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Auf Erkundung mit einem Remscheider Stadtführer

Freitag, 2. Juni, 19 Uhr
Erlebnisführung – Nachtwächter
Mit dem Nachtwächter durch Lennep. Leitung: Lothar Vieler. Preis: fünf €. Treffpunkt: Deutsches Röntgen-Museum. Anmeldung: C. Holtschneider, Tel. RS 79 13 052.

Donnerstag, 8. Juni, 19 Uhr
Erlebnisführung – Lennep für NachtSchwärmer
Met wat zom eaten on zo drenken. Leitung: Lothar Vieler. Preis: 15 € incl. Verkostung.  Treffpunkt: wird bei Anmeldung bekannt gegeben.  Nur noch zwei Plätze frei . Anmeldung: C. Holtschneider, Tel. RS 79 13 052.

FreKlaus R. Schmidt.itag, 9. Juni, 15 Uhr
Ehringhausen und seine Vergangenheit
Am Rande der Stadt auf dem Weg nach Burg liegt die stolze und wohlhabende Hofschaft Ehringhausen. Bergische Villa reiht sich an bergische Villa. Sie zeugen vom Reichtum der Remscheider Handelsfamilien, die schon im 18. Jahrhundert den Ruf der Stadt in die weite Welt hinaus trugen. Und mittendrin wird noch heute geschmiedet und produziert. Mit  einem Besuch in der Schmiede Winterhoff. Leitung: Klaus R. Schmidt. Preis:  6 € p.P. .Treffpunkt: Ueling – Haltestelle. Dauer: 2,5 Std. Anmeldung: Claudia Holtschneider, Tel. RS 79 13 052.

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Mai 2007: Der Waterbölles blättert zurück

Vor mehreren hundert Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, manche von ihnen hatten Fahnen und Transparente mitgebracht, die das Motto dieses „Tags der Arbeit unterstrichen („Du hast mehr verdient! Mehr Respekt. Soziale Gerechtigkeit. Gute Arbeit.") appellierte am 1. Mai 2007 Luigi Costanzo (SPD), der damalige Vorsitzende des städtischen Migrationsausschusses, an die Migranten, zur Integration bereit zu sein: „.Integration ist keine Einbahnstraße, sondern fordert die Verantwortung der Migranten selbst. Der Staat oder die Stadt Remscheid allein wird mit noch so guten Vorschul-. Schul - und Förderprogrammen scheitern, wenn es an der Bereitschaft der Migranten mangelt, integriert zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Die Schwierigkeit zur Bereitschaft aufgrund unterschiedlicher Beziehungsmuster von Individuum, Gesellschaft und Religion dürfen kein Hindernis sein. (...) Eine erfolgreiche Integration der Migranten ist für die Kommunen von zentralem Interesse; sie stellt ganz zweifelsfrei eine der großen Herausforderungen der Stadtgesellschaften und der Stadtpolitik dar. Aufnahme und Integration werden weiter an Bedeutung gewinnen - spätestens dann, wenn die Wirtschaft ihren Arbeitskräftebedarf nicht mehr decken kann.“

Auch die Bezirksvertretung Lennep, an die er sich schriftlich gewandt hatte, konnte vor zehn Jahren dem Remscheider Unternehmer Jürgen Urbinger nicht zu der erhofften Jahres-Parkgenehmigung am eigenen Haus in der Lenneper Altstadt verhelfen. Die von der Verwaltung dargestellte Rechtslage sprach eindeutig dagegen und erlaubt keine „Extrawurst“, es sei denn, die Bezirksvertretung würde die dortige „verkehrsberuhigte Zone“ generell aufheben. Daran dachte sie aber nicht.

In Verhandlungen mit mehreren Investoren standen im Mai 2007 die Stadtwerke Remscheid. Es ging um das 3.500 Quadratmeter große Gelände des ehemaligen Hallenbades in Lüttringhausen (an der Adolf-Clarenbach-Straße, (abgerissen vor 13 Jahren). Wie Geschäftsführer Dr. Thomas Hoffmann damals in der Bezirksvertretung Lüttringhausen, waren dort ursprünglich 16 Doppelhäuser geplant. Die jetzigen drei Interessenten hätten jedoch andere Pläne, weshalb ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden musste. Der Bauantragsverfahren zog sich dann noch etwas in die Länge...

Die Junge Union Remscheid fordert vor zehn Jahren Oberbürgermeisterin Beate Wilding auf, uneingeschränkt Einsatz für die Blume zu zeigen, das damals noch geplante Gewerbegebiet. Die Firma Hudora habe öffentlich bekundet, in das Gewerbegebiet Blume umsiedeln zu wollen. Diese Chance dürfe nicht durch Wilding vertan werden, die eine ablehnende Haltung bezüglich der Blume einnehme und damit „zu einer Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt“ werde. Die Arbeitsplätze in Remscheid müssen mit aller Kraft und jedem Einsatz gehalten und durch die Ansiedlung neuer Unternehmen noch weitere geschaffen werden. Wie die Stadt neue Gewerbegebiete herbeizaubern könne, verriet die Junge Union nicht. Das Thema blieb der Kommunalpolitik bis heute erhalten.

Vertreter der heimischen Wirtschaft - Klaus W. Kühn (Erbschloe) und Dr. Wolfgang Pütz (RGA) – erläuterten im Mai 2007 Vertretern von Rat und Verwaltung, wie sich die heimische Unternehmerschaft eine Realisierung des „Schaufenster der Wirtschaft“ am neuen Hauptbahnhof vorstellen könnte. Etwa siebzig heimische Unternehmer seien bereit, in eine noch zu gründende "Schaufenster" GmbH eigenes Geld zu investieren. Das von Kühn erarbeitete „Geschäftsmodell“ ging von einer Verkleinerung des Baukörpers von vier auf drei Geschosse aus.

Im Mai 2007 sagte der Sportbund Remscheid Sportdezernent Dr. Christian Henkelmann zu, auf die angekündigte Einbehaltung der Hallennutzungsgebühren auf einem Sperrkonto zu verzichten und diese Gelder der Stadt zu überweisen. Dies geschehe, um die Zusammenarbeit von Sportverwaltung und Sportbund nicht zu gefährden, die so gut und eng sei wie seit 20 Jahren mehr. Das hatte einen Monat zuvor noch ganz anders geklungen.

Eine Sitzung des Bauausschusses nahm vor zehn Jahren der Waterbölles zum Anlass, um das Demokratie-Verständnis von Rat und Verwaltung anzuzweifeln. Zitat: „In der öffentlichen (!) Sitzung des Bauausschusses stellt die SPD zwei Fragen. Die Verwaltung kann sie „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ nicht beantworten, sagt aber zu, die Antworten dem Protokoll beizulegen. Das werden dann etliche Tage später die Kommunalpolitiker erhalten. Die Journalisten erhalten es nicht. Was mich daran besonders verwundert: Keiner der Beteiligten aus Rat und Verwaltung scheint darin etwas Unrechtes zu sehen. „Öffentlichkeit? Ach, die stört ja nur unsere Kreise“, oder wie darf ich das verstehen? Und die gleichen Beteiligten beklagen sich dann an anderer Stelle über die wachsende Politikverdrossenheit der Bürger.“ (So oder ähnlich hätten in den vergangenen zehn Jahren noch etliche Kommentare lauten können.) 

Der Stadtverwaltung Remscheid stehe zwar eine neue, flexible Stellenplan-Software für die Stellenbewirtschaftung zur Verfügung, es werde jedoch lediglich operativ genutzt, weil der Verwaltungsvorstand Steuerungs- und Auswertungskriterien in der Regel selten formulierten, stellte im Mai 2007 das städtische Rechnungsprüfungsamt (RPA) in seinem Bericht (IV/1.2006 vom 20.3.2007) fest. Die Rechnungsprüfer schlugen damals vor, den Bedarf jeder Stelle prüfen zu lassen, „bevor neue Stellen oder erweiterte Stelleninhalte... bewilligt werden“. Denn „dies könnte dazu führen, dass bereits vorhandene Stellen mit erweiterten Aufgabeninhalten gefüllt werden und sich dadurch möglicherweise kein Bedarf einer neuen Stelle ergibt.“ Bis dahin war dies in der Verwaltung offenbar noch nicht gängige Praxis. Eigentlich war es schon damals es eine Binsenweisheit, aber den Mitarbeitern des RPA schien es in Kenntnis der Organisationsabläufe in der Remscheider Stadtverwaltung dennoch wichtig, darauf hinzuweisen: „Alle Arbeitsabläufe und der Verwaltungsaufbau (müssen sich) an den … Aufgabenstellungen orientieren“.

„Neuer Wald entsteht auch ohne menschliches Zutun“ erklärte Forstamtsleiter Markus Wolff im Mai 2007 bei einem Treffen auf feuchtem Waldboden, im „Schimmelbusch“ nahe dem Kinderheim „Waldhof“. Klaus Kowakowski, engagierter Bürger aus RS-Stachelhausen, hatte genau das angezweifelt mit Hinweis auf die Schäden, die der Orkan „Kyrill“ in den Remscheider Wäldern angerichtet hatte. Der Wald könne sich ohne menschliches Dazutun nicht aus eigener Kraft regenerieren. Dabei sei er als Lebensraum für Wildtiere, Wasserspeicher, Luftfilter und Klimaverbesserer und für Freizeit und Erholung unverzichtbar. Markus Wolf zeigte auf, dass entwurzelte Baumstümpfe, Reste abgebrochener Stämme, große Mengen Äste und Zweige das Wachstum junger Pflanzen nicht ersticken, sondern ihnen im Gegenteil Schutz bieten würden. Wolf verwies zudem auf die „natürlichen Wiederbewaldung“, Rückeroberung einer Brachfläche mittels der Samen aus angrenzenden Wäldern.

Wochenrückblick vom 22. bis 28. Mai 2017

1925 hatte RS die meisten Arbeitslosen in der Rheinprovinz

„Makent Fiärowend": „Dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind, habe ich am eigenen Leib bitter erfahren. Ich kann das ganze nur als Ausbeutung bezeichnen. Ich habe von 7 bis 19 Uhr arbeiten müssen; aller­dings hatten wir mittags eine Pause von eineinhalb Stunden, und um 16 Uhr gab es noch eine kurze Kaffeepause. Wenn der Meister im Be­trieb war, trauten wir Lehrlinge uns nicht, pünktlich aufzuhören. Wir muss­ten dann so lange warten, bis er sagte: ,Makent Fiärowend'. Aber meistens hatte er das so geschickt eingerichtet, dass kurz vor Feierabend noch jemand zur Post musste, Pakete hinbringen, oder Ware bei einem Zulieferer ab­holen. Das war so,  dass es immer 19.30 Uhr wurde, bis man mal wirklich Feier­abend hatte. Samstags wurde bis 16 Uhr gearbeitet. Danach mussten wir die Werkstatt aufräumen. Darüber wurde es dann leicht 18 Uhr, bis alles fertig war. Ferien gab es nicht. Ich war seinerzeit in der Volksjugend. Die machte schon mal große Touren, und da wollte ich gerne teilnehmen. Es sollte für 14 Tage runter nach Heidel­berg gehen. Ich bat dann meinen Lehr­meister um Urlaub. Nein, es gäbe kein frei, war seine Antwort. Da hab ich dem Herrn Pastor Finneisen das ge­sagt. Der hat dann mit dem Lehrmei­ster gesprochen; daraufhin bekam ich frei, jedoch mit der Bemerkung: ,Die 14 Tage musst du nachholen, wenn du die Lehre aus hast.' Aber ich hab ihm was gepfiffen."

Mit Weinen in die Fabrik gegangen: „Als 14jährige bin ich in einen Haus­halt gekommen. Morgens um 8 Uhr musste ich mit der Arbeit anfangen: Zuerst musste ich immer die Schuhe der ganzen Familie putzen. Dann musste ich spülen, einkaufen, und hel­fen, das Essen vorzubereiten. Danach musste ich die Zimmer putzen. Das waren immerhin sechs oder sieben Zimmer, die ich als 14jähriges Mäd­chen zu machen hatte. Nach dem Mittagessen musste ich spülen und konnte dann so zwischen 14 und 15 Uhr nach Hause gehen. Für die ganze Arbeit kriegte ich 15 Mark im Monat. Wenn ich dann noch den Garten um­grub, bekam ich zehn Mark extra. Danach hatte ich eine Stelle, in der ich morgens den Haushalt machte und nachmittags nähen lernte. Die Arbeit war so halbe-halbe aufgeteilt. Nach drei Jahren hätte ich meinen Abschluss als Schneiderin gehabt. Weil meine Schwester aber soviel Geld in der Fa­brik verdiente, mein Lohn war zu gering dagegen, musste ich meine Stelle aufgeben und auch im Alexan­derwerk anfangen. Mit Weinen bin ich in die Fabrik gegangen, bis ich mich durchgerungen und damit abge­funden hatte. Das viele Geld, das man im Akkord verdiente, half darüber weg. Ich war so klein, man musste mir Kisten unter die Füße stellen. Es war die Zeit, wo man Frauen die schwere Arbeit machen ließ, die ei­gentlich Männerarbeit war. Anfangs war es fürchterlich für mich. Unsere Ar­beitszeit war von 6 bis 18 Uhr; mit­tags gab es eine halbe Stunde Pause, morgens und nachmittags je eine viertel Stunde. Samstags wurde von 6 bis 12.30 Uhr gearbeitet."

Der REFA-Mann: „Ende der 20er Jahre, das weiß ich noch ganz genau, da kriegte ich 75 Pfennig Lohn in der Stunde. Als ich dann in die Firma L. kam, kriegte ich 80 Pfennig. Ich war noch nicht lange dort, da setzte der Chef fünf Pfennig zu. Bald war ich auch auf 90 Pfennig in der Stunde. Und das war schon was. Dann hat die Firma das Minutensy­stem (Refa) eingeführt und extra je­manden angestellt, der sich mit der Stoppuhr jeweils einen Tag lang hin­ter einen Arbeiter stellte, der gerade am Schleifen war oder am Aufspan­nen. Da war mal ei­ner im Betrieb, der kam aus Wermelskirchen, das war ein großer, schwerer Kerl. Der musste die Ansätze an die Sägeblätter drehen auf einer großen Plandrehbank. Jeder andere musste mit dem Flaschenzug das Werkstück, die Säge, hochhieven auf die Dreh­bank. Aber der aus Wermelskirchen, der war so stark, der brauchte kei­nen Flaschenzug. Der packte die Säge am Loch und warf sie auf die Ma­schine. Ebenso packte er den Deckel an, der darauf kam. Das war schon ein Zeitgewinn von drei bis vier Mi­nuten. Das war dann sein Mehrver­dienst. Deshalb kam er auf einen ho­hen Lohn.

Stand der Büro-Mechanisierung im Jahre 1910.

Teil II

Zu erneuten Unruhen gab die Reichsregierung den Anlass, indem sie die Unterstützungssätze, die sie den Erwerbslosen zubilligte, trotz der stark angezogenen Lebensmittel­preise nicht erhöhen wollte. Dessen ungeachtet wurde auf der Konferenz der Städtevertreter in Barmen be­schlossen, 50 Prozent mehr auszu­zahlen. In Remscheid war dieser Satz durch Vorschusszahlung schon aufge­braucht, und die Verwaltung hatte sich mit dem Arbeitslosenrat geei­nigt, dass die Erwerbslosen statt Bar­geld Lebensmittel erhalten sollten. Der Arbeitslosenrat war der Meinung, dass es schwer sei, den Leuten diese Änderung annehmbar zu machen. Aber wollte die Stadt nicht eine Sperrung der Reichsunterstützung auf sich nehmen, so musste sie diesen Ausweg einschlagen. Über das, was danach geschah, gibt die Polizeiverwaltung folgenden Bericht: „Am 4. Dezember 1923, vormittags gegen 10 Uhr, versammelten sich die Erwerbslosen, nachdem sie an den Zahlstellen ihre Unterstützung emp­fangen hatten, auf dem Rathaus­platz. Nach und nach hatten sich etwa 4.000 bis 5.000 Personen eingefunden, unter denen eine erregte Stimmung herrschte. Dem Erwerbslosenrat wurden von der Stadtverwaltung Gut­scheine zum Bezug von Brot zugestan­den, die am 5. Dezember an die Er­werbslosen ausgehändigt werden sollten. Hiermit war die Menge nicht zufrieden und zog nun gegen 12 Uhr mittags, nachdem sie zwangsweise zerstreut worden war, in Trupps zu den verschiedenen Stadtteilen, wo sie in die Lebensmittelläden, vornehmlich Brot- und Metzgerläden, eindrang und die Herausgabe von Waren ver­langte unter der Angabe, der Ober­bürgermeister habe gesagt, die Er­werbslosen sollten sich in den Ge­schäften holen, was sie bekommen könnten, die Stadt bezahle alles. Da, wo die Geschäftsleute die Herausgabe verweigerten, wurde ihnen Gewalt angedroht. . ."

Die amtliche Berufszählung des Jah­res 1925, mit 37. 119 nach Berufen er­fassten Personen (etwa 52% der Ge­samtbevölkerung) bzw. 77.933 Erwerbstätigen mit ihren Angehörigen ergibt folgende Struktur:

 

Erwerbstätige

Mit Angehörigen

Industrie, Handwerk

25 529

58 057

Handel und Verkehr

6 774

12 537

Öffentl./freie Berufe

2 002

3 865

Häusl. Dienste u. ä.

2 368

2 753

Landwirtschaft

446

721

Sägenrichter bei der Arbeit. Große Handfertigkeit war notwendig, um das Sägeblatt vollkommen gerade zu bekommen.Im selben Jahr hatte Remscheid „mit 86 pro 1.000 Einwohner leider von sämtlichen Städten der Rheinprovinz die größte Erwerbslosenzahl aufzu­weisen. Remscheid steht also weitaus an der Spitze. Besondere Sorgen er­wachsen", erläutert der Verwaltungs­bericht. (…) In der Zeitspanne 1. April 1925 bis 28. Februar 1926 waren beim Ar­beitsnachweis 24.815 Arbeitssuchende (männl. 23 210; weibl. 1 605) gemel­det. Das Geschäftsjahr 1926 begann also mit einer „erschreckend hohen Er­werbslosenziffer, die das ganze Jahr hindurch bis in den Winter hinein ungefähr auf gleicher Höhe stand. Die höchste Zahl wurde am 4. Juni er­reicht mit 6.708 Vollerwerbslosen und 7.306 Zuschlagsempfängern (Ehe­gatten und Kinder), oder insgesamt 14.014 Unterstützten, das sind 18,44% der Gesamtbevölkerung." Am 25. März 1927 waren es 11,47%.

Zwei grundlegende Veränderungen versperren nun leider den Weg, wei­terhin mit greifbar einfachen Zahlen und Begriffen den Verlauf der Ar­beitslosigkeit in Remscheid darzu­stellen. Einmal wurde das Arbeitsamt, bislang eine kommunale Einrichtung, am 1. November 1928 ein Organ der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Seine Übernahme in die Kompetenz des Rei­ches brachte nicht nur eine Erweite­rung seines Zuständigkeitsbereiches auf die umliegenden Gemeinden mit sich, sondern erzeugte auch durch im­mer neue Notverordnungen neue Terminologien und Modi der Ar­beitslosenerfassung. Als weiteres kommen 1929 die Eingemeindungen von Lennep und Lüttringhausen hinzu. Nach einem Bericht des Ar­beitsamtes gab es im Juni 1932 in Groß-Remscheid (101.000 Einwohner) 5.688 Hauptunterstützungsempfänger und 5.903 Zuschlagsempfänger. Die Gesamtzahl der Arbeitssuchenden be­trug 18.661. Aufschluss über den Um­fang des Elends gibt der Oberbürger­meister Ende August:

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Unter französischer Besatzung blühte der Schmuggel

Schraubenzieher im Unterrock: „Mein Vater stellte Schraubenzieher her, die er an eine Firma in Elberfeld verkaufte. In der Franzosenzeit wussten wir nicht, wie wir liefern sollten. Und da haben wir überlegt, wie wir am besten durch den Zoll kommen könn­ten. Meine Mutter und ich haben zwei Unterröcke genommen und alles Ta­schen draufgenäht. In die haben wir dann einen Schraubenzieher nach dem anderen gesteckt. Da waren wir ringsum bepackt und gingen so auf Schmuggeltour. Mein jüngster Bru­der war im Fußballverein und kannte dadurch eine Familie am Goldenberg. Da gingen wir mehrmals am Tag hin und deponierten unsere Ware, die von da aus dann nach Elberfeld trans­portiert werden konnte."

Der Chef im Heu: „Es war mal wieder ein Schmuggel­tag angesetzt worden. Eine Wermelskirchener Firma, eine Schuhfabrik, die einem Verwandten unseres Chefs ge­hörte, sollte daran teilnehmen. Auf den zwei Wagen, die wir hatten, große Flachwagen, waren dann auch Pakete mit Schuhe drin aufgeladen. Die Zoll­grenzüberschreitung haben wir selbst gemacht, hatten also keine pro­fessionellen Schmuggler damit beauftragt. Die Wagen haben wir an der Hermannsmühle, wo heute eine Brücke über den Bach geht, durch so eine Art Furt, wo das Wasser 20 bis 30 cm tief war, geleitet. Noch wäh­rend wir mit den Wagen dorthin un­terwegs waren, hielten einige unserer Leute in der Umgebung Ausschau nach den Franzosen. Unglücklicherweise war an diesem Tag eine ganze Kom­panie unterwegs. Sie kam von Lennep runter über Tackermühle, Hermanns­mühle, auf dem Weg zum Singerberg. Als unsere Späher zurückkamen, um uns das zu melden, waren wir genau in der Furt. Da haben wir die Pferde ausgespannt, die Wagen einfach ste­hengelassen und sind nichts wie ab. Die, die reiten konnten, haben sich auf die Pferde geschwungen und sind zum Hohenhagen raufgeritten, zu ei­nem Bauernhof. Die Franzosen sind denen nachgelaufen. Unser Chef, der Johann Peter, hat sich im Heu verkro­chen. Mit Mistgabeln haben die Franzosen ins Heu reingestochen, ha­ben aber, Gott sei Dank, den Chef nicht getroffen. Wir andere haben uns bei dem Bauer mit an den Kaffee­tisch gesetzt. Es ist uns nichts passiert. Unser Chef ist dann ins unbesetzte Ge­biet gegangen und hat sich für einige Zeit bei uns nicht mehr blicken las­sen." (M 1908)

„Sie sollen ihn nicht haben, . . .": „Als die Franzosen hier waren und auf Wermelskirchen zu die Engländer lagen, nahm uns der Rektor Wunn mit in den Busch. Da kriegte jeder Schü­ler einen Stock, den musste man an den Mund tun, wie eine Flöte. Dann mussten wir pfeifen: ,Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein'. Dabei mussten wir gehen wie die Soldaten. Der Wunn war derart in dem alten System noch drin, er konnte nicht verstehen, dass der Krieg verlo­ren war."

Erfahrung als Schmuggler gemacht: „Während meiner Lehre habe ich die Franzosenzeit erlebt. Da hab ich Er­fahrung als Schmuggler gemacht. Für die großen Sachen hatten wir Leute, die das Schmuggeln geschäftsmäßig betrieben. Die kannten zwischen Nüdelshalbach und Goldenberg jeden Pfad und boten sich an, für Geld die Ware in das unbesetzte Gebiet zu bringen. Die Pakete wurden des Nachts von Schmugglertrupps, die manchmal 10-20 Mann stark waren, transportiert. In der Gegend der Schule Goldenberg hatte unsere Firma einen Raum gemietet, da kamen die Pakete hin. Des Morgens bin ich dann mit zwei von unseren Packern immer dort hingegangen. Die Postpa­piere, wie Paketadressen usw., hatten wir in unserer Kleidung versteckt. Ein Topf mit Leim befand sich in dem gemieteten Raum. Dort wurden die Pakete postfertig gemacht. Zwei Bol­lerwagen hatten wir stets dabei; mit denen machten wir dann die Paket­tour zu Fuß vom Goldenberg zum Lüttringhauser Postamt. Wenn wir al­les erledigt hatten, kriegten wir zur Belohnung ein Schinkenschnittchen mit Kartoffelsalat vom Chef spen­diert. Da haben wir uns immer doll drauf gefreut."

Französicher Doppelposten in RemscheidWie schon bei anderen ultimativen Forderungen der Siegermächte, schwebte auch über dem Londoner Ultimatum vom 5. Mai 1921 die Drohung, dass eine Ablehnung der Reparationsverpflich­tungen oder ihre Nichterfüllung die Besetzung weiterer deutscher Land­schaften, vor allem des Ruhrgebietes, zur Folge haben würde. Was die Re­parationsleistungen in Geld betraf, hatte Deutschland im Rahmen der ge­währten Moratorien bis Ende 1922 seine Verpflichtungen bei einem Rückstand von 1,6 Prozent erfüllt. Konnte die Reparationskommission hinsicht­lich der gesamten Sachlieferungen nur geringfügige Rückstände feststellen, so entwickelten sich doch zwei Posi­tionen zum Stein des Anstoßes. Ge­gen den Widerstand Englands erklär­ten Frankreich, Belgien und Italien im Rückstand der Kohlelieferungen (12 %) bzw. Holzlieferungen (50 %) eine vorsätzliche Nichterfüllung der Reparationsverpflichtungen zu sehen. Aufgrund dieser Prämisse begann die Besetzung des Ruhrgebietes, um die Reparationsleistungen dort direkt herauszuholen.

Die französisch-belgi­sche Armee hielt am 11. Januar 1923 ihren Einzug (bis zum Jahresende wuchs sie auf gut 100 000 Mann). Zwei Tage später, anlässlich einer Kund­gebung im Reichstag, erklärte Reichs­kanzler Cuno: „Solange der vertragswidrige Zustand besteht, soll keine Hand im deutschen Volk sich rüh­ren, um diese Maßnahme zu unter­stützen. Was wir der Gewalt entgegen­setzen können, ist der Wille und Ent­schluss, in diesen schweren Tagen unerschütterlich an der Einheit und dem Recht festzuhalten." Mit dem Aufruf zum passiven Widerstand ließ die Reichsregierung wissen, dass sie einer Kraftprobe nicht aus dem Wege zu gehen gedachte. Zwar bewirkte der passive Widerstand eine bedeutende Belebung des Nationalgefühls. Hin­sichtlich seiner wirtschaftlichen Ziel­setzung war er, wie sich bald zeigen sollte, weniger erfolgreich. Als seine Fortführung gar die außenpolitische Situation Deutschlands verschlech­terte, erklärte die Reichsregierung des neuen Reichskanzlers Gustav Stresemann am 26. September 1923 den passiven Widerstand für beendet.

Ganz im Sinne der Reichstagskund­gebung ist der Aufruf, den „ein alter Frontsoldat" wenig später in einem „Eingesandt" an die Remscheider Be­völkerung richtete: „Nachdem die Franzosen nunmehr Lennep besetzt haben, ist mit der Möglichkeit zu rech­nen, dass sie auch unsere Stadt beset­zen. Für uns ist es Pflicht, die Ein­dringlinge nicht zu beachten. Neugie­rige schänden das Ansehen unserer Stadt, sie sind ehrlos, weil sie franzö­sischen Agenten Gelegenheit geben, nach Paris einen ,glänzenden Emp­fang' der französischen Truppen in Remscheid zu melden. Solche Neu­gierigen schädigen unser Ansehen im Ausland. Dass die Geschäftsleute die Franzosen boykottieren, darf wohl als selbstverständlich gelten. In Dort­mund und in Oberhausen mussten die Franzosen klein beigeben, weil die Bevölkerung sich mutig und entschlos­sen zeigte. Würde und Haltung sind vaterländische Pflicht. Die Franzo­sen müssen hier in Remscheid auf Granit beißen. Keiner darf ihnen den Weg zeigen. Wir sind Deutsche und werden den Eindringlingen deutsch­bewusst entgegentreten."

Einen Monat danach, auf den Tag genau, begann die befürchtete Beset­zung Remscheids, als am Vormittag des 7. März 1923 eine französische Truppenabteilung aus Richtung Lennep kommend auf die Stadt zu marschierte und an der Unterführung in die Haddenbacher Straße einbog. Um 11 Uhr erschienen von der Ab­teilung ein Hauptmann, zwei Unter­offiziere und vier Mann im Rathaus. Der Hauptmann und ein Unteroffi­zier suchten in Begleitung eines Dol­metschers den Oberbürgermeister Dr. Hartmann auf, dem der französische Offizier erklärte, er fordere Quartier für 100 Mann, drei Offiziere, einige Pferde und eine Lagerstätte für die Bagage. Dr. Hartmann erhob zunächst gegen das Einrücken der französi­schen Truppen nachdrücklich Pro­test, wobei er auch darauf hinwies, dass ein Teil Remscheids zum britisch besetzten Gebiet gehöre. Im Übrigen verweigerte er die Einquartierung der Truppen bei Privatleuten, weil er weder über die Möglichkeit noch über das Recht verfüge, irgendwelche Pri­vatquartiere in Anspruch nehmen zu lassen. Die Franzosen haben sich dann selbst die Schule Steinberger Straße als Quartier gewählt. Es wur­den dort von ihnen einige Räume belegt, so dass es fortan unmöglich war, den Unterricht in diesem Ge­bäude weiterzuführen. Die Kinder wurden auf andere Schulen in der Stadt verteilt. Über den Grund des Vorstoßes in unsere Stadt befragt, erklärte der Führer der französischen Abteilung dem Oberbürgermeister, sie seien le­diglich beauftragt, den Verkehr in der Haddenbacher Straße zu überwa­chen. Eine Besetzung der Stadt oder auch nur ihrer Verkehrsbetriebe wie Eisenbahn und Post solle nicht erfol­gen.

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Wochenrückblick vom 15. bis 21. Mai 2017

Katharina Micada kommt mit singender Säge

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

Am morgigen Sonntag ist es soweit. Der 41. Internationale Museumstag wird in den beiden Deutschen Museen der Stadt Remscheid von 10 bis 18 Uhr mit einem umfangreichen Programm begangen. Und Sie können das Auto zuhause lassen, denn die beiden Häuser werden über das Zentrum und Lüttringhausen mit einem kostenlosen Shuttle-Bus verbunden. Gleichzeitig können Sie eine Menge über Remscheid, seine Firmen und Besonderheiten erfahren, da Barbara Hampe und Klaus Schmidt während des ganzen Tages fachkundige Informationen aber auch die eine oder andere Anekdote liefern werden.

Im Deutschen Werkzeugmuseum wird ein attraktives Programm aufgelegt, so dass es für Jung und Alt spannende Angebote geben wird. Die Bandbreite reicht von Schmieden bis 3-D-Druck, vom Schuhmacher bis zum Feilenhauer, von der dampfgetriebenen Lokomotive bis Cosplay, von der Laserbeschriftung bis zum Weichlöten usw. Lassen Sie sich auf einen Tag mit tollen Attraktionen, Gesprächen und Erlebnissen ein. Das ganze steht unter dem Motto: „Nicht nur gucken, sondern selber machen, ausprobieren und anfassen“.

Ein ganz besonderes Highlight bietet die Firma F.A. Schmidt. Sie stellt die berühmten „Singenden Sägen“ her und präsentiert sie an diesem Tag. Hierzu kommt die Schauspielerin, Sängerin und Sägerin Katharina Micada extra aus Berlin. Sie ist Vizeweltmeisterin auf diesem ganz außergewöhnlichen Instrument und hatte damit auch schon Auftritte mit den Berliner Philharmonikern und dem London Philharmonic Orchestra. Sie wird ab 14 Uhr vor Ort sein und an verschiedenen Stellen auftreten und auch die Spielweise erläutern.

Weitere Musik bietet die Band „Timeless“ mit altbekannten Klassikern des Rock’n Roll, Reggae und Blues. Bei so viel Aktivitäten wird man natürlich hungrig und durstig: Leckere Grillereien bietet die IG Hasten an. Danach sind eine oder zwei frische Waffeln das Richtige. Dazu einen duftenden Kaffee, einen Apfelsaft oder spritzigen Obstwein von der Obstweinkellerei „Am Wässerchen“. Also kann die Küche zuhause kalt bleiben. Museumsleiter Dr. Andreas Wallbrecht: „Die Veranstaltung ist erst durch die freundliche Unterstützung durch die Stadtsparkasse Remscheid möglich geworden. Der Eintritt ist frei.“

Als in RS noch viele Schornsteine für dicke Luft sorgten

Zählen Sie bitte mal nach: Es sind mindestens 25 Schornsteine, die vor gut 87 Jahren in der Remscheider Innenstadt für "dicke Luft" sorgten. Sie gehörten zum Industrie-Komplex zwischen Freiheitstraße und Rosenhügel. Damals war der Gelände noch in der Hand eines einzigen Unternehmens - dert Bergischen Stahl-Industrie (BSI). Die Luftaufnahme entstand im Jahre 1929.  (aus: “…aber die Jahre waren bestimmt nicht einfach. Remscheider Zeitzeugen berichten aus Kindheit und Jugend“. Von Gerd Selbach. Herausgegeben von der Volkshochschule der Stadt Remscheid 1985.)
Wie die Szenerie rund um den Remscheider Bahnhof "heute" (Juli 2011) aus gegenläufiger Perspektive aussieht, zeigt anschaulich das Luftbild, das Waterbölles-Leser Armin Gerhardts freundlicherweise zur Verfügung stellte.

Wochenrückblick vom 8. bis 14. Mai 2017

 

Im Graben vor dem "Kristallpalast" wurde auch genächtigt


Der 'Kristallpalast' (links) auf einer Postkarte vor 1910von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Ich selbst wüsste nur zu gern, woher diese Bezeichnung im 19. Jahrhundert kam. Mit dem Londoner Crystal Palace zur Weltausstellung 1851 und dessen Nachahmungen in z.B. Leipzig und Dresden hatte er wohl nichts zu tun, zumal es sich hier nicht um ein Lenneper Schmuckstück, sondern um einen über viele Jahrzehnte zitierten Schandfleck handelte. Gemeint war das Areal an der Nord-Westseite der Ecke Kölner und Bahnhofstraße in Lennep, wo sich im Jahre 1937 die Lenneper Ofen- und Herdhandlung Liesendahl ansiedelte, die sich vorher viele Jahre gegenüber dem Berliner Hof am Mollplatz bzw. an der Poststraße 1 befand. Das uralte Gebäude des sogenannten Kristallpalastes war allerdings damals schon lange nicht mehr vorhanden, das Grundstück wurde durch einen wackeligen Bretterzaun begrenzt, an dem über viele Jahren Plakate angeklebt wurden, die durch den Regen aufgeweicht, ab einer gewissen Dicke der Papierschicht auf das Trottoir fielen, auf dem sich unverfüllt noch die Löcher eines früheren Eisenzauns befanden. Dieser verhinderte schon im frühen 19. Jahrhundert Stürze in eine Art Graben, der sich um die bebaute Fläche zog, an der Kölner Straße und um die Ecke die Bahnhofstraße hinauf. (Tief neben der Straße liegende Häuser gab es seinerzeit in Lennep viele, ich selbst habe noch am Mollplatz hinter dem ehemaligen Kaiserdenkmal eines erlebt, man musste dort vom Thüringsberg her ein paar Stufen zur altbergischen Haustür hinuntersteigen.

Im Jahre 1936 thematisierte das Lenneper Kreisblatt die Bahnhofstraße unter „neuzeitlichem“, das hieß damals unter nationalsozialistischem Aspekt, weil man ein geplantes Bauvorhaben an der Ecke zur Kölner Straße als modern und zeitgemäß ankündigen wollte. Dementsprechend wurde die vorhandene Architektur der vergangenen Kaiserzeit negativ apostrophiert. Es hieß u.a.: „Die Bahnhofstraße als Eingangsstraße zur Stadt aber ist für Lennep nicht rühmlich. Wohl entstanden im Laufe der Jahre dort einige größere Bauten, im Allgemeinen ist aber auch heute noch das Aussehen dieser Straße für eine Stadt wie Lennep nicht gerade imponierend. Für die heutigen Verhältnisse dürfte das das Rathausgebäude kein Bau sein, der auf Schönheit Anspruch erheben kann“. Von der einstigen wilhelminischen Prachtstraße wollte man also seinerzeit nichts mehr wissen, das Vorzeigestück, gleich ausgehend vom Bahnhof, sollte jetzt in eine „moderne“ Geschäftsstraße mit reinen Zweckbauten verwandelt werden.

Der historische 'Kristallpalast' in einer Abbildung des Lenneper Kreisblatts

Allerdings war an der genannten Ecke der Bahnhofstraße zur Kölner Straße (damals Hermann-Göring-Straße) auch niemals ein wilhelminischer Prachtbau vorhanden, sondern  der ehemalige Kristallpalast bzw. sein verkommenes Grundstück. Dieses beschrieb der Zeitungsschreiber 1936 ganz zu Recht als ein „besonderes Ärgernis“. War schon früher das auf diesem Grundstück stehende alte Gebäude ein beschämendes Bild für die Stadt, so sei nunmehr der mit den Plakaten beklebte Bretterzaun ein nicht minder hässlicher Anblick. Schon zur Zeit des 1. Weltkriegs hatte man hier Abhilfe schaffen wollen, jedoch dann musste aufgrund des sich zeitlich ausweitenden Krieges eine Neubebauung zunächst unterbleiben. Erst nach dem „Umbruch“ von 1933 und die dadurch bedingte Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung sollte nun ausgeschachtet werden und die Neubebauung erfolgen. Dies wurde dem Leser auch durch eine Skizze näher gebracht, die die künftige Bebauung der Bahnhofstraße erkennen ließ. Die Neubebauung schloss beispielsweise eine bis dahin noch vorhandene alte Gasse, und unten an der Ecke zur Kölner Straße sollte ein neuzeitlicher Geschäftsbau den Raum bis zur Glas-, Farben- und Tapetenhandlung von Daniel Witscher füllen.

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