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April 2007: Der Waterbölles blättert zurück

Die "Ära Kennepohl" ging vor zehn Jahren überraschend zu Ende: Eine Stimme fehlte Baudezernent Helmut Kennepohl am 26. April 2007 zur Wiederwahl. Wahlberechtigt waren alle 58 Ratsmitglieder (und alle waren erschienen) und Oberbürgermeisterin Beate Wilding. Macht 59 Stimmen. Auf 29 Wahlzettel war „Ja“ angekreuzt, auf 30 „Nein“. Da sich vor der Wahl SPD und Grüne gegen Kennepohl ausgesprochen hatten (zusammen 25 Stimmen) und das „bürgerliche Lager“ von CDU, FDP und W.I.R. (zusammen 33 Stimmen) für ihn, müssen unter den Befürwortern einer Wiederwahl mindestens vier Abweichler gewesen sein, ein geschlossenes „Nein“ bei SPD und Grünen vorausgesetzt (keine Stimme war ungültig; es gab keine Enthaltungen). Acht Jahren zuvor hatten Abweichler in den Reihen der SPD Kennepohl zu einer Wiederwahl verholfen, damals zur großen Verärgerung des SPD-Fraktionsvorsitzenden Hans Peter Meinecke. Im Vorfeld des 26. April 2007 hatte alles auf eine Wiederwahl Kennepohls hingedeutet. Eine Nicht-Wahl des „Unvollendeten“ (Bergische Morgenpost) wäre eine glatte Sensation, mutmaßte damals der Waterbölles. Elke Rühl (CDU), damals Vorsitzende des städtischen Bauausschusses hatte sich als glühende Befürworterin einer Wiederwahl Kennepohls geoutet. Remscheid habe dem „Visionär“ sehr viel zu verdanken. „Die Neugestaltung des Hauptbahnhofs mit dem Schaufenster der Wirtschaft sowie der Stadtumbau West werden unter seiner Verantwortung umgesetzt“. BM-Redakteur Henning Röser stellte daraufhin fest, vor allem in der CDU werde der Baudezernent „von manchen Ratsmitgliedern geradezu kulthaft verehrt“.

Eine Modernisierungsoffensive für Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen erreicht1 im April 2007 den Bahnhof Remscheid Hbf in Form des erste Spatenstichs für den Bahnhofsneubau durch Oberbürgermeisterin Beate Wilding. Für mobilitätseingeschränkte Reisende werde ein neuer Aufzug gebaut, hieß es damals. Außerdem erhalte der neue Mittelbahnsteig bis September 2008 ein Blindenleitsystem, ein neues Wegeleitsystem, überdachte Wartebereiche sowie eine komplett neue Bahnsteigmöblierung. Die damals noch spürbare Euphorie hast sich längst gelegt.

In einem „Gemeindebrief Extra“ verwies die Evangelische Stadtkirchengemeinde Remscheid im April 2007 auf ihren jahrhundertealten Friedhof mitten in der Stadt. Bis 1761 war der Friedhof ausschließlich unmittelbar um die Kirche herum belegt. In jenem Jahr erweiterte man ihn gen Nordosten bis an die heutigen Kirchhofstraße. Ab 1780 veranlasste die herzogliche Regierung die Gemeinden zur Anlegung neuer Friedhöfe außerhalb des bebauten Raumes. Im gleichen Jahr suchte man ein schuleigenes Gelände unweit der Stadtkirche für Friedhofszwecken aus. Dieses Gelände bildet bis heute den älteren Teil des Evangelischen Stadtfriedhofes. Seit 1801 lassen sich dort erste Beerdigungen nachweisen.

Als Rolf Söhnchen am 27. Februar 2007 als Direktors des Amtsgerichts Remscheid in den Ruhestand gegangen war, hatte er schon sechs Wochen später, im April, ein neues Amt: Als erstes und bislang einziges Bundesland bekam Nordrhein-Westfalen damals mit ihm einen Ombudsmann für den Justizvollzug. Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter, Ehefrau des damaligen Remscheider Stadtkämmerers Jürgen Müller,  stellte ihn in Düsseldorf der Öffentlichkeit vor. Zur Seite standen Rolf Söhnchen am Wuppertal, Sedanstraße 15,  fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zum Jahresende 2010 legte Rolf Söhnchen sein Amt nieder.

Im April 2007 beschloss der Bauausschuss die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Gelände der Maschinenfabrik Strasmann in Ehringhausen, um daraus nach Abriss der Fabrik den Bau von Einfamilienhäusern möglich zu machen. Dafür hatten die Grünen gewarnt mit Hinweis auf Altlasten auf dem Gelände. Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein hielt damals dagegen: Wenn mit dem Bau begonnen werde, bestehe keine Gefahr mehr für die Bürger. Entweder werde der kontaminierte Boden abgedeckt oder abgefahren.

Stadt und Sportvereine vor juristischer Auseinandersetzung?, fragte der Waterbölles am 4. April 2007. Reinhard Ulbrich, der Vorsitzende des Sportbundes Remscheid, hatte den 78 Mitgliedsvereinen den schriftlichen Rat gegeben, die an die Stadt zu zahlenden Hallennutzungsgebühren zunächst auf ein Sonderkonto des Sportbundes zu überweisen. Die Zahlungen auf ein Sonderkonto seien wenig hilfreich, reagierte damals Dezernent Dr. Christian Henkelmann vergrätzt.

Die städtische Gemeinschaftshauptschule Hölterfeld werde zum 1. 8. 2007) aufgelöst, teilte vor zehn Jahren die Verwaltung mit. Die verbleibenden Jahrgänge würden der Schule der städtischen Gemeinschaftshauptschule (GHS) Wilhelmstrasse zugeordnet; der Unterricht erfolgt in der Dependance Tersteegenstraße. Das Angebot an naturwissenschaftlichen Räumen sei am Standort Tersteegenstraße besser als im Gebäude Hölterfeld.

„Waterbölles“ einst auch eine Schülerzeitung des „Städtischen Gymnasiums Remscheid“ an der Hindenburgstraße, ursprünglich eine Schule nur für Jungen. Daran erinnert der Waterbölles vor zehn Jahren. Die Nr. 2 des Jahrgangs 1966/67 war damals von einem Wuppertaler Antiquariat für 9,50 Euro zum Kauf angeboten worden. Waterbölles las Waterbölles: „Seit nunmehr einem Jahr tummelt sich ein Dutzend weibliche Wesen in unseren Gängen“, beginnt auf Seite 28 das „aktuelle Interview“ mit Margit und Rita, geführt von Friedhelm Köhne, Jürgen Sauer und Andres Kunz. Insgesamt 52 Seiten umfasste diese Ausgabe der Schülerzeitung Waterbölles aus dem Jahre 1967.

Die Müllbehälter in Remscheid seien – mal abgesehen von denen auf der Alleestraße – zu klein,  und es gebe zu wenige, hatte im Februar 2007 Christel Hermann (Grüne) in einer Sitzung der Bezirksvertretung Alt-Remscheid beklagt. Und einen Monat später, am 1. April) später berichtete der Waterbölles über ersten Prototypen von neuen, größeren Müllbehälter; sie seien bereits im Neubaugebiet auf dem Hohenhagen zu bewundern.  Sollten sich die Betonschalen bewähren, sei daran gedacht, eine Serie davon für Kreuzungspunkte in der Innenstadt in Auftrag zu geben. So könne man anknüpfen das Konzept für Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit an, mit dem Oberbürgermeister Fred Schulz in den Jahren 2003 und 2004 Schlagzeilen gemacht hatte.

Als der "König von Preußen" noch Postkarten zierte

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Das Osterfest naht, und da ist ein Gruß aus Lennep durchaus angebracht. Die historische Postkarte zeigt u. a. das Gasthaus "König von Preußen" am Alten Markt. Die Geschichte dieses Lokals, später zum Hotel ausgebaut und mit einem großen Saal auf der Rückseite, reicht weit zurück ins 19. Jahrhundert oder noch weiter. Zahlreiche Lenneper Traditionsvereine wie z.B. die Freiwillige Feuerwehr oder die Schützen, feierten früher dort ihre Feste. Wie viele Wirte werden da wohl Eigentümer und Pächter gewesen sein? Auf verschiedenen historischen Ansichtskarten kann man mindestens fünf oder sechs ausmachen. Auf diesem Bild liest man den Namen von Robert Hildebrandt, der sich im Lenneper Adressbuch von 1902 wiederfindet.

Damals waren die auch beiden anderen Lokalitäten auf der schönen Ansichtskarte noch existent, das Amtsgericht, das 1791 erbaute und 1945 durch Kriegseinwirkung zerstörte große Gebäude, das von 1836 bis 1891 als Rathaus und anderen Verwaltungszwecken diente. Als massives Steinhaus und auch in der architektonischen Form passte es von Anfang an nur schwer zur Lenneper Altstadt mit den Fachwerkhäusern. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, auch nur Kaiserdenkmal oder Kriegerdenkmal genannt, wurde am Sedanstag des Jahres 1889 eingeweiht, nachdem die gesamte Ostseite des Platzes umgestaltet worden war. Mit dem Sedanstag um den 2. September herum feierte man damals den Sieg über Frankreich im Anschluss an den Krieg von 1870/71. Es gibt noch Fotos von der Eröffnung dieses Denkmals, offizielle Würdenträger hielten so manche Rede, umgeben von sog. Ehrenjungfrauen.

In der nationalsozialischen Zeit wurde der Kaiser Wilhelm I. zunächst auf den extra für ihn errichteten Hohenzollernplatz an der Ringstraße abgeschoben oder versetzt, und später wegen seines kriegswichtigen Bronzematerials eingeschmolzen. Heute erinnert am ehemaligen Kaiserplatz, dem heutigen Mollplatz, nur noch wenig an diese frühere Zeit. Da wo einmal das Kaiserdenkmal war,  stehen ein paar Bäume und bewachen ein Ensemble von Altstoffcontainern.

Buch zeigt Röntgen einmal ganz privat

Im Röntgen-Museum wird zur Stunde der neue Bildband „Wilhelm-Conrad-Röntgen – Photographien – Photographs“ des Bergischen Verlags präsentiert. Die zweisprachige (deutsch/englisch), fadengeheftete Ausgabe erscheint pünktlich zum Geburtstag des berühmten Sohnes der Stadt. Sie enthält eine Auswahl der schönsten und kaum bekannten Aufnahmen des leidenschaftlichen Photographen Wilhelm Conrad Röntgen aus dem umfangreichen Archiv des Deutschen Röntgen-Museums. Dort werden mehr als 1.600 Glasnegative aus dem Nachlass Röntgens aufbewahrt. Sie zeigen die Privatperson Röntgen, den leidenschaftlichen Bergwanderer und Fotografen, den Ehemann und Freund, der die Öffentlichkeit zeitlebens eher mied. Besondere Brief-Zitate Röntgens an seine Wegbegleiter und Freunde zeigen den Wissenschaftler in dem neuen Buch zusätzlich von seiner privaten Seite.

Das Buch ist in zwei große Kapitel aufgeteilt. Im ersten Teil sind Beispiele früher Aufnahmen mit der Plattenkamera zwischen 1890 und 1906 dokumentiert. Im zweiten Teil folgen Aufnahmen mit der Stereokamera, die thematisch in die unterschiedlichen von ihm bereisten Städte, Regionen und Länder führen. Zusätzlich zu der normalen Buchausgabe erscheint auch eine exklusive und handgefertigte Vorzugsausgabe, die auf 100 Exemplare limitiert ist.

Altenglisches Puppenhaus entstand in drei Jahren

Altenglische Puppenstuben haben in Großbritannien viele Liebhaber. Es gibt einen regelrechten Markt (mit Geschäften und Katalogen) für die manchmal gar nicht so kleinen Holzhäuser und ihr Mobiliar im Mini-Format, vom Tisch über die Sessel, Kronleuchter und Betten bis zum Kamin. Das Puppenhaus von Hilary Günther misst 1,20 mal 1,10 Meter und hat vier Etagen. Allesamt hat die gebürtige Engländerin, die seit nunmehr 61 Jahren in Remscheid lebt, in akribischer Handarbeit gut und stilgerecht ausgestattet. Ein Hobby, für das sie in den vergangenen drei Jahren unzählige Stunden aufgebracht hat. „Sehr gerne, weil es so entspannend war“, verriet sie waterboelles.de, als sie ihr „Schmuckkästchen“ vorstellte. Es erinnere sie im Stil an „Haus Cleff“ in Hasten. Dessen Förderverein gehört Hilary Günther als Liebhaberin historischer Häuser ebenso an wie dem „National Trust“ in England.

Der Park mit seinen Grotten war eine Attraktion

Die Vorderansicht der Villa.Die Villa war um 1840 in einem 15.000 Quadratmeter großen Parkgelände erbaut worden. In einem Stil der Neo-Renaissance, etwas Klassizismus, etwas Historismus.  Das Anwesen wurde von Anfang an als Hotel und Restaurant genutzt, dies ist auch aus dem Zuschnitt der Räume erkennbar. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Villa Goldenberg zum exklusiven Treffpunkt, nicht nur für die vermögenden Hammer- und Stahlwerkbesitzer im engeren Umfeld, dem Diepmansbachtal, dem Morsbachtal, dem Gelpetal, der Ibach, Lüttringhausen und Ronsdorf, sondern auch für den damaligen Geldadel aus Remscheid, Elberfeld und Barmen. Hierher lud man seine honorige Kundschaft zu exklusiven Bällen, Konferenzen und Geschäftsessen ein.

All die Jahre bis zum Ende des Ersten Weltkrieges mit seiner militärisch geprägten Gesellschaftsstruktur und seinen Hammer- und Stahlwerkbesitzern bescherten der Villa Goldenberg, der Villa auf dem goldenen Berg, eine gute Zeit. Die umliegenden Werke, die fast alle Stahl verarbeiteten, machten glänzende Geschäfte. Als Treffpunkt des Geldadels und als Vergnügungsstätte bekam das Haus damals im Volksmund den Zusatz „Villa“. Sie war zunächst weniger für die Sonntagsausflügler gedacht, dies kam erst später nach 1900. Doch eine Attraktion für Kind und Kegel wie zum Beispiel „Zum Zillertal“ wurde die Villa jedoch nie.

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Remscheider Stadtführer rechnen für 2017 mit 150 Gruppen

Foto aus dem Programm 2017 der Remscheider Stadtführer.„Entdecken Sie Ihre Stadt! Die hügelige Landschaft, die zahlreichen Quellen und Bäche, der Wald und das Vorkommen von Eisenerz prägten die Entwicklung der Stadt Remscheid und machten sie zur Wiege der eisen- und textilverarbeitenden Industrie.“ So einladend beginnt das Jahresprogramm der Interessengemeinschaft Remscheider Stadtführer, das Claudia Holtschneider, Linda Kessler und Lars Johann gestern Abend im „Miro“ vorstellten. „Wir möchten Ihnen die vielfältigen Seiten unserer Stadt zeigen und Sie auf Bekanntes und Verborgenes aufmerksam machen. Wir erzählen Ihnen von den bergischen Menschen, ihrem Leben und ihrer Arbeit.“

In dem aktuellen Programm 2017, aus dem auch das nebenstehende Foto stammt,  finden sich zahlreiche unterhaltsame Führungen zu unterschiedlichen Themen der Remscheider Stadt- und Industriegeschichte. „Jede Führung hat ihren ganz besonderen Reiz“, versichert die inzwischen seit elf Jahren in wechselnder Zusammensetzung bestehende Interessengemeinschaft, die auch Mitglied im Bundesverband der Gästeführer Deutschland e.V. ist. Alle Führungen können auch als Sonder/Gruppenführungen mit den jeweiligen Stadtführern zu einem Wunschtermin vereinbart werden (www.stadtfuehrung-rernscheid.de, Claudia Holtschneider, Tel. RS 7913052, E-Mail c.holtschneider@via-temporis.de).

„Remscheid kulinarisch“ verspricht beispielsweise Lars Johann. Mit ihm geht’s auf einen Whisky in die Kultkneipe „Saxo“, für die ein oder andere bergische Spezialität ins „Miro“ und zum Ausklang in die „Erlebbar", die in Remscheid gerösteten Kaffee und Remscheider Bräu anbietet. Und als Nachtschwärmer verspricht auch Lothar Vieler  „wat zom eaten on zom drenken“ beim Gang durch die romantischen Gassen der historischen Altstadt von Lennep. Als Nachtwächter Gustav om Hackenberge ist Vieler stets ausgerüstet mit Laterne, Hörn und Hellebarde. In Zylinder, Gehrock und Gamaschen zeigt auch in diesem Jahr wieder Harald Blondrath alias Herr Röntgen „seine Stadt“ Lennep, in der er geboren wurde und deren Ehrenbürger er ist. Auf den Spuren der Tuchmacher bewegt sich Harald Fennel als Königlicher Kommerzienrat Hermann Hardt. Der Tuchmacher und Mitinhaber der Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn lebte in Lennep Ende des 19. Jahrhunderts.

Von der Möglichkeit der Sonderführungen machen gerne Familien, Unternehmen (Geschäftskunden, betriebl. Weihnachtsfeiern), Partnerschaftsvereine, Schulklassen (aktuelle und ehemalige) sowie Lehrerkollegien Gebrauch, wie Linda Kessler gestern berichtete. Insgesamt veranstalteten die in der  Interessengemeinschaft zusammengeschlossenen zehn Stadtführer im vergangenen Jahr 58 offene Führungen, etwa 40 für auswärtige Besucher und jeder einzelne noch einmal sechs private, zusammen also noch einmal 60. Macht zusammen mehr als 150. Und mit so vielen rechnet Lars Johann auch in diesem Jahr wieder.

 

Walentingsdag un de Krüpers

Ming Kärl de Kaal wual mir tem Walentingsdag en Freud maken. He is vorigge Weeke int Alleecenter tem Hunkemöller jeschlappt un wual do gruat inkoopen.  Die staatse Verküoperin frogt, opp se emm wat zeigen kann. 

He said, he hätt gärn „Krüpers“ för sing Wief teheme.  Krüpers? frogt de Verküoperin.  Datt har se noch nie jehüard unn se wuast garnech wie se emm hölpen kann. He sual ihr drutenhölpen  watt datt wöar und för watt sing Wief datt jebruken där.  De Kaal said, dat datt de Wiewer ungendrunger antrokken dären, unger de Kledaasch un de Plonten, damet see nech memm bläken Aasch rumluopen dären. Dem Kaal woar datt en bisken jenant, evver nu woar he jo do.  Evver de Verkuoperin wuasst emmer noch nech, watt he mingt. Krüpers hätt se noch nech gehüart. Datt datt enn Ongertüch ess har se jo nu begriepen. Sie seed, opp de Kaal denn Schlüpfer mingt.

Dem Kaal woar datt arch, unn he seed datt nu pladdewäg. Ne datt sind Krüpers, weil ming Wief wüard nech ringschlüpfen wie jonge schmedderege Wiewer, sondern läu ringkrupen wie en Schneel

Unn so kuom de Kaal mett twei witte Krüpers fien verpackt in fienem Geschenkpapier mit Schlüppe oven dropp am Walentingsdag ahn. Ech deit bie mir enn Blümken hätt ett joo och gedonn, odder enn Gutschein för enn Hoarschnieder, damet ech mieäne Hoarbisselen mal stüppen looten kann. He hätt ett jo guat gemingt, evver miene Krüpers holl ech mir liever selver. Übringens von mir hätt he enn Schwung Wärme-ABC-Kleefplooster för ett Krütz gekregen, die sind besser als enn Bettfläsche för sinen Reumetismus.  Datt schenkt man sech opp Walentingsdag wenn man so lang verhierott ess wie de Kaal und ech. Evver ett kümmt vamm Hatten.

 Bis strackes, önker Klärchen

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staatse/junge, drutenhölpen/erklären, Wief/Weib, Wiewer/Weiber, Kledaasch/Kleider, Plonten/Klamotten, bläken/nackten, jenant/peinlich, Ongertüch/Unterwäsche, pladdewäg/unverblümt, jonge schmedderege Wiewer/junge schlanke Frauen, läu/langsam, Schneel/Schnecke, stüppen/schneiden, Kleefplooster/Klebepflaster, Hatten/Herzen

Zeitzeugen berichten über den Honsberger Bunker

Als der Waterbölles am 23. August 2009 über den „Bunker als Museum für Kino- und Luftschutzgeschichte auf Honsberg berichtete, war alles noch mit einem gewissen Fragezeichen versehen und Führungen durch den Bunker an der Siemensstraße eher die Ausnahme als die Regel. Inzwischen pflegt Markus Bertram, der 1. Vorsitzender des „Museumsvereins Kinobunker Remscheid“ geradezu ein Haus der offenen Tür, etwa bei Stadtteilführungen und Jugendprojekten. Das galt 2015 für das Filmprojekt „Zeitkapsel“ des Jugendzentrums „Kraftstation“. Und das gilt auch jetzt wieder für das Dokumentarfilm-Projekt „Kinobunker“ der Albert-Einstein-Gesamtschule. Markus Bertram, der in den vergangenen Jahren bei Besichtigungen die Adressen zahlreicher Zeitzeugen gesammelt hat, betätigt sich dabei gerne als „Türöffner“, und für die nötige technische Ausstattung sorgt Christian Beitz als Medienpädagoge der Kraftstation. Beide waren dabei, als gestern die aus neun Mädchen und drei Jungen bestehende Projektgruppe zusammen mit ihrer Lehrerin Rebecca Volke Medienvertretern ihr Vorhaben näher erläuterte.

Es ist ein ambitioniertes Projekt, das bis zur angestrebten Fertigstellung zu den Sommerferien noch manche Stunde Arbeit erfordern wird. Denn dass die von Bertram vermittelten Zeitzeugen zwischen75 und 90 Jahren viel zu erzählen haben werden, bezweifelt keiner der Beteiligten. Auch Klaus Schöneberger, der gestern als erster vor zwei Videokameras saß und interviewt wurde, hatte viel zu erzählen. Der 79 Jahre alte Modellbauer, der heute in Kremenholl wohnt und gerne Remscheider Platt spricht („Datt verstonnt die jungen Lück överhupt nie mie!“), wusste beispielsweise zu berichten, dass der 1940 erbaute Bunker in den letzten beiden Kriegsjahren auch als Schule diente („an richtigen Unterricht war aber nicht zu denken!“) und nach dem Krieg nicht nur als Kino, Box-Arena, sondern auch als eine Art Amateur-Varieté.

Um in dem Bunker einen Boxring aufbauen zu können, musste die Kino-Leinwand nach oben geklappt werden. Dann hatten in den großen Raum bis zu 300 Zuschauer Platz (zu ihnen soll einmal auch Max Schmeling gehört haben). Wenn das Wetter es zuließ, fanden Boxveranstaltungen aber auch auf dem Honsberger Sportplatz statt – mit bis zu 2.000 Zuschauern.

Das Varieté hatte die Projektgruppe gar nicht auf dem Schirm gehabt, wohl aber den Box-Club und das Kino (1946 bis 1960). Der erste Film, der dort gezeigt wurde, sei „Tom Mix räumt auf gewesen“, erzählte gestern Klaus Schöneberger. „Den habe ich vielleicht zehnmal gesehen!“ Und das Geld für die Kinokarte für 30 Pfennig habe er sich damals durch Schrottsammeln verdient.

Alles, was die Zeitzeugen zu erzählen haben, wird auf Video aufgenommen und soll erhalten bleiben (vielleicht interessiert sich ja auch das Stadtarchiv dafür). Die Hauptarbeit wird darin bestehen, aus der Fülle des Materials einen anschaulichen, interessanten Film von 20 bis 30 Minuten Länge zu komprimieren. Uraufgeführt werden soll er in der Kraftstation. Aber auch später wird er zu sehen sein. Christian Beitz: „Wir wollen ihn auf YouTube hochladen!“ (Sobald das geschehen ist, wird der Waterbölles den Link veröffentlichen).

Von sich aus waren die Schüler/innen nicht auf die Idee gekommen, dem alten Bunker und seiner spannenden und wechselvollen Geschichte ihre Freiheit zu widmen. Einige von ihnen hatten von der Existenz des Baus mit seinen meterdicken Betonmauern, im Kriege von einer Flak-Stellung mit Wuppertaler Oberschülern gekrönt, wie sich Klaus Schöneberger erinnerte, gar nichts gewusst, bis das Thema in der Schule plötzlich am Schwarzen Brett hing. Hintergrund: Für die Jahrgangsklassen 12 ist eine Projektgruppe Pflicht. Diesmal konnten sich die Schüler/innen zwischen insgesamt zehn Themen entscheiden, die zur Wahl standen. Der „Kinobunker“ sei eine Anregung der Kraftstation gewesen, verriet gestern Rebecca Volke, an der AES Lehrerin für Deutsch und Geschichte. Die Beschäftigung mit den Zeugnissen der Geschichte vor Ort soll für die Projektgruppe die Geschichte Remscheids (und letztendlich auch Deutschlands) erlebbarer und erfahrbarer machen. Neben dem Besuch des Bunkers und der Recherche (etwa im Stadtarchiv) geht es vor allem darum, Zeitzeugen zu befragen, die während der Kriegszeit und danach den Bunker erlebt haben. Diese Video-Interviews möchten die jungen Dokumentarfilmer gerne mit Dokumente und Fotos von damals unterlegen. Willkommen ist ihnen deshalb jeder Remscheider, der historisches Material oder eigene Erlebnisse zu dem Film beitragen kann (Tel. RS 420004 oder E-Mail medien@kraftstation.de">medien@kraftstation.de).

Von einem Mann, der in Lennep viel bewegte

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Der Lenneper Baumeister und Architekt Albert Schmidt (1841-1932) berichtete in seinen privaten und geschäftlichen Erinnerungen mehrfach über die Entwicklung des Lenneper Stadtbildes in den 1880er Jahren. Dabei hob er immer wieder seine gute Zusammenarbeit mit dem seinerzeitigen Lenneper Bürgermeister Peter Eduard Ferdinand Sauerbronn hervor, dem er eine „eigenartige, kluge und geschickte Tätigkeit“ bescheinigte. Sauerbronn lebte von 1833 bis 1901. Nach seinem Regierungsreferendariat im hohenzollernpreußischen Sigmaringen (1864-1866) war er von 1872 bis 1897 Bürgermeister der Stadt Lennep. 1874 heiratete er in Lennep Caecilia Johanna Dorothea Clarenbach. Obwohl nach ihm eine repräsentative Straße in Lennep benannt wurde, ist über ihn heute kaum noch etwas bekannt.

Nach den Lebenserinnerungen von Albert Schmidt war der Lenneper Stadtrat für Bürgermeister Sauerbronn (Foto links) ein Instrument, auf dem er meisterhaft zu spielen verstand, nicht durch die Macht der Überredung, er ließ andere für seine Ideen kämpfen, sondern dadurch, dass er nichts vorbrachte, ohne sich vorher vergewissert zu haben, dass die maßgebende Mehrheit dafür war. Sauerbronn hatte das Glück, auf diese Weise eine Mehrheit im Stadtrat zu haben, die für alle Dinge der fortschreitenden Entwicklung zu haben war. Es fehlte auch damals zwar nicht an Opposition von Seiten der Konservativen, die jedem Fortschritt abhold waren, und auch nicht an Kritikern, die politisch fortschrittlich sein wollten, aber so manchen Fortschritt doch ablehnten, weil durch neue Einrichtungen Schulden gemacht werden mussten.  Diese Kommunalpolitiker, so Albert Schmidt, blieben aber bei allen großen örtlichen Fragen dank der Regierungskunst des Bürgermeisters in der Minderheit.

In der jahrelangen Zusammenarbeit in der städtischen Baukommission, welche für den Baumeister Albert Schmidt vierzehn Jahre lang auch mit den Funktionen eines Stadtbaumeisters verbunden war, hatte der Bürgermeister die Eigenarten der Technischen Mitglieder gründlich kennengelernt und wusste sie im Interesse der Stadt auszunutzen. Wenn er sonntags im Zylinder und Gehrock, von einigen Stadträten begleitet, Albert Schmidt in seinem Hause an der Knusthöhe einen Besuch machte, so wusste man, dass er nun versuchen würde, ihn zu irgend einem neuen Projekt, und natürlich mit der Betonung des städtischen und allgemeinen Interesses und Wohls, zu veranlassen.

Im Frühjahr 1885 erschien Sauerbronn an der Spitze einer Kommission, um dem Baumeister zu erklären, dass der Zugang zum Bahnhof durch die schmale Bahnhofstraße (die heutige Bergstraße) ungenügend  und eine direkte Verbindung des Bahnhofs mit dem Inneren der Stadt notwendig sei – durch die dadurch gewonnenen wertvollen Bauplätze sicher auch rentabel zu realisieren. Da der Stadtrat dafür aber nicht in Stimmung war, schlug der Bürgermeister dem Baumeister die spätere so genannte Kaiser-Straßen-Spekulation vor; die Stadt wolle ihm in jeder Beziehung behilflich sein, die Grundstücke in seinen Besitz bringen. Die Kosten für den Grunderwerb und Straßen bau sollten dann auf die zu gewinnenden Baustellen umgelegt werden. Sauerbronn schilderte das Vorhaben als ein äußerst rentables Geschäft, und da dieser damals nicht übermäßig beschäftigt war, erklärte er sich bereit, das Projekt in Angriff zu nehmen.

Man begann also, die heutige Bahnhofstraße (damals Kaiserstraße) und die heutige Düstergasse (damals ein Zeit lang Rathausstraße) zu bauen. Auch einige Wohnhäuser wurden dort schon errichtet. Und man war noch mit dem Straßenbau beschäftigt, da erschien der Bürgermeister Sauerbronn ,wieder in Gala, ein zweites Mal bei Albert Schmidt, diesmal in Begleitung des damaligen höchstrangigen Eisenbahnmanagers. Es sollte nun auch ein Eisenbahnbetriebswerk errichtet werden. Es hieß, man habe die Wahl zwischen Lennep und Remscheid und wollte dem Minister denjenigen Ort vorschlagen, der dafür entgegenkommenderweise ein Gebäude zur Verfügung stellen wolle. Die Eisenbahnverwaltung wollte das zwar nicht selbst bauen, da die weitere Entwicklung des Lenneper Bahnhofs abgewartet werden sollte, war aber geneigt, das Gebäude für sechs Jahre zu mieten und es alsdann anzukaufen, weshalb ein Vorkaufsrecht im Mietvertrag vorgesehen werden sollte.

Links sieht man das ehemalige Vereinshaus, das eine Zeit auch das Lenneper Alumnat beherbergte, über lange Jahre residierte hier später das RWE.Albert Schmidts Bemerkung, es wäre doch am einfachsten, wenn die Stadt selbst das Betriebsamt erbaue, wurde vom Bürgermeister als unmöglich zurückgewiesen, weil alles doch vorläufig und ein Provisorium sei. Die erworbenen Grundstücke an den neuen Straßen lägen sehr bequem für die Bahn, und es müsse doch dazu beigetragen werden, das Betriebsamt für die Kreisstadt Lennep zu sichern. Albert Schmidt erklärte sich denn auch bereit, das Gebäude auf seine Kosten nach dem Plan des Eisenbahninspektors zu erbauen. Ein Mietvertrag mit der Eisenbahn wurde abgeschlossen, aber so gefasst, dass der Erbauer wohl gebunden war, nicht aber die Eisenbahn, ihre ursprüngliche Absprache zu halten. Infolgedessen wurde das Gebäude nicht nach sechs, sondern erst nach zwanzig Jahren im Jahre 1906 für die ursprüngliche Vertragssumme von ihr angekauft, ein Verlustgeschäft für den Planer und in Vorleistung getretenen Erbauer. Auf ähnliche Weise, wie Albert Schmidt weiter berichtete, auch das so genannte Vereinshaus mit Alumnat und Versammlungssaal zuerst auf seine Kosten erbaut und dann vom Verein für Gemeinwohl übernommen.

Im Jahr 1890 sollte der Berliner Hof durch die Stadt für das Bezirkskommando angekauft werden. Bürgermeister Sauerbronn holte wieder einmal seinen Zylinder hervor und machte bei Albert Schmidt einen freundlichen Besuch, wobei u. a. mehr beiläufig erwähnt wurde, es wäre doch sehr bedauerlich, wenn der einzige Gasthof für bessere Reisende, der „Berliner Hof“, nun seiner eigentlichen Funktion beraubt werden sollte. Es wäre sicherlich ein glänzendes Geschäft, wenn ein neuer Gasthof auf dem Eckgrundstück dem Bahnhof gegenüber an der Kaiserstraße (heute Bahnhofstraße) errichtet würde, natürlich habe auch die Stadt Lennep Interesse an der Sache, da doch die Reisenden der besseren Stände, die die Stadt besuchten, die Gelegenheit haben müssten, angenehm zu logieren.

Die guten Aussichten auf Rentabilität, insbesondere wegen des angekündigten Fortfalls des Berliner Hofs, sowie die Bewertung des brachliegenden Grundstücks an der oberen Kaiserstraße veranlassten Albert Schmidt im Jahre 1890, mit dem Bau des „Kaiserhofs“ auf eigene Rechnung zu beginnen. Aber aus der Umwandlung des „Berliner Hofs“ in ein Bezirkskommando wurde nichts, so dass der „Kaiserhof“ nur wenige Logiergäste fand und die Mieteinnahmen kaum die Zinsen und Unkosten deckten. Der Baumeister war also wieder hereingelegt worden, so sah er es selbst, und hat nach jahrelangen Kämpfen mit den verschiedenen Mietern das Gebäude unter Selbstkostenpreis verkauft, da er es nicht ertragen konnte, „auf dem Wirtshausschild nach den gesetzlichen Bestimmungen als Herbergsvater zu figurieren.“

Man kann davon ausgehen, dass der Lenneper Baumeister und Architekt bei den hier von ihm selbst geschilderten Vorhaben nicht zum armen Manne wurde, da diese Verluste durch andere Aufträge in der Industrie Lenneps und an der Wupper ausgeglichen wurden. Insgesamt wird er als Generalplaner und Investor auch bei der genannten Kaiserstraßen-Spekulation unter dem Strich gut verdient haben, wenngleich er als zeitweises Mitglied des Städtischen Bauausschusses an öffentlichen Aufträgen nichts verdienen durfte. Vierzehn Jahre war er auch "nebenberuflicher", aber „funktionierender“ Stadtbaumeister der Stadt Lennep und begleitete in dieser Funktion bis 1889 den Lenneper Bürgermeister in dessen Plänen, bis eine hauptamtliche Stadtbaumeisterstelle eingerichtet werden konnte.

Die Anlage und der Ausbau der damaligen Kaiserstraße und der umliegenden Grundstücke in der so genannten Gründerzeit, insbesondere in den 1880er Jahren im Zusammenhang mit der damals notwendigen Stadterweiterung, die u.a. durch die steigende Bedeutung des Lenneper Bahnhofs begründet war, wurden zu einem Aushängeschild des wilhelminischen Lennep. Und diese Entwicklung wurde nach der Auffassung Albert Schmidts in erheblichem Maße durch die geschilderte „Eigenartigkeit“ von  Sauerbronn gefördert. Albert Schmidt formulierte hier: „Unser Stadtoberhaupt konnte alle diese großartigen Projekte, Verhandlungen und Vorarbeiten ohne besondere städtische Beamte vornehmen lassen, sein Stadtbüro bestand nur aus dem Stadtsekretär Albert Frielinghaus und einem Schreiber, heute würden dafür zwanzig Beamte notwendig sein.“

 

Für einen Wochenlohn noch nicht einmal ein ganzes Brot

Ein ganz hochbezahlter Stift: „Ich hatte einen Lehrvertrag über drei Jahre, beginnend 1922. Im ersten Lehrjahr sollte ich einen Monatslohn von 400 Mark bekommen. Als aber der erste Monat meiner Lehrzeit um war, da wurden mir schon 1.000 Mark ausbezahlt. In den folgenden Monaten bin ich ein ganz hochbezahlter Stift gewesen. Für lange Zeit musste ich mich auch mit zwei Koffern an der Bank anstellen und die Millionen- und Billionenscheine für unsere Firma an­nehmen. Ich ging bald ein über den anderen Tag, um Geld zu holen. Zu­letzt war es so, dass ich überhaupt kaum im Büro war, sondern meistens auf der Bank in der Devisenabtei­lung. Dort habe ich gewartet, bis die neuesten Dollarkurse rauskamen. Dann musste ich schnell an das nächste Te­lefon laufen und meiner Firma durchsagen, wie hoch der Dollar steht. Ich kriegte auch schon mal des Abends um zehn Uhr von unserem Buchhalter einen Scheck gebracht, mit dem ich am nächsten Morgen dann um sechs Uhr an der Bank stehen musste, um Geld abzuholen. Wenn die Bank um acht Uhr ihre Türen offen machte, dann gab es einen solchen Ansturm, weil hunderte Menschen da standen, dass die Türen dran glauben mussten. Es wurde aber immer nur ein Teil der Leute reingelassen, damit der Schalterraum nicht blockiert wurde."

Dann kommen astronomische Zahlen heraus: „Wir haben Ende 1922 geheiratet, in der schlechten Zeit. Mein Mann musste, da kann ich mich aber noch ge­nau dran erinnern, 6.000 Mark für un­sere Trauringe bezahlen. Weil wir nicht ausgebombt worden sind, habe ich auch noch die alten Rechnungen von unserer ersten Einrichtung. Glücklicherweise hatten wir mit der Wohnung keine Schwierigkeiten. Im Haus von meinem Bruder war gerade eine schöne Wohnung freigeworden, drei Zimmer: Wohnzimmer, Schlaf­zimmer und eine große Küche. Die Schlafzimmereinrichtung, zwei Betten mit Matratzen, zwei Nachttischchen, ein Spiegelschrank, eine Waschkom­mode und zwei Stühle kosteten zu­sammen 110.000 Mark. Im Wohnzim­mer hatten wir ein schönes Büfett, eine Anrichte, einen Tisch mit sechs Stühlen. Das kam zusammen auf 100.000 Mark. In der Küche hatten wir einen Schrank, einen Tisch mit vier Stühlen und eine Holzbank, da sagte man ,Remscheider Sofa' für, und ei­nen Herd. Die Küche machte insge­samt 105.000 Mark. Wenn ich Ihnen das mal alles zusammenrechnen würde, dann kommen schon für die nackte Einrichtung allein, ohne drum und dran, astronomische Zahlen raus."

Remscheider Notgeld.

Negative machtpolitische wie wirtschaftspoli­tische Faktoren waren Hand in Hand gegangen, so dass (nach dem Ende des ersten Weltkriegs) ein drastischer Verfall der Währung unausbleiblich folgen musste. Allein um die Kriegsführung zu finanzieren, kam es zwischen 1914 und 1918 zu einer ersten bedeutenden Geldmengenvermehrung, wobei der gesamte Geldumlauf im Reiche bei Kriegsende auf das Fünffache des Vor­kriegsvolumens gestiegen war. Einmal in Gang gesetzt, liefen die Banknoten­pressen auf Hochtouren weiter; am Ende gar, 1923, rund um die Uhr. „Die Zahl der für die Reichsbank arbeitenden Druckereien stieg 1923 auf 133 Be­triebe mit 1.783 Maschinen und über 3.000 Arbeitern. 29 galvanoplastische Anstalten lieferten 400.000 Druckplat­ten, und 40 Papierfabriken arbeiteten mit Hochdruck ausschließlich für die Herstellung von Banknoten. Nach Keller hat die Reichsbank 1923 nicht weniger als 47 neue Banknotentypen herausgebracht und insgesamt 10 Milliarden Geldscheine mit einem Nennwert von 3.877 Trillionen Mark gedruckt. Ab 3. November wurden täglich drei Trillionen 692 Billionen Mark gedruckt und güterwagenweise zu den Reichsbankstellen geschickt." (Walter Lorenz) Die Notenpresse war somit zur weit­aus wichtigsten Einnahmequelle des Reiches aufgerückt; insbesondere, um die Erblast, die Deutschland durch die Kriegsschuldzuweisung im Versailler Friedensvertrag übernehmen musste, abtragen zu können. Die astronomi­schen Summen, die von den Alliierten verlangt wurden, gingen über eine objektive Auslegung des Vertrages weit hinaus. Das Londoner Ultimatum setzte im Mai 1921 die deutsche Re­parationsschuld auf 132 Milliarden Goldmark, zahlbar in Raten, fest. Eine Reparationsplan-Kommission be­stimmte den Modus der Schuldentil­gung und überwachte seine Einhal­tung. Schließlich aber, das mußten sich auch die deutschen „Erfüllungspo­litiker" mit ihrem guten Willen zur Vertragstreue eingestehen, war das Reich überfordert, gleichzeitig zu verkraften: die eigenen Kriegs- und Kriegsfolgekosten, Gebietsverluste sowie Reparationsleistungen in Form von Sachlieferungen und Geld­aufwendungen.

Mit dem Beginn des Weltkrieges war eine inflationäre Tendenz der Reichsmark vorprogrammiert. Dass sie durch die Einwirkungen der genann­ten Ursachen solch absurdes Aus­maß annehmen würde, übertraf je­doch jedwede monetäre Erfahrung. Grob umrissen lassen sich Umfang und Tempo der Inflation, gemessen an der Parität der Reichsmark zum Dollar, so beschreiben: Es dauerte acht Jahre (Juli 1914 bis Juli 1922), bis die Mark auf ein Hundertstel ihres Vor­kriegswertes abgesunken war. Zum Absinken auf ein Millionstel brauchte sie (bis August 1923) nur noch 13 Monate. Ihr stärkster Verfall jedoch, auf ein Billionstel, vollzog sich in ei­ner Zeitspanne von nur drei Monaten. Am 15. November 1923, mit dem In­krafttreten der neuen Währung, der Rentenmark, konnte die Reichsmark bei einem Kurs von 4.200.000.000.000 Mark (in Worten: vier Billionen zwei­hundert Milliarden) für einen Dollar, stabilisiert werden. Alsdann war eine Billion Reichsmark gleich einer Vorkriegs-Mark und gleich einer Renten­mark.

Einen kleinen Einblick in das mone­täre Chaos, das sich bis zu diesem Zeitpunkt entwickelt hatte, gewährt der RGA am 13. November 1923: „Zur Zeit haben wir in Deutschland fünf verschiedene Währungsformen: das noch immer gesetzliche Zahlungs­mittel der Mark, die trotz aller Ver­bote immer mehr in Übung kom­mende Zahlung in Devisen, die Gold­anleihe, die Dollarschatzanweisungen und schließlich noch die demnächst zur Auszahlung gelangende Renten­mark." Auf eine besondere Auswuchs­form der Geldwährung, das Notgeld der Fabriken und Städte, weisen an­dere Berichte - beispielsweise des RGA im Oktober 1922 - hin: „Ange­sichts des Mangels an flüssigen Zah­lungsmitteln hat, wie andere Städte, auch Remscheid eigenes Geld her­ausgegeben, und zwar zuerst am 15. Mai 1917." Handelte es sich dabei an­fangs noch um 25- und 50-Pfennig-Scheine, so ging die Stadt im No­vember 1918 dazu über, „Groß-Notgeld" herauszugeben in Form von 5-, 20- und 50-Mark-Scheinen. Im Herbst 1922 gelangten 500-Mark-Scheine zur Ausgabe. Diese waren Anlass zu einer humorigen Betrachtung in der „Stadtchronik" des RGA: „Rechts und links von der Zahl 500 ist eine dunkle und eine helle Kleider­bürste (oder sind es Seesterne?) mit weißen Borsten von oben gesehen abgebildet, die nochmals die Zahl 500 zeigen. Außerdem sind noch 20 weiße Gebilde zu sehen, die offenbar Schild­pattkämme vorstellen. Bürsten und Kämme sollen wohl auf die 'lausige' Zeit hindeuten. Dass beim Anblick die­ser Geldscheine irgendeine heftige Gemütsbewegung ausgelöst wird, zeigt vorahnend die Rückseite. Hier steht neben dem Wappen der Stadt Remscheid zu beiden Seiten der echte Remscheider Ausruf: 'O Donner­kiel!'. Dieser Ausruf ist bekanntlich bei dem alten Remscheider kein Fluch sondern ein Ausdruck der Überra­schung und des freudigen Erstau­nens, und wer sollte heute auch nicht froh erstaunt sein, wenn er plötzlich solch einen Schein in die Hand ge­drückt bekommt! Hoffen wir, dass bald bessere Verhältnisse einkehren und dass die Städte es dann nicht mehr nötig haben, sich mit der Ausgabe von Notgeld zu befassen."

Knapp ein Jahr später, im August 1923, heißt es im RGA: „Um dem großen Mangel an Zahlungsmitteln ab­zuhelfen, ist von dem zur Ausgabe genehmigten Notgeld eine Serie von Scheinen über 500.000 Mark be­schleunigt in einfacherer Ausführung fertiggestellt worden; sie wird heute, Samstag, zur Ausgabe gelangen. Die Scheine zeigen auf der Vorderseite neben den erforderlichen Angaben ein Abbild des den älteren Remscheidern wohlbekannten Johannishammers, auf der Rückseite ein Abbild unseres Rathauses. Auch auf den Scheinen über 100.000 Mark befinden sich Abbil­dungen mit heimatlichen Motiven. Die ersteren werden die Abbildung ei­nes in Betriebe befindlichen alten Hammerwerkes zeigen, die anderen eine Darstellung der Verbrüderung der Remscheider Industrie mit dem Handel." Es wurden 19 Typen Geld­scheine mit dem Nennbetrag von 500.000 steigend bis 10 Billionen Mark ausgegeben. Durch das zinslose Darlehen, was das Notgeld bot, ist es der Stadt einzig und alleine möglich gewesen, sich durchzuhalten. „Kaum hatten wir einen Geldschein herausgebracht", berichtet Oberbür­germeister Hartmann, „als er auch schon wieder überholt war. Die Druckerei hat Tag und Nacht arbei­ten müssen und konnte kaum beihal­ten."

Analog zur äußeren Entwertung der Reichsmark auf dem internationalen Devisenmarkt vollzog sich, wenn auch zeitlich nicht synchron, die innere. Im Gedächtnis derer, die sie miterlebt haben, ist die Inflation eingeätzt in Erinnerungen an erlittene Entbehrun­gen aufgrund drastisch angestiegener Lebenshaltungskosten ebenso wie an die gigantischen Geldmengen, die durch ihre Hände gegangen sind. „Der einzelne war diesem Geschehen hilf­los ausgeliefert", schreibt Walter Lo­renz. „Er war der Verlierer. Spargut­haben, Darlehen, Hypotheken, Schuld­forderungen, Kriegsanleihen usw. wurden wertlos. Löhne, Gehälter und Renten waren es nach wenigen Tagen ebenfalls . . . Wer es irgend konnte, flüchtete in Sachwerte. Jeder versuchte, eingenommenes Geld so rasch es ging wieder los zu werden; lieber kaufte man Sachen, die im Au­genblick gar nicht notwendig waren, ehe man das Geld verfallen ließ. . . . Sehr beliebt war auch damals schon der Tauschhandel. Wer Ware gegen Ware bieten konnte, war fein heraus, er brauchte sich nicht um Millionen und Billionen zu kümmern. Anderer­seits gab es natürlich auch in dieser Zeit Leute, die aus der Not der anderen einen Gewinn zu ziehen verstanden. Abgesehen von den wenigen Glückli­chen, die Schulden oder Hypotheken für einige Papierscheine abstoßen konnten, waren es die Schieber und Spekulanten. Wer Ware gegen Valuta ins Ausland 'verschieben' konnte, zog dies dem Verkauf gegen Papiergeld vor. Ausländische Spekulanten ström­ten zu Hunderttausenden ins Land und kauften für Spottgeld die Läden leer oder erwarben für wenige Valuta Häuser, Grundstücke, ja ganze Fabri­ken. Die ganze Entwicklung drohte im Herbst 1923 in eine Katastrophe aus­zuufern. Zur Geldentwertung gesell­ten sich Warenverknappung, Arbeits­niederlegungen, Streiks und Unruhen."

Im Laufe des Jahres 1923 kam es mehrfach zu Demonstrationen in Remscheid, die sich besonders gegen den Preiswucher richteten. Einkau­fende Frauen auf dem Wochenmarkt gingen von Stand zu Stand und sag­ten: „Kauft nicht, sondern versammelt euch am Denkmal." Die Menschen­menge, die jeweils dann zusammen­kam, postierte sich vor dem Rathaus und forderte immer wieder die Instal­lierung einer Wucherkommission mit dem Recht der Preisfestsetzung und der Warenbeschlagnahme bei Preis­treibern. Unter dem Eindruck einer solchen Demonstration, an der über 500 Personen teilgenommen hatten, sah ein Stadtverordneter sich gezwun­gen, vor dem Kollegium zu erklären: „Der Unmut der Bevölkerung über die unerhört hohen Preise für Le­bensmittel, Wäsche, Kleidung, Schuhe und andere notwendigen Be­darfsgegenstände gründet sich berechtiger Weise darauf, dass zwar alle Preise dem Steigen des Dollars rasch folgen, der Rückgang des Dollars zunächst keinen, später aber nur ei­nen zögernden Abbau der Preise zur Folge hatte. Die Schuld an diesen Vorgängen tragen weniger die Klein­händler als vielmehr die Erzeuger und Großhändler. Insbesondere sind es die Schieber, die als Schmarotzer am Mark des Volkes zehren."  (aus: “…aber die Jahre waren bestimmt nicht einfach. Remscheider Zeitzeugen berichten aus Kindheit und Jugend“. Von Gerd Selbach. Herausgegeben von der Volkshochschule der Stadt Remscheid 1985.)

 

Schwarze Börse in Köln: „In der Inflationszeit war ich als Kontoristin tätig. Da hieß es, es gibt in Köln die schwarzen Börsen. Ich sagte zu meinem Chef: ,Da fahr ich mal hin'. In Köln musste ich mich erst vorsichtig durchfragen, wo man überhaupt Geld schwarz umtauschen konnte. Ich hab aber so 'ne Stelle ge­funden und mein Gehalt umge­tauscht. Seit der Zeit bin ich laufend hingefahren und hab mein Geld und das Geld meiner Kollegen in Dollar umgetauscht. Als die Zeit immer schlimmer wurde, bin ich mindestens zweimal in der Woche nach Köln ge­fahren. Für meinen Chef war das auch ganz nützlich. Nur für meinen Vater war das alles nicht in Ordnung. Er konnte einfach nicht verstehen, dass sein Geld immer weniger Wert hatte."

Für meinen Wochenlohn nicht mal ein Brot: „Neben dem Reichsgeld gab es noch Städtegeld und Firmengeld. Größere Betriebe, wie zum Beispiel das Alexan­derwerk, Mannesmann oder die BSI, hatten eigenes Geld. Damit konnte man in den Remscheider Geschäften kaufen. Das Geld war von der Firma unterschrieben, und sie musste für den Betrag geradestehen. Mit dem Stadt­geld war das schon so eine Sache. In manchen Städten nahm man das Geld anderer Städte einfach nicht an. Die böse Erfahrung hab' ich selbst ge­macht, als ich 1923 in Solingen be­schäftigt war. Meinen ersten Lohn dort bekam ich nach einer Woche, an ei­nem Freitag, ausbezahlt. Als ich am Lohntag spät abends nach Remscheid kam, hatten die Geschäfte natürlich schon zu. Als ich am Samstag spät nach Mittag wieder aus Solingen von der Arbeit kam, sagte meine Mut­ter: ,Hier, Junge, ist dein ganzes Geld. Ich kann es nicht loswerden, weil es Solinger Stadtgeld ist. Keiner will es hier nehmen. Du musst sorgen, dass du anderes Geld kriegst.' Jetzt war der Samstag verloren, der Sonntag auch. Montagmorgen in Solingen bin ich dann gleich zu meinem Chef gegan­gen: ,Hier ist mein ganzer Wochen­lohn; das ist Solinger Stadtgeld, das wird in Remscheid nicht angenom­men.' ,O Gott, wat send die i'erfeilig', meinte er auf Solinger Platt. Ich kriegte dann aber anderes Geld. Dienstagmorgen ging meine Mutter einkaufen. Man musste ja das Geld immer ganz schnell quitt werden, wegen der Entwertung. Und da kriegte sie, sage und schreibe, für mei­nen ganzen Wochenlohn noch nicht einmal ein ganzes Brot. Ich hab das meinem Chef erzählt, und wir ha­ben uns darauf geeinigt, dass ich mei­nen Lohn von nun an ein über den anderen Tag bekommen sollte, da­mit meine Mutter doch wenigstens et­was dafür kaufen konnte."

Hier erhalten, dort verloren gegangen: „. . . Da die Kapitalvermehrung etwa den 15fachen Betrag des Vorkriegskapitales ausmachte und die Umstel­lung von der Papiermark auf die Goldmark-Bilanz im Verhältnis von 15:1 erfolgte, so ist den alten Kom­manditisten ihre ursprüngliche Beteili­gung in Goldmark erhalten worden".  - „. . . Die Guthaben der Arbeiter- und Beamtenpensionskassen, welche in der Bilanz am 30. Juni 1919 noch mit etwa drei Millionen Mark ausgewiesen waren, wurden am 31. Dezember 1919 aus dem Geschäftsvermögen ausgeschieden und in ,mündelsicheren' Werten angelegt. Mit der Inflation, d. h. dem Staatsbankrott sind diese Werte leider verlorengegangen". ((Moritz Böker: Geschichte der Ber­gischen Stahl-Industrie)