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Wochenrückblick vom 13. bis 19. November 2017

November 2007: Der Waterbölles blättert zurück

Oberbürgermeisterin Beate Wilding und HBB-Geschäftsführer Harald Ortner bei der Grundsteinlegung. Foto: Hans-Georg Müller Den Grundsteinlegung für das HBB-Invest („Kaufland“) am Remscheider Hauptbahnhof legten am 6. November 2007 Oberbürgermeisterin Beate Wilding und Vertreter des Lübecker Investorenkonsortiums.  Die Grundsteinlegung erfolgt mit mindestens einjähriger Verspätung. 2005 hatte der Rat den zuvor ausgewählten Investor aus Lübeck kurz vor der Vertragsunterzeichnung buchstäblich vor die Tür gesetzt, dann aber die Verhandlungen wieder aufgenommen, nachdem der Konkurrent, eine Immobilientochter des damals noch RAG genannten Essener Kohlekonzerns Evonik, sein Engagement in Remscheid für beendet erklärt hatte. Zwischenzeitlich hatte das größte Remscheider Vorhaben zur Regionale 2006 vor dem Aus gestanden. Die Verwaltung bezifferte damals die Kosten für die neue Ladestraße, das Parkhaus, die Stege, die Rasenrampe und viele weitere so genannte „unrentierliche Maßnahmen“ auf 25 Millionen Euro. beträgt nach Schätzungen Eingerechnet sind auch die Kosten für Grunderwerb und Planungen. Drei Viertel steuerte das Land aua dem Städtebau-Etat bei.

In einer Pressemitteilung erinnerte der Wupper-Verband vor zehn Jahren daran, dass die Wupper-Talsperre vor 20 Jahren eingeweiht wurde, am 11. November 1987, Der damalige Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, hatte sie damals  in Betrieb genommen.

Befürworter des neuen Untertitels "X-Museums" für das Deutsche Röntgen-Gymnasium war vor zehn Jahren die  Gesellschaft der Freunde und Förderer desselben. Anfang November 2007 meldete sich dann im Namen des Lenneper Verkehrs- und Förderverein dessen Vorsitzender Klaus Kreutzer  zu Wort. Wilhelm Conrad Röntgen habe die von ihm entdecken Strahlen zwar „X Strahlen* genannt. Doch diese Bezeichnung sei im deutschsprachigen Raum längst wieder verschwunden. Zur Beruhigung der Gemüter wurde der Namensvorschlag daraufhin erst einmal wieder von der Tagesordnung genommen.

Dieses Thema kennen Anwohner seit Jahren zu Genüge: „’Dicke Luft’ auf der Freiheit- und der Lenneper Straße“. Hoffnung keimte auf, als es im November 2007 hieß: „Weniger Schadstoffe und Lärm durch fünf neue Ampeln“. Seitdem sind die Leerstände in den Mietshäusern entlang der Straße zwischen Amtsgericht und Bahnhof eher noch größer geworden.

„Lohnraub“ nannte vor zehn Jahren der damalige Vorsitzende des DGB Bergisch Land, Hans Peters, die aktuellen Benzinpreise. Deshalb sollten die Betriebs- und Personalräte in der Region mit ihren jeweiligen Arbeitgebern über Betriebsvereinbarungen zwecks Benzinzuschlags verhandeln.

Ohne diese Akteure wäre es nicht gegangen: Joby Joppen (Künstlerische Leitung / Regie), Richard Ulrich (Geschäftsführung / Die Schlawiner gGmbH), Hans Steinmeier (Leitung Musik / Landespolizeiorchester NRW), Charles Wesseler (Musik / Kunst– und Musikschule), Stefanie Dobke (Tanzpädagogin), Thomas Hermann- Meisterernst (Bühnenbildner), Matthias Donner (Ton und Licht), Christine Nieland (Kostümbildnerin) und zahlreiche Kinder und Jugendliche aus Klausen machten vor zehn Jahren mit bei dem Projekt  „„Klausen Kid`s Opera“, finanziert aus Kinder- und Jugendhilfemitteln der „Aktion Mensch“. Im Sommer 2006 war zwischen dem Landespolizeiorchester NRW (LPO NRW) und den Schlawinern die Idee dazu entstanden.

Am Montag, 26. November 2007, lehnte die Bezirksregierung Düsseldorf endgültig die Genehmigung des Haushaltssicherungskonzepts 2007  der Stadt Remscheid ab. Begründung: Das Gesamtdefizit steige bis zum Jahr 2010 auf über 475 Millionen Euro an. Damit blieb es in Remscheid wie bereits in den Vorjahren bei  erheblichen  Einschränkungen in der Haushaltsbewirtschaftung. Bereits 2008 erwarte Regierungspräsident Jürgen Büssow erkennbare Konsolidierungserfolge, anderenfalls werde die strikte Anwendung des Nothaushaltsrechts durch die Bezirksregierung weiter verschärft werden, hieß es damals.

Nach langem Bangen wurden am Montag, 26. November 2007, endlich alle 25 Glocken angeschlossen (Foto rfechts)an das weltweit erste digital gesteuerte Glockenspiel mit im Turm der Evangelischen Stadtkirche, das Werk des Düsseldorfer Diplom-Physikers Klaus Wolter. Und sehr zur von Citypfarrer Martin Rogalla und Kantorin Ruth Forsbach funktionierte alles. Seitdem wurden mittels Keyboard und PC für das automatische Glockenspiel zahlreiche Musikstücke eingespielt. Der Vorteil des digitalen Glockenspiels ist, dass die Glocken selbst nicht bewegt werden müssen, um sie zum Klingen zu bringen. Wolter damals: „Es gibt Glocken, die dürfen aus statischen Gründen nicht mehr geläutet werden, weil das der Glockenturm nicht mehr aushalten würde. Die elektronischen Anschlaghämmer lösen dieses Problem!“

Wochenrückblick vom 6. bis 12. November 2017

EMA-Schüler initiieren Projekt einer Gedenkstätte

Der ehemalige Pferdestall im Hof der Remscheider Polizeistation am Quimperplatz diente in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 als Gefangenenlager für verhaftete Remscheider, meist Juden sowie Sinti und Roma, bis zu ihrer Deportation. Dort eröffnet am Jahrestag des Novemberpogroms, am 9. November, für vier Monate die Wanderausstellung „Vor aller Augen“ der Stiftung „Topografie des Terrors“. Diese deutsch-englische Ausstellung zeigt Fotodokumente des nationalsozialistischen Terrors in der Provinz auf der Basis einer bundesweiten Recherche in Regional- und Lokalarchiven, darunter auch im Stadtarchiv Remscheid. Ergänzt wird die Ausstellung um eine Dokumentation der so genannten „Polenaktion“ und der Pogromnacht in Remscheid, die Schülerinnen und Schülern des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums mit Unterstützung von Lokalhistorikern und Lehrkräften erarbeitet haben. Ihr Ziel ist es, aus dem „Pferdestall“ über die temporären Ausstellungen hinaus eine dauerhafte Gedenk- und Bildungsstätte zu machen, um an die Verfolger und Verfolgten zwischen 1933 und 1945 in Remscheid zu erinnern und jedermann eine Möglichkeit des Gedenkens zu geben.

Dass sich die Schülerinnen und Schüler in Ergänzung des Geschichtsunterrichts schon seit mehreren Jahren mit dem nationalsozialistischen Terror beschäftigen,  hatte einen konkreten Auslöser: Damals lernte Schulleiter Hans Heinz Schumacher Siegmund Freund kennen, einen ehemaligen jüdischen Schüler. Er war aus Frankfurt angereist, um vor dem Haus seiner von den Nazis ermordeten Eltern „Stolpersteine des Erinnerns“ niederzulegen. Freund kam damals zu einem langen Gespräch in die Schule, an dem auch Geschichtslehrer Klaus Blumberg und einige Schüler/innen teilnahmen. Schumacher erinnert daran in dem Waterbölles-Video, das im „Pferdestatt“ bei der Präsentation der beiden Ausstellungen und des ehrgeizigen Projekt einer Gedenkstätte entstand.

Fotos gesucht, die Adventsstimmung vermitteln

Der Waterbölle sucht Fotos, die adventliche Stimmung vermitteln (E-Mail-Adresse: webmaster@waterboelles.de). Nebenstehend ein Bild aus alten Tagen: Der Remscheider Hauptbahnhof in der Weihnachtszeit. Zusammen mit zahlreichen anderen Fotos diverser anderer Züge findet es sich wieder auf einer Seite von www.bahnen-wuppertal.de, die speziell der Eisenbahnstrecke von Wuppertal über Remscheid nach Solingen gewidmet ist.

Insgesamt ist die Foto- und Infosite eine Fundgrube  für alle Freunde der Eisenbahnen und des schienengebundenen Nahverkehrs im Bergischen. Sie wird von einem Arbeitskreis von Bahnkennern permanent ausgebaut, mit einer großen Fülle von Fotos und exakten Informationen zur Geschichte der ehemaligen Bundesbahndirektion Wuppertal. Zu sehen auf den historischen Fotos ist auch die Umgebung der Züge, Lokomotiven und Waggons, Bahnhöfe, Tunnel und Brücken.

Fotos von Michael Fleischmann im Lindenhof

Zur Nacht der Kultur 2017 wurde seine Foto-Ausstellung im Neuen Lindenhof auf Honsberg musikalisch untermalt eröffnet. In Zusammenarbeit mit Ute Lembeck-Lennartz von der Kunstschule Heimat und dem Stadtteil e.V. entstand eine frische Schau von Honsberg mit dem Oberthema "Mensch". Als Familienvater wie als Mitarbeiter städtischer Betriebe ist Michael Fleischmann (im Foto oben links) immer direkt am "Menschen" und so zeigen seine Schwarzweißfotos und Riesenposter meist „lebendige“ Schnappschüsse. Sie bieten nicht nur dem alteingesessenen Honsberger eine liebevolle Sicht der Dinge. Und das noch bis zum 27. November.

„Kranatendonnerkiel, et batt nit, dat Dengen treckt alles!"

Die alte Wendung an der Solinger Straße war als Stätte des 1. Dampfhammers Ausgangspunkt des stürmischen Maschinenzeitalters.Wer heute in Serpentinen die Solinger Straße hinunterfährt, tut gut daran, auf sein Steuerrad zu achten. Wandersleute benutzen diese ausgesprochene Verkehrsstraße wohl noch selten. Sie ziehen es vor, auf schmalen Waldwegen ins Tal zu gehen. Wie dem auch sei! Tausend Gedanken mag man zu Fuß oder im Wagen den Berg hinunter- und herauftragen, selten aber wird ein Einheimischer oder „Hergeluopener" sein Augenmerk auf die „alte Wendung" richten, oder er müsste schon über ihre Entwicklung im Bilde sein. Wie ein Verkehrsposten steht heute das Fabrikgebäude in der alten Wendung. Seine beiden Schornsteine führen in ungleicher Höhe einen unbeachteten Wettstreit um den besseren Abzug. Die Berghänge fließen ineinander, dichte Baumkronen nehmen alte, saubere Schieferhäuschen in sichere Obhut. Vom oberen Rand dringen Felder und Wiesen nach unten, ohne den Waldschutz der historischen Stätte zu bedrohen.

Heinrich Böker (1814 - 1873), Teilhaber der Fa. Robert & Heinr. Böker, Vieringhausen. Auf seine Veranlassung hin wurde im Jahre 1854 an der 'Wendung' die erste leistungsfähige Schleiferei mit Dampfbetrieb für Remscheider Werkzeuge errichtet.Es ist eine Wendung, nicht nur im Sprachgebrauch, sondern auch im Tatsächlichen. 1853 versuchten an dieser Stelle die Gebrüder Böker, die Dampfkraft in den Dienst ihrer Arbeit zu stellen. Hier lief die erste Dampfmaschine, das Wunder der neuen Technik. Viele Anekdoten sind über den Versuch mit der neuen Kraft „Dampf" in Umlauf. Gustav Hermann Halbach erzählt in seinem Buch „Bergische Aat" darüber: „ . . . Die Gebrüder Robert und Heinrich Böker hatten ihrem Werke eine große Schleiferei nebst Pließterei angegliedert und für den Betriebsbeginn gleich sechs große und schwere Schleifsteine gehangen. Der Schleifermeister Franz Arnold Halbach von Reinshagen hatte diesen Schleifkotten mit seinen wegen ihrer Körperkräfte bekannten sechs stattlichen Söhnen Wilhelm, August, Franz, Karl, Alfred und Richard zum Betriebe gepachtet.

Franz Arnold Halbach schliff in der Hauptsache schwere Werkzeuge, insbesondere Feilen. Nun vertraute er nach bisheriger Lebenserfahrung immer noch mehr der Leistungsfähigkeit seiner eigenen und seiner Söhne Körperkräfte als der noch unerprobten Dampfmaschinenkraft. Er hielt es für unmöglich, daß diese einer Anzahl starker Menschenkräfte widerstehen könnte. Hatten seine Söhne in seinem bisherigen, mit Wasser betriebenen Anschlagkotten an der Wupper, unterhalb Müngstens, bei niedriger Flut die kreisenden Schleifsteine doch schon mehr als einmal mit ihrer Muskelkraft stillgesetzt. Als daher die sechs neuen Steine nach einem vorher mit der Dampfpfeife gegebenen Zeichen zu laufen begannen, da sagte er zu seinen Söhnen: „Jongen, nu äwwer raan an et Werk! Nu weffe dat Dengen es ewen stellsetten!"

Der Reihe nach setzten sich die sechs Burschen vor je einen der sich drehenden Steine. Jeder nahm eine der schwersten Arm- und Handfeilen in die Hand und, ihren Rücken gegen das Anlegebrett gestemmt, preßten sie sie mit aller Gewalt vor den Stein in dem Glauben, ihn einhalten zu können. Es nutzte sie aber nichts, alle sechs Steine kreisten in gleicher Gangart weiter. Franz Arnold Halbach ermunterte aufs neue seine Sprößlinge: „Raan, Jongen, dat Dengen motten ve stellsätten!" Die sechs stämmigen Recken versuchten noch einmal ergebnislos ihre letzte Kraft. Da aber gab Franz Arnold Halbach sein Spiel verloren. Er sah ein, dass die Naturkraft des Dampfes über Menschenkraft ging, und ganz enttäuscht rief er endlich aus: „Kranatendonnerkiel, Jongen, et batt nit, dat Dengen treckt alles!"

So wurde die alte Wendung Ausgangspunkt des stürmischen Maschinenzeitalters und bedeutete für Remscheid den letzten und endgültigen Zug vom Tal auf die Höhe, vom wasserumspülten Hammer zur großräumigen Industriehalle und bewegt uns, noch einmal den vielhundertjährigen Weg Remscheider Arbeit zurückzuschauen: In den Höfen begann die eiserne Betriebsamkeit in kleinsten Stuben und Schmieden. Man entdeckte die helfende Bereitschaft der sprudelnden Bäche, stieg ins Tal und bewegte mit schweren Wasserrädern und Wellen die schlagenden Hämmer und kreisenden Schleifsteine, die lange Jahre Rhythmus und Symphonie bergischen Schaffens wurden. Und schließlich ging es „mit Dampf" zurück auf die Berge, wirklich eine Wendung durch die Wendung. (aus: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)

Wochenrückblick vom 30. Oktober bis 5. November 2017

 

Galerie der Rem­scheider Originale gut bestückt

Ohne Gesangvereine ist das Leben im alten Remscheid nicht denkbar. Einer für viele: der Damenchor »Edelweiß«

Großem Schaugepränge und allzu anspruchsvollen kulturel­len Höhenflügen abhold, hatte der alte Remscheider immer ein Herz für den Gesang, unter anderem, weil es dabei für ihn so leicht schien, selbst aktiv zu werden. Wo viele sich mühen, kommt hier und dort Glänzendes zustande. Doch ist Singen im Remscheider Raum so zweckfreies Vergnügen nicht ge­blieben, wie mancher es sich gedacht hatte. Zu Kaiser Wilhelms Zeiten wurde, wie Bert Voß, bekannter Remscheider Chorleiter, es einmal ausdrückte, »der nationale Notenschrank leergesungen«, in der Nazizeit gab es ideolo­gisch gelenkte Chorparaden, dazwischen, nach dem Ersten Weltkrieg, auch große Leistungen: Felix Oberborbeck mit dem Remscheider Männer-Gesangverein, Edmund Siefener mit dem BSI-Chor und dem Lehrergesangverein, Peter We­ber mit der Bergischen Liedertafel, Heinz Mönig mit der Germania, Ewald Hußmann mit den Rosenhügelern. Insgesamt bleibt die Feststellung: der Rem­scheider bot dem Gesang, auch wenn er mit ihm gelegentlich in historische Fehlentwicklungen hineingeriet, stets eine Heimstatt, und die Frauenstimmen fehlten im Konzert der Chöre keineswegs.

Was den Sport betrifft, so sind in Remscheids Geschichte auch hier die großen Namen rar. Früh schon erschloss man sich den Jahnschen Ideen. Um die Mitte des 19. Jahr­hunderts entstanden die ersten Turnvereine. Man turnte in Gasthäusern oder gar im Freien. Der Remscheider Turnver­ein von 1887, der Turnverein Jahn von 1892 und der Hastener Turnverein 1901 begannen mit dem Bau eigener Hallen. Und diese Vereine, dazu zwei Männer mit Namen Karl Grüber und Otto Witte, der eine als Stadtturnrat und Gauturnwart, der andere im TV Jahn und besonders mit der Verbesserung des Volksschulturnens befasst, machten für lange Zeit aus Remscheid eine Turnerstadt.

Sportvereine kamen meist erst nach 1900 dazu. Sie brachten einige Spitzenkönner hervor, die erwähnt werden sollen: den Sprinter Richard Corts (Haddenbacher Turn- und Ballspielverein, später VfB), der mehrmals Deut­scher Meister über 100 Meter wurde und 1928 in der deut­schen 4xl00-m-Silbermedaillen-Staffel von Amsterdam stand. Dr. Heinz Tüscher aus Remscheid brachte es im Ten­nis bis zur Nominierung für die Davis-Cup-Mannschaft 1934. Im Fußball spielte der Ballspielverein 08 Lüttringhau­sen Ende der zwanziger Jahre in der höchsten deutschen Klasse, und im Rollsport war Remscheid 1934 bis 1937 eine Hochburg, dank eines Mannes namens Wilhelm Müller, der mit Gerda Herold und Ulla Krumm-Höptner Deutsche Meisterinnen an den Start brachte und mit Paul Mehrfeld bei einer Europameisterschaft den zweiten Platz belegte.

Reich ist die Galerie der Rem­scheider Originale bestückt. Da war zunächst einmal der evangelische Pfarrer Friedrich Wilhelm Thümmel, 1856 in Barmen geboren, ein Katholikenfresser wie er im Buche stand. Thümmel war 1884 nach Remscheid berufen worden, und verfasste zwischen 1886 und 1894 derb-kritische, geist­reiche und scharfsinnige Streitschriften gegen die römische Kirche. Einige Titel: »Die Anbetung der lückenhaften Stoff­teile in Trier« (Polemik gegen die Verehrung des Hl. Rocks), »Clarenbachs Asche« (Streitschrift wider die Verbrennung des Reformators). Thümmel wurde wegen »Beschimpfung von Einrichtungen der katholischen Kirche« zu Gefängnis verurteilt, und als zur Zeit der gegen ihn laufenden Prozesse der 1885 zum Erzbischof von Köln ernannte, spätere Kardi­nal Dr. Philipp Krementz im Rahmen einer Firmungsreise Remscheid besuchte, zeigte sich, wie populär Thümmel, der seine Remscheider zu nehmen wusste, in der Stadt geworden war. Dem hohen Kölner Herrn schollen Spottverse entgegen: »Hoch lebe Pfarrer Thümmel! Derr Eäzenbischoff es en Lümmel!« Thümmel wurde später Hochschullehrer in Berlin und wirkte bis zu seinem Tode 1928 als Professor der Evange­lischen Theologie und Geheimer Kirchenrat zu Jena. Das zweite hier zu erwähnende Original: Wittkops Kasper (1862-1936), von Beruf Sägenschmied, volkstümlicher plattdeutscher Liederdichter und Vertoner seiner eigenen Schöpfungen. Diese trug der von ihm gegründete Gesang­verein »Guot Fröng - de Sänger van derr Beek« vor, und Wittkop schlug den Takt stets mit einem Hölsenschmickelschen, einem zu einer Gerte zugeschnittenen Ilex-Zweig mit roten Früchten.

Der Dritte im Bunde der Originale: Leo Lihn, genannt der bergische Diogenes (1857-1944). Er war ein fröhlicher Le­bensweiser und ein Außenseiter in seiner Kleidung. Er hatte einmal eine kleine Fabrik, doch dann zerschlug ihm die Inflation alles. Fortan handelte er mit Zigarren. Er war sommers wie winters ohne Hut, Mantel und Strümpfe un­terwegs, mit einem Geschäftsköfferchen an der Hand und einem oft krückenlosen Regenschirm unter dem Arm. Um den Hals trug er einen Stehkragen, vor der Brust einen grell­gelben Schlips, der durch einen Messingring gezogen war. Und mit gewaltiger Stimme trug er überall seine Weltan­schauung vor. Gedichte schrieb er auch. Eines davon: »Nach Klarheit ringt die Menschenseele, sie will bis zu dem Her­zensgrund; sie will dorthin ohn' Falsch und Fehle, sie weiß, dort wird sie nur gesund. Doch bangt ihr vor der großen Tie­fe, sie kann so recht den Grund nicht sehn. Sie tut, als ob vor Angst sie schliefe und glaubt kaum, dass der Grund so schön. Doch wenn sie mal am Grund gewesen und hat die Ruhe dort gesehn, dann ist vom Irrwahn sie genesen, dann weiß sie, wo es wunderschön.« (aus: „Remscheid so wie es war“, von Dr. Gerd Courts, erschienen 1974 im Droste Verlag.)

Aus Idee von Freilichtmuseum wurde nichts

Blick auf Lüttringhausen von der Feldstraße aus. Das Rathaus steht schon (1908), die katholische Pfarrkirche noch nicht (1927)Lüttringhausen, die zweite von Remscheid im Jahre 1929 eingemeindete Stadt, ist - wie Lennep - gegen 1150 zum er­sten Mal erwähnt worden, in Heberegistern der Abtei Wer­den an der Ruhr. Doch wo Lennep sich schon vergleichsweise früh zur Stadt mausert, mit Mauer rundherum, bleibt Lütt­ringhausen lange eine offene Ansiedlung, wird um 1240 Bottlenbergische Lehnsherrschaft. Um die Wende zum 14. Jahrhundert ist es Pfarrei, gegen 1312 nachweislich Sitz von sogenannten Wachszinsern des Stiftes Gerresheim. Wachszinser oder Altarangehörige waren Leute, die im besonderen Schutz einer Kirche standen und dafür einen Altarzins in Ge­stalt einer jährlichen Abgabe an Wachs zahlten. Das Wachs fand im kirchlichen Kultus Verwendung in Form von Kerzen zur Beleuchtung der Kirchen und Altäre. Beim Tod eines Wachszinsigen fiel dem betreffenden Altargeistlichen als Hauptrecht das beste Kleid des Verstorbenen zu. Die zum Altar des Hl. Hippolyt in Gerresheim gehörigen Lüttringhauser Wachszinser sind namentlich bekannt. Es waren Hildebrand vom Heid mit seinen Knaben, Tilgen vom Farrenbracken, die Frau des Gottschalk in der Huckenbeck mit den Ihren, Johann von Lüttringhausen, Mettel, die Frau des Glöckners mit den Ihren, die Knaben des Gobelinus von Bocksberg, Margarete von Erbslö. Wohnstätten tauchen in dieser Aufstellung auf, die bis heute bekannt sind.

Für die Entwicklung des Ortes waren auch die Steinhauser Kreuzbrüder von Wichtigkeit, die eine Laienbruderschaft des Hl. Kreuzes gründet hatten. Sie stifteten einen eigenen Altar und errichteten oberhalb der Kirche ein großes Kreuz, Ziel der Himmelfahrtsprozessionen. Der Kreuzberg in Lüttringhau­sen erinnert heute noch daran. Die Bruderschaft selbst lebt fort in der Schützenbruderschaft »Zum Kreuz«. Für das alte Lüttringhausen brachten die Kreuzbrüder Impulse in zahl­reichen Lebensbereichen mit sich.

Als Lüttringhausen 1363 Kirchspiel im Amt Bornefeld wird, ist Lennep - 133 Jahre im Besitz von Stadtrechten - eine der fünf Städte des Landes Berg. Das Kirchspiel Lüttringhausen wird bis ins 16. Jahrhundert hinein mehrmals von seinen wechselnden Besitzern verpfändet. Die Reformation hinter­lässt deutliche Spuren. Der auf dem Buscherhof geborene Adolf Clarenbach wirbt 1527/8 in seinem Heimatort und in Lennep für die neue Konfession. Er wird 1529 in Köln als Ketzer verbrannt, aber seine Arbeit wirkt nach. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts sind Ansätze zur Bildung evangelischer Gemeinden in Lennep und Lüttringhausen erkennbar. 1609 sind Kirche und Kirchengüter im Besitz der Lutheraner, und die Versuche von Jesuiten aus Köln und Zisterziensern aus Altenberg, alles wieder in ihre Hand zu bringen, bleiben erfolglos.

Lüttringhausen entwickelt sich organisch, als Landgemeinde. 1720 wird die Rentei gebaut, Sitz der Rentmeisterei des Amtes Beyenburg, dem das Kirchspiel zugehört. 1733 brennt das Dorf Lüttringhausen nieder, mit Kirche und Schule, wird aber schnell wieder aufgebaut. 1770 bis 1780 erlebt Lüttring­hausen eine wirtschaftliche Hochblüte. Auch hier arbeiteten - wie in Remscheid - Eisen- und Rohstahl-, Reck- und Raffi­nierhämmer. Napoleons vorübergehende Herrschaft stört auch die Ent­wicklung des wirtschaftlichen Lebens in Lüttringhausen. 1808 erhält der Ort eine Bürgermeistereiverfassung nach französischem Muster. 1811 kommt Lüttringhausen zum Kanton Lennep, 1816 zum preußischen Landkreis gleichen Namens. 1856, mit der Einführung der preußischen Städte­ordnung, erhält Lüttringhausen Stadtrecht, erst 1893 ein Wappen.

 

Gerd Courts: „Wir haben das alte Remscheid gesucht, in den sechzig Jahren zwischen dem Beginn des Maschinenzeitalters und dem Zweiten Weltkrieg, zwischen dem großen Aufbruch der Stadt, ihrem Erwachen, und der großen Zerstörung. Es wäre vermessen, von einer Vollständigkeit des Bildes zu sprechen. Beabsichtigt war, mit Worten zu begleiten, was an Bilddo­kumenten aus jenen Jahren auf uns gekommen ist. Dabei wollten wir uns nicht auf die Erläuterung des Anschaubaren beschränken, sondern auch Zusammenhänge zwischen den Bildern herstellen, Hohlräume dort ausfüllen, wo die foto­grafischen Bemühungen der Zeitgenossen nicht hinreichten. Eine Ahnung von dem sollte entstehen, was Remscheid ein­mal war, was seine bauliche Gestalt, was seine technischen Errungenschaften, welches seine Probleme, von welcher Art seine Menschen. Dass Heimatliebe in und um Remscheid stets ausgeprägt und auch für den Außenstehenden erkennbar war, dass sie es bis heute ist, hat diese Arbeit erleichtert, denn eben diese Heimatliebe hat sich zwischen manchem Paar Buch­deckeln niedergeschlagen. Sie gewann insofern Quellenwert. Doch mag man sich noch so streng ans Überlieferte halten, es schützt nicht vor der Begegnung mit anderen Auffassungen. Darum sei hier das Selbstverständliche noch einmal nieder­geschrieben: man kann das alte Remscheid auch ganz anders sehen. Wichtig indessen erscheint dem Autor allein dies: dass man sich überhaupt mit der Vergangenheit dieser Stadt be­fasst."

1894 werden Wasserleitungen gebaut, 1898 entsteht die Herbringhauser Trinkwassertalsperre, deren Bauherr die Stadt Barmen ist, die aber Lüttringhausen mitversorgt. 1907 hat die Stadt ihre Straßenbahnlinie und 1908 ihr neues Rat­haus, erbaut in der Amtszeit des für Lüttringhausen sehr ver­dienstvollen Bürgermeisters Gertenbach. Lüttringhausen, dessen wirtschaftlicher Kern durch über 300 Klein- und Mit­telbetriebe der Textil- und Metallindustrie gebildet wurde, ruhte in sich. Und wenn auch der Erste Weltkrieg nicht spurlos an dem Gemeinwesen vorüberging, so änderte sich doch an der Sub­stanz der kleinen Stadt nicht viel. Sie durchmaß die Krisen­zeiten des Krieges, der Nachkriegszeit, der Inflation gelassen, und sie verwies, als sich in Remscheid Eingemeindungsge­danken regten, in der von ihrem damaligen Bürgermeister Dr. Suthoff-Grohs verantworteten Schrift »Lüttringhausen - eine bergische Stadt, die selbständige Stadtgemeinde bleiben will und muss« auf ihren Bestand, auf die 13.892 Einwohner (davon 2.817 katholisch, drei israelitisch und 548 andersgläu­big), auf ihren Gebietsumfang von 3461,31 ha und ihr Wege­netz von 79,8 km. Sie rechnete ihr Vermögen von 6.385.284 Mark gegen ihre minimalen Schulen von 2.044.541 Mark auf und ließ die öffentlichen Einrichtungen Revue passieren: 15 Volksschulen mit 34 Klassen, Berufsschule mit 18 Fachklas­sen, von der Regierung als Musterschule des Regierungsbe­zirkes Düsseldorf anerkannt, Schulzahnklinik, zwei Licht-, Luft- und Sonnenbäder, sechs Turn- und Sportplätze, 30 ha gro­ßer gepflegter Stadtwald, zwei Kindergärten, ein Alten- und Waisenheim der evangelischen Kirchengemeinde.

Dieser Hinweis auf eine gute Versorgung der Bevölkerung mit allem Notwendigen leitete eine Philippika gegen Remscheider Großstadtträume ein, gipfelnd in dem Satz: »Das Bergische Land (Bergische Schweiz), dessen Kommunen nicht, wie im Ruhrgebiet in wenigen Jahrzehnten planlos gewachsen und ineinandergewachsen, sondern in jahrhun­dertelanger Entwicklung stetig geworden sind, bietet über­haupt keinen Anlaß zu kommunaler Neuordnung.« Lüttringhausens Bevölkerung schloss sich den Argumenten des eigenen Rathauses an, vollends, als von dort auch noch drohende Steuererhöhungen prophezeit wurden. Aber ge­holfen hat es nichts. 1929 wurde Lüttringhausen, das im Laufe seiner Geschichte schon mehrere Gebietsveränderun­gen hatte hinnehmen müssen, geteilt. An Remscheid fiel der Hauptort mit Restteilen der alten Honschaften Hohenhagen und Garschagen. Einige Wupperortschaften gingen an Ra­devormwald, der Stadtteil Beyenburg mit der Honschaft Wallbrecken und Teilen der Honschaft Garschagen wurde zusammen mit der Stadt Ronsdorf zu Wuppertal geschlagen. Von den mehr als 3400 ha Lüttringhauser Bodens kamen 1444 ha zu Remscheid, von den 13.800 Einwohnern 9.277.

Die Lüttringhauser haben lange unter diesem Einschnitt in ihrer Geschichte gelitten. Ihre im Jahre 1928 begründeten Heimatspiele, zunächst initiiert durch Paul Figge, einen Herbringhauser Lehrer, der auch die Stücke schrieb, wurden zu Veranstaltungen des Heimatbundes und erinnerten bei Zulauf von Tausenden an die eigenständige Vergangenheit. Und die Symbole früheren Eigenlebens, das Rathaus und der für den Stadtteil Lüttringhausen zuständige Bezirksausschuss, sind bis heute in ihrer geschichtsbezogenen Bedeutung ge­schätzt, von den älteren Lüttringhausern zumal.

Der Stadtteil Lüttringhausen sollte übrigens schon bald nach der Eingemeindung ebenso ein kulturelles Zentrum erhalten wie Lennep mit dem Röntgen-Museum. Doch das von der Stadtvertretung in Remscheid beschlossene »Zitathaus des bergischen Bauern« kam nicht zustande. Es sollte ein bäuer­liches Gehöft errichtet werden, wo in einem Querdielenhaus nach altem Brauch Menschen und Tiere unter einem Dache lebten, während Scheune und Backhaus gesondert geplant waren. Ein Bauerngarten alten Stils sollte das Bild runden und ein Gegengewicht schaffen zu dem 1928 eingeweihten Remscheider Heimatmuseum im Haus Hilger (Cleff) auf Hasten, das bürgerliche Kultur spiegelt. Aber der Zweite Weltkrieg hat dieses Projekt verhindert.

Lüttringhausen ist vom Zweiten Weltkrieg weitgehend ver­schont geblieben, hat seinen baulichen Charakter nur wenig und schonend verändert. Hier und dort hört man noch Mundart eigenen, eher Wuppertaler Gepräges, hier und dort noch das Klappern der Bandstühle, die sich hier seit vielen Jahren neben der Metallindustrie behauptet haben. Wir kehren von unserem Streifzug durch die eingemeindeten Gebiete Remscheids nicht ohne die Bemerkung zurück, dass gerade in diesen Jahren wieder eine kommunale Gebietsre­form im Gange ist, die von ganz anderen Größenordnungen ausgeht als sie damals, 1929, zur Debatte standen. Auch jetzt regt sich hier und dort leidenschaftlicher Widerstand gegen die Überwindung des Hergebrachten, aber aufzuhalten ist der Zug der Vernunft nicht mehr. Die Aufgabenstellung der Ge­genwart, die Ansprüche der Menschen auch ans tägliche Le­ben lassen kleinere, um nicht zu sagen kleinliche Lösungen nicht zu. Die Erinnerung ans Alte indessen darf bleiben. (aus: „Remscheid so wie es war“, von Dr. Gerd Courts, erschienen 1974 im Droste Verlag.)