Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Gottes Wort als Zuspruch und Anspruch

Eine kleine Torte machte gestern Abend im Vaßbender Saal am Remscheider Markt den zahlreichen geladenen Gäste schon bei der Begrüßung am Eingang durch Superintendent Hartmut Demski schnell klar: Dieser Jahresempfang war etwas Besonderes. Nicht wegen der größeren Zahl der Teilnehmer im Vergleich zu den Vorjahren, sondern weil er im Zeichen des Doppeljubiläums von 500 Jahren Reformation und 200 Jahren Kirchenkreis Lennep stand. Letzteres war auf der Torte nicht zu übersehen. Sie stamme „aus berufener Wermelskirchener Hand“, verriet Pfarrerin Kristiane Voll, Assessorin des Kirchenkreises. Und auf das einsetzende Geraune und leise Lachen im Saal  - viele wussten, welcher Konditor gemeint war - reagierte sie schmunzelnd: „Der Superintendent hat sie nicht gemacht!“

Die Jubiläumstorte. Foto: Lothar KaiserEs blieb nicht bei diesem einzigen Zeichen von Humor und guter Laune. Gut aufgelegt war musikalisch auch der Gospelchor „Mixed generations" unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Christoph Spengler. Und was Hartmut Demski aus dem druckfrischen Buch „„200 Jahre Ev.  Evangelisch im Bergischen Land. Der Kirchenkreis Lennep und seine Gemeinden 1817 - 2017“Kirchenkreis Lennep" von Wolfgang Motte berichtete, das ab sofort für 24 Euro zu haben ist, stimmte nicht nur nachdenklich, sondern war manchmal auch erheiternd. Beides galt auch für die persönlichen Erinnerungen von Pfarrer i. R. Karlheinz Potthoff, der 1990 bis 1995 Superintendent des Kirchenkreises Lennep war.  „Vergnügt, erlöst, befreit"  intonierten die „Mixed generations“ dazu. Der abwechslungsreiche Abend klang aus mit guten Begegnungen und Gesprächen bei einem Imbiss. Letzterem hatte Kristiane Voll ein Luther-Zitat vorausgeschickt: „Iss, was da ist; trink, was klar ist, red‘, was wahr ist!“

Im Vorwort zu dem neuen Buch betont Superintendent Demski, Autor Wolfgang Motte habe darin seine langjährige und umfängliche Beschäftigung mit der Rheinischen Kirchengeschichte einfließen lassen – als Pfarrer einer Gemeinde und als langjähriger Assessor des Kirchenkreises, „den die Beschäftigung mit dem Weg seiner Kirche nie losgelassen hat. Entstanden sei so ein „Protokoll des Wandels“. Wir sehen vor uns die wesentlichen Stationen eines 200-jährigen Prozes­ses der Entwicklung und der Veränderung. „Jeder von uns ist zu seiner Zeit mitverantwortlich für den Weg, den Kirche und Gemeinde nehmen. Darum wünsche ich diesem Buch viele interessierte und auch kritische Leser. Was können wir lernen aus den Prozessen der vergangenen 200 Jahre? Welche Kräfte wollen wir stärken für den weiteren Weg unseres Kirchenkreises? Inmitten aller Veränderung und Bewegung bleibt unübersehbar das Wort Gottes als Zuspruch und Anspruch für unser ganzes Leben. (...) „Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit" schrieb die Bekenntnissynode 1934 unter die Barmer Theolo­gische Erklärung. Weil das gilt, können wir auch die Veränderungen in unserer Kirche unaufgeregt und gelassen betrachten.“

"Ein Buch zum Nachschlagen und Stöbern!"

von Superintendent Hartmut Demski*

Der Kirchenkreis Lennep geht in seinem derzeitigen geographischen Bestand zurück auf den Landkreis Lennep, eine Schöpfung der preußischen Administration. Inzwischen hat die geschichtliche Entwicklung diese Struktur überholt. Wenn wir uns heute irgendwo als Mitarbeiter des Kirchenkreises Lennep vorstellen, ist das schon manchmal erklärungsbedürftig; denn so allgemeiner Bekanntheit erfreut sich Lennep nicht. So verwundert es nicht, dass es vor einigen Jahren im Rahmen des Leitbildprozesse in unserer Kreissynode Überlegungen gab, einen anderen Namen für den Kirchenkreis zu wählen: vorgeschlagen war u.a. ‚Kirchenkreis im Bergischen Land‘ oder ‚Kirchenkreis an der Wupper‘. Doch keiner der Vorschläge fand eine Mehrheit, und so feiern wir heute den Geburtstag eines Kirchenkreises, der zwar seine Grenzen deutlich verändert hat, aber noch immer auf den gleichen Namen hört: der Kirchenkreis Lennep.

Wolfgang Motte hat auf unsere Bitte hin zur Geschichte des Kirchenkreis eine Chronik veröffentlicht, die ab heute erhältlich ist: „Evangelisch im Bergischen Land - Der Kirchenkreis Lennep und seine Gemeinden". Ich habe die große Freude, Ihnen dieses neue Buch heute vorstellen zu können und damit einige Einblicke in die 200 jährige Geschichte des Kirchenkreises zu ermöglichen.

„Evangelisch im Bergischen Land. Der Kirchenkreis Lennep und seine Gemeinden 1817-2017“
ISBN 978-3-945763-41-4, 1.Auflage August 2017, 208 Seiten DIN A4, Copyright 2017 - Ev. Kirchenkreis Lennep - Wolfgang Motte. Herausgeber: Evangelischer Kirchenkreis Lennep, Autor: Wolfgang Motte, Konzeption: Hartmut Demski, Wolfgang Motte.
Gesamtherstellung und Vertrieb: Bergischer Verlag, RS Gesellschaft für Informationstechnik mbH & Co. KG, Verleger Arndt Halbach, Martin Czialla, Auf dem Knapp 35, 42855 Remscheid, www.bergischerverlag.de, E-Mail: info@bergischerverlag.de.

*Gestern stellte Hartmut Demski beim Jahresempfang des Evangelischen Kirchenkreises Lennep im Vaßbendersaal am Remscheider Markt das neue Buch „200 Jahre Evangelischer Kirchenkreis Lennep“ von Wolfgang Motte vor.

Wolfgang Motte war bis zu seiner Pensionierung Pfarrer in der reformierten Kirchengemeinde Radevormwald und zugleich Assessor des Kirchenkreises Lennep. Schon immer geschichtlich interessiert hat er sich vor allem nach seiner Pensionierung intensiver mit der Kirchengeschichte unserer Region befassen können. Als Synodalbeauftragter für die Archivarbeit im Kirchenkreis hat er damit begonnen, sich mit der alten Schrift und dem Lesen alter Pläne und Dokumente vertraut zu machen. Schon das ist manchmal eine Aufgabe für sich. Eine seiner ersten Veröffentlichungen war dann die kommentierte Herausgabe der Synodalprotokolle der Kreissynoden des Kirchenkreises aus den ersten 36 Jahren, also von 1817 bis 1843. Weitere Untersuchungen und Darstellungen schlossen sich an, so dass das jetzt erschiene Buch die Arbeit der vergangenen 20 Jahre abrundet.

Die Themen „Trauerhaus Emmaus", der Leitbildprozess, aktuelle ökumenische Entwicklungen und „Die Stiftung Tannenhof in der NS Zeit" sind von Johannes Haun beigetragen worden. An den aktuellen Abschnitten hat er als Pfarrer in der Kirchengemeinde bei der Stiftung Tannenhof selbst teilgehabt, den Rückblick auf die NS Zeit hat er im Zusammenhang der Aufarbeitung dieser Thematik durch die Stiftung Tannenhof erarbeitet.

Michael Müller hat neben einer peniblen Korrekturarbeit viele Anregungen zum Entstehen des Buches und zu der Gesamtkonzeption gegeben. Nicht zuletzt verdankt das Buch seine schöne äußere Gestaltung, die lesefreundliche Darstellung und die einladende Aufmachung der sehr hilfreichen Begleitung durch den Bergischen Verlag, der uns als Neulingen in der Herausgabe solch eines Werkes von großer Bedeutung war. Insbesondere der Buchherstellung von Herrn Bruchhaus sowie der Verlagsleitung, Thomas Halbach, verdanken wir hier viele gute Anregungen und Ideen.

Artikel vollständig lesen

"Heiße Sitzungen des Presbyteriums bis in die Nacht!"

von Pfarrer i. R. Karlheinz Potthoff*

Von Schriftsteller Klaus Mann stammt der Satz „Erinnerungen sind aus einem wundersamen Stoff gemacht, trügerisch und dennoch zwingend, mächtig und schattenhaft. Es ist kein Verlass auf die Erinnerung, dennoch gibt es keine Wirklichkeit außer der, die wir im Gedächtnis tragen."

Unter dieser Überschrift und damit eben dem Wissen um deren Subjektivität ein paar unsortierte Erinnerungen und Eindrücke aus meinen fünf Jahren als Superintendent des Kirchenkreises Lennep von 1990 bis1995. Es kann leicht sein, dass Sie an der einen oder anderen Stelle widersprechen werden, weil sie es anders in Erinnerung haben. Eben dann: siehe oben!

Mein Vorgänger war Werner Lauff. Viele kennen ihn noch als eloquenten und wortmächtigen Mann. Meine/ zumindest damals - heute sehe ich das viel differenzierter - sehr eindeutige Haltung zu Kirchenkreis und dem Amt des Superintendenten habe ich von ihm übernommen - nämlich: Sie haben dienende Funktion für die Gemeinden vor Ort. Da spielt die kirchliche Hauptmusik. Das relativiert die Bedeutung der mittleren Ebene und führt zu sehr selbstbewussten Gemeinden und Presbyterien. Und deren gab es zuhauf! Ich habe das im Wesentlichen positiv gesehen und auch erlebt.

*Seine persönlichen Erinnerungen an die Zeit als Superintendent 1990 bis 1995 beim Jahresempfang im Vaßbendersaal am Markt.

Dass es bergischen Sturköpfe einem auch schon mal schwer machten: geschenkt. Aber mit welcher Ernsthaftigkeit und auch Streitlust Presbyterien am Werk waren, hat mich meist beeindruckt. Auch, dass die ehrenamtlichen Mitglieder der Presbyterien die Auseinandersetzung mit Pfarrerinnen und Pfarrern nicht scheuten! Da gab es heiße Sitzungen bis in die Nacht hinein - zumindest in meinem Geburtsort Wermelskirchen waren die nicht selten!

Übrigens: Längst war es natürlich selbstverständlich, dass auch Frauen in den Presbyterien und der Kreissynode mitarbeiteten. Aber - wenn auch durchaus schmunzelnd vorgetragen - war die alte männliche Denke noch nicht ganz aus der Welt. Vor der Presbyteriumswahl im Februar 1992 fragte ich den altgedienten Presbyter in einer Landgemeinde: „Und, haben Sie auch Kandidatinnen auf dem Wahlzettel? „ „Nein", sagte er auf bergisch platt „Noch haben wir das nicht nötig!" Wie gesagt: Er lächelte selber dabei!

Artikel vollständig lesen

Auf Erkundung mit einem Remscheider Stadtführer

Foto aus dem Programm 2017 der Remscheider Stadtführer.Freitag, 15. September, 15 Uhr
Om Hasten – die Filiale neu entdecken
Warum heißt es „Die Filiale“?  Bin ich in Hasten oder auf Feld? – Was macht(e) diese Hofschaften so bedeutend? Antworten, nicht nur auf diese Fragen, erhalten Sie auf der spannenden Tour durch diesen Remscheider Stadtteil. Oder sind es doch Stadtteile?  Leitung: Klaus R. Schmidt. Preis: fünf €. Treffpunkt : Richard-Lindenberg Platz . Anmeldung: Claudia Holtschneider, Tel RS 79 13 052.

Gastwirt Fritz Behle verkaufte auch "Stellin"

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Unsere heutigen Lennep-Bilder zeigen ein Gebäude, das es seit der Bombardierung Lenneps Ende des Zweiten Weltkriegs so nicht mehr gibt. Wo mag es gelegen haben? Ein kleines Türmchen links auf dem zweiten Bild gibt eigentlich dazu keine Auskunft, wenn man nicht weiß, dass es zum früheren Hotel „Kaiserhof“ am Lenneper Bahnhof gehört hat, manchem älteren Lenneper noch nach dem zweiten Weltkrieg als Sparkassenstelle in Erinnerung. Die Antwort auf unsere Frage: Das seinerzeit sehr moderne und komfortable Gebäude mit Garagen und einer eigenen Benzinstation lag an der Kölner Straße auf der Ecke zur heutigen Straße "Am Johannisberg". Der Gasthof "Zum Bergischen Haus" des Restaurateurs Fritz Behle ersetzte um 1910 ein längeres sehr altes Häuserarrangement längs der Kölner Straße, in dem direkt am Johannisberg das Betten- und Möbelgeschäft von Reinhold Berghaus untergebracht war, und direkt und ohne Lücke schloss sich die Kölner Straße hinauf noch ein historisches Gasthaus mit dem Namen "Zum Deutschen Haus" an.

Fritz Behles neues Gasthaus wurde um 1910 vom Lenneper Architekten Arthur Schmidt, dem Sohn des Baumeisters Albert Schmidt, erstellt, und zwar im Zusammenhang der Architekturbewegung "Neubauten im Altbergischen Styl". Es fiel dann dem alliierten Bombardement zum Opfer, wie so vieles in den Arealen um den Lenneper Bahnhof. Später erinnerte vor Ort in einem Nachkriegsneubau noch lange ein Restaurant mit der Bezeichnung "Bergisches Haus" an die alte Tradition, und heute gibt es an der Kölner Straße 57 ein Restaurant (Grill und Pizzeria) namens "Bodrum".

Auch das erste Postkartenfoto zeigt den Gasthof „Zum Bergischen Haus“, und zwar in den frühen 1920er Jahren. Der damals auf unserem Bild nach links von der Kölner Straße abzweigende Straßenzug war schon Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der notwendigen Stadterweiterung angelegt worden, er hieß planungsgemäß ursprünglich „Mittelstraße“, denn es gab noch eine "Hochstraße" am Kreishaus, und er setzte sich als solcher in einer vornehmeren Version auch nach rechts fort. Heute heißt dieser Straßenteil "Rotdornallee". Auf dem Foto sieht man die Schienen der nach Remscheid bzw. Lüttringhausen führenden Straßenbahn. Gut lesbar ist an der Zapfsäule links des Eingangs der Begriff "Stellin".  Dabei handelte es sich seinerzeit um Benzin aus indischem, amerikanischem oder rumänischem Erdöl von einer Rhenania-Ossag Gesellschaft, heute Shell Deutschland Oil GmbH.

 

Dat Gattschen" im September

von Alma Mühlhausen

Was ein richtiges bergisches „Bluomengattschen" ist, entfaltet seinen herrlichsten Farbenzauber im September. Die kleinen Ziergärtchen (der Bergische nennt sie Gattschen oder Gattschen) sind das Schmuckstück eines der Landschaft angepassten schwarz-weiß-grünen Hauses. In der Mehrzahl befinden sich die kleinen Blumengärtchen, in denen selten die Eschen- oder die Pfeifenblattlauben fehlen, an der Giebelseite der Häuser, doch auch an der Frontseite lachen sie dem Vorübergehenden entgegen. Und immer ist das Gärtchen, das Anspruch auf ein stilechtes bergisches „Gattschen" legt, altbergischer Sitte gemäß eingeteilt und bepflanzt.

Ganz in meiner Nähe befindet sich solch ein Garten. Für alle, die der Weg hier vorbeiführt, ist das liebevoll gepflegte „Gattschen" neben dem schmucken Wohnhaus einer alteingesessenen Bauernfamilie eine Augenweide. Auch ich mache oft von der freundlichen Einladung, mich inmitten des Blütenzaubers zu entspannen, Gebrauch. Und so sitze ich wieder einmal auf der Bank, die sich vor dem Spalier des Birnenobstes befindet, das an der roten Fabriksteinwand hinaufklettert, und lasse meine Augen über das Blumenparadies wandern.

 

Artikel vollständig lesen

Wochenrückblick vom 28. August bis 3. September 2017

Alte Pastiktüte erinnert an den Schellenberg

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Kennen Sie sie noch, die guten alten Plastiktüten? Es gibt ja Leute, die auch so etwas sammeln, und seinerzeit entsprechend bedruckt, verweisen sie sogar auf das „alte Lennep“. Sind sie dadurch so etwas wie Kulturbewahrer? Jedenfalls fand ich dieser Tage in meinen Lennep-Materialien eine alte Plastiktüte, und da sie unten eine komfortable Falte zur Verbreiterung aufweist, können wir sie auch eine Tragetasche nennen, wer weiß, was darin früher transportiert worden ist vor ca. vierzig Jahren.  Obwohl mehrfach geknickt, ist die Tasche noch gut erhalten. Unschwer erkennt man, dass das Lenneper Motiv dem auf dem daneben stehenden Foto sehr ähnlich ist. Es war Anfang der 1960er Jahre sehr verbreitet. Einer meiner Sammlungs-Vorgänger war stolz darauf, von dem Foto auch das originale Glasnegativ zu besitzen. Auf dem Foto ist zu erkennen, dass im Vergleich zum 19. Jahrhundert auf dem abgebildeten Straßenstück schon nicht mehr alle ursprünglichen Hauseinheiten vorhanden sind.

Eine Seite unserer Plastiktüte zeigt unverkennbar einen Teil von Lenneps Straße „Am Schellenberg“. Die Steigung an dieser Straße bezeichnet allerdings diesen Schellenberg nicht selber, sondern der Straßenname soll aussagen, dass die Straße in Richtung des Schellenbergs führt, eine der großen Erhebungen außerhalb des ursprünglichen Stadtkerns. Schon früh soll es hier auch eine einschlägige Gemarkungsbezeichnung gegeben haben. Allerdings ist die heutige Straßenbezeichnung noch keine hundert Jahre alt. Früher lautete sie auf „Barmer Straße“, bis in Remscheid aufgrund der Eingemeindung Lenneps und Lüttringhausens viele traditionelle Straßen neu bezeichnet werden mussten.

Alte Fotos im Familienalbum zeigen die Straße Am Schellenberg“ noch ganz so, wie sie um die vorletzte Jahrhundertwende ausgesehen hat. Und obwohl nach dem 2. Weltkrieg auch hier, wie bei der parallel verlaufenden Neugasse, so manches uralte Haus im wahrsten Sinne des Wortes „weg saniert“ wurde, ist doch der Gesamtanblick selbst heute noch dem historischen sehr ähnlich, denn vor allem fand hier in den 1960er Jahren schon aus Platzgründen keine wirkliche Straßenverbreiterung statt, wie etwa an der Poststraße und am Mollplatz.

Nur teilweise noch vorhanden sind an den alten, noch bestehenden Häusern die schräg positionierten Abstandhalter, mit denen schon im 19. Jahrhundert die Fuhrwerke an einer Häuserbeschädigung gehindert werden sollten. Ursprünglich waren sie aus behauenen Steinen hergestellt, später genügte dann oft ein moderner T-Träger oder ein altes massives Gusseisenrohr.

Die Plastiktüte verweist auch auf das heute nicht mehr existente Fahrradfachgeschäft von Bernhard Hartgen an der Berliner Str. 1, heute „Zum Kirchenwirt“. Es war vorher lange in einem alten Fachwerkhaus an der Lenneper Kronenstraße 2 angesiedelt. Das alte Fachwerkhaus an der Ecke zur Kirchgasse wurde 1979 wegen Baufälligkeit abgerissen. Fotos sogar aus dem Jahre 1972 belegen, dass es schon damals zur Kirchgasse hin durch eine Balkenkonstruktion abgestützt worden war, um nicht in sich zusammen zu fallen. Im Zusammenhang des Abbruchs kam in Lennep auch wieder die Erinnerung auf, dass die Kirchgasse im Volksmund auch Blutgasse genannt wurde, und zwar wegen der früheren Metzgerbetriebe, die vor langer Zeit dort auch schlachteten. Das Blut der Schlachttiere soll bis auf die Kirchgasse geflossen sein. Nachfahren dieser Betriebe wiesen aber schon damals darauf hin, dass dies seit Menschengedenken nicht mehr dar Fall war, und natürlich war die Zeit der Hausschlachtungen in der Stadt ja schon mit der Errichtung der Lenneper Schlachthofanlage von 1889 vorbei. Aber oft halten sie sich eben – die alten Bezeichnungen, man denke hier nur an die „Kuhtreppe“ vom Munsterplatz hinauf zum Bismarckplatz, „Kinns bzw. Kinds Gässchen“ als Bezeichnung für die untere Leverkuser Straße und an "Hagers Gässchen" zwischen Post- und Gartenstraße. In offiziellen Darstellungen und Plänen jedoch findet man diese Bezeichnungen selten oder gar nicht.

Zurück zu unserer Tüte. Unten ist in einer Erweiterungsfalte angegeben: "Praktiziere Umweltschutz", und "Tragetasche nach Gebrauch in die Mülltonne - nie in die Landschaft". Weiterhin steht da: "Diese Tragetasche aus Polyethylen ist auf der Müllhalde grundwasserneutral und in der Müllverbrennung völlig unschädlich - also umweltfreundlich". Na ja, gut so, zumindest gemäß der damaligen Erkenntnisse.

Als es in Lüttringhausen richtig rund ging

von Hans Kadereit

Das Angebot, am Wochenende einmal eine interessante Stadtteilführung mit zu machen, nutzten am vergangenen Samstag nicht weniger als 28 Teilnehmer. Michael Lindenmann, Fachmann in Sachen Historie, startete den Rundgang mit vielen geschichtlichen Informationen und Hinguckern. Am Rathaus in der Kreuzbergstraße ging es los. Zunächst wurde das Verwaltungsgebäude von 1908 innen unter die Lupe genommen, der Ratssaal mit alten Möbeln, Bildern und künstlerischen Fenstern angeschaut und ein Blick in die Bandwirkerstube geworfen. Danach konnten die Teilnehmer den Turm des Rathauses besteigen und neugierige Blicke auf jene Örtlichkeiten werfen, die später zu Fuß angegangen wurden.

Gleich um die Ecke, in der Gneisenau-Straße, steht noch das Gebäude, in dem sich früher die Polizeiwache befand. Abgerissen ist mittlerweile nur der ehemalige Arrestraum. Gleich auf der anderen Straßenseite steht das massive Haus, in dem sich früher die „Königliche Post“ und später die „Deutsche Post“ befanden. Jetzt werden dort nur noch morgens die Briefe sortiert, ehe sich die Zusteller auf den Weg machen.

Am Ende der Richard-Pick-Straße kam die Gruppe dann zum Jahnplatz und zur Jahn-Sporthalle. Auf dem alten Platz hatte 1733 ein Fest stattgefunden, als bei einem Großbrand im Dorf 48 Häuser und die evangelische Kirche den Flammen zum Opfer fielen. Später erbaute man auf dieser Fläche den Schlauch- und Kletterturm der Feuerwehr. Ein paar Meter weiter zeigte Michael Lindenmann dann eine Reihe von alten Gebäuden. Hier gab es über Gaststätten von früher einiges zu berichten.

So ging es in Lüttringhausen an die zwei Stunden lang richtig rund in der Altstadt. Die Teilnehmer nahmen anschließend ein paar hundert Jahre Geschichte der ehemals selbständigen Stadt mit zur gemütlichen Bergischen Kaffeetafel im Holzofenbackhaus gleich neben dem Rathaus.

Das Interview „Gien Geild förr Fisematenten"

von Alma Mühlhausen

Frau Martha stand am Küchentisch und schälte Kartoffeln, als ihre Tochter Elfriede ins Zimmer stürzte und rief: „Mama, vier hant keng Schuol, de Fräulein es krank".

„Friedchen", schalt die Mutter, „wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du hochdeutsch sprechen sollst.' Ich geb mir die Müh' un sag et dir ordentlich vor, aber et batt all nit. Dabei wollen wir dich später mal in Pension tun, dat wat Gebildetes aus dir wird. Dat sind wir dem Vatter schuldig, der sich so geplagt hat, dat wir nu en nette Fabrik haben. Hör mich doch an un sprich anständig."

„Mama", maulte et Friedchen, „dr Papa sagt, dat roär anständig, du sollst dat doll Gedöhns mit mir aufgeben. In de Pension kam ich sowieso nit, ich könnt bei dir Rübenmus un Kröppels kochen lernen. Aber zu Hause kann ich ja hochdeutsch sprechen, aber nit vor dr Tür, sonst sagen de Blagen, ich wär en einfältig Dier." Und mit den Worten „Ech gönn" rannte et Friedchen hinaus.

Als sich die Tür hinter dem Kind geschlossen hatte, legte Frau Martha das Messer hin und schaute nachdenklich auf den Hof, auf dem die kleine Werkzeugfabrik stand. Ein stolzes Gefühl überkam die Frau, als sie daran dachte, dass aus der einstigen Schmiede eine richtige Fabrik entstanden war. Doch hier hob ein tiefer Seufzer die Brust der Frau, dass sich ihr Mann seit dem Wachsen seines Unternehmens kein bisschen „gebildeter" benehmen sollte, erregte sie stets von neuem, sooft sie daran dachte. Hier wurde die Frau jäh aus ihrem Gedankengang gerissen, als die Tür sich geräuschvoll öffnete und der Fabrikant erschien.

 

Artikel vollständig lesen