Im Mai 2002 kündigte Romely Pfund, damals Chefdirigentin der Bergischen Symphoniker, für die neue Spielzeit „Grenzgänge“ an: Um ein breiteres Publikum zu erreichen, plane das Orchester der beiden bergischen Großstädte Solingen und Remscheid unter dem Motto „Grenzgänge“ Konzerte, in denen Klassik zum Beispiel auf Jazz treffen werde. Wegen Renovierungsarbeiten am 50 Jahre alten Teo Otto Theater falle die neue Saison dort um drei Monate kürzer aus, teilte im gleichen Monat Theaterdirektorin Helga Müller‑Serre mit. Der Schwerpunkt liege dann auf modernem Tanztheater und zeitgenössischen Schauspiel-Inszenierungen.
So alt ist „Alt-Remscheid“ noch gar nicht. Es ist gerade mal zehn Jahre her, dass der Rat der Stadt beschloss, die Remscheider Innenstadt, den Ortsteil Hasten und die westlichen Stadtteile so zu nennen. Mit diesem neuen Bezirk könnten sich auch die in Kremenholl wohnenden Bürger besser identifizieren, hieß es damals.
Im Mai 2002 legte die Stadtverwaltung der Politik ein Gutachten vor, wonach in den nächsten zehn Jahren rund 50 Hektar neue Gewerbeflächen benötigt würden - weit weniger, als bisher veranschlagt. Als Grund wurde genannt, dass Dienstleister (im Aufschwung) weniger Platz benötigten als Produktionsbetriebe (in Stagnation). Das Dienstleistungsgewerbe floriert in Remscheid weit mehr als das produzierende Gewerbe, hatte das Dortmunder Büro "Planquadrat" herausgefunden. Damit erhielt das Gewerbegebiet "Blume" in Lüttringhausen unerwartet ein großes Fragezeichen. Das fanden die Grünen gut und die CDU schlecht. Und die SPD plädierte für eine gemeinsame Gewerbeflächen-Politik mit den Nachbarstädten, vor allem mit Wuppertal.
Ihr zehnjähriges Bestehen feierte vor zehn Jahren die Verbraucherberatungsstelle in Remscheid. Seit 1992 hatten die Remscheider Verbraucherschützer nach eigenen Angaben rund 81.000 Bürger beraten.
Vor zehn Jahren begann an der Burger Straße der Bau eines vierstöckigen „mobilen Krankenhauses“. Es werde als Übergangsstation während des eigentlichen Krankenhausneubaus dienen, kündigte die Sana GmbH damals an. Das mobile Krankenhaus werde bis zum Jahr 2005 die internistischen und chirurgischen Abteilungen sowie die Ambulanz aufnehmen. Baukosten: rund fünf Millionen Euro.
Auf den Briefumschlägen der Stadtverwaltung prangte im Mai 2002 Werbung der Imbisskette "McDonalds". 340.000 Briefumschläge hatte das amerikanische Unternehmen gesponsert; das war damals der gesamte Jahresbedarf der Remscheider Stadtverwaltung. Und mehr als das: Ob Bußgeldbescheid oder Baugenehmigung ‑ den Coupon für einen verbilligten BigMac gab es noch dazu. Dadurch reduzierten sich nach Angaben der Stadtverwaltung die Portokosten um 5.000 Euro.

„Mit Strohhut und Regenschirm auf Vatertagstour“, titelte der Waterbölles am Himmelfahrtstag 2011 (2. Juni) und zeigte zwei vergilbte Fotos aus alten Tagen, als der „Vatertag“ noch groß in Mode war. Heute nun zwei Fotos zum gleichen Thema, die sich im Buch „Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid. Vom Blombach bis Eschbach“ von Günther Schmidt finden. Das rechte hat er selbst aufgenommen und „Himmelfahrt 1920 im Eschbachtal“ betitelt. Das linke stammt aus der Sammlung Meier und zeigt den Burger Bahnhof im Eschbachtal nahe der Straße nach Oberburg zu Zeiten, in denen im dortigen Ausflugslokal an „Himmelfahrt“ reger Betrieb herrschte. Im Bild zu sehen auch die Straßenbahn, die damals noch zwischen Remscheid und Unterburg verkehrte.
Unter dem Motto „Industriegeschichte erlebbar machen" hat Hubert Haenel (CDU), ehemaliger Bezirksvorsteher in Alt-Remscheid und Mitglied im Vorstand des Bergischen Geschichtsvereins, anlässlich der Aufstellung des restaurierten Schwungrades an der Autobahnausfahrt Remscheid für Samstag, 19. Mai, um 11 Uhr Heimatfreunde sowie Vertreter von Rat und Verwaltung zu einer kleinen Feier auf den Hof der Spedition Mäuler eingeladen. Das 3,1 Tonnen schwere Schwungrad einer alten Dampfmaschine war auf Haenels Initiative bereits im November vergangenen Jahres an der Autobahn gut sichtbar aufgestellt worden („Remscheid hat Schwung“) als Wahrzeichen für den Wirtschaftsstandort mit langer Tradition. „Doch ohne die Unterstützung vieler anderer wäre mein Traum vom Schwungrad nie Wirklichkeit geworden. Und da man im Winter schlecht mit Würstchen und Bier (zum Selbstkostenpreis) im Freien feiern und Danke sagen kann, möchte ich dies jetzt gerne nachholen“, so Haenel in seiner Einladung. „Die aktuelle Diskussion über das Sparpaket und andere Probleme, mit denen wir hier vor Ort zu kämpfen haben, lässt uns oft vergessen, dass Remscheid einst ein bedeutendes Industrie- und Handelszentrum war. Wir sollten stolz darauf sein und unsere Traditionen pflegen. Das Rad soll Werbung für unsere Stadt sein, die eine große Geschichte hat - und hoffentlich auch eine gute Zukunft!“
„Neugestaltung des Lindenbergplatzes beginnt in diesem Jahr“, titelte der Waterbölles am 25. Januar, nachdem die Stadtverwaltung im Bauausschuss das Konzept für die Neugestaltung vorgestellt hatte. Vorgesehen ist eine Glas- und Metallkonstruktion (Pergola/Laubengang) mit Wartehalle entlang der Hastener Straße, finanziert aus der Nahverkehrspauschale. Die Kosten für die Rückkehr des historischen Richard-Lindenberg-Denkmal von der Hammesberger Straße nach „Hasten-Feld“ - 10.000 € - tragen Sponsoren, die IG Hasten für dieses Projekt gewinnen konnte. Inzwischen ist das Denkmal an seinem neuen und hoffentlich endgültigen Standort zu besichtigen, wenngleich noch von Bauzäunen umstellt.
von Dr. Wilhelm R. Schmidt
Trotz gelegentlichen Regens fanden sich am Freitagnachmittag zum angekündigten Rundgang durch Lennep rund 30 interessierte „Bürger/innen aus allen Altersstufen ein (sogar mit einem Kinderwagen). Die ca. 50 Bauten und einem ganzen von der Firma Wender & Dürholt (W & D) erstellten Stadtviertel geltende Führung dauerte aufgrund des großen Interesses und vieler Fragen über zweieinhalb Stunden. Dank an den Verein Lennep Offensiv, der den Rundgang in das Programm der Röntgenwoche aufnahm und den Lenneper Altstadtfreunden, die im Oktober des letzten Jahres die Eröffnung der Wender & Dürholt-Ausstellung im Tuchmuseum zusammen mit der Hardtstiftung organisierte.
Der Rundgang umfasste ausgewählte Baubeispiele aus der Firmengeschichte in der Zeit zwischen 1870 und 1970. Dabei wurde u. a. auch auf weitere Architekten und Baufirmen hingewiesen, die mit der Firmengeschichte direkt in Verbindung standen (Albert Schmidt, Arthur Schmidt, Gries & Lohmann, Fried. Wilh. Höffgen u.a.). Vom Röntgenmuseum aus ging es über die Schiller-, Werner- und Wiesenstraße zur Post- und Bergstraße. Es folgten Kölner- und Wupperstraße, die untere Leverkuser Straße (Kindsgasse) sowie die untere Sauerbronnstraße, zuletzt wurde über die Geschwister-Scholl-Straße der Bogen zu den historischen Schulbauten an der Röntgenstraße geschlagen, vorbei zuletzt am Kinderhaus Westerholt, an dessen Erstellung 1870 nicht nur der Architekt Albert Schmidt, sondern auch der Bauunternehmer Wilhelm Wender und der Zimmermeister Louis Dürholt beteiligt waren. Der Rundgang endete auf der Hardtstraße nach einem (nur fotografischen) Blick auf das nicht mehr existente alte evangelische Gemeindehaus. Da aus verschiedenen Gründen nicht alle Interessierte am Freitag teilnehmen konnten, wird der Rundgang im Sommer noch einmal angeboten werden. Die sehr gut besuchte Ausstellung im Tuchmuseum endet heute um 17 Uhr. Die mehr als 500 Dokumente und Bildmaterialien, die zur Vorbereitung des Themas digitalisiert wurden, gehen an Archive. Dazu gehören zwischenzeitlich verschollene Firmenschriften, Fotos und sonstige Firmenunterlagen, die Privatpersonen zur Verfügung gestellt hatten. Auch ihnen ein herzliches Dankeschön.
Rückblick auf die Zeit, als der Zweite Weltkrieg unmittelbar bevor stand. Ehe, wie Hitler das ausdrückte, »zurückgeschossen« wurde, damals am 1. September 1939, hatte ein publizistisches Trommelfeuer viele Zweifler mürbe gemacht. Sie dachten an Pflichterfüllung, auch wenn ihnen die ganze Richtung nicht passte. Als der Zweite Weltkrieg beginnt, steht in Remscheid in der Zeitung, dass die Stadt 21.000 Rundfunkteilnehmer hat. In den darauffolgenden Tagen wird auf diese Weise Stimmung gemacht: „Remscheid ist in Bereitschaft. Der Führer hat gesprochen. Zuversicht, Mut und Entschlossenheit erfüllt alle. Trotz der erregenden Atmosphäre, die die Wucht der ungeheuren Entscheidung erzeugt, ist keine Spur von nervöser Hast zu bemerken. Jeder ist entschlossen, zu seinem Teil zum guten Gelingen unserer heiligen Sache beizutragen. Es ist gänzlich unwichtig, dass wir leben. Notwendig ist es, dass unser Volk, dass Deutschland lebt.“
Und sehr konkrete Hinweise auf veränderte Lebensbedingungen: »Alle Verdunklungsmaßnahmen sind durchzuführen. Die Aufforderung des Polizeipräsidenten ist zu beachten, wonach die Straßen freizumachen sind, wenn feindliche Flugzeuge auftauchen. Es wird bitter ernst. Jede Neugier rächt sich. Um Euch vor dem Abwurf feindlicher Bomben zu schützen, muss die Flak schießen. Dabei können stets Geschoßsplitter und auch größere Teile herunterfallen. Also, weg von den Straßen, hinein in die Luftschutzräume.«
In der dritten Kriegswoche nimmt die Bevölkerung zur Kenntnis, dass es noch einige Textilwaren bezugscheinfrei gibt, so naturseidene Gewebe aller Art, Wachstuch, Linoleum, Balatum und Stragula, Teppiche, Kokosläufer, Gardinen, Morgenröcke und Hausjoppen. Doch eine solche Nachricht hat nur Kuriositätenwert, denn von all diesen Sachen ist in den Läden nichts mehr zu haben.
Am 15. September 1939 meldet das Führerhauptquartier 60.000 gefangene Polen bei Radom. Doch in Remscheid werden auch die ersten Todesanzeigen veröffentlicht, von den Eltern, die »in stolzer Trauer« den Tod ihres Sohnes bekanntgeben, von jungen Frauen, die auf diese Weise das frühe Ende ihres Ehemannes vermelden. Sieben Lebensmittelkarten (Reichsbrotkarten [rot], Reichs-fleischkarte [hellblau], Reichsfettkarte [gelb] und so weiter) werden ausgegeben. Jungen ab siebzehn bekommen Rasierseife.
Ende September 1939 feiert die Schule Neuenkamp Richtfest. Die Remscheider Milchversorgung wird neu geordnet. Arbeiter aus rüstungswichtigen Betrieben erhalten ihre UK-Stellung. In den Kinos laufen Filme wie »Robert Koch« mit Emil Jannings (Capitol), »Kitty und die Weltkonferenz« mit Hannelore Schroth (Apollo), »Menschen vom Variete« mit La Jana und Attila Hörbiger (Modernes). In Sondervorstellungen ist der dokumentarische Film über »den größten Festungsbau aller Zeiten«, den Westwall, zu sehen. Noch dürfen auch russische Stoffe sein, so »Stjenka Rasin« (Union-Theater).
Schlaglicht aus dem Kriegsjahr 1940, in dem die Deutschen über Holland, Belgien und Frankreich hereinbrechen: Remscheider unterhalten 58282 Sparkonten mit 55 863106 Reichsmark. Das sind pro Konto 963 Reichsmark im Durchschnitt. Von 100 Einwohnern besitzen 56 ein Sparbuch.
Trotz der militärischen Erfolge, die bei vielen Remscheidern die nationalsozialistischen Parolen zu Selbstläufern machen, setzt die NSDAP die Propagandaarbeit fort. Ein Beispiel: Am 27. Oktober 1940 findet ein Generalmitgliederappell der Ortsgruppe Schüttendelle statt. Es gibt wieder einmal eine Fahnenweihe. Aus Düsseldorf ist der Gauleiter Florian gekommen, zur Feier des Tages. Ihm dankt Kreisleiter Brinkschulte und gelobt, »dass die Ortsgruppen des Kreises Bergisch-Land helfen wollen, das Ziel Adolf Hitlers zu verwirklichen, ein freies, stolzes Deutschland zu schaffen. In der Partei darf es kein Spießertum geben, denn sie, eine idealistisch verschworene Gemeinschaft von wenigen Millionen, muss eine gigantische Kraft entfalten, um das 86-Millionen-Volk (Österreich mitgezählt) für alle Ewigkeit auf das Hochplateau eines menschenwürdigen Lebens zu führen.« Das war der Ton der Zeit. So redete man damals wirklich. In der Zwischenzeit aber hatte Hitlers Krieg begonnen, Menschen zu fressen. Immer mehr Remscheider mussten in den grauen Rock, immer mehr junge Männer auch, Abiturienten darunter. Frauen rückten auf frei werdende Arbeitsplätze. Noch geschah das alles mit der Mutmaßung, es helfe den Krieg zu einem für Deutschland guten Ende zu führen. Die Siegesmeldungen waren noch in der Überzahl. Die Menschen ließen sich motivieren.
Indoktrination war aber auch weiter an der Tagesordnung. Das wurde in Remscheid erfahrbar, als am 29. Oktober 1940 der Städtische Lesesaal seiner Bestimmung übergeben wurde. Bei seiner Eröffnung hieß es, er sei »dem Geist der Gegenwart angepasst, ein Instrument der politischen Willensbildung. Hier wird das Buch im kämpferischen Einsatz für Reich und Volk gesehen.« Krasser konnte die geistige Entmündigung der Bevölkerung kaum noch ausgedrückt werden. Bücher waren nicht länger Zeugnisse individueller Bemühungen um die Probleme der Zeit, nicht länger Herausforderung an andere, den eigenen Standort zu überprüfen und ihn auch in entgegengesetzter Position zu finden, Bücher waren jetzt Erfüllungsgehilfen zur Erkenntnis der einzig zugelassenen nationalsozialistischen Wahrheit. Man kann sich das Autorenregister des Städtischen Lesesaals Remscheid vorstellen. (aus: „Remscheid so wie es war 2“, von Dr. Gerd Courts, erschienen im Droste Verlag, Düsseldorf, im Jahre 1978.)

Nicht geradlinig verlief die Geschichte des Remscheider Theaters, das als städtische Einrichtung seit 1919 existierte. Mehrmals dirigierte der Rotstift der Sparkünstler im Rathaus die Kulturarbeit wirkungsvoller als die Intentionen des Intendanten.Obwohl die Musenherrscher schon mit dem publikumsträchtigsten Genre, der Operette, lockten, blieb das Theater in einem Maße von Subventionen abhängig, dass es den verantwortlichen Stadtverordneten 1931 angezeigt erschien, das »Faß ohne Boden« ganz in die Ecke zu stellen, das heißt, das eigene Ensemble aufzulösen. Vor knapp 81 Jahren, am 27. Mai 1931, in der Zeit der größten Wirtschaftskrise, die mit lang anhaltender Arbeitslosigkeit einherging, verabschiedeten sich Sänger und Schauspieler von ihrem Remscheider Publikum mit einer bunten Szenenfolge. Der Reinertrag des Abends war für das Personal bestimmt. Der Eintrittspreis war den Zeiten angemessen und lag zwischen 50 Pfennig und drei Mark. Das damals noch existierende Warenhaus Tietz, der spätere Kaufhof, hatte den Vorverkauf inne.
Mit der Entlassung des künstlerischen Personals war das Theaterleben in Remscheid nicht gänzlich zu Ende. Intendant Müller-Multa blieb als eine Art städtischer Impresario und organisierte die fälligen Gastspiele aus Wuppertal. Die Städtischen Bühnen der ebenfalls 1929 durch Zusammenlegung von Elberfeld und Barmen sowie Eingemeindung von Ronsdorf, Cronenberg und eines Teils von Lüttringhausen entstandenen bergischen Metropole standen damals unter der Leitung des Intendanten Maurenbrecher. Die Wuppertaler kamen und brachten das gängige Opern- und Operettenrepertoire. Müller-Multa schneiderte die Inszenierungen für Remscheider Bühnenverhältnisse zurecht. Im Schauspiel, am ehesten ein Spiegel der Zeit, gab es »Die Geschwister« von Goethe, Calderons »Das Leben ein Traum«, Hebbels »Judith«, Zuckmayers »Hauptmann von Köpenick«, schließlich solche Eintagsfliegen wie »Juwelenraub in der Kärntner Straße« von Fodor und »Der Mann aus dem Kaffernlande« von Glasenapp. Im Übrigen mussten die Remscheider immer zu gutem Besuch angehalten werden, andernfalls, so hieß es, müsse das Theater ganz geschlossen werden. 1933 änderte sich das wie so vieles. Theater wurde jetzt auch Mittel zum Zweck, zur Erziehung des Volkes im neuen Geist. Unwillkommene Autoren, jüdische zumal, durften nicht mehr gespielt werden, wohl aber Werke aus der Feder der Angepassten.
Inzwischen leben die Remscheider von der Substanz. Die Einzahlungen bei der Sparkasse überschreiten die Auszahlungen kaum noch. Viele sind gezwungen, ihre Notgroschen anzugreifen. Fürs Vergnügen bleibt wenig. Immerhin die Kinos, seit kurzem mit der Attraktion des Tonfilms. Sie locken mit »Pat und Patachon auf dem Pulverfass«, einer Klamotte der beiden Skandinavier Karl Schenkström und Harald Madsen. Harry Liedtke bezaubert die Frauen im »Donauwalzer«, Conrad Veidt begeistert die Männer in »Die letzte Companie«, und das alles spielt sich im »Lichtspielpalast Stachelhauser Straße«, im »Tempo 1« und »Tempo 2« sowie im »Modernen Theater« ab.
Das Musikleben in Remscheid wurde durch zwei wesentliche Faktoren bestimmt: durch die intensive Pflege des Männergesangs in zahlreichen Chören, die zum Teil schon seit dem 19. Jahrhundert existierten, und durch das Städtische Orchester, das im Jahre 1925 durch Oberbürgermeister Dr. Walther Hartmann gegründet worden war. Ein Jahr später wurde ein Städtisches Musikamt eingerichtet, das 1927 aus der Hand Karl Selves an Dr. Felix Oberborbeck überging. Er führte das Orchester auf beachtliche Höhe, doch mit den künstlerischen Erfolgen konnten die wirtschaftlichen nicht Schritt halten. Die miserable Haushaltslage der Stadt führte 1931 nicht nur zur Auflösung des Theaterensembles, sondern auch des Orchesters. Wenn es trotzdem gelang, die vorgesehenen Konzerte durchzuführen, dann nur deshalb, weil die Musiker unter teilweise erheblichen Opfern zusammenblieben und als »ehemaliges Städtisches Orchester» weiterwirkten. Hin und wieder half eine Behörde: das Arbeitsamt. Die arbeitslosen Musiker mussten es sich zwar gefallen lassen, als »Arbeitsamtsorchester« bezeichnet zu werden, konnten dafür aber alle Abonnementskonzerte, Kammermusikabende und Jugendkonzerte spielen. 32 Musiker und die pro Konzert mehr als 700 Remscheider machten es möglich. Diese Hilfskonstruktion dauerte analog zur Theatersituation bis 1933. Oberborbeck, der Mann, der Remscheids Musikleben seit 1925 maßgeblich bestimmt hatte, verließ die Stadt 1934. Es dauerte eine Zeit, ehe die Lücke, die sein Weggang hinterließ, geschlossen werden konnte. - Kaspar Wittkop (1862-1936), (im Foto oben links) ursprünglich Sägenschmied, war Dichter volkstümlicher Lieder und Vertoner seiner Schöpfungen mit den ‚Sängern van der Beek (Foto)’. Wittkop war ein Original. Er dirigierte die Darbietungen seines Gesangvereins mit einer Gerte, die er sich aus einer Stechpalme schnitt, der sogenannten »Hölsenschmicke«
Remscheids Kirmes ist ein so tief im Volksempfinden eingewurzeltes Vergnügen, dass daran trotz aller Not nicht gerüttelt wird. 1931 waren an Neuigkeiten die Motorradfahrer an der Todeswand, Nervenkitzel für 20 Pfennig, und die Revue der Geschwister Ackermann zu verzeichnen. Ein ehemaliger Hippodrombesitzer ließ seine vier Töchter, die bis vor kurzem noch Sterne des Essener Opernballetts gewesen waren, auf der Kirmes auftreten. Sagte Vater Ackermann. Zeichen der Zeit oder geschickter Werbegag? Das Hippodrom, nun unter neuer Leitung, fehlte nicht. Schreibt die Lokalzeitung: »Die Liliput-Pferdchen sind immer noch so klein wie früher, und der Vollbart des Besitzers hat sich auch nur in der Farbe geändert.« Doch Kino und Kirmes bringen nur kurzfristige Ablenkung, die Not will nicht weichen. In Remscheid bastelt man an einer Winternothilfe. Der Remscheider General-Anzeiger macht praktische Vorschläge, Gutscheine für Mittagessen an die Bedürftigen auszugeben, Wettbewerbe für Arbeitslose mit Preisverteilung, Lebensmittelpakete für Alleinstehende, Milch und Kakao für Schulkinder. Trotz allem wird der Winter 1931/32 schlimm. (aus: „Remscheid so wie es war 2“, von Dr. Gerd Courts, erschienen im Droste Verlag, Düsseldorf, im Jahre 1978.)

Ab morgen schwimmt der „Stinthengst“ wieder auf dem Stadtparkteich. Die Mitglieder der Kreisgemeinschaft Sensburg e.V. wollen ihn um 15 Uhr gemeinsam mit Bürgermeisterin Monika Hein zu Wasser lassen. Zum mittlerweile 51. Mal erinnern die Sensburger damit dann ihre frühere Heimat und ihre alten Sitten und Gebräuche. Der Stinthengst (polnisch Rybi Król - Fischkönig oder auch Król Sielaw - Stintkönig) ist, wie im Internet-Lexikon Wikipedia nachzulesen, „ein Fabelwesen, das aus den masurischen Gewässern um Nikolaiken stammt. Bei dem Stinthengst handelt sich um den König der Stinte, einer Fischart, die in den masurischen Gewässern häufig anzutreffen ist.“
„Als Jugendlicher (Lenneper) fuhr ich in den 1950er und noch in den 1960er Jahren oft und gerne nach Remscheid, um Kunst-Ausstellungen und -Vorträge im Stadttheater zu besuchen. Vom damaligen Kulturreferenten Heinz Roux kuratiert, fanden dort, in mehreren Ausstellungsräumen auf der 1. Etage, bemerkenswerte, sogar internationale Ausstellungen statt. Ab 1972 erfuhr dieser Ausstellungsort eine Neuerung: die jährlich im Mai stattfindende Remscheider „Maiausstellung“ des Berufsverbandes Bildender Künstler (Berg. Land). Leider wurden die Ausstellungsräume schon zu Beginn der 80er Jahre durch Umbauten anderen Zwecken (Notenarchiv u.a.) zugeführt. Der in den 70er Jahren installierte Kunstbeirat, ein Unterorgan des Kulturausschusses, wurde bald danach aufgelöst. Es dauerte nicht lange, bis Remscheids Image im Bergischen Land als kunstfeindlich galt, denn in den Nachbarstädten Solingen und Wuppertal gab es unter anderem durch eigene Kunstmuseen ein größeres, besseres Kulturangebot. Bemühungen, das Remscheider Kulturangebot wieder zu verbessern, gestalteten sich sehr schwierig. Erst 1992 gelang es, den seit Anfang der 1970er Jahre gehegten Traum von einer „Städtischen Galerie“ zu verwirklichen. Der Trick, mit dem dies gelang, hieß „Begegnungsstätte“. Mit dieser Deutung ließ sich ein Landeszuschuss von 1,5 Millionen Mark nach Remscheid holen.
Städtische Galerien haben einen besonderen Status. Im Gegensatz zu privaten Galerien befinden sie sich quasi nicht auf dem Kunstmarkt und vermitteln zeitgenössische Bildende Kunst als Bildungsaufgabe und nicht in kommerzieller Absicht. Wegen ihres in qualitativer Hinsicht guten Rufes sind sie als Ausstellungsorte bei Besuchern geschätzt und bei Künstlern, besonders den jüngeren, begehrt. So wuchs auch das junge Remscheider Pflänzchen in 20 Jahren zu einer bundesweit anerkannten Institution - und dank des gegenwärtigen Leiters Oliver Zybok auch zur kostengünstigsten in Deutschland. (…) Diese Einrichtung soll nun - sogar vor Ablauf der Landesmittelbindung im Jahre 2017 - bereits Ende 2014 schließen, also trotz einer dann fälligen Rückerstattung der restlichen Landesmittel von jährlich 30.000 Euro und selbst dann, wenn bis dahin noch keine Käufer für die beiden Häuser gefunden sein sollten. Ohne neue Eigentümer wird das so schon geringe Einsparpotenzial noch niedriger sein als prognostiziert, da Kosten verursachende Vorkehrungen zur Klimatisierung der Häuser getroffen werden müssten, um sie vor völligem Verfall zu bewahren.
Ein gewisser Sanierungsbedarf besteht bereits heute, weil die Stadt Remscheid ihrer Pflicht zur baulichen Unterhaltung der beiden denkmalgeschützten Häuser nicht mehr ausreichend nachgekommen ist. Da der Gebäudeunterhaltungsetat ebenfalls erheblich reduziert werden soll, kann man sich vorstellen, wohin das alles führt.“ (Zitate von Klaus Küster, Ratsmitglied der Linken, aus der gestern veröffentlichten Maiausgabe des „Standpunkts“, die seine Partei als pdf-Datei per E-Mail vertreiben.)
Pressemitteilung der Stadt Remscheid
Der Wochenmarkt vor der beeindruckenden Kulisse des Remscheider Rathauses lädt Woche für Woche zum Einkaufen, Kladdern und Essen ein. Viele Remscheider nutzen den Markt seit jeher, um sich mit frischen Produkten der Region einzudecken, dabei freundschaftliche Kontakte zu pflegen und sich mit den Markthändlern auszutauschen. Warum also nicht den traditionellen Wochenmarkt in Remscheid zum Thema einer Stadtführung machen? Diese Idee setzen Remscheids Stadtführer am Samstag, 2. Juni, um: Mit Unterstützung des Remscheider Stadtmarketings lädt Ursula Freihoff für 10.30 Uhr zum gemeinsamen Rundgang über den Wochenmarkt auf dem Theodor-Heuss-Platz ein. Wer sich ihr anschließt, erfährt in anderthalb Stunden viel Interessantes über die Geschichte des Marktes und das eine oder andere „Döneken“ – dank engagierter Markthändler, die die Führung unterstützen. Zum Abschluss des Rundgangs erwartet die Teilnehmer eine typisch bergische Spezialität. Entgelt: sechs Euro pro Person. Treff: Haupteingang des Rathauses. Anmeldung ab 1. Mai bei Ursula Freihoff, Tel. 0171/ 616 38 82. (Büro der Oberbürgermeisterin)

Den Plan zum Bau eines monumentalen Denkmals auf dem Remscheider Rathausplatz, der damals nach dem Diktator (Adolf Hitler) benannt war, hatte der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Walther Hartmann am 28. Juni 1937 verkündet. Am 1. Mai 1939 fand die feierliche Enthüllung statt. Geschickt hatte man den »Tag der Arbeit« gewählt, damit keine Schicht ausfallen musste. So fanden sich am Vormittag 27.000 Menschen auf dem weiten Platz ein, um Zeugen des Geschehens zu werden. Die Nationalsozialisten entfalteten das nun schon vertraute Zeremoniell mit Marschmusik und Fahnenweihe.
Sechs Banner der Deutschen Arbeitsfront erhielten den braunen Segen, die Kapelle der Bergischen Stahlindustrie spielte »Volk ans Gewehr«, eine in diesen Monaten besonders zielgerichtete Melodie, und Kreisleiter Brinkschulte übergab das Denkmal an die Stadt Remscheid. Auf seinem Sockel standen die Worte »Dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches in Dankbarkeit 1.5.1939«. Beifall rauscht auf, Oberbürgermeister Kraft lässt verlauten, der Löwe sei als »Mahnmal und Aufforderung zur Einigkeit errichtet worden«. Dann gibt es noch einmal Musik. Das Volk trollt sich. Auf Bökers Wiese ist Kirmes, und auch das ist an einem solchen Tag eine Attraktion. Am Abend illuminiert das Feuerwerk »Rathaus in Flammen« die Szene. Der Schöpfer des Denkmals, Professor Melier aus Rodenkirchen, ist zufrieden seines Weges gezogen, die Remscheider haben ihren Löwen zu lieben begonnen. Der hat den Krieg auch überstanden, allerdings die Inschrift am Sockel verloren. (aus: „Remscheid so wie es war 2“, von Dr. Gerd Courts, erschienen im Droste Verlag, Düsseldorf, im Jahre 1978.)
22 bergische Unternehmen beteiligen sich vom 23. bis 27. April an der Hannover Messe. In deren Mittelpunkt steht diesmal das Thema „nachhaltige Produktion“. Auf insgesamt acht Leitmessen zeigen die Aussteller ihre Produkte und Innovationen. Was aussieht wie ein grafisches Kunstwerk, sind in Wirklichkeit zwei historische Fotos von zwei Weltausstellungen. Das obere (schmale) zeigt den Gemeinschaftsstand der Remscheider Werkzeuginustrie auf der Weltausstellung, die vom 1. Oktober 1880 bis 30. April 1881 in Melbourne, Australien, stattfand. Sämtliche dort ausgestellten Werkzeuge gingen später verloren: das Schiff, auf dem sie zurück nach Deutschland transportiert wurden, sank. - Das untere Foto zeigt den Stand der Firma C. W. Haas auf der Weltausstellung, die am 29. April 1911 im norditalienischen Turin eröffnet wurde. (aus: „Remscheid“ von Hans Funke, erschienen 2002 im Sutton-Verlag in Erfurt in der Reihe „Archivbilder“)
Am 18. April 1946 fand eine Sitzung der von der Militärregierung ernannten Stadtvertreter statt. In dieser Sitzung wurde der letzte Oberbürgermeister alten Stils, Georg zur Hellen, der 27 Jahre für Remscheid gearbeitet hatte, vom Stadtkommandanten Major Barker verabschiedet. An seine Stelle trat der bisherige Stadtrat in Krefeld, Arthur Mebus, der in Remscheid als Oberstadtdirektor Hauptgemeindebeamter wurde. In ihm wird zum ersten Male das parlamentarische System der Gewaltenteilung sichtbar. Fortan wird es eine beschließende Instanz, ein Stadtverordnetenkollegium mit dem politischen Oberbürgermeister an der Spitze, und eine ausführende Instanz, eine unpolitische Verwaltung mit dem Oberstadtdirektor an der Spitze geben.
Diese quasi britische Errungenschaft bewährte sich, nicht aber das Mehrheitswahlrecht, das bei der ersten Kommunalwahl angewendet wurde. Am 22. Mai hatte Gustav Flohr, ein Kommunist, das Amt des Oberbürgermeister übernommen. In seiner Antrittsrede sagte er: »Ich fühle mich eins mit den Potsdamer Beschlüssen, Deutschland als eine wirtschaftliche, politische und kulturelle Einheit zu sehen. Angesichts der großen Zerstörung bin ich mir der Schwere der Aufgabe bewußt.«
Flohr sollte nicht lange Zeit haben, seine Vorstellungen im neuen Amt zu verwirklichen. Am 13. Oktober 1946 wurde zum ersten Mal in freien Wahlen eine Stadtvertretung ermittelt. Das Ergebnis: SPD 41378 Stimmen, CDU 39519 Stimmen, KPD 32230 Stimmen, FDP 30158 Stimmen, Deutsche Zentrumspartei 4893 Stimmen. Obwohl vier Parteien vergleichbar große Stimmanteile errungen hatten, differierte die Sitzverteilung gewaltig. Die CDU wurde mit 17 Sitzen stärkste Ratsfraktion, ihr folgte die FDP mit zwölf Sitzen. Die SPD errang nur vier, die KPD nur drei Sitze. Das Ergebnis wurde durch die Anwendung des Verhältniswahlrechts im Jahre 1948 korrigiert. Vorerst aber hatte Remscheid mit diesem Stadtrat zu leben, und Dr. August Scholz (CDU), der von seiner Partei schon einmal vergeblich gebeten worden war, das Amt des Oberbürgermeistern zu übernehmen, versagte sich nun nicht länger. Seine erste Rede machte klar, was die Zeit forderte: »Die Verwaltung hat im Einvernehmen mit der Militärregierung dafür Sorge zu tragen, dass genügende Mengen an Kartoffeln, Getreide, Gemüse für die nächsten acht Tage zur Verfügung stehen. Es werden alle Anstrengungen gemacht, auch darüber hinaus die Ernährung sicherzustellen, Nährmittel sind zur Zeit nicht verfügbar.«
In Remscheid wurden Aktionen in die Wege geleitet, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus Aufsehen erregten. Dabei zeigten die Verantwortlichen nicht nur Phantasie und List, sondern auch die Fähigkeit, die Bevölkerung zu echten Gemeinschaftsleistungen zu beflügeln.
Ein besonderes Beispiel dafür war die Aktion »Remscheid hilft sich selbst« in den Wintern 1946/47 und 1947/48. Man muss sich die Situation klarmachen. Remscheid erhielt für seine 100000 Einwohner im Jahre 1947 an behördlichen Zuteilungen 63 Herrenanzüge, 53 Damenunterkleider, 120 Betten, einen Küchenschrank, vier Kleiderschränke. Angesichts einer so trostlosen Versorgungslage wurde in Remscheid noch einmal der Begriff der Schicksalsgemeinschaft beschworen, eine Haussammlung veranstaltet, zu der alle Organisationen ihr Bestes taten, um eine Basis des Vertrauens zu schaffen. Wochenlang wurde die allgemeine Aufmerksamkeit durch Plakate geweckt, auf denen Szenen des Elends zu sehen wäre, begleitet von der Frage: »Vergessen?« Die schließlich gegebene Antwort, ebenfalls auf Plakaten zu lesen, lautete: »Nein! Wir wollen helfen!« Und das taten die Remscheider. Bei der 47er Aktion kamen 3213 Herrenbekleidungsstücke, 2730 Damenbekleidungsstücke, 5050 Kinder- und Babybekleidungsstücke, viel Bettwäsche, viele Schuhe und Möbel, darunter ein ganzes Schlafzimmer, zusammen. Außerdem wurden 389315 Mark gespendet. Mit diesen Spenden konnte in nahezu 18000 Fällen geholfen werden, eine stolze Leistung, etwas auch, an das man sich in so düsterer Zeit halten konnte, ein Zeichen fortbestehender oder neu gewachsener Menschlichkeit. Das Jahr 1947 ging zu Ende, ohne dass sich im Alltagsleben eine entscheidende Wende gezeigt hätte. Die beiden maßgeblichen Männer im Rathaus, Oberbürgermeister Dr. Scholz und Oberstadtdirektor Mebus, stellten in ihrem Weihnachtsaufruf fest: »Der wichtigste Teil unserer Wirtschaft, der Baumarkt, dem der Wiederaufbau unserer zerstörten Heimat zufällt, liegt noch vollkommen tot. Die schwierige Versorgungslage unseres Volkes ist durch den trockenen Sommer und seine magere Ernte weiter verschärft worden. Mangelerscheinungen kennzeichnen unser Leben, nirgendwo ist Fortschritt spürbar. Während wir auf den Kohlen sitzen, werden unsere schönen Wälder weiter im Raubbau abgeholzt. Möge das Jahr 1948 endlich auch die Befreiung der noch immer in Kriegsgefangenschaft schmachtenden Landsleute bringen.« (aus: „Remscheid so wie es war 2“, von Dr. Gerd Courts, erschienen im Droste Verlag, Düsseldorf, im Jahre 1978.)

Gleichzeitig mit den Bemühungen um das Remscheider Theater, die 1938 zu einem zufriedenstellenden Abschluss kamen, hatten die Bergischen Heimatspiele unterhalb von Schloss Burg ihre große Zeit. Dort war eine Freilichtbühne, waren Sitzplätze für mehr als 5.000 Menschen entstanden. Die Idee hatte der Intendant des Remscheider Schauspielhauses Müller-Multa, den die Stadtväter von Remscheid 1931 um sein eigenes Theater gebracht hatten, als sie ihm den Geldhahn zugedreht hatten. Und so blieb denn das bergische Grafenschloss nach 1935, zu Zeiten der Nazis, als Schauplatz heldischer Spiele nicht ungenutzt. Die Auswahl der Stücke war natürlich beschränkt, da die Naturkulisse weitgehend unverändert bleiben musste. So bot sich das erste Stück der Schillerschen Wallenstein-Trilogie von seinen szenischen Anforderungen her geradezu an, und der Massenzulauf zu den späteren, zwangsläufig grobschlächtigen Inszenierungen gab den Initiatoren auf den ersten Blick recht. Die Herrschenden ließen nur spielen, was dem Volke nach ihrer Auffassung bekömmlich war. Nach dem Krieg hatte die Freilichtbühne unterhalb des Schlosses keine Zukunft mehr, dafür aber der Schlosshof, wo lange Zeit personalreiche Stücke mit großer Resonanz gespielt wurden. (aus: „Remscheid so wie es war 2“, von Dr. Gerd Courts, erschienen im Droste Verlag, Düsseldorf, im Jahre 1978.)
Wenn wir heute auf dem Stadtkegel die Wasserhähne aufdrehen und das nasse Element in Kanne und Eimer strömt, machen wir uns wohl kaum noch eine Vorstellung von den Sorgen unserer Vorfahren, das Wasser vom Tal auf den Kegel zu bringen. Brunnen, überdacht mit „Pötthüskern", Zisternen, Hauspumpen und Regentonnen sind den ältesten unserer Generation noch lebendige Begriffe, auch Eselskarren und „Dragschwengel" gehören dazu. Welche Not, wenn in heißen Sommern die Brunnen versiegten! Immer dichter wurde das Häusermeer des Kegels, immer größer die Gefahr eines alles vernichtenden Brandes. Immer heftiger wurden auch die Debatten der besorgten Stadtväter. Doch sie zauberten mit langen Reden kein Wasser auf den Berg. Schließlich sprudelt ein hoffnungsvoller Name aus den Diskussionen kleinbürgerlicher, konservativer Geister: Robert Böker. „Gatt setten merr op derr Beek noch es enn Denkmol!" rief er einst erbost seinen Mitbürgern zu. Jedoch es war ein weiter Weg über die ersten Lenkung der Quellen im Eschbachtal bis zur wirklichen Lösung des Wasserproblems.
Im Eschbachtal erhoffte man in den achtziger Jahren so ergiebige Quellen zu erschließen, dass der Bedarf der Stadt auf dem Berg gedeckt würde. Nicht falsche Kalkulationen waren die Ursache, dass die erschlossenen Quellen nicht reichten, sondern die Sturheit gewisser Mitbürger. Anfangs meldeten sich auf Nachfrage etwa 700 bis 800 Wasserabnehmer. Nach Vollendung von Pumpstation, Wasserturm und Kanalnetz wuchs die Zahl der geforderten Anschlüsse auf ungefähr 2.000. Da gab es Debatten und Donnerkiele, aber der Boden gab trotzdem nicht mehr Wasser.
1888 entwickelte Professor Intze aus Aachen im Saale Alberty (später Weinberg) … den sensationellen Plan, überirdisches Wasser im Eschbachtal durch eine Sperrmauer zu stauen. Wir können uns vorstellen, wie viele bedenkliche und spöttische, zustimmende und ablehnende Meinungen kleinbürgerlicher Biertischstrategen laut wurden. Robert Böker und Intze überwanden alle Bedenken, die sicherlich nicht jeder Berechtigung entbehrten, da für das Experiment, eine Million Kubikmeter Wasser hinter einer Mauer festzuhalten, kein Vorbild in Deutschland vorhanden war.
Und doch erkämpfte man 1889 die Grundsteinlegung zur ersten Talsperre Deutschlands im Eschbachtal. Mit wachsender Teilnahme verfolgte man den Bau und die schließliche Vollendung der Sperre im Jahre 1891. Trotz der verhältnismäßig großen Fläche brauchten keine Wohnhäuser oder wertvolle Anlagen beseitigt zu werden. Lediglich der kleine Pickardts Kotten musste der neuen Sperre geopfert werden. (…) Nach alten Berichten vereinigte eine Kaffeetafel Gäste und Pioniere des imposanten Baues. Oberbürgermeister von Bohlen hielt eine Ansprache und erklärte Professor Intze zum Ehrenbürger der Stadt Remscheid. Ein Spaziergang um die Sperre vereinigte Stadtverordnete und geladene Gäste. Oberbürgermeister von Bohlen erhielt jenseits der Sperre einen kleinen Pavillon, die „Ludwigslust", als Geschenk des Stadtverordnetenkollegiums. (…) Die später notwendige Erweiterung der Remscheider Wasserversorgung durch die Verbindung der Neye-Talsperre mit der des Eschbachs stieß auf keinen nennenswerten Widerspruch. Wer jedoch in unseren Tagen noch einmal den Weg vom „Pötthüsken" bis zum Wasserkranen besinnend rückwärts geht, erkennt ehrfurchtsvoll die ungeheure Leistung einzelner Männer. (aus: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)
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