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Februar 2007: Der Waterbölles blättert zurück

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Das war „Besucherrekord“: Rund 70 Bürger aus dem Gebiet Überfelder Straße/Auf dem Knapp nahmen vor zehn Jahren an der Sondersitzung der Bezirksvertretung Süd teil, um gegen den Plan der Stadtwerke zu protestieren (Stein des Anstoßes), die Buslinie 665 einzusparen und stattdessen für die Linie 664 die Straße 'Auf dem Knapp'' durch Ausbau eines Fußwegs zur Bussonderspur mit der Ueberfelder Straße zu verbinden. Die werde bei 80 bis 100 Omnibusse pro Tag „zur Staufalle“, befürchteten Anlieger damals. Heute längst kein Thema mehr!

Vor zehn Jahren meldeten sich Anwohner der Bismarckstraße zu Wort, die hatten Angst vor Spannern, die ihnen in die Fenster ihrer Schlafzimmer blicken könnten. Das hatte mit dem „Nordsteg“ zu tun, den der Bauausschuss im Februar 2007 in Auftrag gab. Wie hoch würde die Fußgängerbrücke werden. Hoch genug, um von ihr aus bequem in die Fenster neben liegenden Häuser blicken zu können? Auch für diesen „Aufreger“ galt: Alles wurde gut.

An Begriffe wie „Rasenrampe“, „Florentinische Treppe“ und „Bastion“ mussten sich die Remscheider vor zehn Jahren erst noch gewöhnen. Im Bauausschuss zeigten im Februar 2007 Landschaft- und andere Architekten auf, wie das Bahnhofsgelände mit „Kaufland“ und P&R-Parkhaus bis 2008 aussehen soll (Foto rechts).

Vor zehn Jahren präsentierte der Remscheider Seniorenbeirat de Auswertung der 2000 Fragebögen, die er Ende August 2006 an ältere Mitbürger/innen verteilt hatte, um ihre Wünsche für ein Leben und Wohnen im Alter zu erfahren. Remscheids Senioren seien aktiver, als es manchmal den Anschein habe, war damals das Fazit von Erika Schmitz. Als Verbesserungsvorschläge hinsichtlich Wohnsituation/Wohnumfeld hatten die Senioren am häufigsten fehlende Aufzüge, fehlende bzw. mangelhafte Einkaufsmöglichkeiten sowie unzureichende Busverbindungen genannt.

Gedruckt auf Papier und gebrannt auf CD präsentierte die Stadt Remscheid vor zehn Jahren ihren neuen „Migrationsatlas“. Demnach hatten von den 119.048 Einwohnerinnen und Einwohnern am 31.12.2005 ein Viertel (25,3 Prozent = 30.177) einen Migrationshintergrund. Davon waren 14,5 Prozent Ausländer, 9,2 Prozent Deutsche mit einem zweiten Pass und 1,6 Prozent Eingebürgerten. Die türkisch-stämmigen Einwohner stellten mit 8,6 Prozent der Bevölkerung die größte Migrantengruppe Gruppe.

Seit Frühjahr 2006 suchte die Stadt für ihre Altenheime einen „strategischen Partner“. Im Februar 2007 stellte sich den Mitgliedern des städtischen Betriebsausschusses ein erster Kandidat vorgestellt, die Bergische Diakonie Aprath. Für einen Verkauf der Altenheime hatte sich zuvor die Wählergemeinschaft W.I.R. stark gemacht. Und dazu kam es dann später auch.

Zwei Wochen nach dem Orkan „Kyrill“, im Februar 2007, hatte der Forstbetrieb des Wupperverbandes die Uferwege an den Talsperren des Verbandes weitgehend von umgestürzten Bäumen befreit. Ausnahme: An der Bever-Talsperre war der Wanderweg weiterhin nicht begehbar, weil die Holzfällbetriebe mit der Arbeit nicht nachkamen.

Ein Zug des „Müngsteners“ im, Februar 2007 nachts bei Sturm gegen einen auf die Gleise gestürzten Baum , entgleiste und fuhr in die Böschung.

Die Mitarbeiter des Archiv konnten damit beginnen, die Archivbestände im alten Domizil an der Honsberger Straße zu verpacken: Im Kulturausschuss teilte die Verwaltung im Februar 2007 mitgeteilt, dass der Mietvertrag über die ehemalige Aldi-Filiale an der Hastener Straße unterschriftsreif sei. Die vor dem Umzug des Stadtarchiv nötigen Umbauten (Einbruch- und Brandmeldeanlage, Raumluft- und EDV-Technik) seien abgestimmt.

Zwei Schüler der Alexander-von-Humboldt-Realschule wurdenim Februar 2007 auf Beschluss der aus Lehrern, Eltern und Schülern bestehenden „Schulkonferenz“ der Schule verwiesen. Im Dezember 2006 hatten sie im Internet die Tötung von vier namentlich genannten Lehrern angekündigt und waren daraufhin vom Amtsgericht Remscheid – ruckzuck - wegen „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“ (§ 126 StGB) zu je drei Wochen Dauerarrest verurteilt worden. Die Strafe mussten sie sofort antreten. Die beiden Luftgewehre, acht Kleinwaffen sowie ein Jagdmesser, die bei einem der Beschuldigten gefunden worden waren, wurden vom Gericht eingezogen.

Die „Stolpersteine des Kölner Künstlers Günter Demnig erinnern an „die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig erhält“ Knapp 50 dieser metallenen Erinnerungen an die schwärzesten Jahre der Geschichte Deutschlands wurden von Dezember 2005 bis Februar 2007 in Remscheid verlegt. Dann folgten weitere. Der Aktionskreis schätzte damals die Zahl der in der Nazi-Zeit umgekommenen Remscheider Juden auf ca. 170, die der politischen Widerstandskämpfer auf 30 bis 50. Wie viele Remscheider Sinti, Roma, Homosexuelle oder Behinderte umgekommen sind, ist bis heute nicht bekannt.

Vor zehn Jahren kündigte die evangelische Stadtkirchengemeinde an, ihr Gemeindehaus auf dem Honsberg in dreieinhalb Jahren schließen zu wollen. Die damalige Idee, das Haus von Pfarrer Hans-Günter Korb für Gemeindezwecke herzurichten, wenn dieser in vier Jahren in Pension geht, brauchte zum Glück nicht lange verfolgt zu werden. Die, einen „Neuen Lindenhof“ zu bauen, war weit besser.

Nach einem ZDF-„Länderspiegel“ über „Zocken in Hagen“, das zu 700 Millionen Euro Schulden gefürt hatte, betonte im Februar 2007 im Finanzausschuss in Remscheid Stadtkämmerer Jürgen Müller, ein solches „Zinsmanagement“ mit Swaps sei unter den kreisfreien Städten absolut üblich. Die Kommunalaufsicht habe da auch keine Bedenken. Insgesamt habe die Stadt Remscheid mit „Zinssicherungsinstrumenten“ 2006 einen Gewinn von einer Million Euro gemacht. Dass es unterm Strich ein Verlust von rund 20 Millionen Euro war, der Müller sein Amt kostete, stellte sich erst später heraus.

Weil die Stadt Remscheid sparen müsse, werde es in manchen Wohnungen dunkler, berichtete der Waterbölles im Febuar 2007. Denn die Straßenbaume dürften nunmehr ungezügelter in den Himmel wachsen. Weil die Stadt einen Baumschnitt nur noch dann vornehme, wenn er zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit unverzichtbar sei. Das hatte ein Schriftwechsel zwischen dem Beamten-Wohnungsbauverein e.G. Remscheid-Lennep und der Stadtverwaltung ergeben.

Elf Jahren und vier Monaten war der gebürtige Remscheider Rolf Söhnchen Direktor des Remscheider Amtsgerichts. Am 27. Februar 2007, seinem 65. Geburtstag, ging er in den Ruhestand (Nachfolger: Paul-Dieter Dudda). Bevor Rolf Söhnchen 1995 als „Chef“ nach Remscheid kam, war er Richter in Wuppertal und Direktor am Amtsgericht Mettmann.

Mit einem Blumenstrauß verabschiedete Bezirksvorsteher Bernd Quinting (CDU) vor zehn Jahren in der Bezirksvertretung Alt-Remscheid Christel Herrmann von den Grünen. Sie und ihren Ehemann Jochen, langjähriger Lokalredakteur des RGA, zog es damals in die Bretagne.

Wochenrückblick vom 13 bis 19. Februar 2017

Der Park mit seinen Grotten war eine Attraktion

Die Vorderansicht der Villa.Die Villa war um 1840 in einem 15.000 Quadratmeter großen Parkgelände erbaut worden. In einem Stil der Neo-Renaissance, etwas Klassizismus, etwas Historismus.  Das Anwesen wurde von Anfang an als Hotel und Restaurant genutzt, dies ist auch aus dem Zuschnitt der Räume erkennbar. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Villa Goldenberg zum exklusiven Treffpunkt, nicht nur für die vermögenden Hammer- und Stahlwerkbesitzer im engeren Umfeld, dem Diepmansbachtal, dem Morsbachtal, dem Gelpetal, der Ibach, Lüttringhausen und Ronsdorf, sondern auch für den damaligen Geldadel aus Remscheid, Elberfeld und Barmen. Hierher lud man seine honorige Kundschaft zu exklusiven Bällen, Konferenzen und Geschäftsessen ein.

All die Jahre bis zum Ende des Ersten Weltkrieges mit seiner militärisch geprägten Gesellschaftsstruktur und seinen Hammer- und Stahlwerkbesitzern bescherten der Villa Goldenberg, der Villa auf dem goldenen Berg, eine gute Zeit. Die umliegenden Werke, die fast alle Stahl verarbeiteten, machten glänzende Geschäfte. Als Treffpunkt des Geldadels und als Vergnügungsstätte bekam das Haus damals im Volksmund den Zusatz „Villa“. Sie war zunächst weniger für die Sonntagsausflügler gedacht, dies kam erst später nach 1900. Doch eine Attraktion für Kind und Kegel wie zum Beispiel „Zum Zillertal“ wurde die Villa jedoch nie.

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Remscheider Stadtführer rechnen für 2017 mit 150 Gruppen

Foto aus dem Programm 2017 der Remscheider Stadtführer.„Entdecken Sie Ihre Stadt! Die hügelige Landschaft, die zahlreichen Quellen und Bäche, der Wald und das Vorkommen von Eisenerz prägten die Entwicklung der Stadt Remscheid und machten sie zur Wiege der eisen- und textilverarbeitenden Industrie.“ So einladend beginnt das Jahresprogramm der Interessengemeinschaft Remscheider Stadtführer, das Claudia Holtschneider, Linda Kessler und Lars Johann gestern Abend im „Miro“ vorstellten. „Wir möchten Ihnen die vielfältigen Seiten unserer Stadt zeigen und Sie auf Bekanntes und Verborgenes aufmerksam machen. Wir erzählen Ihnen von den bergischen Menschen, ihrem Leben und ihrer Arbeit.“

In dem aktuellen Programm 2017, aus dem auch das nebenstehende Foto stammt,  finden sich zahlreiche unterhaltsame Führungen zu unterschiedlichen Themen der Remscheider Stadt- und Industriegeschichte. „Jede Führung hat ihren ganz besonderen Reiz“, versichert die inzwischen seit elf Jahren in wechselnder Zusammensetzung bestehende Interessengemeinschaft, die auch Mitglied im Bundesverband der Gästeführer Deutschland e.V. ist. Alle Führungen können auch als Sonder/Gruppenführungen mit den jeweiligen Stadtführern zu einem Wunschtermin vereinbart werden (www.stadtfuehrung-rernscheid.de, Claudia Holtschneider, Tel. RS 7913052, E-Mail c.holtschneider@via-temporis.de).

„Remscheid kulinarisch“ verspricht beispielsweise Lars Johann. Mit ihm geht’s auf einen Whisky in die Kultkneipe „Saxo“, für die ein oder andere bergische Spezialität ins „Miro“ und zum Ausklang in die „Erlebbar", die in Remscheid gerösteten Kaffee und Remscheider Bräu anbietet. Und als Nachtschwärmer verspricht auch Lothar Vieler  „wat zom eaten on zom drenken“ beim Gang durch die romantischen Gassen der historischen Altstadt von Lennep. Als Nachtwächter Gustav om Hackenberge ist Vieler stets ausgerüstet mit Laterne, Hörn und Hellebarde. In Zylinder, Gehrock und Gamaschen zeigt auch in diesem Jahr wieder Harald Blondrath alias Herr Röntgen „seine Stadt“ Lennep, in der er geboren wurde und deren Ehrenbürger er ist. Auf den Spuren der Tuchmacher bewegt sich Harald Fennel als Königlicher Kommerzienrat Hermann Hardt. Der Tuchmacher und Mitinhaber der Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn lebte in Lennep Ende des 19. Jahrhunderts.

Von der Möglichkeit der Sonderführungen machen gerne Familien, Unternehmen (Geschäftskunden, betriebl. Weihnachtsfeiern), Partnerschaftsvereine, Schulklassen (aktuelle und ehemalige) sowie Lehrerkollegien Gebrauch, wie Linda Kessler gestern berichtete. Insgesamt veranstalteten die in der  Interessengemeinschaft zusammengeschlossenen zehn Stadtführer im vergangenen Jahr 58 offene Führungen, etwa 40 für auswärtige Besucher und jeder einzelne noch einmal sechs private, zusammen also noch einmal 60. Macht zusammen mehr als 150. Und mit so vielen rechnet Lars Johann auch in diesem Jahr wieder.

 

Kremenholler I-Dötze von 1926 und 1936

Zu den Unterlagen von Stadtführer Harald Neumann zum 1oo-jährigen Bestehen der Grundschule Kremenholl (15. Mai 2004) gehören auch einige historische Klassenfotos. Zwei sind an dieser Stelle abgedruckt. Das obere zeigt die Klasse der I-Dötze mit Lehrerin Kleinfeller im Jahre 1926 (also vor 90 Jahren), das untere die Einschulungsklasse mit Lehrer Meurer 1936 (also vor 80 Jahren).

Noch älteren Datums ist ein Brief, den Adolf Gärtner an das Remscheider Oberbürgermeisteramt schrieb - am 27. Februar 2014: „Am 20. Februar ist mein Sohn, der Schüler Walter Gärtner; auf dem Schulhofe der Kremenholler Schule dadurch verunglückt, dass ihm ein Fensterrahmen aus dem ersten Stockwerk auf den Kopf schlug. Mein Sohn hat erhebliche Verletzungen davon getragen. Für den entstandenen Schaden verlange ich Ersatz. Den Schaden berechne ich wie folgt:

  • 1. Für ärztliche Behandlung zwei Mark,
  • 2. Für Schmerzensgeld zehn Mark.
  • 3. Arbeitszeitversäumnis für mich und Entschädigung für meine Frau für ihre Gänge und besondere Bemühungen acht Mark.

Summa: 20 Mark. Um baldgefl. Erledigung bietet ergebenst Adolf Gärtner, Kremenholler Straße 70."

Fensterpaten für Röntgens Geburtshaus gesucht

Das erste rekonstruierte Fenster für das Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen, ausgestellt im Deutschen Röntgen-Museum.Die Bauarbeiten am Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen laufen auch auf Hochtouren. Nachdem bereits im vergangenen Jahr wichtige Außenarbeiten wie die Erneuerung des Dachstuhls und der Dachdeckung abgeschlossen werden konnten, rückt nun zunehmend der Innenausbau des Gebäudes in den Vordergrund. Damit das Geburtshaus spätestens Anfang 2019 eröffnet werden kann, bedarf es jedoch noch der weiteren finanziellen Unterstützung. Diese kann durch eine einmalige Spende oder eine Fördermitgliedschaft erfolgen. Oder aber durch eine Patenschaft für eines der nach historischem Vorbild rekonstruierten Fenster. Für jedes Fenster kann ab sofort eine Patenschaft übernommen werden. Egal ob von einer Einzelperson, einer Gruppe, einem Verein oder einem Unternehmen: Jede Unterstützung zählt. Alle Paten sollen auf einer Fensterplakette namentlich aufgeführt werden.

Insgesamt 22 Fenster sollen in den nächsten Wochen und Monaten auf den drei Etagen des Hauses verbaut werden. Dabei handelt es sich um nach außen öffnende Fenster, die außenseitig auf den Fachwerkbalken montiert sind und gemäß den historischen Vorlagen mit Einfachverglasung ausgeführt werden. Ergänzt werden die Außenfenster um innere Fenster, die alle Anforderungen an Wärme- und Einbruchschutz erfüllen. Die Kosten für die einzelnen Fenster reichen von 1.430 Euro bis 3.400 Euro.

Eine kostenfrei zugängliche Ausstellung im Erdgeschoss, Tagungs- und Konferenzräumlichkeiten im Obergeschoss sowie ein Gäste- und Stipendiaten-Apartment im Dachgeschoss sollen das Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen zu einem neuen Magneten und Orientierungspunkt für Öffentlichkeit und Wissenschaft machen. Rund eine Million Euro kostet die Restaurierung und Einrichtung des historischen Gebäudes. Dreiviertel der Finanzierungssumme sind bereits durch Spendengelder sowie Fördermittel des Landschaftsverbands Rheinland und der NRW-Stiftung zusammengekommen.  (Weitere Informationen: Geburtshaus-Wilhelm-Conrad-Röntgen-Stiftung e.V., Sandra Ermisch, Ernst-Reuter-Platz 10, D-10587 Berlin, Tel.: 030 916 070-29, E-Mail geburtshausroentgen@drg.de">geburtshausroentgen@drg.de.)

Zeitzeugen berichten über den Honsberger Bunker

Als der Waterbölles am 23. August 2009 über den „Bunker als Museum für Kino- und Luftschutzgeschichte auf Honsberg berichtete, war alles noch mit einem gewissen Fragezeichen versehen und Führungen durch den Bunker an der Siemensstraße eher die Ausnahme als die Regel. Inzwischen pflegt Markus Bertram, der 1. Vorsitzender des „Museumsvereins Kinobunker Remscheid“ geradezu ein Haus der offenen Tür, etwa bei Stadtteilführungen und Jugendprojekten. Das galt 2015 für das Filmprojekt „Zeitkapsel“ des Jugendzentrums „Kraftstation“. Und das gilt auch jetzt wieder für das Dokumentarfilm-Projekt „Kinobunker“ der Albert-Einstein-Gesamtschule. Markus Bertram, der in den vergangenen Jahren bei Besichtigungen die Adressen zahlreicher Zeitzeugen gesammelt hat, betätigt sich dabei gerne als „Türöffner“, und für die nötige technische Ausstattung sorgt Christian Beitz als Medienpädagoge der Kraftstation. Beide waren dabei, als gestern die aus neun Mädchen und drei Jungen bestehende Projektgruppe zusammen mit ihrer Lehrerin Rebecca Volke Medienvertretern ihr Vorhaben näher erläuterte.

Es ist ein ambitioniertes Projekt, das bis zur angestrebten Fertigstellung zu den Sommerferien noch manche Stunde Arbeit erfordern wird. Denn dass die von Bertram vermittelten Zeitzeugen zwischen75 und 90 Jahren viel zu erzählen haben werden, bezweifelt keiner der Beteiligten. Auch Klaus Schöneberger, der gestern als erster vor zwei Videokameras saß und interviewt wurde, hatte viel zu erzählen. Der 79 Jahre alte Modellbauer, der heute in Kremenholl wohnt und gerne Remscheider Platt spricht („Datt verstonnt die jungen Lück överhupt nie mie!“), wusste beispielsweise zu berichten, dass der 1940 erbaute Bunker in den letzten beiden Kriegsjahren auch als Schule diente („an richtigen Unterricht war aber nicht zu denken!“) und nach dem Krieg nicht nur als Kino, Box-Arena, sondern auch als eine Art Amateur-Varieté.

Um in dem Bunker einen Boxring aufbauen zu können, musste die Kino-Leinwand nach oben geklappt werden. Dann hatten in den großen Raum bis zu 300 Zuschauer Platz (zu ihnen soll einmal auch Max Schmeling gehört haben). Wenn das Wetter es zuließ, fanden Boxveranstaltungen aber auch auf dem Honsberger Sportplatz statt – mit bis zu 2.000 Zuschauern.

Das Varieté hatte die Projektgruppe gar nicht auf dem Schirm gehabt, wohl aber den Box-Club und das Kino (1946 bis 1960). Der erste Film, der dort gezeigt wurde, sei „Tom Mix räumt auf gewesen“, erzählte gestern Klaus Schöneberger. „Den habe ich vielleicht zehnmal gesehen!“ Und das Geld für die Kinokarte für 30 Pfennig habe er sich damals durch Schrottsammeln verdient.

Alles, was die Zeitzeugen zu erzählen haben, wird auf Video aufgenommen und soll erhalten bleiben (vielleicht interessiert sich ja auch das Stadtarchiv dafür). Die Hauptarbeit wird darin bestehen, aus der Fülle des Materials einen anschaulichen, interessanten Film von 20 bis 30 Minuten Länge zu komprimieren. Uraufgeführt werden soll er in der Kraftstation. Aber auch später wird er zu sehen sein. Christian Beitz: „Wir wollen ihn auf YouTube hochladen!“ (Sobald das geschehen ist, wird der Waterbölles den Link veröffentlichen).

Von sich aus waren die Schüler/innen nicht auf die Idee gekommen, dem alten Bunker und seiner spannenden und wechselvollen Geschichte ihre Freiheit zu widmen. Einige von ihnen hatten von der Existenz des Baus mit seinen meterdicken Betonmauern, im Kriege von einer Flak-Stellung mit Wuppertaler Oberschülern gekrönt, wie sich Klaus Schöneberger erinnerte, gar nichts gewusst, bis das Thema in der Schule plötzlich am Schwarzen Brett hing. Hintergrund: Für die Jahrgangsklassen 12 ist eine Projektgruppe Pflicht. Diesmal konnten sich die Schüler/innen zwischen insgesamt zehn Themen entscheiden, die zur Wahl standen. Der „Kinobunker“ sei eine Anregung der Kraftstation gewesen, verriet gestern Rebecca Volke, an der AES Lehrerin für Deutsch und Geschichte. Die Beschäftigung mit den Zeugnissen der Geschichte vor Ort soll für die Projektgruppe die Geschichte Remscheids (und letztendlich auch Deutschlands) erlebbarer und erfahrbarer machen. Neben dem Besuch des Bunkers und der Recherche (etwa im Stadtarchiv) geht es vor allem darum, Zeitzeugen zu befragen, die während der Kriegszeit und danach den Bunker erlebt haben. Diese Video-Interviews möchten die jungen Dokumentarfilmer gerne mit Dokumente und Fotos von damals unterlegen. Willkommen ist ihnen deshalb jeder Remscheider, der historisches Material oder eigene Erlebnisse zu dem Film beitragen kann (Tel. RS 420004 oder E-Mail medien@kraftstation.de">medien@kraftstation.de).

Wochenrückblick vom 30. Januar bis 5. Februar 2017

Von einem Mann, der in Lennep viel bewegte

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Der Lenneper Baumeister und Architekt Albert Schmidt (1841-1932) berichtete in seinen privaten und geschäftlichen Erinnerungen mehrfach über die Entwicklung des Lenneper Stadtbildes in den 1880er Jahren. Dabei hob er immer wieder seine gute Zusammenarbeit mit dem seinerzeitigen Lenneper Bürgermeister Peter Eduard Ferdinand Sauerbronn hervor, dem er eine „eigenartige, kluge und geschickte Tätigkeit“ bescheinigte. Sauerbronn lebte von 1833 bis 1901. Nach seinem Regierungsreferendariat im hohenzollernpreußischen Sigmaringen (1864-1866) war er von 1872 bis 1897 Bürgermeister der Stadt Lennep. 1874 heiratete er in Lennep Caecilia Johanna Dorothea Clarenbach. Obwohl nach ihm eine repräsentative Straße in Lennep benannt wurde, ist über ihn heute kaum noch etwas bekannt.

Nach den Lebenserinnerungen von Albert Schmidt war der Lenneper Stadtrat für Bürgermeister Sauerbronn (Foto links) ein Instrument, auf dem er meisterhaft zu spielen verstand, nicht durch die Macht der Überredung, er ließ andere für seine Ideen kämpfen, sondern dadurch, dass er nichts vorbrachte, ohne sich vorher vergewissert zu haben, dass die maßgebende Mehrheit dafür war. Sauerbronn hatte das Glück, auf diese Weise eine Mehrheit im Stadtrat zu haben, die für alle Dinge der fortschreitenden Entwicklung zu haben war. Es fehlte auch damals zwar nicht an Opposition von Seiten der Konservativen, die jedem Fortschritt abhold waren, und auch nicht an Kritikern, die politisch fortschrittlich sein wollten, aber so manchen Fortschritt doch ablehnten, weil durch neue Einrichtungen Schulden gemacht werden mussten.  Diese Kommunalpolitiker, so Albert Schmidt, blieben aber bei allen großen örtlichen Fragen dank der Regierungskunst des Bürgermeisters in der Minderheit.

In der jahrelangen Zusammenarbeit in der städtischen Baukommission, welche für den Baumeister Albert Schmidt vierzehn Jahre lang auch mit den Funktionen eines Stadtbaumeisters verbunden war, hatte der Bürgermeister die Eigenarten der Technischen Mitglieder gründlich kennengelernt und wusste sie im Interesse der Stadt auszunutzen. Wenn er sonntags im Zylinder und Gehrock, von einigen Stadträten begleitet, Albert Schmidt in seinem Hause an der Knusthöhe einen Besuch machte, so wusste man, dass er nun versuchen würde, ihn zu irgend einem neuen Projekt, und natürlich mit der Betonung des städtischen und allgemeinen Interesses und Wohls, zu veranlassen.

Im Frühjahr 1885 erschien Sauerbronn an der Spitze einer Kommission, um dem Baumeister zu erklären, dass der Zugang zum Bahnhof durch die schmale Bahnhofstraße (die heutige Bergstraße) ungenügend  und eine direkte Verbindung des Bahnhofs mit dem Inneren der Stadt notwendig sei – durch die dadurch gewonnenen wertvollen Bauplätze sicher auch rentabel zu realisieren. Da der Stadtrat dafür aber nicht in Stimmung war, schlug der Bürgermeister dem Baumeister die spätere so genannte Kaiser-Straßen-Spekulation vor; die Stadt wolle ihm in jeder Beziehung behilflich sein, die Grundstücke in seinen Besitz bringen. Die Kosten für den Grunderwerb und Straßen bau sollten dann auf die zu gewinnenden Baustellen umgelegt werden. Sauerbronn schilderte das Vorhaben als ein äußerst rentables Geschäft, und da dieser damals nicht übermäßig beschäftigt war, erklärte er sich bereit, das Projekt in Angriff zu nehmen.

Man begann also, die heutige Bahnhofstraße (damals Kaiserstraße) und die heutige Düstergasse (damals ein Zeit lang Rathausstraße) zu bauen. Auch einige Wohnhäuser wurden dort schon errichtet. Und man war noch mit dem Straßenbau beschäftigt, da erschien der Bürgermeister Sauerbronn ,wieder in Gala, ein zweites Mal bei Albert Schmidt, diesmal in Begleitung des damaligen höchstrangigen Eisenbahnmanagers. Es sollte nun auch ein Eisenbahnbetriebswerk errichtet werden. Es hieß, man habe die Wahl zwischen Lennep und Remscheid und wollte dem Minister denjenigen Ort vorschlagen, der dafür entgegenkommenderweise ein Gebäude zur Verfügung stellen wolle. Die Eisenbahnverwaltung wollte das zwar nicht selbst bauen, da die weitere Entwicklung des Lenneper Bahnhofs abgewartet werden sollte, war aber geneigt, das Gebäude für sechs Jahre zu mieten und es alsdann anzukaufen, weshalb ein Vorkaufsrecht im Mietvertrag vorgesehen werden sollte.

Links sieht man das ehemalige Vereinshaus, das eine Zeit auch das Lenneper Alumnat beherbergte, über lange Jahre residierte hier später das RWE.Albert Schmidts Bemerkung, es wäre doch am einfachsten, wenn die Stadt selbst das Betriebsamt erbaue, wurde vom Bürgermeister als unmöglich zurückgewiesen, weil alles doch vorläufig und ein Provisorium sei. Die erworbenen Grundstücke an den neuen Straßen lägen sehr bequem für die Bahn, und es müsse doch dazu beigetragen werden, das Betriebsamt für die Kreisstadt Lennep zu sichern. Albert Schmidt erklärte sich denn auch bereit, das Gebäude auf seine Kosten nach dem Plan des Eisenbahninspektors zu erbauen. Ein Mietvertrag mit der Eisenbahn wurde abgeschlossen, aber so gefasst, dass der Erbauer wohl gebunden war, nicht aber die Eisenbahn, ihre ursprüngliche Absprache zu halten. Infolgedessen wurde das Gebäude nicht nach sechs, sondern erst nach zwanzig Jahren im Jahre 1906 für die ursprüngliche Vertragssumme von ihr angekauft, ein Verlustgeschäft für den Planer und in Vorleistung getretenen Erbauer. Auf ähnliche Weise, wie Albert Schmidt weiter berichtete, auch das so genannte Vereinshaus mit Alumnat und Versammlungssaal zuerst auf seine Kosten erbaut und dann vom Verein für Gemeinwohl übernommen.

Im Jahr 1890 sollte der Berliner Hof durch die Stadt für das Bezirkskommando angekauft werden. Bürgermeister Sauerbronn holte wieder einmal seinen Zylinder hervor und machte bei Albert Schmidt einen freundlichen Besuch, wobei u. a. mehr beiläufig erwähnt wurde, es wäre doch sehr bedauerlich, wenn der einzige Gasthof für bessere Reisende, der „Berliner Hof“, nun seiner eigentlichen Funktion beraubt werden sollte. Es wäre sicherlich ein glänzendes Geschäft, wenn ein neuer Gasthof auf dem Eckgrundstück dem Bahnhof gegenüber an der Kaiserstraße (heute Bahnhofstraße) errichtet würde, natürlich habe auch die Stadt Lennep Interesse an der Sache, da doch die Reisenden der besseren Stände, die die Stadt besuchten, die Gelegenheit haben müssten, angenehm zu logieren.

Die guten Aussichten auf Rentabilität, insbesondere wegen des angekündigten Fortfalls des Berliner Hofs, sowie die Bewertung des brachliegenden Grundstücks an der oberen Kaiserstraße veranlassten Albert Schmidt im Jahre 1890, mit dem Bau des „Kaiserhofs“ auf eigene Rechnung zu beginnen. Aber aus der Umwandlung des „Berliner Hofs“ in ein Bezirkskommando wurde nichts, so dass der „Kaiserhof“ nur wenige Logiergäste fand und die Mieteinnahmen kaum die Zinsen und Unkosten deckten. Der Baumeister war also wieder hereingelegt worden, so sah er es selbst, und hat nach jahrelangen Kämpfen mit den verschiedenen Mietern das Gebäude unter Selbstkostenpreis verkauft, da er es nicht ertragen konnte, „auf dem Wirtshausschild nach den gesetzlichen Bestimmungen als Herbergsvater zu figurieren.“

Man kann davon ausgehen, dass der Lenneper Baumeister und Architekt bei den hier von ihm selbst geschilderten Vorhaben nicht zum armen Manne wurde, da diese Verluste durch andere Aufträge in der Industrie Lenneps und an der Wupper ausgeglichen wurden. Insgesamt wird er als Generalplaner und Investor auch bei der genannten Kaiserstraßen-Spekulation unter dem Strich gut verdient haben, wenngleich er als zeitweises Mitglied des Städtischen Bauausschusses an öffentlichen Aufträgen nichts verdienen durfte. Vierzehn Jahre war er auch "nebenberuflicher", aber „funktionierender“ Stadtbaumeister der Stadt Lennep und begleitete in dieser Funktion bis 1889 den Lenneper Bürgermeister in dessen Plänen, bis eine hauptamtliche Stadtbaumeisterstelle eingerichtet werden konnte.

Die Anlage und der Ausbau der damaligen Kaiserstraße und der umliegenden Grundstücke in der so genannten Gründerzeit, insbesondere in den 1880er Jahren im Zusammenhang mit der damals notwendigen Stadterweiterung, die u.a. durch die steigende Bedeutung des Lenneper Bahnhofs begründet war, wurden zu einem Aushängeschild des wilhelminischen Lennep. Und diese Entwicklung wurde nach der Auffassung Albert Schmidts in erheblichem Maße durch die geschilderte „Eigenartigkeit“ von  Sauerbronn gefördert. Albert Schmidt formulierte hier: „Unser Stadtoberhaupt konnte alle diese großartigen Projekte, Verhandlungen und Vorarbeiten ohne besondere städtische Beamte vornehmen lassen, sein Stadtbüro bestand nur aus dem Stadtsekretär Albert Frielinghaus und einem Schreiber, heute würden dafür zwanzig Beamte notwendig sein.“