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Bessere Chancen auf berufliche und soziale Teilhabe

Im vergangenen Jahr hatte der Caritasverband Remscheid e.V. Aufwendungen in Höhe von 4.020.000 Euro, 9,45 Prozent mehr als im Vorjahr, das mit einem Defizit endete. Und auch gegenüber früheren Jahren habe sich die Finanzlage des Verbandes wieder verbessert, berichteten gestern die Vorstandsmitglieder Sandra Engelberg und Karin Dasbach: „Durch neue Angebote und Maßnahmen konnten die Erträge im Bereich der Leistungsentgelte um zwei Prozentpunkte auf 37,5 Prozent erhöht werden. Die Zuschüsse von Bund, Land und Stadt sind in der prozentualen Verteilung annähernd gleich geblieben. Die sogenannten sonstigen öffentlichen Zuschüsse (EU, Stiftungsgelder) sind hingegen um ca. einen Prozent angestiegen.“ Mit „Leistungsentgelten“ sind beispielsweise die Kostenbeiträge gemeint, die die Caritas von der Stadt und den Krankenkassen erhält. Die Gesamtkosten einschließlich Sach- und Personalkosten ließen sich damit auch im vergangenen Jahr nicht decken. Es verblieb ein Anteil von zehn Prozent bei den Leistungsentgelten bzw. knapp 20 Prozent vom Gesamtetat, den die Caritas aus ihren Eigenmitteln beisteuern musste. Denn durch Spenden (1,97 Prozent des Etats) ließ sich die Finanzlücke nicht schließen.

Dem Caritas-Vorstand war es wichtig, das Angebotsspektrum gerade in den Bereichen aufrechtzuerhalten und auszubauen, wo Menschen am Rande stehen bzw. kaum noch Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe haben. „Unbürokratische, schnelle Hilfe ist weiterhin ein wichtiger Baustein unserer Angebote. Wir sind schließlich die Caritas. Weil es dafür keine Zuschüsse bzw. Leistungsentgelte gibt, finanzieren wir zum Beispiel unsere allgemeine Sozialberatung durch Eigenmittel bzw. Spenden. Dieses niederschwellige Angebot – es dient der ersten Klärung der Problemlage und beinhaltet niederschwellige Hilfsangebote – ist eine äußerst wichtige Säule in der Beratungslandschaft in unserer Stadt“, betonte Sandra Engelberg auf der gestrigen Pressekonferenz. Eigenmittel könne man aber nur einmal einsetzen. „Und wenn wir sie für diese für uns so wichtigen Grundberatungsdienste einsetzen, fehlen sie uns oft an anderer Stelle, z.B. um neue, innovative Modellprojekte nach Remscheid zu holen bzw. um die Overheadkosten bestimmter Angebote zu finanzieren. Daher appellieren wir immer wieder an alle Drittmittelgeber, unsere Angebote auskömmlich zu finanzieren und zwar sowohl im Bereich der Personal- und Sachkosten als auch im Bereich des Overheads!“

Die größten Kosten (ca. 80 Prozent) versuchte auch 2016 wieder der Personalbereich. Denn Sozialarbeit ist personalintensiv: Die Aufwendungen erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr um 9,45 Prozent. Die 97 Vollzeit- und Teilzeit-Mitarbeitende der Caritas Remscheid, davon 85 Prozent Frauen,  verteilen sich auf 57 Vollzeit-Planstellen in der Pflege, der Sozialarbeit, Betreuung etc. Karin Dasbach: „Wie bereits im Vorjahr hatten wir auch in 2016 Probleme bei der Besetzung offener Stellen. Der bundesweite Fachkräftemangel zeigte sich diesmal nicht nur in der Pflege, sondern auch verstärkt im Bereich der sozialen Arbeit. Hierdurch mussten Stellen zum Teil über einen längeren Zeitraum vakant bleiben!“ Als Gründe dafür nannte Dasbach gestern, dass es sich „um traditionelle Frauenberufe handelt mit mehr Arbeit und weniger Einkommen“ und dass weitere Aufgabenbereiche hinzugekommen sind, etwa in der Flüchtlingsbetreuung. Die Folge dieser Vakanzen: „Nicht selten arbeiten Mitarbeitende in zwei oder drei Projekten/ Maßnahmen oder sogar Fachbereichen. Dies erfordert von den Mitarbeitenden eine äußerst hohe Flexibilität und Struktur. Aufgrund der Projektarbeit sind diese Stellen auch oft von einer existentiellen Unsicherheit geprägt. Das macht die Lebensplanung der Mitarbeitende nicht einfach!“

Im vergangenen Jahr konnten mit Unterstützung des Jobcenters vier neue Mitarbeitende im Rahmen des Projektes „Soziale Teilhabe" eingestellt werden. Das Projekt dient zum einen der Beschäftigungsförderung und hilft uns zum anderen bei der Aufrechterhaltung zusätzlicher Angebote, wie z.B. der Kleiderkammer. Zudem bietet der Caritasverband Remscheid im ambulanten Pflegedienst zwei Ausbildungsplätze an (Ziel: examinierte/r Altenpfleger/Altenpflegerin). In der Tagespflege besteht ferner die Möglichkeit eines Freiwilliges Soziales Jahr  im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes. Dazu Zahlen aus 2016: Im ambulanten Pflege- und Betreuungsdienst wurden 182 Senioren gepflegt und unterstützt, in den beiden  Tagespflegen wurden 113 betreut und versorgt.

Der Fachdienst für Integration und Migration registrierte im vergangenen Jahr 2728 Klientenkontakte (Flüchtlinge und Zugewanderte) im Rahmen von Beratung und Formularhilfe. Die Ratssuchenden gehörten zu insgesamt 65 verschiedenen Nationen. Darüber hinaus gab es Vielzahl von Gruppenangeboten, Schulungen und Informationsveranstaltungen. In der Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Asylbewerber wurden ab Juni fünf Jugendliche betreut. Das Caritasnetzwerk „Frühe Hilfen" begleitete 52 Familien, die Familienhebamme unterstützte 20 Familien/Mütter. 545 Klienten*innen fanden Unterstützung bei Wohnungsnotfallhilfe. Davon nutzten 375 das Angebot der Postanschriften und 61 das Angebot eines Treuhandkonto. 408 Frauen wurden in der Schwangerschaftsberatung betreut und 57 Familien wurden durch die Flexible Erziehungshilfe unterstützt.

Zu den Highlights des Caritasverbandes in  2016 zählen Sandra Engelberg und Karin Dasbach die Kampagne „Weltbaustelle mit ihren vielfältigen Aktionen, darunter ein großes Graffiti am „Miro“ zu 17 nachhaltigen Entwicklungszielen, ferner das 25-jährige Bestehen der Erzieherischen Hilfen.

Und wo sieht der Caritasverband Remscheid e.V. die Herausforderungen in den nächsten Jahren? Klare Antwort: Auf den Arbeitsmarkt! „Hier müssen Bund, Land und Kommunen besser zusammenarbeiten und neue Wege im Bereich der Arbeitsmarktintegration einschlagen. Denn: „Integration in Arbeit ist ein wesentlicher Teil zur Bekämpfung von Armut und zwar jeglicher Art - von Kinderarmut bis hin zur Altersarmut. Die Erwerbstätigkeit ist zwar auf einem historischen Höchststand, aber die Zahl der Langzeitarbeitslosen stagniert. Hinzu kommt die große Zahl an Aufstockern (2173), die mit dem Mindestlohn nicht auskommen und finanzielle Unterstützung brauchen!“ Das SGB II kenne zwar eine Reihe von Instrumenten, Beschäftigungsmaßnahmen wie Arbeitsgelegenheiten, die Soziale Teilhabe, die Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und vieles mehr. Das alles sei aber meist nur kurzfristig angelegt. „Ist die Förderung beendet, fallen die Teilnehmenden oft wieder zurück in die Langzeitarbeitslosigkeit und erhalten keine Förderung mehr. Erreichte Ziele wie Stabilisierung, Tagesstrukturierung, Motivierung, Selbstvertrauen etc. werden nicht selten wieder zerstört, wenn die Betroffenen ohne Perspektive wieder zu Hause sitzen!“ In der Zeit des Fachkräftemangels komme es darauf an, die Menschen zu fördern, zu bilden und zu qualifizieren, um ihnen selbst und der nächsten Generation bessere Chancen auf berufliche und soziale Teilhabe zu bieten. „Prämisse darf nicht sein, wie bekommen ich jemanden kurzfristig aus dem Hilfesystem, sondern wie schaffe ich es langfristig und nachhaltig, dass Menschen wieder am Erwerbsleben und damit auch am sozialen, gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Damit helfen wir nicht nur den Betroffenen und deren Familien, sondern unterstützen auch die Wirtschaft und die Einrichtungen in unserer Region und fördern darüber hinaus das friedliche Zusammenleben in der Stadt!“


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Chronist am :

Im Jahr 2014 waren 12,2 Prozent der nordrhein- westfälischen Personen in Privathaushalten von materiellen Entbehrungen betroffen. Wie der Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen als amtliche Statistikstelle des Landes heute mitteilt, war damit jede achte Person aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln in ihren Lebensbedingungen eingeschränkt. Die Betroffenen waren z. B. nicht in der Lage, ihre Mieten, Hypotheken oder Versorgungsleistungen zu bezahlen, ihre Wohnungen angemessen zu beheizen oder eine einwöchige Urlaubsreise zu finanzieren. Materielle Entbehrungen bestehen nach EU-Definition dann, wenn nach Selbsteinschätzung der Haushalte drei von insgesamt neun Mangelsituationen vorliegen.

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