von Gustav Hermann Halbach
Der Greefe Kaal om Hasten woar kneddereg on knöttereg: alt lang flauden et bi emm metter Arbet. Märr bröckelscherswies kri'eg he Opdreeg eren. Van denn gruoteo Kuopmannshüsern op Eäkesen, Vi'ekesen, Feil on em Dorpe huote faß gar nix mi'eh. Maut der Döüwel wi'eten, wodranen dat log. Peädskaaren voll Segen kuone söß dohenn li'ewern. De Konden van denn en Argentinejen, Brasilejen, Mexeko, Nordammereka, Afreka, Indejen on China schi'enen gi'en Oleg mi'eh op ehrer Lüöten te hann on töckden deshalf wall mem Bestellen.
Demm Greefe Kaal sing Arbetslütt kroosden on longernden nu denn li'ewen langen Dag en derr Schmetten eröm on verdennden et Sault nit, wat för meddags on owes ennet Tonnengemüös on de gebroden Eäpel erennkom. „Donnerschlag!" flockden derr Greefe Kaal, „su kann dat op de lang Dur nit wiedergohn, do mott gätt geschi'ehn." „Du motts sälwer es op Ri'es trecken," ri'et emm sien Mi'estergesell, der Vuß Gustav. „Dat es'n Rot! Du mags reit hann," mengden derr Greefe Kaal. „Aewwer et Ri'esen well geli'et sinn - de Muul mottme do Schwaden können." „Jo," sait derr Vuß _Gustav, „dat stemmt. Am besten studierschde Dir dat vörrher en."
Wenn wir heute auf dem Stadtkegel die Wasserhähne aufdrehen und das nasse Element in Kanne und Eimer strömt, machen wir uns wohl kaum noch eine Vorstellung von den Sorgen unserer Vorfahren, das Wasser vom Tal auf den Kegel zu bringen. Brunnen, überdacht mit „Pötthüskern", Zisternen, Hauspumpen und Regentonnen sind den ältesten unserer Generation noch lebendige Begriffe, auch Eselskarren und „Dragschwengel" gehören dazu. Welche Not, wenn in heißen Sommern die Brunnen versiegten! Immer dichter wurde das Häusermeer des Kegels, immer größer die Gefahr eines alles vernichtenden Brandes. Immer heftiger wurden auch die Debatten der besorgten Stadtväter. Doch sie zauberten mit langen Reden kein Wasser auf den Berg. Schließlich sprudelt ein hoffnungsvoller Name aus den Diskussionen kleinbürgerlicher, konservativer Geister: Robert Böker. „Gatt setten merr op derr Beek noch es enn Denkmol!" rief er einst erbost seinen Mitbürgern zu. Jedoch es war ein weiter Weg über die ersten Lenkung der Quellen im Eschbachtal bis zur wirklichen Lösung des Wasserproblems.
Im Eschbachtal erhoffte man in den achtziger Jahren so ergiebige Quellen zu erschließen, dass der Bedarf der Stadt auf dem Berg gedeckt würde. Nicht falsche Kalkulationen waren die Ursache, dass die erschlossenen Quellen nicht reichten, sondern die Sturheit gewisser Mitbürger. Anfangs meldeten sich auf Nachfrage etwa 700 bis 800 Wasserabnehmer. Nach Vollendung von Pumpstation, Wasserturm und Kanalnetz wuchs die Zahl der geforderten Anschlüsse auf ungefähr 2.000. Da gab es Debatten und Donnerkiele, aber der Boden gab trotzdem nicht mehr Wasser.
1888 entwickelte Professor Intze aus Aachen im Saale Alberty (später Weinberg) … den sensationellen Plan, überirdisches Wasser im Eschbachtal durch eine Sperrmauer zu stauen. Wir können uns vorstellen, wie viele bedenkliche und spöttische, zustimmende und ablehnende Meinungen kleinbürgerlicher Biertischstrategen laut wurden. Robert Böker und Intze überwanden alle Bedenken, die sicherlich nicht jeder Berechtigung entbehrten, da für das Experiment, eine Million Kubikmeter Wasser hinter einer Mauer festzuhalten, kein Vorbild in Deutschland vorhanden war.
Und doch erkämpfte man 1889 die Grundsteinlegung zur ersten Talsperre Deutschlands im Eschbachtal. Mit wachsender Teilnahme verfolgte man den Bau und die schließliche Vollendung der Sperre im Jahre 1891. Trotz der verhältnismäßig großen Fläche brauchten keine Wohnhäuser oder wertvolle Anlagen beseitigt zu werden. Lediglich der kleine Pickardts Kotten musste der neuen Sperre geopfert werden. (…) Nach alten Berichten vereinigte eine Kaffeetafel Gäste und Pioniere des imposanten Baues. Oberbürgermeister von Bohlen hielt eine Ansprache und erklärte Professor Intze zum Ehrenbürger der Stadt Remscheid. Ein Spaziergang um die Sperre vereinigte Stadtverordnete und geladene Gäste. Oberbürgermeister von Bohlen erhielt jenseits der Sperre einen kleinen Pavillon, die „Ludwigslust", als Geschenk des Stadtverordnetenkollegiums. (…) Die später notwendige Erweiterung der Remscheider Wasserversorgung durch die Verbindung der Neye-Talsperre mit der des Eschbachs stieß auf keinen nennenswerten Widerspruch. Wer jedoch in unseren Tagen noch einmal den Weg vom „Pötthüsken" bis zum Wasserkranen besinnend rückwärts geht, erkennt ehrfurchtsvoll die ungeheure Leistung einzelner Männer. (aus: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)
Pressemitteilung der Bergischen Entwicklungsagentur
Im Mai geht es los: Mit der „WunderFlunkerStadtRundfahrt“ lässt sich das Bergische Städtedreieck auf ungewöhnliche Weise entdecken. In diesem Jahr steht Wuppertal auf dem Programm. In den kommenden beiden Jahren soll das Projekt in Remscheid und Solingen realisiert werden – in einem im touristischen Alltag gängigen Format, einer begleiteten Busfahrt. Doch anders als üblich führt diese die Besucher an der Grenze zwischen Fiktion und Fakten durch die jeweilige Stadt. „Das Endergebnis ist eine Art Theateraufführung“, so Künstler Olaf Reitz, der die Idee und das Konzept gemeinsam mit Thomas Beimel entwickelt hat. Die Zuschauer steigen in den Bus und werden von einer Schauspielerin zu ausgewählten Orten geführt, an denen sie dem Wunderbaren der Stadt begegnen. Dabei werden die einzelnen Stationen in enger Kooperation mit verschiedenen Partnern gestaltet. Schon die Entstehung der WunderFlunkerStadtRundfahrt war Teil dieses Kunstprojektes. Unterschiedliche Kooperationspartner wurden vernetzt und integriert. Das Spektrum reicht von professionell geführten kulturellen Institutionen über Laienensembles, freischaffenden Künstler(inne)n bis hin zu Schulklassen. Die WunderFlunkerStadtRundfahrt findet im Mai an sieben Tagen insgesamt zehn Mal statt. Die Karten kosten 14,50 Euro für Erwachsene und neun Euro für Kinder (bis 12 Jahre).
von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)
Während 1898 – 1900 alle Geschäfte sehr gut gingen, kaum Arbeitsleute genug zu erhalten waren, liegen seit Mitte 1901 die Geschäfte sehr danieder. Die Arbeitslöhne sind gefallen, desgleichen die Kohlenpreise. Arbeiter sind wieder mehr wie genug zu haben, und alle Welt klagt über sehr wenig Beschäftigung. Auch wir leiden darunter. Den zehnte Theil des Geschäftsumfanges von 1900 haben wir eingebüßt, und es ist noch nicht abzusehen, ob wir nunmehr wieder einer steigenden Richtung entgegengehen. Theilweise macht sich auch für uns eine sehr starke Concurrenz der benachbarten Brennereien fühlbar. Auch arbeitet die Polizeiverwaltung mit Hochdruck, durch vielerlei lästige Bestimmungen und strenge Aufsicht den Branntweinkleinhandel zu beschränken. Das beeinträchtigt natürlich unsern Absatz. Ich nehme aber an, dass die Verringerung unseres Geschäftes hauptsächlich durch den schlechten Geschäftsgang der Eisenindustrie verursacht wird und wieder verschwindet, sobald diese wieder einen flotten Geschäftsgang zeigt. Was seit Jahren nicht vorgekommen ist, muss heute festgestellt werden: dass nämlich seit zwei Jahren viele Arbeiter mit ihren Familien verzogen sind, so dass an Stelle des früheren Wohnungsmangel jetzt viele Wohnungen leer stehen. Wir sind für den jetzigen Bedarf an Branntwein wohl auch etwas groß eingerichtet und stehe ich vor der Frage, ob ich nicht die Arbeiterzahl um ein geringes verringern soll. Bis zum Sommer will ich damit aber noch warten. Hoffentlich ist es nicht nöthig. (…)
Seit der letzten Aufzeichnung (1903) sind nun schon wieder drei Jahre verflossen und (…) ist zu berichten, dass sich das Geschäft in zufrieden stellender Weise weiter entwickelt hat. Auf die stillen Jahre 1901, 1902 und 1903 folgen einige Jahre des Aufschwunges. Eine am 1. Dezember 1905, in Folge sehr gestiegener Getreidepreise vorgenommene Erhöhung der Branntweinverkaufspreise um vier auf 72 Pfennig konnte, wenn auch unter lebhafter Opposition und verstärkter Anstrengung der Concurrenz, glatt durchgeführt werden. Die noch nicht abgeschlossene Bewegung in der Branntweinsteuergesetzgebung lässt zwar die Aussichten in die Zukunft nicht besonders rosig erscheinen. Jedoch hat mich das nicht abgehalten, … in diesem Jahre an Stelle der Scheune und des Kontors einen Neubau zu errichten.
von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)
Bei der Anlage von Geldern hat uns stets der Grundsatz geleitet, festverzinsliche von, nach menschlicher Berechnung, genügender Sicherheit anzuschaffen. (…) Die Hetze gegen die russischen Werthe 1889 bis 1891, die Abstoßung der italienischen Papiere vom französischen Markte und die damit eingetretene Entwerthung 1895 bis 1897, die Missernten Rumäniens und dessen finanzielle Bedrängnis 1899/1900 haben uns keine Verluste gebracht, weil in allen diesen Fällen unser Besitz im Verhältnis zum Gesamtvermögen nicht so bedeutend war, um die Erholung jener Werthe nicht abwarten und das mit dem Weiterbesitz verbundene Risiko nicht tragen zu können. Vom Besitz industrieller Werthe haben wir uns möglichst vollständig fern gehalten, insbesondere soweit sie dem Bergbau angehörten, so dass uns in den beiden vorher bezeichneten Zeiten wirthschaftlichen Niederganges nur ein geringer Verlust betroffen hat. (…) Einen geringen Betrag in– oder ausländischer fest- verzinslicher anderer Papiere mag man sich erlauben, sich daneben noch zuzulegen, sofern man selbst gründlich über die Verhältnisse des Staates oder der Gesellschaft, denen man sein Geld anvertraut unterrichtet ist. Auch in diesem Falle soll man aber den Betrag dieser Anlage thunlichst beschränken. Auch auf die besten Empfehlungen ehrlicher und solider Banken und Bankiers ist nicht sicher zu rechnen. Sie beurtheilen die Güte eines Papiers nach der augenblicklichen Lage an den Börsen und sind deshalb auch Irrthümern unterworfen. Man muss selbst sich die Überzeugung verschaffen, dass eine Kapitalanlage für Jahre hinaus gesichert ist. Dazu gehört selbstverständlich eine gründliche Bekanntschaft der Börse, ihrer Gebräuche und der Natur der an ihnen gehandelten Werthe. (aus der Chronik der Familie Frantzen von 1763-1906, aufgeschrieben von Carl Ferdinand Frantzen in den Jahren 1898 und 1899, 2011 übersetzt aus der Sütterlin-Schrift von Doris und Klaus Schmidt. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Destille Frantzen, Alte Freiheitstraße 24.)
von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)
Heute, am 23. Juni 1900, wurde zu dem an der Freiheitstrasse zu errichtenden neuen Wohnhause der erste Stein gelegt. In Rücksicht darauf, dass meine Frau zur Erholung von einer längeren Krankheit mit meiner Tochter Luise und meinem Sohne Alfred in Münster am Stein sich aufhält, ist von einer förmlichen Feier und Grundsteinlegung abgesehen worden. Das dem letzteren, wie sonst üblich, ein zufügendes Schriftstück hat demnach auch nicht untergebracht werden können. Den Entwurf zu dem Bau hat der Architekt W. Fischer geliefert. Die Ausführung ist dem Bauunternehmer Wilh. Sassenhausen übertragen worden. Der Bau soll bis zum 1.Mai 1901 vertragsmäßig fertiggestellt sein. Der Kubikmeter Ziegelmauerwerk kostete 17.85 Mark. Die Gesamtbausumme soll 57.700 Mark nicht überschreiten.
Der Entschluss zum Neubau ist mir recht schwer geworden. Aber in Rücksicht auf die für die Zahl meiner Familienmitglieder beschränkten Schlafräume des jetzigen Wohnhauses, und da eine Vergrößerung desselben mit Bezug auf die Bestimmungen der jetzigen Baupolizeiverordnung sehr unzweckmäßig geworden wären, war der Neubau wohl das einzig Richtige. Zudem war der Platz, auf dem das neue Wohnhaus errichtet wird, eine Quelle steten Verdrusses, da er den Kindern von weit und breit als Spielplatz dient. Gott gebe, dass nur rechtschaffende Mitglieder unserer Familie lange, lange Zeit das Haus bewohnen. Ich beabsichtige das alte Haus in seinem jetzigen Zustand zu belassen und thunlichst an ordentliche Leute zu vermieten.
Der Abschied von unserem bisherigen Hause am 9. Juli 1901 ist mir und meiner Frau recht nahe gegangen. Wir haben elf Jahre dort gewohnt und sind uns darin drei Kinder geboren. Ich selbst aber habe meine Jugend und weiter die besten Jahre meines Lebens darin zugebracht, ich habe darin im Verein mit meinem Vater 24 Jahre gearbeitet, und sind mir freudige und trübe Erin nerungen damit verwachsen. 83 Jahre hat unsere Familie darin gewohnt, gute und böse Zeiten hat sie darin gesehen, und es hat nicht viel gefehlt, dass es ihr im Anfang der vierziger Jahre auf Anordnung des Vormundschaftsgerichtes verkauft wurde. Der erhaltene Besitz ist aber nicht zum Wenigsten die Ursache des späteren Wohlergehens gewesen. Das alles ist Grund genug, der Behausung eine pietätsvolle Erinnerung zu bewahren. Was steht der Familie in dem neuen Hause bevor? Wird das Schlussergebnis nach weiteren 83 Jahren auch so erfreulich sein wie jetzt? Werden die Familienangehörigen ferner auch alle samt und sonders ihren Vorfahren Ehre machen und einen rechtschaffenden ehrbaren Lebenswandel führen? Gott gebe es! Wenn aber einmal wieder schlimme Zeiten für die Familie kommen sollten, so werden die Angehörigen alsdann hoffentlich in sich selbst die Kraft finden, um sie zu überwinden. Dazu aber mag ihnen die Erinnerung an die eben verlassene Wohnung und ihre Bewohner mit verhelfen.
von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)
Als zweites Kind wurde ich, Carl Ferdinand, am 10. August 1856 im Hause Alte Freiheitstrasse 13 geboren. Wie schon erwähnt, blieb ich als einziges von zehn Kindern meinen Eltern erhalten. Meine Jugend hat deshalb zu Hause viel Trauriges gesehen. Die jahrelange Kette von Krankheiten und Sterbefällen, die sich dort zutrugen, prägten sich tief in das Kindergemüth ein und haben wohl auch eine Nachwirkung auf das ganze spätere Leben gehabt. Nach einem fünfjährigen elementaren und dreijährigem höheren Schulunterricht kam ich zur Vervollständigung und zum Abschluß, auch zur Vorbereitung auf meine spätere Beschäftigung, von Ostern 1871 bis dahin 1873 auf die landwirthschaftliche Schule in Kleve und trat dann in das elterliche Geschäft ein. Seit der Zeit habe ich demselben meine Thätigkeit unausgesetzt gewidmet und bin hierin nur durch eine dreiwöchentliche schwere Krankheit im September 1875 und verschiedene kurze Erholungsreisen in den Jahren 1879, 1880, 1881 und 1882 verhindert gewesen. Im Jahre 1888 bestellte mich mein Vater zu seinen Generalbevollmächtigter.
Am 3. Oktober 1882 verlobte ich mich mit Anna Wilhelmine Peiseler, Tochter von Carl Peiseler in der Brüderstraße hier wohnend. (…) Unsere Ehe wurde mit sechs Kindern gesegnet: Luise Charlotte am 21. Februar 1885, Hermann Gustav am 11. Januar 1887, Alfred am 1. Juli 1889, Hedwig Elisabeth am 5. Juni 1892, Margarete Emma am 4. Dezember 1894 und Mathilde Anna am 23. September 1897. Wir haben gewohnt von 1884 bis zum 4. Juni 1890 im Hause Alte Freiheitstraße 14, von da an Alte Freiheitstrasse 15. Die Schlafräume dieses Hauses sind uns aber nicht mehr geräumig genug, weshalb wir im Begriffe stehen, uns ein neues Haus gegenüber, oberhalb der Freiheitstraße, zu bauen. Der liebe Gott wolle sorgen, dass unser Vorhaben zum Besten der Familie ausschlägt.

1893 kam die Straßenbahn nach Remscheid und verband die vielen Remscheider Höfe miteinander. Nicht einmal in den ebenen Nachbarstädten wagte man, das Wunder der elektrischen Bahn zu verwirklichen, als sich in Remscheid, ungeachtet der schier unüberwindlichen Knubben, Männer daran machten, eine Straßenbahn zu bauen. Eine wahrhaft große Tat! Man muss sich im Geiste in das Jahr 1890 zurückversetzen, um die Größe dieses Planes zu begreifen. Sicherlich wurde die Notwendigkeit eines Verkehrsmittels, das die Entfernungen zwischen den Höfen überbrücken könnte, von allen erkannt. Wer aber hätte es gewagt, in Zeiten des Pferdefuhrwerks ein Experiment mit vollkommen neuen, unerprobten elektrischen Bahnen zu starten? Dazu gehörte nicht nur Geld, sondern auch Mut. Ein Remscheider Bürger, Robert Böker, hatte diesen Mut. Vorzug dieser Männer waren ihre Erfahrungen, die sie in allen Teilen der Erde auf ihren Reisen gesammelt hatten. Sie brachten gereifte Erkenntnisse und unumstößliche Entschlüsse mit nach Hause, und die tausendfachen Bedenken der Daheimgebliebenen waren für sie das Summen eines Bienenschwarmes. In den Stadtratssitzungen hat es rumort und gedonnerkielt, bis schließlich doch der weltweite Blick und die ehrfurchtgebietende Erfahrung obsiegten.
Den letzten Zweifel der um ihr sauer verdientes Geld bangenden Mitbürger überwand der großzügige Einsatz des eigenen Geldbeutels der Wagemutigen. So kam denn die Remscheider Straßenbahn dennoch auf den Weg. Zunächst waren es nur zwei Linien, die von Wirtschaft Rudolf Halbach auf dem Scheid bis Bliedinghausen und von Feld über den Markt bis zur „Spreng" und später weiter bis Vieringhausen führten. Die Bilder verraten uns, dass es auch ohne Uniform klappte. Im hellen Anzug, weißem Binder und Strohhut steht der Fahrer von damals auf der offenen Plattform an der Kurbel. In Winterzeiten wird er oft „kaul Knuwen" (kalte Füße) gehabt haben.
Am Samstag, 1. Juli 1893, fand frühmorgens die erste Probefahrt der Remscheider Straßenbahn statt. „Ingenieure und Beamte der Gesellschaft sowie mehrere Interessenten, u. a. Kommerzienrat Böker, bestiegen das mit elektrischen Glühlampen beleuchtete, außerordentlich elegant und bequem eingerichtete Gefährt“, hieß es in der Lokalpresse. Die Fahrt ging von der Freiheitstraße bis zur Schüttendelle. Die zweite Fahrt, in einem anderen Wagen, führte über die Blumenstraße, den Marktplatz und die Elberfelder Straße bis zum Rathaus. An der Stelle, wo Freiheit-, Blumen- und Honsbergerstraße zusammentreffen, wurde der Wagen durch Steine, die in den Schienen lagen, zum Entgleisen gebracht. Doch es gelang, ihn flott zu machen, ohne dass er irgendeinen Schaden nahm. Wenig Sorgen und Kopfzerbrechen um das technische Wunderwerk machten sich am Tag der Eröffnung die zu derben Späßen aufgelegten Remscheider Witzbolde. Davon erzählt mit unvergleichlichem bergischen Humor Gustav Hermann Halbach in seiner Anekdote auf Remscheider Platt:
Das riesige Eisengestell vor dem Wagen, der „Maulkorb", nahm in den Anfängen noch diejenigen unachtsamen Passanten „auf die „Schuppe“, die sich bis dahin an den Wagen ohne Pferd noch nicht gewöhnen hatten.
„Tu den äulsten en Dütschlangk gebouden elktreschen Strotenbahnen gehüöt de e, Remsched. Vör allem wogden märr et hie te alleri'esch, Wagen ohne Tangkreder sonne pielen Berg erop- on erongerluopen te loten äs et se hie gött. Em Joahr aiti'ehnhon-getdre'ionnüngzeg alt es döse Bahn engewe'iht woaren. Ussem verstorbenen I'ehrenbörger Robät Büöker köffe se en i'eschter Linnege verdanken. Nöüschiereg on gespannt hären de Remscheder op denn Dag gewatt, an demm die Bahn de i'eschte Kiehr fahren suol. Förr dösen Dag hären äwwer derr Siebens Ernst on derr Pi'etersch Hermann, genuomt Rassa, ut derr Bismarckstroten, enn netten Spaß utgeheckt. Enn gruoten Bollerwagen met derr Spurwidden vannen Strotenbahnschienen onnen schwoar Meiere'iklocke hären se opgedri'ewen on an de Hengerreder van demm Wagen enn Paar düchtege hüöltern Bremsklötze aangebrait. Met dösem Bollerwagen trocken die twei Piffeküsse am Ewe'ihengsdag derr Bahn alt morges früö öm uhroffsässe bis noa derr Kerken am Matte erop, mackden do kehrt on lootsden enn met denn Redern en de Schienenrellen eren. Dann stault sech der eng, ennen Wagen an de Lenkstang, li'et dat Gefährt langsam bergeraff luopen on beiernden dobie äs kusendoll met derr Schellen; derr anger satt sedi hengen obben Wagen on trock de Bremsklötze aan, dat et märr su buolernden, rappelnden on krietschden.
Van dösem Randalen, Fusen on Kraki'elen wuoden die noch en ehren vi'eti'ehn Eelen van Respels on Gereffeis süöt drüömenden Aanwohner derr Bismarckstrolen allbini'en wackereg. Sie glauten äwwer, derr i'eschte Strotenbahnwagen köm alt aangefahren on sprongen ut ehren Laken, Pölwen, Kössen on Kösti'eken op annet Fenster. Do goof et förr die twei löstegen Fröng dann üöwerall enn netten Aanbleck: Keäls bowenher em Hemden, Fraulütt on aul Wiewer em Naitsjack on met er Naitsmotschen öm de Uohren, jong staatse We'iter äs de Lorelei met opgelüöstem langem göülem on schwattem Hoar, mollegen bläcken Armen on spetzenömrahmden, alabasterwitten on prallen rongen Böäschten on Blagenpörke on -puten en Naitski'edelen. Su gong dat aan vam Zuckerbäcker Melchersch reits on louts vörrbie bim Hesse, Dannenberg, Kremersch Ernst, Duisbergs udder Pöppkes Weilern, Caasmanns Hermann, Rödersch Ernst an derr „Trennen", Kammerecker, Herbener, Hasencli'ewersch Ougust udder Papageno on su wieder bis ongen noa derr Quatschen bim Angermongks Kamesölschen, Leyersch Kaal on Ki'esersch Ernst, demm Kruonenwi'et. Su es aiti'ehnhong.etdre'ionnüngzeg de Eröffneng derr weiltberühmden Remscheder Strotenbahn vörr sech gegangen, on wecker do en aller Herrgottsfrüöh denn Bohei vam Siebens Ernst on Pi'etersch Rassa meterleeft heet, hätt düchteg dorüöwer on üöwer sienen i'egenen Refall gelacht. (nach: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)

Pressemitteilung der Stadt Remscheid
Mit seiner Eröffnung im Jahr 1912 ist das Freibad Eschbachtal heute das älteste Binnenfreibad in Deutschland – und damals wie heute ein Erholungsbad für die ganze Familie. Das wird in diesem Jahr natürlich gebührend gefeiert – und zwar mit verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen, die Badegäste während der anstehenden Saison 2012 erleben können. Doch bevor alle Freibadbegeisterten eine Ausstellung im Freibad, monatliches Open-Air-Kino, Saunieren in einer mobilen Fasssauna und Dämmerschwimmen bei Kerzenschein erleben können, soll dem Freibad Eschbachteil ein „historisches Gesicht“ gegeben werden – und zwar mit Ihrer Hilfe! Gehören Sie auch zu denjenigen, die das Freibad schon in der Kindheit besuchten? Haben Sie alte Erinnerungen an ihre Badbesuche, die sie in eine kleine Geschichte oder ein gemaltes Bild „verpacken“ möchten? Schlummern in Ihren Fotokisten frühe Aufnahmen aus dem Freibad, alte Zeitungsausschnitte oder Postkarten? Aber auch: Haben Sie Historisches von A bis Z zum Thema „Baden“ aufgehoben – zum Beispiel alte Badebekleidung? Dann beteiligen Sie sich an unserem Wettbewerb und schicken Sie Ihre Beiträge und alten Schätze bis zum 15. April an den Förderverein Eschbachtal e.V., Stefan Grote, Auf'm Heidchen 21, 42855 Remscheid. Unter allen Einsendungen verlosen wir einen Gutschein des Yoga-Werks in Remscheid (http://www.yoga-werk.de) im Wert von 150 Euro und eine Suncard des Sunshine Sonnenstudior Remscheid, Alleestr. 93,im Wert von 100 Euro. Alle Einsendungen werden von einer Jury bewertet. Der gelungenste Beitrag wird mit einem Einkaufgutschein im Wert von 200 Euro von der Remscheider Firma Intersport Croll (http://www.intersport.de/) prämiert.
Eine Auswahl der schönsten Einsendungen wird später ausgestellt, um die Geschichte unseres Freibades mit vielen persönlichen Beiträgen erlebbar zu machen. Vielleicht ist auch Ihre Geschichte dabei? Mitmachen lohnt sich also doppelt! Kontakt und Informationen bei:
von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)
Der geschäftliche Aufschwung, der in Remscheid nach Eröffnung der Eisenbahn Rittershausen–Remscheid am 1. September 1868 stattfand, lässt sich auch im Brennereigeschäft unschwer erkennen. Der Betrieb wurde so groß, dass die Verfütterung der gesamten Schlempe im eigenen Betrieb nicht mehr möglich war, besonders nachdem im Jahre 1869 Gustav F. aus dem Geschäfte ausgeschieden war und Hermann F. alleiniger Inhaber blieb. Da sich andererseits auch die Gelegenheit bot, so wurde 1869/70 mit dem Verkauf der Schlempe der Anfang gemacht. Die ersten Abnehmer waren von Hohenhagen. Nach der Übergangszeit von einigen Jahren war die Nachfrage recht stark. Bei der Mästung des Viehes verschlechterten sich dagegen die Verhältnisse stets. Der Viehstand wurde deshalb verringert und gegen das Jahr 1876 ganz abgeschafft. Seit der Zeit ist denn auch, mit der vorübergehenden Ausnahme in den Jahren 1877 und 1879, Vieh nicht mehr gehalten worden. (…)
Das Größerwerden des Brennereigeschäftes brachte es mit, dass im Jahre 1880 baulich eine größere Veränderung vorgenommen wurde. Die vorhandene Dampfmaschine, welche bis dahin im östlichen Anbau der Brennerei mit den Dampfkesseln untergebracht war, wurde verkauft, und es wurde eine neue in den nicht mehr benutzten Viehstall gelegt. Zugleich auch die bis dahin in der Brennerei selbst befindliche Schrotmühle. Auch wurden noch eine Anzahl Gahrbottiche in einem Theil des Viehstalles untergebracht. In den so freiwerdenden östlichen Anbau wurden die Destillierblasen gestellt.
Auch in den Arbeiterverhältnissen fanden mit der Zeit tiefgreifenden Veränderungen Platz. Während bis 1870 fast sämtliche Gehülfen mit in Kost und Logis waren und dabei wöchentlich von 1850 bis 1860 etwa 25 Silbergroschen, von 1860 bis 1865 etwa 1 Thaler bis 1 Thaler 10 Silbergroschen, von 1865 bis 1870 etwa 1 Thaler 20 Silbergroschen bis 2 Thaler verdienten und es zu den Seltenheiten gehörte, wenn ein Arbeiter anderwärts sich beköstigte, findet nach dieser Zeit ein völliger Umschwung statt. Im Jahre 1880 wurde kein einziger der Arbeiter mehr beköstigt. Das Verdienst stieg dabei von wöchentlich etwa 15 Mark im Jahre 1870 auf etwa 18 bis 20 Mark im Jahre 1880 und etwa 22 bis 24 Mark im Jahre 1897.

Die Kronenstraße am Remscheider Markt um 1900. Später nannte man sie Johanniterstraße. Das höhere Haus im Hintergrund wurde um 1890 erbaut: Der „große, vornehme Spiegelsaal" im „Salamander" ist alten Remscheidern noch in Erinnerung. (Foto links). Foto rechts: Die bekannte Gaststätte von Philipp Arntz, genannt „Arntz Libbes", an der Kronenstraße, ebenfalls um 1900.
Joseph Brüssermann und Adolf Schulte - Feinkostgeschäfte für jede Konfession! Niemand hätte bessere Eingangspforten für diese lebendige Straße finden können. In der Kronenstraße hatten sich alle Bauweisen ein Denkmal gesetzt, und trotzig behauptet selbst der kleinste beschieferte Geselle mit nur drei Fensteraugen zur Straße und einer altbergischen Tür seinen Platz an der Sonne neben dem großen, vieläugigen Bruder. Kronenstraße! Ein- und Ausfalltor zum alten Markt! Deine besten, gemütvollsten Erinnerungen hast du unter Trümmern begraben. Später dann Johanniterstraße. Wandlungen der Namengebung! Es ist verständlich, dass man den ehemaligen Herren und Schutzpatronen der alten Kirche ein ehrenvolles Andenken sichern wollte.
Gute Quellen können versiegen, doch die Erinnerungen an sie bleiben wach. Ob Kronen- oder Johanniterstraße, zu ihnen gehörte damals Philipp Arntz, sagen wir besser „Arntz Libbes". Die Parade seiner Fenster lud unumgänglich zu köstlichem Mittags- und Abendtrunk und ausgedehntem Skat ein. Wohl mancher konnte den „Dreh" nicht finden (das liegt wohl in dem Charakter der „Umgehungsstraße"). „Arntz Libbes" wird unvergesslich in der Erinnerung gemütlicher Männerrunden fortleben. Betrübte und ärgerliche Hausfrauen, heute hochbetagt, werden längst ihren Groll gegen „Libbes" und seine Dauergäste begraben haben.
Da lobt der Abstinenzler das Gegenteil und Gegenüber, „Hansa-Cafe" Ernst Kierdorf, Gaststätte für alkoholfreie Getränke. Hier ging es zweifellos ruhiger zu, ob aber auch fröhlicher? Im Bilde ist „Hansa" kaum zu sehen. Dagegen stellt sich breit und behäbig das gepflegte Bürgerhaus von Ernst Gottlieb Hasenclever, Stahlgroßhandlung, in den Vordergrund. Querstehend im Hintergrund die einstige Wirtschaft von Aßmann, zuletzt Graveur Hermann Gastav Rasch.
Die Spaziergänger des jungen 20. Jahrhunderts kommen im Sonntagsstaat jedem Remscheider Wetter entgegen. Neben dem Vater mit „stiewem Huot" stolziert der Knirps mit Marinejacke, Strohhut und Regenschirm, und es ist kein Bürgersteig so schmal, als dass man nicht zu dreien in kleiner Gesellschaft unter großen, blumenüberladenen Sommerhüten ein Schwätzchen halten könnte. (nach: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)
Von Dana Stanglmaier aus Mexiko
Vor einem Jahr, als ich von Amerika nach Deutschland zog, wollte ich gerne mein gewohntes Leben weiterführen. Ich wollte einen Deutschkurs besuchen, am Gottesdienst teilnehmen oder einfach eine Busfahrkarte kaufen können. Aber ich konnte diese Dinge nicht alleine erledigen, denn ich sprach zu diesem Zeitpunkt nicht ein einziges Wort Deutsch. Ich stellte fest: es gibt keine lokalen Internetseiten und keine Informationsblätter oder Schriften zu Angeboten im Bergischen Land in anderen Sprachen. Ein paar mal wagte ich es, an öffentlichen Ereignissen teilzunehmen, wo offensichtlich auch andere Migranten dabei waren, aber die Vortragenden schienen unsere Präsenz zu übersehen.
Egal ob VHS Oberbergischer Kreis, VHS Bergisch Land, VHS Bergisch Gladbach, VHS Remscheid: die publizierten Informationen über Sprachkursangebote sind ausschließlich in Deutsch. Vor einem Jahr war das für mich so nützlich wie Informationen auf Chinesisch. Ich konnte gar nichts verstehen. Ich wollte begierig Deutsch lernen und suchte Informationen über wie, wann und wo. Aber ich hätte zuerst Deutsch lesen können müssen, so dass ich mich über die vielen vorhandenen Kurse hätte informieren können. Wie entmutigend!
Ich hatte auch eine frustrierende Erfahrung, als ich einen passenden fremdsprachigen Gottesdienst suchte. Es gibt keine Informationen in anderen Sprachen, nicht mal in St. Bonaventura, wo eine Messe auf Spanisch angeboten wird. Ich hätte zunächst auf Deutsch lesen und verstehen können müssen, damit ich gewusst hätte, dass ich einen Gottesdienst in meiner Muttersprache besuchen könnte. Ich verstehe, dass es ein nicht unerheblicher Aufwand ist, der zudem Kosten verursacht, wenn z.B. Websites auf unterschiedlichen Sprachen erstellt werden. Trotzdem brauchte ich am Anfang meines Aufenthaltes in Deutschland mindestens Informationen über die Ansprechpartner in meiner Muttersprache. Ich bin sicher, dass es sinnvoll wäre, für viele neue Migranten und künftige Migranten Informationen beispielsweise über das Angebot von Integrationskursen in verschiedenen Sprachen zu verbreiten.
Ich verstehe, es ist unmöglich, jeden Flyer in andere Sprachen zu übersetzen. Trotzdem denke ich, dass etwas - wie zusätzliche Überschriften auf Englisch - höhere Teilnehmerzahlen fördern würde. Vielleicht, statt einer vollständigen Übersetzung eines Flyers, würde es ausreichen darauf hin zu weisen, wo man Informationen auf anderen Sprachen erhalten kann – mindestens Informationen auf Englisch, die meist gelernte zweite Sprache der Welt.
Nach einem Jahr in Deutschland verstehe ich mittlerweile die allgemeinen Angaben auf einer Website oder einem Flyer auf Deutsch. Dennoch halten mich noch sprachliche Hindernisse auf meinem Weg zur Integration auf - selbst wenn ich mich mittlerweile vielfach willkommen fühle.
Vor ein paar Monaten war ich zu einer Besichtigung im Düsseldorfer Landtag eingeladen. Was für eine Gelegenheit! Am Tag unseres Besuches wurden eine Gruppe von 15 Migrantinnen und ich sehr freundlich empfangen. Alles war perfekt organisiert und der Koordinator hat uns das Gefühl gegeben willkommen zu sein. Trotzdem schien der Sprecher für fast zwei Stunden sich nur auf die anderen dreißig deutschen Besucher zu konzentrieren. Er verwendete sehr kompliziertes Deutsch und hat mit den deutschen Besuchern Wortspiele gemacht. Als sie alle lachten, sagte eine meiner ausländischen Kolleginnen: „Ich denke, wir sollen auch eigentlich lachen.“ Leider habe ich fast nichts vom Vortrag verstanden! Ich konnte mich lediglich auf die Schönheit des Gebäudes konzentrieren. Es schien wie ein Versehen, dass 15 interessierte Migranten nicht mehr aus diesem Ausflug lernen konnten.
Glücklicherweise habe ich die Mittel und den Antrieb, neben meiner Muttersprache Spanisch und neben Englisch, eine dritte Sprache zu erlernen. Ich bin entschlossen richtiges Deutsch zu lernen und ich bin sicher, dass ich irgendwann alles verstehen werde. Ich frage mich, wie das Leben vieler anderer Einwanderer funktioniert, die aus irgendeinem Grund Schwierigkeiten haben beim Erlernen der deutschen Sprache. Es ist bedauerlich festzustellen, dass die Bemühungen der deutschen Institutionen, Organisationen und Akteure sehr groß und gutherzig sind, leider oft aber nicht ihr Zielpublikum erreichen. (Nachdruck aus der 2. Ausgabe von „unKORREKT“, der Projektzeitung Caritas-Projekts „Migranten in der Medienarbeit“)
von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)
Gegen 1857 oder 1858 hatte sich das Brennereigeschäft derart gehoben, dass … sich der Anbau an dem Wohnhaus Nr. 15 als zu klein und die Keller des Hauses für die Zwecke der Brennerei völlig unzureichend waren. Es wurde deshalb der Neubau einer Brennerei und eines Viehstalles beschlossen und in den Jahren 1859 und 1860 ausgeführt. Der Bau wurde von vorn herein so umfangreich hergestellt, dass er noch heute (1898) dem außerordentlich gestiegenen Betriebe dient und auch genügt. Gleichzeitig wurde die Einrichtung für den Dampfbetrieb getroffen und diese Einrichtung mit der Dampfmaschine durch die Firma A.Wever & Co. in Barmen geliefert. War der Neubau der Brennerei in der ausgeführten Art und Weise für die damalige Zeit und Verhältnisse ein großes Unternehmen, so zeugte die Einführung des Dampfbetriebes von einer solchen Unternehmungsgröße, von der man sich heute, wo Dampfbetrieb so allgemein durchgeführt ist, kaum eine Vorstellung machen kann. Soviel sei hier nur noch bemerkt, dass in Remscheid damals nur eine einzige Dampfmaschine anderwärts angelegt war. (…)
Nach der Inbetriebnahme der neuen Brennerei im Jahre 1860 – die alte wurde 1860 abgebrochen – stellte es sich heraus, dass die Einführung des Dampfbetriebes ein sehr gewagtes Unternehmen war und dass mit dieser Neuerung vorerst noch die Erfahrung fehlte. Der gewonnene Branntwein war von so schlechter Qualität, dass ein erheblicher Rückgang im Geschäft beziehungsweise im Absatz nicht ausblieb. Erst nachdem bei der Rektifikation des Butters die direkte Zuführung des Dampfes beseitigt und man bei dem in Gebrauch genommenen aufrechtstehenden Pistorius´schen Brennaggregat die Backen außer Gebrauch gesetzt hatte, wurde wieder ein absatzfähiger Branntwein gewonnen. Der Rückschlag, den die ersten Jahre in der neuen Brennerei durch diese misslichen Verhältnisse dem Geschäfte gebracht, wurde erst allmählich wieder eingeholt. (…) Der Versand an Branntwein stieg von 445.000 Liter im Jahre 1877 auf über 700.000 Liter im 1897.
von Derya Takdim
Die erste Reise nach Deutschland begann im Zug. Sie kamen nach Deutschland, um Geld für einen Traktor zu verdienen. Sie haben Arbeit gefunden, Geld verdient. Doch sie konnten nicht einfach zurück in die Heimat, wo es keine Arbeitsplätze gab. Sie heirateten, bekamen Kinder und Enkelkinder. So wurde die Türkei zu unserer Vergangenheit. Deutschland wurde unsere Zukunft.
Ich denke nicht, dass die erste Generation Probleme mit der Integration hatte. Die Menschen konnten kaum deutsch sprechen. Sie mussten nur in Berufen arbeiten, die mit körperlicher Arbeit zu tun hatten. Wenig mit Sprache. Sie gaben viel von sich und wollten nicht viel zurück. Die Deutschen dachten, sie sind nur Besucher und sie werden wieder zurückkehren. Deswegen war der Spracherwerb – anders als heutzutage – keine Pflicht. So haben es uns die alten der ersten Generation erzählt: In den 70er Jahren kauften sie Autos. In den 80er Jahren kauften sie Wohnungen, die sie selber renovierten und reparierten. In den 90er Jahren begann die Ausländerfeindlichkeit. In den 2000er Jahren bekamen sie politische Rechte. Für uns sind die 2010er Jahre die Jahre der Hoffnung. So sollte es sein.
Jetzt sind die Jugendlichen selbstbewusster. Sie beherrschen die deutsche Sprache wie ihre Muttersprache und sehen Deutschland als ihre Heimat. Sie studieren oder sie arbeiten in ihren Berufen. Sie arbeiten hart. Für uns Nachgezogene, so denke ich, ist das größte Problem die Sprache. Um die deutsche Sprache wie unsere Muttersprache zu beherrschen, lesen wir viele Bücher und kommunizieren so oft es geht mit Deutschen. Die Türken leben in einigen bestimmten Stadtteilen zusammen. Ich finde, sie sollten mit Deutschen gemischt zusammen leben, um zusammen zu halten und um sich zu integrieren. Unsere Kultur ist sehr bunt und umfangreich. Wir Türken sind sehr warmherzig, gastfreundlich, respektvoll und humorvoll. Wie in allen Nationen auch, gibt es auch unter uns Türken hin und wieder Menschen, die nicht gut sind. Die Deutschen müssen uns nicht mögen. Aber wenigstens sollten sie uns respektieren, finde ich.
Wir können viel von den Deutschen lernen. Die Deutschen sind diszipliniert und pünktlich. Es gibt viele Deutsche, die ich sehr mag. Leute sollten sich nicht an Äußerlichkeiten aufhängen, wie an der Kopftuchfrage. Die Persönlichkeit eines Menschen und die inneren Werte zählen.
In sozialen und ökonomischen Bereichen haben Gastarbeiter viel beigetragen. In allen Berufen kann man einen von uns sehen. Wir bezahlen unsere Steuern. Ich denke, es sollte Jedem das Stimmrecht gegeben werden. Zumindest Jedem, der Steuern zahlt. Unabhängig von der deutschen Staatsangehörigkeit. Erst dann, denke ich, dass wir dem Volk angehören werden.
Nun, wo wir den 50. Jahrestag des Anwerbeabkommens begangen haben, ist es unfassbar, dass immer noch Fremdenfeindlichkeit herrscht. Acht Türken wurden in den vergangenen Jahren ermordet, ein Grieche und eine deutsche Polizistin. Wie kann man Menschen umbringen, die man gar nicht kennt? Was ist der Grund für diesen Hass? Wenn man nach fünfzig Jahren noch Probleme bei der Integration hat, trotz aller Mühe sich nicht wohl fühlt in dem Land, weil man immer noch als Ausländer betitelt wird, man Ängste hat wegen Anfeindungen… Dann tut das sehr weh. (Nachdruck aus der 2. Ausgabe von „unKORREKT“, der Projektzeitung Caritas-Projekts „Migranten in der Medienarbeit“)
von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)
Die Thätigkeit von Hermann Frantzen war von vorn herein auf die Ausdehnung des Brennereigeschäftes gerichtet. (…) Der Anfang … war nichts weniger wie aufmunternd. Ohne irgendwelches Renommé für sein Fabrikat, unbekannt mit der Kundschaft, bei den damaligen geringen Verkehrsverhältnissen wenig Bedarf, demgegenüber eine gut eingeführte Concurrenz, die jahrzehntelang die Kundschaft zur Zufriedenheit bedient hatte, war das Unternehmen ein mühevolles und nur durch jahrelange Ausdauer Erfolg versprechend. Wie oft hat er diese ersten Jahre nach der Militärdienstzeit geschildert als Jahre mühevollster Ausdauer, vergällt mitunter durch Verhöhnung seitens des Publikums in den Wirthschaften. Trotz aller dieser Schwierigkeiten war ihm jedoch im Laufe der Jahre ein Erfolg beschieden.
Durch sein Verhalten geachtet, durch sein zuvorkommendes Benehmen sich Freunde auch unter den Wiederkäufern erwerbend, stieg der Absatz von Jahr zu Jahr. (…)Die Folge davon war, dass sich der Wohlstand der Familie zusehends hob. Die von den Eltern übernommenen Hypothekenschulden konnten abgetragen werden, so dass schon im Jahre 1850 die Liegenheiten schuldenfrei waren. Nun war bei gleicher Thätigkeit wie bisher das Wachsen des Geschäfts eigentlich selbstverständlich. Begünstigt wurde dasselbe wesentlich durch die stete Steigerung des Geschäftsganges der Remscheider Industrie. Das Brennereigebäude wurde vergrößert und es wurde, um einen größeren Viehstand halten zu können, eine Reihe Liegenheiten angekauft: zu Kremenholl 10 Morgen, an der Kremenhollerstraße 7 bis 8 Morgen, an der Honsbergerstraße 7 bis 8 Morgen und gegenüber dem Wohnhause No. 15 jenseits der Straße bis zur Brüderstraße die ganze Grundfläche, so dass sich Anfang der sechziger Jahre über 50 Morgen zusammen waren. Die Bewirthschaftung dieser verhältnismäßig großen Fläche im Verein mit dem damaligen Viehstand von 30 bis 35 Stück, der noch umfangreichen Bäckerei und dem stetig wachsenden Brennereigeschäft hatte für die beiden Brüder eine umfangreiche Thätigkeit im Gefolge. Im Jahre 1857 wurde für die Schreibarbeit ein Buchhalter – Wiedenhoff – angestellt, für die Bäckerei ebenfalls ein selbständiger Gehülfe. Das Fuhrwerk wurde erheblich vermehrt, so dass Ende der fünfziger Jahre vier Pferde thätig waren, wovon zwei fast ausschließlich zur Herbeischaffung der Materialien – Roggen und Malz vom Rhein(Mülheim) und Kohlen von Schwelm oder Rittershausen – verwandt wurden. (aus der Chronik der Familie Frantzen von 1763-1906, aufgeschrieben von Carl Ferdinand Frantzen in den Jahren 1898 und 1899, 2011 übersetzt aus der Sütterlin-Schrift von Doris und Klaus Schmidt. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Destille Frantzen, Alte Freiheitstraße 24.)
von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)
Soviel Erfolg nun Hermann Frantzen einschließlich persönlicher Anerkennung in seiner geschäftlichen und öffentlichen Thätigkeit beschieden war, soviel Trübsal kam ihm in der Familie heim. Nicht als ob seine Heirat mit Marie Engels, Tochter von Gottlieb Engels zu Rath bei Remscheid nicht eine glückliche gewesen wäre. Im Gegentheil ist ihm seine Hausfrau eine treue Lebensgefährten gewesen, ohne deren Unterstützung ihm eine so umfangreiche geschäftliche und öffentliche Thätigkeit unmöglich gewesen wär. Mit der Aufopferung, zu der sie Vermögens ihrer starken Natur fähig war, galt bei ihr die Zufriedenheit ihres Mannes alles. Seine Wünsche wurden alle erfüllt, und sie selbst trat anspruchslos und bescheiden zurück. Dabei thätig und unverdrossen von früh bis spät trotz des großen Haushaltes noch geschäftlich den Eheherrn nach Möglichkeit unterstützend. Aber das Glück, Kinder heranwachsen zu sehen, war ihnen nicht beschieden. Von zehn Kindern starben neun theils im ersten Kindesalter, theils nach jahrelangem Siechthum. Zwanzig lange Jahre, von 1855 bis 1875, sind so in aufopferndster Pflege der ihrigen vergangen. Jahre schmerzlichster Arbeit und bitteren Herzeleids. Kein Wunder, dass nach dem Heimgang des letzten, jüngsten vierjährigen Töchterchens, meiner Schwester Hermine, am 13. Dezember 1875, das an Diphterie innerhalb zwei Tagen starb, für die Mutter eine Freude zum Leben nicht mehr so recht aufkommen wollte. Nur in der Arbeit fand sie noch Befriedigung, bis sie im Jahre 1890 … in das Haus Nr. 14 übersiedelte. 1892 wurde die Mutter krank, erst anscheinend nicht besonders schlimm, ist aber dann nach vierjährigem Siechthum, zuletzt theils gelähmt, am 4. Febr. 1896, im Alter von 68 Jahren und drei Tagen sanft entschlummert.
von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)
Hermann Frantzen, der jüngste der Söhne Johann Ferdinands, geboren am 23. August 1823, … war bis in sein Alter mit dem übernommenen Branntweinbrennereigeschäft so eng verwachsen, dass seine Geschichte zugleich eine Geschichte des Geschäftes darstellt. Er besuchte die Stachelhauser Elementarschule, die damals mit einem Lehrer besetzt war. Der Schulbesuch mag zu jener Zeit noch nicht besonders regelmäßig gewesen sein und ließ in Bezug auf Gründlichkeit vielleicht auch zu wünschen übrig. Eine höhere Ausbildung, wie seinem Vater, wurde ihm nicht zu Theil. Die Lücken seiner Schulbildung suchte er später durch Selbststudium noch bis in sein Alter auszufüllen und hatte zu dem Ende eine umfangreiche Bücherei nach und nach angekauft. Die damaligen misslichen Verhältnisse der Familie werden wohl die Schuld getragen haben, dass den jüngeren Söhnen keine bessere Bildung geworden ist. Bei Hermann F. scheinen diese misslichen Verhältnisse auf das kindliche Gemüth einen tiefen Eindruck gemacht zu haben, der für sein späteres Schaffen von nachhaltigem Einfluss gewesen ist.
Noch nicht aus der Schule entlassen, verlor er die Mutter und nach ein paar Jahren häuslicher Thätigkeit den Vater. Bei der Thätigkeit zu Hause, nachdem er die Schule verlassen, wurde er nicht geschont, so dass seine Einberufung zum Militär für ihn körperlich ein Vortheil war. Auch in anderer Beziehung waren die Soldatenjahre für ihn von großer Bedeutung. Er lernte mit Menschen umzugehen. Sein reges Interesse für alles, besonders von vaterländischer Bedeutung, ließ ihn die gebotene Gelegenheit nicht versäumen, sich in dieser Beziehung zu unterrichten. Als Sohn vom Lande und aus den erst seit 28 Jahren zu Preußen gehörenden westlichen Provinzen, in denen die Sympathien für Preußen damals noch sehr gering waren, war er in Berlin in eine ganz andere Welt versetzt. Er lernte sie verstehen und sein später preußischer, selbst in der Confliktszeit von 1862/6 sich nie verleugnender Patriotismus, war eine Folge seiner Militärdienstzeit in Berlin. „Mit wenig Mittel viel leisten“, hatte er als Soldat kennen und später schätzen gelernt und in seinem späteren Leben danach gehandelt.
von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)
Nachdem die Kinder herangewachsen waren, namentlich des zweitältesten Sohnes Karl, wurde der Betrieb der Brennerei im Jahre 1838 wieder aufgenommen. Mittlerweile werden auch die finanziellen Schwierigkeiten insofern etwas gemildert worden sein, als die Einnahmen aus Bäckerei und Wirthschaft die Verzinsung der hypothekarischen Eintragungen gestatteten. Nicht leicht wird es allerdings auch jetzt noch gewesen sein, das zum Anfange wieder nöthige Kapital zu beschaffen, da Ehefrau Anna-Magdalene der … Sache nicht sympathisch gegenüber stand, vielmehr ihrem Bedauern über die Wiederaufnahme des Branntweinbrennereibetriebes oft und lebhaften Ausdruck gab. Zur gleichen Zeit wurde Haus No. 14 gebaut - vorab aber nur einstöckig. Für den ältesten Sohn Eduard musste als Beitel- und Hobeleisenschmied eine Werkstätte hergerichtet werden. … Im Übrigen wurde das Haus vermietet. Die Verhältnisse schienen sich so für die Familie besser zu gestalten. Die Aussichten in die Zukunft waren wenigstens nicht ungünstig. Da starb 1836 am 7. September Anna Magdalene, noch nicht 51 Jahre alt. Für Joh. Ferdinand und seine Kinder war das ein schwerer Verlust. Die Kinder, besonders die Mädchen, waren noch nicht erwachsen. Die wesentlichste Stütze des Hausherrn Johann Ferdinands war damit gefallen.
Johann Ferdinand Frantzen war ein vielseitig unternehmender Mann. Der Ankauf der Grundstücke „auf den Sümpfen“ zu einem umfangreichen Haus- und Hofraum, der Neubau des Wohnhauses No. 15, der Anfang einer Branntweinbrennerei zeugten von einem für seine Zeit großen Unternehmungsgeist. Die Zeit- und Verkehrsverhältnisse waren dagegen seinen Unternehmungen nicht immer günstig. Der Neubau des Hauses No. 15 und die Eröffnung einer Schenkwirthschaft darin war nach Beendigung der Freiheitskriege vielleicht angebracht, da in jener Zeit ein Bedürfnis zu gegenseitigem Aussprechen vorhanden war und die Wirtschaft das förderte, nebenbei nicht zum Nachtheil des Inhabers. Andererseits war das Baujahr ein außerordentlich schweres, und dann ist der für die nächsten Jahre unerwartete geschäftliche Aufschwung auch wohl nicht in der gewünschten Weise eingetreten. Bäckerei, Schenkwirthschaft und die mäßig betriebene Landwirtschaft hielten die Familie über Wasser. Die Brennerei dagegen wird in der ersten Zeit wohl mehr Schaden als Nutzen gebracht haben. (…)
Was Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938) über seine Familie und die damaligen Verhältnisse in Remscheid aufgeschrieben hat, veröffentlicht der Waterbölles derzeit in zwölf Folgen. Auch das Stadtarchiv erhält die von Dr. Rainer Frantzen bebilderte Familienchronik in Form einer DVD. Gut so. Denn die Kornbrennerei an der Alten Freiheitstraße gehört zur Geschichte dieser Stadt. Ebenso wie die vielen Mundartdichter, die Remscheid hervorgebracht hat. Einer davon war Fritz Knäpper; er hatte über viele Jahre im „Tüpitter“ (jüngere Remscheider werden den Spitznamen des RGA vielleicht gar nicht mehr kennen) eine wöchentliche Kolumne, meist in Form eines Kurzgedichtes auf Remscheider Platt.
Gut, dass auch die schriftlichen Nachlässe von Walter von den Steinen, Fritz Knäpper und Anna Dicke inzwischen im Stadtarchiv gelandet und dort von interessierten Heimatfreunden einsehbar sind. Vor einigen Tagen hat der Arbeitskreis der Freunde und Förderer Remscheider Mundart e. V. („Die Plattkaller“) die schriftlichen Nachlässe dort abgegeben, die ihm die Erben schon vor geraumer Zeit zur Verfügung gestellt hatten. Im Juni 2011 hatten die „Plattkaller“ in der Denkerschmette ihren 150. Stammtisch. Und ich wünsche Ihnen, dass diese heimatkundliche Runde noch lange regen Zulauf hat. Wenngleich zu befürchten ist, dass die Remscheider Mundart mit der Zeit aussterben wird. Es sei denn, sie wird nicht nur in der Denkerschmette, sondern auch von anderen Vereinen und Institutionen wach gehalten.
Der Waterbölles könnte dazu beitragen. Indem er in regelmäßigen Abständen Texte auf Remscheider Platt veröffentlicht. Beispielsweise von Fritz Knäpper. Im Gegensatz zu Dr. Rainer Frantzen ist der Arbeitskreis der Freunde und Förderer Remscheider Mundart e. V. jedoch nicht auf die Idee gekommen, dass sich das Internet (und damit auch der Remscheider Forum „Waterbölles“) in einem entscheidenden Punkt von Printmedien unterscheidet: Was einmal im Internet veröffentlicht wurde, bleibt dort jederzeit nachlesbar. Dafür sorgen Suchmaschinen wie Google (der Waterbölles hat darüber hinaus eine eigene Suchfunktion.) Denkbar wäre also der Aufbau eines Mundart-Archivs für Remscheid, von allen Bürgern dieser Stadt, die einen Internet-Anschluss besitzen, jederzeit nutzbar. Binnen weniger Minuten – und ohne erst das Stadtarchiv auf dem Hasten aufsuchen zu müssen.
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Der Waterbölles existiert seit dem 19. Januar 2006. Bis heute erschienen darin 10.710 Artikel und 10.318 Kommentare.
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Das Angebot des Waterbölles an die „Plattkaller“ steht! Ebenso wie das an Dr. Urs Diederichs, den Leiter des Historischen Zentrums, und seinen Stellvertreter Ulrich Hortz. Dieses Angebot (zur Verröffentlichung von Texten zur Remscheider Stadt- und Industriegeschichte) ist nun schon einige Jahre alt. Aufgegriffen haben die beiden Kenner der Remscheider Geschichte es bis heute leider nicht. Sie scheinen vielbeschäftigt zu sein.
von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)
Nach der am 1. Mai 1811 erfolgten Übertragung des Geschäftes auf ihren Sohn Johann Ferdinand scheinen die Eheleute Joh. Löther noch bis Anfang des Jahres 1816 gelebt zu haben. (…) Die vom Vater übernommene Zirkelschmiederei scheint der Sohn nach einigen Jahren aufgegeben zu haben. Im Jahre 1816 legte er durch den Ankauf des sogenannten Haggelschen Hauses (jetzt Haus Nr. 13 an der alten Freiheitstrasse) den Grund zu unserem jetzigen Besitzthum an der alten Freiheitstrasse. (…) Im Jahre 1817 wurde auf den von Ehlis und Haggel erworbenen Grundstücken ein neues Wohnhaus, das jetzt an der alten Freiheitsstraße gelegene und mit No. 15 bezeichnete Haus, erbaut. (…) eine schwere Zeit für die Ehefrau Johann Ferdinands. In jener Zeit wurden die Neubauten meist im Tagelohn gemacht, bei welchem die Handwerker in Kost der Bauherrn waren. Dadurch wurde dem Haushalt eine ganz gewaltige Mehrleistung an Arbeit aufgebürdet. Jahre nachher hat dann auch Frau Anna Magdalene jenes Jahr als für sie ein recht schweres und arbeitsreiches erklärt, das umso schwerer war, als die Kinder noch klein waren und noch viel Arbeit erforderten. Nach Fertigstellung des Hauses fing Joh. Ferdinand eine Schenkwirtschaft an. Eine Quelle guter Einnahmen, die neben der Bäckerei nicht wenig dazu beitrug, dass die durch den Neubau übernommene Schuldenlast die Familie nicht untergehen ließ.
Damals war die Umgebung des Hauses No. 15 noch eine recht einsame. Nach dem Markte zu war die ganze Blumenstraße herauf, abgesehen von dem Nachbar Busch´schen Hause, bis kurz vor ihrer Einmündung in die Kronenstraße noch nicht ausgebaut. Auch die Freiheitstraße bis zur Einmündung in die jetzige Bismarckstraße war von Wohnhäusern noch völlig leer. Sie war überhaupt ein mit hohen Hecken eingefasster Hohlweg, über den ein Verkehr kaum möglich war, weshalb bis zu ihrer Verbreiterung und Niederlegung der Hecken im Jahre 1848 der Verkehr nach dem Birgderkamp (der jetzigen unteren Bismarckstraße) größtenteils über den Markt ging. Nach Westen, also nach der Schüttendelle hin, war der die alte Freiheitstrasse abtrennende Theil der Freiheitstrasse noch nicht vorhanden (erst im Jahre 1869 gebaut), und die ersten Ansiedelungen, abgesehen von dem jetzigen Hause No. 13, (lagen) bei dem Hofe Bruch. Die nächste Nachbarschaft war das damalige Preyershäuschen, an der Stelle gelegen, wo jetzt … die Brüderstraße mündet. Das neue Wohnhaus bildete annähernd die Mitte zwischen Groß- und Kleinstachelhausen (letzteres an der jetzigen Treppenstraße gelegen) wurde aber zum ersteren gerechnet.
von Carl Ferdinand Frantzen (1856 - 1938)
Nach dem Hinscheiden meines Vaters, am 17. Februar 1897, habe ich mein Vorhaben, das Wenige, was über unsere Familie durch mündliche Überlieferung noch bekannt ist und welche Kenntnis der Verstorbene mit der größten Pietät pflegte und erweiterte, schriftlich festzuhalten, nicht mehr länger aufschieben können, wollte ich nicht befürchten, dass diese mündlichen Überlieferungen gänzlich verloren gingen.
Als Stammhalter unserer Familie tritt gegen Mitte des achtzehnten Jahrhunderts Johann Löther Frantzen auf. In jener Zeit war das bergische Land ein beliebter Ansiedelungsplatz der Einwohner aus den Nachbargebieten, besonders aber aus der Mark, den jetzigen Kreisen Schwelm und Hagen (dem sogenannten Preußischen). Im Gegensatz zu diesen Gebieten waren die Abgaben, welche die Einwohner des Herzogthums Berg zu tragen hatten, äußerst gering. Die Obrigkeit war in Düsseldorf, das Gericht in Hückeswagen (Bornefeld). Beamtenqualität hatte nur der Pastor. In der letzten Hälfte des ausgehenden Jahrhunderts scheint überhaupt eine gute Zeit für Remscheid gewesen zu sein. Die Remscheider Waren gingen meist nach Frankreich. Das dahin betriebene Geschäft war lohnend und brachte der Kaufmannschaft reichlichen Gewinn. So wird denn auch Johann Löther durch den guten Geschäftsgang bewogen worden sein, seinen Wohnsitz nach Remscheid zu verlegen. Vielleicht stand er schon bis dahin in geschäftlicher Beziehung nach hier, da ja die Remscheider Kaufleute, besonders damals in der Mark, seiner Heimat, viele Eisenwaren bestellen ließen. Die Zirkelschmiederei hat er dann auch, nachdem er sich hier angesiedelt, fortgesetzt, mündlicher Überlieferung nach unter Beihilfe von Gesellen und Lehrlingen. Durch seine Verheirathung mit Elisabeth Busch war er aber zugleich Miteigenthümer des sogenannten Stachelhauser Erbgutes und als solcher im Nebengeschäft Ackerer oder Landwirth geworden. Nicht unmöglich ist ja auch, dass gerade seine Verheiratung Hauptursache für ihn gewesen ist, die Mark zu verlassen und sich hier anzusiedeln.
Das Stachelhauser Erbgut war zu damaliger Zeit noch immer ein wertvoller Besitz, obgleich nach mündlicher Überlieferung sein Umfang bei der Theilung von 1763, beziehungsweise 1788 lange nicht mehr so groß war, wie eben 100 Jahre früher. Das Gut soll durch eine französische Emigrantenfamilie – de Groote – die ihr Vaterland ihres protestantischen Glaubens wegen verließ, bewirtschaftet und das darauf befindliche sehr umfangreiche Wohnhaus angelegt worden sein. Das letztere auf der Stelle des jetzt Alexanderstraße 13 gelegenen Hauses befindlich, war im Viereck um einen geräumigen Hof angelegt, ist jedoch im Jahre 1824 durch einen starken Sturmes zusammengestürzt. Die umliegenden, zwischen Alexanderstraße und Honsbergerstraße, von deren Gabelung an ersterer entlang bis etwas über die Kremenhollerstraße, an letzte, war bis kurz vor Honsberg, sowie die südlich der Honsbergerstraße bis zur Lohbacherstraße gelegenen Grundstücke, bildeten das kulturfähige Ackerland des Gutes. Hierzu kamen noch umfangreiche Waldparzellen am Stachelhauserberg und an dem Wege Lohbach-Ehringhausen gelegen. In früherer Zeit soll hierzu noch eine zusammenhängende Fläche von Grundstücken nördlich der Alexanderstraße und von dieser an bis zur Wiedenhofstraße gelegen, gehört haben.
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