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Lüttringhauser Trödel lockte viele an

Foto: Hans Kadereit

von Hans Kadereit

Jedes Jahr beginnt in Lüttringhausen die Veranstaltungssaison mit dem Hallentrödel. Auf zwei Etagen stellen Second-Hans-Verkäufer ihre überzähligen Gegenstände aus und suchen (meist erfolgreich) Käufer, die auf Schnäppchen aus sind.  Am vergangenen Sonntag war dieses „Kungeln“ wieder groß geschrieben. Nudelrollen und Kästen mit verschnörkeltem Besteck, aber auch Fahrräder und Waffeleisen wurden dazu genutzt, den eigenen Haushalt ein wenig hochzupäppeln und sich größere Ausgaben in Fachgeschäften oder Supermärkten zu ersparen. Wer von der Veranda einen Blick in den Saal des CVJM-Hauses warf, war beeindruckt von dem bunten Angebotsmosaik des Hallentrödelmarktes. Manche Hobby-Trödler sind schon seit Jahren dabei und finden immer wieder neues Altes („den gesammelten Krempel“) für, ihre Verkaufstische.

Essen und Trinken hielt hier im CVJM-Haus jedoch nicht nur „Leib und Seele zusammen“, sondern sorgte auch dafür, dass der veranstaltende Verein noch ein wenig Geld in seine Haushaltskasse bekam. Vorsitzende Barbara Halbach konnte auch diesmal wieder zufrieden sein. Die gesamte Trödelfläche war schon im Herbst ausverkauft gewesen.

Kräftige Finanzspritze durch Benefiz-Konzert

Foto: Hans Kadereitvon Hans Kadereit

 Die Idee kam von den Schlawinern aus Lüttringhausen, die zusammen mit einer Reihe sozialer Organisationen aus der Stadt zu einem bunten Benefiz-Nachmittag in den Faßbender-Saal an der evangelischen Stadtkirche in Remscheid einluden. Man hatte zahlreiche Künstler und Kulturgruppen bewegt, an diesem Nachmittag mit einem kostenlosen Auftritt ein tolles Programm zu bieten. Wer kam und zuhören und zuschauen wollte, brauchte keinen Eintritt zu zahlen, doch erwarteten die Veranstalter Spenden für den „Förderverein Christliches Hospiz Bergisches Land“. Das Ergebnis stellte am Ende die Organisatoren zufrieden und Vorsitzender Andreas Holthaus berichtete, dass nun die Planung der Einrichtung an der Remscheider Straße beginne und das erforderliche Kapital in Höhe von 1,5 Mio. schon fast komplett zusammen gekommen sei.

Eine neue Trommelgruppe der Schlawiner, der Kinder- und Jugendchor der Kirche St. Josef sowie der Chor der italienischen katholischen Gemeinde, aber auch ein Ausflug in die persische Musik sorgten für Abwechslung. Mit dem Auftritt der bergischen Newcomer-Band „Momo“ und der Fingerfertigkeit des Ballonkünstlers Hakan Eren kam ebenfalls viel Begeisterung auf.

Sportbund hält an Dreifach-Turnhalle am Stadtpark fest

"Das Leben ist wie ein Fahrrad: Man muss sich vorwärts bewegen, sonst verliert man das Gleichgewicht, „ knüpfte Reinhard Ulbrich, Vorsitzende des Sportbundes Remscheid (SBR) beim diesjährigen Neujahrempfang des SBR mit einem Spruch von Albert Einstein an seine Rede vom Vorjahr an. Fahrradfahrten seien auf dem "Remscheider Knubben" nicht immer einfach, manchmal gar unmöglich. Im übertragenen Sinne verstand er darunter, dass die soziale, gesundheits- und bildungspolitische Funktion des Sports „im Denken vieler Verantwortlichen noch nicht angekommen zu sein scheint“, wohl aber im Reden.  

Mit seinen zahlreichen Aktivitäten habe sich der Verein auch 2016 wieder „ganz schön weiter nach vorne bewegt“. Vor allem im schwierigen Bereich einer nachhaltigen Integrationsarbeit.  Doch mit Hilfe eines Sponsors (Richard Bremicker), der Stadtsparkasse und des Landes habe man für Mohamad Diab eine Vollzeitstelle einrichten können. Eine weitere erfreuliche Mitteilung Der Landessportbund stellt für die Integrationsarbeit 6000 € zur Verfügung. Koordination, Beantragung und Abrechnungsmodalitäten übernimmt als Service der SBR. Gleichwohl müssten die Sportvereine immer noch viel Eigenleistung erbringen“, so Ulbrich weiter. Beispielsweise bei den Mitgliedsbeiträgen: „Vereine können und dürfen nicht auf Dauer Mitglieder ohne Beitragszahlungen aufnehmen. Die angesprochenen Zuschüsse dürfen dafür auch nicht verwandt werden. Von der Möglichkeit der Bildungsgutscheine und Sponsoren einmal abgesehen, werden die Vereine mit diesem Problem leider aber allein gelassen!“

Auf der Sportanlage Honsberg sind die 1. SPVG Honsberg und der SC Ayildiz zuhause. Über den langjährigen Streit über die Aufteilung der Trainingszeiten wollte Ulbrich auf dem Neujahrsempfang nicht berichten; die Problematik ist weitgehend bekannt. SBR-Geschäftsführerin Daniela Hannemann habe „Trainingspläne entwickelt, die eine problemlose Koexistenz der beiden Vereine und eine gerechte Platzeinteilung möglich gemacht hätte. Uninteressant-zumindest für die Verwaltung. Inzwischen hat die 1.SPVG kaum noch Mannschaften, an der (ungerechten) Platzaufteilung hat sich aber nichts geändert. Lieber bleibt eine Platzhälfte leer, als dass sie von dem anderen Verein genutzt werden dürfte. Kompetentes Handeln eben. Stundenlange intensive Arbeit und Beschäftigung unsererseits mit dieser Problematik war für die Katz und den Papierkorb!“

Lobende Worte dann zum Thema „DOC und Hackenberg“. Inzwischen hätten zwei konstruktive Gespräche stattgefunden, einvernehmliche Lösungsmöglichkeiten seien aufgezeigt worden, so dass der Sport der weiteren Entwicklung entspannt entgegensehen könne, mal abgesehen von zwei weiterhin offenen Fragen – der Eigenbeteiligung der Vereine und der mögliche Überschreitung des Budgets. Ulbrich:  „Mit dem Sportbund ist weder eine Eigenbeteiligung der Vereine noch eine Abschmelzung der bisherigen Planung zugunsten des Lärmschutzes und der Parkplätze machbar. Wir haben oft genug und frühzeitig auf diese Probleme hingewiesen und werden alle unsere Möglichkeiten nutzen, gegen anderslautende Beschlüsse vorzugehen.“

Gelassener verfolge der SBR die Diskussion um die ausverhandelte und im Pakt für den Sport festgeschriebene neue Dreifach-Sporthalle – „obwohl wir Einiges nicht verstehen. Wir verstehen nicht, warum die unbestritten sportfachlich beste Lösung, nämlich die Andockung an die Stadtparkanlage, kaum noch diskutiert wird. Zwar gibt es dort noch Kita Container, aber nur bis maximal 2020. Vorher wird ohnehin nicht gebaut. Wir verstehen nicht, warum jetzt schon wieder eine teure externe Untersuchung für den besten Standort durchgeführt werden soll. Gibt es in der Verwaltung keine Fachleute mit gesundem Menschenverstand, die in der Lage sind, solche Untersuchungen sach-und fachgerecht durchzuführen? Wir verstehen nicht, warum der Standort Stadtpark nicht mit untersucht werden soll. Wir verstehen nicht, warum man die fertige Planung seitens des RTV für eine Halle am Stadtpark nicht nutzen will. Wir verstehen nicht, wo an dem EMA und der AES Platz für Zuschauertribünen ist.“ Ulbrichs Vorschlag: „Ertüchtigung der maroden Halle Albert Einstein auf niedrigerem  Niveau und Bau der Dreifach-Sporthalle am Stadtpark. Der Bedarf für beides ist vorhanden!“

Abschließend verabschiedete sich Reinhard Ulbricht auf unbestimmte Zeit von seinem Steckenpferd, dem, „RS Sport“. Zitat: „Nachdem die vergangenen Gespräche erfolglos verlaufen sind und der Sportbund immer wieder Vereinbarungen des Paktes für den Sport einklagen muss, wollen wir uns auf den Pakt für den Sport und unsere Aufgaben konzentrieren. Deshalb frieren wir unsere Vision von ‚Remscheid Sport‘ ein und tauen sie erst wieder auf, wenn wir die Zeit dafür reif halten d.h. wenn die normative Kraft des Faktischen im Remscheider Sport endlich akzeptiert wird. Somit brauchen wir vorläufig auch nicht mehr über Kooperationsvereinbarungen oder ihre Entwürfe diskutieren und ergebnislose Stunden zu diesem Thema miteinander verbringen, sondern können uns alle auf die Umsetzung des Paktes für den Sport und unsere alltägliche Arbeit konzentrieren!“

Für einen Wochenlohn noch nicht einmal ein ganzes Brot

Ein ganz hochbezahlter Stift: „Ich hatte einen Lehrvertrag über drei Jahre, beginnend 1922. Im ersten Lehrjahr sollte ich einen Monatslohn von 400 Mark bekommen. Als aber der erste Monat meiner Lehrzeit um war, da wurden mir schon 1.000 Mark ausbezahlt. In den folgenden Monaten bin ich ein ganz hochbezahlter Stift gewesen. Für lange Zeit musste ich mich auch mit zwei Koffern an der Bank anstellen und die Millionen- und Billionenscheine für unsere Firma an­nehmen. Ich ging bald ein über den anderen Tag, um Geld zu holen. Zu­letzt war es so, dass ich überhaupt kaum im Büro war, sondern meistens auf der Bank in der Devisenabtei­lung. Dort habe ich gewartet, bis die neuesten Dollarkurse rauskamen. Dann musste ich schnell an das nächste Te­lefon laufen und meiner Firma durchsagen, wie hoch der Dollar steht. Ich kriegte auch schon mal des Abends um zehn Uhr von unserem Buchhalter einen Scheck gebracht, mit dem ich am nächsten Morgen dann um sechs Uhr an der Bank stehen musste, um Geld abzuholen. Wenn die Bank um acht Uhr ihre Türen offen machte, dann gab es einen solchen Ansturm, weil hunderte Menschen da standen, dass die Türen dran glauben mussten. Es wurde aber immer nur ein Teil der Leute reingelassen, damit der Schalterraum nicht blockiert wurde."

Dann kommen astronomische Zahlen heraus: „Wir haben Ende 1922 geheiratet, in der schlechten Zeit. Mein Mann musste, da kann ich mich aber noch ge­nau dran erinnern, 6.000 Mark für un­sere Trauringe bezahlen. Weil wir nicht ausgebombt worden sind, habe ich auch noch die alten Rechnungen von unserer ersten Einrichtung. Glücklicherweise hatten wir mit der Wohnung keine Schwierigkeiten. Im Haus von meinem Bruder war gerade eine schöne Wohnung freigeworden, drei Zimmer: Wohnzimmer, Schlaf­zimmer und eine große Küche. Die Schlafzimmereinrichtung, zwei Betten mit Matratzen, zwei Nachttischchen, ein Spiegelschrank, eine Waschkom­mode und zwei Stühle kosteten zu­sammen 110.000 Mark. Im Wohnzim­mer hatten wir ein schönes Büfett, eine Anrichte, einen Tisch mit sechs Stühlen. Das kam zusammen auf 100.000 Mark. In der Küche hatten wir einen Schrank, einen Tisch mit vier Stühlen und eine Holzbank, da sagte man ,Remscheider Sofa' für, und ei­nen Herd. Die Küche machte insge­samt 105.000 Mark. Wenn ich Ihnen das mal alles zusammenrechnen würde, dann kommen schon für die nackte Einrichtung allein, ohne drum und dran, astronomische Zahlen raus."

Remscheider Notgeld.

Negative machtpolitische wie wirtschaftspoli­tische Faktoren waren Hand in Hand gegangen, so dass (nach dem Ende des ersten Weltkriegs) ein drastischer Verfall der Währung unausbleiblich folgen musste. Allein um die Kriegsführung zu finanzieren, kam es zwischen 1914 und 1918 zu einer ersten bedeutenden Geldmengenvermehrung, wobei der gesamte Geldumlauf im Reiche bei Kriegsende auf das Fünffache des Vor­kriegsvolumens gestiegen war. Einmal in Gang gesetzt, liefen die Banknoten­pressen auf Hochtouren weiter; am Ende gar, 1923, rund um die Uhr. „Die Zahl der für die Reichsbank arbeitenden Druckereien stieg 1923 auf 133 Be­triebe mit 1.783 Maschinen und über 3.000 Arbeitern. 29 galvanoplastische Anstalten lieferten 400.000 Druckplat­ten, und 40 Papierfabriken arbeiteten mit Hochdruck ausschließlich für die Herstellung von Banknoten. Nach Keller hat die Reichsbank 1923 nicht weniger als 47 neue Banknotentypen herausgebracht und insgesamt 10 Milliarden Geldscheine mit einem Nennwert von 3.877 Trillionen Mark gedruckt. Ab 3. November wurden täglich drei Trillionen 692 Billionen Mark gedruckt und güterwagenweise zu den Reichsbankstellen geschickt." (Walter Lorenz) Die Notenpresse war somit zur weit­aus wichtigsten Einnahmequelle des Reiches aufgerückt; insbesondere, um die Erblast, die Deutschland durch die Kriegsschuldzuweisung im Versailler Friedensvertrag übernehmen musste, abtragen zu können. Die astronomi­schen Summen, die von den Alliierten verlangt wurden, gingen über eine objektive Auslegung des Vertrages weit hinaus. Das Londoner Ultimatum setzte im Mai 1921 die deutsche Re­parationsschuld auf 132 Milliarden Goldmark, zahlbar in Raten, fest. Eine Reparationsplan-Kommission be­stimmte den Modus der Schuldentil­gung und überwachte seine Einhal­tung. Schließlich aber, das mußten sich auch die deutschen „Erfüllungspo­litiker" mit ihrem guten Willen zur Vertragstreue eingestehen, war das Reich überfordert, gleichzeitig zu verkraften: die eigenen Kriegs- und Kriegsfolgekosten, Gebietsverluste sowie Reparationsleistungen in Form von Sachlieferungen und Geld­aufwendungen.

Mit dem Beginn des Weltkrieges war eine inflationäre Tendenz der Reichsmark vorprogrammiert. Dass sie durch die Einwirkungen der genann­ten Ursachen solch absurdes Aus­maß annehmen würde, übertraf je­doch jedwede monetäre Erfahrung. Grob umrissen lassen sich Umfang und Tempo der Inflation, gemessen an der Parität der Reichsmark zum Dollar, so beschreiben: Es dauerte acht Jahre (Juli 1914 bis Juli 1922), bis die Mark auf ein Hundertstel ihres Vor­kriegswertes abgesunken war. Zum Absinken auf ein Millionstel brauchte sie (bis August 1923) nur noch 13 Monate. Ihr stärkster Verfall jedoch, auf ein Billionstel, vollzog sich in ei­ner Zeitspanne von nur drei Monaten. Am 15. November 1923, mit dem In­krafttreten der neuen Währung, der Rentenmark, konnte die Reichsmark bei einem Kurs von 4.200.000.000.000 Mark (in Worten: vier Billionen zwei­hundert Milliarden) für einen Dollar, stabilisiert werden. Alsdann war eine Billion Reichsmark gleich einer Vorkriegs-Mark und gleich einer Renten­mark.

Einen kleinen Einblick in das mone­täre Chaos, das sich bis zu diesem Zeitpunkt entwickelt hatte, gewährt der RGA am 13. November 1923: „Zur Zeit haben wir in Deutschland fünf verschiedene Währungsformen: das noch immer gesetzliche Zahlungs­mittel der Mark, die trotz aller Ver­bote immer mehr in Übung kom­mende Zahlung in Devisen, die Gold­anleihe, die Dollarschatzanweisungen und schließlich noch die demnächst zur Auszahlung gelangende Renten­mark." Auf eine besondere Auswuchs­form der Geldwährung, das Notgeld der Fabriken und Städte, weisen an­dere Berichte - beispielsweise des RGA im Oktober 1922 - hin: „Ange­sichts des Mangels an flüssigen Zah­lungsmitteln hat, wie andere Städte, auch Remscheid eigenes Geld her­ausgegeben, und zwar zuerst am 15. Mai 1917." Handelte es sich dabei an­fangs noch um 25- und 50-Pfennig-Scheine, so ging die Stadt im No­vember 1918 dazu über, „Groß-Notgeld" herauszugeben in Form von 5-, 20- und 50-Mark-Scheinen. Im Herbst 1922 gelangten 500-Mark-Scheine zur Ausgabe. Diese waren Anlass zu einer humorigen Betrachtung in der „Stadtchronik" des RGA: „Rechts und links von der Zahl 500 ist eine dunkle und eine helle Kleider­bürste (oder sind es Seesterne?) mit weißen Borsten von oben gesehen abgebildet, die nochmals die Zahl 500 zeigen. Außerdem sind noch 20 weiße Gebilde zu sehen, die offenbar Schild­pattkämme vorstellen. Bürsten und Kämme sollen wohl auf die 'lausige' Zeit hindeuten. Dass beim Anblick die­ser Geldscheine irgendeine heftige Gemütsbewegung ausgelöst wird, zeigt vorahnend die Rückseite. Hier steht neben dem Wappen der Stadt Remscheid zu beiden Seiten der echte Remscheider Ausruf: 'O Donner­kiel!'. Dieser Ausruf ist bekanntlich bei dem alten Remscheider kein Fluch sondern ein Ausdruck der Überra­schung und des freudigen Erstau­nens, und wer sollte heute auch nicht froh erstaunt sein, wenn er plötzlich solch einen Schein in die Hand ge­drückt bekommt! Hoffen wir, dass bald bessere Verhältnisse einkehren und dass die Städte es dann nicht mehr nötig haben, sich mit der Ausgabe von Notgeld zu befassen."

Knapp ein Jahr später, im August 1923, heißt es im RGA: „Um dem großen Mangel an Zahlungsmitteln ab­zuhelfen, ist von dem zur Ausgabe genehmigten Notgeld eine Serie von Scheinen über 500.000 Mark be­schleunigt in einfacherer Ausführung fertiggestellt worden; sie wird heute, Samstag, zur Ausgabe gelangen. Die Scheine zeigen auf der Vorderseite neben den erforderlichen Angaben ein Abbild des den älteren Remscheidern wohlbekannten Johannishammers, auf der Rückseite ein Abbild unseres Rathauses. Auch auf den Scheinen über 100.000 Mark befinden sich Abbil­dungen mit heimatlichen Motiven. Die ersteren werden die Abbildung ei­nes in Betriebe befindlichen alten Hammerwerkes zeigen, die anderen eine Darstellung der Verbrüderung der Remscheider Industrie mit dem Handel." Es wurden 19 Typen Geld­scheine mit dem Nennbetrag von 500.000 steigend bis 10 Billionen Mark ausgegeben. Durch das zinslose Darlehen, was das Notgeld bot, ist es der Stadt einzig und alleine möglich gewesen, sich durchzuhalten. „Kaum hatten wir einen Geldschein herausgebracht", berichtet Oberbür­germeister Hartmann, „als er auch schon wieder überholt war. Die Druckerei hat Tag und Nacht arbei­ten müssen und konnte kaum beihal­ten."

Analog zur äußeren Entwertung der Reichsmark auf dem internationalen Devisenmarkt vollzog sich, wenn auch zeitlich nicht synchron, die innere. Im Gedächtnis derer, die sie miterlebt haben, ist die Inflation eingeätzt in Erinnerungen an erlittene Entbehrun­gen aufgrund drastisch angestiegener Lebenshaltungskosten ebenso wie an die gigantischen Geldmengen, die durch ihre Hände gegangen sind. „Der einzelne war diesem Geschehen hilf­los ausgeliefert", schreibt Walter Lo­renz. „Er war der Verlierer. Spargut­haben, Darlehen, Hypotheken, Schuld­forderungen, Kriegsanleihen usw. wurden wertlos. Löhne, Gehälter und Renten waren es nach wenigen Tagen ebenfalls . . . Wer es irgend konnte, flüchtete in Sachwerte. Jeder versuchte, eingenommenes Geld so rasch es ging wieder los zu werden; lieber kaufte man Sachen, die im Au­genblick gar nicht notwendig waren, ehe man das Geld verfallen ließ. . . . Sehr beliebt war auch damals schon der Tauschhandel. Wer Ware gegen Ware bieten konnte, war fein heraus, er brauchte sich nicht um Millionen und Billionen zu kümmern. Anderer­seits gab es natürlich auch in dieser Zeit Leute, die aus der Not der anderen einen Gewinn zu ziehen verstanden. Abgesehen von den wenigen Glückli­chen, die Schulden oder Hypotheken für einige Papierscheine abstoßen konnten, waren es die Schieber und Spekulanten. Wer Ware gegen Valuta ins Ausland 'verschieben' konnte, zog dies dem Verkauf gegen Papiergeld vor. Ausländische Spekulanten ström­ten zu Hunderttausenden ins Land und kauften für Spottgeld die Läden leer oder erwarben für wenige Valuta Häuser, Grundstücke, ja ganze Fabri­ken. Die ganze Entwicklung drohte im Herbst 1923 in eine Katastrophe aus­zuufern. Zur Geldentwertung gesell­ten sich Warenverknappung, Arbeits­niederlegungen, Streiks und Unruhen."

Im Laufe des Jahres 1923 kam es mehrfach zu Demonstrationen in Remscheid, die sich besonders gegen den Preiswucher richteten. Einkau­fende Frauen auf dem Wochenmarkt gingen von Stand zu Stand und sag­ten: „Kauft nicht, sondern versammelt euch am Denkmal." Die Menschen­menge, die jeweils dann zusammen­kam, postierte sich vor dem Rathaus und forderte immer wieder die Instal­lierung einer Wucherkommission mit dem Recht der Preisfestsetzung und der Warenbeschlagnahme bei Preis­treibern. Unter dem Eindruck einer solchen Demonstration, an der über 500 Personen teilgenommen hatten, sah ein Stadtverordneter sich gezwun­gen, vor dem Kollegium zu erklären: „Der Unmut der Bevölkerung über die unerhört hohen Preise für Le­bensmittel, Wäsche, Kleidung, Schuhe und andere notwendigen Be­darfsgegenstände gründet sich berechtiger Weise darauf, dass zwar alle Preise dem Steigen des Dollars rasch folgen, der Rückgang des Dollars zunächst keinen, später aber nur ei­nen zögernden Abbau der Preise zur Folge hatte. Die Schuld an diesen Vorgängen tragen weniger die Klein­händler als vielmehr die Erzeuger und Großhändler. Insbesondere sind es die Schieber, die als Schmarotzer am Mark des Volkes zehren."  (aus: “…aber die Jahre waren bestimmt nicht einfach. Remscheider Zeitzeugen berichten aus Kindheit und Jugend“. Von Gerd Selbach. Herausgegeben von der Volkshochschule der Stadt Remscheid 1985.)

 

Schwarze Börse in Köln: „In der Inflationszeit war ich als Kontoristin tätig. Da hieß es, es gibt in Köln die schwarzen Börsen. Ich sagte zu meinem Chef: ,Da fahr ich mal hin'. In Köln musste ich mich erst vorsichtig durchfragen, wo man überhaupt Geld schwarz umtauschen konnte. Ich hab aber so 'ne Stelle ge­funden und mein Gehalt umge­tauscht. Seit der Zeit bin ich laufend hingefahren und hab mein Geld und das Geld meiner Kollegen in Dollar umgetauscht. Als die Zeit immer schlimmer wurde, bin ich mindestens zweimal in der Woche nach Köln ge­fahren. Für meinen Chef war das auch ganz nützlich. Nur für meinen Vater war das alles nicht in Ordnung. Er konnte einfach nicht verstehen, dass sein Geld immer weniger Wert hatte."

Für meinen Wochenlohn nicht mal ein Brot: „Neben dem Reichsgeld gab es noch Städtegeld und Firmengeld. Größere Betriebe, wie zum Beispiel das Alexan­derwerk, Mannesmann oder die BSI, hatten eigenes Geld. Damit konnte man in den Remscheider Geschäften kaufen. Das Geld war von der Firma unterschrieben, und sie musste für den Betrag geradestehen. Mit dem Stadt­geld war das schon so eine Sache. In manchen Städten nahm man das Geld anderer Städte einfach nicht an. Die böse Erfahrung hab' ich selbst ge­macht, als ich 1923 in Solingen be­schäftigt war. Meinen ersten Lohn dort bekam ich nach einer Woche, an ei­nem Freitag, ausbezahlt. Als ich am Lohntag spät abends nach Remscheid kam, hatten die Geschäfte natürlich schon zu. Als ich am Samstag spät nach Mittag wieder aus Solingen von der Arbeit kam, sagte meine Mut­ter: ,Hier, Junge, ist dein ganzes Geld. Ich kann es nicht loswerden, weil es Solinger Stadtgeld ist. Keiner will es hier nehmen. Du musst sorgen, dass du anderes Geld kriegst.' Jetzt war der Samstag verloren, der Sonntag auch. Montagmorgen in Solingen bin ich dann gleich zu meinem Chef gegan­gen: ,Hier ist mein ganzer Wochen­lohn; das ist Solinger Stadtgeld, das wird in Remscheid nicht angenom­men.' ,O Gott, wat send die i'erfeilig', meinte er auf Solinger Platt. Ich kriegte dann aber anderes Geld. Dienstagmorgen ging meine Mutter einkaufen. Man musste ja das Geld immer ganz schnell quitt werden, wegen der Entwertung. Und da kriegte sie, sage und schreibe, für mei­nen ganzen Wochenlohn noch nicht einmal ein ganzes Brot. Ich hab das meinem Chef erzählt, und wir ha­ben uns darauf geeinigt, dass ich mei­nen Lohn von nun an ein über den anderen Tag bekommen sollte, da­mit meine Mutter doch wenigstens et­was dafür kaufen konnte."

Hier erhalten, dort verloren gegangen: „. . . Da die Kapitalvermehrung etwa den 15fachen Betrag des Vorkriegskapitales ausmachte und die Umstel­lung von der Papiermark auf die Goldmark-Bilanz im Verhältnis von 15:1 erfolgte, so ist den alten Kom­manditisten ihre ursprüngliche Beteili­gung in Goldmark erhalten worden".  - „. . . Die Guthaben der Arbeiter- und Beamtenpensionskassen, welche in der Bilanz am 30. Juni 1919 noch mit etwa drei Millionen Mark ausgewiesen waren, wurden am 31. Dezember 1919 aus dem Geschäftsvermögen ausgeschieden und in ,mündelsicheren' Werten angelegt. Mit der Inflation, d. h. dem Staatsbankrott sind diese Werte leider verlorengegangen". ((Moritz Böker: Geschichte der Ber­gischen Stahl-Industrie)

Wieder Sorgentelefon zur Zeugnisausgabe

Pressemitteilung der Bezirksregierung

Bis Freitag, 3. Februar, werden die Halbjahreszeugnisse an den Schulen ausgegeben. Neben den Sorgentelefonen von Städten und sozialen Einrichtungen bietet auch die Bezirksregierung Düsseldorf wieder die ‚Nummer gegen Zeugniskummer‘ an. Dort können Eltern sowie Schülerinnen und Schüler vor allem rechtliche Fragen klären - etwa, wenn sie die Notengebung für ungerecht halten oder Fragen zur Schullaufbahn einer Schülerin oder eines Schülers haben. Das Zeugnistelefon zu Fragen aus den Schulformen Realschule, Gymnasium, Gesamtschule, Sekundarschule und Gemeinschaftsschule sowie Berufskolleg ist bei der Bezirksregierung Düsseldorf eingerichtet und unter der Rufnummer 0211 / 475 - 4002 an folgenden Tagen jeweils in der Zeit jeweils in der Zeit von bis 12 und 13bis 15.30 Uhr.   erreichbar:

  • Freitag, 3. Februar
  • Montag, 6. Februar
  • Dienstag, 7. Februar

Für Fragen aus den Schulformen Grundschule, Hauptschule und Förderschule ist das Zeugnistelefon bei den jeweiligen Schulämtern eingerichtet, die in den zehn kreisfreien Städten sowie den fünf Kreisen im Regierungsbezirk Düsseldorf bestehen.

Tote und andere Entdeckungen auf Kremenholl

Spannende Geschichten, die Sie humorvoll zum Gruseln bringen, mit Toten und anderen Entdeckungen enthält eine Autorenlesung des Initiativkreis Kremenhollee.V. mit Autoren des Juhr-Verlags am Freitag, 3.Februar, um 19 Uhr in der Bernhardstraße1(Räumlichkeiten der Kinder- und Jugendwerkstatt „echt Kremig“ e.V.). Eintritt: fünf EDuro. Die Geschichten der zweiten Krimianthologie aus dem Juhr Verlag spielen – wie kann es anders sein – wieder im Oberbergischen Land. Jeder Oberbergische kennt sein Heimatlied: „Wo die Wälder noch rauschen, die Nachtigall singt, die Berge hoch ragen, der Amboss erklingt.“ Und so weiter und so weiter … Ach, ist das Land nicht zauberhaft mit seinen tiefen Wäldern, sanften Hügeln, satten Weiden, kleinen Flüssen und vielen schönen Städtchen und Orten. Doch halt, ist es wirklich so schön, so romantisch, so friedlich? Schon bald werden die Leser feststellen, dass der Schein trügt. Düstere, oft unheimliche, auch abgründige Gestalten schleichen umher, Unheil kann dem friedlichsten Haus, dem anständigsten Menschen drohen. Habt Acht in den Städten und Orten von Radevormwald bis Marienheide, von Wipperfürth bis Gummersbach, von Nümbrecht bis Waldbröl, was Euch dort begegnen kann!

Spannende, fesselnde, melancholische, aber auch humorvolle Geschichten suchen ihre Leser. Es ist bestes Krimi- und Spannungsvergnügen nicht nur für oberbergische Leser.

Autoren sind Oliver Buslau, Irmgard Hannoschöck, Daniel Juhr, Christine Kaula, Daniel Kohlhaas, Martin Kuchejda, Michael Schreckenberg und Andreas Wöhl. Es sind Romanautoren und Geschichtenschreiber, Profis und Autodidakten, darunter auch fünf Mitglieder der neuen Autorengruppe „Die SchreibWeisen“. Sie hoffen, mit ihren Beiträgen wieder ein breites Publikum zu erreichen. Schon jetzt freuen sich die Autoren Daniel Juhr, Irmgard Hannoschöck und Christine Kaula auf die Lesung.

 

 

Informationsabend für Schüler, Eltern und Lehrer

Pressemitteilung der Universität Wuppertal

Alles Wissenswerte über ein Studium an der Bergischen Universität Wuppertal zu Studienwahl und Studienangebote, Bewerbung und Einschreibung erfahren Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern und Lehrer am Dienstag, 14. Februar, beim Informationsabend der Zentralen Studienberatung (ZSB von 18 bis 20 Uhr in Hörsaal 32 auf dem Campus Grifflenberg statt (Gaußstr. 20, Gebäude K, Ebene 11, Raum 23). Als Ansprechpartner stehen zur Verfügung: Prof. Dr. Andreas Frommer, Prorektor für Studium und Lehre, Dr. Christine Hummel, ZSB-Leiterin, Dr. Andreas Stich, Leiter des Dezernats für Planung und Entwicklung sowie die Studienberaterinnen und Studienberater der ZSB. „Bei dieser Veranstaltung informieren wir über die Vorbereitungen der Bergischen Universität auf den Studienstart 2017 und zeigen, wo die zukünftigen Studierenden Unterstützung bei Beratungs- und Entscheidungsprozessen finden. Andererseits erfahren wir bei der Veranstaltung, was Schüler, Eltern und Lehrer über die Universität wissen wollen“, sagt Dr. Christine Hummel.

Die weltliche Schule, fast vergessene Schulgeschichte (2)

„Du höppiges Dier": „Einmal während meiner Schulzeit saß ich etwas schief in der Bank, weil ich am Hintern ein großes Blutge­schwür hatte. Beim besten Willen konnte ich mich nicht richtig hinset­zen. Da sagte die Lehrerin ohne viel zu fragen: ,Komm raus'. Ich musste mich übers Pult legen und dann hieb sie mir unbewusst mit dem Stock das Geschwür auf. Eiter und Blut liefen mir bis in die Schuhe rein. Ich bin nach Hause gerannt. Meine Mutter stand gerade vorm Waschküben und war am Waschen. Ihr Schottelduok woar naat. Sie nahm mich an die Hand, ab in die Schule. Die Lehrerin war gehbe­hindert. Da sagte meine Mutter zu ihr: ,Wat häs du höppiges Dier met mi'enem Jongen gemackt?' Da fing sie an zu weinen, sie habe vom Geschwür nichts gewusst. Aber meine Mutter war jetzt richtig in Fahrt: ,Wenn du dat noch es macks, hie am Dürenpool hang ech dech op'. Ich war froh, dass das Geschwür offen war und hatte keine Schmerzen mehr. Seit der Zeit konnte ich in der Klasse machen was ich wollte."

Die Volksschule Palmstraße (kath.) wurde 1914 fertiggestellt.Mit 1921, dem Jahr, in dem die ersten weltlichen Schulen aufgrund elterlicher Willenserklärungen einge­richtet werden sollten, eskalierte der Schulkampf; er schaukelte sich hoch an der bereits bekannten Polemik. Noch im Februar sprach der Remscheider Lehrerverein in einem öffentli­chen Aufklärungsabend sich für die Einführung der weltlichen Schule aus. Unter Punkt acht einer Erklärung wurde jedoch darauf hingewiesen: „Wie konfessionelle Fragen, gehört auch die Politik nicht in die neue Schule hinein." „Die Absicht der Schulverwaltung auf baldige Durchführung (Errich­tung von Sammelklassen bzw. Sammel­schulen) scheiterte einstweilen an dem Mangel gewillter Lehrkräfte", er­klärte Oberbürgermeister Hartmann. „Dass die Frage der weltlichen Schule in Remscheid nicht vom bösen oder guten Willen der Schuldeputation abhängt, sondern zu einer Lehrer­frage geworden war", musste auch die „Bergische Volksstimme" im Juli 1921 feststellen. Ohne hier die Einzelhei­ten zu berühren, die dazu geführt hatten, den guten Willen und die Ko­operationsbereitschaft des Remscheider Lehrervereins derart umzu­schwenken, verdeutlicht das Lehr­kräftedilemma, in welchem Maße die Politik Einfluss genommen hatte auf die weltliche Schule.

„Die weltliche Schule ist die Parteischule der Sozia­listen und Kommunisten", heißt es la­pidar in einer Leserzuschrift. „Das steht einwandfrei fest nach den Er­klärungen, die vor wenigen Tagen im Volkshaus abgegeben worden sind. Die Lehrer, die sich der weltlichen Schule zur Verfügung gestellt haben, ver­langen die Ausschaltung der Kommu­nistischen Partei. Das wurde von der V. K. P. D. nicht zugegeben. Es steht aber unumstößlich fest, dass die weltliche Schule der ,Freien Schulge­sellschaft' die Parteischule der Kom­munisten ist . . ."

Soweit war es inzwi­schen gekommen: Der Lehrerverein hatte sich distanziert und die „Freie Schulgesellschaft" sich kompromit­tiert. Zwei für die Idee der weltlichen Schule wichtige Tiägerschaften gingen schon vor ihrer Errichtung verloren bzw. hatten ihre Zugkraft für die Allgemeinheit eingebüßt. Als Gradmesser der Schulkampf­polemik, die ihr Ausmaß und ihre emotionale Heftigkeit mit beredten Zeugnissen widerspiegeln, gelten die vielen Leserzuschriften in den Ta­geszeitungen. Hier, je nach Neigung, war dann die Rede entweder vom „ro­ten" oder vom „schwarzen" Terror. Alle Register wurden gezogen. Sogar der „brave, biedere Arbeitsmann" kam mundartlich zu Wort: „Ming Blagen gönnt en die Schuol, an derr ech selwer woar, on uoch en die Kengerliehr; späder können se maken, wat se wellen. On Chressdag hann ech noch es met mi'enen Blagen ongerm Chressbuom all die netten, guoden Chressdagsli'eder derr Re'ih noa raffgesongen." Auch der „gute Rat an die Arbeiterfrau" fehlte nicht: „Ich weiß, wie Eure Männer auf der Arbeits­stelle, in Versammlungen usw. gequält und gedrängt und auch terrori­siert werden, so dass mancher schwach wird und gegen seine ei­gene Überzeugung etwas unter­schreibt . . ." Dem setzte die „Bergische Volksstimme" entgegen: „. . . In der Frage der Kindererziehung lassen sich die realen Tatsachen nicht aus der Welt schaffen, dass die herrschende Klasse mit ihren ganzen Machtmitteln ideologischer Art die Erziehung der Kinder zu wirklich freien Menschen zu verhindern trachtet . . . Erst in der kommunistischen Gesellschaft wird das Kind zu einem freien Menschen erzogen werden. Das Ideal der SPD-Lehrer sind Treibhauspflanzen, die nachher, wenn die Kinder in den Kampf ums Dasein treten, an der rauhen Wirklichkeit zugrunde gehen. Die KPD arbeitet darauf hin, schon jetzt dem Kinde die Voraussetzungen zu geben, die ihnen später ermöglichen sollen, den Widerstand der proletari­schen Klasse zu stärken und die kapi­talistische Klasse zu überwinden ..."

Nach diesem Einblick in die ideologischen Segnungen, die auf den Rücken der Kinder ausgetragen wur­den, bleibt noch die Frage nach dem Verhalten der Eltern. „Die freien Schulgesellschaften sind ihrem Wesen nach proletarisch", schrieb Studienrat Johannes Resch. „Wir sind uns dar­über klargeworden, dass die in den freien Schulgesellschaften erstandene Bewegung eine Klassenkampfbewe­gung ist ... (Aber) eine Anzahl Prole­tarier . . .  will von der unerbittlichen Konsequenz des Klassenkampfgedan­kens vorerst nichts wissen . . ." Diese Einstellung sollte sich eher noch ver­stärken, soweit sie sich auf die Wahl der Schulform für ihre Kinder bezog. In der Tat erreichte die Zahl der welt­lichen Schüler selbst in den besten Jahren mit nur knapp 15 Prozent aller volksschulpflichtigen Kinder ihre Spitze. Zwar verminderte sich durch den „Weltkriegknick" die Gesamtzahl der Volksschüler zwischen 1924 und 1929 um 6,5 Prozent, bei den weltlichen Schulen aber betrug die Verminderung fast 50 Prozent. Eine bemerkenswerte Diffe­renzierung der Arbeiterschaft hin­sichtlich der Gewichtung ihrer Inter­essenvertretung wird augenscheinlich, wenn dem minimalen Erfolg der welt­lichen Schuh das generelle Wahlver­halten gegenübergestellt wird. 1924 zum Beispiel (wie auch in den nach­folgenden Jahren), ob Stadtverordne­tenwahl, Landtags- oder Reichstags­wahl, stets war die KPD mit über 30 Prozent aller Stimmen (SPD rd. acht Prozent) die weit­aus stärkste Partei in Remscheid. Der geringe Erfolg der weltlichen Schule in dieser Stadt lässt darauf schließen, dass selbst die massivsten parteipolitischen Aktivierungsversu­che bei der Mehrzahl der Eltern ohne Resonanz geblieben waren. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch nicht, dass die diversen religiösen Elternschulvereine im großen und gan­zen erfolgreicher gewesen sein dürf­ten. Eher waren es praktisch-materielle Erwägungen, die das Verhalten der Eltern bestimmten.

Das Ergebnis der Elternbeiratswahlen im Jahre 1920 lässt diese Vermutung erhärten. Das Gros auch der linksorientierten Eltern beließ demnach seine Kinder in den konfessionellen Schulen, trotz Reli­gionsunterricht. Oder aber wegen des Religionsunterrichtes, wenn die Kin­der zur Ersten Kommunion gehen bzw. konfirmiert werden sollten, statt an der Jugendweihe teilzunehmen. Gleichgültigkeit gegenüber den For­derungen - von welcher Seite auch immer — ebenso wie die mit der Um­schulung oft verbundenen weiteren Schulwege, haben sicherlich eine Rolle gespielt, alles beim alten zu belassen. Das wichtigste Argument entsprang wahrscheinlich aus der Sorge um die Zukunft der Kinder. Die ste­tige Verminderung der Schülerzahl lässt darauf schließen, dass immer we­niger Eltern bereit waren, den Lebens- ­und Berufsweg ihrer Kinder durch den Besuch einer von der Bevölke­rung als „Parteischule" gekennzeichne­ten Schule zu belasten, deren poli­tische Gegner nicht selten Positionen innehielten, die zum Beispiel bei der Bewerbung um Lehrstellen ausschlag­gebend waren.

 Im Mai 1922 wurde von den Stadt­verordneten der SPD, USPD, KPD, KAG (Kommunistische Arbeitsgemein­schaft) gemeinsam die Errichtung weiterer weltlicher Schulen bean­tragt. Diese Forderung hätte aufgrund des bestehenden Mehrheitsverhältnisses - von 54 Stadtverordneten gehörten 32 den sozialistischen Parteien an - auch durchgesetzt werden können. Der Antrag wurde jedoch durch den überschätzten Zulauf bald gegen­standslos. Von den ursprünglich vier weltlichen Schulen, die Mitte der 20er Jahre über insgesamt 29 Klassen ver­fügten, wurde die kleinste - sie war in der Schule Schüttendelle unterge­bracht - zuerst aufgelöst. 1930, als die Schülerzahl der drei Schulen zusam­men knapp über 500 lag, wurde die Schule Nordstraße aufgelöst. Die beiden verbliebenen weltlichen Schu­len, Handweiser und Stachelhausen, traf das gleiche Schicksal im ersten Jahr des Dritten Reiches.  (aus: “…aber die Jahre waren bestimmt nicht einfach. Remscheider Zeitzeugen berichten aus Kindheit und Jugend“. Von Gerd Selbach. Herausgegeben von der Volkshochschule der Stadt Remscheid 1985.)

 

„Konfessioneller Streit: „Die konfessionell ausgerichteten Schulen lagen untereinander oft in Streit. So beschimpften sich die Schüler der evangelischen Schule Osterbusch und die Schüler der katholischen Palmschule gegenseitig. Riefen jene: ,Katholische Pfaffen, mit Eier gesaffen, mit Mehl gerührt, zum Teufel ge­führt', dann antworteten diese: ,Euer Pfarrer war der Thümmel und drum seid ihr alle Lümmel'. Als Kind hab ich das immer gehört. Man hat auch mit den Katholiken nie ver­kehrt. Auch die Blagen haben nicht miteinander gespielt. Die evangelischen waren für sich und auch die katholi­schen. Unsere Oma litt nicht, dass wir mit den Katholiken spielten. Sie rief uns dann rein ins Haus. Der alte Remscheider war eben so."

Die Vereinsschule: „In meinem dritten Schuljahr wurde die alte Gewerbeschule, in die ich ein­geschult worden war, anderen Zwecken zugeführt. Wir mussten nun in die Vereinsschule, die sich am Rathausplatz befand. Es war ein altes Schiefergebäude, das eine Dependance mit zwei oder drei Klassen an der Al­leestraße hatte. Die alte Vereinsschule war hygienisch unmöglich. Ihre Klassenräume wurden beheizt mit riesigen Kanonenöfen, die in der Mitte des Zimmers standen. An der hinteren Wand hingen bei schlechtem Wetter all die nassen Mäntel, Jacken und Mützen. Eine Garderobe gab es nicht. Das erzeugte eine fürchterli­che Luft; gasig und feucht, durch die Ausdünstungen. Und dann diese glühendrot-gestochten Öfen. Da gab es oft verbrannte Finger. Ich glaube, es gab kein Kind, das nicht mal mit der Hand an den Ofen gekommen wäre. Die Schule war als fast baufällig be­rüchtigt."

„Dat es gries, Frollein": „Zu Hause wurde nur Platt gespro­chen. Meine Mutter, die eine ,Hergeluopene' war, sprach Remscheider Hochdeutsch. Als ich am 1. Mai 1908 eingeschult wurde, gab es Schwierig­keiten mit der Sprache. Mit dem Hochdeutschen hatte ich Streit. Fräu­lein Schürmann, unsere Lehrerin, fragte: ,Welche Farbe ist das?' -,Dat es gries'. - ,Nein, das heißt auf Hochdeutsch ,grau'. - ,Nee Frollein, do mott ech äwwer i'esch ming Oma frogen',"

Erste Bank, Erster: In unserer Schulklasse hatten wir noch die Sitzordnung. Jeder Schüler war daher bestrebt, vorne zu sitzen, denn unsere Lehrerin plazierte uns nach Leistung. Da hieß es dann: ,Setz dich eins rauf. Oder: ,Setz dich eins runter', wenn man Fehler gemacht hatte. Der Streit unter den Schülern ging um den Platz ,erste Bank, Er­ster.' Je schlechter man war, je weiter hinten saß man."

60 bis 70 Blagen: „1905 bin ich in die Schule Hölterfeld gekommen. Da saßen wir mit 60 bis 70 Blagen in einer Klasse. Da gab es nicht so kleine Klassen wie heute. Die Lehrer haben uns immer ein bisschen amüsiert, denn sie waren noch so altmodisch; altmodischer jedenfalls als wir. Die alten Lehrer hatten noch diese langen Gehröcke an. Die Leh­rerinnen waren ganz in schwarz. Sie hatten Kleider bis auf die Erde und waren zugeknöpft bis oben zum Kinn."

Ett iss enn Krütz mem Kaal

Ne watt hatten wiar enn Schnie em Januar, unn de Iisregen woar joo amm schlemmsten dobie.

Ech bin vam ienkoopen no Huus geschliddert, wie enn Penguin emm Woppdahler Zoo. De hand joo gesaid, datt datt verhingern sual, datt man opp sieän Burenbahnhoff fällt. Deswegen hand ech datt och su jemakt. Datt soch wat kuomisch uat, denn Hingerschen watt ruut jedrückt, de Boscht iänjetrocken, enn bissken krumm wie enn aul Wieäf, watt enn Hexenschuat hätt, uan emmer langsam schluffen, de Schoken nich vann de Eard nemmen.

Ech bin noch guat nohieme gekuamen, evver de Kaal de hätt nech dodröpp jehüart unn iss längelangs opp siän Röckgrat gefaulen. Jetzt hätt he Krützping unn enn gruaten blüöen Fleck opp sian Aasch. He kann kaum luapen unn stiard miär emmer emm Wegge röm. Ma kennt datt joo, da hand de Männer enn Wiwiken, onn dann iss datt bauld als opp se stürven. Ech mott emm Kaal emmer en nieue Bettflesche maken unn inn datt Krütze stoppen.

Unn dann muast ech jo och selver datt janze Weekenend Schnie schöppen. Dee Kaal hängt emm Warmen in de Stuav und stiard henger de Gading unn iss am weestern, wo ech noch överall schäppen sual.

Ne watt han ech mech oppgerächt. För Frack hann ech enn Schieball geklütert, da konnt me sinn, watt de Kaal opp ienmol flenk wuar unn sech döckes gedüllt hätt unn verstoppt. Der hätt joo gar kieäne Molästen met demm Krütz, wenn ma su flöck ess.

Die Dreckpann hätt mech utgenotzt tem bedienen. Datt hätt nu enn Eng.  Ech hann denn Schnie noch wechjemakt unn bin dann rinn. Do soot he doch tatsächlich wedder opp demm Kannepie. Ech hann dann derektemang denn Kaal tesamenjeschröümpelt. Datt kann man nech mem Klärchen maken. Wenn datt wiar schneit dann giät de Kaal schöppen, da bin ech stianhatt.

Bis strackes, önker Klärchen

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FIisregen/Eisregen, Burenbahnhoff/dicker Hintern, Boscht/Brust, Wieäf/Weib, Schoken/Beine, blüöen/blauen, Wiwiken/Wehwechen, stürven/sterben, Gading/Gardine, weestern/zeigen, För Frack/vor Ärger, geklütert/geworfen, döckes gedüllt/schnell geduckt, Kannepie/Sofa, derektemang/direkt, tesamenjeschröümelt/zusammengestaucht.

Treffen der Skoliose-Selbsthilfegruppe

Am Dienstag, findet der nächste Infoabend der Skoliose-Selbsthilfegruppe (SHG) für das Bergische Land in Wuppertal in der Färberei, Peter-Hansen-Platz 1 (Stennert 8-) von 18 bis 20 Uhr statt. Wir möchten alle von Skoliose Betroffenen ansprechen und einladen, vor allem aber auch Eltern von betroffenen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bieten, sich über Skoliose zu informieren. Selbstverständlich sind auch Kinder und Jugendliche eingeladen, an unserer Gesprächsrunde teilzunehmen. Sicherlich gibt es viele Fragen zu Therapien, Korsett und als letzte Möglichkeit auch die Operation. Wir bemühen uns, Ihnen die gewünschten Informationen zu geben. Skoliose ist eine seitliche Verbiegung mit gleichzeitiger Rotation der Wirbelsäule. Es gibt mehrere Ursachen, sie kann im Wachstum bei Kindern auftreten, bei Mädchen häufiger als bei Jungens. Eine frühzeitige Erkennung und gezielte fachliche Therapie kann eine Verschlechterung verhindern, oder gar eine Verbesserung der Verkrümmung erreichen. Wir bieten Informationen über konservative und operative Therapien und Erfahrungsaustausch an. (Klaus Bothe)

Am Mittwochm, 8. Februar, bieten wir von 15 bis 17 Uhr einen speziellen "Jugend-Skoliose-Treff" ebenfalls in der Färberei an. Info auf unserer Internetseite www. skolioseselbsthilfe.de.