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Als man in Afrika noch Küppers Kölsch trank

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Zurzeit sind die Medien voll mit Nachrichten aus Namibia, das eine Zeit lang eine deutsche Kolonie war. Damals wurden Historikern zufolge Gewalttaten an den dortigen Völkern der Herero und Nama verübt, die heute mit dem Begriff Völkermord bezeichnet werden müssen. Vertreter der afrikanischen Volksgruppen haben nun Schadensersatzklagen gegen Deutschland  eingereicht.

Auch das Bergische Land war in der Zeit um 1900 mit der damaligen Kolonialidee vertraut und in viele Maßnahmen eingebunden. Ich hatte mit diesem Thema in den 1990er Jahren zu tun als Historiker und Spezialist für die Rettung historischen Kulturguts. Gefördert durch die VW-Stiftung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft, für die ich seinerzeit als Gutachter im Bereich Sicherheitsverfilmung und Massendigitalisierung fungierte, reiste ich auf der Suche nach Bildmaterial aus der Kolonialzeit auch nach Namibia, da sich dort sowohl in privater wie auch in staatlicher Hand noch sehr viele Bildmaterialien befanden und im Original auch heute noch befinden.

Neben der physischen Sicherung der Materialien für die Frankfurter Universitätsbibliothek hatte das damalige Projekt auch weitere Folgen: Es erreichte mich nämlich auch aus Deutschland privates Bild- und Textmaterial aus der Kolonialzeit, für das sich in den Familien kaum noch jemand dafür interessiert. Aufgrund von Presseberichten über die Kulturgutsicherung der Frankfurter Universitätsbibliothek rief eines Tages ein Mann aus dem bergischen Lohmar-Wahlscheid im Rhein-Sieg-Kreis an und erzählte mir, dass er auf dem Dachboden einen handschriftlichen Bericht seines Vaters mit ca. 150 originalen Fotos aus dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika gefunden habe. Der Vater hatte sich als Postler in den damaligen Kolonien gearbeitet. Auf meine Direktionssekretärin kam die durchaus schwierige Aufgabe zu, in der dafür freien Zeit den handschriftlichen Text maschinenschriftlich zu erfassen. Die historischen Fotos wurden in ihrer durchaus sehr unterschiedlichen Qualität wiederhergestellt, digital verbessert und für eine Veröffentlichung vorbereitet. Aus dem Ganzen ergab sich schließlich ein Bildband, der seinerzeit nicht nur im Bergischen, sondern auch bei den Deutschen im heutigen Namibia zur Kenntnis genommen wurde.

Anders als vielleicht erwartet, ist der Bericht des Postbediensteten Otto Schiffbauer, der als  „Telegrafenbauer in Deutsch-Südwest“ in der Zeit von 1905 bis 1913 in der afrikanischen Kolonie Dienst tat, keine wilhelminische Hurra- Erinnerung. Als er damals „bei die Wilden“ ging, schilderte er seine Erlebnisse in der ihm eigenen einfachen Sprache – eher sachlich, aber anschaulich – aus seiner persönlichen Perspektive, beschreibt seine Rekrutierung durch die deutsche Postverwaltung in Köln und die Arbeit an den einzelnen Abschnitten des südwestafrikanischen Streckenbaus bis zu seiner Rückreise in die bergische Heimat. Dabei fehlt es nicht an Passagen, die heute geradezu grotesk wirken mögen, z.B., dass man in der Wildnis damals gerne im Wüstensand Küppers-Bier aus Elberfeld trank. In die Herero- und Nama-Kriege, wie wir sie heute nennen, war der Telegrafenbauer nicht direkt einbezogen, jedoch gibt es bei ihm auch Militärfotos sowie eines, das einen Gefangenen-Kral (Foto rechts) zeigt, in dem schwarze Gefangene in einer Art „concentration camp“, wie damals schon die Engländer dies nannten, darauf warteten, in die deutsche Zwangsarbeit gepresst zu werden. Der Bildband über den „Telegrafenbauer in Deutsch-Südwest“ erschien im Jahre 2006, sozusagen ziemlich genau 100 Jahre nach den Herero-und Nama-Kriegen, die heute zu Entschädigungsklagen geführt haben.


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