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Wo früher Fische gezüchtet und Brot gebacken wurde

Foto: Lothar KaiserSommerfest (Archivfoto von 2010 oben) auf dem Hof des Fitness- und des Bowlingcenters an der Haddenbacher Straße. Kaum anzunehmen, dass der größte Teil der meist jüngeren Partygäste die Geschichte der einstigen „Dorfmühle“ kennt. Günther Schmidt beschreibt sie in Band 4 seiner „Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach“. Der Waterbölles zitiert daraus mit seiner freundlichen Genehmigung:

Der Wasserreichtum des Mückenbaches ist auf die Quellen des Hohenhagens, des Zentralpunktes und des Neuenkamps zurückzuführen. Oberhalb der Dorfmühle bis zur heutigen Unterführung existierten fünf große Teiche, die der Fischzucht dienten. Oberhalb des Kastenteiches (Standort Scheider) lagen jenseits der heutigen Bahnlinie Remscheid - Lennep der Schlittschuhteich von Greuling, dann der Fischteich nebst dem Kipperschen Eisteich und der Inselteich (Standort OBI). In dem Hier ist heute ein Teil der Remscheider Stadtverwaltung untergebracht. Foto: Lothar Kaiser sogenannten Kastenteich, der 1935 zugeschüttet wurde, befand sich in alter Zeit ein Behälter zur Aufbewahrung der gefangenen lebenden Fische. Die Bewohner des Remscheider Fronhofes "im untersten Dorfe" brauchten also nur wenige Minuten zu gehen, um sich jederzeit frische Fische aus dem Kastenteich zu besorgen.

Alle diese Weiher gehörten früher zur Dorfmühle (später Fa. RILOGA), die durch diese Wasserspeicher in den Stand gesetzt wurde, auch in regenarmen Zeiten ihren Betrieb aufrecht erhalten zu können. Der so genannte Dorfmühlers Bach wurde irgendwann ab 1830 verrohrt und zur Ölmühle hin kanalisiert, die Teiche wurden zugeschüttet und bebaut.

Johannes Losen zu Remscheid bekam am 16. März 1573 die Konzession zur Errichtung der Dorfmühle nebst Teich (im Jahre 1577 angelegt). Die Mühle gehörte in dieser Zeit zum "Mühlges Gut", einem Spliß des Remscheider Fronhofes. Im 30jährigen Krieg wurde die Dorfmühle 1632 durch kaiserliche Kriegsvölker niedergebrannt, aber 1635 erhielt der Remscheider Kronenwirt Engel vom Hagen die Genehmigung zum Wiederaufbau. Einige Jahrzehnte befand sich die Mühle im Besitz des Bornefelder Richters Johann Gottlieb Loeper. Von diesem ging sie auf den Müller Johann Jansen aus Dabringhausen über. Er starb etwa 1775-1780 und hinterließ minderjährige Kinder. Deren Vormund verkaufte die Dorfmühle 1780 an Abraham Lüdorff. 1812 standen auf dem Gelände vier Wohnhäuser; 1832 waren es sechs. 1827 übernahm der Bierbrauer und Müller Jakob Lüdorf die Mühle. Er betrieb darin eine Bäckerei, da die Mühle nur selten in Betrieb war.

Von dessen Sohn Jacob Lüdorf übernahm Julius Schmidt (ein Nachkomme des Büchsenschmiedegeschlechtes Schmidt von Unterburg) 1858 das Anwesen, zu dem auch ein großes forst- und landwirtschaftlich genutztes Gebiet gehörte. 1935 wurde … das früher an der Straße stehende Wohnhaus abgebrochen und der Teich und Obergraben zugeschüttet. Zitat aus dem RGA von damals: "Wo drei Jahrhunderte hindurch das Mühlengeklapper am rauschenden Bache ertönte, da pochen jetzt die Hämmer und sausen die Maschinen der stattlichen Metallwarenfabrik von Justus Schmidt". Das Wasserrad mit seinen imposanten sieben Metern Durchmesser wurde erst 1938 entfernt.

Produktion von Rollringen. Repro: G. SchmidtJulius Schmidt holte seine Frau Helene Sophie, genannt Lina, aus Paris, wo ihr Vater Johann Peter Böhlefeld Feilenfabrikant War. Schmidt befasste sich mit Buntmetallverarbeitung und stellte alle möglichen Teile für Dekorationen her.  Die Landwirtschaft wurde aber weiter (von den Frauen) betrieben. Erst um 1900 wurde der bäuerliche Teil der Dorfmühle verpachtet und ging langsam wegen fehlender Rentabilität ein.

Johann Peter Schmidt übernahm als ältester von fünf Geschwistern um 1900 die Geschäftsleitung der zur Fabrik gewordenen Dorfmühle. Die Schmiede dehnte sich immer mehr aus. Trotz der schlechten Lage - der Betrieb lag in der Talmulde und der Mückenbach musste unter der Fabrik hindurchgeleitet werden - und trotz Flehen und Bitten seiner Frau blieb Johann Peter Schmidt sen. im Tal wohnen. Nach und nach entstanden Anbauten größerer und kleinerer Art, und die Produktion wurde auf Messingknöpfe, Kaffeemühlentrichter, Preß- und Stanzteile sowie Rohre ausgedehnt. Die Auslandsnachfrage stieg enorm. Das Stammhaus am Müggenbach wurde zu klein, und es entstand ein neues einfaches bergisches Schieferhaus direkt an der Straße.

Am 31. Juli 1943 zerstören Bomben die Firma. Repro: G. SchmidtIm Jahre 1913 kam der einzige Sohn Johann Peter Schmidt jun. als Teilhaber in die Firma. Er brachte 1926 viele neue Ideen aus dem Ausland Mit und konnte durch das Mitgehen seines Vaters kostspieligste Versuche machen, um ein für Deutschland neues Dekorationssystem aufzubauen (diese neuartigen ringlosen Vorhanggarnituren erhielten später unter dem Namen "RILOGA" Weltruf.) Die Firma setzte alles auf eine Karte, und unter der Mithilfe und Beratung von vielen langjährigen, besonders süddeutschen Kunden machte sich um 1930 der erste Erfolg bemerkbar.  1930 starb Johann Peter Schmidt sen. Der Junior übernahm die Geschäftsleitung der Dorfmühle und gründete der hohen Zölle wegen in Wängi (Schweiz) einen Betrieb. Die Neuheiten fanden mehr und mehr Anklang, da starb Johann Peter Schmidt jun. 1933 einen tragischen Tod. Die vier Töchter des Johann Peter Schmidt jun. traten das Erbe an und führten die Firma mit großem Erfolg weiter.

Am 31. Juli 1943 zerstören Bomben die Firma. Repro: G. Schmidt 1943 wurde binnen einer Stunde im Bombenhagel das Lebenswerk von drei Generationen zu 85 Prozent vernichtet. Bei ihrem ersten Eintreffen an der noch schwelenden Trümmerstätte fand die Geschäftsführerin bereits zahlreiche Mitarbeiter und Angestellte bei Aufräumungsarbeiten vor, ohne dass sie dazu aufgefordert worden wären. Dass dabei jedes kleinste Teilchen, besonders jeder Rollring, wie ein Wertobjekt aufgehoben wurde, gab ihr den Mut zum unverzüglichen Wiederaufbau des Betriebs. Es dauerte sieben Jahre, bis man wieder von der Firma Julius Schmidt als einem führenden Wettbewerber sprechen konnte.  (Aus: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid. Herausgegeben von Günther Schmidt Band 4 - Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach)


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