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Zaghafte Annäherung an ein brisantes Thema

Die Aufnahme der Flüchtlinge sei in Remscheid gut gelungen, sagte gestern Abend beim 120. Presseclub in der Denkerschmette Sozialdezernent Thomas Neuhaus. „Extrem unwürdige Unterkünfte gibt es bei uns nicht.“ Stimmt. Und da war auch niemand im voll besetzten Saal, der da hätte widersprechen wollen. Bestenfalls leise wurde Kritik geäußert. Wenn beispielsweise Fritz Beinersdorf (Linke) nach einem Konzept fragte und darauf hinwies, dass es „hier und da hakt“ und (sinngemäß) jeder so vor sich hin helfe. Da räumte auch Thomas Neuhaus ein, dass es „Lücken gibt, auch Transparenzprobleme“. Um dann aber gleich wieder auf Erfolge zu verweisen, auf neue Plätze für Flüchtlingskinder in den Kitas und den Grundschulen – und auf mehr als 220 von der Stadt für Flüchtlingsfamilien angemietete Wohnungen.

"Flüchtlinge in Remscheid: Probleme? Ehrenamtliche Hilfsbereitschaft! Perspektiven?", hatte Gastgeber Reinhard Ulbrich den Abend überschrieben. Ein „Informations- und Diskussionsabend mit praktischen Beispielen und theoretischen Überlegungen“ sollte es werden. Doch für die Perspektiven und theoretischen Überlegungen reichte es dann aus zeitlichen Gründen nicht hat mehr. Die praktischen Beispiele für ehrenamtliche Hilfsbereitschaft wollten beschrieben werden, beispielsweise die im Remscheider Sport. In 13 Vereinen  gebe es mittlerweile vielfältige Angebote für Flüchtlinge, berichtete Daniela Hannemann, die Geschäftsführerin des Sportbundes Remscheid. Mit dabei auch  - und gestern vertreten – der RTV und der Bergische Boxclub.

Die deutsche Flüchtlingspolitik war gestern kein Thema, einmal abgesehen von der wiederholt geäußerten Kritik, finanziell würden die Kommunen in der Flüchtlingshilfe von Bund und Land im Regen stehen gelassen. Gut, dass Ulbrich die Frage nach irgendwelchen Obergrenzen ausklammerte. Darüber hätte man stundenlang diskutieren können, ohne zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Die sich täglich wiederholenden Talkrunden zu diesem Thema sind dafür der gefühlte Beweis.

Gut, dass die praktische Flüchtlingshilfe in Remscheid (!) im Vordergrund stand. Und dass auch Zeit war, von den persönlichen Gefühlen beim Kennenlernen von Flüchtlingen und ihren Schicksalen zu berichten. Da zeigte sich Betroffenheit auch bei Politikern. Beatrice Schlieper von den Grünen hatte in der Pestalozzischule in Lennep zu den ehrenamtlichen Helferinnen oder ersten Stunde gehört: „Jeder hat angepackt, ohne lange zu fragen!“

Deutlich wurde in der Diskussion aber auch, dass Ehrenamtliche im Umgang mit Flüchtlingen so manches erst zu lernen hatten. Ursula Durach (92), FDP-Kommunalpolitikerin, brachte es auf den Punkt: „Brauchen wir einen Dolmetscher der Kulturen?“ Sie hätte es auch als Forderung formulieren können. Dass Bildung und Ehrenamt koordiniert werden wollen, betonte Thomas Neuhaus. Er habe in Bund und Land zwei Förderprojekte entdeckt, um die sich die Stadt bemühen wolle, berichtete er. Vielleicht fielen dadurch für die Stadt ja zwei Projektstellen ab – ein Ehrenamts- und ein Bildungskoordinator.

In der Tat könnte ein wenig mehr Koordination in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe sinnvoll sein. Den hauptamtlichen Mitarbeitern fehlt dafür die Zeit. Sie wussten ohnehin zeitweilig nicht mehr, wo ihnen der Kopf stand. Neuhaus: „Die Kollegen sind an ihre Grenzen gekommen! Wir mussten uns auf das Existenzielle konzentrieren!“ Wohl auch deshalb lassen die Ausweise für Ehrenamtliche noch immer auf sich warten, wie Beinersdorf bemängelte. Und wohl auch deshalb scheint es nach wie vor mehr Durcheinander als klare Struktur zu geben bei den von privater Seite gestarteten Sprachkursen in den Notunterkünften und Flüchtlingsheimen.

Man müsse „eine klare Sprache sprechen“ und „Schwachstellen aufzeigen, sonst verändert sich nichts“, bemerkte Fritz Beinersdorf gestern. Schade, dass auch das im Unbestimmten blieb. Aber die Hoffnung bleibt – auch für den 121. Presseclub am 2. März. Reinhard Ulbrich will auch ihn dem Flüchtlingsthema widmen. Haben Sie konkrete Fragen, auf die Sie dann gerne eine Antwort hätten? Der Waterbölles wird sie an dieser Stelle veröffentlichen - und geht voran..


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Kommentare

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Gerd Rothbrust am :

Mein Eindruck von diesem Presseclub war nicht so positiv, sondern: Alle Versuche, auch noch so zaghafte, Realität in die Diskussionsrunde einzubringen, wurden von den in massiver Überzahl anwesenden Gutmenschen, mit anrührenden Erlebnisberichten überrollt. Diese Entwicklung passte genau in das Konzept des Moderators, und so wurde viel über den vorbildlichen Einsatz der Sportvereine (eine Herzensangelegenheit des Moderators) berichtet. Das Contra ging komplett unter! Die Veranstaltung degenerierte in ein kollektives Schulterklopfen und gipfelte zum Schluss in der Ankündigung, dass weitere so „erfolgreiche“ Veranstaltungen folgen werden.

Chronist am :

Thema Deutschkurse: Ist der Verwaltung bekannt, wer in welchen städtischen Einrichtungen welche Sprachkurse anbietet? Wer pflegt diese Liste? (Ansprechpartner)

Lothar Kaiser am :

Thema Versicherung für Ehrenamtliche: Sind inzwischen alle in den Notunterkünften und Flüchtlingsheimen aktiver Ehrenamtliche von der Stadt für ihre Arbeit versichert worden? Geschieht dies über unterschiedliche Versicherungen zu unterschiedlichen Konditionen oder pauschal über die Gemeindeunfallversicherung?

Lothar Kaiser am :

Thema minderjährige Flüchtlinge: Rund 70 leben inzwischen in Remscheid. Es heißt, es gebe Familien, die an einer Patenschaft interessiert sind. Trifft dies zu? Wie viele solcher Patenschaften gibt es bereits. Oder bestehen dagegen von Amts wegen Bedenken? Wenn ja, welche?

Lothar Kaiser am :

Thema Jedermannkonto: Die Geldinstitute sind auf Antrag zur Einrichtung eines solchen Kontos verpflichtet. Trifft es zu, dass hierzu ein „Empfehlungsschreiben“ des Sozialamtes erwartet und von der Behörde auch ausgestellt wird. Aus welchem Grunde?

Chronist am :

Thema Mietwohnungen für Flüchtlinge: Muss eine Flüchtlingsfamilie darauf warten, bis ihr die Stadt eine Wohnung zuteilt? Oder kann sie sich nach etlichen Monaten in einer Flüchtlingsunterkunft auch schon einmal selbst mit den Preisvorgaben der Verwaltung auf die Suche begeben und der Veraltung dann den gefundenen Vermieter benennen? Als beispielhaft werden in diesem Zusammenhang die Nachbarstädte Solingen und Wuppertal mit ihrem entsprechenden Informationsangebot im Internet genannt.

Lothar Kaiser am :

In welcher Höhe sind bislang beim Verein BAF e.V. Spenden für die Flüchtlingsarbeit eingegangen? Wie viel davon wurde inzwischen wofür verwendet?

Wolfgang Rau am :

Um noch eine Frage hinzuzufügen: In Skandinavien und Österreich tauchen "Ehepaare" auf, wo die Frauen zwischen 13 und 16 Jahre alt sind und die Männer weit über 20. Wie wird da in RS mit umgegangen? Ist ja wohl ein juristische Problem.

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