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"Remscheid Tolerant": Aufruf gegen Hass und Gewalt

Einer Vielzahl kleiner und mittelschwerer Vorfälle, die derzeit als Anzeigen gegen Unbekannt die Remscheider Polizei beschäftigen, veranlassten gestern den Vorstand von „Remscheid Tolerant“ zu einer Pressekonferenz. Dabei beklagte er zunehmende Anfeindungen, teils offen, meistens aber versteckt. In den Räumen der SPD am Friedrich-Ebert-Platz plädierten u. a. Sandra Engelberg, Werner Fußwinkel, Martin Sternkopf, Pfarrer Johannes Haun und Dechant Thomas Kaster (im Bild v. li. n. re.) zusammen mit Vertretern von Vereinen, Parteien, Kirchen und Gewerkschaften, die in der Flüchtlingshilfe engagiert sind, für Toleranz und eine sachliche Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Flüchtlingsproblematik und wandten sich entschieden gegen Hass und Gewalt. Letztere bekommen ehrenamtliche Helfer/innen in Remscheid seit November verstärkt direkt oder indirekt zu spüren. Vor allem nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln sei eine „Verrohung der Gesellschaft“ spürbar geworden, beklagte der Vereinsvorsitzende Martin Sternkopf.

Teilweise engagieren sich Remscheider schon seit einem halben Jahr und länger in der Betreuung von Flüchtlingen. Zum einen in den drei Notunterkünften in Lennep, Hasten und Kremenholl; derzeit leben dort rund 300 Flüchtlinge. Zum anderen kümmern sich Ehrenamtliche aber auch – etwa als Sprachlehrer – um die der Stadt fest zugewiesenen Flüchtlinge. Dies sind inzwischen rund 1.400, wovon etwa 1.000 nicht in Heimen, sondern in angemieteten Wohnungen untergebracht sind. Unbekannte, vermutlich aus dem rechtsextremen Lager, versuchen nun, auf diese ehrenamtlichen Helfer Einfluss zu nehmen. Mal über anonyme Flugblätter (Motto: Ehrenamtliche Arbeit für Flüchtlinge lohn sich nicht), mal durch Sachbeschädigungen. Da hatte Johannes Haun gestern so einiges aufzuzählen: Rechte Parolen an Hauswänden und Fensterscheiben, mit Steinen eingeworfene Schaufenster (Dritte Welt-Laden und CDU in Lüttringhausen, Caritas-Beratungsstelle an der der Brunnengasse in Remscheid, beschädigte „Respekt“-Schilder, u.a. am städtischen Verwaltungsgebäude an der Haddenbacher Straße). Und das Auto von Pfarrer Haun sei von Unbekannten schwer beschädigt worden, ergänzte Sternkopf.  In allen Fällen sei Strafanzeige gestellt worden, um den Anfängen zu wehren.

Einiges vom dem, was für den Vorstand von „Remscheid Tolerant“ überraschend kam, ist für Fritz Beinersdorf, den Fraktionsvorsitzenden der Remscheider Linken, schon lange alltägliches politisches Geschäft, wie er gestern berichtete: „Drohbriefe und Hass-Mails“. Aber inzwischen treffe das auch „viele, die sich um geflüchtete Menschen kümmern.“ Dabei sei, so Johannes Haun, immer wieder die gleiche Handschrift feststellbar. Seine Bitte an die Bevölkerung: „Seien Sie achtsam, halten Sie Augen und Ohren auf!“ Zugleich widersprach Haun aber auch Gerüchten, in Lüttringhausen habe man eine bestimmte Person in Verdacht, die anonymen Briefe geschrieben und die Sachbeschädigungen begangen zu haben. Auch nächtliche Kontrollgänge durchs „Dorf“ sei die Sache von „Remscheid Tolerant“ nicht, wohl aber die Botschaft an alle Remscheider „Ein Ehrenamt lohnt sich auf jeden Fall!“

Nicht ausgeschlossen, dass die sexuellen Übergriffe auf Frauen in Köln auch in Remscheid gutwillige Helfer/innen verunsichert haben. Ihnen will der Vorstand von „Remscheid Tolerant“, wie er gestern betonte, „Mut machen und den Rücken stärken“. Und er bietet sich als Gesprächspartner an: Am Samstag, 27. Februar, zwischen 12 und 15 Uhr kann an mehreren Stehtischen auf der Alleestraße am Brunnen vor dem „Center“ sachlich und offen diskutiert werden, „auch über Ängste“. Martin Sternkopf: „Parteien, Gewerkschaften und Kirchen sind eingeladen, dort ebenfalls einige Stehtische mit diskussionsbereiten Vertretern zu besetzen!“

Mit dabei werden auch die Remscheider Grünen sein. Deren Sprecherin Beatrice Schlieper zeigte sich gestern vom Einsatz jener zahlreichen Ehrenamtlichen beeindruckt, die Flüchtlingen Hilfestellung in allen Fragen des Lebens geben: „Vielfach organisieren sich die Helferinnen und Helfer inzwischen sehr effizient selbst!“

Im Anschluss an die Pressekonferenz bereitete der Vorstand von „Remscheid Tolerant“ in der SPD-Geschäftsstelle das Programm der diesjährigen „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ vor. Fest steht für den 1.April schon ein Kabarettabend in der Lenneper „Klosterkirche“ mit Marius Jung, Comedian aus Köln. Eine „Welcome-Party“ von Remscheider Jugendlichen für jugendliche Flüchtlinge planen DGB und IG Metall für später. Marius Jung. Marko Röhrig, 1. Bevollmächtigter IG Metall Remscheid-Solingen: „Wir laden junger Leute herzlich ein, unser Organisationsteam zu verstärken!“ Für Johannes Haun war das ein Stichwort angesichts von ehrenamtlichen Helfer/innen, die nach monatelangem Einsatz gerne auch mal durchatmen, sprich: etwas kürzer treten wollen: „Ich lade herzlich dazu ein, dem Kreis der Ehrenamtlichen beizutreten. Es lohnt sich!“


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Chronist am :

Zum zweiten Mal in diesem Jahr wurde die Fensterscheibe eines Geschäftes an der Gertenbachstraße in Remscheid eingeworfen. Am Wochenende, vermutlich in der Nacht zu Sonntag (21. Februar), warf ein Unbekannter einen Mauerstein in das von einer Initiative betriebene Geschäft. Hierdurch wurden nicht nur die Scheibe, sondern auch Ausstellungsstücke beschädigt. Bereits im Januar (13.1. war es nachts zu einem Steinwurf gekommen - mit einer Art "Bekennerschreiben", welches darauf schließen ließ, dass es sich um eine politisch motivierte Tat Rechter handelte. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht Zeugen, die in der Zeit vom 20.2., 13 Uhr, bis 21.2., 10:50 Uhr, im Bereich der Gertenbachstraße in Lüttringhausen verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Hinweise nimmt die Polizei unter der Rufnummer 0202/284-0 entgegen.

Hans Georg Müller am :

Dieses Geschäft gibt der dritten Welt eine Möglichkeit, Waren aus fairem Anbau und Handel anzubieten. Unter dem Namen Flairladen bekannt . Die Ökumenische Initiative Lüttringhausen e.V. ist der Träger. Hier wird über die Ärmsten der Welt informiert. Hier arbeiten Ehrenamtliche, Praktikanten und Leute, die helfen wollen, eine bessere Welt zu schaffen. Was muß das für ein Typ "Mensch" sein , der so ein Lädchen kriminell angreift?

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