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Auch Privatleute sind aufgerufen, ihre Häuser zu sanieren

Beatrice Schlieper. Foto: Lothar KaiserOhne baldige Maßnahmen wird ehrgeiziges Ziel nicht erreicht“, überschrieb der Waterbölles am 29. November 2013 seinen Bericht über das damals im Ausschuss für Bürger, Umwelt, Klimaschutz und Ordnung vorgestellte Integrierte Klimaschutzkonzept. Dipl.-Ing. Hubert Grobecker, Prokurist der Bielefelder „e & u energiebüro GmbH“, hatte es erarbeitet. „Ein Großteil Investitionen in den Klimaschutz muss von den Bürgerinnen und Bürgern aufgebracht werden“, hatte Grobecker damals im Ausschuss betont und darauf hingewiesen, dass 78,7 Prozent aller Wohngebäude in Remscheid vor 1978 errichtet wurden. Entsprechend hoch sei der Nachholbedarf bei der energischen Haussanierung. „Die Reduzierung der Energie für Wärmenutzung ist nur durch eine energetische Sanierung der Gebäude und eine Optimierung der Heizungsanlagen möglich!“ Knapp zwei Monate später, am 21. Januar, empfahl der Ausschuss dem Rat der Stadt, das Klimaschutzkonzept zum Beschluss zu erheben. Und dem folgte der Rat gestern einstimmig. Beatrice Schlieper, Sprecherin der grünen Fraktion, hatte zuvor am Rednerpult die Bedeutung des Klimaschutzes für die Umwelt betont, aber auch als Wirtschaftsfaktor. Der Waterbölles dokumentiert die Rede nachfolgend:

Sehr geehrte Damen und Herren, 220 Millionen Euro Investitionen, 240 neue Arbeitsplätze vor allem im örtlichen Handwerk, 124 Tonnen weniger CO2 in den nächsten 10 Jahren – das ist die Botschaft des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Remscheid. Nicht berechnet wurden dabei die Effekte für den städtischen Haushalt. Doch die dürfte es geben. Allein schon dann, wenn möglichst viele ihren Strom und auch ein wenig Wärme erneuerbar produzieren. Denn - so heißt es im Bericht – „Energieverbrauch bedeutet einen erheblichen Kaufkraftabfluss aus Remscheid“, nur etwa ein Drittel der Energiekosten von 220 Millionen Euro verbleiben vor Ort. Dazu kommt: Viele Unternehmen in Remscheid produzieren für die Energiewende: Vaillant, Dirostahl, Klauke, Ritter, um nur einige zu nennen. Klimaschutz ist ein Wirtschaftsfaktor.

Gleichzeitig ist die Umsetzung der knapp 100 Maßnahmen des Klimaschutzkonzeptes ein Programm zum Umbau der Stadt. Der demographische Wandel und vor allem die Schrumpfungsprozesse haben ihre Spuren hinterlassen. Leerstände prägen das Stadtbild, viele Gebäude sind dringend renovierungsbedürftig und schon allein deshalb nicht mehr attraktiv für die Mieterinnen und Mieter von heute. Kein Wunder, denn fast 80 Prozent der Wohngebäude wurden vor 1978 errichtet. Das bedeutet auch: nicht mehr zeitgemäße Wohnungszuschnitte und vor allem hoher Energieverbrauch. Und Energie wird immer teurer. Damit ist Energieeffizienz ein Faktor, der zur Attraktivität des Wohnungsangebotes erheblich beiträgt.

Aus diesen Gründen haben die GEWAG und auch andere Wohnungsbaugesellschaften begonnen, ihren Bestand unter die Lupe zu nehmen und ihn – dort, wo es die Gebäudehülle hergibt – zu sanieren -auch energetisch. Ein gutes Beispiel, das hoffentlich auch bei den vielen Privateigentümer/innen Nachahmer findet. Denn: Allein die Sanierung der teilweise alten Heizungsanlagen würde Investitionen von ca. 45 Millionen Euro auslösen, die energetische Sanierung der Gebäudehülle gar 107 Millionen. Und wenn dann die Dächer noch mit Photovoltaik oder Solarthermie ausgestattet würden, könnte sich der Invest noch weiter erhöhen. Dass die Mieterinnen und Mieter durchaus dafür offen sind, machte auf der Eröffnungsveranstaltung zum Inklusiven Hasenberg eine Arbeitsgruppe deutlich. Sie wünschen sich Solaranlagen auf ihren Dächern. Konzepte, wie das gestaltetet werden kann, gibt es zahlreiche.

Die Hälfte der Energie in Remscheid wird in den Haushalten verbraucht. Und davon werden fast 80 Prozent im wahrsten Sinne des Wortes verheizt. Da ist es klar, dass Investitionen in die Gebäudesanierung den Klimaschutz in unserer Stadt befördern. Und selbstverständlich steigern Sanierungsmaßnahmen auch die Attraktivität der Wohnungen und Gebäude. Sie erhöhen ihren Wert. Damit könnten sich auch die Mieten erhöhen. Deshalb wird die Akzeptanz der Mieterinnen und Mieter entscheidend sein. Es gilt gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Konzepte zu entwickeln, die den Klimaschutz voran bringen und gleichzeitig sozialverträglich sind. Weitere 13 Prozent des Energieverbrauchs macht in Remscheid der Verkehr aus. Das ist heute im Vergleich nicht viel. Sollte das aber DOC kommen, wird das Verkehrsaufkommen steigen. Das heißt: Auch hier werden wir genau hinsehen. Hier für Entlastung zu sorgen, ist in unserer Autogesellschaft der wohl schwierigste Teil des Klimaschutzes.

Wer mag schon gerne auf die vermeintliche Unabhängigkeit verzichten, die das eigene Auto bietet. Wer wartet um neun Uhr abends schon gerne auf den Nachtbus - bei Wind und Wetter. Und der ÖPNV macht es den Remscheiderinnen und Remscheider nicht immer nur leicht. Hier gilt es wirklich interessante Konzept zu entwickeln:

  • Was spricht gegen einen Fahrrad und vor allem Pedelec-Verleih an den Remscheider Bahnhöfen?
  • Was gegen einen kleinen E-Fahrzeugpark?
  • Was gegen bessere Verbindungen?
  • Was gegen zu Fuß gehen – besonders auch für Schulkinder?
  • Was gegen eine Verbesserung des Verkehrsflusses, dort wo das Auto unverzichtbar scheint?

Die Verkehrswende ist in Remscheid ein langer Weg. Doch auch der längste Weg beginnt mit einem Schritt. Ein solcher könnte eine integrierte Verkehrsplanung sein, die die verschiedenen Fortbewegungsarten endlich zusammendenkt.

Der hohe Energieverbrauch der Wirtschaft – sie benötigt fast 50 Prozent des Stroms – ist zunächst ein Zeichen für Arbeitsplätze. Das ist gut. Wir wissen auch: Viele Remscheider Unternehmen sind umweltbewusst. Das zeigt die beeindruckend hohe Zahl derjenigen die sich an Ökoprofit beteiligt haben. Und dennoch bleibt viel zu tun.

  • Was wäre eigentlich, wenn die Firma Dirostahl mit ihrer Abwärme das Gewerbegebiet Großhülsberg versorgte?
  • Was wenn die Unternehmerinnen und Unternehmer ihren großen Einfallsreichtum dazu nutzten, über CO2 –Neutralität an ihren Standorten nachzudenken?

Gemeinsam Energie erzeugen, gemeinsam Energie sparen, gemeinsam gewinnen – das wäre hier das Thema. Und das gilt natürlich auch für die Entwicklung von Brachflächen und neuen Gewerbegebieten. Visionär – Zugegeben. Machbar – jawohl. Es braucht dazu Innovationskraft, Ideenreichtum, Offenheit und Kooperationsbereitschaft – Eigenschaften, die bei den Remscheider Unternehmerinnen und Unternehmern vorhanden sind.

Lassen Sie mich zum Schluss noch auf einen letzten Aspekt eingehen: Klimaschutz macht nicht an den Grenzen der Stadt halt. Und warum dann nicht auch mit anderen zusammenarbeiten?

  • Was spricht dagegen mit Wermelskirchen, Hückeswagen, Radevormwald. Solingen, Wuppertal oder dem Kreis Mettmann über gemeinsame Energieerzeugung zu sprechen?
  • Warum nicht über ein Bergisches Car und Pedelec Sharing sprechen?
  • Warum bei der Entwicklung gemeinsamer Gewerbeflächen CO 2 – Neutralität nicht zum gemeinsamen Ziel erklären?

Erste Ansätze finden sich bereits bei den Stadtwerken. Wer nur auf den eigenen Sprengel schaut, wird nicht gewinnen. Mit der Bergischen Erklärung, der die Stadt Remscheid beigetreten ist, wird dieser Blick gewagt. Sie entsprang den ersten beiden Bergischen Klimaschutzkongressen, die genau diese Vernetzung angeregt haben. Auf der Habenseite eines Bergischen Gedankens stehen die Bergische Universität, die Ressourceneffizienzagentur, der Wupperverband, das Wuppertalinstitut, die Bergische Entwicklungsagentur und die Energieagentur NRW. Sie alle denken und arbeiten im Bergischen für das Bergische. Sie alle sind Akteure, sie könnten die Energiewende für das Bergische voranbringen – wenn die Rathäuser dabei sind. Auf der grünen Ebene machen wir das seit Jahren im gemeinsamen Arbeitskreis „Bergisch Energisch“.

Wenn Remscheid es alleine nicht schafft, so könnte und sollte unsere Stadt doch der Motor sein, der die Energiewende im Bergischen voran bringt. Dazu erforderlich ist die Umsetzung der knapp 100 Maßnahmen von der Energieberatung über die Gebäudesanierung bis zum Dienst- Pedelec für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Aber auch der feste Wille, im Sinne der Menschen und der Generationengerechtigkeit in unserer Stadt den Klimaschutz voran zu bringen. Klimaschutz ist eine Chance für unsere Stadt, für ein gutes Leben, für das Arbeiten, für die Wirtschaft, für die Stadtkasse. Packen wir es an.


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Bettina Stamm am :

Erstaunlich. was alles unter dem weiten grünen Mantel Platz findet, oder ist das nur ein weiterer populistischer Beitrag zu der Kampagne „Wie hätten wir es denn gerne, liebe Wähler?“ Die Remscheider Grünen blasen jedes laues Lüftchen zum Orkan auf, doch rückblickend auf die letzten fünf Jahre sind fast alle ihre formulierten „grünen“ Forderungen auf dem Weg zum Ziel stecken geblieben, oder haben sich im Säurebad der Realität aufgelöst. Übrig geblieben ist eine Partei, die als politisches Anhängsel der so genannten Gestaltungsmehrheit ihre Ideologien dem Machterhalt geopfert hat. Nicht die Verkehrswende ist die größte Herausforderung für die Remscheider Grünen, sondern die Kehrtwende von einer plumpen Symbol- zu einer konsequenten grünen Umweltpolitik.

Stadt Remscheid am :

Sanierungsinteressierte Gebäudebesitzer können sich am Samstag, 11. Oktober, von 9 bis 13 Uhr auf dem Wochenmarkt Lennep rund um die Energieberatung und die energetische Gebäudemodernisierung informieren und beraten lassen. Der städtische Fachdienst Umwelt und die Verbraucherzentrale NRW stehen für Gespräche und Beratung bereit. Eine verlässliche Energieberatung ist der Schlüssel zur erfolgreichen energetischen Sanierung und steht am Beginn einer dauerhaften Energieverbrauchssenkung. Vorgestellt wird der Vor-Ort-Service der Energieberatung. Dipl.-Ing. Carsten Peters, ein Energieberater der Verbraucherzentrale NRW, berät Interessenten. Sie können sich auch direkt zu einer Energieberatung anmelden. Bei diesem Service kommt Herr Peters nach Terminvereinbarung zum Gebäude und bewertet den energietechnischen Zustand des Hauses. Es werden dabei individuelle Vorschläge für Energiesparmaßnahmen erarbeitet. Jeder Ratsuchende erhält nach der rund 90-minütigen Beratung zu Hause ein ausführliches Beratungsprotokoll mit detaillierten Empfehlungen für die Modernisierung seines Hauses. So erfahren Haus- und Wohnungsbesitzer, wo bei ihnen zu viel Energie verbraucht wird und durch welche Maßnahmen sie wie viel Energie einsparen können. Hinweise auf Zuschüsse und zinsgünstige Kredite vom Staat runden die Empfehlungen ab. Durch energieeffizientes Modernisieren können Gebäudebesitzer nachhaltig ihre Energie- und Heizkosten senken.

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