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RS früher: Bordsteinschwalben an der Friedhofsmauer

Haben Sie die Gaststätte B. an der Nordstraße gekannt? - Ja, das war später ein Freudenhaus. Da durfte man ja nicht hingehen. Da durfte man nicht einmal vorbeigehen. Das ging nicht.
Machte man da einen Bogen drum herum? - Ach, glauben Sie das doch nicht. Wir gingen auf den Friedhof und guckten durch die Mauer. Wir wollten wissen, was da los war, wenn die alle da rumtobten, die Mädels. Ich verstand ja nichts davon. Ich fragte dann später und habe überlegt, was kann das wohl sein. Warum gehen so viele Frauen da rum und gehen mit den Männern da rein. Da wurde dann überlegt.
Liefen die Mädchen denn auf der Nordstraße rum? - Ja, si­cher. 
Die, die am Anbändeln waren, wollen wir es mal so sagen? - Ja, abends durften die nicht; zu bestimm­ten Zeiten mussten sie im Haus sein. Das war ja klar.
Wann liefen die denn da rum? - Ach, die gingen spa­zieren. Gegenüber war schon damals diese Mauer, die Friedhofsmauer, und da entlang gingen sie dann spazieren (Waterbölles: Der Volksmund sprach auch von "Bordsteinschwalben"). Und auch mal unten rum, der Dorf­mühle zu. 
Gegenüber der Treppe muss das Lokal gestanden haben. - Ge­nau. Ein Stückchen weiter war ein Zaun, und da ging es dann runter in die Dorfmühler Straße, die auf die Haddenbacher Straße läuft. Und dann war in der Nähe auch ein Wald, wo jetzt die Müllabfuhr ist.
Sie wussten schon als Jugendliche um dieses Haus und sind gewarnt worden. - Nein, das wusste ich nicht, das habe ich auch gar nicht rausgekriegt.
Ich meine, weil Sie doch schon über die Friedhofs­mauer geguckt haben. - Ja, ich wollte wissen, was die da machten. Als ich zu Hause danach fragte, meinte mein Vater, ja wieso, was hast du dagegen? Das sind Mädchen, die treffen ihre Freunde und gehen da rein, um ein Gläschen Bier zu trinken. Bis dann hinterher meine Kusinen, die waren älter als ich, mir erzählten, das ist ein Freudenhaus. Was ist ein Freudenhaus? Dann erzähl­ten sie mir so: Das sind Mädchen, die sich verkaufen. Und was machen die? Das wussten meine Kusinen auch nicht. Die küssen sich schon mal ab, dafür kriegen sie ein Glas Bier. Kannte man doch überhaupt nicht, so etwas!" (aus: “…aber die Jahre waren bestimmt nicht einfach. Remscheider Zeitzeugen berichten aus Kindheit und Jugend“. Von Gerd Selbach. Herausgegeben von der Volkshochschule der Stadt Remscheid 1985.)


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Kommentare

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Jutta Knorz am :

...so was konnte es aber auch nur in Remscheid geben: Freud und Leid so nah beieinander...... Kleine Anmerkung: In einer großen Stadt am Rhein ist vor nicht allzu langer Zeit "eine solche Dame" , mittlwereile schon in die Jahre gekommen, verstorben. Man spricht davon, dieser Dame ein Denkmal zu setzen, mit der Inschrift: " Die dankbaren...........".

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