Die Waterbölles-Glosse

Es geht doch nichts über eine objektive Berichterstattung in den überparteilichen, unabhängigen Printmedien. Die Anzeigenblätter jetzt mal ausgeklammert, haben wir davon in Remscheid noch zwei. Den Remscheider General-Anzeiger und die Bergische Morgenpost (Rheinische Post). Sie sorgten dafür, dass sich die Leser/innen im Vorfeld der jüngsten Landtagswahl ein klares politisches Bild machen konnten – hin und wieder auch nach dem Motto „Ein bisschen Publikumsbeeinflussung hat noch nie geschadet“. Christian Lindner und seine Freien Demokraten werden es den Verlegern gewiss zu danken wissen.
Und was auf Bundes- und Landesebene funktioniert, verfehlt sein Ziel womöglich auch nicht auf lokaler Ebene. Beispiel „Bergische Symphoniker“. Nachdem am Mittwoch, 26. April, Generalmusikdirektor Peter Kuhn das Konzert der Bergischen Symphoniker im Teo Otto Theater abrupt unterbrochen und in die lautlose Stille den Satz gesprochen hatte, „So hört es sich an, wenn es kein Orchester mehr gibt“, war das Thema tags darauf natürlich in allen Medien. „Das Haus war ausverkauft“, waren sich Ulrich Mutz (Bergische Morgenpost ) und Thomas Wintgen (RGA) in ihren Berichten einig. (Mutz ist bei der BM Freier Mitarbeiter - und dem Orchester eng verbunden; von ihm stammen die Einführungsvorträge im Vorfeld der Konzerte.)
War bei beiden objektiven Berichterstattern der Wunsch der Vater des Gedankens? Konzert vor ausverkauftem Haus?? Der Waterbölles fragte damals nach und erfuhr: Von den 616 Zuschauer/innen hatten 83 so genannte Kollegenkarten zum Preis von fünf Euro, 41 Karten waren von den Orchesterfreunden gesponsert (für Schüler/innen) und 15 Besucher/innen hatten Freikarten. Seltsam: Auch nachdem der Waterbölles die Fakten nachgeliefert hatte, hielt sich in den Printmedien das „ausverkauft“ hartnäckig. "Voll besetzt" wäre richtiger gewesen.
Gestern nun war im RGA ein Bericht über die Premiere der Operette "Orpheus in der Unterwelt" zu lesen – „im gut besuchten Teo Otto Theater“, wie es im Text hieß. Gut besucht? Bekanntlich ist Vertrauen gut, Kontrolle aber besser. Also fragte der Waterbölles wiederum bei der Stadtverwaltung nach und erfuhr: Von den 587 Plätzen im Theatersaal waren am Samstag, 19. Mai, 174 besetzt (29,6 Prozent), davon 169 tatsächlich verkauft (28,8 Prozent). Am Sonntag, 20. Mai, waren 192 besetzt (32,7 Prozent) und 190 tatsächlich verkauft (32,4 Prozent). Nicht besetzt waren somit am Samstag 413 Plätze (70,4 Prozent) und am Sonntag 395 (67,2 Prozent). Gut besucht? Die Fakten sehen anders aus.
Das Thema „Bergische Symphoniker“ wird den Medien und ihren Konsumenten noch einige Zeit erhalten bleiben. So darf man gespannt sein, was die Bergische Morgenpost am kommenden Donnerstag zu berichten haben wird. Denn am Mittwoch, 23. Mai, macht ihre „Mobile Redaktion“ in Remscheid Station. Und wo ist sie dann ab 18.30 Uhr zu finden? Dreimal dürfen Sie raten. Vor dem Teo Otto Theater natürlich, in dem die Bergischen Symphoniker dann ab 20 Uhr ein Philharmonisches Konzert geben werden. Generalmusikdirektor Peter Kuhn hat der BM-Redaktion sein Kommen schon zugesagt...
Im Mai 2002 kündigte Romely Pfund, damals Chefdirigentin der Bergischen Symphoniker, für die neue Spielzeit „Grenzgänge“ an: Um ein breiteres Publikum zu erreichen, plane das Orchester der beiden bergischen Großstädte Solingen und Remscheid unter dem Motto „Grenzgänge“ Konzerte, in denen Klassik zum Beispiel auf Jazz treffen werde. Wegen Renovierungsarbeiten am 50 Jahre alten Teo Otto Theater falle die neue Saison dort um drei Monate kürzer aus, teilte im gleichen Monat Theaterdirektorin Helga Müller‑Serre mit. Der Schwerpunkt liege dann auf modernem Tanztheater und zeitgenössischen Schauspiel-Inszenierungen.
So alt ist „Alt-Remscheid“ noch gar nicht. Es ist gerade mal zehn Jahre her, dass der Rat der Stadt beschloss, die Remscheider Innenstadt, den Ortsteil Hasten und die westlichen Stadtteile so zu nennen. Mit diesem neuen Bezirk könnten sich auch die in Kremenholl wohnenden Bürger besser identifizieren, hieß es damals.
Im Mai 2002 legte die Stadtverwaltung der Politik ein Gutachten vor, wonach in den nächsten zehn Jahren rund 50 Hektar neue Gewerbeflächen benötigt würden - weit weniger, als bisher veranschlagt. Als Grund wurde genannt, dass Dienstleister (im Aufschwung) weniger Platz benötigten als Produktionsbetriebe (in Stagnation). Das Dienstleistungsgewerbe floriert in Remscheid weit mehr als das produzierende Gewerbe, hatte das Dortmunder Büro "Planquadrat" herausgefunden. Damit erhielt das Gewerbegebiet "Blume" in Lüttringhausen unerwartet ein großes Fragezeichen. Das fanden die Grünen gut und die CDU schlecht. Und die SPD plädierte für eine gemeinsame Gewerbeflächen-Politik mit den Nachbarstädten, vor allem mit Wuppertal.
Ihr zehnjähriges Bestehen feierte vor zehn Jahren die Verbraucherberatungsstelle in Remscheid. Seit 1992 hatten die Remscheider Verbraucherschützer nach eigenen Angaben rund 81.000 Bürger beraten.
Vor zehn Jahren begann an der Burger Straße der Bau eines vierstöckigen „mobilen Krankenhauses“. Es werde als Übergangsstation während des eigentlichen Krankenhausneubaus dienen, kündigte die Sana GmbH damals an. Das mobile Krankenhaus werde bis zum Jahr 2005 die internistischen und chirurgischen Abteilungen sowie die Ambulanz aufnehmen. Baukosten: rund fünf Millionen Euro.
Auf den Briefumschlägen der Stadtverwaltung prangte im Mai 2002 Werbung der Imbisskette "McDonalds". 340.000 Briefumschläge hatte das amerikanische Unternehmen gesponsert; das war damals der gesamte Jahresbedarf der Remscheider Stadtverwaltung. Und mehr als das: Ob Bußgeldbescheid oder Baugenehmigung ‑ den Coupon für einen verbilligten BigMac gab es noch dazu. Dadurch reduzierten sich nach Angaben der Stadtverwaltung die Portokosten um 5.000 Euro.
Ein Wort in eigener Sache

Mit dem Waterbölles ist die "Lothar und Ulrike Kaiser-Stiftung" verbunden (siehe „Stiftungsverzeichnis des Landes NRW"). Zusätzlich zu den Erträgen der Stiftung kommen auch die Einkünfte aus Werbung im Waterbölles in voller Höhe gemeinnützigen Zwecken zugute: Ein Werbebanner, das 52 Wochen lang (jede Woche einmal neu) erscheint - bei freier Wahl des Wochentages -, kostet 300 Euro, ein einmaliges Werbebanner zwölf Euro. Die Idee in anderen Worten: Wer ohnehin vor hat, einer gemeinnützigen Einrichtung in Remscheid 300 Euro zu spenden, tut dies über die Stiftung des Waterbölles und bekommt dafür 52 Werbebanner „geschenkt“.
In der linken Spalte finden Sie unter dem blauen Balken "Text-Archiv" den Link "Veranstaltungshinweise". Er führt zu allen aktuellen Terminankündigungen im Waterbölles. (Vereine und Verbände können ihre Veranstaltungshinweise selbst in den Waterbölles einstellen, sobald sie die beantragten Zugangsdaten erhalten haben.)
Waterbölles-Kommentar

Im Waterbölles stand schon einige Male zu lesen: „Bitte mehr Zivilcourage! Davon lebt eine Demokratie. Duckmäusertum hatten wir in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mehr als genug.“ Dass ich diese Bitte jetzt ausgerechnet im Zusammenhang mit Berichten und Kommentaren zur Zukunft der Bergischen Symphoniker wiederholen musste, hätte ich nicht gedacht. Seltsam auch, dass sich an der Diskussion häufiger als sonst Personen mit schnell einzurichtenden E-Mail-Adressen ohne Anbindung an eine Homepage beteiligen, deren Namen im Remscheider Telefonbuch nicht zu finden sind. Im Übrigen: Auch und gerade Freunde der Kultur sollten in der Argumentation und Debatte um die Zukunft der Bergischen Symphoniker ein gewisses Niveau nicht unterschreiten. Vorwürfe gegenüber einzelnen Personen führen zu nichts.
Wer in Remscheid an Kultur im Allgemeinen und den Bergischen Symphonikern im Besonderen interessiert ist, erwartet von den Ratsfraktionen ein klares Wort. In den vergangenen Tagen war einige Male von einem Gegenvorschlag des Orchesters die Rede. Von einem schriftlichen Vorschlag ist nichts bekannt. Die Öffentlichkeit ist weiterhin auf Vermutungen und Spekulationen angewiesen. Gibt es einen Orchestervorschlag, über den in den Fraktionen schon jetzt beraten wird? Oder erst nach der Landtagswahl? Mir erscheint das Thema für eine interne Klientel-, um nicht zu sagen Klüngel-Politik zu wichtig zu sein. Hier ist Transparenz weit mehr gefragt als bei vielen anderen, weniger bedeutenden Maßnahmen des jüngsten Sparpakets der Verwaltung. Hier müssen – losgelöst von Emotionen und Befindlichkeiten - Zahlen und Fakten sprechen. Es wäre schön, wenn sich die Remscheider Ratsfraktionen daran ebenso beteiligen würden wie die Remscheider Orchesterfreunde, Generalmusikdirektor Peter Kuhn, Geschäftsführer Stefan Schreiner sowie Vorstand und Betriebsrat der Bergischen Symphoniker - in aller gebotenen Sachlichkeit und Offenheit und ohne bedeutungsschwangere Worthülsen. Statt dessen Schweigen im Walde!
Die in den Printmedien und auch im Waterbölles teilweise allzu emotional geführte Debatte ist nicht hilfreich. Will das Orchester erst genommen werden, muss es sich daran ebenfalls halten – und den Parteien und der Verwaltung endlich einen konkreten Lösungsvorschlag machen. Gestern Abend, als in der Denkerschmette Orchestermusiker im Stile eines Salonorchesters gekonnt musizierten und zwischendurch vor und mit einem guten Dutzend interessierter Bürger/innen (mehr leider nicht; die Lobbyisten, Kommunalpolitiker und Pressevertreter nicht mitgezählt) lebhaft über das in ihren Fall juristisch abgesicherte Sparpaket der Verwaltung und ihre bedrohte Zukunft diskutierten, blieben alle Verfechter des Orchesters – wieder einmal – nebulös, unkonkret, moralinsauer und lamoyant. Das aber bringt die Bergischen Symphoniker keinen Schritt weiter, das schadet ihnen nur. (Dem Kommentar zur gestrigen Veranstaltung wird im Laufe des Tages noch ein Bericht folgen)

Waterbölles-Kommentar

Am Sonntag darf gewählt werden. Und hoffentlich machen viele Remscheider von diesem Recht Gebrauch. Es war ein Wahlkampf, in dem sich jeder Wähler seine Meinung über die Parteien und ihre Kandidat/innen bilden konnte, so er denn wollte und sofern er nicht bereits eine feste Meinung über die Protagonisten und die Parteiprogramme hatte. Diesmal war es ein kurzer Wahlkampf, und vielleicht erschien er mir diesmal heftiger geführt worden zu sein als sonst. Ich bin jedenfalls nicht traurig darüber, dass er nun bald vorbei ist. Auch und gerade nach dem miterlebten „Presseclub“, zu dem Moderator Reinhard Ulbrich am vergangenen Mittwoch alle Remscheider Landtagskandidaten begrüßen konnte. Einzige Ausnahme: der Kandidat der „Piraten“. Aber weil den niemand kannte, hätte er auch inkognito im Saal sitzen können …
Es war ein in mancherlei Hinsicht ungewöhnlicher Presseclub. So viele Kommunalpolitiker wie diesmal hatten sich in der Denkerschmette schon lange nicht mehr eingefunden. Das galt für das „Podium“ - den Tisch zwischen den beiden Toilettentüren, an dem Jens Nettekoven (CDU), Sven Wolf (SPD), Jutta Velte (Grüne) Michael Kleinbongartz (FDP) und Axel Behrend (Linke) ohne Berührungsängste Platz genommen hatten -, und das galt für das „Plenum“. Wobei sich die Gefolgsleute der jeweiligen Kandidaten nicht nur durch Beifall an den „richtigen Stellen“ hervortaten, sondern auch durch kritische Fragen an den einen oder anderen politischen Gegner. Überhaupt: Es war Stimmungsmache angesagt an diesem Abend. Reinhard Ulbrich hatte seine liebe Not, Zwischenrufer im Zaum zu halten. Die kennt man vom Presseclub sonst gar nicht.
Moderat im Ton, aber nicht ohne Schärfe waren die Aussagen der Kandidaten, die teilweise wie auswendig gelernt klangen. Am Ende eines Wahlkampfes, nach diversen Auftritten in kleineren und größeren Kreis kein Wunder! Da stritten sich Nettekoven und Wolf um die Frage, welche Partei in NRW wohl der größte Schuldenmacher sei. Kleinbongartz verzweifelte am „furchtbaren Wahlkampf der CDU und dem Unsinn“, den Norbert Röttgen da so von sich gegeben habe. Behrend entwarf des Bild eines ganz neuen Zwei-Parteien-Systems in Deutschland: „Hüben SPD, FDP, CDU und Grüne und drüben wir, die Linken!“ Letztere sah Behrend als die einzige wirklich soziale Partei von allen, versteht sich. Man hätte den Eindruck haben können, es gelte an diesem Abend unschlüssige Wähler gleich dutzendweise für sich zu gewinnen. Dabei waren das, wenn`s hoch kommt, vielleicht gerade mal drei.
Gut, dass beim Bemühen der Kandidaten, bis zum letzten Tag noch „Punkte zu machen“, ein wenig Selbstkritik nicht fehlte. So bezeichnete es Jens Nettekoven als „arrogant“, dass seine Partei in den letzten zwei Jahren ihrer Regierungszeit in NRW die Kommunen mit ihren Finanzsorgen alleine gelassen habe (dazu sagte Elke Rühl, die frühere CDU-Landtagsabgeordnete, übrigens nichts.) Und auch das Eingeständnis von Gemeinsamkeiten fehlte nicht. Das galt für das Designer Outlet Center (Ausnahme: Axel Behrend) ebenso wie für die Forderungen nach Ausbau der U3-Plätze in den Kitas, „Bildung für alle“ und „mehr Demokratie von unten“. Letzteres hätte dem Vertreter der „Piraten“ sicherlich gut ins Konzept gepasst – auch die Aussage von Jutta Velte „Die Hürden für Bürgerbegehren müssen niedriger werden!“
Michael Kleinbongartz hatte ein anderes Thema: Der Bevölkerungsrückgang. Immer weniger junge Menschen und immer mehr alte. Wobei auf die jüngeren immer größere Soziallasten zukämen. Sein Rezept dafür: Mehr Freiheit für den Einzelnen, mehr Eigenverantwortung. Da erlaubte ich mir dann auch mal eine Frage: Wie er es denn mit dem Mindestlohn halte und wie mit einer Vermögenssteuer. Zum Mindestlohn sagte der FDP-Kandidat ein klares Nein. Denn der sei „sozial schädlich“. Und die Vermögenssteuer? Auch ein Nein. Denn diese wäre „ohne große Wirkung“. Ein entschiedenes Ja dagegen zu einer Wiedereinführung von Studiengebühren. Denn die seien „nicht unsozial“. Da habe ich dann still und leise die Heimfahrt angetreten.
von Gustav Hermann Halbach
Der Greefe Kaal om Hasten woar kneddereg on knöttereg: alt lang flauden et bi emm metter Arbet. Märr bröckelscherswies kri'eg he Opdreeg eren. Van denn gruoteo Kuopmannshüsern op Eäkesen, Vi'ekesen, Feil on em Dorpe huote faß gar nix mi'eh. Maut der Döüwel wi'eten, wodranen dat log. Peädskaaren voll Segen kuone söß dohenn li'ewern. De Konden van denn en Argentinejen, Brasilejen, Mexeko, Nordammereka, Afreka, Indejen on China schi'enen gi'en Oleg mi'eh op ehrer Lüöten te hann on töckden deshalf wall mem Bestellen.
Demm Greefe Kaal sing Arbetslütt kroosden on longernden nu denn li'ewen langen Dag en derr Schmetten eröm on verdennden et Sault nit, wat för meddags on owes ennet Tonnengemüös on de gebroden Eäpel erennkom. „Donnerschlag!" flockden derr Greefe Kaal, „su kann dat op de lang Dur nit wiedergohn, do mott gätt geschi'ehn." „Du motts sälwer es op Ri'es trecken," ri'et emm sien Mi'estergesell, der Vuß Gustav. „Dat es'n Rot! Du mags reit hann," mengden derr Greefe Kaal. „Aewwer et Ri'esen well geli'et sinn - de Muul mottme do Schwaden können." „Jo," sait derr Vuß _Gustav, „dat stemmt. Am besten studierschde Dir dat vörrher en."
Das stand im Waterbölles schon einige Male: „Bitte mehr Zivilcourage! Davon lebt eine Demokratie. Duckmäusertum hatten wir in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mehr als genug.“ Dass ich diese Bitte jetzt ausgerechnet im Zusammenhang mit Berichten und Kommentaren zur Zukunft der Bergischen Symphoniker wiederholen müsste, hätte ich nicht gedacht. Seltsam auch, dass sich an der Diskussion häufiger als sonst Personen mit schnell einzurichtenden E-Mail-Adressen ohne Anbindung an eine Homepage beteiligen, deren Namen im Remscheider Telefonbuch nicht zu finden sind. Heute nun Zuschriften von „Lutz“ und „Evi“ auf den Eintrag zur Kartenverteilung beim jüngsten Konzert im Teo Otto Theater. Schüler? „Lutz“ fragt: „Warum diese süffisante Kritik vom Chronist?“ Ich frage zurück: Welche Kritik? „Evi“ fragt: „Was ist schlimm daran, dass die Orchesterfreunde Karten für die Schüler sponsern?“ Antwort: "Nichts“. Beide Zuschriften habe ich übrigens gelöscht. Siehe oben.

In voller Sonne präsentierte sich diese Woche vor dem Objektiv der neuen Kamera von Hans Georg Müller ein Marienkäfer: „Ich kann mich erinnern, dass früher dieser Käfer auch "Sonnenscheinchen" genannt wurde. Für mich steht die Begegnung für die Ankündigung von sonnigen Tagen.“ - „Frühling an der Karl Michel Straße“ betitelte Harald Neumann sein ebenfalls diese Woche entstandenes Foto vom Kremenholl. Wenn Sie auch Fotos von "Tier & Garten" anzubieten haben - der Waterbölles veröffentlicht sie gerne.
Waterbölles-Kommentar

Was ist da los im Rathaus? Redet Oberbürgermeisterin Beate Wilding (SPD) mit „ihrem“ SPD-Landtagsabgeordneten Sven Wolf nicht mehr? Der gab soeben eine Pressemitteilung heraus, in der er – auch im Namen der SPD-Ratsfraktion - den Vorschlag der Verwaltung ablehnt, in Remscheid eine Pferdesteuer einzuführen. Der Vorschlag habe ihn sehr überrascht. Darüber habe er mit den zuständigen Landesministerien nicht sprechen können, da er, so wörtlich „über diese Idee nicht vorab informiert war“.
Um im Bild zu bleiben. Da hat Beate Wilding die Pferde wohl unnötig scheu gemacht. Denn ohne SPD und die erklärten Pferdefreunde der CDU ist der Vorschlag im Rat der Stadt nicht durchsetzbar.
Hoffentlich geht das in diesem Stil nicht weiter. Erst die Kündigung des Orchester-Gesellschaftsvertrages mit der Stadt Solingen ankündigen und dann kleinlaut beigeben? In der heutigen Sitzung des Kulturausschusses steht die Kündigung auf der Tagesordnung. Doch mit einem Beschluss ist in der Sitzung, die um 17 Uhr beginnt, nicht zu rechnen. Denn erst eine Stunde später, um 18 Uhr, beginnt im Rathaus eine Sitzung des Ältestenrates (Fraktionsvorsitzende und Verwaltungsvorstand), zu der Wilding kurzfristig eingeladen hatte und in der die Parteien Antwort auf die Frage bekommen sollen, „ob bzw. aufgrund welcher Umstände bzw. welcher Vorgehensweise einer der beiden Gesellschafterinnen es unter den vorgenannten Bedingungen für die Orchestergesellschaft zu einer Auflösung kommen könnte“, Zitat aus der Vorlage für den Kulturausschuss. Und weiter: „Es versteht sich von selbst, dass über die Inhalte der Rechtsberatung nicht öffentlich berichtet werden kann, um die Rechtsposition der Stadt Remscheid zu wahren.“
Ja wie um alles in der Welt sollen denn die Politiker über das Schicksal der Bergischen Symphoniker in öffentlicher Sitzung entscheiden, wenn die rechtlichen Hintergründe (Erfolgaussichten einer Kündigung) geheim bleiben sollen? Entweder die Rechtslage erscheint eindeutig, dann kann man sie auch öffentlich vertreten. Oder sie ist sehr unsicher. Dann müsste die Öffentlichkeit ebenfalls wissen, ob sich die Politiker auf ein Vabanquespiel einlassen wollen oder nicht. Und überhaupt: Warum erfährt der Ältestenrat erst heute von dieser Rechtsauskunft. Wann wurde welche Kanzlei damit beauftragt? Vor zwei Jahren oder erst vorgestern? Ich fürchte, die Antwort auf die letzte Frage bereits zu kennen.
Waterbölles-Kommentar

Ich wünschte, heute wäre der 14. Mai. Dann wäre die Landtagswahl gelaufen und die Ratsfraktionen könnten sich voll und ganz den anstehenden Sparbeschlüssen widmen – hoffentlich ohne dabei den Wähler/innen nach dem Munde zu reden. Jetzt, im laufenden Landtagswahlkampf, steht jede Diskussion in Parteikreisen über die jüngsten Sparvorschläge der Stadtverwaltung im Verdacht der Wählerwerbung. Ein Verdacht, der nicht immer berechtigt sein muss, aber immer öfter, je näher der Wahltermin ansteht. Mit Verlaub, aber ich wusste bisher nicht, dass der Spitzenkandidat der CDU, Bundesumweltminister Norbert Röttgen, ein passionierter Reiter ist. In seinem Lebenslauf in Wikipedia steht davon jedenfalls nichts. Gleichwohl hat er sich für den morgigen Dienstag zum „Kandidatenbesuch“ auf dem Buscher Hof in Lüttringhausen angekündigt, um mit den Reitern über die Pferdesteuer zu diskutieren, die die Stadt Remscheid – um zusätzliche Einnahmen bemüht – gerne einführen möchte. Röttgen, der Pferdefreund. Nachtigall, ick hör Dir trappsen.
Aber eigentlich ist Stimmungsmache ja etwas völlig Normales. Leider. In Wahlkämpfen ebenso wie bei bevorstehenden Gebühren- und Steuererhöhungen, egal, ob auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene. Der Tenor ist fast immer der gleiche: „Gewiss, von nichts kommt nichts. Irgendwie muss das Finanzloch ja gestopft werden. Aber bitte nicht durch mich!“ Sagen Pferdebesitzer, die monatlich 62,50 Euro aufbringen sollen. Sagen auch Unternehmer und Hausbesitzer, wenn eine Erhöhung der Grundsteuer ansteht. Manchmal klingt das verdächtig nach „O heiliger St. Florian, verschon mein Haus, zünd andre an!“ Da beklagt sich die Mutter einer 13-Jährigen, die jeden freien Tag auf einem Pferdehof in Westhausen verbringt, jetzt werde die Finanzmisere auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Eine Klage „auf hohem Niveau“. Ich finde, dazu hätten die Familien mit geringem Einkommen weit mehr Grund, für die nach dem Haushaltssanierungsplan der Stadt Remscheid die Beitragsbefreiungsgrenze für OGS-Plätze wegfallen soll. Diese Mütter und Väter wagen nicht einmal davon zu träumen, ihren Kindern ein eigenes Pferd zu finanzieren. Wovon denn?
Dass sich Remscheid schon lange nicht mehr alles leisten kann, was wünschenswert wäre, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Gewiss, ein eigenes Orchester schmückt die Städte Remscheid und Solingen ungemein – wenn man einmal den hohen Subventionsbetrag außer Acht lässt, der sich für die finanzschwache Stadt zusätzlich aus der geringen Besucherzahl bei den Konzerten im Teo Otto Theater ergibt. Gleichwohl blieben die Remscheider Orchesterfreunde auch im jüngsten Presseclub hundertprozentige Befürworter der Bergischen Symphoniker. O heiliger St. Florian! Glauben die Orchesterfreunde wirklich ernsthaft, die Zahl der Konzertbesucher würde signifikant steigen, wenn es gelänge, auswärtige Firmen zur Ansiedlung in Remscheid zu bewegen? Einmal vorausgesetzt, das Gelände dafür stünde in absehbarer Zeit tatsächlich zur Verfügung!?
Dass die Bevölkerungszahl sinkt, ist kein lokales Phänomen. Es betrifft vielmehr sehr viele Großstädte. Remscheid werde bis zum Jahre 2025 pro Jahr um ca. 900 Personen abnehmen, teilte die Verwaltung den Parteien im Januar 2007 mit. Schon im Februar 2006 hatte der Waterbölles über eine Studie der Bertelsmann-Stiftung berichtet, wonach der Anteil der Remscheider über 60 – er lag im Jahre 2003 noch bei 26,2 Prozent - bis 2020 auf 31 Prozent ansteigen werde. Die Bertelsmann-Stiftung empfahl Remscheid damals das Profil einer „kleinen Großstadt mit familiärem Flair“. Erinnern wir uns: Oberbürgermeisterin Beate Wilding beschrieb vor einigen Jahren in ihrem „Programm für Remscheid“ – das sich inzwischen auf den Internetseiten der Remscheider SPD nicht mehr finden lässt –, die Stadt werde „die familienfreundlichste Stadt in Nordrhein-Westfalen, für Kinder und Jugendliche werden Betreuungsangebote zügig ausgebaut und Freizeitangebote verbessert, Älterwerden in Remscheid macht Spaß und hält fit“. Und Hans-Peter Meineke forderte in seiner Haushaltsrede 2005 „ein flächendeckendes Betreuungsangebot für alle Altersstufen in Krippen, Kindergärten, an unseren Grundschulen, und später auch an den weiterführenden Schulen und anderen Einrichtungen.“
Längst ist die Ernüchterung allgemein. Ohne dass allerdings die Bereitschaft der Bürger gestiegen wäre, einen eigenen Sparbeitrag zur Gesundung der Stadtfinanzen zu leisten. Doch Lamentieren hilft nicht: Ohne Moos nix los! Die Stadt Remscheid wird sich in den nächsten Jahren von manch Liebgewonnenem trennen müssen, damit sie den demografischen Wandel – im Rahmen des noch Möglichen – als lebens- und liebenswerte Kleinstadt übersteht. Mit dann weniger als 100.000 Einwohnern.
Aus der „Seestadt auf dem Berge“ hat es Remscheider schon immer hinaus in die Welt gezogen. Verständlich, bei dem hohen Exportanteil der heimischen Industrie. Viele sind zurückgekehrt, aber manche haben auch eine neue Heimat gefunden. In Australien, Neuseeland, Amerika oder Mallorca. Über die Internetseiten der Remscheider Medien können sie erfahren, was aktuell in ihrer alten Heimat im Gespräch ist. Etwa über den Waterbölles. Dort können Sie sich aber auch selbst ins Gespräch, sprich: in Erinnerung bringen. Durch einen eigenen Beitrag, gerne mit Foto. Es wäre schön, wenn Waterbölles-Leser/innen dieses Angebot ihren Freunden, Bekannten und/oder Verwandten im Ausland übermitteln würden. Texte/Fotos bitte an webmaster@waterboelles.de. Liebe Ex-Remscheider, erzählen Sie ihre Geschichte!!
„Arbeitsintensiv, aber auch erfolgreich“ lautete die Bilanz, die im April 2002 der damalige Oberbürgermeister Fred Schulz nach zweieinhalbjähriger Amtszeit zog. Besonders stolz sei er auf den Verkauf des Remscheider Klinikums an den Sana‑Konzern, sagte er damals auf einer Pressekonferenz. Dass Remscheid hochverschuldet ist, lastete Schulz Bund und Land an; die trügen die Schuld am Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen. Den Vorwurf der SPD‑Opposition, er regiere ohne die anderen Parteien hinter verschlossenen Türen, wies Schulz zurück. Es habe genügend Angebote zur Mitarbeit gegeben. (Waterbölles: Das Gleiche wirft heute die CDU der Gestaltungsmehrheit vor.)
Die W.i.R.-Fraktion zog im April 2002 das Bürgerbegehren gegen den geplanten Verwaltungsneubau am Friedrich-Ebert-Platz zurück. In einem gemeinsamen Antrag mit der CDU-Fraktion fordert sie, dass die GEWAG neue, günstigere Baupläne vorlegen solle. Den zurückgezogenen Bürgerantrag hatten seit Dezember 2001 8.700 Remscheider unterschrieben. Noch im gleichen Monat entschied sich der Rat der Stadt gegen die Stimmen von SPD und Grünen für die Anmietung des Ämterhauses. Die jährliche Mehrbelastung für den Haushalt dürfe aber nicht mehr als 200.000 Euro betragen. Die SPD forderte in der teils heftig geführten Debatte mehr Bürgerbeteiligung bei der Stadtplanung und ein strengeres Sparprogramm der Verwaltung.
Im April 2002 beantragte die SPD-Ratsfraktion für Remscheid einen Jugendrat. Jugendliche müssten mehr als bisher an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Nur wenn Jugendliche positive Erfahrungen mit Demokratie machten, würden sie sich auch weiterhin für deren Erhalt einsetzen.
Ein Remscheider Fischhändler zahlte vor zehn Jahren 1.000 Euro an das Blindenhilfswerk, weil in seinem Verkaufsstand auf dem Remscheider Wochenmarkt ein mit lebenden Nematodenwürmern befallenes Fischfilet verkauft worden war. Daraufhin stellte das Landgericht Wuppertal das Verfahren gegen den 49-Jährigen ein. Das Amtsgericht Remscheid hatte den Angeklagten noch zu einer Geldstrafe von 5.250 Euro verurteilt. Die Richter im Berufungsverfahren ließen jedoch Milde walten: Nematodenwürmer seien Parasiten, von denen die Fische schon im Meer befallen würden, der Befall sei also nicht auf mangelnde Hygiene zurückzuführen. Im Übrigen seien die Würmer für den Menschen ungefährlich, so ein Veterinärmediziner. Darüber hinaus hätte das Fischfilet schon vom Hersteller durchleuchtet werden müssen. Händler sind laut Fischhygieneverordnung nur beim Kauf ganzer Fische selbst dazu verpflichtet, die Tiere auf Nematodenwürmer zu untersuchen, so der Arzt auf Nachfrage.
Diese Wetterprogose spricht eher für Winter als für Frühling: Gestern vier Grad, heute sechs. Gleichwohl wünscht der Waterbölles allen Leserinnen und Lesern ein schönes Osterfest. Und - sollten Sie kleine Enkelkinder haben -, drücken Sie sich bitte nicht um den Osterspaziergang samt Eiersuche! An den Spaß, den das machte, werden Sie sich hoffentlich noch aus eigenen KIndertagen erinnern. Auf jeden Fall einen warmen Schal nicht vergessen! Und auch nicht den Fotoapparat (heißt ja heute "Digitalcamera"). Denn wer genau hinsieht, entdeckt schon so manche Frühlingsboten. Das Foto rechts entstand übrigens vergangenen Sonntag auf dem Hohenhagen.
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