdscheinbesitzer. Interessenten können sich bis Ende November bei Ernst Alfred Kempe, Nagelsberg 1, Tel. RS 65676, melden.

Die Jagdgenossenschaft Remscheid hat dem Entwurf des neuen Pachtvertrages einstimmig zugestimmt. Eine Alternative hätten die Mitglieder jedoch nicht gehabt. Denn Markus Wolff hatte kein Hehl daraus gemacht, das er die Vertragspassagen zur Vermeidung von Wildschäden für unverzichtbar hält. Ohne neuen Pachtvertrag mit den Jägern hätte die Stadt Remscheid sich aus der Jagdgenossenschaft zurückgezogen und ihren Wald als Jagdreviere selbst verpachtet. Für die bejagbaren Flächen der übrigen Mitglieder der Genossenschaft – größtenteils Felder und Wiesen – hätte sich dann kaum noch ein Jäger interessiert. Ein Einkommensverlust wäre die Folge gewesen. - Übrigens: Pro Jahr werden in Remscheid ca. 80 Wildschweine und 280 Rehe erlegt (die Wildunfälle im Straßenverkehr eingeschlossen).


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Kommentare

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Peter Ralf Lipka am :

Ein sachlicher und informativer Bericht, der Nichtjägern ein wenig Einblick in das Jagdwesen bietet. Besonders gefällt mir, dass die Interessenkonflikte zwischen den Nutzern, den Förstern und Landwirten einerseits und den Jägern andererseits, aufgezeigt werden. Es ist eben kaum zu verstehen, dass die Landbesitzer das Jagdrecht mit dem Ziel verpachten, dem Jagdpächter möglichst wenig Ertrag durch hohe Wildbestände zuzugestehen, während sie sich auf der gleichen Fläche an den Jagdpächtern schadlos halten, wenn es um die eigene Ertragsmaximierung geht. Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens, dass Jagdgenossenschaften ursprünglich die Aufgabe hatten, durch die zentral eingenommene Jagdpacht die Bauern zu entschädigen, die durch Wildschäden Verluste erlitten. Heute ist der Ersatz und die Übernahme von Kosten zur Vermeidung von Wildschaden zusätzlich zur Jagdpacht eine scheinbar unbedingte Klausel in den Jagdpachtverträgen. Warum eigentlich? Haben die Jagdgenossenschaften eine ihrer zentralen Aufgaben im Revierjagdsystem, wie man die Jagdnutzung durch Verpachtung fester Reviere nennt, einfach nur vergessen oder hat man erkannt, wie gut man den Jägern das Geld aus der Tasche ziehen kann? Es gibt eben sehr viele Jäger im Verhältnis zu den Revieren, besonders in und um Ballungszentren. Würde ein Jäger sich weigern, die Forst- und Landwirte durch seine Zahlungen zu subventionieren, wäre der nächste schon zur Stelle, um genau dies zu tun. Ein interessantes Gedankenspiel wäre, würden die Landbesitzer auf ihren Jagdrevieren sitzen bleiben: wirtschaftlich wären so unzählige Landwirtschaftsbetriebe nicht mehr zu halten, denn der Aufwand der Jagd, bei gleichzeitigem Wegfall von Pacht und Wildschadenersatz, würden den Haushalt der Landwirte sofort sprengen. Ein ähnliches Subventionsmodell findet man ubrigens auch bei der Berufsgenossenschaft. Die Jäger werden als Revierinhaber als Unternehmen der Jagd abgerechnet, ohne als Hobbisten Erträge aus der Jagd zu erzielen. So hat die Berufsgenossenschaft gegenüber den Jägern so gut wie keine Zahlungen zu leisten, jedoch mindern die Einnahmen aus den Beiträgen der Jäger die Beitragshöhe von Land- und Forstwirten.

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