Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Gegen Demenz helfen rege soziale Kontakte im Quartier

Ziel der Landesinitiative Demenz-Service NRW – gefördert vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW und den Landesverbänden der Pflegekassen und koordiniert vom Kuratorium Deutsche Altershilfe – ist die Verbesserung der wohnortnahen Versorgung für Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Daran arbeiten in NRW (als einzigem Bundesland) derzeit 13 Demenz-Servicecenter. Für die Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal sowie den Oberbergischen und den Rheinisch-Bergischen Kreis ist das Demenz-Servicezentrum Bergisches Land zuständig in Trägerschaft der Evangelischen Stiftung Tannenhof. Dort arbeiten die Diplom-Psychologin Monika Wilhelmi (Leitung), der Diplom-Sozialwissenschaftler Arnd Bader und die Krankenschwester Susanne Bäcker. Bader stellte den Mitgliedern des Sozialausschusses am Mittwoch des Servicezentrum vor, das sich der Vorbeugung gegen Demenz verschrieben hat. „In Vorbeugung muss mehr als bisher investiert werden!“, forderte er.

Die häufigsten Ursachen einer Demenz sind Alzheimer-Erkrankung, Durchblutungsstörungen und Schlaganfälle (sog. vaskuläre Demenzen), Mischformen von Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz, Lewy-Körperchen-Demenz, Parkinsonsche Krankheit, frontotemporale Degenerationen (z.B. „Morbus Pick“), Alkoholdemenz (Korsakow) sowie Vitamin- und Hormonmangelzustände. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken, steige mit dem Alter, sagte Arndt Bader. Experten gingen davon aus, dass jeder dritte Mensch, der das 65. Lebensjahr erreiche, im Laufe seines weiteren Lebens an einer Demenz leiden würde. „Die Zahl der Demenzkranken  wird dramatisch steigen, besonders in ärmeren Ländern“, kündigt der 2015 in London veröffentliche „Welt-Alzheimer-Bericht“ an. Die Prognose: Steigerung der weltweiten Erkrankungen von heute 46,8 Millionen über 74,1 Millionen im Jahre 2030 auf 131,5 Millionen in 2050. Forscher des Londoner King‘s College schätzen die gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten von Demenz weltweit auf jährlich 711 Milliarden Euro (Tendenz steigend). Und wie sieht es in Remscheid aus? Hier kamen im Jahre 2008, so der Demenz-Report des Instituts für Bevölkerung und Entwicklung in Berlin, auf 100.000 Einwohner 1.600 bis 1.900 Demenzkranke. Deren Zahl werde bis 2025 auf 1.900 bis 2.200 pro 100.000 Einwohner steigen, ein Plus von 300.

Arnd Bader.Arnd Bader, in Remscheid vielen besser bekannt als Langstreckenläufer (im Foto rechts  bei einer Ehrung als Sportler des Jahres), betonte, ohne frühzeitige Beratung und Vorbeugung würden die volkswirtschaftlichen Kosten von Demenz in den nächsten Jahren weiter deutlich steigen. Er verwies auf wissenschaftlich begründete Tipps, um die Leistungsfähigkeit des Gehirns zu erhalten und auch körperlich gesund zu bleiben, denn so könne der Ausbruch einer Demenz um bis zu sieben Jahre hinausgeschoben werden:

  • Intellektuelle Herausforderungen suchen
  • Sozial aktiv bleiben
  • Mehr bewegen
  • Mediterrane Kost
  • Stress reduzieren
  • Schlafqualität erhöhen
  • Medizinische Probleme behandeln lassen.

Zu den medizinische Problemen zählte Arndt Bader Nikotin- und übermäßiger Alkoholkonsum, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herzrhythmusstörungen, erhöhte Blutfettwerte, Übergewicht, Bewegungsmangel und Blutgerinnungsstörungen. Unterschätzt werde häufig die Bedeutung nichtmedikamentöser Behandlungsverfahren, so Bader weiter. An Therapieverfahren zählt er auf:  Ergotherapie, Musiktherapie, Tanztherapie (regelmäßige Treffen in der „Esche auf dem Hohenhagen), Gedächtnistraining, Bewegungsangebote, Milieutherapie, Orientierungstraining und Logopädie.

Der Masterplan altengerechte Quartiere.NRW hat sich für Senioren ein möglichst langes und selbstbestimmtes Leben in der vertrauten Umgebung zum Ziel gesetzt – auch bei Krankheit oder Pflegebedürftigkeit. Allerdings setzt eine wohnortnahe Prävention und Stärkung der haushaltsnahen Versorgung (um soziale Folgekosten zu vermeiden) positive Beziehungen (mit sozialer Kontrolle und Hilfe) zwischen den Generationen voraus. Nicht nur innerhalb einer Familie, sondern auch unter den Bewohner/innen eines Quartiers. Zur vorbeugenden Demenzversorgung im Quartier zählte Bader Bewegungsprogramme (Ausdauer, Kraft & Koordination, Gruppenangebote, Spazierengehen, Tanzen, Yoga, Tai Chi …), Ernährungsberatung (Empfehlungen, Vermittlung von Erkenntnissen, Gemeinsames Kochen & Essen), geistige Aktivierung (Lernen von Sprachen und Musikinstrumenten, Meditation, Gedächtnistraining), Stressabbau (Resilienztraining, Salutotherapie, Entspannungs- und Wohlfühlprogramme, Selbstwirksamkeitstraining) und soziale Interaktion (zur Vorbeugung vor Depression und Isolation) durch Vernetzung und Selbsthilfegruppen. Wichtig sei auch bürgerschaftliches Engagement.

Daniel SchmidtWohnen im Alter bedeutet Abbau von Barrieren“ (Waterbölles vom 2. Dezember 2016). Daran arbeitet zurzeit in Rosenhügel Daniel Schmidt (GFoto links), wie Bader ein Langläufer. Bis zum 31. Januar 2018 koordiniert der Sozialarbeiter dort im Auftrag der Stadt das Modellprojekt „Altengerechte Quartiersentwicklung Remscheid-Süd“ des Landes NRW.  Dabei geht es um ausreichende Informationsmöglichkeiten über Angebote im Quartier und Beratung über in Frage kommende Hilfen, die bedarfsgerechte Versorgung im Wohnumfeld, präventive Hilfsangebote sowie niederschwellige Möglichkeiten der Begegnung und Kommunikation, die Beteiligung/Vernetzung und bürgerschaftliches Engagement.

Übergeordnet nehmen sich die Demenz-Servicecenter der gleichen Themenbereiche an, konzentrieren sich dabei aber auf soziales Clearing, Aufklärung, Support, Vernetzung, Impulsgebung und Strukturentwicklung. Zur Öffentlichkeits-  und „Lobby“-Arbeit gehören die Organisation und Moderation von Fachveranstaltungen, Aufbau, Moderation und Begleitung von Demenz-Netzwerken, Organisation und Moderation von Demenz-Tagen, Gremienarbeit (insbesondere kommunale Konferenzen zu Alter, Pflege und Gesundheit) sowie  Vorträge und Schulungen.

Besondere Themenschwerpunkte des Demenz-Servicezentrums Bergisches Land sind nach Angaben von Arnd Bader Demenz & Bewegung, Demenz & Sexualität, Demenz & (kulturelle) Teilhabe, Demenz & Schule, Demenz im Krankenhaus [Bader plädierte für einen Demenz-Berater pro Krankernhaus, um einem Krankheitsschub nach Operationen (Delir) vorzubeugen], Demenzversorgung (im Quartier) sowie Demenz & Prävention. Im Focus für 2017 (Landesweiter Themenschwerpunkt) stehen allein lebende Menschen mit Demenz. Für sie gebe es in Remscheid nicht genügend Kurzzeitpflegeplätze.

Zu den besonderen Gestaltungsaufgaben in den Kommunen zählte Bader „Pflegestützpunkte“ im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes 3, den Aufbau von Selbsthilfestrukturen (Gesprächskreise, Angehörigengruppen), inklusive (teilhabeorientierte) Bewegungs-, Kultur- und Freizeitangebote, sowie vollständige Versorgungsketten (d. h. niedrigschwellige Hilfen, ambulante Dienste, ambulant betreute Wohnformen, wohnortnahe Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege, solitäre Kurzzeitpflegeeinrichtungen, wohnortnahe, ins Quartier integrierte vollstationäre Einrichtungen und demenzspezifische Hospiz- und Palliativstrukturen).

Betroffenen, Angehörigen, Interessierten, Professionellen und Ehrenamtlichen bietet das Demenz-Servicezentrum Bergisches Land eine Beratung an unter der leicht zu merkenden Telefonnummer RS 121212.


Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!