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„Heimat-Zeugnis“ auch für "Blauen Mond denkbar?

Das Land Nordrhein-Westfalen hat am 16. März 2018 angekündigt ein Förderprogramm „Heimat-Zeugnis“ zu schaffen, bei der eine Förderung für die Restaurierung eines historischen Denkmals - ab 100.000 Euro pro Projekt -erfolgen kann. Der im Volksmund als „Blauer Mond“ bezeichnete Mannesmannturm in Bliedinghausen war eine markante und sichtbare Landmarke für Remscheid; er bildete gemeinsam mit Rathausturm, Waterbölles, Lutherkirche und Bismarckturm die charakteristische Stadtsilhouette der „Seestadt auf dem Berge“. Von ehemals weltweit bestehenden fünf Mannesmanntürmen ist der Remscheider in unmittelbarer Nähe zum Mannesmannwerk der einzige noch Bestehende. Aber seit der Demontage des Turms wegen Einsturzgefahr droht dem ehemals beleuchteten Warenzeichens „MW“ das Aus, weil die Besitzerin, die Discounter-Kette ALDI, kein Geld für den Denkmalschutz ausgeben will. Die Bezirksvertretung Süd will das nicht hinnehmen und hat gestern einstimmig dem Rat der Stadt den folgenden Beschluss empfohlen:

  • die grundlegende Sanierung des Mannesmannturmes und die Beleuchtung des Warenzeichens „MW“ mit moderner LED-Technologie anzustreben,
  • die Verwaltung möge die Eigentümerin des Turmes auf die Fördermöglichkeit aus dem Landesprogramm „Heimat-Zeugnis“ hinzuweisen und den eindringlichen Wunsch des Rates und der Bezirksvertretung Süd  überbringen, dieses Industriedenkmal – ohne Verknüpfung mit anderen Forderungen an die Stadt Remscheid – aus Respekt vor den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Remscheid endlich wieder instand zu setzen.“

Sollten diese erneuten Bemühungen nicht fruchten, so wird die Verwaltung gebeten, alle denkmalrechtlichen Schritte einzuleiten, um den Wiederaufbau des Turmes zu erreichen. Denn darin sind sich die Mitglieder BV Süd einig: ALDI ist für den Blauen Turm verantwortlich und keineswegs „außen vor“. Denn: „Denkmalschutz verpflichtet!“, wie Bezirksbürgermeister Stefan Grote betonte. Noch ist nicht ausgeschlossen, dass vom Land gar keine Fördermittel zu erhalten sind. Denn die Konditionen des Förderprogramms „Heimat-Zeugnis“ stehen noch gar nicht fest.

Auf Erkundung mit einem Remscheider Stadtführer

Foto aus dem Programm 2017 der Remscheider Stadtführer. Samstag, 22. April,14 Uhr
Kuckuck – Kirchen – Wassertürme - Remscheids unbekannter Süden.
Zum „Kuckuck“ heißt es auf der Stadtführung rund um den Intzeplatz und durch den Remscheider Südbezirk. Vielen Remscheidern ist dieser Stadtbezirk so gut wie unbekannt. Leitung: Lars Johann. Preis: fünf €. Treffpunkt: Intzeplatz.  Anmeldung: C. Holtschneider, Tel RS 7913052.

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Die Morde in der Wenzelnbergschlucht am 13. April 1945

Das Mahnmal in der Wenzelnbergschlucht.Von Fritz Beinersdorf

Auf Langenfelder Stadtgebiet, in der so genannten Wenzelnbergschlucht, erschoss die Gestapo in den letzten Tagen der Nazi-Herrschaft, vier Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs, 71 Häftlinge, die überwiegend aus dem Zuchthaus Lüttringhausen kamen.

Der SS- Obergruppenführer Karl Gutenberger hatte schon Ende September 1944, bei einem Treffen mit Leitern der Rheinland - Westfälischen Polizeibehörden und den Generalstaatsanwälten des Wehrkreises erläutert, dass die Insassen der polizeilichen Haftstätten und Strafanstalten, die sich in Frontnähe befanden, „unter allen Umständen beseitigt werden“ müssten. Generalfeldmarschall Model, Befehlshaber der Heeresgruppe B im damaligen Ruhrkessel, erteilte am 7. April 1945 den Befehl, dass „Zuchthausinsassen und politische Untersuchungsgefangene zur Überprüfung den Sicherheitsorganen zu übergeben“ seien. Eine „nähere Regelung“ treffe der Höhere SS- und Polizeiführer. Im Falle der Häftlinge im Zuchthaus Lüttringhausen, war dies SS-Obergruppenführer Gutenberger, dessen Stab im April 1945 in Wuppertal untergebracht war.

Telegramm der Gestapo vom 24. Januar 1945.Zur „Überprüfung und Auflistung“ der Lüttringhauser Häftlinge erschienen am 10. April 1945 vier Gestapobeamte beim Direktor des Lüttringhauser Zuchthauses Dr. Karl Engelhardt. Dieser lehnte eine „Überprüfung und Auflistung“ aus formalen Gründen ab, entschied sich aber später auf Druck des Wuppertaler Gestapochefs Josef Hufenstuhl dafür, selbst eine Liste von Gefangenen anzufertigen. Wie nach Kriegsende von Dr. Engelhardt beschrieben, nahm er entgegen den Forderungen des Gestapochefs nur Personen in seine Liste auf, „die entweder schwerstkriminell belastet oder politisch verhältnismäßig harmlos oder der Wuppertaler Polizei als Funktionäre bestens bekannt waren.“ Die Liste enthielt laut Engelhardt „weniger als 90 Namen“.

Gemeinsam mit Generalstaatsanwalt Hagemann, seinem Dienstvorgesetzten, versuchte Engelhardt am 11. April bei Gutenberger, den er allerdings nicht persönlich antraf, für die Häftlinge zu intervenieren. Am Abend desselbigen Tages wurde ihm durch die Gestapo mitgeteilt, dass am nächsten Tag alle auf der Liste befindlichen Häftlinge abgeholt werden sollen. Mit Hilfe seiner Mitarbeiter gelang es Engelhardt, eine große Anzahl von politischen Häftlingen in Sicherheit zu bringen, indem sie auf Außenkommandos abgeschoben wurden. Er lieferte 60 Häftlinge, darunter 10 politische, an die Gestapo aus. Sie wurden am 12. April in das Wuppertaler Polizeipräsidium verbracht.

Am 13 April wurden in aller Frühe die 60 Häftlinge aus Lüttringhausen gemeinsam mit vier Häftlingen aus dem Zuchthaus Wuppertal-Bendahl und vier russischen und polnischen Zwangsarbeitern aus dem Polizeigefängnis Ronsdorf in die Wenzelnbergschlucht gebracht. Dazu kamen drei Personen, deren Herkunft und Namen bis heute nicht bekannt sind. Die Gefangenen wurden mit Lastkraftwagen bis an die Sandgrube gefahren, mussten sich dort zu zweit aufstellen, wurden mit Draht aneinander gefesselt, mussten sich hinknien und wurden dann mit Genickschuss ermordet.

Am 17 April befreiten amerikanische Truppen Solingen vom Faschismus. Der antifaschistische Widerstandskämpfer Karl Bennert berichtete den amerikanischen Besatzungstruppen von dem Massaker. Unter Leitung des damals 19 jährigen US – Infanteriefunkers Dudley Strasburg griff ein Trupp US-Soldaten 25 bekannte Nazis auf, die die Leichen der ermordeten Häftlinge exhumieren mussten. Nach einer kriminaltechnischen Untersuchung der Leichen durch die Amerikaner wurden später unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Ermordeten vor dem Rathaus in Solingen- Ohligs bestattet. Im Jahre 1965 wurden die Opfer der Nazibarbarei an ihren letzten Ruheort, Mahnmal Wenzelnberg, umgebettet.

Das Mahnmal in der Wenzelnbergschlucht.Die Namen der Opfer: Ludwig Baumann, Hugo Breemkötter, Josef Breuer, Leopold Choncenzey, Wilhelm  Clemens, Christian Döhr, Heinrich Dietz, Adolf Führer, Bernhard Funkel, Wilhelm Fatscher, Johann Galwelat, Otto Gaudig, Karl Gabowski, Wilheim Gietmann, Albert Grandt, Johann  Hense, Adolf Hermanns, Karl  Horn, Wilhelm Hanrath, Hans  Holzer, Ferdinand Jahny, Wincente Jankowski, Polen, Hermann Jäger, Friedrich Knopp, Artur Koch, Friedrich Kamleiter, Jakob  Krieger sen., Josef Kuhnt, Heinrich Kubick, Rudolf Käferhaus, Daniel Kresanowski, UdSSR, Walter Kuhlmann, Wilhelm  Kranz, Max Lang, Erich Lohmer, Paul Liszum, Hermann  Landtreter, Horst Lettow, Henri Liebisch, Ferdinand Margreiter, Heinrich Marth, Otto Markus, Gustav Marnitz, Franz Müller, Walter Nell, Josef Nikolay, Hubert Offergeld, Heinrich  Rode, Adolf Röder, Herbert  Runkler, Sylvester Sniatecki, Heinrich  Schlieper, Karl  Schulz, Wilhelm  Stangier, Mitrofan  Saitzki, UdSSR, Franz  Spitzlei, Theodor Schmidt, Johann  Schyra, Paul  Tegethoff, Max  Thiemann, Josef Thiemann, Heinrich  Tries, Paul Wondzinski,  Karl Wallraven, Hans Wimmershof, Wilhelm Wilgeroth, Victor Woynec, UdSSR, August  Zywitzki und drei  Unbekannte.

Exhumierung der Leichen in der Wenzelnbergschlucht.Und dies sind die Täter vom Wenzelnberg: Von der Gestapo Wuppertal waren beteiligt Hufenstuhl, Goeke, Blume, Dahlmann, Ilvermann, Kloß, Schalenberger, Hornberger und Michels; von der Gestapo Solingen waren beteiligt: Burmann, Nees, Wald, Endes, Vogel, Schwarz, Schneller, Jessinghaus, Zymni und Mertens. Keiner der namentlich bekannten Gestapo- und Kripobeamten wurde je für die Morde in der Wenzelnbergschlucht bestraft, denn nach § 6 des „Straffreiheitsgesetzes“ von 1954 sollte Straffreiheit für all jene Straftaten gewährt werden, die „unter dem Einfluss der außergewöhnlichen Verhältnisse des Zusammenbruchs zwischen dem 1. Oktober 1944 und dem 31. Juli 1945 in der Annahme einer Amts-, Dienst- oder Rechtspflicht insbesondere auf Grund eines Befehls“ begangen worden waren. Dies war de facto die Generalamnestie für alle Mörder, die sich „Kriegsendphasen-Verbrechen“ schuldig gemacht hatten. (siehe auch „Das Mahnmal Wenzelnberg: Entstehungsgeschichte und seine Bedeutung heute“, Facharbeit von Marcus Theisen)

Großer Festakt zum 60-jährigen Bestehen

Pressemitteilung der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW

Mit einem Festakt beging die Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW gestern ihr 60-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit Gästen aus der Bundes- und Landespolitik und prominenten Weggefährt*innen aus Verbänden, Kultur und Institutionen blickte die Akademie auf eine bewegte Geschichte und künftige Herausforderungen. Sie nahm 1958 als Musische Bildungsstätte ihre Arbeit auf und hat seitdem unzählige pädagogische Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit im breiten Feld der Kulturellen Bildung weitergebildet. In den vergangenen 60 Jahren hat sie nicht nur ihr Angebot stetig erweitert, sondern gesellschaftliche Entwicklungen mit neuen Konzepten begleitet und Diskurse der Kulturellen Bildung geprägt.

Zu den Feierlichkeiten in der Akademie kamen zahlreiche prominente Gäste. So gratulierte Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). „Unser Haus war in den vergangenen 60 Jahren ein verlässlicher Partner der Akademie“, unterstrich Caren Marks. „Die langjährige Förderung und Zusammenarbeit ist für mich auch ein Aspekt von Nachhaltigkeit. Es geht darum, Verlässlichkeit herzustellen und Strukturen zu sichern.“

Andreas Bothe, Staatssekretär im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKFFI) betonte in seinem Grußwort: „Kulturelle Bildung ist Quelle für Zukunftsfähigkeit und Erfindergeist. Für die Landesregierung ist sie ein Schwerpunkt – sowohl in der Kinder- und Jugendpolitik als auch in der Kultur- und Schulpolitik. Sie ist aber auch ein Wert an sich.“

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Frische Kuchen und Torten in historischem Ambiente

„Herzlich willkommen im neuen Contor-Café“, hieß e gestern im Deutschen Werkzeugmuseum. Und Dr. Andreas Wallbrecht, der Leiter des Historischen Zentrums, freute sich ebenso wie Jan de Buhr von der Produktionsschule „Catering und Eingemachtes“ der Arbeit Remscheid gGmbH über alle, die gekommen waren - neugierig auf die leckeren Kuchen, die das Contor-Café im Angebot hatte. In der „guten Stube“ des Museums, der Halle mit der großen historischen Dampfmaschine, soll das Contor-Café künftig einmal im Monat geöffnet haben, und zwar an jedem zweiten Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Der leckere Kuchen werde immer frisch und selbstgebacken von der Arbeit Remscheid zubereitet, wie von der eigenen Mutter oder Oma nach alten Rezepten gebacken, versprechen Jan de Buhr und seine Mitarbeiter/innen. Selbstverständlich gibt es dazu frischgebrühten Kaffee oder Tee. In der Produktionsschule "Catering und Eingemachtes" der Arbeit Remscheid führt der Koch Jugendliche in den Arbeitsbereich des Caterings heran. Zur gestrigen ersten Kaffeestunde hatten sie aus der Lehrküche Freiheitstraße 181/ Am Bruch  Apfelstreusel-, Mohnpudding- und Käsekuchen sowie zwei Obsttorten mitgebracht.

Wochenrückblick vom 1. bis 8. April 2018

 

Wochenrückblick vom 26. bis 31. März 2018

Als Lennep noch eine Ingenieurschule hatte

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Vor nunmehr dreißig Jahren, im Jahr 1988, erschien in Wuppertal eine Festschrift des Fachbereichs 12 –Maschinentechnik-  der Bergischen Universität –Gesamthochschule Wuppertal.  „125 Jahre jung“ hieß es da fettgedruckt auf dem Cover, das auf Millimeterpapier einen Zirkel, eine Schieblehre und einen für unsere heutigen Verhältnisse vorsintflutlichen Computer zeigte. Der Inhalt der Schrift zeichnet für die Zeit von 1863 bis 1988 die Ingenieurausbildung für das Bergische Land in Wuppertal nach, wobei u.a. auch die Vorgeschichte in Remscheid-Lennep Der Remscheider Oberbürgermeister Willi Hartkopf bemerkte seinerzeit: „Als am 1. Oktober 1964 die Staatliche Ingenieurschule für Maschinenwesen im Röntgen-Museum in Remscheid-Lennep ihren Unterrichtsbetrieb aufnahm, ging für die Remscheider Wirtschaft ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung“. Aber er fügte sogleich hinzu: „1970 hieß es dann allerdings schon wieder: Remscheid ist im Kampf um die Ingenieurschule aus dem Rennen. Das war für unsere Stadt eine schmerzliche Entscheidung der damaligen Landesregierung".

Die Unterbringung der Staatlichen Ingenieurschule Remscheid-Lennep blieb leider mehr als provisorisch, Man lernte u.a. in der alten katholischen Schule am Stadion und im Röntgenmuseum. Die Verwaltung der Ingenieurschule befand sich in der alten Moll´schen Fabrik an der Neugasse. In einer Chronik der Bergischen Universität hinsichtlich ihrer Vorgängerinstitutionen für das Jahr 1964: „Zum Wintersemester öffnet die Staatliche Ingenieurschule für Maschinenwesen und Elektrotechnik in Remscheid-Lennep ihre Pforten. Dort studieren nun 400, in Wuppertal bereits über 500 zukünftige Ingenieure.“

Im August 1971 wurden die Staatlichen Ingenieurschulen in Wuppertal und Remscheid  mit weiteren Ausbildungsstätten zur Fachhochschule Wuppertal organisatorisch zusammengefasst. Wenn auch die Lenneper Ingenieurschule in Remscheider Verlautbarungen kaum noch vorkommt, im Bewusstsein älterer Lenneper ist sie durchaus noch präsent. Ich selber kann mich gut erinnern, dass ich, wenn ich von unserem Haus am Mollplatz über die Neugasse in die Altstadt ging, dort auf die damaligen Ingenieurschüler traf, die seinerzeit ziemlich verstreut in Lennep studierten. Es waren ja nur wenige Jahre, bis man Lennep nach und nach wieder verließ, Diplome gab es bis 1973, und in der Chronik der jetzt vor Ort residierenden Lenneper Turngemeinde heißt es für das Jahr 1975 lapidar: „Die Ingenieurschule hat das Gebäude verlassen“. Die späteren Ingenieure, die „Ehemaligen“ der Lenneper Ausbildungseinrichtung aber feiern bis heute in Lennep regelmäßig ihre damalige Zeit.

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Wochenrückblick vom 19. bis 25. März 2018

Sanierung von Haus Cleff mit neuem Architekten

Entsetzt über leichtfertigen Umgang mit Statik“, titelte der Waterbölles am 15. Dezember 2017, nachdem Dr. Andreas Wallbrecht, der Leiter des Historischen Zentrums, den Mitgliedern der Bezirksvertretung (BV) Alt-Remscheid die Schäden an der hölzernen Fachwerk-Konstruktion aufgezeigt hatte, die in „Haus Cleff“, dem einstigen Remscheider Heimatmuseum, dringend reparieren werden müssen. Zur Wiederherstellung einer sicheren Statik stehen insgesamt 1,2 Millionen Euro zur Verfügung (100.000 Euro von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz, 495.000 Euro an Bundes-Fördermittel der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und 600.000 Euro an städtischen Rücklagen). Viel zu wenig, um das Patrizier-Haus aus der Rokoko-Zeit wieder zur guten Stube der Stadt machen zu können. Er hofft deshalb auf Spenden der heimischen Industrie. Die könnte die Stadt dann wie Eigenmittel einsetzen, um so an weitere öffentliche Gelder zu kommen.

Den Vortrag von Dezember mit seinen eindringlichen Fotos vom „Pfusch am Bau“ in früheren Jahrzehnten, wo tragende Balken einfach unten abgesägt wurden, um aus zwei kleinen Zimmern ein großes machen zu können, wiederholte Wallbrecht am Dienstag in der Denkerschmette auf der Mitgliederversammlung des „Fördervereins Haus Cleff“. Eine wenig erfreuliche Nachricht spielte er herunter: Kurz nach der Sitzung der BV im Dezember habe das Remscheider Architektenbüro Sophie und Christof Welke signalisiert, die weitere Renovierung von Haus Cleff wegen Arbeitsüberlastung nicht weiter begleiten zu können. Aber, so Wallbrecht: Durch die Beauftragung eines neuen Facharchitekten entstünden keine Mehrkosten, und man habe auch schon einen gefunden.

Einen Namen nannte der Museumsleiter nicht. Und auch auf die Frage nach den Gesamtkosten des Projektes antwortete er sehr zurückhalten. Fehlen fünf Millionen oder gar zehn Millionen Euro? Da konnten die Mitglieder des Förderkreises noch so viel spekulieren - Wallbrecht verwies auf eine Sondersitzung des Kulturausschusses, die auf den 29. Mai terminiert ist. Dann soll den Ausschussmitgliedern der komplette Kostenrahmen vorgestellt werden. Wallbrecht gestern: „Haus Cleff darf kein Fass ohne Boden werden wie der Berliner Flughafen!“ Er geht davon aus, dass sich die Finanzierung der Sanierung auf mehrere Teilbeträge in den nächsten städtischen Haushaltsplänen, aufgestellt jeweils für zwei Jahre, verteilen wird. „Es kann also sein, dass die Sanierung noch zehn Jahre dauern wird!“ Sein Wunschziel sei es, es in fünf Jahren zu schaffen. „Wenn alles normal läuft...!“ Da würde ein Einbruch bei der Gewerbesteuer womöglich einen Baustellen-Stillstand bedeuten.

Saniert werden soll in einzelnen Bauabschnitten: Dach, Fassade, Innenputz, Ständerwerk etc., jeder Bauabschnitt im Etat mit der notwendigen (Förder?-)Summe hinterlegt (so hat etwa der Landschaftsverband Rheinland eine Förderung der Museumseinrichtung angekündigt). Eine Notwendigkeit und zugleich ein Vorteil der auf mehrere Etats und Jahre verteilten Arbeiten: Eine Ausschreibung der gesamten Sanierungsarbeiten müsste europaweit erfolgen; so aber lassen sich zum Beispiel Restauratoren für die Renovierung der hölzernen Verzierungen an den Außenwänden gezielt ansprechen.

Fertig für den Bauantrag und die spätere Auftragsvergabe an die Handwerker sind inzwischen die statische Ertüchtigung der Holzkonstruktion, die Prüfstatik, das Brandschutzkonzept und die Technische Gebäudeausstattung (mit Heizung, Sanitär und Strom). Ob der Bauantrag vor oder erst nach der Mai-Sitzung des Kulturausschusses gestellt werde, hänge davon ab, wie schnell die Stadt Remscheid und der neue Architekt zueinander finden werden, hieß es gestern. Das machte eine mit der Absage der Architekten Welke verbundenen Zeitverzug deutlich: Im Dezember war in der BV-Sitzung noch angekündigt worden, der Bauantrag werde „zum Jahresbeginn“ eingereicht.

Kritisch äußerte sich gestern ein Mitglied des Förderkreises zur Idee eines Cafés und eines Festzimmers (z. B. für Trauungen) in einem Obergeschoss von Haus Cleff. Denn dadurch werde die echte Ausstellungsfläche von Haus Cleff dezimiert.