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Ein Manneswort

von Alma Mühlhausen

Manches Jahrzehnt ist schon vergangen, seit an einem Samstagmorgen auf dem Fabrikhof der angesehenen Feilenfirma Arnold Mannesmann der Kutschwagen stand, worin ein Hamburger Geschäftsfreund zum Bahnhof gefahren werden sollte. Ungeduldig scharrten die beiden Apfelschimmel mit den Hufen, und der Kutscher, eingehüllt in seinen Radmantel und auf dem Kopf den grauen Zylinder, schnalzte erwartungsvoll mit der Peitsche.

Eine halbe Stunde mochte vergangen sein, als sich die Tür öffnete, die zu den Kontorräumen führte, und Arnold Mannesmann, der Chef der Firma, in Begleitung eines eleganten Herrn im Pelz auf den Hof trat. Als sich der Kutscher vom Bock schwang, um dem Herrn den Wagenschlag zu öffnen, lief ihm der Fabrikant barschen Tones zu, er möge unverzüglich Wagen und Pferde zurück zum Viehweg bringen, der Herr ginge zu Fuß zum Bahnhof. [„Am Viehweg", — so nannte man das Fleckchen — befand sich, inmitten eines herrlichen Parks, das Anwesen des Seniorchefs der Firma Mannesmann).

Der Kutscher, ein wohlerzogener Diener, wendete die Kutsche und schüttelte den Kopf, als sein Herr wieder hinter der Tür des Kontorgebäudes verschwunden war. Was mochte da vorgefallen sein? Vor einer Stunde hatte er den Befehl erhalten, die Pferde vor den Kutschwagen zu spannen, um einen Geschäftsfreund zum Bahnhof zu fahren. Und nun?

Aus dem Privatkontor schallen erregte Stimmen. Herr Pascha war gleich seinem Herrn empört über die misstrauische Art des Hamburger Geschäftsmannes. Herr Pascha, der den lauteren Charakter seines Herrn kannte, dem er schon lange Jahre als Prokurist diente, verstand dessen Entrüstung voll und ganz. Und das hatte folgenden Grund: Ein Herr aus Hamburg, dessen Vater langjährige Verbindung mit der welt-bekannten Feilenfirma unterhielt, war nach kurzer Krankheit gestorben und der Sohn in Schwierigkeiten geraten. Zwei Lieferungen der Feilenfirma waren noch nicht bezahlt, und die Hamburger Firma benötigte zur Sanierung ihres Unternehmens erneut einen großen Posten Feilen auf Kredit. Arnold Mannesmann hatte dem Hamburger die nochmalige Stundung der offenstehenden Rechnungen gewährt, und aufgrund der früheren, guten Geschäftsverbindung die weitere Lieferung versprochen. Mit einer schönen Geste hatte Arnold Mannesmann dem jungen Herrn die Hand gereicht und ihm gewünscht, dass es ihm gelingen möge, durch diese Hilfe wieder flott zu werden. Dann hatte er seinen Kutscher beauftragt, den Herrn zum Bahnhof zu fahren.

Noch während der Anwesenheit des Hamburgers wurde der Fabrikant in einer dringenden und überaus wichtigen Angelegenheit in die Fabrik gerufen. Herzlich verabschiedete sich Arnold Mannesmann von seinem jungen Geschäftsfreund, der ihn mit Dankesworten überschüttete. Wie erstaunt aber war der Fabrikherr, als er nach viertelstündiger Abwesenheit den Hamburger noch vorfand, da doch der Wagen fahrbereit auf dem Hof stand. Da erklärte der Hamburger dem Fabrikanten, er möge ihm das gegebene Versprechen schriftlich geben. Das habe er vorhin vergessen zu erbitten. Im Augenblick keines Wortes mächtig, schaute der biedere Remscheider Fabrikant den Hamburger an. Dann aber brach sein Zorn los, der jede Höflichkeit hinwegschwemmte. „Waaas?", schrie der Fabrikant, „Sie hegen Zweifel an meinem Versprechen? Mein gegebenes Wort hat bis heute noch niemand angezweifelt, und das lasse ich mir auch von Ihnen nicht bieten. Das geht gegen meine Ehre. Ich bin fertig mit Ihnen,  das weitere wird Ihnen schriftlich mitgeteilt."

Sprach's, öffnete dem Besuch die Tür und begleitete ihn hinaus, dem Kutscher den bereits ermahnten Befehl zurufend. (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von  Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)


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