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Dezember 2008: Der Waterbölles blättert zurück

Einen Architekten-Wettbewerb zwecks "gehobener Gastronomie" startete vor zehn Jahren die Solinger  Lebenshilfe e.V., nachdem sie das traditionsreiche Ausflugslokal unter der Müngstener Brücke gekauft hatte,  in dem zuletzt die Diskothek „Exit“ befand. Bei dem Wettbewerb ging es auch um die Frage, ob umgebaut werden kann oder abgerissen werden muss. Die Antwort dürfte allgemein bekannt sein...

Peter Maar, der Vorsitzende des Heimatbundes Lüttringhausen, bei der Laudatio für Renate Roessberg und ihren Bruder Stephan Hundt. Foto: Lothar Kaiser  Die  Goldene Ehrennadel für die Geschwister Hundt vergab im Januar 2008 der Heimatbund Lüttringhausen anlässlich seines traditionellen „Kottenbutteressens“. Renate Roessberg und Stephan Hundt hatten die alten Klewinghaus-Häuser einschließlich des Hauses Richthofenstraße 36 mittels umfangreicher Investitionen, u.a. in 15 15 Wohnungen für Senioren („Betreutes Wohnen“) wieder zu einem Schmuckstück im historischen Lüttringhauser Ortskern gemacht.

Der Bunker an der Humboldtstraße/Stahlstraße in Honsberg steht zum Verkauf. Fotos: Lothar KaiserDen  alten Bunker im Stadtteil Honsberg stellte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben vor zehn Jahren im Internet zum Verkauf. Für den unter Denkmalschutz stehenden Betonklotz auf 676 Quadratmetern interessierte sich zeitweilig auch ein örtlicher muslimischer Moschee-Verein. Zum Zuge kam letztlich der Verein, der in dem Bunker seitdem ein „Museum für Kino- und Luftschutzgeschichte“ aufbaut.

Das kommunale Wahlrecht für Migranten forderte die grüne Ratsfraktion am 15. Januar 2008 . Beatrice Schlieper, Fraktionssprecherin, Jutta Velte, migrationspolitische Sprecherin, und Harald Sellner, sozialpolitischer Sprecher, begründeten das so: "Die politische Teilhabe über Wahlen und Abstimmungen ist eines der Kernelemente jeder demokratischen Verfassung, so auch unseres Grundgesetzes. Viele demokratische Länder haben in ihren jeweiligen Verfassungen dieses bedeutende Grundrecht bei Kommunalwahlen nicht von der Staatsangehörigkeit der Bürgerinnen und Bürger abhängig gemacht, sondern allein vom dauerhaften Lebensmittelpunkt der Menschen. (...) Für die Identifikation aller Migrantinnen und Migranten mit ihrer Heimatstadt und damit letztlich für eine gelingende Integration ist das kommunale Wahlrecht förderlich, da es demokratische Teilhabe und Mitwirkung z.B. bei der Gestaltung des unmittelbaren Wohnumfeldes möglich macht.“ Das Wahlrecht für Migranten ohne deutschen Pass von außerhalb der EU gibt es bis heute nicht.

Starke Windböen rissen vergangene Nacht dieses Wellblechdach im Neubaugebiet Hohenhagen zu Boden. Foto: Lothar KaiserZehn Jahre ist es her, da machte auf dem Hohenhagen ein Sturm dieses  Wellblechdach zu Schrott. Es gehörte zum Mehrfamilienhaus Am alten Flugplatz Nr. 93 der Firma Runkel. Zum Glück war die Fläche vor dem Haus menschenleer, als das Wellblechdach dort in der Nacht mit einigem Getöse landete. Nach Angaben der Polizei wurden lediglich ein Laternenmast und ein abgestellter Pkw beschädigt.

Freuten sich über die Neuerwerbung: Gernot Tödt, Jörg Koch to Krax und Dr. Urs Diederichs. Foto: Lothar KaiserDie „Sammlung Gerd Arntz“ der Stadt Remscheid im „Haus Cleff“ konnte im Januar 2008 um einen kleinen Schatz erweitert werden. Der Förderkreis Deutsches Werkzeugmuseum hat mit Hilfe der Stiftung der Stadtsparkasse Remscheid (9.000 Euro) und der Moog-Stiftung (1.000 Euro) ein (seltenes) Exemplar des von Gerd Arntz in den 1930-er Jahren geschaffenen Bilderatlas „Wirtschaft und Gesellschaft“ erworben. Museumsleiter Dr. Urs Diederichs und sein Stellvertreter Ulrich Horz werteten den aus 100 einzelnen bildstatistischen Tafeln bestehenden Atlas als eine wertvolle Bereicherung der Sammlung.

Schwimmen zu lernen würde einer Muslimin nicht schaden“, befanden im Januar 2008 Sabine Ernst, die Leiterin der Alexander-Von-Humboldt-Realschule (AvH), und Schuldezernent Dr. Christian Henkelmann. Eine elfjährige muslimische Schülerin hatten die Eltern „aus religiösen Gründen“ vom Schwimmunterricht befreien wollen. Als dies abgelehnt wurde, bemühten sie die Justiz. Da stand dann der Bildungsauftrag der Schule gegen das individuelle Recht auf Religionsfreiheit. Doch im Mai entschied das Gericht: Das elfjährige Mädchen muss am Schwimmunterricht teilnehmen.

Die Bezirksvertretung Süd hätte gerne ein Geschoss weniger."Ein Geschoss weniger sollte es schon sein!", forderte im Januar 2008 die Bezirksvertretung Süd von dem Remscheider Architekten Walter Arns, der das baumbestandene Grundstück am Ahornweg zwischen Sedanstraße und Föhrenstraße zwecks Bau von 41 Wohnungen . Lediglich Margot Halbach (FDP) war gegen eine Reduzierung der Bauplanung um ein Vollgeschoss (weil sich die Investition für den Architekten sonst nicht lohne). Doch nach längerem Hickhack setzte sich die BV schließlich durch. Ein mächtiger Klotz wurde es dennoch.

Altenhammer war zuletzt ein Ausflugslokal mit Teich

Vom Neuenhammer im Eschbachtal 400 Meter weiter talabwärts kommen wir an den Teich des ehemaligen Altenhammers. Eine alte Familienurkunde aus dem Halbach´schen Besitz zu Müngsten weist den zweiten Huttenplatz neben dem Neuenhammer nach: Im Eschbachtal legte "Peter auf dem Hohenhagen" 1591 eine Eisenschmelzhütte mit Gieserei und Hammerwerk "uff der Eifscherbach under Erinhusen" an. Der Standort Altenhammer gehörte zu der Zeit Peter uff dem Hohenhagen. Gustav Hermann Halbach entdeckte bei seinen Forschungen eine im Familienbesitz befindliche Urkunde folgenden Wortlaut: "Von Gottes Gnaden wir Wilhelm, Herzog zu Jülich, Kleve und Berg, Graf zu der Mark und Ravensberg, Herr zu Ravenstein usw. tun kund, nachdem unser Untertan unseres Amtes Bornefeld, Peter auf dem Hohenhagen, uns durch ein Gesuch untertänigst gebeten hat, ihm an Eifscherbach (Eschbach) unterhalb von Eheringhausen den Bau einer Eisenhütte und eines Hammers gegen Entrichtung des gebührlichen Zehnten zu bewilligen, und wir uns von unsern dortigen zuständigen Beamten untertänig haben berichten lassen, daß in fraglichem Gelände noch keiner eine Betriebsbefugnis besitzt: Obwohl noch im laufenden Jahre eine Hütte auf einem alten Hüttenplatze ohne vorherige Erlaubnis wieder instandgesetzt worden ist, so könnte eine weitere Neuanlage nur förderlich sein und Unterhalt und Auskommen geben. Demnach bekennen wir hiermit für uns, unsere Erben und Nachkommen, daß wir besagtem Peter die Erbauung geplanter Hütte nebst Hammer gnädig bewilligt haben. Wir verfügen weiterhin, daß niemand im Umkreis von 2 Meilen eine gleichartige Hütte oder einen Hammer errichten darf. Und weil zu dem Werke auch eine Gießereianlage gehört, so gewähren wir ihm aus dem hohen Walde und sonstwo Bau- und Rüstholz, doch abseits von pfadlosen Waldstellen, wie es auch in anderen Fällen geschehen ist. Dagegen hat er uns für die Dauer seines Betriebes von dem verhütteten Eisenstein den gebührlichen Zehnten zu entrichten. Mittels unseres aufgedrückten Geheim -Siegels gegeben zu Düsseldorf am 7. Januar unsres Herrn Geburt 1591. Hochernannt zeugend für meinen gnädigsten Fürsten und Herrn Herzog. Zu Zeugen Joes. Hardenrath und Redinghoven (als Schreiber). Somit ist die zweite Hütte im Eschbachtal mit einem Standort versehen.

Um 1675 scheint die gesamte Anlage zerfallen zu sein, denn 1679 wird durch Franz Hasenclever zu Ehringhausen ein neuer Reckhammer errichtet. Da zu der Urkunde und dem Gründungsgesuch 1591 nichts hinzuzufügen ist, betrachten wir die älteste Erhebung des Burger Kellners Johann Bernhard Francken aus dem Jahre 1692. Dieser Kellner war bekanntlich auf der Burg der bergischen Grafen der Verwaltungs- und Rechnungsbeamte, der die Steuern in Geld und Bodenerzeugnissen einzuziehen und zu verbuchen hatte. Dazu gehörte auch die sogenannte "Wassererkenntnis" ,womit die Abgabe für die Nutznießung der dem Landesherrn gehörigen Wasserkraft bezeichnet wurde. Die Wasserwerke an der Nordgrenze Remscheids, auf dem rechten Ufer des Morsbachs und Muckenbachs gehörten ins Beyenburger, die auf der linken Seite dieser Bäche ins Bornefelder Gebiet. Letztgenannte unterstanden daher der Kellnerei Burg. Engels vermutete, das der älteste Hammer aus dem Anfang des 16. Jhdt. stamme, also noch vor dem 1591 genehmigten Bau (Konzession vom 7.1.1591) bestanden habe. 1800 ist als neuer Besitzer Bernard Hasenclever vermeldet. 1824 ist … ist vom Sensenbreithammer der „Fabrikanstalt des Bernard Hasenclever & Sohne in Remscheid Ehringhausen“ die Rede. Zwei Klipperhämmer zum Schärfen und Polieren der Sensen waren installiert. 1815 standen an dieser Stelle drei Hämmer, davon einer mit Wohngeschoss, bewohnt mit vier Personen. 1867  sind in zwei Wohnhäusern insgesamt 16 Personen verzeichnet. (Nach dem 2.Weltkrieg war das Anwesen verwaist.)

1834 liest man von einem Meisterknecht und einem Lehrling, die in eigener Regie und alleinigem Lohn des Besitzers den Hammer betreiben. 1852 steht nur noch ein Hammer am Teich. Dieser wird von Johann Bernhard Hasenclever & Sohne mit mehreren Arbeitern betrieben. Ab1853 steht der Hammer still; das Wasserrad betrieb keinen Hammer mehr, sondern bis ungefähr  um 1914 nur noch die vier Schleifsteine des Meisters Donath, der hier - offensichtlich als Pächter- einen Kotten unterhielt. Laut "Hermann Hasenclever (Ehringhausen, 1935)" war der Altenhammer bis zum Abriss im Besitz der Firma Johann Bernhard Hasenclever & Sohne. Hammer II, 1629 konzessioniert, wurde von Franz Hasenclever zu Ehringhausen am gleichen Teich errichtet. Es war ein Klipperhammer, also ein Schnellschlager zum feineren Ausschlagen der Sensen. 1829 arbeitet der Hammer mit drei Wasserrädern für zwei Hammerwellen und einem Gebläse. Er hat nur halbes Wasser, deshalb ist er von Johannis bis Michaelis nur 1/4 der Zeit in Betrieb. 1834 wird der Hammer durch einen Knecht zum Polieren der Sensen im alleinigen Lohn des Besitzers betrieben. 1852 ist der Hammer nicht mehr in den Annalen aufgeführt. Die hier zuletzt ansässigen Wirtsleute Laudenberg wurden durch Abriss in den letzten Kriegsjahren gezwungen, ins Morsbachtal zu wechseln. Dort haben sie noch lange den „Morsbacher Hof“ betrieben. (nach: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid. Herausgegeben von Günther Schmidt, Band 5 - Vom Blombach bis Eschbach)

Das Schneewittchen-Haus von Frau Breitenbach

von Alma Mühlhausen

Noch heute sehe ich Frau Breitenbach, den großen Bäckerkorb am Arm, durch das Viertel gehen und ihre Kundschaft mit Brötchen oder Stuten bedienen. Stets hatte unsere Brötchen/Tau um ihr Kattun- oder Baumwollkleid eine helle, latzfreie Siamosenschürze gebunden. Ihr Haar aber, das schon t>on Silberfäden durchzogen war, bedeckte ein Ohrenwärmchen. Ihr winzig-kleines Häuschen stand abseits des breiten Fahrweges inmitten der Wiesen und Korn­felder. Das Blumengärtchen, das von ersten Schneeglöckchen bis zur letzten Aster in seiner Buntheit den Vorübergehenden eine Augenweide war, schmiegte sich mit einer zärtlichen Geste an den Giebel des Hauses. Auf der saftigen Blumenwiese hinter dem Hause weidete die Ziege Lotte, und ihr zufriedenes Meckern mischte sich mit dem Gegacker des wohl genauso zufriedenen Hühnervolks.

Das Fleckchen lag so idyllisch-schön in seiner Verträumtheit, dass wir Kinder es mit unserer Märchenphantasie umspannten und das Haus „Schneewittchenhaus" tauften. Der nahe Tannenwald dünkte uns als das Arbeitsgebiet der Zwerge, und Frau Breitenbach war die Beschließerin. In diesem Sinne interessierte uns Anwesen und Leben der Witwe Breitenbach. Was uns aber nicht sonderlich berührte, war das Gerücht vom schweren Daseinskampf, den sie geführt hatte. Uns Kindern gehörte die Gegenwart, und die war voll bunter Spiele und Märchen.

Die Zeit verging. Das nüchterne Leben lies keine Märchenillusionen mehr aufkommen. Es verblassten auch die Kindheitserinnerungen um das Schneewittchenhaus unserer ehemaligen Brötchenfrau. Doch als mich mein Weg nach Jahrzehnten wieder einmal am Schneewittchenhaus vorbeiführte, zauberte das blühende Gärtchen die goldenen Stunden meiner Kindheit hervor. Wie lachte mir das Gärtchen entgegen, als ich mich über die Hecke reckte. Rote, weiße, lila und sogar beinahe schwarze Fliederdolden streuten mir ihren betäubenden Duft entgegen. Die Schneeballenbäume, die den Eingang der Laube flankierten, waren ein einziges Blütenwunder. Alles war wie damals. Nein, nicht alles.' Es fehlten die Ziege Lotte und das Gegacker der Hühner.

 

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Auf der Suche nach "alten Schätzen"

Liebe Leserinnen und Leser,

Über Remscheid, seine Geschichte, seine Bürger und deren Eigenarten ist schon viel geschrieben worden. Und vieles davon ist auch wieder in Vergessenheit geraten. Der Waterbölles möchte es im Internet lebendig erhalten. Hin und wieder ein „Vertällscher“ aus alter Zeit, gerne auch in Platt, wird sicherlich seine Leser/innen finden. Als Autoren in Wort und Bild fallen da Gustav Hermann Halbach, Hans Funke, Fritz Knäpper und Max Eulenhöfer ein. Aber gewiss gibt es noch andere, die über Remscheid in der einen oder anderen Form publiziert haben und inzwischen verstorben sind. Wer verwaltet ihren Nachlass? Auf wen sind als Erben die Urheberrechte der Verfasser übergegangen, die 70 Jahre nach deren Tod bestehen bleiben? Um die „alten Schätze“ heben zu können, ist der Waterbölles auf Hinweise aus seiner Leserschaft angewiesen. Dafür schon im Voraus vielen Dank.

Herzlich Ihr Lothar Kaiser

Tipps vom Klärchen för Chressdag

Et is fien, datt wiar flöck Chresdag fieren küanen. Do sinn mar guot därrbie. De Desche buogen sech för Freten un Drenken, doch datt hätt Newenwerkungen.

De Buck mutt mett Magenbetter beschwärt wären. De Kaal hätt da fuargesorcht. Datt hitt ever nicht, datt man Chresdag peädsbesopen in de Hütte leit. Enn besken knüll iss erluaft. De Lewer und de Gall kann man mett enn paar Pillekes betuppen.  Enn Pöttken Päffermönztiä wirkt Wonger för föll Wikiken. Wenn de Magen emmer noch Fisematenten macht dann hölpt en Brei ut Hawerschliem.

En Tur am ierschten oder twedden Feierdag sual man och molls ieanplanen. Datt muss jo nit enn Dagestur sinn. So ian biss twei Stong stramm gonn riekkt, unn dann derektemang un stantepedes för denn Owen.

Öwerhaupt enn besken Geduold unn Nerwen ess nüödig in desser Tied.  Datt Handy odder Kalldüösken kann och mal lüdden. De Minschenmassen biem Ienkuopen hinger sech looten unn früöhgenug alles ieanhollen. Unn watt wiar nit do hand, wüard och nech jefreten. Datt mutt nech alles staats sinn.

Völl Lütt werden maladd wenn se Urlaub hang. Datt ess emmer Driete. Sorjend für föll guadem Schloop. Enn besken dörmelen am Dag kann och hölpen. Man muss sech nur die Tied doför nehmen.

Hölpen sual och en Döpken Ingwertiä mett Honäch, odder enn hiaten Flierensaap. Ess ett passiert, app ent Bedde, uutkurrieren. Lotend önk verwüanen. Enn Huohnerzoppe ess ahnjeseit. Unn schloopen, schloopen, schloopen.

Datt janze Gedress mett denn Hölpkes unn Stehrömkes, Wick  Aspirin,Paracetamol unn angersch macht nur denn Geildbüdel leer. Datt seed och Doc Esser biam WDR emmer.  De arbiet öwrigens in usserm Krankenhuas in de Burger Stroote.

Wie de Kaal letztens do woar mett enn Operazeguon am Hingerschen, doo kuam miar de Doc Esser entgegen, wie ech denn Kaal besökt han. Doo hann ech joo öwerrascht gekieken. Mett demm har ech nit jerechnet. He iss ever janz nett unn he hätt och watt emm Owerstüöfken, och wenn he watt boungk am Balch ess. (Tätowierengk nennt man datt). Sinn Wief wüard ett och nett langkwieleg biam ankieken.

Wie mär Kengk woar, woar datt Chressdag sowieso noch allet fiener. De Bescherenk ungerm Chressbuam woar noch rechtech fiarlech. De Knecht Rupprecht mett de Ruote, doo har mar Strakkes för. Ech woar emmer enn gruoden Drietaasch unn hann mech hingerm Vatter verstoppt biss hä wech woar. Datt Spellkröm wuard flott uutjepackt. Ett joof tehiemen Spellkröm unn därrbuten Spellkröm. Doo woar man weekenlangk beschäftigt.

Soo nu wönsch ech önk enn herrleche Chressdagstied unn enn Guad Nieue Joar. Knallt nett so völl, denkt an de Diersch.

Bis Strackes önker Klärchen
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flöck/schnell,  Knüll/angetrunken, Wiwiken/Wehwehchen, Fisematenten/Probleme, Hawerschliem/Haferbrei, Tur/Spaziergang, derektemang u. stantepedes/sofort, staats sinn/perfekt sein, maladd/krank, Honäch/Honig, Flierensaap/Holundersaft, Strakkes/Angst,

Die Hüsgen-Schmiede

von Alma Mühlhausen

Als der alte Hüsgen die Nachricht vom Tode seines Jungen in Russland erhalten hat, ist er wie ein Verzweifelter durch den verschneiten Waid gelaufen und tagelang nicht in die Schmiede gegangen. Was sollte dem so schwer Betroffenen die Schmiede noch, da keiner mehr da war, der die alte Schmiedetradition der Hüsgens nach ihm weiterpflegen würde? Denn auch Paul, der verheiratete jüngste Sohn des Alten, der von Beruf Kaufmann war, galt schon seit längerer Zeit als vermisst, und man hatte die Hoffnung auf seine Wiederkehr längst aufgegeben. Lange hat es gedauert, bevor es der Schwiegertochter gelang, dem alten Hüsgen wieder ein wenig Interesse für die Arbeit abzugewinnen. Doch er war ein gebrochener Mann, der in der Schmiede nichts Rechtes mehr zuwege brachte.

An einem Märztage, als im Gärtchen die Schneeglöckchen blühten, hing der Hüsgens Fennand den Bsrbel an die rußgeschwärzte Wand und sagte zu dem Altgesellen: „Kaal, ech kann nit miehr, ech maak Fierowend. Sorg, dat alles tereite kömmt." Abends erfuhr dann die Nachbarschaft, dass der alte Hüsgen einen Schlaganfall erlitten hatte, der ihn linksseitig lähmte. Hilflos lag der hünenhafte Mann im Bett und schien alles Gefühl für die Umwelt verloren zu haben. Sogar dem siebenjährigen Bernd gelang es nicht, den Großvater lächeln zu machen.

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Dr Brandersch Chrest und das Viertellos

von Alma Mühlhausen

Folgende heitere Begebenheit trug sich zu in einer Zeit, die noch nichts von Lotto- und Totoscheinen wußte, sondern das Spielen in der Königlich-Preußischen Klassenlotterie in höchster Blüte stand. Wer es geldlich nur eben ermöglichen konnte, befand sich im Besitz eines Losanteils. So auch die Familie Brander, die in einem kleinen Schieferhaus drei „Uohlerbüenen" beroohnte.

Christian Brander, genannt „dr Brandersch Chrest", der sich als Packer und Vater von fünf Kindern, von denen das älteste 14 Jahre zählte, recht und schlecht durchs Leben schlug, hatte es fertig gebracht, sich in den Besitz eines Viertelloses zu bringen und wartete nun darauf, dass Fortuna auch einmal einem armen Teufel das Glück in den Schoß werfen würde. Eigentlich war der „Chrest" nicht alleiniger Besitzer des Viertelloses, da er — im Alkoholdussel und hinter dem Rücken seiner Frau — die Hälfte des Loses seiner Schwester Laura verkauft hatte. Aber was tut ein Mann nicht, der, wie der „Chrest", sich ständig in Geldnöten befindet? Und so ist es dem Chrest nicht übelzunehmen, wenn er die Teilhaberschaft Lauras seinem Kalingken uerschwieg. Nun träumte der Losbesitzer bei jeder Ziehung davon, dass ihn endlich das große Glück heimsuchen würde, damit er dem knötterigen Hausherrn, mit dem er seiner Blagen wegen ständig auf Kriegsfuß lebte, die „Uohlerbüenen" kündigen konnte.

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Dat frikassierte Kannapie

Nüahlich woaret wiar sowiat. Ech sach temm Kaal, hüarens, wiar müaten us molls en nöüs Kannepie kuopen. Kniestechkeit hin odder her, datt ess schäbbich. Füaren dran es allet schwatt jeschuard. Unn ett hätt Fuozkuolen. Sonn flammnüoh Kannepie datt wär schon watt. Dann gewen wiar uss nix to Chresdach unn schenken us enn nöüs Sofa. Tehiemen sual ett doch gemüötlech sinn. Unn denn schäbbigen Müter van dem letzten Johrhungert, datt meit kian Staat miar her.

Do nützt dem Kaal och kian jomern un jankern, wiar sind nom Mobilejar-Hus und hang us watt anjekeken. De Kaal woar knästereg un wual sech nech molls probesetten. Hee mukst nur römm, evver datt woar dem Klärchen egal, denn wenn datt Klärchen sech mal watt in denn Kopp jesett har, dann wüard datt och jemakt.

Wiar sind hin und her jeluapen, watt fürren Kannepie woar datt gemüötchste, unn wo passt ming Hengerschen droppen. Endlich har ech watt jefongen. Hin und Her hann ech ett uutprobiert und dann hand wiar ett jekoppt. Ett wüard evver iarscht später geliewert, datt makt nix.

Vörige Weeke woar ett dann sowieat. Do kuamen se mett demm nieuem Kannepie. Dur die Husdüör woar kian Problem, evver die Düör no demm Wohnzimmer, do ging datt verdampte Drietding nicht duar. Hin und her, hoch un runger, alles hand se probeert. Nix te maken. Also datt ianjepakte Kannepie iarschtmol opp de Terasse.

Am necksten Dag har ech enn Polsterer bestöllt, datt wiar enn Problem hang. Datt Kannepie es te gruat für de jute Stuv, watt man do maken kann. He hat sech dat anjekiekt und seed, dat ess kian Problemm. He wüard de Siadendiel affschruwen und dann passt datt dur de Dühr unn im Wohnzemmer wiar draanschruwen.

Jeseit jemakt, he kuam un he unn de Kaal (he zooch emmer noch ne Schnute) hand datt frikassierte Kannapie in dat Wohnzemmer gekregen und nu stiat ett staats an de Wand. Datt aule Sofa kömmt opp de Kipp und dat Klärchen hätt endlich wiar enn ordentlichen Platz tom strecken.

Wenn de Kaal sech wiar ianjekregen har, darf er sech och mett do dropp setten.

Bis strackes, önker Klärchen

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Kannapie/Sofa-Couch,  Kniestechkeit/Geiz, Fuozkuhlen/Furzkuhlen-eingesessene Dellen,  Schäbbigen Müter/schäbiges Stück, jomern un jankern/jammern und stänkern, Hengerschen/Hintern,  Siadendiel/Seitenteil, staats/stolz-schön,

Pfingstausflug in alter Zeit

von Alma Mühlhausen

Seit langem schon war es bei den Skatfreunden beschlossene Sache, den Familienausflug diesmal nicht zum „Sti'enernen Krüzz", sondern nach Burg zu machen. Und es schien, als wären die Skatfreunde und ihr Vorhaben dem Petrus besonders sympathisch, denn eine strahlende Sonne lachte aus seidenblauem Himmel hernieder. Da war es kein Wunder, wenn in dem mit Birkenreisern und Hainbuchenlaub geschmückten Ort eine glänzende Stimmung herrschte. Schon kurz nach dem ersten Hahnenschrei hatte der Gesangverein die Hofgemeinschaft mit seinen pfingstlichen Liedern aus den Federn geholt, und die Feuerwehrkapelle hatte das ihrige mit der Lautstärke ihrer Blasmusik dazugetan.

Vor dem Hause des Friseurs Emil Barke, der sein ambulantes Gewerbe vorwiegend in Schmieden, Haustuben und Werkstätten ausübte, hatte sich eine festlich gekleidete Gesellschaft eingefunden. Und wie „Staats" hatten die Mütter ihre Kinder gemacht! Große Strohhüte mit bunten Bändern beschatteten die Gesichter der Jungen und Mädchen. Friedchen, die elfjährige Tochter des Drechslermeisters Müller, putzte alle Augenblicke an den Lackspitzen ihrer Knopfstiefel mit dem Taschentuch herum. Und das sechsjährige Pitterken, dem eine Botanisiertrommel über die Schulter hing, ließ jeden seine Kanonenstiefel bestaunen.

Ungeduldig trippelten die Kinder umher und schauten die Straße hinab, ob die letzten säumigen Teilnehmer noch nicht in Sicht waren. Da stürmte plötzlich et Fränzken auf den Platz und schrie: „Se kuomen! Äwer Se brängen dat eklege Selma met." Ein unwilliges Gemurmel ging durch die Reihen. „Wat?", grollte der Müllers Otto, „Et Selma? Dat fehlt us noch. Werr heet dat dann egeladen?" Dat sall wall dr Baatschräbber om Gewessen han . . . böss stell, Emil, dat es su", sagte der Fennand. „Äwer", fuhr er fort, als er die betretenen Gesichter sah, „söffer us denn Dag nit met dem Selma verderwen. Ech hault et en Räsong, do kaffier ech vür."

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Der letzte Brief

von Alma Mühlhausen

Draußen lag schon die Dämmerung des frühen Novemberabends, und gegen die Fensterscheiben trommelte der Regen sein monotones Lied. Sinnend stand Mutter Burgdorf am Fenster und schaute auf den Rinnstein, in dem die dürren, lebensmüden Blätter wie kleine Schiffchen trieben. Mit einem Seufzer wandte sie sich dann vom Fenster ab und schaltete das Licht an. Als die Läden dicht geschlossen vor den Scheiben lagen, setzte sie sich hin und überließ sich ihren Gedanken, die sich heute besonders dem gefallenen Sohne zu-wandten. Ein bitteres Gefühl, ein heißes Aufbegehren: Warum musste gerade er, der doch noch in der Blüte seiner Jugend stand und sich so hohe Ziele gesetzt hatte, sterben? Doch blieb die Frage ohne Antwort. Aber über die Erbitterung trug das Wissen um das Schöne im Leben ihres Kindes schließlich den Sieg davon. Diese Erinnerung konnte ihr auch der Krieg nicht nehmen. Und — so sagte sich Mutter Burgdorf — trugen nicht die Mütter der ganzen Welt das gleiche Leid? Flossen die Tränen der Mütter, die ihr Liebstes geopfert hatten, an diesem Tage nicht genau so reich und heiß wie die ihren? Stark musste man sein . . .

Hastig ihre Tränen trocknend, erhob sich Mutter Burgdorf und entnahm einer Schublade einen großen, bis obenhin mit Briefen gefüllten Karton. Wie ihr seine Schrift vertraut war! Und die Anrede lautete immer gleich: „Du, meine liebe, gute Mutter!" Und diese Liebe war mit seinem frühen Tode nicht gestorben. Sie lebte in ihrem Herzen weiter. Kein Grab war so groß und tief, dass es die Liebe ihres Jungen zu seiner Mutter fassen konnte.

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