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Die Remscheider Honsberg GmbH und die "Heuschrecken"

Nicht nur die 173 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Honsberg GmbH in Remscheid, Hersteller von Sonderwerkzeugmaschinen für die Automobilindustrie, sorgen sich in diesen Tagen um ihren Arbeitsplatz. Auch in Baden-Württemberg sind ganze Standorte des amerikanischen Mutterkonzerns Maxcor gefährdet. Franz Müntefering könnte auch dieses Unternehmen gemeint haben, als er im vorigen Jahr von „Heuschrecken“ sprach.

Kursmakler und Wertpapierhändler haben den Begriff "Heuschrecken" zum Börsenunwort des Jahres 2005 gewählt. Warum eigentlich Unwort? Was hatte Franz Müntefering, damals Vorsitzender der SPD, im April 2005 noch sagt? – "Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplatz sie vernichten. Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschrecken über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter." Dieses Zitat im Internet zu finden, hat mich eine halbe Stunde gekostet. Die mehr oder weniger qualifizierten Reaktionen auf Münteferings Kritik an internationalen Finanzinvestoren, die Firmen übernehmen, um sie zu zerlegen und wieder abzustoßen, tauchten dagegen in der amerikanischen Internet-Suchmaschine Google zu Hunderten auf. Zufall?

Private-Equity-Unternehmen, Münteferings „Heuschrecken“, sind Kapitalvermehrer im Auftrag von Unternehmen/Privatpersonen, die ohnehin schon mehr Kapital besitzen, als sich „Otto Normalbürger“ überhaupt vorstellen kann. Sie kaufen Unternehmen auf, sanieren/zerlegen sie mit dem Ziel, sie mit möglichst mit hohem Gewinn weiterzuverkaufen. In Deutschland zählen Private-Equity-Gesellschaften inzwischen zu den größten Arbeitgebern. Diese „Heuschrecken“ sind mittlerweile Besitzer von rund 5.000 Unternehmen mit etwa 400.000 Beschäftigten. Allein die Firmenkäufe gerechnet, bei denen mehr als 250 Millionen Euro „über den Ladentisch gingen“, haben Private-Equity-Gesellschaften in den vergangenen zwei Jahren bei 32 Firmenkäufen 28 Milliarden Euro investiert. Kein Pappenstiel. Soweit der Rahmen, in dem die folgende Geschichte spielt.

Am 19. Januar bildete die IG Metall in Baden-Württemberg eine Tarifkommission für Maxcor-Betriebe in Ludwigsburg, Dietesheim, Rottenburg, Eislingen, Offenburg und Taunusstein. Damit reagieren die Metaller „auf Forderungen der Geschäftsführung nach erheblichen Einbußen bei Entgelt und Arbeitszeit“. Ihre Befürchtung: Die Investmentgesellschaft, die gezielt Betriebe aus dem notleidenden Bereich des automobilorientierten Maschinenbaus aufgekauft hatte, um sie zu sanieren und neu auszurichten, könnte nicht nur mehrere Hundert Arbeitsplätze, sondern auch ganze Standorte zur Disposition stellen. Ein Standort, der dabei nicht genannt wurde, war Remscheid.

Zur amerikanischen Maxcor-Gruppe mit dem US-Investor Mo Meidar im Hintergrund gehört auch „Cincinnati Lamp", und dazu wiederum die traditionsreiche Firma Honsberg GmbH in Remscheid, Hastener Straße 22-26. Maxcor stellt sich im Internet wie folgt dar: „Maxcor. Inc. is an acquisitions and operations management organization … underperforming and distressed companies.“ Sinngem. übersetzt: "Maxcor. Inc. ist eine Erwerbs- und Betriebsmanagement-Organisation mit dem Schwerpunkt auf funktionsfähigen Verbesserungs- und Wachstumstrategien. Maxcor kauft Firmen auf, um deren Wert zu maximieren. Sein Personal hat die dafür erforderlichen Kenntnisse einschließlich der Herstellung, der Produktentwicklung, des Verkaufs und des Marketings, der Informationssysteme, der Finanzierung und im Investieren in unterbewertete oder solche Unternehmen, deren Kurs niedrig ist oder denen ein Konkurs drohen könnte."

Bei „Cincinnati Lamp“ lautet die Botschaft ähnlich: „Cost efficient productivity is the name of the game ….. that give them a competitive edge.” Sinngem. übersetzt: “Kosteneffiziente Produktivität ist das Motto; die Auswahl des richtigen Ausrüstungslieferanten in einem fieberhaft konkurrierenden globalen Herstellungsmarkt ist wichtiger als je zuvor. Um erfolgreich zu sein, müssen sich Hersteller auf Lieferanten stützen, die ihnen - Komplettlösungen und neue Technologien vorausgesetzt - einen Wettbewerbsvorteil liefern.“

Der Remscheider Hersteller von Sonderwerkzeugmaschinen für die Automobilindustrie (bis hin zu ganzen vollautomatischen Produktionsstraßen), derzeit auch als "Honsberg Lamb" bekannt, war nach dem Konkurs (Gebr. Honsberg) 1995 von der „Cincinnati Lamp“ übernommen worden. Sie hat die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seitdem in sieben Phasen von 350 auf jetzt 173 verringert, stets verbunden mit einem Sozialplan. Und für die soll jetzt auch Schluss sein. Betriebsratsvorsitzender Werner Kölling  resignierend nach einer Betriebsversammlung in dieser Woche: "Es gibt keine Spielräume mehr." Der Standort Remscheid werde wohl aufgeben  - die Konsequenz der Geschäftsleitung auf einem geschäftlichen Minus im vergangenen Jahr, Kurzarbeit und schlechte Auftragslage?

„Der „schwärzeste Tag“ in der Firmengeschichte, titelte der RGA. Der Betriebsrat wirft dem amerikanischen Mutterkonzen Maxcor vor, nach dem jüngsten Kauf von zwei Konkurrenten - darunter ThyssenKrupp’s MetalCutting Group mit rund 2500 Beschäftigten - Überkapazitäten abbauen zu wollen. Maxcor gilt inzwischen als der größte Sonderwerkzeugmaschinen-Konzern der Welt. Die Firmenleitung hatte zunächst zwar betont, noch sei nichts beschlossen. Doch die Beschäftigten, meist hochqualifizierte Facharbeiter und Ingenieure, fürchten um ihren Arbeitsplatz. Ob und wie viele von ihnen eine Weiterbeschäftigung in anderen Betrieben von Maxcor angeboten werden wird, ist noch völlig unklar. Sie hatten lange um ihren Arbeitsplatz in Remscheid gebangt. Und auch dafür bezahlt. Durch Lohnverzicht. Die Beschäftigungsgarantie, die sie sich dafür einhandelten, scheint die Tinte auf dem Papier nicht wert gewesen zu sein.

Als die Honsberg GmbH mit Bernd Stütz vor zwei Jahren einen neuen Geschäftsführer bekam, schien es wieder aufwärts zu gehen. Noch Ende Juni 2005 versicherte Stütz: "Es werden zurzeit verschiedene Maßnahmen angedacht, um diesen Standort weiter aufzuwerten." Zwei Monate vorher, im April, hatte der Finanzinvestors Maxcor Inc. die bisherige Muttergesellschaft Cincinnati-Lamb übernommen. Seit Ende des Jahres heißt der Mann an der Spitze des Remscheider Unternehmens nicht mehr Bernd Stütz, sondern John Boyd. Und der hüllt sich in Schweigen. Vielleicht ist er der deutschen Sprache nicht mächtig.


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Kommentare

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Chronist am :

„Sind der Stadt Remscheid Pläne des derzeitigen Eigentümers zur Zukunft des Fabrikgeländes Honsberg Lamb im Stadtteil Hasten bekannt? Und wenn ja, welche Überlegungen werden an diesem Standort verfolgt?“, fragt die SPD-Fraktion die Verwaltung und bittet um Antwort in der näcjhsten Sirtzung der Bezirksvertretung Alt-Remscheid. Begründung:“Die derzeitige Situation vor Ort ist durch mit Brettern vernagelte Scheiben und Türen gekennzeichnet und trägt nicht zur Aufwertung des Stadtteils bei.“ Die SPD-Fraktion möchte mit ihrer Anfrage erreichen, dass das Gelände in die Planungen zur Umgestaltung des Stadtteils, gerade auch vor dem Hintergrund fehlender Gewerbeflächen, mit einbezogen wird. „Die Bemühungen den Stadtteil durch eine Neugestaltung des Richard-Lindenberg-Platzes aufzuwerten, dürfen nicht durch Probleme in unmittelbarer Nachbarschaft durchkreuzt werden“, so der Sprecher der SPD in der Bezirksvertretung Alt Remscheid Otto Mähler.

Rainer Kimpel am :

Ein Kurzfilm über die Produktionspalette der Firma Gebrüder Honsberg nebst sozialkritischer Anmerkungen wurde in https://youtu.be/Iye1P1deahE von uns veröffentlicht. Ihrem sehr interessanten Beitrag ist nichts mehr hinzuzufügen! Vielen Dank.

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