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Produktion im Singerberger Hammer endete 1954

Schleifsteine mit Transmissionen angetrieben. Repro: G. Schmidt

Etwa 80 Meter oberhalb der Grimm-Schrieverschen Hämmer lag der heute nicht mehr existierende Singerberger Hammer. An einem großen Teich stand außerdem eine Pulvermühle, die aber schon frühzeitig abgerissen wurde. Die Chronik überliefert, dass weitere mit Hämmern verbundene Hütten im 16. Jahrhundert in der Nüdelshalbach auf dem Platz der Firma Hermann Kuhler, einem kleinen, aber modernen Hammerwerk am Zusammenfluss von Mückenbach und Diepmannsbach (dem früheren Walkbach), sowie etwas weiter abwärts im ehemaligen Singerbruch am Fuße des Singerberges am "vereinigten Mücken- und Walkbach" gestanden haben, wo bis vor einigen Jahren die Firma C.F. Stursberg & Cie. ein aus einem alten Wasserhammer hervorgegangenes Dampfhammerwerk betrieb (später Grimm).

Der Singerberg, als Flurname auch  Singerbruch und Goldenberggrund, war die Lagebezeichnung für den Bereich zwischen Haddenbach, Hasenclev und Goldenberg. Wo heute die Straße Singerberg die Verbindung zwischen Haddenbacher Straße und Remscheider Straße darstellt, lag am tiefsten Punkt das Hammerwerk, das 1965 eingeebnet wurde, weil der Straßenbau vorrangig war. Der Stauteich war damals hinter der heute neu erbauten Feuerwehr Nord zu finden.

Der Singberger Hammer. Repro: G. Schmidt Der Hammer war um 1446 errichtet worden, wurde jedoch erst 1607 vom Burger Kellner urkundlich erfasst: "Klopfhammer und Pulvermühle under der Neudelshalbach auf dem Guldenberggrund, dem Hasenclever und seinem Sohn gehörend". In Verbindung mit einer Hütte, in der noch die heimischen Eisenerze geschmolzen wurden, entstand um 1595 ein Wasserhammer; eine Pulvermühle lag am selben Teich. Dietrich Hasenclever in der Nüdelshalbach wird 1697 als Besitzer genannt. Im Lagerbuch 1743/47 ist vermerkt, dass die Pulvermühle 1648 "niederfällig worden"  und nicht wieder aufgebaut worden sei.

1749 ist der Hammer als Klopfhammer der Clemens Hasenclever Erben verzeichnet. Gefertigt wurden damals Radschienen für die eisernen Reifen von Wagenrädern und Radnaben, Stangenmaterial für Hufeisen und verschiedene Arten von Baueisen. Dieses lediglich gereckte Material, das schon im 15. Jahrhundert weitgehend genormt war, wurde von Anfang an nicht nur im Lande verkauft und verarbeitet, sondern zum guten Teil auch ausgeführt. So ging zum Beispiel schon 1480 ein Teil des in den Hämmern verarbeiteten Materials als "Lenneper Iseren" nach Osnabrück und in die übrigen nördlichen Territorien. Die Produktion der Hämmer um 1500 war wesentlich mannigfaltiger, als 100 Jahre zuvor. Zu der üblichen Stangen- und Schienenware waren bald Bleche und Bandeisen getreten. Hinzu kamen Brechstangen, Bergeisen, Keilhauen, Spitzhacken, Mühlsteinhauen und dergleichen. Diese Werkzeuge wurden anfänglich an den Spitzen und Schneiden von Handschmieden verstählt, d.h. sie wurden aufgekohlt oder es wurde ein Stahlstück aufgeschweißt (feuerverschweißt), das härtbar war.

Die gesamte Stahlschmiederei war damals noch Handarbeit, und der Stahl wurde meist nur in kleinen und dünnen Stäbchen von etwa Fingerlänge verkauft. Aber im Quellgebiet des Morsbachs beiderseits des Goldenbergs lernte man schon früh das Aufschweißen von Stahl auf Eisen unter dem Wasserhammer, ebenso wie das Ausschmieden der dünnen Stahlstreifen zu Messerklingen usw. in den schnellschlagenden leichten Klopfhämmern. Das wiederum führte zur Bereitung von Knüppelstahl und später Stabstahl aus Eisen- und Stahlgarben, den sogenannten "Rebbenkusen" - und damit zur Bereitung von Gärb- oder Raffinierstahl, dem Edelstahl jener Zeit.

1852 ist der Stahlraffinierhammer im Mühlenkataster als Besitz der Gebrüder Hasenclever aufgeführt. Er produziert zu dieser Zeit, inzwischen 400 Jahren,  mit einem Feuer und einem Amboss 30.000 Pfund Raffinierstahl pro Jahr. 1853 besitzt der Hammer laut Regierungsliste bereits drei Feuer, vier Arbeiter und ein Wehr. 1867 erscheint der Hammer in einer anderen Aufstellung mit drei oberschlächtigen Wasserrädern.

Alter Schwanzhammer Repro: G. SchmidtCaspar Friedrich Stursberg (1833-1920), zuerst Hammerschmied auf dem Kranenholler Hammer, dann Hammerherr zu Dörpe, kehrte mit seinen Söhnen nach Goldenberg zurück, erwarb von den Erben Hasenclever den Singerberger Hammer und gründete die Raffinierstahlfirma C.F. Stursberg & Co. 1907 wurde der Betrieb auf Dampfkraft umgestellt. Es kam der erste sechs Zentner schwere Dampfhammer hinzu, 1911 der zweite. Der Wasserhammer arbeitete bis 1910.1913 wurden zehn Tonnen "Stahl auf Eisen" hergestellt. Es war eine Spezialität des Werkes, und die Produkte wurden hauptsächlich exportiert. 1954 wurde die Produktion eingestellt.
(Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)


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