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AfD profitiert von Schere zwischen Arm und Reich

Pressemitteilung des SPD-Ortsvereins Stadtmitte / Hasten

Zum Neujahrsempfang des SPD-Ortsvereins Stadtmitte / Hasten konnte der Vorsitzende Sebastian Thiel am Sonntagnachmittag m ehr als 30 Personen in der SPD-Geschäftsstelle am Ebertplatz zu Kaffee und Kuchen und leckeren Schnittchen begrüßen, darunter auch den Vorsitzende der Remscheider SPD, Sven Wiertz. Er gab einen Ausblick auf das Jahr 2016. Dessen großes Thema werde die Integration von Flüchtlingen sein, auch die berufliche. Wiertz:" Die Menschen müssen hier ankommen. Das kostet Geld. Allerdings haben wir den Vorteil, dass wir in Remscheid mit der Flüchtlingspauschale des Landes auskommen könnten." Auf dem Parteitag der Remscheider SPD im April werde die Flüchtlingspolitik eine wichtige Rolle spielen, kündigte Wiertz an.

Nach Jahren eines scheinbar ungebremsten Bevölkerungsrückgangs scheint sich eine Trendwende anzubahnen. Nicht nur durch die rund 1.200 Flüchtlinge, die als zugewiesene dauerhaft in Remscheid leben werden, sondern auch durch nicht weniger als 1.003 Geburten, die das Sana-Klinikum 2015 verzeichnete. "Das waren 153 mehr als prognostiziert." so Wiertz. Als Folge müsse die Infrastruktur der Stadt in den Bereichen Kindertagesstätten und Schulen neu geplant werden. "Mehrere Schulstandorte, die eigentlich auslaufen sollten, müssen nun reaktiviert werden."

Das Erstarken der selbsternannten „Alternative für Deutschland“ (AfD) bereitet Sorge. Die Bundesvorsitzende dieser rechtsextremen Partei forderte jüngst den Einsatz von Waffen zur Grenzsicherung. "Diese Partei betreibt eine Verrohung der Politik." so Wiertz. Der Gründer dieser Partei, der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) Hans-Olaf Henkel, habe Recht, wenn er sagt, es sei ein Monster erschaffen worden. Die AfD ziehe ihre Kraft aus der zunehmenden ökonomischen Spaltung unserer Gesellschaft in Arm und Reich. "Die Spannungen in unserer Gesellschaft drohen stärker zu werden. Hiergegen müssen wir vorgehen!" 

Nach den Ereignissen von Silvester in Köln müsse der Staat Handlungsfähigkeit beweisen, betonte der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Remscheid. Gleichzeitig gelte aber, dass das Gewaltmonopol einzig und alleine beim Staat liege. "Die Polizei braucht mehr Personal und eine bessere Ausstattung. Bürgerwehren sind für unser Gemeinwesen schlichtweg inakzeptabel."


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Kommentare

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Peter Lange am :

Sven Wiertz hat zweifelsfrei recht, das Erstarken rechter Parteien und rechten Gedankengutes steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der zunehmenden Spaltung unserer Gesellschaft in arm und reich. Diese Einsicht ist zu begrüßen. Leider hat die SPD mit den Hartz-Gesetzen, Steuergeschenken für Reiche, Schaffung prekärer Arbeitsverhältnisse usw. diese gesellschaftlich verhängnisvolle Entwicklung maßgeblich mit befördert. Während weite Teile der etablierten Parteien die soziale Unterschicht bereits aufgegeben haben und diese von den etablierten Parteien nichts mehr erwartet, vollzieht sich parallel ein sehr gefährlicher Prozess; die für die Stabilität einer Gesellschaft wichtige, überwiegend gut gebildete Mittelschicht, bröckelt langsam dahin. Dadurch entstehen in Reihen der Mittelschicht Ängste vor dem gesellschaftlichen Abstieg in die Unterschicht. Diese Angst ist letztlich der fruchtbare Boden für die rechte Hetze, die wir momentan erleben. Die primitiven menschenfeindlichen Parolen dieser Hetzer könnten unter Umständen die entpolitisierte Unterschicht wieder auf eine Art und Weise für Politik begeistern, die sich niemand wünschen mag. Von daher sind die etablierten Parteien geradezu dazu verpflichtet, geeignete Strukturen zu schaffen, welche Angehörige der Mittelschicht vor einem Abstieg in die Unterschicht bewahren. Gleichzeitig muss den Angehörigen der Unterschicht eine echte Perspektive zum Aufstieg in die Mittelschicht gegeben werden. Die entscheidende Grenze in einer Gesellschaft verläuft nicht zwischen Rassen, Nationalitäten oder Religionen sie verläuft zwischen arm und reich, darum ist es sehr verwunderlich, dass dieses Thema in Politik und Medien dermaßen vernachlässigt wird, dann lieber die hundertste Werbe- Talkshow mit und über die Damen und Herren von der AfD. Es ist unglaublich. Unten ein Link auf einen Bericht des ARD-Magazins Monitor vom 4.2.2016, der sich löblicherweise mit der Problematik auseinandersetzt. Der Bericht hat sogar einen Bezug zu Remscheid. http://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/videosozialersprengstoffwiediebundesregierungdiekluftzwischenarmundreichvergroessert100.html

Ursula Wilms am :

Zwei interessante Beiträge vom gestrigen Tage, die es lohnt, einmal in der Zusammenschau zu betrachten: Peter Lange zum Thema „AfD profitiert von Schere zwischen Arm und Reich“ und der Chronist mit dem Artikel „McArthurGlenn startet aus der Pole Position“. In Lennep soll auf engem Raum zwischen Altstadt, gewachsener Bebauung und Hauptverkehrsadern ein überdimensioniertes Händlerdorf entstehen, das keineswegs in erster Linie für die Remscheider Bürgerinnen und Bürger gedacht ist - anders also als das Alleecenter – sondern für Shoppingtouristen aus der weiteren Umgebung und aus aller Welt. Das Problem ist der enge Raum, nicht nur für den bestehenden Einzelhandel, die Anwohner und den Verkehr – dies wurde und wird immer noch kontrovers diskutiert. Nicht diskutiert, und schon gar nicht berücksichtigt, wurde bisher der gesellschaftliche Aspekt. Das DOC soll auch zwischen Menschen entstehen, die sich das coole Shopping Event von vermeintlich reduzierten Must-Haves nicht leisten können, Menschen, die unter den Auswirkungen zu leiden haben, ohne diese kompensieren zu können. So liegt ein Flüchtlingsheim direkt in unmittelbarer Nähe an der Ringstraße, Schallschutzfenster wird es dort wohl nicht geben, auch keine Lärmschutzwand. Die Kinder spielen bei guter Witterung draußen, die Grundschulkinder müssen die Ringstraße überqueren, um zu ihren Schulen zu gelangen. Auch hier werden Lärm und Feinstaub krank machen. Bei den ausgelösten Erkrankungen, sind wir bei einem weiteren gesellschaftlichen Aspekt, der nicht in die Berechnung einbezogen wurde. Ein Aspekt, dessen kollektive Kosten nicht in Steueroasen gelöst wird, sondern von uns allen getragen werden muss. Die Gesellschaft in Lennep besteht nicht nur aus Profiteuren, sofern es diese überhaupt gibt, sie besteht zu einem erheblichen Teil aus Menschen, die außen vor bleiben, bleiben müssen. Wie wird sich diese immer weiter auseinander klaffende Schere auf so engem Raum auswirken? Diese Diskussion darf nicht erst geführt werden, wenn die Problematik augenfällig wird, Gucci versus Tafel sozusagen – oder „The true cost“, auch in Lennep Ach ja, eine zynische Idee zum Abschluss: da könnte man doch direkt in Lennep nähen lassen – made in Germany, im eigentlichen Sinne. Aber dann könnten wir ja darüber nicht mehr hinwegsehen, und das will doch keiner.

Gerd Rothbrust am :

Hallo Frau Wilms, ein sehr interessanter Beitrag… Mir ist beim Lesen die Erdrotation und der Neigungswinkel der Erdachse in den Sinn gekommen.Haben Sie nicht auch die Befürchtung, dass das DOC an dieser Stelle, gerade in Lennep, diese physikalischen Gegebenheiten der Erde negativ beeinflussen könnte?

Klaus Runge am :

Sehr geehrter Herr Rothbrust, bei Ihrem gedanklichen Schnellschuss haben Sie das Thema verfehlt. Es ging nicht um die verschobene Erdachse. Es geht um die größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Es geht um den über mehr als 90 Kilometer sogar bis China ausgedehnten DOC-Shopping-Event mit der Suche nach Markenartikeln, die vorher keiner haben wollte. Es geht um den Werbeartikel eines Investors, der alles daran setzt, Leuten, die schon alles haben, zu immer höherem Preis (Reise um die halbe Welt inklusive) noch etwas anzudrehen. Die als Köder vorgestellten zahlungskräftigen Kunden aus China kommen aus einem Land, in dem bei jedem Fernsehbericht die viel zu weit klaffende Lücke zwischen Arm und Reich deutlich zu erkennen ist. Bei uns gibt es offensichtlich Weltmeister im Kopf-in-den-Sand-Stecken, die alles daran setzen, die Sicht auf die auch bei uns immer größer werdende Arm-Reich-Lücke zu vermeiden. Die Erkenntnis, dass ein DOC ein Zeichen und eine Folge dieses Auseinanderklaffens ist, setzt allerdings einen lichten Augenblick voraus. Als ich vor mehr als drei Jahren zum ersten Mal mit einem Bekannten über die DOC-Pläne Remscheids sprach, sagte der: „Das braucht doch keiner.“ Er gehört nicht zu den Reichen unserer Gesellschaft. Trotzdem hat er Recht.

Gerd Rothbrust am :

Hallo Herr Runge, der Bogen zur Erdachse ist einfach zu schlagen: Für die Erde gibt es (ähnlich der Fußreflexzonen) ein Druckpunktsystem. Das DOC ist der Druckpunkt für die Koordinate 30 Grad w/ 45 Grad n der Erde. Die durch den Bau des DOC sich verändernden Drücke, verursachen einen Vulkanausbruch bei 30 Grad w/ 45 Grad n. Dabei treten gewaltige Mengen Magma aus, dadurch verdunsten schlagartig gigantische Mengen Wasser. In das entstehende monströse „Loch“ fließen riesige Wassermassen nach. Infolge dieser Dichteveränderungen beginnt die Erde zu taumeln – sie läuft unrund, beginnt zu „eiern“ UND die Katastrophe ist perfekt! Die Erdachse ist zwar nicht verschoben, aber nicht mehr stabil!

Brigitte Kieslich am :

Hallo, Herr Rothbrust, ich verstehe durchaus Ihre Intention, sich darüber lustig zu machen, dass auch dieses Thema wieder einmal zur Diskussion um das DOC führt. Andererseits sollte wirklich langsam auch in Remscheid die gesellschafts- und umweltpolitische Diskussion ankommen, wie viel Schnäppchen-Konsum eine Gesellschaft braucht und unsere Umwelt vertragen kann. WHO und Umweltorganisationen warnen seit langem vor den Folgen des ausufernden Verkehrs - Remscheid rennt mit dem DOC in die entgegengesetzte Richtung und will sogar Kunden aus China anlocken! Die Problematik der Billigproduktionen und der Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter in den Billiglohnländern ist seit langem bekannt - wollen wir das wirklich durch noch mehr "Schnäppchen-Tempel" fördern? Hinzu kommt der von Frau Wilms aufgeworfene Frage: wem nutzt das DOC? Sie hat Recht: den Nutzen hat der Konzern des Investors - die Folgen haben nicht nur die Lenneper Bürger in Form von massiven Verkehrs- und Feinstaubbelastungen, sondern auch die Remscheider Bürger zu tragen, z.B. indem dringendere Straßenbauprojekte zugunsten guter Zufahrten zum DOC zurückgestellt werden.

Gerd Rothbrust am :

Hallo Frau Kieslich, ich habe mich mit meinem Münchhausenkommentar lediglich dem Argumentationsniveau der DOC-Gegenspieler angepasst. Die Begründungen für/wider des DOC sind ausgetauscht, die Frontlinie ist abgesteckt. Letztlich bleibt nur der Klageweg, wobei das Neidpotential der umliegenden Städte ein Pluspunkt für die Gegner ist.

Brigitte Kieslich am :

Hallo, Herr Rothbrust, sorry, aber ich kann an den Kommentaren von Frau Wilms und Herrn Runge keine münchhausenmäßige Argumentation finden. Dagegen schätze ich die Scheuklappenargumentation der Pro-DOC-Fraktion als schildaesk ein. Fazit: Wie Sie schon schreiben: die Argumente sind ausgetauscht und die Frontlinien gezogen. Zur Vermeidung solcher Kreisdiskussionen würde ich mir in Deutschland mehr Basisdemokratie - sprich: Bürgerabstimmungen wünschen, bei der klar definierte Fragestellungen zur Abstimmung vorgelegt und die Ergebnisse nicht im Nachhinein für andere Fragestellungen uminterpretiert werden.

Gerd Rothbrust am :

Hallo Frau Kieslich, ich sehe in den Kommentaren von Frau Wilms und Herrn Runge einiges Münchhausenhaftes – genauer gesagt, sie bewegen sich im Münchhausen-Trilemma. Die von Ihnen gescholtene Pro-DOC-Fraktion argumentiert zwar ähnlich, allerdings unterfüttern sie alles mit „gekauften“ Gutachten. Mit Ihrer Forderung nach Basisdemokratie schießen Sie ein Eigentor, denn die DOC-ferne Basis ist viel größer als die DOC. nahe… Ich denke, wenn Sie in RS-Hasten wohnen würden, wäre auch Ihr Blick auf das DOC viel entspannter.

Brigitte Kieslich am :

Hallo, Herr Rothbrust, bzgl. des Ausgangs einer solchen Bürgerbefragung wäre ich nicht so sicher wie Sie - unsere Verwaltung wohl auch nicht; sonst würde sie sich nicht so beharrlich verweigern. Das Ergebnis der Befragung zum Standort Blume einfach umzudeuten, empfinde ich persönlich als massive Zumutung und Pervertierung des Bürgerwillens.

Klaus Runge am :

Sehr geehrter Herr Rothbrust, wenn Sie dem Hastener attestieren, dass er sich bei der DOC-Planung entspannt zurücklehnen könnte, unterschätzen Sie ihn möglicherweise. Vielleicht genießt stattdessen der Hastener den leider seltenen lichten Moment. Er erkennt, dass eine groß denkende Stadtplanung auch ihn betreffen könnte. Die plant in Lennep großflächige Grün- und Freiflächenversiegelungen nach Stadion- und Grundschulzerstörung (das ist eine prämiierte Schule der Zukunft „Bildung für Nachhaltigkeit“). Remscheid plant innerstädtische Baumzerstörungen mit Zahlen, bei denen der Alt-Remscheider blass werden sollte (für eine einzige Buche auf dem Weg nach Hasten oder einen vertrocknenden Stadtparkteich so ein lächerlicher Aufstand). In Lennep wird groß gedacht. Mehr als 120 eigentlich durch die Baumschutzsatzung geschützte Bäume, viele kleinere und Gebüsche werden „überplant“ und zu Zellstoff transformiert. Die Stadtplanung plant auch eine starke Verkehrsvermehrung und eine Schallschutzmauer bei gleichzeitiger Hauptstraßensperrung usw., usw. Möglicherweise erkennt der Hastener mit Durchblick, dass die durch diese Planung verursachten Verkehrs- und Umweltbelastungen auch ihn betreffen könnten. Umweltbelastungen haben die für viele Bürger unverständliche Eigenschaft, sich nicht durch (Stadtteil)-Grenzen aufhalten zu lassen. Aber gibt es denn überhaupt einen Klimawandel? Doch nur in der Sahelzone oder nur vielleicht! Möglicherweise merkt der Hastener sogar, dass eine auf solche Entwicklungen zielende Stadtplanung in ähnlicher Weise beim nächsten Mal auch seinen eigenen Stadtteil treffen könnte. Wie wäre es mit einer investitionsfreudigen großflächigen Überbauung des Morsbachtals (schnellere Verbindung zum FOC-Wuppertal, auch für den Heimweg des Oberbürgermeister) oder mit anderen fortschrittlichen und langfristig tragfähigen Zukunftshoffnungen? Märchenhelden wie Münchhausen könnten dann bei einem Verkehrsstau auf halbem Pferd oder einer Kanonenkugel über diese schöne neue Welt hinweg- reiten oder fliegen.

Gerd Rothbrust am :

Frau Kieslich, Herr Runge, Sie haben meinen Kommentar nicht wirklich gelesen, sonst wäre besonders Ihre Antwort, Herr Runge, nicht so formuliert. Ich kann Ihnen nur empfehlen, sich mit dem Münchhausen-Trilemma zu beschäftigen – besonders mit dem infiniten Regress. Zur Problematik DOC hatte ich Stellung bezogen, als es um das CO2 ging. Ich kann es gerne noch einmal tun: Es ist mir fast total egal, ob Remscheid ein DOC bekommt, in Lennep halte ich es allerdings für einen Schildbürgerstreich! UND ich kann jeder Zeit einfach anderswo hinziehen, sollte ich zu sehr gestört werden. Um Ihren bestimmt folgenden Vorwurf - fehlendes soziales Engagement - vorzugreifen: Ich habe gelernt, es lohnt sich nicht gegen/für „die-mit-dem-großen-Magen“ etwas tun zu wollen – sie sind immer in der Überzahl… Dieser Personenkreis wird nur aus Schaden klug!

Brigitte Kieslich am :

Hallo, Herr Rothbrust, leider betrifft der Schaden, den "die mit dem großen Magen" anrichten, nicht nur sie persönlich. Die alte Weisheit „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann‘‘ gilt immer noch - und wird täglich aktueller. Keine der etablierten Parteien bietet für irgendeines der wachsenden gesellschaftlichen Probleme echte Lösungen - das ständige Schielen auf Machterhalt und Umfragewerte macht die Situation nicht besser. Dank des Internets sind Bürgerkampagnen inzwischen einfacher machbar (Beispiele: Campact, wemove.eu) und können manchmal sogar etwas erreichen. Zu Ihrem Vorschlag, wegzuziehen: abgesehen davon, dass gewachsene soziale Kontakte diese Entscheidung nicht leicht fallen lassen, hat Herr Runge Recht damit, dass die Umweltverschmutzung nicht an Stadtgrenzen halt macht - dazu gab es kürzlich auf arte eine sehr eindrucksvolle Dokumentation zum Thema Luftverschmutzung. Wohin sollen unsere Kinder und Enkel ziehen, wenn wir dieser Entwicklung nicht endlich Einhalt gebieten? Natürlich fühlt man sich dabei wie Don Quichotte im Kampf gegen die Windmühlen, und auch ich habe wie Sie eine eher resignative Grundhaltung dazu, tatsächlich etwas ändern zu können - für mich war die Planung DOC in Lennep der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Offensichtlich haben inzwischen viele Bürger von der Taktiererei der etablierten Parteien und dem dafür verantwortlichen Machtstreben und Lobbyismus die Nase voll - womit wir bei den Gründen für das Erstarken der AfD wären. Die alten Taktiken Ausgrenzen, Totschweigen und Nicht-mit-den-Neuen-sprechen haben schon den Aufstieg der Grünen nicht verhindert - sie werden auch im Fall AfD nicht helfen. Sachliche Auseinandersetzungen statt dummer Sprüche und Problemlösungen statt Taktierens und unglaubwürdiger Wahlversprechen wären in der Politik dringend angebracht; dazu eine Portion ernsthafter Auseinandersetzung mit dem Bürgerwillen anstelle von unglaubhaften Kleinkindberuhigungsversuchen - vielleicht hätte man dann auch wieder höhere Wahlbeteiligungen, was unbekannteren neuen Parteien den Aufstieg erschweren würde. Damit sind wir beim Thema des Artikels: Die AfD profitiert nicht nur von der Schere zwischen Arm und Reich, sondern von einer latenten allgemeinen Unzufriedenheit .

Gerd Rothbrust am :

Sehr geehrte Frau Kieslich, für Sie gilt das Gleiche wie für Herrn Runge - Ihre Argumentationkette führt in den Trilemma-Zirkel! Vor allem übersehen Sie einen wesentlichen Punkt: Die PRO-Fraktion will ein DOC bauen - Sie bauen Potemkinsche Dörfer!

Brigitte Kieslich am :

"Als Potemkinsches Dorf (russisch Потёмкинская деревня) – teilweise auch in der Schreibweise Potjomkinsches Dorf – wird etwas bezeichnet, das fein herausgeputzt wird, um den tatsächlichen, verheerenden Zustand zu verbergen. Oberflächlich wirkt es ausgearbeitet und beeindruckend, es fehlt ihm aber an Substanz." (wikipedia). Bisher konnte ich Ihrer Argumentation folgen und diese auch teilweise akzeptieren - ich bitte um Erläuterung, wo ich Potemkinsche Dörfer baue. Eigentlich bin ich eher der Ansicht, dass Politik seit einigen Jahren nichts anderes mehr tut, als Potemkinsche Dörfer (in der oben aufgeführten Definition) zu bauen. Das ist genau das, was ich kritisiere!

Gerd Rothbrust am :

General Potemkin „soll“ diese Dörfer als Kulissen errichtet haben, um etwas zu bewirken. In seinem Fall, um blühende Landschaften vorzutäuschen. Sie und die DOC-Gegner bauen Bedrohungskulissen auf, um etwas zu verhindern. Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, dass die Pro-Fraktion nicht mehr reagiert, denn: Wer sich verteidigt, klagt sich an! Die Pro-Fraktion lockt mit Glückshormonen, einem selig machenden Einkaufsparadies, mit Vergnügen pur. Die Contra-Fraktion prophezeit Stresshormone, prognostiziert Chaos, Krankheiten, usw. Jetzt setzen sie noch Machiavellis „…ein Volk bleibt immer dumm“ ein und überlegen was passiert. Ihre Strategie kann nicht zum Erfolg führen, Sie müssen handeln und nicht reden.

Brigitte Kieslich am :

Prima Idee! Welche Handlungen schweben Ihnen vor?

Gerd Rothbrust am :

Ich habe mich nicht näher mit der Problematik beschäftigt, Frau Kieslich. Spontan fällt mir ein: Verbündete suchen – z.B. neidische Nachbarstädte, Herr Maar – der hat jede Menge Erfahrungen. Das sind kostenneutrale Möglichkeiten. Kostenintensive sind Gegengutachten, gerichtliche Verfügungen etc., als letztes Mittel bleibt wegziehen. Bei dieser Möglichkeit sehe ich schon unseren obersten Stadtvertreter salbungsvoll referieren: Das Flüchtlingsproblem ist gelöst! Durch umsichtiges Handeln des Rates konnten weitsichtige Bürger unserer Stadt ermutigt werden, Wohnraum bereit zu stellen. Unsere Stadt ist durch dieses großzügige Verhalten in einer mehrfachen win-win-Situation.: Maulende Leistungsträger mit Auto konnten durch nicht maulende Leistungsempfänger ohne Auto ersetzt werde. Dadurch wird die Parksituation rund um das DOC verbessert und Lennep ist befriedet. Außerdem wurde die Überalterung verringert, denn die Leistungsempfänger sind deutlich jünger und haben viel mehr Kinder. Mehr Kindergartenplätze entfallen auch, weil das Betätigungsfeld der lieben kleinen fußläufig erreichbar ist. So können wir frohgemut in die Zukunft blicken.

Lothar Kaiser am :

Eine "unendliche Geschichte" bei abnehmender Qualität?!!

Beatrice schlieper am :

Wie Recht Sie haben, Herr Kaiser. Sich Wissensbrocken um die Ohren zu schlagen, ist bestimmt kein Qualitätskriterium.

Klaus Konkel am :

Stimmt, man sollte sich lieber mal an die Verursacher der Schere zwischen Arm und Reich wenden.

Gerd Rothbrust am :

Wer sind denn die Verursacher dieser Schere, Herr Konkel?

Klaus Konkel am :

Grundsätzlich sind das die Menschen, die Kriege anzetteln und Mitmenschen als Gegner titulieren.

Gerd Rothbrust am :

ok Herr Konkel ;-)

Klaus Konkel am :

Im Weiteren erkennt man die Verursacher auch daran, wenn sie Fronten abstecken und Marschrouten festlegen.

Klaus Runge am :

Sehr geehrte Frau Schlieper, statt Ihres Versuches, Wissensvermehrung zu bremsen, bin ich am Gegenteil interessiert. Ich wüsste zu gern und seit Jahren vergeblich, mit welchen wirklich stichhaltigen Argumenten die (ehemalige?) Pro-Grün-Partei die außergewöhnliche Grün-Zerstörung und extreme Zunahme der Versiegelung in Lennep zu Gunsten des DOC rechtfertigt. Wirklich! Das wäre keine Verteidigung im Sinne von Herrn Rothbrust, sondern ein redlicher Aufklärungsversuch.

Gerd Rothbrust am :

Hallo Herr Runge, man muss schon "etwas dicker auftragen", damit sich das "Establishment" rührt...

Klaus Konkel am :

Was mich eher wundert: Die Vorlage für diesen, auch mit Argumenten reichlich gefüllten Thread entstammt einer Pressemitteilung von SPD Ortsgruppen. Was liegt näher als hier in Kontakt und Dialog mit der Öffentlichkeit zu kommen?

Peter Lange am :

Nach dem qualitativ äußerst hochwertigen und inhaltlich sehr fundierten Kommentar von Frau Schlieper, gilt es Mut zu fassen um nochmals ein paar „Wissensbrocken“ in die Diskussion einzuwerfen. Die grüne Frontfrau hat den unwissenden Amateur Kommentatoren auf großartige Art und Weise, ohne überheblich zu wirken, die relevanten Zusammenhänge zum Thema erklärt. Gratulation und vielen Dank! Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in der deutschen Politik und Gesellschaft den breiten Konsens, keine allzu große soziale Ungleichheit aufkommen zu lassen, da die soziale Ungleichheit der 1920er Jahre den Aufstieg der Nazis begünstigt hatte. Es entsteht der Eindruck, dass heute die Lehren aus der Geschichte, sich nur noch auf die jeweils tätigen politischen Akteure und deren Tun beschränken, statt auf die Vermeidung der Rahmenbedingungen welche den Aufstieg solcher Akteure erst ermöglichen. Dazu ein Zitat von August Talheimer aus dem Jahre 1929: „Die Diktatur ist noch nicht da. Sind aber die Bedingungen geschaffen, so wird sich die nötige Figur irgendwie und irgendwo finden. Sind die sozialen und politischen Bedingungen bereit, so genügt die ordinärste Blechfigur.“ Armut und die Angst vor Armut ist geeignet die Menschen zu radikalisieren, dies muss verhindert werden, ob Kommentare wie der von Frau Schlieper dabei hilfreich sind dieses Thema zu diskutieren muss jeder für sich entscheiden.

Gerd Rothbrust am :

Hallo Herr Lange, wer keine Argumente hat, muss sich etwas anderes überlegen. Das gilt besonders für Frontfrauen – denn die wollen ihren „Posten“ behalten - also nicht so ernst nehmen! Nach dem zweiten Weltkrieg gab es vor allem den Konsens des Wiederaufbaus. Von diesem Konsens profitierten alle – die einen mehr die anderen weniger. Die „Schere“ gab es da auch schon. Allerdings wachsender „Wohlstand“ und wachsende Zufriedenheit sicherten breite Zustimmung und Zusammenhalt. Nur „kleiner Wohlstand“ wächst langsamer als „großer“ und so spreizte sich die Schere immer schneller (kleines Einmaleins). Zum Thema lernen aus der Geschichte: 14.6.1789 Sturm auf die Bastille – das verarmte Volk machte Tabula rasa – die Köpfe der Reichen, des Adels, rollten in einen Korb. UND… am 1.12.1804 wurde Napoleon zum Kaiser gekrönt – Machiavellis „Volksdefinition“ lässt grüßen! Der Mensch ist ein „Herdentier“, er braucht „Leittiere“, das ist in der Evolution festgelegt.

Ursula Wilms am :

Doucement, Monsieur, doucement. Die Geschichte der französischen Nation endet nicht mit Napoleon und einem Kaiserreich. Und was es "immer schon" gab, muss nicht weiterhin Bestand haben. Die Monarchie hat in Europa heute nach vielen Jahrhunderten, wenn überhaupt, nur noch repräsentative Funktionen. Aber darum geht es doch gar nicht. Es geht darum, den sozialen Frieden zu erhalten oder auszubauen, er ist heute mehr denn je in den letzten Jahren in Gefahr. Es geht darum, nach vorne zu schauen und für den Bereich, in dem man steht, das Bestmögliche zu erreichen. Dabei dürften die Bereiche schon etwas größer sein als Lennep oder Hasten - Remscheid sollte man doch als Gesamtes im Blick haben. Das war der Ausgangspunkt und dafür erwarte ich immer noch konkrete Vorschläge von Ihnen, Herr Rothbrust. Welche Weichenstellungen verschärfen den sozialen Konflikt, bzw. wie mildern wir ihn ab. Ein Gefecht im Elfenbeinturm brauchen wir an dieser Stelle nicht. Von Ihrer Allgemeinbildung sind wir nun hinreichend überzeugt und darum schließe ich mit einem Zitat und bin sicher, dass ich Ihnen den Autor nicht nennen muss: "Erst kommt das Fressen und dann die Moral."

Gerd Rothbrust am :

Sehr geehrte Frau Wilms ich soll nun en Passant ein Grundproblem lösen, das es gibt seit dem es Menschen gibt. Vielen Dank für Ihre hohe Meinung von mir. Worauf soll sich mein Lösungsvorschlag beziehen: Deutschland/die „Armen“ der Erde/gesamte Menschheit – denn nur den Bereich Remscheid zu „befrieden“ wird nicht reichen! Um einen Einstieg zu bekommen: Wie wäre es mit weltweiter Geburtenkontrolle?

Klaus Konkel am :

Hallo Herr Rothbrust, nicht die nun von Ihnen ins Spiel gebrachte Gruppendynamik sondern Gruppendenken (s. auch Wikipedia) ist das Thema - in diesem Kontext auch Harmonie der Gruppe statt Harmoniebedürfnis. Das "starke Motiv" (Ziele) ist der allgemeinen Grundlagenforschung für Gruppen und Teamarbeit anzusiedeln. Fraktionszwang ein korrektes Beispiel. Nach Irving Janis ist Groupthink ein „Denkmodus, den Personen verwenden, wenn das Streben nach Einmütigkeit in einer kohäsiven Gruppe derart dominant wird, dass es dahin tendiert, die realistische Abschätzung von Handlungsalternativen außer Kraft zu setzen". Eine Kolumne mit dem Titel "Merkel steckt in der Groupthink-Falle" von Jan Fleischhauer, auf spiegel online nachzulesen, hat mich auf die Forschung von Irving Janis aufmerksam gemacht. Mein Beitrag ist der Versuch, die Erklärung zu finden, warum trotz begründeter, höflicher Argumentationen und Nachfragen von Herrn Runge und anderen Teilnehmern nichts anderes als weitere Doc Propaganda zu lesen ist. Zum eigentlichen Thema dieser Diskussion, die AfD profitiere von der Schere Arm und Reich (wer profitierte vorher?), paßt Groupthink kills als Erklärung ebenso, wenn Sie den Beitrag von Frau Karin Dasbach, Caritas Remscheid aus diesem Blickwinkel betrachten.

Gerd Rothbrust am :

Hallo Herr Konkel, klar hat der überwiegende Teil der Kommentare nichts mit der Pressemitteilung der SPD zu tun – aber wie heißt es so schön:“ Das Wissen ist überall in der Welt, man muss sich nur dafür öffnen“ und ein wenig Spaß bringt es auch. Deshalb zurück zu unserem „Zitataustausch“: Gruppendynamik ist ein Oberbegriff für Vorgänge in Gruppen (begründet von Kurt Lewin). Somit fallen auch die Forschungsergebnisse von Irving Janis darunter. Ähnliches gilt für das von mir verwendete „Harmoniebedürfnis“: Es war ironisch gemeint (deshalb in Anführungsstrichen), zudem um Harmonie (= zusammenführen/vereinheitlichen/angleichen) herzustellen, muss ein BEDÜRFNIS (Grund)/Wille/Machtfaktor/Ziel vorliegen. Im Fall DOC gibt es keine „starken Leiter“, aber ein starkes LEITmotiv. Das Ziel (ein DOC in Remscheid) war Konsens, was fehlte war ein Bauplatz. Auch die Erklärung für das Verhalten der beiden DOC-Gegenspieler ist trivial: es wurde alles gesagt, somit schweigt die Profraktion entnervt und die Kontrafraktion redet verzweifelt. Zum Schluss: Groupthink kills zur „Generalerklärung“ heranzuziehen ist ein wenig zu einfach.

Mathilde Blauschwanz am :

Wie recht Sie haben, Herr Rothbrust! Die Erdachse ist nicht mehr stabil. Dafür gibt es viele Ursachen: die Dynamik nicht linearer Systeme ist eben nicht berechenbar, darum ist Ihr energetischer Ansatz, der die Erde als ein Druckpunktsystem sieht, durchaus zu rechtfertigen. Es wäre wünschenswert, wenn die vielfältigen Auswirkungen des menschlichen Handelns endlich in der Komplexität ihrer Beziehungen gesehen würden, dann würden die täglichen Nachrichten eine entspannendere Lektüre darstellen. Vielen Dank, Herr Rothbrust.

Gerd Rothbrust am :

Hallo Frau Blauschwanz, periodische Richtungsschwankungen der Erdachse gab es schon, bevor es Menschen auf der Erde gab (18,6a; 9,2“ rechtwinklig; 6,8“ parallel der Ekliptik). Somit schließe ich die Beeinflussung durch den Menschen aus – ich bin allerdings kein Experte für Nutation...

Ursula Wilms am :

Sehr geehrter Herr Rothbrust, Ihrer kurzen Antwort entnehme ich, dass Sie die Zusammenhänge nicht sehen können oder für übertrieben halten. Die soziale Problematik des DOC in Lennep ist aber bisher noch gar nicht berücksichtigt worden, und anders als die Umweltproblematik auch nicht diskutiuert worden. Aber hier werden ganz unterschiedliche soziale Gruppen auf engem Raum aufeinander treffen. Das kann nicht folgenlos bleiben. Ich verweise daher auf das heute in der BM erschienene Interview mit Prof. Christoph Butterwege und empfehle es Ihrer Lektüre. Ich hoffe, dass Sie dann in der Lage sind, die Zusammenhänge besser zu erkennen.

Gerd Rothbrust am :

Sehr geehrte Frau Wilms, ich habe das Interview gelesen – sehr beeindruckt war ich nicht, und schlauer bin ich auch nicht. Wie wäre es mit dieser These: Ein Axiom des Lebens auf der Erde ist – fressen und gefressen werden. Problematisch in diesem System ist eine Population am Ende der Nahrungskette, die keine Fressfeinde hat. Diese Population frisst nur, sie ist also ein Parasit, ein Schmarotzer. Wenn diese Population sich auch noch ungebremst vermehrt und hemmungslos frisst, wird es kritisch für diese Population. Der Mensch ist so eine Population!

Karin Dasbach, Caritas Remscheid am :

Der Caritasverband und andere Wohlfahrtsverbände erleben seit der Einführung von Hartz IV und der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes eine zunehmende Armut und schleichende Ausgrenzung von Armen. Die Spaltung unserer Gesellschaft in Arm und Reich schreitet massiv voran. Manchmal scheint es, die Daseinsfürsorge des Staates beschränkt sich auf „Der Markt wird es regeln“. Programme zur Bekämpfung von Armut und Arbeitslosigkeit werden immer weiter reduziert. Auf einmal geht es - jetzt soll es Programme geben, z.B. Beschäftigungsprogramme, Wohnungsbauprogramme, mehr Lehrer, etc. Es grummelt in der Gesellschaft: „Für die Flüchtlinge ist auf einmal Geld da! Wir finden auch kaum bezahlbare Wohnungen, gehören ab 50 Jahren zum alten Eisen und werden ohne Ausbildung nicht eingestellt. Uns hilft keiner! Im Gegenteil - wir werden als Schmarotzer beschimpft, unsere Kinder müssen sich schämen.“ Eine Politik, die gewollt oder ungewollt, Arme gegen Arme ausspielt, riskiert den sozialen Frieden unseres Landes und spielt den Rechtsextremen und populistischen Stimmungsmachern den Ball zu. Es ist schließlich eine gefährliche Illusion zu glauben, deutsche Hartz IV-Bezieher/innen und deutsche Rentner/innen hätten mehr Geld zu erwarten, wenn die Grenzen geschlossen und Zuwanderer abgewehrt würden. Deshalb müssen alle Programme, die jetzt aufgelegt werden, Allen zu Gute kommen. Sie nützen auch Allen. Die letzten Monate haben bewiesen, welche positiven Effekte eine dadurch gesteigerte Kaufkraft und die damit verbundene steigende Binnennachfrage auf alle Bereiche hat. Deshalb ist die staatliche Förderung im Rahmen dieser Programme kein verschleudertes Geld, sondern sichert den sozialen Frieden, ist Prävention gegen Rechtsextremismus und mildert die Spaltung der Gesellschaft. Andernfalls wird sich die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland durch die vermehrte Zuwanderung überwiegend mittelloser Flüchtlinge weiter vertiefen, es besteht sogar die Gefahr der weiteren Separierung und Armut von ethnischen Gruppen - Das ist sozialer Zündstoff! Kurzum, das Wort Sozialstaat muss für Alle, auch für Deutsche, wieder ein Begriff mit konkretem Inhalt werden – anderenfalls wird die ausländerfeindliche Stimmung wachsen und die rechten Kräfte werden gestärkt.

Gerda Spaan am :

Stimme Frau Dasbach aus ganzem Herzen zu. Konkret machen in Remscheid Tafel und Möhrchen große Anstrengungen, um den Grundbedarf armer Menschen auf Nahrung zu sichern. Nicht auszudenken, diese Unterstützung müsse gekürzt werden, weil die Zahl natürlich, auch durch die Flüchtlinge bedingt, steigt und weiter steigen wird.Hartz IV stellt Familien mit Kindern im Alter bis fünf Jahren an Essensgeld pro Tag 2,90 Euro, bis 14 Jahren 3,57 Euro und bis 17 Jahren 4,56 Euro zur Verfügung. Da bleiben nur die Tafel und Möhrchen! Ich hoffe sehr, dass die Unterstützung sowohl für die Tafel als auch für Möhrchen ausreichend bleibt, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden. Und da geht es dann ganz einfach "nur" ums Essen.

Peter Maar am :

"Deshalb müssen alle Programme, die jetzt aufgelegt werden, Allen zu Gute kommen", schreibt Frau Dasbach von der Caritas völlig zu Recht. Zu "Allen" zählen für mich auch die laut aktueller Veröffentlichung der Agentur für Arbeit 4.553.000 (!) erwerbslosen Jugendlichen unter 25 Jahren in der EU, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. EU-weit sind dies 20 Prozent. Konkret einige Zahlen: Spanien: 786.000 (47,5 %), Frankreich: 721.000 (25,7 %), Vereinigtes Königreich: 607.000 (13,5 %), Italien: 581.000 (38,1 %) arbeitslose junge Menschen. Ich hoffe, dass man diese Zahlen und die damit verbundene Erwartung noch nennen darf, ohne gleich als Rechtsradikaler verdächtigt zu werden.

Peter Lange am :

Im Folgenden ein paar Fakten zur gemessenen Ungleichheit in Deutschland aus dem Jahr 2007 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin. Das Vermögen der 800.000 wohlhabendsten Deutschen ist fast genauso groß wie das Vermögen der übrigen 80 Millionen zusammen. Die untersten 20 Prozent der Bevölkerung besitzen überhaupt kein Vermögen und Deutschland zählt im internationalen Vergleich zu den Ländern mit der höchsten Vermögensungleichheit. Diese Tendenz hat sich in den letzten Jahren fortgesetzt. Angesichts dieser Untersuchungsergebnisse wirkt die gebetsmühlenartig in Politik und Presse stets wiederholte Aussage „Deutschland geht es gut“ wie blanker Hohn, dies mag nach betriebswirtschaftlichen Zahlen so sein, spiegelt aber nicht die Lebenswirklichkeit eines großen Teils der Bevölkerung wieder. Ein entschlossener Wiederaufbau des Sozialstaates bietet die Aussicht auf sozialen Frieden und bringt nebenbei noch eine Stärkung des Binnenmarktes mit sich. Tafeln sind unter den gegenwärtigen Umständen unentbehrlich, können jedoch keine Dauerlösung darstellen. Das Internationale Konzerne die Steuergesetzgebung in ihrem Sinne zu beeinflussen suchen, ist diesen ebenso wenig zu verübeln wie das Ausnutzen von Steuerschlupflöchern. Es ist die Aufgabe der Politik die grassierende Steuervermeidung einzudämmen. Dies ist allerdings eine schwierige Aufgabe wenn man bedenkt welche Macht der internationale Finanzmarkt mittlerweile hat. Man denke nur an den Finanzgiganten „Black Rock“ der nahezu an jedem DAX Konzern beteiligt ist. Dies birgt ein hohes Beeinflussungspotential.

Klaus Konkel am :

Für mich der Kommentar des Monats, Herr Runge.

Klaus Runge am :

Danke für das Kompliment, Herr Konkel. Aber noch mehr, als das auszusprechen, liegt mir an der Wissensvermehrung. Natürlich stelle ich nur zart (das geht an H. Rothbrust) anklopfend, nicht nur grüne Gewissensfragen, sondern bin ebenso an den SPD-Plänen interessiert, die Schere zwischen Arm und Reich wieder etwas zu schließen. Weder mit dem grünen Gewissen, noch mit den nachgefragten SPD-Plänen scheint mir die DOC-Planung im Einklang zu stehen. Nach meinem sicher üblen Vorurteil ist diese Planung auf Dauer und für den größten Teil aller Remscheider wahrscheinlich genau das Gegenteil. Genau wegen dieses Vorurteils bitte ich um Argumente. Man hat doch gerade im Rat über die gerechte Abwägung aller Gründe für und gegen das DOC abgestimmt und sie im übergreifenden Fraktionszwang fast einstimmig gebilligt – auch die stärkste Fraktion, die hier in diesem Blog so absonderlich und anhaltend schweigt, war dabei. Sie ist sogar in Duisburg immer noch für das FOC statt der Zinkhüttensiedlung. Da sollten alle Pro-FOC/DOC-Argumente noch ganz präsent sein und man könnte den unwissenden Bürger ohne große Mühe endlich aufklären. Das kann doch wirklich nicht zuviel verlangt und zu schwer sein.

Klaus Konkel am :

Hallo Herr Runge, kennen Sie den Begriff "Groupthink kills"? Er stammt von dem Psychologen Irving Janis und beschreibt einen bestimmten Denkmodus von Menschen in einer Gruppe. Janis fragte sich, warum Gruppen mit an sich kompetenten und intelligenten Mitgliedern manchmal schlechte und desaströse Entscheidungen treffen, und kam zu dem Schluss, die Harmonie der Gruppe werde als wichtiger empfunden als die realistische Einschätzung der Situation. Die Gruppe versuche, Konflikte nicht aufkommen zu lassen oder zu minimieren und einen Konsens zu erreichen, jedoch ohne Ideen angemessen kritisch zu bewerten, zu analysieren und zu testen. Individuelle Sichtweisen und die individuelle Kreativität gingen verloren, Querdenken sei unerwünscht. Das Resultat (nach Janis) kann dann sein: Eine Gruppe von klugen Menschen trifft dumme Entscheidungen. Janis nennt folgende Erkennungsmerkmale: Die Gruppenmitglieder sind homogen zusammengesetzt (z.B. gleiche soziale Herkunft, gleiche politische Ansichten, gleiches Alter etc.). Die Gruppe wird von einem „starken“ Leiter geführt (direktiver Führungsstil). Symptome: Illusion der Unverwundbarkeit, was der Gruppenmeinung widerspricht, wird versucht, „passend“ zu interpretieren oder zu verharmlosen. Wer anderer Meinung ist, ist boshaft, schwach, blind, arrogant, voreingenommen oder dumm. Wer die Meinung der Gruppe anzweifelt, dem wird Illoyalität unterstellt und der wird auf Linie gebracht. Gruppenmitglieder äußern abweichende Ideen oder gar Kritik an der herrschenden Meinung nur andeutungsweise oder gar nicht. Illusion der Einstimmigkeit: Schweigen gilt als Zustimmung. Konsequenzen: Alternativen werden nicht oder unzureichend berücksichtigt. Einmal getroffene Entscheidungen werden nicht mehr hinterfragt. Externe Experten werden nicht hinzugezogen. Es werden nicht relevante Informationen gesucht, sondern nur „passende“. Es gibt keinen Plan B. Quelle: http://blog.my-skills.com/2009/10/11/groupthink-kills-wie-gruppendenken-zu-schlechten-entscheidungen-fuehrt.html

Gerd Rothbrust am :

Hallo Herr Konkel, Gruppendynamik spielt in diesem Fall bestimmt eine Rolle, aber „Harmoniebedürfnis“, bei dieser Gruppenzusammensetzung, anzunehmen ist zumindest gewagt. Zudem wo sehen Sie den „starken Gruppenleiter“? Eher ist von einem „starken Motiv“ auszugehen: das DOC haben zu wollen, Remscheid „zu retten“, dem abgefragten Bürgerwillen nachzukommen, nicht das gleiche Disaster wie bei der Blume. Da wird man schnell betriebsblind. Zudem gibt es noch den Fraktionszwang. Also viele Gründe keine Gegenrede (von einer Minderheit?) zu dulden. UND ganz wichtig: Fehler einzugestehen gilt in der Politik als „Totsünde“.

Klaus Konkel am :

OK, Herr Rothbrust, verlassen wir diese Diskussion an dieser Stelle, das Münchhausen Trilemma droht ;-). Ich ärgere mich eh darüber, daß mir zum zweiten Mal die Positionierung meiner Beiträge im Thread mißlungen ist.

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