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Aus Kleusers Breithammer wurde ein Gewerbehof

Kleusers Hammerwerk 1920. Repro: G. Schmidt Man muss über die kleine Brücke am Juppenhammer Richtung Danielshammer gehen, um den abgesperrten Privatbesitz der Firma Beitzel und anderer Firmen sowie den ehemaligen Standort des Breithammers zu betrachten. Dort ist eine größere Gewerbeanlage mit etwa fünf Firmen entstanden. Ein altes mehrgeschossiges Schieferhaus von 1907 ragt in der Mitte majestätisch heraus. Er diente den Kleusers als Wohn- und Bürohaus. Der Spaziergang endet zwangsläufig hier, da ein Weiterkommen durch Zäune versperrt ist. Es geht also zurück über die kleine Brücke am Juppenhammer und dann durch die Nüdelshalbach links Richtung Danielshammer. Wir sehen den Teich des Breithammers, der aber erheblich verkleinert wurde. Am linken Auslauf des Teiches hat man ein unterschlächtiges Wasserrad installiert, um ein wenig die Historie zu bewahren. Der größte Teil des Teiches wurde 1984 aufgefüllt.

1710 ist der Hammer erstmalig erwähnt als "Hammer am Semperbroich von Diederich Hasenclevers Erben zu Nüdelshalbach". Das Urkataster von 1826 gibt Carl August Clarenbach als Besitzer an. 1846 ist der "Stahlraffinierhammer der Gebrüder Lindenberg" an der Brücke mit einem Alter von 100 Jahren angegeben. Das sagt aus, dass der Hammer 1746 wohl erneuert worden ist, während Stursberg allerdings erst für 1750 einen Neubau erwähnt.  Bleiben wir dabei, dass der Eisenhammer in der Blütezeit des Eisengewerbes entstanden ist. Der Erbauer Klarenbach war zu dieser Zeit ein bedeutender Kaufmann und soll nach überlieferten Meinungen auch die Villa Goldenberg gebaut sowie darin gewohnt haben. Die Lindenbergs besaßen bekanntlich schon den darunter liegenden Juppenhammer und den am Leyerbach liegenden Birgder Hammer so lange, bis sie am Hammesberg ihre neue Stahlfirma aufgebaut hatten, den Elektrostahl schmolzen und weiterverarbeiteten.

Per Kaufvertrag ging der Breithammer am 1. Mai 1864 die Anlage in das Eigentum des Stahlhändlers Carl Kleuser zu Goldenberg über, der ihn mit zwei Feuern, drei Arbeitern, drei oberschlächtigen Wasserrädern und einem Wehr übernahm. Mit 12 PS wurde dieser Hammer dann bis 1926 noch gezählt unter "Stahlwerk Kleuser". 1863 war die Lindenbergsche Gussstahlgießerei mit Hammerwerk und Schleiferei bezugsfertig, so dass alle anderen Werke um diese Zeit verkauft wurden. Karl Kleuser baute nach 1870 den Breithammer planmäßig aus. Zur Wasserkraft kam eine Dampfmaschine und die Wasserräder wurden durch eine Wasserturbine ersetzt. Nach 1910 wurden die großen Hallen gebaut.

Im Adressbuch von 1910 wurde die Firma unter "Werkzeugfabrik Gebrüder Kleuser auf Goldenberg" geführt. 1914 hatte sich der Betrieb zum modernsten Schmiedebetrieb seiner Zeit im Remscheider Raum entwickelt. Emil Kleuser produzierte überwiegend für Rumänien, und zwar Kurbelwellen, Exzenterwellen usw. Bereits vor 1914 lieferte Kleuser einbaufertige Kurbelwellen. Karl Kleuser heiratete ein Rumänin; und als das Nachwuchsproblem bei Kleusers auf weltliche Art nicht zu lösen war, adoptierte man einen Sohn - und wie das nun mal so ist, kamen danach noch zwei eigene Kinder (Söhne) zur Welt. Sohn Emil und Karl jun. gingen in den Schmiedebetrieb, und der dritte Sohn wurde Dr. der Chemie.

Fußweg Pulvermühle-Nüdelshalbach unterhalb Juppenhammerteich 1995. Foto: G. SchmidtSchon damals war es so, dass einige Damenschaften (die sich zu Höherem berufen fühlten), das Remscheider Platt und die Gebräuche abschaffen wollten. So war das dann auch bei Karl Kleuser und seiner Frau. Sie wollte nicht, dass ihr Mann Remscheider Platt sprach. Daraufhin ließ sich Karl Kleuser als derber Remscheider Hammerschmied mit Blotschen und Barbel in Öl malen und schenkte das Bild seiner Frau mit den hochdeutschen Worten: "So sollst du mich immer im Gedächtnis behalten." Emil sen. ist übrigens der Spender der Goldenberger Turnhalle! Unter dem gleichnamigen Enkel und dem 1935 verstorbenen Sohn Emil konnte der Betrieb Zug um Zug erweitert werden. So wurden bereits 1918 drei große Dampfhämmer mit 25, 60 und 100 Zentnern aufgestellt. Die Transmissionen wurden mit Dampf in Bewegung gesetzt. Der Wasserhammer selbst hatte allerdings 1919 ausgedient.

Als 1935 der Kraftstrom in das Werk einzog, hatte man noch mehr Möglichkeiten zu expandieren. Einige Motoren und Drehbänke wurden installiert. Die Wasserturbine erzeugte noch bis 1949 den Lichtstrom. Als 1972 ein neues Verwaltungsgebäude eingeweiht wurde, dauerte es nicht lange und es ging mit der Firma steil bergab. Auf den Tod des Seniorchefs folgte 1978 der Konkurs. Die Konkursmasse übernahm die Maschinenhandelsgesellschaft MMR und richtete in der vorderen Halle ihr Lager ein. Sie ging dann 1982 ebenfalls pleite. Ein Herr Christians aus Cronenberg übernahm die hintersten Betriebsanlagen. Das gesamte Betriebsgelände wurde geteilt und an mehrere Gewerbetreibende vermietet. 1984 zog dann die Firma Beitzel Spedition in die neue Halle unterhalb des Breithammers direkt am Diepmannsbach parallel zum Juppenhammerteich ein.

(Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)


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Peter Maar am :

Zu dem Artikel eine kleine Korrektur: Nicht Emil Kleuser sen. ist der Spender zum Bau der Goldenberger Turnhalle, sondern Adolf Westen, der von der Lüttringhauser Stadtverordnetenversammlung deshalb später zum Ehrenbürger ernannt wurde. Über dem Eingang der Turnhalle ist zu lesen: "Adolf-Westen-Stiftung". Siehe auch im Internet unter Geschichte Goldenberger Turnverein 1892 e.V.

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