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Ein Fehler kommt selten allein

Waterbölles-Kommentar

von Ulrike Kaiser*

„Vor Fehlern ist niemand sicher. Das Kunststück besteht darin, denselben Fehler nicht zweimal zu machen.“ Diese Erkenntnis des früheren britischen Premierministers Edward Heath sei einigen Remscheider Kommunalpolitikern ins Poesiealbum geschrieben, die sich mit Presserecht, Mediengesetzen und Ratssatzungen beschäftigen. Aber sich mit den beiden ersten Punkten offensichtlich nicht gut auskennen.

Auch wenn die CDU-Fraktion letztlich ihren Antrag zurückgezogen hat, nur „Pressevertreter(n), die nach den Bestimmungen des Landesmediengesetzes zugelassen worden sind“, künftig Bild- und Tonaufzeichnungen aus Ratssitzungen zu gestatten, fühlte sich Fraktionschef Jens Nettekoven bemüßigt, diesen sachlich völlig danebenliegenden Antrag (vgl. Kommentar) gestern im Haupt- und Finanzausschuss noch zu begründen. Und schließlich auch seine Motivation dafür zu benennen: Am liebsten wäre es ihm, wenn nur die örtlichen Zeitungen (rga und BM), Radio RSG und der WDR diese Erlaubnis erhielten. Nicht aber – das blieb von ihm unausgesprochen – der Waterbölles.

Ja, so hätten es manche Politiker gerne – sich wie in vordemokratischen Zeiten die genehmen Medien (und Journalisten) aussuchen zu können. Und die Arbeit anderer zu behindern. Dass ein CDU-Landtagsabgeordneter sich als Fraktionsvorsitzender für eine solche Argumentation hergibt, ist allerdings bemerkenswert. Nicht nur, dass er damit ein unterentwickeltes Verständnis von Pressefreiheit und Unkenntnis in Sachen Medienrecht (weitgehend Ländersache!) zur Schau stellt und zugleich dokumentiert, noch nicht im digitalen Medienzeitalter mit seinen (lokalen) Onlinediensten angekommen zu sein (derweil seine CDU-/FDP-Koalition sich die Förderung des Digitalen auf die Fahnen geschrieben hat). Er hätte mit seinem Antrag auch just das Gegenteil von dem erreicht, was er anscheinend beabsichtigt hatte. Denn wer sich ausschließlich aufs Landesmediengesetz bezieht, schließt gerade lokale Tageszeitungen und den WDR aus. Radio RSG und der waterboelles.de wären dagegen die Bevorzugten gewesen, weil sie als Lokalsender bzw. Telemedium zum Zuständigkeitsbereich des Landesmediengesetzes gehören.

Nur ein Drittel aller Lehramtskandidaten weiß, dass Journalisten zur Ausübung ihres Berufes keine Lizenz brauchen. Diesen Missstand kommentiert heute der Deutsche Journalisten-Verband und fordert mehr Unterricht in Sachen Medienkompetenz an Schulen und Hochschulen. Es gäbe auch noch andere Orte und Zielgruppen für entsprechende Nachhilfe. Auf dass dieselben Fehler nicht mehrfach gemacht werden.

*(Ulrike Kaiser ist Mitglied der Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW)

CDU zog Änderungsantrag zu Medien zurück

Ausgehend von Kritik des Waterbölles vor zwei Jahren an der bisherigen Geschäftsordnung des Rates der Stadt („...kennt keine digitalen Medien“) hat der Haupt- und Finanzausschuss gestern gegen die Stimmen der CDU dem Rat empfohlen, den Absatz 9.7 der Geschäftsordnung wie folgt zu ändern: „Pressevertreter, die beabsichtigen, während einer Sitzung Bild- und Tonaufzeichnungen zu machen, haben dies dem Oberbürgermeister vor der Sitzung anzuzeigen. Zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte der Anwesenden hat der Oberbürgermeister zu Beginn der Sitzung auf diese Absicht hinzuweisen und zu fragen, ob es hiergegen Einwände gibt. Sollten Einzelne sich hiergegen verwehren, haben die Pressevertreter dafür Sorge zu tragen, dass von diesen Personen keine Bild- und Tonaufzeichnungen aufgenommen werden. Der Rat kann durch Beschluss das Anfertigen der Bild- und Tonaufzeichnungen untersagen. Die Benutzung von Bild- und Tonaufzeichnungsgeräten durch andere als die in Satz 1 bezeichneten Personen ist grundsätzlich untersagt."

Zuvor war der Änderungsantrag der CDU kontrovers diskutiert worden, diesen Passus auf solche Pressevertreter zu beziehen, „die nach den Bestimmungen des Landesmediengesetzes zugelassen worden sind“. Dazu der SPD-Fraktionsvorsitzende Sven Wolf: „Der Änderungsantrag hat mich überrascht. Wir haben in Deutschland doch Pressefreiheit, und die ist ein besonderes Gut. Was soll der Antrag bezwecken?“ Antwort des CDU-Fraktionsvorsitzenden Jens Peter Nettekoven: Man wolle die Möglichkeit von Bild- und Tonaufzeichnungen auf die örtlichen Medien RGA, Bergische Morgenpost, WDR und Radio RSG beschränken. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz folgerte daraus: „Das schließt ein Medium, das hier im Saal vertreten ist, von dieser Möglichkeit der Berichterstattung aus“. Damit war der Waterbölles gemeint.

„Die Presse ist frei!“, fuhr der OB fort, und Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke ergänzte: „Es gibt in Deutschland keine gesetzliche Zulassungsbeschränkung für Journalisten!“ Und im Übrigen habe das von der CDU in ihrem Änderungsantrag ins Feld geführte Landesmediengesetz andere Aufgaben.

Nettekoven zog daraufhin den Änderungsantrag der CDU-Fraktion zurück.

Welches Gesetz lässt Journalisten zu?

Waterbölles-Kommentar

von Ulrike Kaiser*

Der Remscheider Rat will im Jahr 2017 in der neuen Medienlandschaft ankommen. Lange genug hat es mit der Satzungsänderung gedauert, die künftig den (lokalen) Medien auch Bild- und Tonaufzeichnungen in Ratssitzungen ermöglichen soll. Die Verwaltung hat dazu einen Beschlussentwurf vorgelegt, der die Belange der Medien (und damit den Informationsanspruch der Öffentlichkeit) ebenso berücksichtigt wie die Persönlichkeitsrechte der einzelnen Ratsmitglieder. Gut so.

Nun will die CDU-Fraktion wieder einen Schritt zurück. In Richtung alte Geschäftsordnung. Oder noch weiter zurück? Auf diese Frage kommt zwangsläufig jede/r Kundige im Presserecht ob der Formulierung des CDU-Änderungsantrages, die den berechtigten Personenkreis einschränkt auf „Pressevertreter, die nach den Bestimmungen des Landesmediengesetzes zugelassen worden sind …“.

Wie bitte? Zum Glück die Zeiten vorbei, in denen Gesetze bestimmen, wer als Pressevertreter zugelassen ist; es gibt keinerlei staatliche Institution, die Journalisten zulässt oder ablehnt. Unrühmliche Erfahrungen mit der Reichsschrifttumskammer und dem Schriftleitergesetz während der Nazi-Zeit haben unsere Väter und Mütter des Grundgesetzes dazu bewogen, den Staat aus der Definition dessen, wer Journalist/in ist und wer nicht, tunlichst herauszuhalten. Der Grundgesetzartikel 5 steht dafür und ist anerkanntermaßen als tragende Säule existenziell für die Demokratie.

Es gibt entsprechend in Deutschland kein Gesetz (und es darf keines geben), das Pressevertreter zulässt. Auch und erst recht nicht das Landesmediengesetz NRW. Das hat mit Presse oder ihren Vertretern ohnehin nichts zu tun (dafür gibt es ein Landespressegesetz). Das Landesmediengesetz ist zuständig „für die Veranstaltung und Verbreitung von Rundfunk und Telemedien in Nordrhein-Westfalen“, für privaten bzw. kommerziellen Rundfunk wohlgemerkt (für die öffentlich-rechtlichen Programme gelten WDR-Gesetz und Staatsverträge).

Was also will die CDU mit dieser sachlich falschen Änderung bezwecken? Wenn es darum geht, dass nicht jede/r Zuschauer/in aus dem Ratssaal Handy-Filme ins Internet stellt, dann reicht der Beschlussvorschlag der Verwaltung. Obwohl auch der mit der Bezeichnung „Pressevertreter“ zu kurz greift. „Medienvertreter“ wäre die passende Bezeichnung, die Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Fernsehen und (lokale) Online-Medien umfasst. Und dass es ganz nebenbei auch Medienvertreterinnen gibt, sei nur angemerkt. Wir wollen die Geschichte ja nicht zusätzlich komplizieren.

*(Ulrike Kaiser ist Mitglied der Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW)

Das Freibad, eine „tolle Konzert-Location“

Sie sind aus dem Kölner Karneval nicht mehr wegzudenken: Die Gruppe „Köbes Underground“. Am Samstag sorgte sie auf dem Gelände des Remscheider Freibads Eschbachtal für beste Stimmung. Auf rund 1000 schätzte Stefan Grote, der Vorsitzende des Fördervereins Freibad Eschbachtal, die Zahl der Besucher/innen. Und sicherlich wären es noch mehr gewesen, hätte es am Nachmittag keinen Regenschauer gegeben. Gleichwohl war das Konzert für den Veranstalter ein voller Erfolg, zumal das Sana-Klinikum Remscheid mit einem stattlichen Zuschuss für die finanzielle Absicherung gesorgt hatte. Der Förderverein denkt bereits über eine ähnliche Veranstaltung im kommenden Jahr nach. Mut machten ihm die Musiker von „Köbes Underground“: „Eine tolle Konzert-Location!“

Zwei neue Nahversorger eröffnen Anfang 2018

Ende des Leerstands: Grünes Licht für Einzelhandel“, titelte der Waterbölles am 5. März 2015. Es war nicht der erste Bericht über  die Bemühungen der Stadt Remscheid, den weiteren Verfall des ehemaligen Karstadt-/Hertie-Gebäudes zu verhindern und „den damit verbundenen Trading-Down-Effekt für den Gesamtbereich der Kölner Straße zu stoppen“ (Verwaltungsvorlage), und es blieb nicht der letzte. Damals hatten sich der Plan des Kölner Architektenbüro Fischer+Fischer und der Bocholter Ten Brinke Projektentwicklung GmbH (Investor) bereits verfestigt, in dem unter Denkmalschutz stehenden Kaufhaus HERTIE (vorm. Karstadt) in Lennep sowie einen neuen Anbau einen Vollsortimenter (Edeka) und einen Discounter (ALDI) unterzubringen. „Angepeilt: Anbau von ALDI und EDEKA in 14 Monaten“, hieß es am 7. September 2016. Und gestern nun kündigte Firmenchef Wim Ten Brinke die Eröffnung der beiden Nahversorger für Anfang 2018 an. Er tat dies im neuen Rohbau der beiden nebeneinander liegenden Läden. Dorthin hatte die Ten Brinke Gruppe Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, Bezirksbürgermeister Markus Kötter und Mitarbeiter der  Bau- und Denkmalschutzbehörde eingeladen, mit denen das Unternehmen in den vergangenen Monaten tut zusammengearbeitet habe, wie Ten Brinke betonte. Nach dem Abbruch der alten Parkpalette war mit der Entkernung und Sanierung des ehemaligen Kaufhauses Anfang dieses Jahres begonnen worden.

„Wir wollen, dass die Remscheiderinnen und Remscheider ihre Stadt als attraktiv und lebenswert empfinden“, sagte Oberbürgermeister Mast-Weisz. „Das Projekt an diesem Standort ist dazu ein wichtiger Baustein!“ Und Markus Kötter ergänzte: „Es werden wieder mehr Menschen hierherkommen, um ihre Einkäufe zu erledigen. Davon werden auch die weiteren Geschäfte an der Kölner Straße und der Lenneper Altstadt profitieren.“ Für die Aktaktivierung der Kölner Straße bestehe  seit sehr vielen Jahren erheblicher Handlungsbedarf, festzustellen „insbesondere an den hohen Lehrständen in diesem Bereich und am gesamten Erscheinungsbild dieser so wichtigen Straße für Lennep“. Aber auch die angrenzenden Gebiete müssten betrachtet werden. Kötters Bitte an die OB: „Unterstützen Sie mich bei diesem für Lennep so wichtigen Anliegen. Bringen Sie mit mir ein Integriertes Handlungskonzept auf den Weg!“

(Im Bild: Burkhard Mast-Weisz, Wim Ten Brinke und Markus Kötter.)

126.580 € für Projekte im Quartier Honsberg/Stachelhausen

Das Stadtumbau-Quartier Honsberg/Stachelhausen soll einen 18-köpfigen „Quartiersrat“ bekommen. Der Geschäftsordnung des neuen Gremiums stimmte die Bezirksvertretung At-Remscheid am Dienstag zu, ebenso der Einrichtung eines Verfügungsfonds „zur Aktivierung und Motivierung der Bewohner und Unterstützung von bürgerschaftlichen Projekten und Maßnahmen für eine Aufwertung und Belebung der Stadtteile Honsberg und Stachelhausen im Rahmen des Förderprogramms Stadtumbau West für die Jahre 2017 bis 2020“. 

Aufgabe des Quartiersrats, bestehend aus

  • fünf Delegierten der Bürgerinnen und Bürger (davon zwei unter 18 Jahre)
  • fünf Delegierten der sozialen und bildungsbezogenen Einrichtungen,
  • einem/er Delegierte/r der städtischen Einrichtungen, die soziale Arbeit im Quartier ausüben,
  • zwei Delegierten der kirchlichen Einrichtungen, die soziale Arbeit im Quartier ausüben,
  • zwei Delegierten der weltanschaulichen Einrichtungen und Wohlfahrtsverbände, die soziale Arbeit im Quartier ausüben
  • einem/er Delegierten der Kultur schaffenden Vereinigung
  • einem/er Delegierten der Stadtteilkonferenz Honsberg und
  • einem/er Delegierten des Bürgerkreises Stachelhausen,

soll es sein, die jährlich für den Fonds zur Verfügung stehenden Bundes- und Landesmittel (80 Prozent) zuzüglich des kommunalen Eigenanteils (20 Prozent) an die Akteure aus dem Viertel zu verteilen. Zusätzliche private Sponsorenmittel oder anderer privater Mittel zur Finanzierung der jeweiligen Maßnahme sind ausdrücklich erwünscht. Im Rahmen des Verfügungsfonds können jährlich bis zu fünf € pro Stadtteil-Bewohner beim Land beantragt und vor Ort eingesetzt werden. Für die Jahre 2017 bis 2020 ergibt sich daraus bei 4.162 Einwohnern in Honsberg und 2.167 in Stachelhausen einen Landeszuschuss von jährlich insgesamt 25.316 € zuzüglich 6.329 Euro von der Stadt Remscheid. Macht über die vier Jahre hinweg einen Machtbetrag von 126.580 € aus.

Das seit Anfang 2016 für das Quartier Honsberg / Stachelhausen tätige Stadtumbaumanagement, in der BV-Sitzung am Dienstag vertreten durch Nathalie Kirsch, hat angeregt, den Verfügungsfonds als ein „ hoheitliches Anreizinstrument für die kooperative Unterstützung der Städtebauförderprogramme“ nach den Richtlinien des Landes NRW  aufzulegen. Dies vor dem Hintergrund, dass es mit der neu in Honsberg angesiedelten Kulturwerkstatt „Ins Blaue“, den Trägern im Gemeinschaftshaus „Der Neue Lindenhof“, der Stadtteilkonferenz Honsberg, der Initiative Stachelhausen, dem Jugendzentrum „Kraftstation“ sowie weiteren aktiven Bewohnerinnen und Bewohnern im Quartier eine Vielzahl an Engagierten gibt, denen bislang ein Instrument bzw. Mittel fehlen, um ihre Projekte verwirklichen zu können. Ein Manko, dem der Verfügungsfonds abhelfen soll. Kirsch: „Ein bedeutsames strategisches Instrument, um bürgerschaftliches Engagement und Beteiligung zu aktivieren!“ Im Zusammenwirken mit städtebaulichen Maßnahmen könne das Image des Quartiers durch eine Vielzahl an unterschiedlichen Projekten von und für unterschiedliche Zielgruppen deutlich gewinnen. Diese (durchaus auch kleinteiligen) Projekte (und sei es auch nur eine neue Sitzbank im  öffentlichen Raum) müssen nicht nur einen inhaltlichen Bezug zum Stadtumbaugebiet besitzen, sondern von ihnen müssen auch möglichst viele Bewohner profitieren können.

Der Verfügungsfonds darf nicht die Regelförderung beziehungsweise Regelfinanzierung von Projekten ersetzen, sondern soll als "als Hilfe zur Serlbsthilfe" neue und zusätzliche Ideen realisieren, "die den Stadtteil nach vorne bringen und über das Projekt des Stadtumbaumanagements hinweg fortdauern" (Kirsch). Ein paar Beispiele:

  • Förderung des Zusammenlebens und des Engagements der Bewohner
  • Förderung der Eigenverantwortung und Identifikation
  • Stärkung des Stadtteilimages
  • Förderung der Vernetzung und Integration im Stadtteil
  • Belebung der Stadtteilkultur
  • Förderung des Miteinanders und des Engagements von Einzelpersonen, Gruppen/Vereinen und anderen Akteuren sowie der Kooperation untereinander.

"Experimente wagen bei Quartieren für Wohnen und Arbeit!"

Die die quasi über Nacht in Deutschland hereingebrochene Flüchtlingswelle aus Bürgerkriegs- und Armutsgebieten sei in den vergangenen zwei Jahren für die Wohnungswirtschaft in Deutschland eines der bestimmenden Themen gewesen, schreibt Hans-Jürgen Behrendt, der Vorstand der GEWAG Wohnungsaktiengesellschaft Remscheid im Vorwort zum Geschäftsbericht 2016. Der liegt zur Stunde in der ordentlichen Hauptversammlung der stadteigenen AG vor. Zwar könne man auch heute noch von Normalität in der Wohnungsversorgung nicht sprechen. Doch es habe sich „wieder einmal erwiesen, dass gerade kommunale Wohnungsunternehmen bereit waren, soziale Verantwortung zu übernehmen, sich stark zu engagieren und in kurzer Zeit auf die große Herausforderung einzustellen, um die Kommunen und anderen Akteure zu unterstützen“. Deshalb hätten zwischenzeitlich zahlreiche Flüchtlinge die Wohnunterkünfte verlassen und selbst eigenverantwortlich Wohnraum anmieten können.

„Durch die vielfältigen Diskussionen zur Bewältigung der gestiegenen Nachfrage am Wohnungsmarkt ist das Gut ‚Wohnung‘ verstärkt in den Fokus getreten“, heißt es im Vorwort von Behrendt weiter. Die Forderung nach konstanten Mieten zu bezahlbaren Preisen bei guter Qualität sei dabei immer lauter geworden. „Aber es geht nicht nur um Wohnraum, sondern auch um die funktionale Durchmischung.“ Das Leitbild der räumlichen Trennung von Funktionen sei veraltet, demzufolge auch die traditionellen Baugebietskategorien. „Die Menschen schätzen das Nebeneinander von Wohnen, Wirtschaft und Wohlfühlbereichen!“ Es sei deshalb notwendig, durch Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen mehr Gestaltungsmöglichkeiten zu schaffen, auch mit experimentellem Ansatz, um einzelne Gebäude oder ganze Quartiere neu entwickeln zu können, die den Bedürfnissen verschiedenster Wohn-, Arbeits- und Lebenskonzepte entsprechen. Nicht nur im Neubau, sondern gerade im Immobilienbestand seien „neue Wege vielseitiger, paralleler Nutzung“ angebracht, so der GEWAG-Vorstand.

„Mit einer Durchschnittsmiete in Höhe von 5,16 € je qm Wohn-/Nutzfläche bietet die Gesellschaft Wohnraum mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis“, teilt die GEWAG anlässlich der heutigen Hauptversammlung mit. „Wohnungen, die zum Schutz des Klimas, zur Schonung der Ressourcen und zur Reduzierung der Kosten für Heizenergie eine starke Wärmedämmung und neue Fenster haben, sind bereits deutlich unter sechs € je Quadratmeter Wohnfläche zu erhalten. Durch den nachträglichen Einbau von Aufzügen wurde der Bestand an barrierearmen Wohnungen in den letzten Jahren deutlich vergrößert. Bodenebene Duschen sowie helle Fliesen und pflegeleichte, moderne Bodenbeläge in den Wohnräumen gehören zu den Ausstattungsmerkmalen zahlreicher renovierter Wohnungen.“ Wo bei vereinzelten Haushalten finanzielle Engpässe zum wohnungswirtschaftlichen Alltag gehören, will die GEWAG mit ihrer vor zehn Jahren eingerichteten  gesellschaftseigene Mieter- und Mietschuldenberatung auch weiterhin dazu beitragen, dass durch Prävention und Unterstützung die endgültige Zahlungsunfähigkeit vermieden werden kann.

In bevorzugter und zentraler Lage (Struck) bot die Gesellschaft an der Auguststraße auf einer Fläche von rund 9.500 Quadratmetern Grundstücke für zweigeschossige Ein- und Zweifamilienhäuser an. „Wo sich ehemals Mehrfamilien-Geschosswohnungsbau befand, entstehen heute individuell geplante Gebäude, die sich in die seit Jahrzehnten gewachsene Umgebung einfügen. Seit dem Verkaufsstart im Jahr 2014 wurden 28 Grundstücke veräußert, davon 20 im Jahr 2016. Mittlerweile wurden auch die restlichen vier Parzellen veräußert“, heißt es in der Pressemitteilung der Wohnungsbaugesellschaft. Sie konnte das Geschäftsjahr 2016 mit einem gegenüber dem Vorjahr deutlich höheren Jahresüberschuss in Höhe von 3,3 Millionen € abschließen, im Wesentlichem bedingt durch den zusätzlichen Verkauf von Bestandsimmobilien mit Umsatzerlösen von insgesamt 33,4 Millionen €.

Die GEWAG Remscheid bewirtschaftete am 31.12.2016 insgesamt 6.252 eigene Wohnungen, 86 gewerbliche Einheiten und 1.911 Garagen bzw. Stellplätze mit einer Wohn-und Nutzfläche von 433.069 qm. Rund ein Viertel (1.484 Wohnungen) des Wohnungsbestandes ist preisgebunden.

Die Zahl der Kündigungen war im fünften Jahr rückläufig. Zu 95 Prozent wurden sie von Mietern ausgesprochen. Rund ein Drittel der Haushalte sind wegen eines Todesfalls, zukünftiger Heimunterkunft, Arbeitsplatzwechsel oder Immobilienkauf aufgelöst worden. Die Gesellschaft wird sich weiterhin als verantwortungsvoll handelnder Partner der Stadt den einkommensschwachen Haushalten widmen, damit sich diese am Markt angemessen mit Wohnraum versorgen können und damit die Stadtentwicklung durch soziales Wohnen gestärkt wird. Neben dem Neubau von Wohnungen und Sozialbauten wird das Unternehmen mit der Kombination aus Modernisierungs-, Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen den Substanzwert der Bestandsimmobilien optimieren und somit zum positiven Erscheinungsbild der Quartiere beitragen.

Trennung von Haltestellen und „Entree zur Innenstadt“

Mit der Nominierung von drei Preisträgern endete am Dienstag der Architektenwettbewerb zur Neugestaltung des Friedrich-Ebert-Platzes. Oder sollte man besser sagen „zur Umgestaltung des Zentralen Omnibus-Bahnhofs (ZOB)“, wie es in der gestrigen Pressekonferenz offiziell hieß? Der 1. Preis geht an die Arbeitsgemeinschaft Stefan Schmitz BDA Architekten und Stadtplaner, Köln zusammen mit Lill + Sparla Landschaftsarchitekten, Köln, und das BSV Büro für Stadt und Verkehrsplanung, Aachen. Die Jury lobte sowohl die in dem Entwurf gut funktionierenden verkehrlichen Strukturen des ZOB als auch dessen „stadträumliche Qualitäten“ als „Entree zur Innenstadt“. Ein geschwungenes Dach als Witterungsschutz für die Fahrgäste schafft eine optische Zäsur zwischen den Verkehrsflächen des Busbahnhofs (drei Fünftel des bisherigen Gesamtareals) und der Platzfläche, die den Fußgängern vorbehalten ist (zwei Fünftel) – zusammen mit dem neuen zweistöckigen, ovalen Betriebsgebäude der Verkehrsbetriebe (mit Gastronomie in Parterre). Gegenüber, an der Konrad-Adenauer-Straße, sind Stadtvillen geplant. Die Zufahrt für das Parkhaus an der Engelspassage soll künftig über die Wilhelm-Schuy-Straße erfolgen. Im Video von der gestrigen Pressekonferenz Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und Prof. Hartmut Welters von postwelters | partner sowie Stadtwerke-Chef Dr. Thomas Hoffmann und Bezirksbürgermeister Otto Mähler. Sie lobten den Entwurf.

Preis für neuen ZOB geht nach Köln und Aachen

Pressemitteilung des Architektenbüros postwelters | partner

Ein wichtiger Meilenstein zur Umgestaltung des Zentralen Omnibus-Bahnhofs (ZOB) auf dem Friedrich-Ebert-Platz in Remscheid ist erreicht: Der Sieger des Wettbewerbes (1. Preis) für die Umgestaltung der ZOB steht fest; es ist die Arbeitsgemeinschaft Stefan Schmitz BDA Architekten und Stadtplaner, Köln, zusammen mit Lill + Sparla Landschaftsarchitekten, Köln und das BSV Büro für Stadt und Verkehrsplanung, Aachen. Dies hat das Preisgericht in seiner Sitzung am gestrigen Dienstag nach intensiver Prüfung und Diskussion entschieden. In ihrer Begründung lobte die Jury unter Vorsitz von Prof. Andreas Fritzen sowohl die in dem Entwurf gut funktionierenden verkehrlichen Strukturen des ZOB als auch dessen stadträumliche Qualitäten. Das Preisgericht entschied gemäß der Auslobung drei Preise zu vergeben. Der erste Preisträger erhält ein Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro. Der zweite Preis mit einem Preisgeld von 16.000 Euro ging an die Arbeitsgemeinschaft Franz Reschke Landschaftsarchitektur mit Freie Planungsgruppe Berlin und Jan Derveaux | Rimpau & Bauer Architekten aus Berlin. Die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft Hummert Architekten, Pulheim mit wbp Landschaftsarchitekten, Bochum und SHP Ingenieure aus Hannover erhält für den dritten Preis 11.000 Euro. Der Wettbewerb war von der Stadt Remscheid in enger Kooperation mit den Stadtwerken Remscheid ausgelobt worden.

Die Vorprüfung der Arbeiten sowie die Organisation des Preisgerichts übernahm das Dortmunder Büro postwelters | partner mbB. Im Preisgericht waren, neben Herrn Oberbürgermeister Mast-Weisz auch sein (bisheriger) Stellvertreter Lothar Krebs sowie Otto Mähler als Bezirksbürgermeister und Rosemarie Stippekohl als seine Stellvertreterin. Zudem waren Vertreter der Stadtwerke Remscheid, darunter Geschäftsführer Prof. Dr. Thomas Hoffmann und Bereichsleiter Matthias Bioly, sowie Vertreter der Stadt Remscheid und weitere politische Vertreter anwesend. Die Jury komplettierten hochqualifizierte externe Architekten, Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Verkehrsplaner. Die Wettbewerbsergebnisse werden ab sofort für die Öffentlichkeit im Innenstadtbüro am Remscheider Markt gegenüber der Stadtkirche in den  Schaufenstern präsentiert.

Die Stadt Remscheid hatte sich zur Umsetzung des Konzeptes „Revitalisierung der Innenstadt“ und auf der Grundlage eines zuvor erstellten ÖPNV-Fachbeitrags (»Rahmenbedingungen des öffentlichen Personennahverkehrs für die Umgestaltung des Friedrich-Ebert-Platzes«) für ein konkurrierendes Verfahren zur Neugestaltung des ZOB am Friedrich-Ebert-Platz entschieden. So soll die Chance genutzt werden, mit Hilfe von Fördergeldern (80 Prozent der von der Stadt eingeplanten 1,3 Millionen Euro kommen vom Land, 90 Prozent der von den Verkehrsbetrieben vorgesehenen vier Millionen Euro vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr) einen vielfältig genutzten, urbanen Platz in der Innenstadt zu schaffen. Die im Wettbewerb enthaltenen Themenbereiche umfassten den ZOB inklusive Haltestellenüberdachung und die Berücksichtigung der betrieblichen Anforderungen, die Platzgestaltung sowie ein Gebäude für die Leitstelle und mit Sozialräumen für das Fahrpersonal.

Ziel war es, eine einheitliche und abgestimmte, qualitätsvolle Lösung zu finden, welche die unterschiedlichen Ansprüche an den vielfältig genutzten Stadtraum berücksichtigt, die Anforderungen der Bürger bestmöglich und architektonisch qualitätsvoll umsetzt und die Attraktivität der angrenzenden Straßen unterstützt. Dazu wurde ein Wettbewerb ausgelobt, um eine geeignete Arbeitsgemeinschaft für die Durchführung dieser - für Remscheid inhaltlich wie städtebaulich bedeutsamen - Bauaufgabe zu finden. Aufgrund des breiten Themenspektrums richtete sich der Wettbewerb an Arbeitsgemeinschaften aus Verkehrsplanern, Landschaftsarchitekten, Stadtplanern und/oder Architekten. Ausgelobt wurde er nach den »Richtlinien für Planungswettbewerbe« von der Stadt Remscheid in enger Kooperation mit den Stadtwerken Remscheid ausgelobt. Die Wettbewerbsbetreuung erfolgte durch das Dortmunder Büro postwelters | partner mbB. Insgesamt acht Büros wurden zur Teilnahme am Wettbewerb über ein zuvor durchgeführtes europaweites Vergabeverfahren ausgewählt und eingeladen. Den Teilnehmern blieben insgesamt neun Wochen zur Bearbeitung und Fertigstellung der Planunterlagen. Sieben Büros reichten ihre Arbeiten bis zum 30. Juni fristgerecht und anonym ein. Alle Wettbewerbsbeiträge wurden von dem unabhängige Preisgericht am Dienstag anonym bewertet. Erst nach der Auswahl der Preisträger wurde dem Preisgericht die Urheberschaft der eingereichten Arbeiten bekannt gegeben. In einem nächsten Schritt werden die drei Preisträger zu weiteren Verhandlungen aufgefordert. (In die Politik kommt der endgültige Entwurf, so hieß es auf der Pressekonferenz, im November. Baubeginnt könnte dann 2019 sein.)

(Weitere Einzelheiten, insbesondere zu dem mit 20.000 Euro prämiierten Entwurf des neuen ZOB, teilten in der heutigen Pressekonferenz Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und Prof. Hartmut Welters von postwelters | partner mit. Stadtwerke-Chef Dr. Thomas Hoffmann und Bezirksbürgermeister Otto Mähler lobten den Entwurf. Dazu wird der Waterbölles morgen ein Video veröffentlichen)

Einst gab es in Groß-Remscheid zehn "Lichtspieltheater"

Während der Bau von Remscheids neuem und einzigem Kino Fortschritte macht (Foto oben), hier (in Neuauflage nach 2011) ein kleiner Blick in Remscheids Kino-Vergangenheit. Stadtführer Klaus R. Schmidt: „Auf dem Höhepunkt der Kinowelle um die Mitte der 1960er Jahre gab es in Groß-Remscheid sogar zehn 'Lichtspieltheater', nämlich Capitol-Theater, Central-Theater, City-Lichtspiele, Hastener Kammerlichtspiele, Filmstudio, Metropol-Theater, Modernes Theater, Tributh-Lichtspiele, Union-Lichtspieltheater (2x).“

Hans Gerd Göbert steuerte zur einer Umfrage aus 2011 das „Astoria“ auf der Burger Straße, kurz hinter der Einmündung der Ziegelstraße, bei sowie das „Central“-Kino am Beginn der Burger Straße. Jürgen Koball – er wohnt seit 1960 in Remscheid – konnte sich an folgende Kinos erinnern: Union-Theater (später mit Studio), Metropol, City, Lux, Capitol, Central, Hastener Kammerlichtspiele, TT-Theater in Lütterkusen und ein Kino in Lennep. Tatsächlich waren es in Lennep mal drei „Lichtspielhäuser“, wie man sie einst nannte. Lennep-Kenner Dr. Wilhelm R. Schmidt: „Neben dem Union-Theater am Alten Markt (seit ca. 1910) und dem Modernen Theater am Kölner Tor  (seit ca. 1924) gab es noch ein Lichtspieltheater in der Rotdornallee, das hieß im Jahre 1925 'Alhambra'.“

Auf der oberen Alleestraße gab es das „Capitol" schon vor dem Krieg – unmittelbar gegenüber dem einstigen „Stadthof'“ (Ecke Scharffstraße). . Das „neue" Capitol entstand nach dem 2. Weltkrieg ungefähr an gleicher Stelle. In ihm verbrachten viele Remscheider ein paar schöne Stunden, um Not und Elend der Nachkriesgszeit für eine kurze Zeitspanne zu vergessen. Filme „Grün ist die Heide", sprich: die Sehnsucht nach der heilen Welt füllten dort wochenlang die Kassen. Das Aufnahmejahr des Fotos ist unschwer zu erraten. Die Olympiareklame deutet auf 1936/37 hin. (Dieser Absatz nach: „Remscheid. Ein verlorenes Stadtbild“, von Rolf Lotzmann, erschienen 1994 im Wartberg-Verlag)