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Ein Gewinn für unsere Stadt und unser Land

Auch im vergangenen Jahr haben wieder Remscheider Mitbürgerinnen und Mitbürger die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Um dies entsprechend zu würdigen, hatte die Stadt Remscheid die Neubürger/innen für gestern Nachmittag zu einer in den Großen Sitzungssaal des Rathauses eingeladen. Von den 27 neuen deutschen Staatsbürgern – es fehlten nur wenige – hatten fünf eine britische, je vier eine spanische oder italienische und drei eine kroatische Staatsangehörigkeit.  Von Seiten der Politik nahmen neben Oberbürgermeister Burkhardt Mast-Weisz auch die Dezernenten Barbara Reul-Nocke  und Thomas Neuhaus, Sevinc Brilling (Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums), von der Ausländerbehörde Claudia Schwarzweller und Dietmar Murach  sowie der Personalratsvorsitzende Klaus Ellenbeck an der Feier teil, von Seiten der Politik Fritz Beinersdorf (Linke), Waltraud Bodenstedt (WiR), Philipp Wallutat (FDP) sowie Beatrice Schlieper und Jutta Velte von den Grünen. Schwungvoll umrahmt wurde die Feier vom Streichquartett der Bergischen Symphoniker.

„Die Übernahme der deutschen Staatsbürgerschaft ist ein wichtiges Zeichen, ein Zeichen der tiefen Verbundenheit mit unserem Staat. Niemand aber erwartet von Ihnen, dass Sie Ihre Wurzeln und die Ihrer Familien, die in vielen anderen Ländern liegen, aufgeben. Bringen Sie das mit in unsere Gesellschaft ein, was Ihnen aus Ihrer jeweiligen Biografie wichtig erscheint. Das bereichert unser Land und unsere Stadt“, begrüßte der OB die Neubürger. „Deutschland ist seit Menschengedenken ein Einwanderungsland – auch wenn dieses Wort unnötigerweise umstritten ist. Tatsache ist doch, dass es doch schon immer Zuwanderung gab. Ich las kürzlich einen Roman, der im 16.Jahrhundert spielte. In diesem Buch wurde von den furchtbaren Religionskonflikten zwischen Katholiken und Protestanten berichtet. In der sogenannten Bartholomäus-Nacht wurden zigtausende Protestanten in Paris und anderen französischen Städten ermordet. Als Folge davon wanderten viele Hugenotten nach Preußen und Hessen ein. Die damals aus Frankreich Geflüchteten haben dort ihre neue Heimat gefunden. Sie konnten dort ohne Angst vor Verfolgung leben. Sie waren in jeder Weise ein Gewinn für die damaligen Gesellschaften, auch Wirtschaft und das Handwerk profitierten von der Zuwanderung.“

Zuwanderung habe es auch zu Zeiten der Industrialisierung im 19.Jahrhundert gegeben, fuhr Mast-Weisz fort. „Und nach dem zweiten Weltkrieg sind viele Menschen in die Bundesrepublik gekommen, weil sie aus ihrer Heimat vertrieben worden sind. Sie haben hier ihre neue Heimat gefunden, Familien gegründet, Kinder bekommen, gearbeitet, zum Wohlstand beigetragen. Gleiches gilt für all diejenigen, die ab den 1960-er Jahren als so genannte Gastarbeiter nach Deutschland und nach Remscheid gekommen sind. Eigentlich nur für eine kurze Zeit geplant, sind die meisten doch geblieben. Ohne diese Zuwanderung wäre unsere Stadt längst keine Großstadt mehr, ohne sie würden Wirtschaft und Handwerk, Dienstleistung und Verwaltung nicht funktionieren!“

Der Oberbürgermeister zeigte sich überzeugt davon, dass Zugewanderte haben unsere Stadt bereichert haben, weil sie sich engagieren sich in Vereinen, Religionsgemeinschaften, in der Kultur, für unsere Stadt engagieren und  somit zu einem gelungenen Miteinander mitwirken. All die Menschen zu integrieren, die in den vergangenen drei Jahren als Geflüchtete zu uns gekommen sind und dauerhaft hier bleiben, sei eine große Herausforderung, riesige Aufgabe. Die erfordere das Mitmachen aller. „Wir brauchen dabei auch die Hilfe von Bund und Land. Nicht nur aus finanziellen Aspekten. So ist es z.B. unabdingbar, dass wir ausreichend Lehrerinnen und Lehrer bekommen, die an unseren Schulen dafür Sorge trage, dass die Kinder aus den neuen Familien gute Startchancen haben. Wir brauchen die Bereitschaft der Wirtschaft, in unseren neuen Nachbarn Potentiale für ihre Unternehmen zu sehen, sie anzuleiten, auszubilden und ihnen gute Arbeitsplätze zu vermitteln.“

Leider habe sich in den vergangenen Monaten insbesondere in den sozialen Medien beim Thema Zuwanderung das Klima deutlich verschlechtert, fuhr der OB fort. Mittlerweile scheine es opportun zu sein, unter Nennung des eigenen Namens Hassmails, Beschimpfungen und Beleidigungen zu veröffentlichen.  „Verstärkt wird das dadurch, dass führende Mitglieder einer mittlerweile in vielen Landesparlamenten und im Bundestag vertretenden Partei dieses böse Klima noch schüren. Dem müssen wir mit aller Deutlichkeit entgegentreten. Wir dürfen nicht zulassen, dass der Politikstil der AfD salonfähig wird. Wir müssen für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung immer und überall eintreten. Sie ist kein Automatismus, die jüngere deutsche Vergangenheit hat doch gezeigt, wie schnell aus einer solchen Stimmung heraus eine undemokratische Regierungsform entstehen kann, die unser Land und ganz Europa in die Katastrophe geführt hat. Für  unsere Demokratie müssen wir alle Tag für Tag einstehen. Sie ist das Gerüst unseres Staates, ohne sie wäre es nicht mehr das Land, auf das wir zu recht alle stolz sein können. Ich bin stolz auf Pressefreiheit, ich bin stolz auf die Meinungsfreiheit, die auch solche Meinungen zulässt, die ich ausdrücklich nicht teile. Und ich bin überzeugt davon, dass wir Gegner unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung ausschließlich mit den Mitteln der Demokratie, mit den besseren Argumenten überzeugen müssen!“

Es gebe viele Möglichkeiten, sich in Remscheid aktiv an der Gestaltung der Zukunft unserer Stadt und unseres Landes zu beteiligen, so der OB: „Demokratische Parteien, Religionsgemeinschaften, viele Sport-, Kultur und Sozialvereine freuen sich über Mitmacherinnen und Mitmacher. Unsere freiheitlich demokratische Grundordnung, unsere Demokratie, unsere Stadt lebt vom Mitmachen!“

Demokratie ist kein Festzustand

Die Vermischung mit unterschiedlichsten Nationalitäten sei in Deutschland längst zur Normalität geworden, betonte Erden Ankay Nachtwein, die Vorsitzende des Integrationsrates. Und Mehrsprachigkeit sei heute ein Glücksfall für gute wirtschaftliche Entwicklungen in Europa.  Ungeachtet des Kulturkreises, aus der der Einzelne komme, seien alle verpflichtet, das deutsche Grundgesetz und die freiheitlichen Grundordnung zu achten und zu respektieren und danach zu leben und zu handeln. So sei ein friedliches Zusammenleben sichergestellt, ohne dass ein Neubürger seine Herkunft verleugnen müsse und er seine Traditionen und Lebenserfahrungen auch hier in Deutschland ausleben könne und dürfe. „Aber Demokratie ist kein Festzustand, sondern ein lebendiger und sich immer weiter zu entwickelnder Prozess, und die demokratische Grundordnung muss jeden Tag aufs Neue vorgelebt und verteidigt werden!“

Erden Ankay-Nachtwein zitierte dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy  mit den Worten „Einen Vorsprung im Leben hat, wer da anpackt, wo die anderen erst einmal reden" und stellte fest, dass Integration eine Gemeinschaftsaufgabe sei. „Wir sollten es gemeinsam anpacken! In diesem Sinne: Willkommen in unserer Stadt Remscheid und willkommen in der deutschen Gesellschaft, die vielfältig, multikulturell demokratisch und schön bunt ist!“


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Kommentare

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Beatrice Schlieper am :

Kein CDU-Ratsmitglied war auf der Einbürgerungsfeier am Freitag im Rathaus zu sehen. Am Donnerstag in der Ratssitzung ließen sich dieselben Ratsmitglieder explizit von den Rechten loben. Hatte die CDU doch Wochen vorher die Grundlage für einen inhaltlich,als auch in der Wortwahl perfiden Antrag geliefert. Dafür wurden sie von dem Rechtsextremen geradezu beglückwunscht. Wann wird sich wohl endlich mal intern Widerspruch regen? Nö, Jens Peter Nettekoven, Angar Lange - wir wollen keine Anträge,für die wir von den Nazis gelobt werden. Oder hatte Herr Beinersdorf doch nicht so unrecht, als er das Wort Steigbügelhalter in Richtung der CDU fallen ließ?

Gerd Rothbrust am :

Hallo Frau Schlieper, welcher Antrag der CDU war denn so perfide, dass ihn sogar Rechtsextreme explizit loben? Zudem: "Was stört es den Mond, wenn ihn ein Hunden anbellt?"

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