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Auf Erkundung mit einem Remscheider Stadtführer

Herr Hardt in Aktion.Freitag, 26. Mai, 17 Uhr
Kommerzienrat Hardt und die Lenneper Tuchmacher (NEU)
mit Besichtigung des Tuchmuseums . Ende des 19. Jahrhunderts lebte in Lennep der Königliche Kommerzienrat Hermann Hardt. Er war, wie schon seine Vorfahren, Tuchmacher und Mitinhaber der Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn. Als Mitglied der Lenneper Stadtverordnetenversammlung, aber auch in seiner Verantwortung als Unternehmer, engagierte er sich für seine Heimatstadt und deren Bewohner. Begleiten Sie Herrn Hardt auf seinem Weg durch sein Lennep und lauschen Sie seinen Geschichten über Lennep, die Tuchindustrie und so manches andere. Die Führung endet mit einer kurzen Besichtigung des Lenneper Tuchmuseums. Eintritt ist in der Führungsgebühr inbegriffen. Leitung: Harald Fennel. Preis: sieben €. Treffpunkt: Deutsches Röntgenmuseum. Anmeldung: Claudia Holtschneider, Tel.: 02191 / 79 13 052.

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Im Graben vor dem "Kristallpalast" wurde auch genächtigt


Der 'Kristallpalast' (links) auf einer Postkarte vor 1910von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Ich selbst wüsste nur zu gern, woher diese Bezeichnung im 19. Jahrhundert kam. Mit dem Londoner Crystal Palace zur Weltausstellung 1851 und dessen Nachahmungen in z.B. Leipzig und Dresden hatte er wohl nichts zu tun, zumal es sich hier nicht um ein Lenneper Schmuckstück, sondern um einen über viele Jahrzehnte zitierten Schandfleck handelte. Gemeint war das Areal an der Nord-Westseite der Ecke Kölner und Bahnhofstraße in Lennep, wo sich im Jahre 1937 die Lenneper Ofen- und Herdhandlung Liesendahl ansiedelte, die sich vorher viele Jahre gegenüber dem Berliner Hof am Mollplatz bzw. an der Poststraße 1 befand. Das uralte Gebäude des sogenannten Kristallpalastes war allerdings damals schon lange nicht mehr vorhanden, das Grundstück wurde durch einen wackeligen Bretterzaun begrenzt, an dem über viele Jahren Plakate angeklebt wurden, die durch den Regen aufgeweicht, ab einer gewissen Dicke der Papierschicht auf das Trottoir fielen, auf dem sich unverfüllt noch die Löcher eines früheren Eisenzauns befanden. Dieser verhinderte schon im frühen 19. Jahrhundert Stürze in eine Art Graben, der sich um die bebaute Fläche zog, an der Kölner Straße und um die Ecke die Bahnhofstraße hinauf. (Tief neben der Straße liegende Häuser gab es seinerzeit in Lennep viele, ich selbst habe noch am Mollplatz hinter dem ehemaligen Kaiserdenkmal eines erlebt, man musste dort vom Thüringsberg her ein paar Stufen zur altbergischen Haustür hinuntersteigen.

Im Jahre 1936 thematisierte das Lenneper Kreisblatt die Bahnhofstraße unter „neuzeitlichem“, das hieß damals unter nationalsozialistischem Aspekt, weil man ein geplantes Bauvorhaben an der Ecke zur Kölner Straße als modern und zeitgemäß ankündigen wollte. Dementsprechend wurde die vorhandene Architektur der vergangenen Kaiserzeit negativ apostrophiert. Es hieß u.a.: „Die Bahnhofstraße als Eingangsstraße zur Stadt aber ist für Lennep nicht rühmlich. Wohl entstanden im Laufe der Jahre dort einige größere Bauten, im Allgemeinen ist aber auch heute noch das Aussehen dieser Straße für eine Stadt wie Lennep nicht gerade imponierend. Für die heutigen Verhältnisse dürfte das das Rathausgebäude kein Bau sein, der auf Schönheit Anspruch erheben kann“. Von der einstigen wilhelminischen Prachtstraße wollte man also seinerzeit nichts mehr wissen, das Vorzeigestück, gleich ausgehend vom Bahnhof, sollte jetzt in eine „moderne“ Geschäftsstraße mit reinen Zweckbauten verwandelt werden.

Der historische 'Kristallpalast' in einer Abbildung des Lenneper Kreisblatts

Allerdings war an der genannten Ecke der Bahnhofstraße zur Kölner Straße (damals Hermann-Göring-Straße) auch niemals ein wilhelminischer Prachtbau vorhanden, sondern  der ehemalige Kristallpalast bzw. sein verkommenes Grundstück. Dieses beschrieb der Zeitungsschreiber 1936 ganz zu Recht als ein „besonderes Ärgernis“. War schon früher das auf diesem Grundstück stehende alte Gebäude ein beschämendes Bild für die Stadt, so sei nunmehr der mit den Plakaten beklebte Bretterzaun ein nicht minder hässlicher Anblick. Schon zur Zeit des 1. Weltkriegs hatte man hier Abhilfe schaffen wollen, jedoch dann musste aufgrund des sich zeitlich ausweitenden Krieges eine Neubebauung zunächst unterbleiben. Erst nach dem „Umbruch“ von 1933 und die dadurch bedingte Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung sollte nun ausgeschachtet werden und die Neubebauung erfolgen. Dies wurde dem Leser auch durch eine Skizze näher gebracht, die die künftige Bebauung der Bahnhofstraße erkennen ließ. Die Neubebauung schloss beispielsweise eine bis dahin noch vorhandene alte Gasse, und unten an der Ecke zur Kölner Straße sollte ein neuzeitlicher Geschäftsbau den Raum bis zur Glas-, Farben- und Tapetenhandlung von Daniel Witscher füllen.

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Klärchen un de Wahl-O-Mat

Ech hann mir gedeiht datt ech ens vörrwäg wehlen doo unn binn hütt morjen in datt Ämterhuus geluopen unn hann de Wahl-O-Mat gesökkt, damit ech mir datt am Sundach morjen kniepen kann. Doo seed mir de Frouw am Schaulter, datt man mett demm Wahl-O-Mat jarnech wehlen kann, sondern onliene iarscht erfahren där, wann ma wehlen sual, wenn man datt vörrhär nech wüast. Datt woar joo wedder nix, deiht ech bie mir. Ech deiht datt wüar son Kabäusken, inn demm man schon jetzt wehlen künn. Sozusagen fürenwech. Ech widder nohieme unn an dat Läpptopp-Dial van mingem Jong demm Pitter.

Doo bie demm Wahl-O-Mat kreggt man 38 Frogen gesteult, die ech mett „joo“, „neutral“ odder „nee“ beantwooren sual. Dann jiät ett loss: Wie ett mett demm Abitur nach nüng Joaren ess, opp de Jeschäfte Sundachs open haaren sualen, opp de Ring dieper gelecht wearen sual, no de Kitta-Jebühren unn opp de Asilanten awjeschowen wären sualn. Frogen noch dem Utstiech uat de Braunkohle, Daten för Stüerverjehen, sozialen Wohnungsbau, Kosten för de Polizeiinsätze, demm Mindestlohn, Kenger- und Jugendräte, ökologische Dierhaltung, de Grunderwerbsstüer senken, Maßnahmen gegen de Bruanen, Radschnellwege, Mietpreisbremse, datt traditionelle Famillienbild, und noch völl mer.

Ich hann alles reiht beantwortet. Hingen ruuht koam watt ech am besten wehlen door, evver datt woar garnech miene ierschte Wahl gewesen.

Ech glüav ech beantrach noch Briefwahl, dann kann ech mir datt noch överlegen. Odder ech schluar Sonndach nach mienem Wahllokal unn kiek miar datt aan. Ech hann jehüard datt datt wedder suen Tapieten sinn sollen. Ienendrissich Parteien stangen do dropp. Vann BIG no PAN, vann JED no De Violetten, vann Schöner Leben no V Partei unn wann noch all sonst noch.

Entwedder ech kiek miar denn WDR Kandidatencheck molls ahn, oder ech wehl datt watt ech schon emmer jewählt hann. Ne watt di emmer datt Klärchen för Probleme stellen müaten. Unn dann emm September nochens. Ech glüaf ech mach och enns ne Partei open, die nenn ech dann „Die Oppklärchens“.  Opp ett dann och nen Klärchen-Effett jütt, wie bie demm Schulz, denn Sozegaldemokraten?

Bis strackes, önker Klärchen
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gesökkt/gesucht, kniepen/vermeiden, Schaulter/Schalter, Kabäusken/kleines Häuschen, Ring/Rhein, Utstiech/Ausstieg,

 

Der „glüehnege Donnerkiel" ist kein Fluch

Alma Mühlhausen. "In einem Außenbezirk unserer Stadt besaß Abraham Wirths eine Feilenschmiede. Von früh bis spät streute sie ihr fleißiges Arbeitslied über das saubere schwarz-weiß-grüne Haus, an das sich ein blumenbuntes Gärtchen schmiegte. Noch heute sehe ich den Schmied vor dem Amboss stehen und den Hammer schwingen. Wie das Urbild eines bergischen Recken stand er da. Wie stahlhart konnten seine Augen blicken! Zwei Kinder hatte das Ehepaar Wirths, ein Mädchen von sieben und einen Sohn von vierzehn Jahren, der dem Vater in der Schmiede schon tüchtig zur Hand gehen musste. Und dieser Junge, Franz mit Namen, ist auch der „Held" dieser Geschichte.

Es war Ende August, einige Tage vor den großen Herbstferien, die damals am 1. September begannen. Frau Wirths, im Gegensatz zu ihrem Mann eine kleine, rundliche Person, schaffte in ihrer blitzsauberen Küche, als et Milleken mit fliegenden Zöpfen atemlos hereingerannt kam und rief: „Mama, do hengen kömmt dr Paschtuor!" Erschrocken stellte die Frau die Bohnenschüssel hin. „O Goddegott, derr kömmt bestemmt wegen ussem Franz. Wat mag derr Döiwelsjong wall wier ahngestault han?"

Der Pfarrer nahm auf einem weißgescheuerten Küchenstuhl Platz. „Ich komme wegen ihres Sohnes Franz. Sein Benehmen zwingt mich, Rücksprache mit Ihrem Mann zu nehmen, da ich den Jungen von der Konfirmation ausschließen muss“. – „Wat sagen Sie da? Sie könnten den Franz nit mit einsegnen? Dat is doch wohl nit Ihr Ernst, Herr Pastor?" Bekümmert schaute der Pfarrer die Mutter des Taugenichts an. „Leider kann ich Ihnen diesen Schmerz nicht ersparen, liebe Frau. Die Streiche des Jungen nehmen Überhand und verleiten andere Konfirmanden zur Nachahmung. Der Hauptgrund jedoch ist sein lästerliches Fluchen . . ." „Fluchen? Fluchen? sagten Sie, Herr Pastor? Dat kann nit stimmen. Wo sollte der Jung dat gelernt haben? Bei uns nit. Bei uns wird nit geflucht, Herr Pastor". „Es stimmt dennoch, Frau Wirths. Rufen Sie bitte Ihren Mann her. Die Wichtigkeit der Sache erfordert eine persönliche Rücksprache mit ihm."

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Uwe Schabla über seine Großtante Alma Mühlhausen

Der Heimat zur Ehr

Du fragst, warum ich die Heimat so lieb', die ich in Worten der Liebe beschrieb,
warum mir das Land, so rauh und so klein, das schönste dünkte auf Erden zu sein,
warum meine Lieder, so innig und hehr, singen und klingen der Heimat zur Ehr',
warum meine Sehnsucht den Weg stets fand zum Fleckchen Erde, dem Bergischen Land.
Wenn du das Plätschern des Baches gehört, des munterer Lauf mich das Wandern gelehrt,
dein Fuß durch rauschende Wälder schritt, im schwellenden Moose versank dein Tritt,
wenn blumige Auen dein Auge gegrüßt, dein Herz den Frieden der Landschaft genießt,
wenn du die Schönheit der Täler geseh'n — dann wirst du die Liebe zur Heimat versteh'n!

Alma Mühlhausen.

Als am 4. Mai an der Alma-Mühlhausen-Straße im Neubaugebiets "Sonnenhof" ein neuer Kinderspielplatz eingeweiht wurde, fragte Uwe Schabla, Mitglied der Bezirksvertretung Süd: „Wer war Alma Mühlhausen?`“ und lieferte als entfernter Verwandter (Großneffe) die Antwort gleich mit: „Alma Mühlhausen, geboren 1884 war einst die ‚Märchentante‘ des RGA. Im J. F. Ziegler-Verlag erschien denn auch 1960 ihr Buch „Der Heimat zur Ehre“ mit bergischen Anekdoten und Geschichten“. Die Bliedinghausenerin - dort wohnte sie in bescheidenen Verhältnissen bis zu ihrem Tod am 5. Februar 1961 in der Nähe der Mannesmann Röhrenwerke -  sammelte und verfasste viele Erzählungen, Gedichte und Anekdoten aus ihrer Heimat und Kindheit. Sie schrieb einst: „...und wenn ich einst sterbe, sei eins mit gewährt, dass ich darf ruhen in bergischer Erd“. Ama Mühlhausen wurde auf dem evangelischen Südfriedhof Bliedinghausen beendigt, wo inzwischen auch ihre Schwiegertochter Lotte Mühlinghaus ruht. (Gedicht mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

Zur Pfingstkirmes gehörte früher auch ein Marsch mit Musik

Blaskapelle der Feuerwehr Lennep im Jahre 1927.Von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Von alters her, wie man so sagt, ist es zu Pfingsten Sitte, ein Schützenfest und eine Pfingstkirmes zu veranstalten. So auch in Lennep, zu der Zeit, als Lennep bergisch-preußische Kreisstadt war, aber auch schon früher und später in der Weimarer Zeit, in den 1930-er Jahren und bis heute. Natürlich wissen wir alle, ob katholisch oder evangelisch, dass das Pfingstfest und die damit zusammen hängenden Feierlichkeiten kirchlichen Ursprungs sind. Und die frühere gesellschaftliche Bedeutung des Festes lässt sich noch an dem Ausspruch erkennen: „Dä hätt singen  pingstbesten Antuch an“. Nicht nur für den Pfarrer machte man sich fein. Der Name Pfingsten leitet sich von dem griechischen Wort pentekoste, der Fünfzigste, ab. In seiner ursprünglichen Bedeutung verweist er auf den zeitlichen Abstand zu Ostern, den Abstand von 50 Tagen. Pfingsten folgt immer auch zehn Tage auf Christi Himmelfahrt, und mit Pfingsten endet insgesamt die österliche Zeit. Was an Pfingsten jedoch eigentlich gefeiert wird, weiß Umfragen zufolge nur noch eine Minderheit der Deutschen. Im Neuen Testament wird in der Apostelgeschichte erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam, als sie zum jüdischen Fest Schawuot in Jerusalem versammelt waren. Dieses Ereignis wird in der christlichen Tradition auch als Gründung der Kirche verstanden. Als christliches Fest wird Pfingsten allerdings erstmals im Jahr 130 erwähnt.

In früheren Zeiten wurde das Pfingstfest, vor allem in ländlicheren Gegenden, in wesentlich größerem Umfang gefeiert als heute. Davon zeugen nicht nur die vielfältigen Bräuche, die heute z.T. verlorengegangen sind, sondern auch Jahrmarkts-Veranstaltungen mit Karussells, Buden und Ständen. Insbesondere im Rheinland und in Westfalen warten die Veranstaltungen immer wieder mit einer Fülle von Attraktionen auf. Besonders im Rheinland auch veranstalten sogenannte Pfingstreiter Aus- und Umritte sowie pittoreske Reiterspiele. Derartige Pfingstbräuche haben ihren Ursprung in früheren Heerschauen, die Volkskundlern zufolge sogar bis ins alte Rom zurückgehen. Mit dem Heiligen Geist haben sie weniger zu tun.

In meinem Lennep-Archiv stieß ich dieser Tage auf ein paar Fotos aus der Zeit um 1927, die einen Schützenumzug am Kölner Tor vor dem Kaufhaus Karststadt zeigen. Ich selbst kann mich noch erinnern, dass mir in Lennep während der Kirmeszeit am Mollplatz das Trommler- und Pfeiferkorps am sonntäglichen Morgen in aller Frühe den Schlaf raubte. Es zog dann zunächst zum Ehrenmal auf der Knusthöhe, manchmal zogen wir Kinder auch mit durch die Stadt und sahen z.B. beim König von Preußen oder bei Käse-Kugel zu, wie sich die Musiker dort mit einem Klaren oder Bittern stärken ließen.

Das Marschieren auf den Straßen, die Ausmärsche der Vereine sind heute seltener als noch in der Nachkriegszeit und seltener vor allem als in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. Wenn man bedenkt, was das Kölner Tor in Lennep allein in der Zeit der Weimarer Republik und der Hitlerzeit an Aufmärschen erlebt hat, so wird man dies vielleicht auch gut heißen. Gänzlich unpolitisch waren übrigens auch die Aufmärsche der Schützen und Turner nicht. Sie hatten in der Regel auch eine nationalpolitische Bedeutung, wenn auch versteckter als bei den Aufmärschen der Nationalsozialisten und Kommunisten, von denen es in Lennep in den 1920-er Jahren und bis 1933 bekannterweise auch sehr viele gab, sogar mit Todesopfern. Aber nicht alles war bei den Umzügen und Aufmärschen nur politisch. „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten...“, das gab es auch im Bergischen Land, und man verlor oft nicht nur seinen Jüngsten im Gewühl. Im Gegensatz zur geordneten Marschform zu Beginn der Festlichkeiten verhalfen die Produkte der Kornbrennerei Finger an der Kölner Straße oder der Beyenburger Schnapsbrennerei Braselmann nicht nur zur gehobenen Stimmung, und so manche "Alte" hat, wie im Berliner Volkslied, auf ihrem nächtlich heimkehrenden "Helden" ne volle halbe Stunde herumpoliert.

Blaulichttag zu 150 Jahren Feuerwehr Lennep

Vieles war am Samstag auf dem Jahnplatz in Lennep beim „Blaulichttag“ der freiwilligen Feuerwehr Lennep zu besichtigen und zu bewundern, dem ersten der insgesamt drei Festtage zum 150-jährigen Bestehen der Lenneper Wehr. Ein Tag für die ganze Familie – mit Einsatzübung der Freiwilligen Feuerwehr Hasten und der Jugendfeuerwehr Lennep, einer Ausstellung historischer Geräte und Fahrzeuge, einer Ausstellung von Modell-Feuerwehrautos, für die Patrick Böhl viel Freizeit verwendet hatte, einer Hüpfburg und Kaspertheater der Freiwilligen Feuerwehr Ronsdorf für die kleinsten Besucher, einer Feuerwehrspritzwand für erste Löschversuche, und natürlich mit Getränke- und Imbissstand.

Die teilweise mehr als 100 Jahre alten Feuerspritzen, Schlauch- und Leiterwagen, einst von Pferden gezogen, sind der ganze Stolz der Freiwilligen Feuerwehr Lennep. Dass die historische Löschtechnik viel (Mannes-)Kraft erforderte, wurde bei einer munteren Show-Übung deutlich, an der sich auch Bezirksbürgermeister Markus Kötter beteiligte. Dabei kam auch der historische Leiterwagen zum Einsatz. Über den ließ sich „Lenneps letzte Jungfrau“ aus einem „brennenden“ Turmzimmer retten – eine wackelige Angelegenheit, die Retter und Geretteter Mut abverlangte. Aber das Feuer hätte im Ernstfall mit der kleinen Handspritze mangels Wasserdruck und Ventilschaden nicht gelöscht werden können. Ein Gaudi, bei dem auch die Schaulustigen nicht trocken blieben...

Im Blickfeld standen auch die zahlreichen Rettungsfahrzeuge von Feuerwehr Einsatzleitwagen, Rüstwagen, Drehleiter) und Technischem Hilfswerk (Schreitbagger etc.), die dem Jahnplatz einrahmten. Die modernen Großfahrzeuge hatten die Berufsfeuerwehren Remscheid, Bochum und Ennepe-Ruhr-Kreis beigesteuert, einige Magirus-Oldtimer die Feuerwehr Solingen. Einst auf den bergischen Autobahnen im Einsatz war der 250 PS-starke „Uranus“ mit 18 Litern Hubraum zum Bergen schwerer Lastwagen, heute im Besitz eines Feuerwehr-Fans. Im Video Christian Wette, der Leiter der Löscheinheit Lennep, und drei Mitglieder der „Ehren-Abteilung“. An den großen Brand eines Holzlagers in Remscheid kann sich einer von ihnen, Armin Lindermann, noch gut erinnern. Denn damals lief vor seinem geistigen Auge der Film seines Lebens ab.

April 2007: Der Waterbölles blättert zurück

Die "Ära Kennepohl" ging vor zehn Jahren überraschend zu Ende: Eine Stimme fehlte Baudezernent Helmut Kennepohl am 26. April 2007 zur Wiederwahl. Wahlberechtigt waren alle 58 Ratsmitglieder (und alle waren erschienen) und Oberbürgermeisterin Beate Wilding. Macht 59 Stimmen. Auf 29 Wahlzettel war „Ja“ angekreuzt, auf 30 „Nein“. Da sich vor der Wahl SPD und Grüne gegen Kennepohl ausgesprochen hatten (zusammen 25 Stimmen) und das „bürgerliche Lager“ von CDU, FDP und W.I.R. (zusammen 33 Stimmen) für ihn, müssen unter den Befürwortern einer Wiederwahl mindestens vier Abweichler gewesen sein, ein geschlossenes „Nein“ bei SPD und Grünen vorausgesetzt (keine Stimme war ungültig; es gab keine Enthaltungen). Acht Jahren zuvor hatten Abweichler in den Reihen der SPD Kennepohl zu einer Wiederwahl verholfen, damals zur großen Verärgerung des SPD-Fraktionsvorsitzenden Hans Peter Meinecke. Im Vorfeld des 26. April 2007 hatte alles auf eine Wiederwahl Kennepohls hingedeutet. Eine Nicht-Wahl des „Unvollendeten“ (Bergische Morgenpost) wäre eine glatte Sensation, mutmaßte damals der Waterbölles. Elke Rühl (CDU), damals Vorsitzende des städtischen Bauausschusses hatte sich als glühende Befürworterin einer Wiederwahl Kennepohls geoutet. Remscheid habe dem „Visionär“ sehr viel zu verdanken. „Die Neugestaltung des Hauptbahnhofs mit dem Schaufenster der Wirtschaft sowie der Stadtumbau West werden unter seiner Verantwortung umgesetzt“. BM-Redakteur Henning Röser stellte daraufhin fest, vor allem in der CDU werde der Baudezernent „von manchen Ratsmitgliedern geradezu kulthaft verehrt“.

Eine Modernisierungsoffensive für Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen erreicht1 im April 2007 den Bahnhof Remscheid Hbf in Form des erste Spatenstichs für den Bahnhofsneubau durch Oberbürgermeisterin Beate Wilding. Für mobilitätseingeschränkte Reisende werde ein neuer Aufzug gebaut, hieß es damals. Außerdem erhalte der neue Mittelbahnsteig bis September 2008 ein Blindenleitsystem, ein neues Wegeleitsystem, überdachte Wartebereiche sowie eine komplett neue Bahnsteigmöblierung. Die damals noch spürbare Euphorie hast sich längst gelegt.

In einem „Gemeindebrief Extra“ verwies die Evangelische Stadtkirchengemeinde Remscheid im April 2007 auf ihren jahrhundertealten Friedhof mitten in der Stadt. Bis 1761 war der Friedhof ausschließlich unmittelbar um die Kirche herum belegt. In jenem Jahr erweiterte man ihn gen Nordosten bis an die heutigen Kirchhofstraße. Ab 1780 veranlasste die herzogliche Regierung die Gemeinden zur Anlegung neuer Friedhöfe außerhalb des bebauten Raumes. Im gleichen Jahr suchte man ein schuleigenes Gelände unweit der Stadtkirche für Friedhofszwecken aus. Dieses Gelände bildet bis heute den älteren Teil des Evangelischen Stadtfriedhofes. Seit 1801 lassen sich dort erste Beerdigungen nachweisen.

Als Rolf Söhnchen am 27. Februar 2007 als Direktors des Amtsgerichts Remscheid in den Ruhestand gegangen war, hatte er schon sechs Wochen später, im April, ein neues Amt: Als erstes und bislang einziges Bundesland bekam Nordrhein-Westfalen damals mit ihm einen Ombudsmann für den Justizvollzug. Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter, Ehefrau des damaligen Remscheider Stadtkämmerers Jürgen Müller,  stellte ihn in Düsseldorf der Öffentlichkeit vor. Zur Seite standen Rolf Söhnchen am Wuppertal, Sedanstraße 15,  fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zum Jahresende 2010 legte Rolf Söhnchen sein Amt nieder.

Im April 2007 beschloss der Bauausschuss die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Gelände der Maschinenfabrik Strasmann in Ehringhausen, um daraus nach Abriss der Fabrik den Bau von Einfamilienhäusern möglich zu machen. Dafür hatten die Grünen gewarnt mit Hinweis auf Altlasten auf dem Gelände. Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein hielt damals dagegen: Wenn mit dem Bau begonnen werde, bestehe keine Gefahr mehr für die Bürger. Entweder werde der kontaminierte Boden abgedeckt oder abgefahren.

Stadt und Sportvereine vor juristischer Auseinandersetzung?, fragte der Waterbölles am 4. April 2007. Reinhard Ulbrich, der Vorsitzende des Sportbundes Remscheid, hatte den 78 Mitgliedsvereinen den schriftlichen Rat gegeben, die an die Stadt zu zahlenden Hallennutzungsgebühren zunächst auf ein Sonderkonto des Sportbundes zu überweisen. Die Zahlungen auf ein Sonderkonto seien wenig hilfreich, reagierte damals Dezernent Dr. Christian Henkelmann vergrätzt.

Die städtische Gemeinschaftshauptschule Hölterfeld werde zum 1. 8. 2007) aufgelöst, teilte vor zehn Jahren die Verwaltung mit. Die verbleibenden Jahrgänge würden der Schule der städtischen Gemeinschaftshauptschule (GHS) Wilhelmstrasse zugeordnet; der Unterricht erfolgt in der Dependance Tersteegenstraße. Das Angebot an naturwissenschaftlichen Räumen sei am Standort Tersteegenstraße besser als im Gebäude Hölterfeld.

„Waterbölles“ einst auch eine Schülerzeitung des „Städtischen Gymnasiums Remscheid“ an der Hindenburgstraße, ursprünglich eine Schule nur für Jungen. Daran erinnert der Waterbölles vor zehn Jahren. Die Nr. 2 des Jahrgangs 1966/67 war damals von einem Wuppertaler Antiquariat für 9,50 Euro zum Kauf angeboten worden. Waterbölles las Waterbölles: „Seit nunmehr einem Jahr tummelt sich ein Dutzend weibliche Wesen in unseren Gängen“, beginnt auf Seite 28 das „aktuelle Interview“ mit Margit und Rita, geführt von Friedhelm Köhne, Jürgen Sauer und Andres Kunz. Insgesamt 52 Seiten umfasste diese Ausgabe der Schülerzeitung Waterbölles aus dem Jahre 1967.

Die Müllbehälter in Remscheid seien – mal abgesehen von denen auf der Alleestraße – zu klein,  und es gebe zu wenige, hatte im Februar 2007 Christel Hermann (Grüne) in einer Sitzung der Bezirksvertretung Alt-Remscheid beklagt. Und einen Monat später, am 1. April) später berichtete der Waterbölles über ersten Prototypen von neuen, größeren Müllbehälter; sie seien bereits im Neubaugebiet auf dem Hohenhagen zu bewundern.  Sollten sich die Betonschalen bewähren, sei daran gedacht, eine Serie davon für Kreuzungspunkte in der Innenstadt in Auftrag zu geben. So könne man anknüpfen das Konzept für Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit an, mit dem Oberbürgermeister Fred Schulz in den Jahren 2003 und 2004 Schlagzeilen gemacht hatte.

Als der "König von Preußen" noch Postkarten zierte

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Das Osterfest naht, und da ist ein Gruß aus Lennep durchaus angebracht. Die historische Postkarte zeigt u. a. das Gasthaus "König von Preußen" am Alten Markt. Die Geschichte dieses Lokals, später zum Hotel ausgebaut und mit einem großen Saal auf der Rückseite, reicht weit zurück ins 19. Jahrhundert oder noch weiter. Zahlreiche Lenneper Traditionsvereine wie z.B. die Freiwillige Feuerwehr oder die Schützen, feierten früher dort ihre Feste. Wie viele Wirte werden da wohl Eigentümer und Pächter gewesen sein? Auf verschiedenen historischen Ansichtskarten kann man mindestens fünf oder sechs ausmachen. Auf diesem Bild liest man den Namen von Robert Hildebrandt, der sich im Lenneper Adressbuch von 1902 wiederfindet.

Damals waren die auch beiden anderen Lokalitäten auf der schönen Ansichtskarte noch existent, das Amtsgericht, das 1791 erbaute und 1945 durch Kriegseinwirkung zerstörte große Gebäude, das von 1836 bis 1891 als Rathaus und anderen Verwaltungszwecken diente. Als massives Steinhaus und auch in der architektonischen Form passte es von Anfang an nur schwer zur Lenneper Altstadt mit den Fachwerkhäusern. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, auch nur Kaiserdenkmal oder Kriegerdenkmal genannt, wurde am Sedanstag des Jahres 1889 eingeweiht, nachdem die gesamte Ostseite des Platzes umgestaltet worden war. Mit dem Sedanstag um den 2. September herum feierte man damals den Sieg über Frankreich im Anschluss an den Krieg von 1870/71. Es gibt noch Fotos von der Eröffnung dieses Denkmals, offizielle Würdenträger hielten so manche Rede, umgeben von sog. Ehrenjungfrauen.

In der nationalsozialischen Zeit wurde der Kaiser Wilhelm I. zunächst auf den extra für ihn errichteten Hohenzollernplatz an der Ringstraße abgeschoben oder versetzt, und später wegen seines kriegswichtigen Bronzematerials eingeschmolzen. Heute erinnert am ehemaligen Kaiserplatz, dem heutigen Mollplatz, nur noch wenig an diese frühere Zeit. Da wo einmal das Kaiserdenkmal war,  stehen ein paar Bäume und bewachen ein Ensemble von Altstoffcontainern.

Buch zeigt Röntgen einmal ganz privat

Im Röntgen-Museum wird zur Stunde der neue Bildband „Wilhelm-Conrad-Röntgen – Photographien – Photographs“ des Bergischen Verlags präsentiert. Die zweisprachige (deutsch/englisch), fadengeheftete Ausgabe erscheint pünktlich zum Geburtstag des berühmten Sohnes der Stadt. Sie enthält eine Auswahl der schönsten und kaum bekannten Aufnahmen des leidenschaftlichen Photographen Wilhelm Conrad Röntgen aus dem umfangreichen Archiv des Deutschen Röntgen-Museums. Dort werden mehr als 1.600 Glasnegative aus dem Nachlass Röntgens aufbewahrt. Sie zeigen die Privatperson Röntgen, den leidenschaftlichen Bergwanderer und Fotografen, den Ehemann und Freund, der die Öffentlichkeit zeitlebens eher mied. Besondere Brief-Zitate Röntgens an seine Wegbegleiter und Freunde zeigen den Wissenschaftler in dem neuen Buch zusätzlich von seiner privaten Seite.

Das Buch ist in zwei große Kapitel aufgeteilt. Im ersten Teil sind Beispiele früher Aufnahmen mit der Plattenkamera zwischen 1890 und 1906 dokumentiert. Im zweiten Teil folgen Aufnahmen mit der Stereokamera, die thematisch in die unterschiedlichen von ihm bereisten Städte, Regionen und Länder führen. Zusätzlich zu der normalen Buchausgabe erscheint auch eine exklusive und handgefertigte Vorzugsausgabe, die auf 100 Exemplare limitiert ist.