Die Waterbölles-Glosse

Es geht doch nichts über eine objektive Berichterstattung in den überparteilichen, unabhängigen Printmedien. Die Anzeigenblätter jetzt mal ausgeklammert, haben wir davon in Remscheid noch zwei. Den Remscheider General-Anzeiger und die Bergische Morgenpost (Rheinische Post). Sie sorgten dafür, dass sich die Leser/innen im Vorfeld der jüngsten Landtagswahl ein klares politisches Bild machen konnten – hin und wieder auch nach dem Motto „Ein bisschen Publikumsbeeinflussung hat noch nie geschadet“. Christian Lindner und seine Freien Demokraten werden es den Verlegern gewiss zu danken wissen.
Und was auf Bundes- und Landesebene funktioniert, verfehlt sein Ziel womöglich auch nicht auf lokaler Ebene. Beispiel „Bergische Symphoniker“. Nachdem am Mittwoch, 26. April, Generalmusikdirektor Peter Kuhn das Konzert der Bergischen Symphoniker im Teo Otto Theater abrupt unterbrochen und in die lautlose Stille den Satz gesprochen hatte, „So hört es sich an, wenn es kein Orchester mehr gibt“, war das Thema tags darauf natürlich in allen Medien. „Das Haus war ausverkauft“, waren sich Ulrich Mutz (Bergische Morgenpost ) und Thomas Wintgen (RGA) in ihren Berichten einig. (Mutz ist bei der BM Freier Mitarbeiter - und dem Orchester eng verbunden; von ihm stammen die Einführungsvorträge im Vorfeld der Konzerte.)
War bei beiden objektiven Berichterstattern der Wunsch der Vater des Gedankens? Konzert vor ausverkauftem Haus?? Der Waterbölles fragte damals nach und erfuhr: Von den 616 Zuschauer/innen hatten 83 so genannte Kollegenkarten zum Preis von fünf Euro, 41 Karten waren von den Orchesterfreunden gesponsert (für Schüler/innen) und 15 Besucher/innen hatten Freikarten. Seltsam: Auch nachdem der Waterbölles die Fakten nachgeliefert hatte, hielt sich in den Printmedien das „ausverkauft“ hartnäckig. "Voll besetzt" wäre richtiger gewesen.
Gestern nun war im RGA ein Bericht über die Premiere der Operette "Orpheus in der Unterwelt" zu lesen – „im gut besuchten Teo Otto Theater“, wie es im Text hieß. Gut besucht? Bekanntlich ist Vertrauen gut, Kontrolle aber besser. Also fragte der Waterbölles wiederum bei der Stadtverwaltung nach und erfuhr: Von den 587 Plätzen im Theatersaal waren am Samstag, 19. Mai, 174 besetzt (29,6 Prozent), davon 169 tatsächlich verkauft (28,8 Prozent). Am Sonntag, 20. Mai, waren 192 besetzt (32,7 Prozent) und 190 tatsächlich verkauft (32,4 Prozent). Nicht besetzt waren somit am Samstag 413 Plätze (70,4 Prozent) und am Sonntag 395 (67,2 Prozent). Gut besucht? Die Fakten sehen anders aus.
Das Thema „Bergische Symphoniker“ wird den Medien und ihren Konsumenten noch einige Zeit erhalten bleiben. So darf man gespannt sein, was die Bergische Morgenpost am kommenden Donnerstag zu berichten haben wird. Denn am Mittwoch, 23. Mai, macht ihre „Mobile Redaktion“ in Remscheid Station. Und wo ist sie dann ab 18.30 Uhr zu finden? Dreimal dürfen Sie raten. Vor dem Teo Otto Theater natürlich, in dem die Bergischen Symphoniker dann ab 20 Uhr ein Philharmonisches Konzert geben werden. Generalmusikdirektor Peter Kuhn hat der BM-Redaktion sein Kommen schon zugesagt...

Remscheid bleibt eine Hochburg der SPD. Gegenüber der Landtagswahl vom 9. Mai 2010 legten die Sozialdemokraten mit ihren Landtagskandidaten Sven Wolf noch einmal deutlich zu. Vor zwei Jahren hatte der Newcomer 17.837 gültige Erststimmen (40,45 %) auf sich verbuchen können - bei 15.000 Zweitstimmen (gleich 33,93 Prozent) für seine Partei. Nach zweijähriger politischer Arbeit im Landtag brachte es der rechtspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion nunmehr auf 18.794 Erststimmen (gleich 43,5 Prozent) bei 16.425 Zweitstimmen (gleich 37,9 Prozent) für seine Partei (39 Prozent auf Landesebene). Die Verwaltung gibt die Zahl der Wahlberechtigten mit 79.758 an. Die Wahlbeteiligung lag diesmal bei 55,1 Prozent. 2010 lag sie bei 55,4 Prozent. Damals waren 81.021 Bürger/innen wahlberechtigt.
Unter den ersten Gratulanten waren neben dem SPD-Unterbezirksvorsitzenden Sven Wiertz und dessen Vorgänger Lothar Krebs sowie der grünen Kandidatin Jutta Velte (Foto oben) auch die unterlegenen Kandidaten von CDU und FDP, Jens Nettekoven (Foto rechts) und Michael Kleinbongartz. Nettokoven liegt mit 13.230 Erststimmen (gleich 30,6 Prozent Prozent) nicht nur deutlich hinter Wolf, sondern auch hinter der CDU-Kandidatin von 2010, Roswitha Müller-Pipenkötter (14.924 Stimmen gleich 33,85 Prozent). Auch mit der Zahl der Zeitstimmen kann der CDU-Kandidat, von Beruf Oberleutnant bei der Bundeswehr, nicht zufrieden sein: Vor zwei Jahren waren es noch 14.357 (32,48 Prozent), diesmal 10.188 (23,5 Prozent), 3,8 Prozentpunkte unter dem CDU-Ergebnis auf Landesebene.
Da sieht die persönliche Erfolgbilanz für Michael Kleinbongartz von der FDP (im Bild unten in der Mitte in blauen Anzug) schon deutlich besser aus. Nicht nur seine sechs Prozent an Erststimmen (absolut 2.588) waren beachtlich, sondern auch das Ergebnis bei den Zweitstimmen für die FDP: 4.338 gleich zehn Prozent. Damit übertraf das FDP-Ratsmitglied, das erstmals für den Landtag kandidiert hatte, bei den Zweitstimmen sowohl das Landesergebnis seiner Partei um 1,5 Prozentpunkte als auch um 2,26 Prozentpunkte das Zweitstimmenergebnis, das Benjamin Becker 2010 für die FDP in Remscheid eingefahren hatte. Dagegen verlor Axel Behrend von den Linken gegenüber 2010 beinahe die Hälfte der Erststimmen. Ein besseres Ergebnis als die „Piraten“ auf Landesebene (7,9 Prozent) schaffte auch der Remscheider Kandidat Andreas Kenke (9,7 Prozent).
Dem guten Abschneiden der Grünen auf Landesebene kann es Jutta Velte verdanken, dass ihr mit Platz 27 auf der Landesliste ein Sitz im Landtag sicher zu sein scheint. Damit zögen dann erstmals seit 1995 wieder zeitgleich zwei Landtagskandidaten aus Remscheid in den Düsseldorfer Landtag ein; damals waren es Hans Peter Meinecke von der SPD (direkt gewählt) und Georg Gregull von der CDU (über die Landesliste seiner Partei). Begeistert darüber, dass der Fraktionsgeschäftsführerin der Remscheider Grünen ein Landtagsmandat sicher zu sein scheint, zeigten sich am Abend der grüne Kreisvorsitzende Frank vom Scheidt und Kreisgeschäftsführer David Schichel. Gleichwohl hätten sie sich für Jutta Velte mehr als die 3.003 Erststimmen (gleich sieben Prozent) gewünscht bei 4.373 Zweitstimmen (gleich 10,1 Prozent). Zum Vergleich: Auf Landesebene kamen die Grünen diesmal auf 11,4 Prozent.
Sehr nachdenklich muss stimmen, dass es der rechtsgerichteten Partei „ProNRW“ – wohl auch durch ihre islamfeindlichen Aktionen in jüngster Zeit – gelungen ist, in Remscheid 1.814 Wählerstimmen (gleich 4,2 Prozent) zu bekommen. Die NPD bekam 136 Stimmen. Vor allem in Ortsteilen mit hohen Migrantenanteil scheinen die Parolen der Rechten bei deutschen Wählern auf „fruchtbaren“ (??) Boden gefallen zu sein. Ein Phänomen, mit dem sich das Aktionsbündnis von „Remscheid Tolerant“ in nächster Zeit einmal intensiv befassen sollte…

| Nettekoven, Jens-Peter |
CDU |
|
30,6 % |
13.230 |
| Wolf, Sven |
SPD |
|
43,5 % |
18.794 |
| Velte, Jutta |
GRÜNE |
|
7,0 % |
3.003 |
| Kleinbongartz, Michael |
FDP |
|
6,0 % |
2.588 |
| Behrend, Axel |
DIE LINKE |
|
3,2 % |
1.380 |
| Kenke, Andreas |
PIRATEN |
|
9,7 % |
4.184 |
(Hier die Erststimmen nach Wahlbezirken)
| CDU |
|
23,5 % |
10.188 |
| SPD |
|
37,9 % |
16.425 |
| GRÜNE |
|
10,1 % |
4.373 |
| FDP |
|
10,0 % |
4.348 |
| DIE LINKE |
|
2,8 % |
1.222 |
| PIRATEN |
|
8,6 % |
3.723 |
| pro NRW |
|
4,2 % |
1.814 |
| NPD |
|
0,3 % |
136 |
| Die Tierschutzpartei |
|
0,8 % |
348 |
| FAMILIE |
|
0,4 % |
171 |
| BIG |
|
0,4 % |
166 |
| Die PARTEI |
|
0,3 % |
113 |
| ödp |
|
0,1 % |
37 |
| FBI/Freie Wähler |
|
0,1 % |
51 |
| AUF |
|
0,2 % |
65 |
| FREIE WÄHLER |
|
0,2 % |
73 |
| Partei der Vernunft |
|
0,1 % |
31 |
(Hier die Zweitstimmen nach Wahlbezirken)
In der linken Spalte finden Sie unter dem blauen Balken "Text-Archiv" den Link "Veranstaltungshinweise". Er führt zu allen aktuellen Terminankündigungen im Waterbölles. (Vereine und Verbände können ihre Veranstaltungshinweise selbst in den Waterbölles einstellen, sobald sie die beantragten Zugangsdaten erhalten haben.)
„Bei Grünflächen und öffentlichem Grün geht gar nichts mehr“, titelte der Waterbölles am 30. April, Zuvor hatte die Verwaltung klar gemacht, dass ihre jüngsten Sparvorschläge, die am 28. Juni auf der Tagesordnung des Rates der Stadt stehen, sich auf das Erscheinungsbild der Stadt negativ auswirken werden. Beispiel Grünflächen: „Reparaturen in den Anlagen müssen vernachlässigt werden, … Gehwege werden in Teilen nicht mehr frei geschnitten, Wegereparaturen werden weitgehend nicht mehr ausgeführt. … Die Reduzierung des Spielangebotes wird durch den Abbau nicht reparabler Geräte … weiter voranschreiten.“ Beispiel Straßen: „Für das Jahr 2013 werden keine Straßenunterhaltungsarbeiten und Tiefbauarbeiten für die Verkehrstechnik ausgeschrieben. An Gehwegen und Fahrbahnen (werden) nur noch Flickarbeiten zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit ausgeführt.“
Dass in der gegenwärtigen Finanzkrise, die die Stadt Remscheid mit erheblichen Einsparungen und mit Hilfe des „Stärkungspaktes“ des Landes meistern will (und muss), auch Kultureinrichtungen wie die Bergischen Symphoniker, die den einen lieb und den anderen zu teuer sind, zur Disposition gestellt werden, ist kein ortsbezogenes Phänomen. Das machte gestern Abend in der Denkerschmette Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann deutlich, indem er auf die großen Rheinmetropolen Köln, Düsseldorf und Duisburg verwies. Auch Köln leidet unter einer schwierige Haushaltssituation. Unklar ist bislang, mit welchen Zuschüssen das dortige Schauspielhaus für die im Herbst beginnende neue Spielzeit rechnen kann. Und deshalb lässt der neue Theaterspielplan auf sich warten. Noch schwieriger sei die Lage in Düsseldorf, berichtete Henkelmann weiter. Dort drohe aus finanziellen Gründen die “Opern-Ehe“ mit Duisburg zu scheitern. Seinen Duisburger Kollegen Karl Janssen zitierte Henkelmann mit den Worten, die Rheinoper sei zwar ein Erfolgsmodell, aber es müssten nun mal Millionen eingespart werden. Entweder man müsse in Duisburg die Rheinoper schließen oder viele andere Kultureinrichtungen in der Stadt.
In ähnlich misslicher Lage sieht sich der Remscheider Kulturdezernent: „Die Qualität der Bergischen Symphoniker ist unstrittig. Aber die Teilnahme der Stadt am Stärkungspakt des Landes ist ein Muss!" Darauf basiere der Vorschlag der Stadtverwaltung an die Politik, den Orchestervertrag mit der Stadt Solingen zu kündigen, um so wenigstens noch das Theater erhalten zu können. „Ein Theater ohne Orchester geht, ein Orchester ohne Theater geht gar nicht!“ Die Einsparungen in Millionenhöhe seien erforderlich, um nach langen Jahren endlich aus der Schuldenfalle herauszukommen. Henkelmann: „Der Stärkungspakt ist unsere letzte Chance!“ Sonst verbiete die Bezirksregierung auch künftig freiwillige Investitionen wie die Sanierung der maroden Bühnentechnik des Teo Otto Theaters.
Leider sei eine Fusion der Bergischen Symphoniker mit dem Orchester der Stadt Wuppertal von Wuppertal verworfen worden, fuhr Henkelmann fort. Es sei die einzige Chance gewesen, das Orchester – bei abschmelzender Zahl der Musiker – zu erhalten. „Ein ‚Weiter so!’ geht nicht. Das wird auch Wuppertal noch erkennen müssen!“ Derweil rüstet sich die Stadt für Gespräche mit Solingen, will dem Mitgesellschafter in der Orchester-GmbH womöglich anbietet, Anteile der finanzschwächeren Stadt Remscheid zu übernehmen. Henkelmann: „Aber diesen Gesprächs- und Verhandlungsauftrag muss die Verwaltung erst noch von der Politik erhalten – durch einen Grundsatzbeschluss in der Ratssitzung am 28. Juni.“ Wie der ausfallen wird, ist derzeit noch völlig unklar. Die internen Beratungen der Fraktionen über das juristisch abgesicherte Sparpaket der Oberbürgermeisterin haben gerade erst begonnen oder beginnen, wie bei der SPD, erst in der kommenden Woche.
Philipp Wallutat, Fraktionsgeschäftsführer der FDP in einer E-Mail an den Waterbölles: „Unsere Fraktionsberatungen und die Beratungen innerhalb der Gestaltungsmehrheit werden wir spätestens bis Anfang/Mitte Juni abschließen. Sofern sich neue Handlungsoptionen hinsichtlich der Zukunft der Bergischen Symphoniker ergeben, so werden wir uns natürlich mit ihnen beschäftigen.“ Im Übrigen sei den Äußerungen des FDP-Fraktionsvorsitzenden Wolf Lüttinger in der Pressekonferenz zum Haushaltssanierungsplan am 20. April ("Einsparung zu Lasten Dritter ist noch kein Rettungsplan!") nichts hinzuzufügen. Lüttinger hatte damals erklärt, von einem echten Einsparungskonzept des Orchesters könne keine Rede sein. Zu Gunsten des Orchesters den Theater-Etat von 800.000 Euro auf 400.000 Euro zu kürzen, sei für die FDP „kein akzeptabler Vorschlag. Das Orchester scheint gar keinen Rettungsplan zu haben!“ Der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Martin Brink dazu auf Anfrage: „Ein Konzept des Orchesters liegt unserer Fraktion nicht vor. Die SPD-Fraktion hat dem Geschäftsführer der Bergischen Symphoniker ein Gesprächsangebot bezüglich der das Orchester betreffenden Maßnahme angeboten.“
Auf die Frage nach einem konkreten Sparvorschlag blieb Geschäftsführer Stefan Schreiner auch gestern in der Denkerschmette – wie an gleicher Stelle am 4. April beim Presseclub – die Antwort schuldig: “Die Situationsbeschreibung von Herrn Henkelmann ist richtig. Wir sind mit allen Beteiligten im Gespräch, um einen Konsens zu versuchen, mit dem alle leben können. Das ist ein schwieriger Weg, auf dem alle bereit sein müssen, offen und ehrlich ihr Teil beizutragen. Das setzt großes Verständnis voraus und keine verhärteten Fronten!“ Da war Kulturdezernent Dr. Henkelmann gestern schon deutlicher: „Wer den Theater-Etat halbieren will, hat das Theater gleich mit ruiniert!“
Die verhärteten Fronten waren auch in der gestrigen Diskussion unüberseh- und unüberhörbar. Auf der einen Seite die „Kultur-Lobby“ mit Generalmusikdirektor Peter Kuhn (der für sich das Recht auf Emotionen reklamierte, wie sie auch die Musik vermittele), Geschäftsführer Stefan Schreiner, Martin Haunhorst, zweiter Konzertmeister bei den Bergischen Symphonikern, und Dr. Walter Spelsberg, langjähriges Vorstandsmitglied der Remscheider Orchesterfreunde. Und auf der anderen Seite als realistischer „Finanz-Politiker“ Roland Kirchner, der Fraktionsgeschäftsführer der W.i.R. („Ich stehe zum Stärkungspakt ohne Wenn und Aber!“) Linke, SPD und FDP waren gestern nicht vertreten. Die Meinung des CDU-Kreisvorsitzenden Jens Nettekoven zum Stärkungspakt blieb unklar, und Beatrice Schlieper von den Grünen wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festlegen. Zu Gunsten des Orchesters klar Position bezogen haben bislang lediglich die Fraktion der Linken und der CDU, erst kürzlich noch einmal der CDU-Fraktionsvorsitzende Jochen Siegfried und Fraktionsvorsitzenden und der kulturpolitischen Sprecher Karl-Heinz Humpert. „Die bergischen Symphoniker sind unverzichtbar für die Kulturlandschaft in Remscheid und Solingen!“, hatten sie im Anschluss an ein Gespräch mit der CDU-Spitze im Rat der Stadt Solingen betont.

Vom Sparzwang der Stadt Remscheid war da keine Rede. Ebenso wenig gestern bei Dr. Walter Spelsberg. Er wiederholte seine frühere Forderung aus dem Presseclub, die Verwaltung müsse erst einmal beim eigenen Personal sparen, und hielt Roland Kirchner entgegen: „Kultur war noch nie ein Konsumgut für die Massen!“ Kirchner hatte zuvor den anwesenden Orchestermusiker erklärt: „Remscheid verdient Sie nicht.“ Weil die Stadt das Geld für das Orchester nicht „verdiene“, spricht einnehmen könne. Oder glaube jemand ernsthaft, eine Erhöhung der Grundsteuer B um 50 Punkte gleich 20 Euro pro Einwohner, mit der das Orchester dann finanziert werden könnte, ließe sich tatsächlich durchsetzen?! Die W.i.R. habe schon vor sechs Jahren vor der finanziellen Katastrophe gewarnt und ein „Bürgerorchester“ vorgeschlagen, getragen von Sponsoren über einem privaten Verein.
Doch auf diesem Ohr waren die Orchesterfreunde taub. Und so wurde denn knapp drei Stunden lang klassisch aneinander vorbei geredet, unterbrochen von gepflegter, meist beschwingter Kaffeehausmusik aus einer Zeit, so Martin Haunhorst, „als man noch glaubte, alles werde gut“.
Waterbölles-Kommentar

Im Waterbölles stand schon einige Male zu lesen: „Bitte mehr Zivilcourage! Davon lebt eine Demokratie. Duckmäusertum hatten wir in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mehr als genug.“ Dass ich diese Bitte jetzt ausgerechnet im Zusammenhang mit Berichten und Kommentaren zur Zukunft der Bergischen Symphoniker wiederholen musste, hätte ich nicht gedacht. Seltsam auch, dass sich an der Diskussion häufiger als sonst Personen mit schnell einzurichtenden E-Mail-Adressen ohne Anbindung an eine Homepage beteiligen, deren Namen im Remscheider Telefonbuch nicht zu finden sind. Im Übrigen: Auch und gerade Freunde der Kultur sollten in der Argumentation und Debatte um die Zukunft der Bergischen Symphoniker ein gewisses Niveau nicht unterschreiten. Vorwürfe gegenüber einzelnen Personen führen zu nichts.
Wer in Remscheid an Kultur im Allgemeinen und den Bergischen Symphonikern im Besonderen interessiert ist, erwartet von den Ratsfraktionen ein klares Wort. In den vergangenen Tagen war einige Male von einem Gegenvorschlag des Orchesters die Rede. Von einem schriftlichen Vorschlag ist nichts bekannt. Die Öffentlichkeit ist weiterhin auf Vermutungen und Spekulationen angewiesen. Gibt es einen Orchestervorschlag, über den in den Fraktionen schon jetzt beraten wird? Oder erst nach der Landtagswahl? Mir erscheint das Thema für eine interne Klientel-, um nicht zu sagen Klüngel-Politik zu wichtig zu sein. Hier ist Transparenz weit mehr gefragt als bei vielen anderen, weniger bedeutenden Maßnahmen des jüngsten Sparpakets der Verwaltung. Hier müssen – losgelöst von Emotionen und Befindlichkeiten - Zahlen und Fakten sprechen. Es wäre schön, wenn sich die Remscheider Ratsfraktionen daran ebenso beteiligen würden wie die Remscheider Orchesterfreunde, Generalmusikdirektor Peter Kuhn, Geschäftsführer Stefan Schreiner sowie Vorstand und Betriebsrat der Bergischen Symphoniker - in aller gebotenen Sachlichkeit und Offenheit und ohne bedeutungsschwangere Worthülsen. Statt dessen Schweigen im Walde!
Die in den Printmedien und auch im Waterbölles teilweise allzu emotional geführte Debatte ist nicht hilfreich. Will das Orchester erst genommen werden, muss es sich daran ebenfalls halten – und den Parteien und der Verwaltung endlich einen konkreten Lösungsvorschlag machen. Gestern Abend, als in der Denkerschmette Orchestermusiker im Stile eines Salonorchesters gekonnt musizierten und zwischendurch vor und mit einem guten Dutzend interessierter Bürger/innen (mehr leider nicht; die Lobbyisten, Kommunalpolitiker und Pressevertreter nicht mitgezählt) lebhaft über das in ihren Fall juristisch abgesicherte Sparpaket der Verwaltung und ihre bedrohte Zukunft diskutierten, blieben alle Verfechter des Orchesters – wieder einmal – nebulös, unkonkret, moralinsauer und lamoyant. Das aber bringt die Bergischen Symphoniker keinen Schritt weiter, das schadet ihnen nur. (Dem Kommentar zur gestrigen Veranstaltung wird im Laufe des Tages noch ein Bericht folgen)

Waterbölles-Kommentar

Am Sonntag darf gewählt werden. Und hoffentlich machen viele Remscheider von diesem Recht Gebrauch. Es war ein Wahlkampf, in dem sich jeder Wähler seine Meinung über die Parteien und ihre Kandidat/innen bilden konnte, so er denn wollte und sofern er nicht bereits eine feste Meinung über die Protagonisten und die Parteiprogramme hatte. Diesmal war es ein kurzer Wahlkampf, und vielleicht erschien er mir diesmal heftiger geführt worden zu sein als sonst. Ich bin jedenfalls nicht traurig darüber, dass er nun bald vorbei ist. Auch und gerade nach dem miterlebten „Presseclub“, zu dem Moderator Reinhard Ulbrich am vergangenen Mittwoch alle Remscheider Landtagskandidaten begrüßen konnte. Einzige Ausnahme: der Kandidat der „Piraten“. Aber weil den niemand kannte, hätte er auch inkognito im Saal sitzen können …
Es war ein in mancherlei Hinsicht ungewöhnlicher Presseclub. So viele Kommunalpolitiker wie diesmal hatten sich in der Denkerschmette schon lange nicht mehr eingefunden. Das galt für das „Podium“ - den Tisch zwischen den beiden Toilettentüren, an dem Jens Nettekoven (CDU), Sven Wolf (SPD), Jutta Velte (Grüne) Michael Kleinbongartz (FDP) und Axel Behrend (Linke) ohne Berührungsängste Platz genommen hatten -, und das galt für das „Plenum“. Wobei sich die Gefolgsleute der jeweiligen Kandidaten nicht nur durch Beifall an den „richtigen Stellen“ hervortaten, sondern auch durch kritische Fragen an den einen oder anderen politischen Gegner. Überhaupt: Es war Stimmungsmache angesagt an diesem Abend. Reinhard Ulbrich hatte seine liebe Not, Zwischenrufer im Zaum zu halten. Die kennt man vom Presseclub sonst gar nicht.
Moderat im Ton, aber nicht ohne Schärfe waren die Aussagen der Kandidaten, die teilweise wie auswendig gelernt klangen. Am Ende eines Wahlkampfes, nach diversen Auftritten in kleineren und größeren Kreis kein Wunder! Da stritten sich Nettekoven und Wolf um die Frage, welche Partei in NRW wohl der größte Schuldenmacher sei. Kleinbongartz verzweifelte am „furchtbaren Wahlkampf der CDU und dem Unsinn“, den Norbert Röttgen da so von sich gegeben habe. Behrend entwarf des Bild eines ganz neuen Zwei-Parteien-Systems in Deutschland: „Hüben SPD, FDP, CDU und Grüne und drüben wir, die Linken!“ Letztere sah Behrend als die einzige wirklich soziale Partei von allen, versteht sich. Man hätte den Eindruck haben können, es gelte an diesem Abend unschlüssige Wähler gleich dutzendweise für sich zu gewinnen. Dabei waren das, wenn`s hoch kommt, vielleicht gerade mal drei.
Gut, dass beim Bemühen der Kandidaten, bis zum letzten Tag noch „Punkte zu machen“, ein wenig Selbstkritik nicht fehlte. So bezeichnete es Jens Nettekoven als „arrogant“, dass seine Partei in den letzten zwei Jahren ihrer Regierungszeit in NRW die Kommunen mit ihren Finanzsorgen alleine gelassen habe (dazu sagte Elke Rühl, die frühere CDU-Landtagsabgeordnete, übrigens nichts.) Und auch das Eingeständnis von Gemeinsamkeiten fehlte nicht. Das galt für das Designer Outlet Center (Ausnahme: Axel Behrend) ebenso wie für die Forderungen nach Ausbau der U3-Plätze in den Kitas, „Bildung für alle“ und „mehr Demokratie von unten“. Letzteres hätte dem Vertreter der „Piraten“ sicherlich gut ins Konzept gepasst – auch die Aussage von Jutta Velte „Die Hürden für Bürgerbegehren müssen niedriger werden!“
Michael Kleinbongartz hatte ein anderes Thema: Der Bevölkerungsrückgang. Immer weniger junge Menschen und immer mehr alte. Wobei auf die jüngeren immer größere Soziallasten zukämen. Sein Rezept dafür: Mehr Freiheit für den Einzelnen, mehr Eigenverantwortung. Da erlaubte ich mir dann auch mal eine Frage: Wie er es denn mit dem Mindestlohn halte und wie mit einer Vermögenssteuer. Zum Mindestlohn sagte der FDP-Kandidat ein klares Nein. Denn der sei „sozial schädlich“. Und die Vermögenssteuer? Auch ein Nein. Denn diese wäre „ohne große Wirkung“. Ein entschiedenes Ja dagegen zu einer Wiedereinführung von Studiengebühren. Denn die seien „nicht unsozial“. Da habe ich dann still und leise die Heimfahrt angetreten.
Das stand im Waterbölles schon einige Male: „Bitte mehr Zivilcourage! Davon lebt eine Demokratie. Duckmäusertum hatten wir in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mehr als genug.“ Dass ich diese Bitte jetzt ausgerechnet im Zusammenhang mit Berichten und Kommentaren zur Zukunft der Bergischen Symphoniker wiederholen müsste, hätte ich nicht gedacht. Seltsam auch, dass sich an der Diskussion häufiger als sonst Personen mit schnell einzurichtenden E-Mail-Adressen ohne Anbindung an eine Homepage beteiligen, deren Namen im Remscheider Telefonbuch nicht zu finden sind. Heute nun Zuschriften von „Lutz“ und „Evi“ auf den Eintrag zur Kartenverteilung beim jüngsten Konzert im Teo Otto Theater. Schüler? „Lutz“ fragt: „Warum diese süffisante Kritik vom Chronist?“ Ich frage zurück: Welche Kritik? „Evi“ fragt: „Was ist schlimm daran, dass die Orchesterfreunde Karten für die Schüler sponsern?“ Antwort: "Nichts“. Beide Zuschriften habe ich übrigens gelöscht. Siehe oben.
Waterbölles-Kommentar

Seit der Jahreshauptversammlung der „Remscheider Tafel“ am 28. März ist der Verein auf der Suche nach einem neuen Vorsitzenden. Denn Jürgen Urbinger hatte das Amt niederlegt (siehe Bericht im Waterbölles). Aus beruflichen wie aus gesundheitlichen Gründen, hieß es damals. Einen weiteren Grund nannte Urbinger erst jetzt – gegenüber dem RGA. Dieser Grund liege „im Verhalten einiger unserer Mitarbeiter“. Konkret: Sie hätten sich bei neuen Lebensmittellieferungen erst einmal selbst bei der frischesten Ware bedient und dann erst die Bedürftigen versorgt. Daran hätten auch klare Richtlinien und Verwarnungen nichts ändern können. Den Vorsitz hatte Urbinger 2009 übernommen. Am 26. Februar 2010, bei der Übernahme eines neuen Fahrzeugs, ging der darauf andeutungsweise ein. Das sei „aus internen Gründen“ geschehen, “nachdem ich seit 2000 neun Jahre die Kasse geführt habe.“ Nunmehr wird Urbinger konkreter: Es habe damals „Ungereimtheiten mit der Vereinskasse“ gegeben.
Das verstehe nun, wer will. Beschuldigt sich hier der einstige Kassierer selbst? Wohl kaum. Also muss etwas anderes bzw. jemand anders gemeint sein. Kein Fall für die Öffentlichkeit nach so langer Zeit? Die „Remscheider Tafel“ ist kein Allerweltsverein. Sie steht im Blickpunt der Öffentlichkeit – dem von Spendern und Bedürftigen ganz besonders. Eine Rufschädigung kann sich der Verein nicht erlauben. Einen schlechten Ruf noch weniger. Deshalb muss der Selbstbedienung von Mitarbeitern endgültig ein Riegel vorgeschoben werden. Und deshalb muss auch Schluss mit Andeutungen und scheibchenweiser Information sein. Reden Sie Tacheles, Herr Urbinger!
„Die Verwaltung schlägt vor, den Gesellschaftervertrag der Bergischen Symphoniker zum 31. Dezember 2013 zu kündigen. Die finanzielle Situation der Stadt Remscheid lässt keinen andere Möglichkeit zu, denn an einem Konsolidierungsvolumen von 9,2 Millionen Euro in den Jahren 2014 bis 2021 können wir – wenn wir es ernst meinen mit der Entschuldung Remscheids – nicht vorübergehen. Ich bin mir – genauso wie meine Kollegen im Verwatungsvorstand – bewusst, dass dieser Schritt eine Zäsur in der Kulturlandschaft Remscheids und der Region darstellen wird. Mit der Beendigung der Gespräche zur Orchesterfusion im Bergischen Städtedreieck durch Wuppertal sehen wir keine andere Möglichkeit, schweren Herzens diesen Schritt vorzuschlagen.“ - Mit diesen wenigen Sätzen begründete Oberbürgermeisterin Beate Wilding in der Ratssondersitzung am 19. März den Vorschlag der Verwaltung, gegenüber der Stadt Solingen den Gesellschaftsvertrag der Bergischen Symphoniker zu kündigen. Einen Vertrag, der nur einvernehmliches Vorgehen beider Stadt vorsieht. Da lag die Frage nahe, ob der Vertrag überhaupt einseitig kündbar ist. Das hätten schon damals nicht nur die Kommunalpolitiker gerne gehört, die letztlich über diese Sparmaßnahme zu entscheiden haben, sondern auch die Musiker/innen der Bergischen Symphoniker, die damals zahlreich zur Sitzung erschienen waren, ebenso wie am vergangenen Dienstag zur Sitzung des Kulturausschusses.
Doch bis heute verlautete dazu aus dem Remscheider Rathaus rein gar nichts. Lediglich die Fraktionsvorsitzenden, die am Dienstag an der Sitzung des Ältestenrates teilnahmen, wissen inzwischen, auf welcher juristischen Basis die Stadt die Kündigung angehen will. Denn an der Sitzung nahmen auf Einladung der Oberbürgermeisterin, wie der Waterbölles erfuhr, zwei Rechtsanwälte aus der Kanzlei D'Avoine Teubner Neu teil, der auch der Rechtsanwalt und SPD-Landtagsabgeordnete Sven Wolf angehört und die ihren Sitz im Hause Elberfelder Str. 39 hat, eine Etage unter der Remscheider SPD.
Oliver Teubner, Fachanwalt für Arbeitsrecht, und Dr. Peter Neu, Fachanwalt für Insolvenzrecht, haben die Verwaltungsspitze (nach vorsichtigen Andeutungen von Gesprächsteilnehmern) offenbar in ihrer Auffassung bestärkt, dass eine Kündigung sehr wohl möglich sei, über die der Gesellschaftervertrag im Übrigen keine weiteren Modalitäten enthalte. Das könnte für Remscheid jetzt sogar von Vorteil sein. Denn Dr. Peter Neu, firm auch im Gesellschaftsrecht, hält einen Vertrag ohne Kündigungsregeln anscheinend für sittenwidrig. Jedenfalls soll er in der Sitzung des Ältestenrates auf eine entsprechende höchstrichterliche Rechtsprechung verwiesen haben. Er habe sich auch zu der Frage geäußert, ob die Orchester-GmbH in Konkurs gehen könne. Davon ausgehend, dass jedwede GmbH – egal, wem sie gehört – eine Verlustbegrenzung ermöglicht, habe Neu die Möglichkeit der Insolvenz eindeutig bejaht, erfuhr der Waterbölles. Kritisch soll Neu die im vergangenen Jahr in der Gesellschafterversammlung der Bergischen Symphoniker von den beiden Gesellschaftern (bzw. ihren Vertretern) vereinbarte uneingeschränkte Nachschusspflicht der beiden Städte im Fall von Defiziten sehen, zumal es hierzu wohl keine politische Bestätigung durch die Räte der beiden Städte gegeben hat.
Mit dem Rückkehrrecht der einstigen Musiker des Remscheider Orchesters zur Stadt Remscheid hatte sich Arbeitsrechter Teubner beschäftigt – und hat es im Ältestenrat offenbar als hohes juristisches Gut bestätigt. Gleichwohl bedeute das jedoch nicht, dass beispielsweise ein Posaunist nach Rückkehr in die Stadtverwaltung auch künftig nur als Posaunist beschäftigt werden dürfe. Vielmehr sei mit jedem/jeder einzelnen zurückgekehrten Musiker/in anzuhandeln, welche anderweitige Tätigkeit ihm /ihr zumutbar sei.
Am Rande einer Pressekonferenz zur bevorstehenden Landtagswahl betonte gestern Nachmittag Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann, dass die Stadt Remscheid in ihrer misslichen finanziellen Lage nicht umhin komme, das Orchester aufzugeben. Er habe durchaus Verständnis für die Existenzsorgen der Musiker, auch für manche Aufgeregtheit und nicht durchdachten Aussagen bis hin zu persönlichen Anwürfen, aber die kleiner werdende Stadt Remscheid, die ihre Finanzen ins Reine bringen müsse, könne sich das wünschenswerte Extra eines Orchesters einfach nicht mehr leisten. Fatal sei es allerdings, in dieser Situation eine „schlechte Stimmung zu verbreiten, die dem Teo Otto Theater schadet“. Das will Henkelmann auf jeden Fall erhalten. Und dafür will er die geringen Haushaltsmittel so optimal wie möglich einsetzen. Da sei es dann zu teuer, für eine auswärtige Musikproduktion mehrtägige Proben mit den Bergischen Symphonikern einzuplanen, wenn er die Produktion samt Fremdorchester einkaufen könne.
Den von Generalmusikdirektor Peter Kuhn gegenüber der Bergischen Morgenpost geäußerten Vorwurf, die Stadt Remscheid erfülle in der Spielzeit 2012/2013 ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem Orchester nicht, indem sie Musiktheateraufführungen zurückfahre, wies Henkelmann zurück: „Bei 40 der insgesamt 129 Veranstaltungen im Theater sind die Symphoniker beteiligt. Eine so starke Präsenz gab es bislang noch nie!“ Zugleich wies der Kulturdezernent jedoch auch darauf hin, dass die Zahl der Konzertabonnements seit 1995 von 600 auf 200 zurückgegangen sei.
"Wir lassen kein Kind zurück. Wir sparen nicht bei Bildung und Betreuung" war auf dem Transparent zu lesen, das der OGS-Verein "Die Verlässliche" e.V. über das Podium gespannt hatte, auf dem gestern in der RTV-Gaststätte Vertreter der Ratsfraktionen von SPD, CDU, Grünen, W.i.R. und Linken Platz genommen hatten. Gerda Spaan und Annette Mores vom Vorstand des Vereins sowie Jochen Merten und Alena Fischer, die Sprecher des Gesamtelternrates, hatten die Kommunalpolitiker zu einem „Meinungsaustausch mit den Betroffenen“ eingeladen - Eltern, Lehrer/innen und Betreuer/innen. Und die kamen so zahlreich, dass im Saal kein freier Platz und im Umkreis von 200 Metern in „De Tornhall“ kein freier Parkplatz mehr zu finden war. Doch die „geladene Stimmung“ der Betroffenen („Sie die Pferde unsere Zukunft oder unsere Kinder?“) wich schnell ruhiger Sachlichkeit. Denn der Sparvorschlag der Stadtverwaltung, die Elternbeiträge für die KiTas, die Tagespflege und die OGS-Einrichtungen ab 2013 um jeweils zehn € im Monat zu erhöhen, scheint den gleichen Weg zu nehmen, den wohl auch der Pferdesteuer-Vorschlag nehmen wird: Ab in die Tonne! Einhellig betonten die Kommunalpolitiker, erst am 29. März von den Sparvorschlägen der Verwaltung erfahren zu haben - im Rahmen der damaligen Ratssondersitzung. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans Peter Meinecke gestern: „Wir können die Erhöhung der Elternbeiträge nicht mittragen!“ Das sei mit Grünen und FDP abgesprochen. Die Fraktionsgeschäftsführerin der Grünen, Jutta Velte, bestätigte das. Die FDP repräsentierte lediglich ein Schild: „Kleinbongartz“; der dazu gehörige Namensträger fehlte. Ein Umstand, der unerwähnt blieb.
Zwei Sparvorschläge der Verwaltung – Pferdesteuer und OGS-Beiträge -, die an einem einzigen Tag von den Parteien abgebügelt werden? Ob das denn nun tröpfchenweise so weiter gehen werde, wollte der Waterbölles wissen. Meinecke winkte ab. Das sei der reine Zufall. Schließlich hätten die Fraktionen erst in dieser Woche mit der Beratung der Vorschläge begonnen. Für die SPD könne er jedoch erklären: „Wir haben nur noch Probleme mit einem dritten Vorschlag – der Schließung der Verbraucherberatungsstelle! Darüber werden wir reden müssen, auch innerhalb der Gestaltungsmehrheit. Es geht dabei um jährlich 50.000 Euro städtischen Zuschuss!“ So eindeutig wollte sich Kai Kaltwasser (CDU) denn doch nicht äußern, von Pferdesteuer und OGS abgesehen: Nicht ausgeschlossen, dass von seiner Fraktion nach interner Beratung noch mit womöglich unpopulären Sparvorschlägen zu rechnen sein werde. „Ich halte die Sparliste, von der wir erst kurz vor Ostern erfahren haben, persönlich nicht für richtig!“ In seiner Fraktion seien dazu aber noch keine Beschlüsse gefasst worden.
Auch Jutta Velte von den Grünen lehnte die vorgeschlagene Erhöhung der OGS-Beiträge entschieden ab: „Es geht nicht an, den Eltern in die Tasche zu greifen, erst recht nicht den armen!“ Die Offene Ganztagsschule habe auch etwas mit Frauenförderung – „zurück in den Beruf“ – zu tun. „Es wäre doch absurd, am letzten beitragsfreien Kita-Jahr festzuhalten und in der OGS die Elternbeiträge zu erhöhen. Manche Eltern haben jetzt schon genug Probleme, das Geld für das Schulmittagessen zusammenzubringen!“ - Axel Behrend von den Linken freute sich, „dass die großen Fraktionen eine ähnliche Position einnehmen wie wir. „Das Problem der strukturellen Unterfinanzierung der Stadt lässt sich nun einmal nicht auf den Rücken von Kindern und Hobbyreitern lösen!“
Wieland Gühne, der Fraktionsvorsitzende der W.i.R., knüpfte an die Zustimmung seiner Fraktion zu den (verbleibenden) Sparvorschlägen der Verwaltung zwei Bedingungen:
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dass auf die Verwaltung letztlich eine größere Sparsumme entfalle als die bislang auszumachenden zehn Prozent. „90 Prozent sollen die Bürger tragen!“, und
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auch die „Lücke noch ausgefüllt wird, die derzeit noch im Sparpaket klappt“. Gühne bezifferte sie mit zehn Millionen Euro, wobei er zu unstrittigen vier Millionen noch sechs Millionen an „Luftnummern“ hinzuzählte, die er in dem Maßnahmepaket ausgemacht haben will. Beispiel: Da werden energetische Einsparungen bei einem neuen Berufskolleg zu einem stattlichen Millionenbetrag summiert, das noch gar nicht in trockenen Tüchern ist. Gühne: „Von den 26 Millionen, die die Stadt im Rahmen des Stärkungspaktes bis 20916 einsparen muss, fehlt also noch eine ganze Menge!“
Das ist auch der Gestaltungsmehrheit von SPD, FDP und Grünen klar, auch wenn sie auf den Vorwurf der „Luftnummern“ nicht näher eingingen. Wenn aber auch Pferdesteuer und höhere OGS-Elternbeiträge verzichtet werde, so Hans Peter Meinecke, „dann muss das kompensiert werden, dann müssen wir anderswo dieses Geld einsparen!“ Damit würden sich die Fraktionen in den nächsten Tagen intensiv befassen. Dabei werde die Verwaltung nicht ausgeklammert; mit weiterer Arbeitsverdichtung sei zu rechnen. „Die Suche nach Kompensationen wird nicht ganz so einfach sein wie die Ablehnung von Sparvorschlägen. Da ist jeder eingeladen, sich zu beteiligen! Wir müssen versuchen, uns selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Und das werden wir auch schaffen!“
Im Jahr bezuschusst die Stadt die Kindertageseinrichtungen mit zwölf Millionen Euro. Das Orchester schlägt mit zwei Millionen zu Buche. Und der Zuschuss für die Offene Ganztagsschule (OGS) liegt bei 600.000 Euro. Diese Zahlen nannte gestern der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans Peter Meinecke. Insgesamt habe das Jahr 2009 der Stadt Remscheid ein Millionendefizit von 100 Millionen beschert. Inzwischen betrage das Defizit rund 60 Millionen. „Die Stadt ist arm und wird es trotz Stärkungspakt auch bleiben!“ An dem führe jedoch kein Weg vorbei. Weil er der Stadt nach Jahren endlich wieder zu einem gewissen Investitionsspielraum verhelfe. Peter Meinecke: „Die Stadt schreibt von ihrem Besitz jährlich 20 Millionen ab, müsste also in gleicher Höhe reinvestieren. Da aber keine neuen Investitionskredite aufnehmen. Erst wenn wir im Stärkungspakt die Sparmaßnahmen hinbekommen, wird uns die Bezirksregierung vom kommenden Jahr an erlauben, die fünf Millionen Euro, die wir jetzt pro Jahr tilgen, wieder zu investieren!“
Angesichts Bildungspauschale, deren vier Millionen Euro für alle notwendigen Maßnahmen in diesem Bereich „bei weitem nicht ausreichen“, so Meinecke, - allein die anstehenden Brandschutzmaßnahmen in den Schulen würden neun Millionen Euro erfordern -, sei in den nächsten zwei, drei Jahren ein weiterer OGS-Ausbau nicht möglich. Der ließe sich nicht mehr in vorhandenem Schulraum, sondern nur durch neue Anbauten realisieren, „und diese Investitionen werden wir wohl in den nächsten Jahren nicht schaffen!“ Wobei sich Meinecke und Velte einig waren: „Möglichst sollten alle Kinder in Remscheid an der OGS teilnehmen können!“ Doch dieses Ziel liegt noch Jahre entfernt…
„Ältestenrat tagt eine Stunde nach dem Kulturausschuss“, kritisierte gestern der Waterbölles in einem Kommentar. Die Mitglieder des Kulturausschusses, die sich gestern nach Besichtigung des „RöLab“ in der Mensa des Röntgen-Gymnasiums zur Sitzung versammelten, um u. a. über die Kündigung des Orchester-Vertrages mit der Stadt Solingen zu beraten, konnten also gar nicht wissen, „ob bzw. aufgrund welcher Umstände bzw. welcher Vorgehensweise einer der beiden Gesellschafterinnen es unter den vorgenannten Bedingungen für die Orchestergesellschaft zu einer Auflösung kommen könnte“, Zitat aus der zur Sitzung vorliegenden Mitteilung der Verwaltung. Da machte der Vertagungsantrag, den Volker Leitzbach (SPD) auch im Namen von FDP und Grünen schon vor der Besichtigung des Schullabors stellte, durchaus Sinn. Doch darüber ließ Ausschussvorsitzender Karl Heinz Humpert (CDU, rechts im Bild)) erst nach der Besichtigung abstimmen – wofür Leitzbach kein Verständnis hatte: „Als Sitzungsleiter haben Sie sich disqualifiziert!“

Doch in Wahlkampfzeiten ist es für Politiker nun mal besonders wichtig, dass die Wähler/innen auch hören, was sie zu sagen haben. Und deshalb war es Humpert ganz recht, dass die zahlreichen Orchestermitglieder, die zusammen mit Generalmusikdirektor Peter Kuhn und Geschäftsführer Stefan Schreiner zur Sitzung erschienen waren, um zu erfahren, was sich hinter dem Tagesordnungspunkt „Rechtsgutachten Bergische Symphoniker“ verbarg und wie denn nun die einzelnen Fraktionen zum Kündigungsvorschlag der Verwaltung stehen, nach dem Antrag von Leitzbach („Wir haben noch Beratungsbedarf…!“) nicht sofort gegangen waren, sondern ausgeharrt hatten.
Dass es dann kam, wie es beim bekannten (?) Stimmenverhältnis der Parteien im Kulturausschuss kommen musste, war Humpert dabei sicherlich sehr wohl bewusst: Linke und CDU stimmten zwar gegen die Vertagung, unterlagen jedoch SPD, FDP und Grünen. Damit waren neben dem Rechtsgutachten auch sämtliche Maßnahmen vom Tisch, die im Entwurf des Haushaltssanierungsplans zur Umsetzung des Stärkungspaktgesetzes NRW in den Zuständigkeitsbereich des Kulturausschusses fallen. Und die Orchestermitglieder erfuhren nur, was sie schon wussten – wie der Spielplan der Bergischen Symphoniker in der Spielzeit 2012 / 2013 aussehen soll. Der zumindest ist nicht gefährdet. Denn die Vertragskündigung hat die Verwaltung erst zum 31.12.2013 vorgeschlagen.
Für eine öffentliche Diskussion des Verwaltungsvorschlages sei es noch zu früh, betonte nach Volker Leitzbach auch Philipp Wallutat (FDP). Vorausgehen müsse eine ausgiebige interne Beratung (Leitzbach). Und insofern sei der Vertagungsantrag „ein völlig normaler Vorgang“ (Wallutat). Aber Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die strittigen Punkte werden in der Juni-Sitzung des Kulturausschusses wieder auf der Tagesordnung stehen. Lediglich der Punkt „Rechtsgutachten Bergische Symphoniker“ dürfte fehlen. Von der Existenz eines solchen Gutachtens war die CDU-Fraktion ausgegangen und hatte am 5. April von der Oberbürgermeisterin die Veröffentlichung gefordert. Noch am gleichen Tag berichtete der Waterbölles, nach seinen Informationen gebe es gebe gar kein schriftliches Gutachten, sondern nur eine mündliche Rechtsauskunft. Gleichwohl blieb es in der Tagesordnung des Kulturausschusses bei „Rechtsgutachten“. Er habe erst nach Aufstellung der aktuellen Tagesordnung erfahren, dass gar kein Rechtsgutachten zum Gesellschaftervertrag mit der Stadt Solingen vorliege, sagte Humpert gestern in der Diskussion um den Vertragungsantrag. „Da kann man nur sagen: Besser kann man sich nicht blamieren!“
Für die Orchestermitglieder ist es relativ unerheblich, ob es sich um die mündliche oder schriftliche Stellungnahme eines Juristen handelt. Sie wollen nur wissen, ob der Stadt Remscheid die juristische Rückendeckung ausreichend erscheint, um den Gesellschaftervertrag zu kündigen, oder ob sie davor zurückschrecken wird. Mehr an ihre Adresse als an die der Ausschussmitglieder betonte Karl Heinz Humpert: „Wenn man sich über eine Restposition einig ist, kann man auch darüber reden, ja, man ich sogar dazu verpflichtet!“ Da ist was dran! Vorausgesetzt, die juristischen Stellungnahme, die kurz darauf an anderer Stelle, im Ältestenrat, gedreht und gewendet wurde, hatte nicht die Einschätzung arbeitsrechtlicher Konsequenzen (für die Remscheider Orchestermitglieder im Falle einer Vertragskündigung) zum Inhalt, wie die CDU das zunächst vermutet hatte, sondern tatsächlich die viel entscheidendere Frage der Kündbarkeit des Gesellschaftervertrages. Hat der „Flurfunk“ Recht, ging es in der Tat um Letzteres. Und dann werden Rat und Verwaltung um ein „Wir sehen gute bzw. keine Chancen für eine Kündigung“ letztlich nicht herumkommen, sofern nicht doch in letzter Sekunde ein Kompromiss mit der Stadt Solingen gelingt, der dem Orchester eine Überlebenschance einräumt und zugleich den Sparzwängen der Stadt Remscheid gerecht wird. Vielleicht war auch das mit dem Satz in der Mitteilungsvorlage der Verwaltung gemeint, „über die Inhalte der Rechtsberatung könne „nicht öffentlich berichtet werden, um die Rechtsposition der Stadt Remscheid zu wahren.“ Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann wiederholte ihn gestern sinngemäß.
Waterbölles-Kommentar

Was ist da los im Rathaus? Redet Oberbürgermeisterin Beate Wilding (SPD) mit „ihrem“ SPD-Landtagsabgeordneten Sven Wolf nicht mehr? Der gab soeben eine Pressemitteilung heraus, in der er – auch im Namen der SPD-Ratsfraktion - den Vorschlag der Verwaltung ablehnt, in Remscheid eine Pferdesteuer einzuführen. Der Vorschlag habe ihn sehr überrascht. Darüber habe er mit den zuständigen Landesministerien nicht sprechen können, da er, so wörtlich „über diese Idee nicht vorab informiert war“.
Um im Bild zu bleiben. Da hat Beate Wilding die Pferde wohl unnötig scheu gemacht. Denn ohne SPD und die erklärten Pferdefreunde der CDU ist der Vorschlag im Rat der Stadt nicht durchsetzbar.
Hoffentlich geht das in diesem Stil nicht weiter. Erst die Kündigung des Orchester-Gesellschaftsvertrages mit der Stadt Solingen ankündigen und dann kleinlaut beigeben? In der heutigen Sitzung des Kulturausschusses steht die Kündigung auf der Tagesordnung. Doch mit einem Beschluss ist in der Sitzung, die um 17 Uhr beginnt, nicht zu rechnen. Denn erst eine Stunde später, um 18 Uhr, beginnt im Rathaus eine Sitzung des Ältestenrates (Fraktionsvorsitzende und Verwaltungsvorstand), zu der Wilding kurzfristig eingeladen hatte und in der die Parteien Antwort auf die Frage bekommen sollen, „ob bzw. aufgrund welcher Umstände bzw. welcher Vorgehensweise einer der beiden Gesellschafterinnen es unter den vorgenannten Bedingungen für die Orchestergesellschaft zu einer Auflösung kommen könnte“, Zitat aus der Vorlage für den Kulturausschuss. Und weiter: „Es versteht sich von selbst, dass über die Inhalte der Rechtsberatung nicht öffentlich berichtet werden kann, um die Rechtsposition der Stadt Remscheid zu wahren.“
Ja wie um alles in der Welt sollen denn die Politiker über das Schicksal der Bergischen Symphoniker in öffentlicher Sitzung entscheiden, wenn die rechtlichen Hintergründe (Erfolgaussichten einer Kündigung) geheim bleiben sollen? Entweder die Rechtslage erscheint eindeutig, dann kann man sie auch öffentlich vertreten. Oder sie ist sehr unsicher. Dann müsste die Öffentlichkeit ebenfalls wissen, ob sich die Politiker auf ein Vabanquespiel einlassen wollen oder nicht. Und überhaupt: Warum erfährt der Ältestenrat erst heute von dieser Rechtsauskunft. Wann wurde welche Kanzlei damit beauftragt? Vor zwei Jahren oder erst vorgestern? Ich fürchte, die Antwort auf die letzte Frage bereits zu kennen.
Waterbölles-Kommentar

Ich wünschte, heute wäre der 14. Mai. Dann wäre die Landtagswahl gelaufen und die Ratsfraktionen könnten sich voll und ganz den anstehenden Sparbeschlüssen widmen – hoffentlich ohne dabei den Wähler/innen nach dem Munde zu reden. Jetzt, im laufenden Landtagswahlkampf, steht jede Diskussion in Parteikreisen über die jüngsten Sparvorschläge der Stadtverwaltung im Verdacht der Wählerwerbung. Ein Verdacht, der nicht immer berechtigt sein muss, aber immer öfter, je näher der Wahltermin ansteht. Mit Verlaub, aber ich wusste bisher nicht, dass der Spitzenkandidat der CDU, Bundesumweltminister Norbert Röttgen, ein passionierter Reiter ist. In seinem Lebenslauf in Wikipedia steht davon jedenfalls nichts. Gleichwohl hat er sich für den morgigen Dienstag zum „Kandidatenbesuch“ auf dem Buscher Hof in Lüttringhausen angekündigt, um mit den Reitern über die Pferdesteuer zu diskutieren, die die Stadt Remscheid – um zusätzliche Einnahmen bemüht – gerne einführen möchte. Röttgen, der Pferdefreund. Nachtigall, ick hör Dir trappsen.
Aber eigentlich ist Stimmungsmache ja etwas völlig Normales. Leider. In Wahlkämpfen ebenso wie bei bevorstehenden Gebühren- und Steuererhöhungen, egal, ob auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene. Der Tenor ist fast immer der gleiche: „Gewiss, von nichts kommt nichts. Irgendwie muss das Finanzloch ja gestopft werden. Aber bitte nicht durch mich!“ Sagen Pferdebesitzer, die monatlich 62,50 Euro aufbringen sollen. Sagen auch Unternehmer und Hausbesitzer, wenn eine Erhöhung der Grundsteuer ansteht. Manchmal klingt das verdächtig nach „O heiliger St. Florian, verschon mein Haus, zünd andre an!“ Da beklagt sich die Mutter einer 13-Jährigen, die jeden freien Tag auf einem Pferdehof in Westhausen verbringt, jetzt werde die Finanzmisere auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Eine Klage „auf hohem Niveau“. Ich finde, dazu hätten die Familien mit geringem Einkommen weit mehr Grund, für die nach dem Haushaltssanierungsplan der Stadt Remscheid die Beitragsbefreiungsgrenze für OGS-Plätze wegfallen soll. Diese Mütter und Väter wagen nicht einmal davon zu träumen, ihren Kindern ein eigenes Pferd zu finanzieren. Wovon denn?
Dass sich Remscheid schon lange nicht mehr alles leisten kann, was wünschenswert wäre, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Gewiss, ein eigenes Orchester schmückt die Städte Remscheid und Solingen ungemein – wenn man einmal den hohen Subventionsbetrag außer Acht lässt, der sich für die finanzschwache Stadt zusätzlich aus der geringen Besucherzahl bei den Konzerten im Teo Otto Theater ergibt. Gleichwohl blieben die Remscheider Orchesterfreunde auch im jüngsten Presseclub hundertprozentige Befürworter der Bergischen Symphoniker. O heiliger St. Florian! Glauben die Orchesterfreunde wirklich ernsthaft, die Zahl der Konzertbesucher würde signifikant steigen, wenn es gelänge, auswärtige Firmen zur Ansiedlung in Remscheid zu bewegen? Einmal vorausgesetzt, das Gelände dafür stünde in absehbarer Zeit tatsächlich zur Verfügung!?
Dass die Bevölkerungszahl sinkt, ist kein lokales Phänomen. Es betrifft vielmehr sehr viele Großstädte. Remscheid werde bis zum Jahre 2025 pro Jahr um ca. 900 Personen abnehmen, teilte die Verwaltung den Parteien im Januar 2007 mit. Schon im Februar 2006 hatte der Waterbölles über eine Studie der Bertelsmann-Stiftung berichtet, wonach der Anteil der Remscheider über 60 – er lag im Jahre 2003 noch bei 26,2 Prozent - bis 2020 auf 31 Prozent ansteigen werde. Die Bertelsmann-Stiftung empfahl Remscheid damals das Profil einer „kleinen Großstadt mit familiärem Flair“. Erinnern wir uns: Oberbürgermeisterin Beate Wilding beschrieb vor einigen Jahren in ihrem „Programm für Remscheid“ – das sich inzwischen auf den Internetseiten der Remscheider SPD nicht mehr finden lässt –, die Stadt werde „die familienfreundlichste Stadt in Nordrhein-Westfalen, für Kinder und Jugendliche werden Betreuungsangebote zügig ausgebaut und Freizeitangebote verbessert, Älterwerden in Remscheid macht Spaß und hält fit“. Und Hans-Peter Meineke forderte in seiner Haushaltsrede 2005 „ein flächendeckendes Betreuungsangebot für alle Altersstufen in Krippen, Kindergärten, an unseren Grundschulen, und später auch an den weiterführenden Schulen und anderen Einrichtungen.“
Längst ist die Ernüchterung allgemein. Ohne dass allerdings die Bereitschaft der Bürger gestiegen wäre, einen eigenen Sparbeitrag zur Gesundung der Stadtfinanzen zu leisten. Doch Lamentieren hilft nicht: Ohne Moos nix los! Die Stadt Remscheid wird sich in den nächsten Jahren von manch Liebgewonnenem trennen müssen, damit sie den demografischen Wandel – im Rahmen des noch Möglichen – als lebens- und liebenswerte Kleinstadt übersteht. Mit dann weniger als 100.000 Einwohnern.

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Man stelle sich vor,…
... das Remscheider Rathaus brennt lichterloh. Teile des Daches sind schon eingestürzt. Die Feuerwehr löscht, was die Schläuche hergeben. Bürger helfen mit Eimern voller Wasser nach, sogar Schulkinder aus der OGS. Am Rande des Rathausplatzes stehen zwei ältere Männer und sehen dem hektischen Treiben ruhig zu. Sagt der eine: „Ja, Ja, kein Wunder. Die Stadtverwaltung hätte vor zehn Jahren mehr Rauchmelder anschaffen sollen!“ Sagt der andere nach kurzem Nachdenken: „Stimmt. Rat und Verwaltung fehlt einfach ein Masterplan!“ Lautes Krachen verrät, dass ein weiteres Teil des Dachgebälks gerade in die Flammen stürzt. |
Lag’ s wirklich nur an den Osterferien, dass der „Presseclub“ in der Denkerschmette am vergangenen Mittwoch – wieder mal – an „Auszehrung“ litt? Am Publikum, das man an den vergangenen beiden Terminen an zehn Fingern hatte abzählen können, mangelte es diesmal zwar nicht. Von den Remscheider Kommunalpolitikern aber waren nur David Schichel (Grünen), Fritz Beinerdorf (Linke) und Wieland Gühne (W.i.R.) erschienen, und von den übrigen Ratfraktionen hatte sich leglich die kleinste (FDP) entschuldigen lassen. „Alle sind in Urlaub gefahren“, habe man ihm dort gesagt, verriet Gastgeber Reinhard Ulbrich zu Beginn der Abends. Von der CDU habe er dagegen schon lange nichts mehr gehört. Schade fand er besonders, dass von den drei Parteien der „Gestaltungsmehrheit“ zwei der Diskussion fern geblieben war. „Meine Damen und Herren, Sie können sich gewiss denken, was ich davon halte, wenn diese Parteien über ‚Bürgerbeteiligung’ sprechen…!“
Auch die Verwaltung hatte Ulbrich wieder – breit gestreut – mit Einladungen bedacht. Doch niemand war erschienen, um (wie sonst Stadtdirektor Burkhard Mast-Weisz, derzeit erkrankt), Oberbürgermeisterin Beate Wilding zu vertreten. Klar, dass sich da alle Blicke auf David Schichel richteten. Doch der winkte gleich ab: Die am Donnerstag voriger Woche von Wilding dem Rat der Stadt vorgelegte neue Sparliste habe bislang „noch keine Fraktion gemeinschaftlich durchgesehen. Noch gibt es keine abgestimmte Meinung, auch nicht bei den Grünen. Deshalb kann ich heute nur für mich reden!“
Fritz Beinersdorf, Fraktionsvorsitzender der Linken, hatte diese Vorbehalte nicht. Seine Partei sei grundsätzlich gegen Kürzungen in den Bereichen „Jugend“, „Bildung“ und „Kultur“ im Allgemeinen und „dieser Kürzungsorgie“ im Besonderen. Fehlte nur noch ein entschiedenes „Basta!“ Allein das Verfahren – „unmöglich!“ Damit meinte Beinersdorf die beiden Treffen von zwölf Kommunalpolitikern im Rathaus. In denen hätten Vertreter der Verwaltung „die groben Zusammenhänge des Stärkungspaktes erläutern sollen“, doch es sei nicht viel dabei herausgekommen.
Was es mit dem Stärkungspakt auf sich hat, erläuterte Wieland Gühne den Bürger/innen so: Je höher der Zuschuss des Landes, desto mehr muss die Stadt einsparen. Bis 2016 rund 26 Millionen. Aber: Unter Berücksichtigung der jüngsten Tariferhöhungen im Öffentlichen Dienst sei ein Sparbetrag von vier Millionen bislang noch ungewiss. Was Gühne an diesem Abend des Weiteren mündlich vortrug, war am nächsten Vormittag in einem Offenen Brief zu lesen, den die W.i.R. an die Oberbürgermeisterin adressiert hatte: Ihre Sparvorschläge seien unausgewogen, die Schieflage zwischen der Belastung der Bürgerinnen und Bürger und dem geringen Konsolidierungsanteil der Kernverwaltung unakzeptable. Gühne im Presseclub: „Nur jeder dritte Sparvorschlag betrifft die Verwaltung. Und davon sind dann viele reine Luftnummern, sprich: es wird ein bestimmter Etat pauschal gekürzt, aber nicht gesagt, wie man das tatsächlich erreichen will.“ Klaus Kreutzer, Vorsitzender des Lenneper Verkehrs- und Fördervereins, sah das ähnlich: Im jüngsten Sparpaket der Verwaltung verbärgen sich „noch viele Knallerbsen“. Eine glaubte er schon gefunden zu haben: Die Funkmastensteuer. Gühne steuerte prompt die Pferdesteuer bei. Denn die solle eingeführt werden „vorbehaltlich der Genehmigung durch das Land. Das hätte man schon vorher abklären können!“
Gerda Spahn, Vorsitzende der „Verlässlichen“ (OGGS) und Gründungsmitglied der Remscheider Grünen, ärgerte sich darüber, dass bis zur Abgabe der Sparpläne bei der Bezirksregierung offenbar nicht vorgesehen sei, die Bürger nach ihrer Meinung zu befragen. Bisher sei in Remscheid stets Konsens gewesen, dass an Bildung und Betreuung nicht gespart werden dürfe. Damit sei es jetzt vorbei, denn die Elternbeiträge für die Teilnahme an außerunterrichtlichen Angeboten der OGS im Primanerbereich und die Inanspruchnahme von Kindertagespflege oder einer KTE sollten um zehn € erhöht werden: „Es kann doch nicht sein, dass junge Familien die alten Schulden bezahlen sollen“, kritisierte Spahn. Kein Verständnis hatte sie auch für die geplante Verlagerung der „Remscheider Tafel“ mit ihrem preisgünstigen Mittagstisch von der Kronprinzenstraße an der Schüttendelle zur Wülfingstraße nach Lennep: „Was die Hartz-IV-Empfänger dort dann beim Essen sparen, haben sie vorher für den Bus ausgeben!“
Stark vertreten waren beim jüngsten Presseclub die Bergischen Symphoniker. Sie müssen inzwischen nicht mehr befürchten, mit dem Wuppertaler Orchester vereint zu werden - inzwischen geht es um ihre nackte Existenz. Weil Wuppertal eine Fusion ablehnt und Remscheid sich nicht alles leisten kann, was wünschenswert wäre. Anwesend am Mittwoch: Generalmusikdirektor Peter Kuhn, Orchester-Geschäftsführer Stefan Schreiner und mehrere Orchestermitglieder. Diese verwiesen auf ihren bisherigen Sparbeitrag und die hohe musikalische Qualität des Orchesters (unbestritten!), Kuhn und Schreiner auf die Kulturausschusssitzung am 13. Dezember 2011, in der man weitere Sparmöglichkeiten aufgezeigt habe. Wieland Gühne hatte das allerdings anders in Erinnerung: Welche Vorschläge das denn konkret gewesen seien? Schreiner: Nicht alles könne man in der Öffentlichkeit erörtern. Zurückhaltend in dieser Frage auch der Dirigent: „Das Orchester ist enttäuscht. Die Botschaft, dass wir abgeschafft werden sollen, kam ohne Vorwarnung. Mit uns hat es keine Vorgespräche gegeben!“ Ohne sich in der Orchesterfrage festzulegen, betonte Gühne: „Wenn man auf bestimmte Sparmaßnahmen verzichtet, muss man das Geld an anderer Stelle streichen!“
Die Remscheider Orchesterfreunde blieben auch im jüngsten Presseclub hundertprozentige Befürworter der Bergischen Symphoniker. Und sie blieben auch sonst ihren Ansichten treu. Auf einer Pressekonferenz am 8. April 2011, als noch eine Orchesterfusion zur Debatte stand, hatte Kassenwart Helmut Epe von städtischen Mitarbeitern gesprochen, die „nichts zu tun“ hätten; da könne sehr viel gespart werden. Beim Presseclub in der Denkerschmette am 9. September 2011 legte Epe mit einem Vergleich nach: „Das Grünflächenamt kostet die Stadt etwa genau so viel wie die Bergischen Symphoniker.“ Und vergangenen Mittwoch behauptete Dr. Walter Spelsberg, langjähriges Vorstandsmitglied der Orchesterfreunde, in der Remscheider Stadtverwaltung gäbe es „500 Leute zuviel“. Diesem „Moloch Verwaltung“ wolle man die Bergischen Symphoniker opfern. Wieland Gühne griff das auf. Auch er meint, die Verwaltung habe intern noch nicht alle Sparpotenziale ausgeschöpft. Gerd Spahn: „Ohne Druck von unten wird sich in der Verwaltung gar nichts ändern!“ Dabei habe Stadtkämmerin Bärbel Schütte einst so forsch und unkonventionell begonnen mit ihrer Feststellung, die Verwaltung habe 600 Stellen zu viel, meinte daraufhin Gühne. Und Helmut F. Ruppert vom Verkehrs-Clubs (VCD) Bergisches Land wollte wissen, ob es „saubere, nachvollziehbare Stellenbeschreibungen in der Verwaltung“ gäbe. Am folgenden Rätselraten beteiligte sich David Schichel nicht. Die Verwaltung erfülle größtenteils nur noch Pflichtaufgaben, meinte er. „Da ist nicht mehr viel Sparpotenzial drin!“ Und zu den 600 Stellen von Schütte: „Niemand hat sie gehindert, diese Stellen konkret zu benennen. Sie hat es nicht getan, wohl weil sie erkannt hat, dass man in der Verwaltung nicht jede dritte Stelle streichen kann ohne aufzuzeigen, wie die Verwaltung künftig aussehen soll!“
Die Finanzmisere der Stadt Remscheid sei hausgemacht, meinen die Orchesterfreunde. „Mit der Gewerbesteuer der Unternehmen, die Remscheid in den vergangenen Jahren verlassen haben, bräuchte die Stadt heute gar kein Sparpaket“, sagte am Mittwoch Harald Lux, der Vorsitzende der Orchesterfreunde. Der Arbeitsplatzrückgang habe den Bevölkerungsrückgang verursacht. Und den Arbeitsplatzrückgang die fehlenden Gewerbegebiete. Helmut Epe hatte dazu im April vorigen Jahres erklärt: „Die Wirtschaftsförderung in Remscheid muss mit jährlich 1,1 Millionen Euro auskommen. Klar dass, dass da Firmen ins Umland abwandern!“
Moderator Reinhard Ulbrich griff das auf, was Henner Blecher, der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung in Remscheid, beim 88. Presseclub am 2. Februar 2011 gefordert hatte: „Wir brauchen einen Masterplan!’“ - Masterplan? Da war doch noch was? Richtig, schon im Dezember 2010 war im Rat der Stadt Remscheid von einem Masterplan die Rede - allerdings in kritischer Distanz. In der Haushaltsrede von Stadtkämmerin Bärbel Schütte, damals wegen ihrer Erkrankung vorgetragen von Oberbürgermeisterin Wilding. Zitat: „In einer Behörde der Größenordnung Remscheids mit knapp 100 verschiedenen Produkten lässt sich kein ‚Masterplan’ aus der Tasche zaubern, der wie eine Zauberformel alle Personalfragen beantworten kann.“
Die Waterbölles-Glosse

„Schattenspendender Buche droht bald die Motorsäge“, titelte der Waterbölles am 9. November 2009. Und tatsächlich: Kurz darauf wurde die Säge angeworfen und der Baum gefällt. Weil sonst ein Teil seiner schweren Äste beim nächsten Sturm auf den Neubau hätte stürzen können, den die Bäckerei Beckmann an der Kreuzbergstraße gleich neben dem Rathaus – und zwei Meter von dem Buchenstamm entfernt – hatte errichten lassen.
Das neue Café floriert. Die Geschäftslage (Bushaltestelle vor der Türe) scheint „erste Sahne“ zu sein. Das blieb auch Marcus Weber von der Fleischerei Nolzen nicht verborgen. Wo ein Bäcker gute Geschäfte macht, sollte das einem Metzer auch gelingen…. Und so müssen sich jetzt die Mitglieder der Bezirksvertretung Lüttringhausen, ob sie wollen oder nicht, mit der Frage beschäftigen, ob es vertretbar sein könnte, die geltende Denkmalbereichssatzung dahingehend zu ändern, dass aus dem kleinen Park neben der Bäckerei Beckmann Bauland wird. Denn Marcus Weber würde dort gerne einen zweistöckigen Neubau errichten, im Souterrain, auf Parkebene, die 600 Quadratmeter großen Produktionsräume („Wurstküche“), und darüber die Verkaufsräume. Doch die Begeisterung der BV-Mitglieder hielt sich in engen Grenzen, als sie davon am vergangenen Mittwoch erfuhren. Die meisten hielten sich eher bedeckt. Nicht so Stephan Jasper von den Grünen. Er sah „erhebliche Probleme“, so zitiert vom RGA am Samstag. Die teilte er übrigens mit Renate Falkenberg von der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt. Motto: Park ist Park, und der wartet nicht gerade darauf, von einer Metzgerei überbaut zu werden.
Womit ich die „Eigeninitiative“ von Herrn Weber nicht gleich verteufeln will. Der Versuch ist bekanntlich nicht strafbar. Also empfehle ich den Kommunalpolitikern nach gebührender Denkpause ein klares „Herzlichen Dank, haben drüber nachgedacht, Nein und tschüs!“ Denn: Gemeinwohl geht vor Eigennutz! Auch in der Lüttringhauser Innenstadt. Im Allgemeinen (Baurecht) und Besonderen (städtisches Grün). Auch wenn, womöglich „200 Meter über Leben und Tod entscheiden", wenn es um den Standort eines Geschäftes geht. Auch das ein Zitat von Marcus Weber aus dem RGA. Aber das war gewiss scherzhaft gemeint, gell? Habe jedenfalls herzlich darüber gelacht.
Nicht nur für Hartz IV-Empfänger sind die Zeiten hart, sondern auch für den Verein an der Kronprinzenstraße, der ihnen preisgünstige Lebensmittel bietet: Die „Remscheider Tafel“. Das vergangene Geschäftsjahr schloss der Verein unter dem Vorsitz von Jürgen Urbinger (Foto rechts) mit einem Verlust von rund 30.000 Euro ab (weil sich die Erstattungen der Stadt Remscheid um 27 auf 20 Prozent verringt hatten). Und wenn sich keine zusätzlichen Sponsoren finden, sind die Rücklagen in drei Jahren aufgebraucht. Trübe Aussichten! Nicht allein deshalb. Denn der Verein hat zusätzlich auch das Problem, die durch den Rücktritt von Urbinger vakante Stelle des 1. Vorstanden neu besetzen zu müssen. Gar nicht so einfach offenbar. In der von Werner Fußwinkel (Caritas) geleiteten Jahreshauptversammlung am vergangenen Mittwoch gelang das jedenfalls nicht. Dabei hatte sich der geschäftsführende Vorstand schon vor zwei Monaten um einen neuen Mann an der Vereinsspitze bemühen können, weil Urbinger seinen Rücktritt angekündigt hatte – aus beruflichen wie aus gesundheitlichen Gründen. Nun hoffen die Vereinsmitglieder darauf, dass sich bis zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Herbst ein Nachfolger findet. Vielleicht gelingt das ja durch eine Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit. Damit war der Verein in der Vergangenheit gelegentlich allzu zurückhaltend.
Jens Nettekoven ist der Landtagskandidat der CDU für Remscheid. Der Kreisvorsitzende seiner Partei, im Schmitz, Jens Nettekoven und Henner Blecher. Foto: Lothar KaiserHauptberuf Bundeswehrsoldat, erhielt heute Abend auf der Kreismitgliederversammlung im Schützenhaus 69 Stimmen, seine Gegenkandidatin Alexa Schmitz, die Vorsitzende der örtlichen Frauen-Union, 32. Von den 103 abgegebenen Stimmen war eine ungültig, ein Mitglied enthielt sich der Stimme. "Und dann wollen wir jetzt alle dafür sorgen, dass Jens Nettkoven auch gewählt wird", sagte Sitzungsleiter Jürgen Müller anschließend. Zuvor hatte er mit Erfolg appelliert, "ohne bösen Blut" in die geheime Wahl (drei Wahlurnen) zu gehen, und "nach dem friedlichen Wettbewerb" den-/diejenige(n) zu unterstützen, der/die auf sich die meisten Stimmen habe vereinigen können. "Denn nur so kann es gelingen, diesen Wahlkreis für die CDU auch zu holen!"
Der stellvertretende Kreisvorsitzende Henner Blecher hatte die Parteimitglieder um 18 Uhr begrüßt und die Leitung der Wahlversammlung an Jürgen Müller abgegeben, sobald die Anwesenden diesen als Versammlungsleiter bestätigt hatte. Müller warnte die Mitglieder davon, ihren Stimmzettel außerhalb der drei aufgestellten Wahlkabinen auszufüllen, da sonst die Wahl insgesamt angefochten werden könne.
Die beiden Kandidaten waren noch nicht zu Wort gekommen, da fragte bereits Johannes Krämer, ob eine weibliche Kandidatin – durch die Frauenquote und über die Landesliste – nicht größere Chancen auf ein Landtagsmandat habe als ein männlicher. Jürgen Müller musste ihn enttäuschen: Es gäbe bei der Zusammenstellung der CDU-Landesliste gar keine Frauenquote. Roswitha Müller-Piepenkötter ergänzte, wohl aber gebe die Empfehlung, dass an der Spitze der Liste jeder 4. Platz nach Möglichkeit mit einer Frau besetzt werden solle. Die Liste aber, so ihr Ehemann, habe in den zurückliegenden Wahlen so gut wie nie gezogen: „Wir müssen diesen Wahlkreis schon direkt holen, dann unser Mann / oder unsere Frau in den Landtag kommt!“ Nachfolgend die Wahlreden von Alexa Schmitz und Jens Nettekoven:
„SSV Bergisch Born: Im Aufwind und mit ehrgeizigem Plan“, titelte der Waterbölles am 12. September 2011 zur Feier des 80jährigen Vereinsbestehens (Foto rechts). Inzwischen ist die Zahl der Mitglieder um 60 auf 580 gestiegen: 300 Mitglieder zählt die Fußballabteilung, 130 Mitglieder spielen Tennis, und 150 betreiben Breitensport. Und dem ehrgeizigen Plan, dem Umbau vereinseigenen Sportplatzes vom Aschen- zum Kunstrasenplatz mit vierbahniger Kunststoff-Sprintlaufbahn, neuer Weitsprunganlage, neuen Ballfangzäunen aus Stahldraht, einer Beregnungsanlage für den Platz (Kunstrasen kann sich sonst im Sommer auf bis zu 60 Grad erhitzen) und einer modernisierten Trainingsbeleuchtung, ist der Vereinsvorstand seitdem einen guten Schritt näher gekommen. Nicht ausgeschlossen, dass schon im nächsten Jahr mit dem Umbau begonnen werden kann, für den der Vereinsvorstand schon vor einigen Jahren das Motto „Mitten im Grünen: Born“ ausgegeben hat. Er möchte aus der Sportanlage (Fußballplatz und Tennisanlage) an der Bornbacher Straße gleich neben der neuen Fahrradtrasse („Balkan-Trasse?) eine „Begegnungsstätte für jedermann“ machen, wie Bernd Brüggehoff und Carlos Dantas, der Chef der Fußballabteilung, vergangene Woche den Mitgliedern des Schul und Sportausschusses erläuterten.
Mit dabei: Landschaftsarchitekt Illgas vom Büro für Sportstätten und Grünplanungen aus Straelen am Niederrhein, das den Umbau plant. Der Kompagnon von Illgas, Alfred Ulenberg, besitzt noch die Pläne der ersten, inzwischen 33 Jahre alten Umbaumaßnahmen auf dem Sportplatz, die er damals verantwortet hatte. Und deshalb konnte sich Illgas vergangenen Donnerstag auch sicher sein: Der Umbau zum Kunstrasenplatz wird kostengünstiger als üblich. Weil die alte Entwässerung nicht erneuert werden muss. Dennoch: Für einen Pappenstiel ist ein Kunstrasen nicht zu bekommen. Bernd Fiedler, der Leiter des städtischen Sportamtes, nannte in der Sitzung Zahlen: 550.000 bis 600.000 Euro werde der Ausbau des Platzes wohl kosten. Einen Teil davon übernimmt der Verein in barer Münze, einen anderen in Form von Eigenleistungen (Abtragen der alten Deckschicht des Platzes etc.).
Doch ohne städtische Zuschüsse wäre ein Baubeginn in 2013 nicht möglich. „Der Schul- und Sportausschuss wird den ambitionierten Plan nach Kräften positiv begleiten“, sagte Hans Peter Meinecke (SPD) in der Sitzung. Und mit Geld. Damit der Plan „in einigen Jahren verwirklicht werden kann“. Geld, das aus der so genannten Sportpauschale (des Landes) kommen wird. Derzeit verbirgt sich dahinter ein Jahresbetrag von 760.000 Euro. Für das nächste Jahr hofft die Stadt auf 300.000 Euro mehr. Mit wie viel Geld aus diesem Topf der Rat das Stadt das Projekt „Mitten im Grünen: Born“ des SSV Bergisch-Born befördern wird, muss sich allerdings erst noch zeigen.

Der am Theater gestartete Sternmarsch der Gegendemonstranten auf der Freiheitstraße am Amtsgericht. Ein Klick auf das Foto, und Sie sehen es in voller Größe.
Die … angemeldeten Demonstrationen und Kundgebungen verliefen störungsfrei und friedlich. An der Demonstration von Pro NRW nahmen etwa 120 Personen teil. Dem stellte sich das breite bürgerliche Bündnis "Remscheid Tolerant" mit ca. 2.000 Teilnehmern entgegen. Noch mehrere Stunden wird die Stadt Remscheid das Fest der Nationen feiern.“ – Beinahe dürftig fiel die Pressemitteilung aus, die die Polizei Wuppertal gestern um 13:57 Uhr im Internet veröffentlichte. Die Überschrift dazu hätte „Viel Lärm um nichts“ lauten können – aus der Sicht der Polizei, versteht sich. Denn fünf, sechs Anhängern von Pro NRW, die an der Bismarckstraße am Morgen auf auswärtige Gesinnungsgenossen warteten, stand ein Großaufgebot an (Bereitschafts-)Polizei gegenüber. Es wimmelte geradezu in der gesamten Innenstadt an grünen und blauen Mannschafts- und Streifenwagen, die Kradfahrer nicht zu vergessen. Insgesamt sollen mehrere hundert Uniformierte im Einsatz gewesen sein.
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Zu den Fotos: Das Publikum vor der Tribüne an der Weststraße (oben links);, der ev. Superintendent Hartmut Demski, Himmet Ertürk (Projektbeauftragtem der DITIB), Moderator Horst Kläuser und Dechant Thomas Kaster im Gespräch (oben rechts); die Stände der Remscheider Parteien vor dem Böker-Bau an der Westraße in seltener Einmütigkeit dicht beieinander (unten links); viele Fahnen und Transparente beim Sternmarsch auf der Alleestraße Richtung Amtsgericht /unten rechts).
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Als die erwarteten auswärtigen Demonstranten (darunter rechtsradikale Belgier, wie es hieß) zwei Omnibussen entstiegen waren und ihre Transparente entrollt hatten, war die kleine Truppe schnell durchgezählt, als sie unter dem „Südsteg“ am Hauptbahnhof Richtung Weststraße marschierte. Es waren insgesamt nicht 120 Demonstranten, wie von der Polizei geschätzt, sondern gerade mal 95. Zum Vergleich: An den beiden Sternmärschen des Bündnisses „Remscheid tolerant“ nahmen rund 700 Bürgerinnen und Bürger teil. Und beim späteren „Fest der Nationen“ schätzten die Veranstalter später die Zahl der Besucher von 2.500 bis 3.000. Für die Parolen, die Pro NRW per Lautsprecherwagen verbreitete, interessierten sie sich nicht. Wohl aber für die Musikgruppen auf der Bühne Ecke West- und Stachelhauser Straße, wo Horst Kläuser zwischendurch immer mal wieder Prominente interviewte, darunter Sandra Minnert. Die ehemalige Nationalspielerin der Deutschen Frauen Fußball Nationalmannschaft und Weltfußballlerin des Jahres 2005 ist Schirmherrin der Respekt-Initiative (www.respekt.tv). Die Initiative setzt sich über den Sportbereich hinaus für gegenseitigen Respekt und gegen Rassismus ein (kleines Foto unten).
Von Himmet Ertürk als Projektbeauftragtem der Türkisch-Islamischen Union (DITIB) ließ sich Kläuser erläutern, wie die Moschee aussehen soll, die auf dem Grundstück Stachelhauser Straße 41 entstehen soll (der Bauantrag liegt inzwischen im Rathaus vor). Und der evangelische Superintendent Hartmut Demski und der katholische Stadtdechant Thomas Kaster nutzten die Gelegenheit gerne, um noch einmal – und in aller Deutlichkeit – zu betonen, dass sie den Bau des muslimischen Gebetshauses sehr begrüßen.
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Zum unteren Fotoblock: Quirliges Leben auf der Weststraße (Foto oben) und Schmährufe gegen die Demonstranten von Pro NRW (Foto unten). Dazwischen die kleinen Fotos: Hammel am Spieß, Polizeifahrzeuge am Hauptbahnhof, Sandra Minnert im Interview und Polizeireiter in Wartestellung auf dem Baufeld 6 zwischen Weststraße und Bahnhof. |
Am 22. Oktober hatte die Nachricht im Waterbölles gestanden: Die DITIB plant ein „Gebets- und Begegnungszentrum für drei Millionen Euro“. Es dauerte nicht lange, da begann Pro NRW damit, im Internet gegen das Projekt zu hetzen. Auf 100 Straßenplakaten polemisierte die Gruppe Rechtsgerichteter gegen den Moschau-Bau und kündigte „weitere aufsehenerregende Aktionen in Remscheid“ an. (Heiße Luft, wie man seit gestern weiß. Und das ist gut so.)
Remscheids Antwort auf die Drohgebärden der Rechten war am 24. Januar die Gründung des Aktionsbündnisses „Remscheid Tolerant“. Aktionsbündnis macht mobil gegen ‚auswärtige Aktivisten’“, titelte der Waterbölles am 31. Januar. Kommunalpolitiker, Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchen, der Wohlfahrtsverbände, der Gewerkschaften, von Migrantenorganisationen und zahlreicher Vereinen sowie Einzelpersonen hatten die Gründungserklärung für das Bündnis erarbeitet, das Anhängern der rechten Gruppierung ProNRW bedeuten soll: Ihr seid in Remscheid nicht erwünscht! Am 7. Februar präsentierten sich die Akteure des neuen Bündnisses gegen Rechts im Großen Sitzungssaal der Rathauses der Presse. Dabei betonte Oberbürgermeisterin Beate Wilding, wer nach Remscheid kommen wolle, um das gute Miteinander der verschiedenen Kulturen zu unterminieren, dem solle bunt, fröhlich und friedlich, aber auch entschieden klar gemacht werden, er könne am besten gleich wieder kehrtmachen. Diese Stadt stehe seit Jahrhunderten für Weltoffenheit und Toleranz - „und das lassen wir uns nicht von außen kaputt machen!“ Die Botschaft: „Remscheid zeigt Rechtsextremen die kalte Schulter“.
Kalte Schulter? Schon während der beiden Sternmärsche zur Weststraße (vom Teo Otto Theater aus über Hoch-, Allee- und Freiheitstraße und - nach dem Gottesdienst, in dem gelbe Bänder mit der Aufschrift „Suchet der Stadt Bestes“ verteilt wurden - von der ev. Stadtkirche am Markt aus über die Stachelhauser Straße) waren Rufe „Nazis raus“ und Trillerpfeifen zu hören. Und emotionslos blieb es erst recht nicht, als sich dann gegen 11.30 Uhr auf der Weststraße die Demonstranten von „Pro NRW“, die von der Unterführung aus über die Presov-Straße marschiert waren, und die Gegendemonstranten der drei Bündnisse gegenüberstanden, dicht vor dem Absperrgittern der Bereitschaftspolizei junge Türken, die die Pro NRW-Anhänger zuvor bereits am Hauptbahnhof hatten in Empfang nehmen wollen. Doch diese unangemeldete Gegendemonstration hatte sich nach ruhigem Zureden durch die Polizei schon nach kurzer Zeit wieder aufgelöst.

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