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Marokkanische Väter übergaben Unterschriftenliste

Für die Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Migrantenvertretungen Nordrhein-Westfalen („LAGA NRW“) ist eines unstrittig: Ergänzender muttersprachlicher Unterricht für Kinder mit ausländischem Pass oder Migrationshintergrund an deutschen Schulen fördert die Deutschkenntnisse dieser Kinder und erhöht ihre späteren beruflichen Chancen. Denn Kinder, die zweisprachig aufwachsen und dabei auf ihre eigene Muttersprache zurückgreifen können, lernen Sprachen besonders schnell und problemlos, wenn ihr gesamter Sprachunterricht koordiniert ist und aufeinander aufbaut. So sehen es auch die bisherigen PISA-Studien. „Je besser Kinder ihre Muttersprache beherrschen, desto schneller und effektiver erlernen sie eine Zweitsprache“, stellt die „LAGA NRW“ auf ihrer Homepage fest. Folglich spiele der muttersprachliche Unterricht „eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der Schulerfolge der Migranten. Ohne eine Förderung ihrer Muttersprache werden es viele Kinder sehr schwer haben, vernünftige Schulabschlüsse zu erreichen.“

Als deshalb Vertreter der islamisch-marokkanischen Gemeinde gestern vor Beginn der Sitzung des städtischen Integrationsrates an deren Vorsitzende Erden Ankay-Nachtwein eine Liste mit 37 Unterschriften von Eltern und der dringenden Bitte übergaben, der Integrationsrat möge sich für den Ausbau des herkunftssprachlichen Unterricht in Arabisch an Remscheider Schulen einsetzen, sagte diese gerne zu, die Bitte an Schulrätin Susanne Cortinovis-Piel (Schulamt für die Stadt Remscheid)  bzw. die Bezirksregierung in Düsseldorf als entscheidende Instanz über den Personaleinsatz weiterzureichen. Und zu Beginn der Sitzung teilte sie dies den Mitgliedern des Gremiums „nachrichtlich“ mit.

Jochen Siegfried (CDU) war das allerdings nicht genug. Zuvor möge sie den Antrag der marokkanischen Eltern doch bitte den Ratsfraktionen und -.gruppen zusenden und dann zwecks Beschlussfassung auf die Tagesordnung des Integrationsrates setzen. Dabei gibt es für die Lokalpolitiker in diesem Fall gar nichts zu entscheiden; das ist eine Angelegenheit der “laufenden Verwaltung“ – nicht nur in Remscheid, sondern in ganz NRW. Denn die Lehrer für muttersprachlichen Unterricht bestellt nicht die Kommune, sondern die zuständige Bezirksregierung, in diesem Fall die in Düsseldorf. Folglich „korrigierte“ Fritz Beinersdorf von den Linken den Vorstoß Siegfrieds dahingehend, dass das „wichtige Thema“ im Integrationsrat durchaus einmal grundsätzlich aufgegriffen werden könne. Und das gelte dann auch, so Schuldezernent Thomas Neuhaus, für den Schulausschuss. Von einem Beschluss der Remscheider Politik zum Antrag der Eltern wollte auch Volker Leitzbach (SPD) nichts wissen. Er sprach von „Unkenntnis über die allgemeine Geschäftslage“, ohne Jochen Siegfried direkt zu kritisieren, und verstand den Antrag „als wichtiges Signal für die Schulverwaltung“. Jochen Siegfried widersprach nicht, als Erden Ankay-Nachtwein abschließend feststellte, der Antrag gehe nun weiter an die Schulverwaltung und „zur Kenntnis“ an die Ratsfraktionen und -gruppen.

Die Vorsitzende des Integrationsrates, die sich als Lehrerin mit den Bedingungen für den muttersprachlichen Unterricht gut auskennt, hatte den Antrag vor der Sitzung von Suleiman Bensaid, Jamal Aitonali, Said Akkouh und Abdelkaaziz Abourial bekommen. Dabei hatten die vier gebürtigen Marokkaner in flüssigem Deutsch betont, eine einzige Lehrerin für Sprachunterricht in Hocharabisch, den sie 30 in Deutschland geborenen Jungen und Mädchen mit marokkanischen Wurzeln am Röntgen-Gymnasium erteilte, reiche für ganz Remscheid nicht aus. Denn im Stadtzentrum, im Südbezirk und im Westen der Stadt lebten weitere 180 Kinder, die es in gleicher Weise zu fördern gelte. Die Eltern könnten ihren Kindern diesen Extra-Unterricht nicht geben, denn sie selbst hätten zumeist kein Hocharabisch gelernt und sprächen nur einen der vielen marokkanischen Dialekte. Ob in den Familien auch Deutsch gesprochen werde, wollte ein Lokaltredakteur wissen. „Ja, aber nur, wenn wir uns streiten!“, war die augenzwinkernder Antwort.

„Mit Sprachhilfe im Hinterzimmer ist es nicht getan“, gab Erden Ankay-Nachtwein den vier Vätern Recht und verwies darauf, dass die Bezirksregierungen ihren Sprachlehrer/innen genaue Lehrpläne vorschreiben und von ihnen eine Dokumentation ihrer Unterrichtsinhalte auf Deutsch erwarte, um diese kontrollieren zu können. „Das gilt für den muttersprachlichen Unterricht in allen 18 Sprachen, der in NRW bis zum 10. Schuljahr in unterschiedlicher Gewichtung angeboten werde“, so Ankay-Nachtwein weiter. Eine ganze Reihe dieser Sprachen übrigens auch in Remscheid, und das schon seit Jahren. Vielleicht wäre eine Übersicht über das örtliche Angebot für den Schulausschuss und den Integrationsrat tatsächlich hilfreich...


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Kommentare

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Bildung statt Ausgrenzung e.V., Barbara Zirbes am :

Um den Ausbau des herkunftssprachlichen Unterrichts in HOCHARABISCH bitten seit einigen Jahren verstärkt viele Schülereltern, deren Wurzeln im arabischen Sprachraum liegen. Dieser ist bekanntlich recht groß und reicht von Marokko bis in den Irak. Bei allen Schulanmeldungen an den Grund- und Weiterführenden Schulen wird bei der Anmeldung der Wunsch der Eltern nach herkunftssprachlichem Unterricht erfragt. Die Eltern dokumentieren ihren Wunsch mit ihrer rechtsverbindlichen Unterschrift auf einem entsprechenden Formular. Der FD 2.4. kann zur Thematik verlässliche Zahlen für Remscheid liefern, da sie regelmäßig erfasst werden ... und somit auch die Bitte der Schülereltern auf dem Dienstweg zur Bezirkregierung D`dorf transportieren. Die Problematik liegt beim Verteilerschlüssel und der Zuweisung durch die Bezirksregierung von "Muttersprache-Lehrern" an die Städte: 1. gibt es zu wenig ausgebildete Lehrer für Hocharabisch mit entsprechender Zulassung. 2. Eine intensivere Bedarfsnachfrage von Eltern nach Hocharabisch wirkt sich auf die Zuweisung aus. 3. Die Bereitstellung von finanziellen Ressourcen durch die Landesregierung für die Einstellung von "Muttersprache-Lehrern" spielt eine nicht unerhebliche Rolle. ;-)

Lothar Kaiser am :

Alexander Schmidt (CDU) vermisste heute die von Thomas Neuhaus den Ratsfraktionen und -gruppen im Integrationsrat zugesagte Unterschriftenliste zum muttersprachlichen Arabisch-Unterricht. Das sprach dafür, dass die CDU darüber gerne im Integrationsrat beschließen will. Obwohl gegen Ende der Integrationsratssitzung die Vorsitzende Erden Ankay-Nachtwein der Feststellung, dass der Antrag nun weiter an die Schulverwaltung gehe und an die Ratsfraktionen und -gruppen „zur Kenntnis“, klar gemacht hatte, dass es in dieser Angelegenheit für die Kommunalpolitiker gar nichts zu beschließen gibt. Das bestätigte Neuhaus heute ausdrücklich: „Ein politischer Beschlussbedarf besteht nicht; das ist eine verwaltungsinterne Angelegenheit!“

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