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Große Familien und bedürfnislose Arbeiter

Das Haus Böker an der Schüttendelle, das schon im ersten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts von der Straße in den Park versetzt wurde.Remscheids große Kaufmannsfamilien haben viel zu den architektonischen Akzenten beigetra­gen, die in der Stadt — und auch schon vor der Stadtbildung 1808 im Gebiet der späteren Kommune — gesetzt worden wa­ren. Sie prägten auch das Leben entscheidend mit: durch ihren Erfindergeist und ihr weltweit wirkendes Unternehmertum, das Arbeitsplätze schuf, durch ihren Einsatz für Gemein­schaftseinrichtungen, die das Alltagsleben erleichterten. Wer waren sie: die Arnz' und die Bökers, die Diederichs' und Halbachs, und die Hasenclevers? Nun, ihre Familienge­schichte kann hier nicht ausgebreitet werden. Aber ein paar Andeutungen mögen helfen, diese Frage zu beantworten.

Das Haus der Familie Arnz an der Elberfelder Straße um die Wende  vom 19. zum 20. Jahrhundert.Die Arnz' vom Büchel sind 1620 unter den Remscheider Stahlhändlern zu finden die den damals auf dem Gebiet des Exportes schon recht regen Lüttringhausern Konkurrenz machten, und auch die Hasenclevers rühren sich um diese Zeit, da der Dreißigjährige Krieg gerade begonnen hatte, als Exporteure sehr beträchtlich. Die Lüttringhauser und Rem­scheider Eisen- und Stahlhändler führten Direktlieferungen nach Holland durch, und ihre Handelsgüter waren Stäbe (Stabwaren), Sicheln, Eisen und Stahl. Die Diederichs' und die Halbachs zählen zu den Familien, die um 1700 in der Liste jener Messermacher auftauchen, die in Lüttringhausen zu den privilegierten Trägern dieses Handwerks zählten. In der Zeit der wirtschaftlichen Hochblüte des Remscheider Raumes im ausgehenden 18. Jahrhundert sind die Diederichs' Inhaber eines Handelshauses, das auf allen Weltmeeren Schiffe un­terhält, Remscheid den Namen der »Seestadt auf dem Berge« einbringt. Und so verwundert es denn weiter nicht, dass Jo­hann Gottlieb Diederichs, Teilhaber des Handelshauses J. P. Diederichs & Söhne, 1808 zum ersten Maire von Remscheid ernannt wird. Damit war der Wohlstand der Familie aber keineswegs gesichert. Die Franzosenzeit hatte die Blüte der Remscheider Wirtschaft erfrieren lassen. Maire Diederichs machte sich zwar mit einem umfangreichen »Memoire« zum Sprecher der gesamten Wirtschaft von Remscheid, Lennep und Lüttringhausen, aber sein Versuch, dem heimischen Gewerbe und dem Handel aufzuhelfen, scheiterte an den starren Autarkiegrundsätzen der französi­schen Wirtschaftspolitik. Schmuggel und Schwarzhandel blühten. Jedes Mittel war recht, sich gegen die lähmende Un­terdrückung des heimischen Gewerbelebens zu wehren. Ausgerechnet das Handelshaus J. P. Diederichs und Söhne gehörte zu den am schwersten getroffenen Firmen. Es erlitt durch die Kaperung eigener und gecharterter Schiffe so schwere Verluste, dass es sich nicht mehr davon zu erholen vermochte.

Das alte Geschäftshaus der Firma Diederichs an der Schüt¬tendelleHasenclevers, so darf man vermuten, sind seit dem 16. Jahr­hundert im Remscheider Raum, doch jenes Haus im Hasenclev ist nicht zum Stammhaus einer gro­ßen Familie geworden, die Remscheid eine Reihe hervorra­gender Persönlichkeiten schenkte, sondern das letzte erhal­tene Längsdielenhaus in Ehringhausen.  Die Hasenclevers waren schon in der Blütezeit des 18. Jahrhunderts unter den Familien zu finden, die als kapitalkräftige Kaufleute selbst leistungsfähige Betriebe aufbauen konnten. Hasenclevers machten sich im 18. Jahrhundert auch schon als Ärzte um die Remscheider verdient. Familienmitglieder wa­ren Hammerbesitzer und Kaufleute. Dass im Hause späterer Hasenclevers der Geheime Rat Goethe zu Besuch war, dass aus dieser Familie ein namhafter Maler, Johann Peter Hasen­clever, ein Schadow-Schüler, hervorging, dass die Stiftung des Krankenhausgeländes auch dieser Familie zu verdanken war, sei hier nur am Rande erwähnt.

Die großen Remscheider Familien kamen, mochten ihre hervorragenden Vertreter auch noch so tüchtig sein, nicht aus ohne die hervorragende Arbeitskraft, den Fleiß, die Beharr­lichkeit und die Bedürfnislosigkeit der bergischen Arbeiter, die bis zum Aufkommen der Maschinen auch in den meisten Fällen ihre eigenen Unternehmer waren, und die darum er­bittert reagierten, als ihnen die Selbständigkeit verlorenzu­gehen drohte. Zwar waren es 1848, als die Revolution in Deutschland Gehversuche machte, in erster Linie drückende Teuerungsverhältnisse, hohe Brotpreise und Arbeitslosig­keit, die sich in Remscheid durch Unruhen Luft machten. Aber auch der Sturm auf die verhasste Burgtalfabrik bei Burg zwischen Remscheid und Solingen, die gegossene Scheren und Scheuerwaren herstellte und von aufgebrachten Solinger Volksmassen am 17. März 1848 restlos zerstört wurde, machte den zuschauenden Remscheidern klar, woher ihnen der Verlust der geliebten Selbständigkeit und Freiheit drohte: von der Maschine. Das gute Verhältnis zwischen Dienstherr und Dienstnehmer ließ lange Zeit keinen Herr-Knecht-Ab­stand aufkommen, aber der drohende Verlust der gewerblichen Freiheit hatte eine um so radikalere Zuwendung zum Marxismus zur Folge. Verlorene Werkstatt, verlorenes väter­liches Erbe, verlorene wirtschaftliche Tradition, das alles rief die Protestgebärde mit Macht hervor. Remscheid wurde »rot«. Doch ehe wir uns in die schwierige Thematik der Arbeits­kämpfe und ihre unterschiedlichen Ursachen vertiefen, wer­fen wir einen Blick zurück auf die Anfänge der Remscheider Industrie. (wird fortgesetzt)  (aus: „Remscheid so wie es war“, von Dr. Gerd Courts, erschienen 1974 im Droste Verlag.)

Penetranter Geruch beschäftigte einst die Justiz

Im alten Remscheid wurde so auch das Kapitel Wasserver­sorgung und -entsorgung zu einer schwierigen Aufgabe. Schon der Bau der zu Beginn dieses Buches gewürdigten Eschbachtalsperre stellte eine besondere Leistung auf diesem Gebiete dar. Doch sie erwies sich, wenige Jahre später, als nicht ausreichend, da der Wasserbedarf der Bevölkerung und der Industrie schneller wuchs als vorausberechnet. So musste man schon 1909 die Neyetalsperre bei Wipperfürth, von Remscheid gebaut, in Betrieb nehmen. Sie übertraf im Fas­sungsvermögen die Eschbachtalsperre um das Sechsfache.

Doch mit dem Talsperrenbau war es nicht getan. Das Wasser musste ja auch den Berg hinauf und dort oben dann richtig verteilt werden. Eine Pumpstation, kurz nach der Jahrhun­dertwende vergrößert, besorgte das eine der Geschäfte, Wassertürme vollführten das andere. Der erste entstand 1883 in der Nähe des alten Schützenplatzes an der Hochstraße. Weitere Wassertürme wurden an der Büchelstraße, am Neu­enhof und auf Reinshagen errichtet, aber nicht nur der Um­gang mit dem Wasser selbst, die Beschaffung der notwendi­gen Mengen interessierte die Remscheider, sondern auch die Qualität. Aus einem zeitgenössischen Bericht: »Die Füllung des Stausees (gemeint ist die Eschbachtalsperre) vollzog sich im Jahre 1891 in 48 Tagen. In späteren Jahren ist der Stausee Gegenstand eingehender biologischer Studien gewesen, die Berliner Gelehrte hier angestellt haben, und es hat sich durch Forschung und Betrieb die wichtige Tatsache ergeben, dass das Wasser, von richtig geleiteten Talsperren, trotzdem es Oberflächenwasser ist, dem Grundwasser in Reinheit und Güte in keiner Weise nachsteht.«

Die Wasserversorgung war nun also geregelt, machte einstweilen keine Sorge mehr. Aber was geschah mit den Abwässern? Zur Kana­lisation, entstanden im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, kam im Lobachtal eine Kläranlage. Dem mechanischen Klärverfahren wurde ein großer Teil des schönen Tales geopfert. Hinter Zäunen entstanden Rieselfelder. Später sollten die Bürger nicht viel von dieser überall unerwünschten An­lage sehen. So dachten die Erbauer und suchten sie durch entsprechende Bepflanzung rundum vor Blicken abzu­schirmen. Das Auge so manches Vorübergehenden fiel aber doch auf die rotbraunen Schlackenhaufen, über die das Was­ser gespült wurde. Und vor allem ein Phänomen ließ sich nicht aus der Welt schaffen: der penetrante Geruch. (aus: „Remscheid so wie es war“, von Dr. Gerd Courts, erschienen 1974 im Droste Verlag.)

Wochenrückblick vom 11. bis 17. September 2017

 

September 2007: Der Waterbölles blättert zurück

Pressen heben die Neuenkamper Brücke an, damit die Brückenlager ausgetauscht werden können. Foto: Lothar KaiserEingerüstet waren vor zehn Jahren die Betonpfeiler der Neuenkamper Brücke. Zusätzliche Fundamente rund um den Betonpfeiler waren notwendig, um Hydraulik-Pressen Standsicherheit zu geben, mit deren Hilfe dann die einzelnen Zug und Zug zehn bis zwanzig Zentimeter angehoben wurden, damit die beweglichen Teile zwischen Brücke und Pfeiler, die Brückenlager, ausgetauscht werden konnten. Das geschieht bei einer Brücke alle vierzig Jahre. „Kostenpunkt: 480.000 Euro

Zur Sanierung der Natursteinfassade des Remscheider Rathausturmes gehörten vor zehn Jahren auch umfassende Instandsetzungsarbeiten an Abdeckungen, Verwahrungen, Regenrinnen und Fallrohren sowie an der Schiefereindeckung der Dachflächen. Schon in der Planungsphase dieser Sanierungsmaßnahmen war bekannt geworden, dass die gesamte Weihnachtsbeleuchtung des Turms erhebliche konstruktive und technische Mängel aufwies und in Teilbereichen nur noch bedingt betriebsbereit war. Deshalb wurde frühzeitig darauf verzichtet, die „glitzernden Schals“ unterhalb der Balkone nach der Sanierung wieder anzubringen. Um Schindeln, Grate und Anschlusspunkte zu Holzgesimsen und Natursteinbereichen fachgerecht und nachhaltig sanieren zu können, musste im September 2007 dann die komplette Die Weihnachbeleuchtung hat dem Rathausturm geschadet. Foto: Lothar KaiserBeleuchtung demontiert werden. Aufgrund von Verträgen mit den Stadtwerken musste die Stadt für die Beleuchtung allerdings bis zum Jahre 2011 noch 360.020 Euro bezahlen.

Der Stadtumbau erfordert über zehn Jahre 20 Millionen Euro“, hieß es vor zehn Jahren in einer Vorlage, in der sich die Verwaltung mit dem Umbau der Stadtteile Stachelhausen, Blumental, Honsberg und Kremenholl beschäftigte. Als Einzelmaßnahmen wurden darin genannt:

  • Der Abriss der Bauruine Freiheitstraße 172 im Westen Stachelhausens,
  • der Ausbau der Linkläuer Straße, Straße am Bruch bis Kippdorfstraße,
  • - die Entdichtung (Anm.: Wortschöpfung von Städteplanern) im Bereich der Kindertageseinrichtung St. Suitbertus /Stachelhauser Straße),
  • die Entdichtung im Bereich alte Schreinerei (Stachelhauser Straße 27),
  • der Abriss der Bauruine Weststraße /Stachelhauser Straße,
  • der Rückbau der Wohlfahrtstraße,
  • der Anschluss Tannhäuserstraße an die Papenberger Straße,
  • die Umnutzung des Bunkers in Honsberg,
  • die Umgestaltung der Halskestraße im Honsberger Süden,
  • die Aufwertung und Umgestaltung des Honsberger Sportplatzes einschließlich Vorplatz sowie die Neuordnung des Ladenzentrums im Kremenholl.

Tatsächlich reduzierte sich die Investitionssumme dann um die Hälfte. Fehlt nur noch die Vorlage, die aufzeigt, was damals unerledigt blieb.

Für das Erholungsgebiet auf Müll braucht es einen langen Atem“, sagte vor zehn Jahren Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein vor der Bezirksvertretung Alt-Remscheid. Weil die Renaturierung der Müllkippe an der Solinger Straße bis zum Jahre 2015 dauern werde. Da irrte Sonnenschein allerdings. Abgeschlossen ist die Renaturierung bis heute nicht. In den Sternen steht der Freizeitpark. Der werde sich in der Nähe des neuen Brückenparks in Müngsten sicherlich gut machen, prophezeite Sonnenschein im September 2007.

An ein „Bergisches Bürgerorchester“ dachte im September 2007 die Wählergemeinschaft WiR. Sie schlug vor, die Bergischen Symphoniker, hervorgegangen aus den Orchestern Remscheids und Solingens, wegen der hohen finanziellen Belastung der Stadtsäckel in die Hände eines Fördervereins zu legen, der dann von Remscheid und Solingen bezuschusst werden könne, allerdings mit langfristig sinkenden Beträgen. Und wenn sich nicht genügend Sponsoren fänden? „Dann muss man akzeptieren, dass zwar alle von Unterstützung reden, das Orchester aber den potenziellen Spendern offensichtlich nicht genug wert ist“, so die WiR damals.Eigentlich war der  der Umbau des alten Konsum-Geländes an der Rosenhügeler Straße bereits für 2006 vorgesehen. Dann war von 2006 die Rede. Aber auch 2007 wurde noch nichts daraus, wie damals im September in der Bezirksvertretung Süd bekannt wurde. Das lag an technischen Fragen zur Bodenbeschaffenheit, konkret: an "Anker" im Hang, die wegen „drückenden Wassers“ für Stabilität sorgen sollen.

Am 15. September 2007 sicherte Oberbürgermeisterin Beate Wilding den Fortgang des Gesamtprojektes „Hauptbahnhof Remscheid“, indem sie die beiden Komplexe „Hauptbahnhof“ und „Schaufenster der Wirtschaft“ entkoppelte. Im Rathaus lag da bereits das Gutachten eines Fachanwaltes für europäisches Recht vor, in dem vor großen Risiken gewarnt wurde, wenn für das geplante (und später gescheiterte) Schaufenster der Wirtschaft mit „Messe- und Kongresszentrum“ geworben werde. Entgegen den Behauptungen einiger (weniger) heimischer Unternehmer hatte das Land bis dahin keinerlei Zusagen über die Bewilligung öffentlicher Mittel gemacht. „Das Schaufenster der Wirtschaft - jahrelang versprochen - wird vermutlich nicht verwirklicht werden können. Der Termin, der ... den interessierten Unternehmern gesetzt wurde, ist ohne erkennbare Aktivitäten abgelaufen. Keiner weiß, wie es weiter gehen soll, “ sagte am 15. September 2007 SPD-Fraktionsvorsitzendes Hans Peter Meinecke auf dem Parteitag des SPD-Unterbezirks Remscheid.

Gottes Wort als Zuspruch und Anspruch

Eine kleine Torte machte gestern Abend im Vaßbender Saal am Remscheider Markt den zahlreichen geladenen Gäste schon bei der Begrüßung am Eingang durch Superintendent Hartmut Demski schnell klar: Dieser Jahresempfang war etwas Besonderes. Nicht wegen der größeren Zahl der Teilnehmer im Vergleich zu den Vorjahren, sondern weil er im Zeichen des Doppeljubiläums von 500 Jahren Reformation und 200 Jahren Kirchenkreis Lennep stand. Letzteres war auf der Torte nicht zu übersehen. Sie stamme „aus berufener Wermelskirchener Hand“, verriet Pfarrerin Kristiane Voll, Assessorin des Kirchenkreises. Und auf das einsetzende Geraune und leise Lachen im Saal  - viele wussten, welcher Konditor gemeint war - reagierte sie schmunzelnd: „Der Superintendent hat sie nicht gemacht!“

Die Jubiläumstorte. Foto: Lothar KaiserEs blieb nicht bei diesem einzigen Zeichen von Humor und guter Laune. Gut aufgelegt war musikalisch auch der Gospelchor „Mixed generations" unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Christoph Spengler. Und was Hartmut Demski aus dem druckfrischen Buch „„200 Jahre Ev.  Evangelisch im Bergischen Land. Der Kirchenkreis Lennep und seine Gemeinden 1817 - 2017“Kirchenkreis Lennep" von Wolfgang Motte berichtete, das ab sofort für 24 Euro zu haben ist, stimmte nicht nur nachdenklich, sondern war manchmal auch erheiternd. Beides galt auch für die persönlichen Erinnerungen von Pfarrer i. R. Karlheinz Potthoff, der 1990 bis 1995 Superintendent des Kirchenkreises Lennep war.  „Vergnügt, erlöst, befreit"  intonierten die „Mixed generations“ dazu. Der abwechslungsreiche Abend klang aus mit guten Begegnungen und Gesprächen bei einem Imbiss. Letzterem hatte Kristiane Voll ein Luther-Zitat vorausgeschickt: „Iss, was da ist; trink, was klar ist, red‘, was wahr ist!“

Im Vorwort zu dem neuen Buch betont Superintendent Demski, Autor Wolfgang Motte habe darin seine langjährige und umfängliche Beschäftigung mit der Rheinischen Kirchengeschichte einfließen lassen – als Pfarrer einer Gemeinde und als langjähriger Assessor des Kirchenkreises, „den die Beschäftigung mit dem Weg seiner Kirche nie losgelassen hat. Entstanden sei so ein „Protokoll des Wandels“. Wir sehen vor uns die wesentlichen Stationen eines 200-jährigen Prozes­ses der Entwicklung und der Veränderung. „Jeder von uns ist zu seiner Zeit mitverantwortlich für den Weg, den Kirche und Gemeinde nehmen. Darum wünsche ich diesem Buch viele interessierte und auch kritische Leser. Was können wir lernen aus den Prozessen der vergangenen 200 Jahre? Welche Kräfte wollen wir stärken für den weiteren Weg unseres Kirchenkreises? Inmitten aller Veränderung und Bewegung bleibt unübersehbar das Wort Gottes als Zuspruch und Anspruch für unser ganzes Leben. (...) „Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit" schrieb die Bekenntnissynode 1934 unter die Barmer Theolo­gische Erklärung. Weil das gilt, können wir auch die Veränderungen in unserer Kirche unaufgeregt und gelassen betrachten.“

"Ein Buch zum Nachschlagen und Stöbern!"

von Superintendent Hartmut Demski*

Der Kirchenkreis Lennep geht in seinem derzeitigen geographischen Bestand zurück auf den Landkreis Lennep, eine Schöpfung der preußischen Administration. Inzwischen hat die geschichtliche Entwicklung diese Struktur überholt. Wenn wir uns heute irgendwo als Mitarbeiter des Kirchenkreises Lennep vorstellen, ist das schon manchmal erklärungsbedürftig; denn so allgemeiner Bekanntheit erfreut sich Lennep nicht. So verwundert es nicht, dass es vor einigen Jahren im Rahmen des Leitbildprozesse in unserer Kreissynode Überlegungen gab, einen anderen Namen für den Kirchenkreis zu wählen: vorgeschlagen war u.a. ‚Kirchenkreis im Bergischen Land‘ oder ‚Kirchenkreis an der Wupper‘. Doch keiner der Vorschläge fand eine Mehrheit, und so feiern wir heute den Geburtstag eines Kirchenkreises, der zwar seine Grenzen deutlich verändert hat, aber noch immer auf den gleichen Namen hört: der Kirchenkreis Lennep.

Wolfgang Motte hat auf unsere Bitte hin zur Geschichte des Kirchenkreis eine Chronik veröffentlicht, die ab heute erhältlich ist: „Evangelisch im Bergischen Land - Der Kirchenkreis Lennep und seine Gemeinden". Ich habe die große Freude, Ihnen dieses neue Buch heute vorstellen zu können und damit einige Einblicke in die 200 jährige Geschichte des Kirchenkreises zu ermöglichen.

„Evangelisch im Bergischen Land. Der Kirchenkreis Lennep und seine Gemeinden 1817-2017“
ISBN 978-3-945763-41-4, 1.Auflage August 2017, 208 Seiten DIN A4, Copyright 2017 - Ev. Kirchenkreis Lennep - Wolfgang Motte. Herausgeber: Evangelischer Kirchenkreis Lennep, Autor: Wolfgang Motte, Konzeption: Hartmut Demski, Wolfgang Motte.
Gesamtherstellung und Vertrieb: Bergischer Verlag, RS Gesellschaft für Informationstechnik mbH & Co. KG, Verleger Arndt Halbach, Martin Czialla, Auf dem Knapp 35, 42855 Remscheid, www.bergischerverlag.de, E-Mail: info@bergischerverlag.de.

*Gestern stellte Hartmut Demski beim Jahresempfang des Evangelischen Kirchenkreises Lennep im Vaßbendersaal am Remscheider Markt das neue Buch „200 Jahre Evangelischer Kirchenkreis Lennep“ von Wolfgang Motte vor.

Wolfgang Motte war bis zu seiner Pensionierung Pfarrer in der reformierten Kirchengemeinde Radevormwald und zugleich Assessor des Kirchenkreises Lennep. Schon immer geschichtlich interessiert hat er sich vor allem nach seiner Pensionierung intensiver mit der Kirchengeschichte unserer Region befassen können. Als Synodalbeauftragter für die Archivarbeit im Kirchenkreis hat er damit begonnen, sich mit der alten Schrift und dem Lesen alter Pläne und Dokumente vertraut zu machen. Schon das ist manchmal eine Aufgabe für sich. Eine seiner ersten Veröffentlichungen war dann die kommentierte Herausgabe der Synodalprotokolle der Kreissynoden des Kirchenkreises aus den ersten 36 Jahren, also von 1817 bis 1843. Weitere Untersuchungen und Darstellungen schlossen sich an, so dass das jetzt erschiene Buch die Arbeit der vergangenen 20 Jahre abrundet.

Die Themen „Trauerhaus Emmaus", der Leitbildprozess, aktuelle ökumenische Entwicklungen und „Die Stiftung Tannenhof in der NS Zeit" sind von Johannes Haun beigetragen worden. An den aktuellen Abschnitten hat er als Pfarrer in der Kirchengemeinde bei der Stiftung Tannenhof selbst teilgehabt, den Rückblick auf die NS Zeit hat er im Zusammenhang der Aufarbeitung dieser Thematik durch die Stiftung Tannenhof erarbeitet.

Michael Müller hat neben einer peniblen Korrekturarbeit viele Anregungen zum Entstehen des Buches und zu der Gesamtkonzeption gegeben. Nicht zuletzt verdankt das Buch seine schöne äußere Gestaltung, die lesefreundliche Darstellung und die einladende Aufmachung der sehr hilfreichen Begleitung durch den Bergischen Verlag, der uns als Neulingen in der Herausgabe solch eines Werkes von großer Bedeutung war. Insbesondere der Buchherstellung von Herrn Bruchhaus sowie der Verlagsleitung, Thomas Halbach, verdanken wir hier viele gute Anregungen und Ideen.

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"Heiße Sitzungen des Presbyteriums bis in die Nacht!"

von Pfarrer i. R. Karlheinz Potthoff*

Von Schriftsteller Klaus Mann stammt der Satz „Erinnerungen sind aus einem wundersamen Stoff gemacht, trügerisch und dennoch zwingend, mächtig und schattenhaft. Es ist kein Verlass auf die Erinnerung, dennoch gibt es keine Wirklichkeit außer der, die wir im Gedächtnis tragen."

Unter dieser Überschrift und damit eben dem Wissen um deren Subjektivität ein paar unsortierte Erinnerungen und Eindrücke aus meinen fünf Jahren als Superintendent des Kirchenkreises Lennep von 1990 bis1995. Es kann leicht sein, dass Sie an der einen oder anderen Stelle widersprechen werden, weil sie es anders in Erinnerung haben. Eben dann: siehe oben!

Mein Vorgänger war Werner Lauff. Viele kennen ihn noch als eloquenten und wortmächtigen Mann. Meine/ zumindest damals - heute sehe ich das viel differenzierter - sehr eindeutige Haltung zu Kirchenkreis und dem Amt des Superintendenten habe ich von ihm übernommen - nämlich: Sie haben dienende Funktion für die Gemeinden vor Ort. Da spielt die kirchliche Hauptmusik. Das relativiert die Bedeutung der mittleren Ebene und führt zu sehr selbstbewussten Gemeinden und Presbyterien. Und deren gab es zuhauf! Ich habe das im Wesentlichen positiv gesehen und auch erlebt.

*Seine persönlichen Erinnerungen an die Zeit als Superintendent 1990 bis 1995 beim Jahresempfang im Vaßbendersaal am Markt.

Dass es bergischen Sturköpfe einem auch schon mal schwer machten: geschenkt. Aber mit welcher Ernsthaftigkeit und auch Streitlust Presbyterien am Werk waren, hat mich meist beeindruckt. Auch, dass die ehrenamtlichen Mitglieder der Presbyterien die Auseinandersetzung mit Pfarrerinnen und Pfarrern nicht scheuten! Da gab es heiße Sitzungen bis in die Nacht hinein - zumindest in meinem Geburtsort Wermelskirchen waren die nicht selten!

Übrigens: Längst war es natürlich selbstverständlich, dass auch Frauen in den Presbyterien und der Kreissynode mitarbeiteten. Aber - wenn auch durchaus schmunzelnd vorgetragen - war die alte männliche Denke noch nicht ganz aus der Welt. Vor der Presbyteriumswahl im Februar 1992 fragte ich den altgedienten Presbyter in einer Landgemeinde: „Und, haben Sie auch Kandidatinnen auf dem Wahlzettel? „ „Nein", sagte er auf bergisch platt „Noch haben wir das nicht nötig!" Wie gesagt: Er lächelte selber dabei!

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Auf Erkundung mit einem Remscheider Stadtführer

Foto aus dem Programm 2017 der Remscheider Stadtführer.Freitag, 15. September, 15 Uhr
Om Hasten – die Filiale neu entdecken
Warum heißt es „Die Filiale“?  Bin ich in Hasten oder auf Feld? – Was macht(e) diese Hofschaften so bedeutend? Antworten, nicht nur auf diese Fragen, erhalten Sie auf der spannenden Tour durch diesen Remscheider Stadtteil. Oder sind es doch Stadtteile?  Leitung: Klaus R. Schmidt. Preis: fünf €. Treffpunkt : Richard-Lindenberg Platz . Anmeldung: Claudia Holtschneider, Tel RS 79 13 052.

Wochenrückblick vom 4. bis 10. September 2017

Gastwirt Fritz Behle verkaufte auch "Stellin"

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Unsere heutigen Lennep-Bilder zeigen ein Gebäude, das es seit der Bombardierung Lenneps Ende des Zweiten Weltkriegs so nicht mehr gibt. Wo mag es gelegen haben? Ein kleines Türmchen links auf dem zweiten Bild gibt eigentlich dazu keine Auskunft, wenn man nicht weiß, dass es zum früheren Hotel „Kaiserhof“ am Lenneper Bahnhof gehört hat, manchem älteren Lenneper noch nach dem zweiten Weltkrieg als Sparkassenstelle in Erinnerung. Die Antwort auf unsere Frage: Das seinerzeit sehr moderne und komfortable Gebäude mit Garagen und einer eigenen Benzinstation lag an der Kölner Straße auf der Ecke zur heutigen Straße "Am Johannisberg". Der Gasthof "Zum Bergischen Haus" des Restaurateurs Fritz Behle ersetzte um 1910 ein längeres sehr altes Häuserarrangement längs der Kölner Straße, in dem direkt am Johannisberg das Betten- und Möbelgeschäft von Reinhold Berghaus untergebracht war, und direkt und ohne Lücke schloss sich die Kölner Straße hinauf noch ein historisches Gasthaus mit dem Namen "Zum Deutschen Haus" an.

Fritz Behles neues Gasthaus wurde um 1910 vom Lenneper Architekten Arthur Schmidt, dem Sohn des Baumeisters Albert Schmidt, erstellt, und zwar im Zusammenhang der Architekturbewegung "Neubauten im Altbergischen Styl". Es fiel dann dem alliierten Bombardement zum Opfer, wie so vieles in den Arealen um den Lenneper Bahnhof. Später erinnerte vor Ort in einem Nachkriegsneubau noch lange ein Restaurant mit der Bezeichnung "Bergisches Haus" an die alte Tradition, und heute gibt es an der Kölner Straße 57 ein Restaurant (Grill und Pizzeria) namens "Bodrum".

Auch das erste Postkartenfoto zeigt den Gasthof „Zum Bergischen Haus“, und zwar in den frühen 1920er Jahren. Der damals auf unserem Bild nach links von der Kölner Straße abzweigende Straßenzug war schon Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der notwendigen Stadterweiterung angelegt worden, er hieß planungsgemäß ursprünglich „Mittelstraße“, denn es gab noch eine "Hochstraße" am Kreishaus, und er setzte sich als solcher in einer vornehmeren Version auch nach rechts fort. Heute heißt dieser Straßenteil "Rotdornallee". Auf dem Foto sieht man die Schienen der nach Remscheid bzw. Lüttringhausen führenden Straßenbahn. Gut lesbar ist an der Zapfsäule links des Eingangs der Begriff "Stellin".  Dabei handelte es sich seinerzeit um Benzin aus indischem, amerikanischem oder rumänischem Erdöl von einer Rhenania-Ossag Gesellschaft, heute Shell Deutschland Oil GmbH.