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Mit symbolischem Schulterklopfen ist es nicht getan

Der Preis "Stolz auf Remscheid!" der Remscheider SPD ging in diesem Jahr – beim  traditionellen Neujahrsempfang am 17. Januar - an die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in der Flüchtlingsarbeit und an Daniela Krein, die Geschäftsführerin des BAF e.V. (Foto). Der Verein war 1996 mit dem Ziel gegründet worden, in Remscheid im Auftrag der Stadt Unterkünfte für Flüchtlinge und Asylbewerber zu verwalten und die dort lebenden Menschen zu betreuen. Seit 2007 steht BAF nicht mehr für „Betreuung ausländischer Flüchtlinge“, sondern für „Begegnen, Annehmen, Fördern“. Getreu Leitbild, das sich der Verein damals gab: Den Menschen zu begegnen, sie so anzunehmen, wie sie sind und sie in ihren Stärken zu fördern für „eine gelungene Teilhabe an unserer Gesellschaft“. Eine schwierige Aufgabe, die mit den Jahren immer schwieriger geworden ist – und die die Akteure, die Hausmeister, die Sozialarbeiter, die Vorstandsmitglieder und vor allem Geschäftsführerin Daniela Krein an ihre Belastungsgrenze  gebracht hat.

Dass die damals vier Sozialarbeiter und die im Drei-Schichten-Betrieb eingesetzten Hausmeister des BAF „am Limit“ arbeiten (manche Hausmeister nur auf 450-Euro-Basis), hatte Bernhard Diehl (Amt für Migration und Integration der Stadt) bereits beim ersten Treffen „Dialog Flucht“ im Dezember 2014 erklärt. „Inzwischen gehen sie auf dem Zahnfleisch“, war im September 2015 am Rande des „3. Dialogs Flucht“ zu hören. In der Zwischenzeit war der Zustrom von Flüchtlingen stark angestiegen, beginnend im Juli 2015 mit der ersten Notunterkunft in der Lenneper Pestalozzi-Schule. Damals wuchs auch die Bereitschaft zu ehrenamtlicher Mitarbeit in den Flüchtlingsunterkünften, zu Sach- und auch zu Geldspenden.

Für ihre anspruchsvolle, stressreiche Arbeit den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern herzlichen Dank zu sagen ist nur recht und billig. Zugleich aber sollte nicht verschwiegen werden, dass es eine ganze Reihe organisatorischer Schwachstellen gibt, die behoben werden müssen. „Flüchtlinge: ‚Chaos verwalten‘ gilt auch im Kleinen“, titelte der Waterbölles am 30. November 2015. Zitat: Zum Glück melden sich auch jetzt noch immer wieder weitere Freiwillige. Sie tun dies bei Ansprechpartnern der Stadtverwaltung, in der Telefon-Hotline des Deutschen Roten Kreuzes oder bei den Wohlfahrtsverbänden. Die „Neulinge“ an den richtigen Stellen einzusetzen – gar nicht so einfach! Gibt es eine Gesamtliste all derer, die sich zur Mitarbeit gemeldet haben? Unklar! Manche warten schon seit Wochen auf eine erste Rückmeldung. Daniela Krein: „Wir haben einfach zu wenige Hauptamtliche.“ Nicht ausgeschlossen, dass damit schon damals auch der Vorstand des Vereins BAF gemeint war, bei dem Daniela Krein angestellt ist.

Dass der Betreuungsverein BAF ein Sonderkonto für Geldspenden zur Flüchtlingsbetreuung bei der Stadtsparkasse eingerichtet hat (IBAN: DE13 3405 0000 0000 0265 59), hatte der Waterbölles bereits am 11. März 2015 im Zusammenhang mit dem "Dialog Flucht" im Rathaus berichtet. Eine spätere Anfrage, wieviel Geld denn eingegangen sei und wofür es verwendet werde, blieb unbeantwortet. Als Kommentar zum Waterbölles-Bericht über den jüngsten Presseclub in der Denkerschmette (Zaghafte Annäherung an ein brisantes Thema) wurde die Frage am 11. Februar wiederholt. Auch diesmal ohne Resonanz.

Dass die Frage durchaus berechtigt ist, zeigte sich am Mittwoch in der Sitzung der Bezirksvertretung Lennep. Der frühere Bezirksbürgermeister Dr. Heinz Dieter Rohrweck (CDU) berichtete, er kenne Remscheider, die hätten schon vor anderthalb Jahren einen vierstelligen Betrag für die Betreuung von Kindern im Flüchtlingsheim am Lenneper Talsperrenweg angeboten für die Anschaffung von Spielgeräten. „Aber dieses Geld ist bis heute nicht abgerufen worden!“ Weil es an Hauptamtlichen fehlt, die sich kümmern könnten??

Seit gestern hat sich die unbekannte Gesamtsumme der Spendengelder, über die der Verein BAF verfügt, um 15.151,24 Euro erhöht. BAF-Geschäftsführerin Daniele Krein nahm einen Scheck über diese stattliche Summe am Abend im Teo Otto Theater von Horst Kläuser entgegen. Der „Kall nit“-Moderator hatte im Dezember zur Spendenaktion „Regen und Segen - ein Schirm für Flüchtlinge“ (Foto) aufgerufen, und die 800 Regenschirme der Remscheider Schirmfabrik FARE hatten zum Preis von 18 Euro viele Abnehmer gefunden. Ein Schirm für Flüchtlinge, ein Herz für Flüchtlinge! Auf die Hilfsbereitschaft der Remscheider Bürgerschaft ist eben Verlass! Sehr zur Freude von Daniela Krein. Mit Beifall dankten ihr die Theaterbesucher gestern für ihre aufreibende Arbeit. Zu Recht!

Doch mit symbolischem Schulterklopfen von Bürgern und „Offiziellen“ kann es nicht getan sein. Um es klar zu sagen: Daniela Krein fehlt ein handlungsfähiger Vereinsvorstand. Ende vergangenen Jahres wechselte Peter Hägemann, bis dahin 1. Vorsitzender  des BAF, vom Ehren- ins Hauptamt; er wurde vom BAF als Hausmeister angestellt. Wie der zweite Vorsitzende Norbert Horn dem Waterbölles in dieser Woche bestätigte, ist neben ihm selbst nur noch der 3. Vorsitzende Heino Bönig im Amt (aber auch nicht mehr oft gesehen). Die Ämter des Kassierers und des Schriftführers – in einem eingetragenen Verein nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch  vorgeschrieben – seien vakant, bestätigte Horn, sagte aber nicht, seit wann. Nur dies: „Ich gebe jetzt auch den Kassierer!“ Wer kontrolliert eigentlich den BAF?

Der Zustand des BAF erinnert fatal an den Verein Kulturstadt Remscheid. Auch er wurde einst gegründet, weil die Stadt ursprünglich hoheitliche Aufgaben in private Hände abgeben wollte. Jährlich erhielt der Verein zur Förderung der freien Kulturarbeit eine erkleckliche Summe (2011 waren es noch 20.000 Euro). „KulturStadt Remscheid e.V. kommt der Vorstand abhanden“, titelte der Waterbölles am  10. Oktober 2012. Damals bestand der Vorstand noch aus Torsten Nagel und Hans Lothar Schiffer. Zurückgetreten waren im Mai 2012 Rechtsanwalt Oliver Teubler als Vorsitzender, Franz Lebfromm und Anke Mennenöh als Vorstandsmitglieder sowie Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann als Beiratsvorsitzender. Seit der letzten Mitgliederversammlung, die am 27. November 2008 stattgefunden haben soll, hatte es keine weitere mehr gegeben. Das bedeutete aber auch, dass die Vereinskasse zuletzt für das Jahr 2007 geprüft worden war. Für Rat und Verwaltung kein Anlass, tätig zu werden, konkret:  eine ordnungsgemäße Jahreshauptversammlung mit Kassenbericht und -prüfung einzufordern. Alle schwiegen fein still! Ob denn der Verein KulturStadt e.V. überhaupt noch geschäftsfähig sei, wollte am 5. Februar 2013 im  Kulturausschuss lediglich Klaus Wetzel (Linke) wissen. Antwort von Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann damals: "Mir ist nichts Gegenteiliges bekannt!" Inzwischen wurde der Verein klammheimlich „beerdigt“. Er bestand zuletzt nur noch aus Hans Lothar Schiffer. Ein abschließender „Prüfbericht“ von Rechtsanwalt Teubler liege dem Oberbürgermeister vor, heißt es. Nachfragen des Waterbölles bei Teubler und Schiffer führten zu nichts; man bewahrt Stillschweigen.

In weit größerer Verantwortung als bei KulturStadt Remscheid – in finanzieller wie organisatorischer Hinsicht – stehen Verwaltung und Politik beim Verein BAF. Hier ist nicht nur Transparenz gefordert, sondern auch zügiges Handeln. Der Verein werde sich neu aufstellen, sagte Norbert Horn dem Waterbölles – „breiter und kompetenter“. Das wäre dem BAF e.V. zu wünschen. Wann denn mit einer Mitgliederversammlung  und Vorstandswahlen zu rechnen sei? „In der zweiten Jahreshälfte“, sagte Horn. Heute schreiben wir den 20. Februar. Ein zügiger Neuanfang sieht anders aus! Dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, dürfen die Kommunalpolitiker und die Verwaltungsspitze nicht länger übersehen. Damit Daniela Krein endlich die tatkräftige Unterstützung durch ihren Arbeitgeber BAF bekommt, die sie braucht – und die sie verdient hat.


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