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Scheinheilige Debatte schadet dem Stadtrat

Siehe dazu auch den Waterbölles-Kommentar
Es ging um mehr als nur eine Weihnachtsfeier
vom 4. Dezember.

Pressemitteilung der SPD-Ratsfraktion

Zur unglücklichen, von der CDU angestoßenen Debatte in der letzten Ratssitzung erklärt Lothar Krebs, stv. Fraktionsvorsitzender der SPD-Ratsfraktion: “Es ist bedauerlich, dass die CDU kein wirkliches Interesse an einer echten Diskussion hatte. Welches Spiel die CDU spielte, war klar als ein CDU-Kollege das Ende der noch laufenden Debatte beantragte und sofort abstimmen wollte. Die bisher gute Tradition, solche wichtigen Entscheidungen nicht übers Knie zu brechen, wurde damit gebrochen. Wir hätten hier gerne eine starkes gemeinsames Signal aus dem Rat gesendet. Wir wollen keine Veranstaltungen und Empfänge im Rathaus gegeneinander ausspielen. Im Kern ging es doch scheinbar darum, Arbeitnehmerempfang oder Fastenbrechen gegen christliche Feste zu stellen. Das ist bodenlos und schürt Vorurteile in unserer Stadt!“ 

Dr. Stefanie Bluth, Ratsmitglied der SPD, ergänzt: „Niemand in der SPD ist gegen Weihnachten oder christliche Veranstaltungen in unserer Stadtgesellschaft, aber das Christentum steht auch für bestimmte Werte, die nicht einfach für politische Zwecke instrumentalisiert werden dürfen. Besonders die vielen Christen in meiner Ratsfraktion haben das gleiche ungute Gefühl wie ich: Ich empfinde meinen christlichen Glauben auf perfide Art und Weise missbraucht.“ 

Otto Mähler, Ratsmitglied und Bezirksbürgermeister in Alt-Remscheid, hält mit seiner Kritik nicht hinter dem Berg: „Das war eine scheinheilige Debatte der CDU, weil es im Rathaus bereits heute nach der letzten Sitzung eine traditionelle Weihnachtsfeier gibt, bei der wir gemeinsam auf das vergangene Jahr zurückblicken und uns bei den fleißigen Mitarbeitern des Sitzungsdienstes für ihre Unterstützung unserer Ratsarbeit bedanken. Das Verhalten der CDU war nicht würdig. Ich fühlte mich durch die Art und Weise der Debatte erpresst! Das ist kein Stil. Damit hat die CDU dem Ansehen unseres Gremiums geschadet, um politische Geländegewinne zu erzielen.“ 

Wer sich übrigens ein Bild davon machen will, wie bei der SPD Tradition zu Weihnachten  aussieht, kann dies ab dem 14. Dezember machen. Dann verkaufen die Mitglieder des Ortsvereins Remscheid-Stadtmitte/Hasten wieder Weihnachtsbäume. Der Verkaufsstand findet sich direkt vor der Geschäftsstelle der SPD am Haus Elberfelder Straße 39 / Ecke Friedrich-Ebert-Platz. Der Erlös geht auch in diesem Jahr wieder an einen guten Zweck. Nachdem 2015 der Förderverein "Christliches Hospiz Bergisch Land" und 2016 der Förderverein "Möhrchen" mit dem Weihnachtsbaumverkauf bedacht wurden, wird in diesem Jahr die "Praxis ohne Grenzen" unterstützt. Diese leistet medizinische Versorgung für Menschen ohne Krankenversicherung.

Patienten und Bewohner backen für Flüchtlinge

Pressemitteilung der Ökumenischen Initiative Lüttringhausen

In der Evangelischen Kirchengemeinde bei der Stiftung Tannenhof ist die Bitte um Unterstützung der Arbeitsgruppe, die das Ökumenische Friedensgebet in Remscheid vorbereitet, gehört worden. Wie Pfarrerin Barbara Schröder-Möring mitteilt, werden im Freizeitzentrum Else-Sauer-Haus und im Zentrum für Arbeitsdiagnostik und berufliche Integration (Zabi) von Patientinnen und Patienten sowie Bewohnerinnen und Bewohnern der Evangelischen Stiftung Tannenhof Weihnachtsplätzchen gebacken, die aus Anlass des nächsten Ökumenischen Friedensgebetes in Remscheid am 14.Dezember den in der Unterkunft Wülfingstraße 1 lebenden Flüchtlingen überreicht werden sollen.

Mit dieser Geste, etwas von sich selber zu schenken, soll den Flüchtlingen ein Willkommensgruß zu Weihnachten ausgedrückt werden. "Es ist naheliegend, dass ausgerechnet kranke und beeinträchtigte Menschen unserer Einladung zur gemeinsamen Aktion folgen", freut sich Pfarrer i.R. Johannes Haun. "Sie sind selber auf solche menschlichen Gesten der Freundlichkeit anderer angewiesen und wissen um ihre starke Bedeutung. Wir bedanken uns sehr."

Wer sich an dem Aufruf beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen, eine kleine Tüte selber gebackener Plätzchen aus dem eigenen Bestand abzuzweigen. Die evangelischen und katholischen Gemeindebüros in Lennep und Lüttringhausen nehmen zu den jeweiligen Öffnungszeiten die Plätzchen an. Sie werden pünktlich zum 14. Dezember abgeholt und in die Wülfingstraße gebracht. Das Ökumenische Friedensgebet beginnt dort um 18.30 Uhr. Interessenten sind herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Gesundheitskarte für Flüchtlinge rechnet sich

Das dürfte die CDU überrascht haben: Die im Mai 2016 schrittweise eingeführte elektronische Gesundheitskarte für Flüchtlinge (eGK) mit Abrechnung über  die BARMER ist für die Stadt Remscheid anscheinend preisgünstiger als die frühere, direkt von der Stadt gezahlte Krankenhilfe. Das hat eine erste Berechnung  des Fachdienstes Gesundheitswesen ergeben. Mitte 2018 will die Stadt eine ausführliche Evaluation nachlegen, kündigte sie in ihrer Antwort auf die Anfrage der CDU von November an, die zur Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am kommenden Donnerstag vorliegt.

Die jetzige Berechnung, bezogen auf die durchschnittlichen monatlichen Aufwendungen pro Kopf, basiert auf der Abrechnung der BARMER für Krankenhilfeaufwendungen des 4. Quartals 2016 für 927 Versicherten, verglichen mit den durchschnittlichen monatlichen Krankenhilfeaufwendungen des Jahres 2015 nach altem Verfahren. In 2015 waren in Remscheid durchschnittlich 788 Flüchtlinge krankenhilfeberechtigt. Die Aufwendungen hierfür betrugen 1.660.066 € (pro Kopf und Monat 175,55 €). Für das 4. Quartal 2016  stellte die BARMER für 927 Versicherte 412.095,66 € in Rechnung (pro Person und Monat 148,15 €, also 27,30 € weniger). Das spricht nach Ansicht der Stadt dafür, dass die Gesundheitsvorsorge für Flüchtlinge in Remscheid durch die Einführung der Karte wirtschaftlicher geworden ist. Allerdings lasse sich eine valide Aussage „erst nach einem längeren Zeitraum treffen.“

Obwohl im Jahr 2016 beide Verfahren teilweise parallel liefen, wurden insgesamt noch 4.089 Krankenscheine durch den Fachdienst Zuwanderung ausgehändigt. Dagegen wurden in diesem Jahr bisher nur 461 Krankenscheine bis zur Ausgabe der Gesundheitskarte vorläufig ausgestellt.

An Verwaltungskosten berechnete die BARMER der Stadt für die im 2. bis 4. Quartal 2016 versicherten Flüchtlinge 69.008 Euro. Bezogen auf die gesamten Leistungskosten in diesem Zeitraum sind das 11,84 Prozent. Darin enthalten sind die vertraglich vereinbarten Kosten für die einmalige Kartenerstellung in Höhe von zehn €. Wurde Krankenhilfe erforderlich, betragen die Verwaltungskosten acht Prozent  der tatsächlichen Aufwendung. Fallen keine Leistungen an, ist eine monatliche Grundpauschale in Höhe von zehn € im Betreuungsmonat zu entrichten. Doch diese Regelung läuft zum Jahresende aus. Ab 1. Januar 2018 gilt eine neue Rahmenvereinbarung zwischen dem Land NRW (und den Gemeinden mit eGK) und den Krankenkassen. Danach richtet sich die Verwaltungskostenpauschale künftig nach den durchschnittlichen Verwaltungskosten aller Krankenkassen und wird jährlich in einem Pro-Kopf-Monatsbetrag neu berechnet. Für 2018 beträgt er 12,82 €. Die Stadt: „Es wird erwartet, dass dadurch insgesamt die Verwaltungskosten sinken werden und Einsparungen zu realisieren sind.“

Langjährig Geduldete brauchen sicheren Status

Mit 28 Ja- und 21 Nein-Stimmen nahm der Rat der Stadt am Donnerstag den Antrag der Fraktionen und Ratsgruppen Gruppen von SPD, GRÜNEN, FDP und W.i.R. an, die Verwaltung möge „im Rahmen der geltenden Gesetze ihr vorhandenes Ermessen auszuüben, um den unsicheren Status langjährig geduldeter Menschen in ein Bleiberecht umzuwandeln.“ Vorausgesetzt allerdings, „dass sich die langjährig geduldeten Menschen aktiv um ihre Integration bemühen und bei ihnen keine ausländerrechtlich zwingenden Abschiebegründe vorliegen.
„In Remscheid leben 369 Menschen mit Duldung. Die meisten davon sind ein Teil Remscheids geworden und wollen sich integrieren. Duldung ist kein gesicherter Aufenthaltsstatus, sondern ein „Ausreisestatus“. Wirkliche Integration ist deshalb für langjährig Geduldete extrem erschwert. Auf dieser rechtlichen Grundlage sind auch Zugänge zu Arbeitsstellen und Wohnungen erschwert. Viele ehrenamtliche Flüchtlingshelfer kritisieren seit langem diesen Widerspruch“, heißt es in der Antragsbegründung. Die Erteilung einer langfristigen Aufenthaltserlaubnis biete Vorteile nicht nur für die bisher langjährig Geduldeten: Neben der auch für die Haushalte entlastenden Integration in den Arbeitsmarkt entfalle dann auch die aufwändige Sonderverwaltung der betroffenen Fachbehörden.

Bereits in früheren Jahren habe sich der Rat der Stadt Remscheid nicht nur für humane Flüchtlingsunterbringung eingesetzt, sondern auch für bessere Bleiberechte von Remscheider Geflüchteten, so die Antragsteller. Der Erlass des Ministeriums für Inneres und Kommunales des Landes NRW vom 21. Juni 2016 über ausreisepflichtige Ausländer weise auf „Möglichkeiten zur Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach dem 5. Abschnitt des Aufenthaltsgesetzes oder nach anderen Vorschriften des Aufenthaltsgesetzes“ hin.

Die CDU sah für diesen Antrag keinen Anlass („Obsolet!“), wie Tanja Kreimendahl und Jens Peter Nettekoven betonten. Denn darin werde – ungerechtfertigt – Misstrauen gegen die Verwaltung geschürt. Nettekoven. „Wir vertrauen der Verwaltung voll umfänglich!“ Waltraud Bodenstedt (WiR) verwies auf den Erlass von Juni 2016 und sagte an die Adresse von Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke: „Wenden Sie ihn bitte an!“!

Für den Antrag votierte auch Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz. Auf Nachfrage Nettekovens sagte der OB: „Ich habe zugestimmt, weil ich den Antrag n i c h t als Affront gegenüber der Verwaltung verstanden habe!“

Das Leben hier ist so ganz anders als bei uns!"

von Johanna Harder,

“Colonia Menno” in Loma Plata, Paraguay (Die Kolonie ist eine
Siedlung von deutschsprachigen Mennoniten,
deren Vorfahren vor mehr als 400 Jahren aus Norddeutschland nach Paraguay kamen)

Ich hatte mich für eine Hospitation an der Heinrich-Neumann-Schule mit den Standorten „IGEL“ (Naturschul Grund), „Schule für Kranke“, Waldhof (Clearinggruppe der ev. Jugendhilfe Bergisch Land) beworben, weil ich meine deutsche Sprache verbessern und innovative Unterrichtsformen kennen lernen wollte. Ich wollte sehen, wie lernschwache Schüler individuell gefördert und in den Unterricht mit lernstarken Schülern integriert werden. Zusätzlich verbrachte ich je einen Tag an der Karl-Kind-Schule und an der katholischen Grundschule „An der Kopfbuche“ in Stommeln. Ebenso habe ich an der 40 jährigen Jubiläumsfeier der Hilda-Heinemann-Schule teilgenommen.

Der Unterricht, den ich besuchte, unterscheidet sich sehr im Vergleich zu dem in Paraguay. Es wird hier sehr viel mit offenen Unterrichtsformen gearbeitet. Oft wird mit Wochenplänen gearbeitet, was in Paraguay nur in Ansätzen vorzufinden ist. Mich hat beeindruckt, dass die Schüler viel selbstständiger denken und arbeiten als in meinem Heimatland.

Das Klima war in allen Klassen gut. Es ist mir besonders aufgefallen wie gut einige Lehrer mit Fehlverhalten von Schülern umgehen. Wie sie die Situation aus einer anderen Perspektive heraus einschätzen und dann auch die richtige Entscheidung für das Kind treffen können. Ich habe gesehen, dass sie bei Fehlverhalten sofort und energisch einschreiten, aber gleich danach sich wieder positiv den Schülern zuwenden. Sie haben somit gezeigt, dass der Schüler voll angenommen ist, auch wenn sein Verhalten zuvor ganz falsch war.

In einer Klasse habe ich eine sehr starke Bindung zwischen der Klassenlehrerin und ihren Schülern beobachtet, so dass selbst Schüler mit größten Verhaltens- und Arbeitsschwierigkeiten ihr zuliebe die Regeln eingehalten haben. Bei fast allen Lehrern habe ich ein positives, vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Schülern beobachten können. Das hat mir bestätigt, dass eine gute Beziehung eine bedeutende Voraussetzung für effektiven Unterricht ist.

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Soziale Beratung von Geflüchteten in Gefahr

Pressemitteilung der Grünen

Die schwarz-gelbe Landesregierung hat mit dem Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2018 die finanzielle Förderung der Flüchtlingsberatung in den nordrhein-westfälischen Kommunen und Landeseinrichtungen drastisch gekürzt. Landesweit ist eine Reduzierung der Mittel um 17 Millionen Euro und rund 40 Prozent vorgesehen, wodurch eine weitgehende Zerschlagung der Beratungsstrukturen für Geflüchtete auch in Remscheid droht. Bei einer landesweiten Reduzierung der Fördermittel um 40 Prozent sind auch in Remscheid deutliche Einschnitte zu erwarten: Derzeit gibt es hier noch fünf geförderte Stellen.

Die regionale Beratung von Geflüchteten dient der Hilfe bei behördlichen Verfahren und bei der Orientierung in unserem Gemeinwesen. Hier ist der Bedarf weiter enorm hoch, auch wenn der aktuelle Zuzug niedriger ist als in den vergangenen drei Jahren. Auch die Psychosozialen Zentren führen lange Wartelisten. Eine Kürzung ergibt trotz sinkender Zuzugszahlen auch hier keinen Sinn. Die geflüchteten Menschen brauchen nicht weniger Hilfe, sondern mehr Unterstützung und Beratungsangebote.

Vor diesem Hintergrund bittet die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der Sitzung des Rates am 30. November um die Beantwortung folgender Fragen: Welche Beratungsangebote in Remscheid sind betroffen? Bei welchen Trägern sind die fünf geförderten Stellen angesiedelt? Wie ist das jeweilige Leistungsspektrum? Wie hoch ist die Nachfrage von Seiten der Geflüchteten? (Beatrice Schlieper)

Soziokulturelle Arbeit auf gleicher Wellenlänge

Christin Pomp (27) leitet den Jugendkulturbereich der “Kraftstation”, des Soziokulturellen Zentrums an der Honsberger Straße. Sie trat am 1. November die Nachfolge von  Julia Dill (38) an, die nach zehn Jahren Mitte April zum Bürgerzentrum “Alte Feuerwache e.V.”  nach Köln gewechselt war. Beide gehören dem “Arbeitsausschuss” (erweiterter Vorstand) der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen e.V. .an Und beide bescheinigten sich gestern in der “Kraftstation” auf “gleicher Wellenlänge” zu arbeiten, eine gute Basis für künftige gemeinsame Projekte.

Eingeladen zu der  gestrigen Pressekonferenz hatte Wolfgang Zöller als Geschäftsführer des Trägervereins Kraftstation - Freie Jugendarbeit Remscheid Mitte. Aus dem bergischen Städtedreieck gehören der LAG neben der Kraftstation auch Die Welle e.V. aus Remscheid-Lennep, die COBRA Kulturzentrum g GmbH, aus Solingen sowie die Färberei Kommunikationszentrum, Wuppertal, und die börse Kommunikationszentrum Wuppertal GmbH aus Wuppertal an.

In den vergangenen zwei Jahren war Christin Pomp die Geschäftsführerin der “Börse”. Die gebürtige Wermelskirchener wuchs in Remscheid auf und ging hier zur Schule (Sophie Scholl). Als 15-jährige Jugendliche lernte sie die Angebote der “Kraftstation” kennen und schätzen, noch unter Torsten Nagel, dem Vorgänger von Julia Dill, der sie mit dem “Bürgerfunk”-Radio bekannt machte. So reifte schließlich ihre Entscheidung, auch ihre berufliche Zukunft in der Jugendarbeit zu sehen. An der  Hogeschool van Arnhem en Nijmegen studierte sie von 2011 bis 1015 im dualen Bachelor-Studiengang Kulturelle Sozialpädagogik. Dazu gehörten auch längerfristige Praktika in der “Börse” und der “Kraftstation”, dort an der Seite von Julias Dill in Jugendkulturarbeit und Veranstaltungsmanagement “viel gefördert und gefordert”. Dazu gehörte 2014 auch das (mit einem emanzipatorischen Frauenbild verbundene) Studienprojekt  “Flohmarkt ‘Krimskrams & Krümel’ für Mädels” (Archivfoto links). An diesem Markt möchte Christin Pomp nun als eine der vier hauptamtlichen Mitarbeiter/innen der “Kraftstation” ebenso festhalten wie an dem regelmäßigen “Kinder-Kino”. Hinzu kommen sollen Projekte, die “Kunst & Kabel” miteinander verbinden – die vorhandenen PC-Kenntnisse von Jugendlichen mit kultureller und auch politischer Bildung. Das kann die Erprobung eines 3D-.Druckers ebenso sein wie die Programmierung als Vorbereitung auf die Arbeitswelt.

Unter den soziokulturellen Zentren in NRW sei die “Kraftstation” schon früh um Kooperationen mit Schulen bemüht gewesen und sei heute in ihrer Kinder- und Jugendarbeit federführend, sagte gestern Julia Dill. Sie ist seit vier Monaten Mutter eines Sohnes (Ole Frederick). Das war auch der Grund für ihren beruflichen Wechsel von Remscheid an ihren Wohnort Köln auf eine Stelle mit 30 Wochenstunden. Das Angebot von Wolfgang Zöller, von Wuppertal “zurück nach Remscheid” zu kommen und “wieder nah dran zu sein an den Jugendlichen”, habe sie sehr gerne angenommen, sagte Christin Pomp. “Das ist einfach mein Ding!” Sie weiß: Viele Jugendliche, die in der “Kraftstation” ein und ausgehen, kommen aus Familien, die sich finanziell keine großen Sprünge leisten können. Für sie sind kostenlose Freizeit-Angebote daher sehr wichtig, verbunden mit der Förderung ihrer kulturellen / musikalischen Interessen. Deshalb, da sind sich Julia Dill und Christin Pomp einig, sei in soziokulturellen Zentren bei Konzerten junger Musikgruppen auch nicht der “volle Saal” das oberste Ziel, sondern, den Jugendlichen Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu geben.

 

Klare Worte im Entwurf des Ehrenamtskonzepts

Alle zwei Jahre müssen die Kommunen ihr Integrationskonzept fortschreiben. So steht es in den Förderrichtlinien zur Inbetriebnahme eines Kommunalen Integrationszentrums nach Vorgaben des Ministeriums für Kinder, Familien, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) und der Bezirksregierung Arnsberg. Berücksichtigt werden müssen dabei die Handlungsstränge „Integration als Querschnittsaufgabe“ und „Integration durch Bildung“. Und hinzukommen soll nun auch ein Ehrenamtskonzept. Das Kommunale Integrationszentrum der Stadt Remscheid hat das 25 Seiten umfassende Papier jetzt dem Integrationsrat zur Sitzung am 23. November vorgelegt. Wird dem Konzeptentwurf dort zugestimmt, kann der Rat der Stadt darüber am 30. November endgültig beschließen.

"Es besteht
Handlungsbedarf!"

Geschätzt arbeiten in Remscheid derzeitig etwa 150 Personen frei­willig im Bereich der Flüchtlingshilfe. Die Tätigkeiten reichen von Angeboten der Sprachvermittlung bzw. -förderung für Erwachsene ohne Zugang zu BAMF-Integrationskursen über Hausaufgabenhilfe und Betreuung von Kindern bis hin zur intensiven Einzelbetreuung einer Person oder ganzen Familie als ehrenamtlicher Pate bzw. ehrenamtliche Patin. (...) Besonders die wachsende Gruppe an Helfern aus dem direkten sozialen Umfeld der Geflüchteten stellt für die städtische Betreuung des Ehrenamtes in der Flüchtlingshilfe eine nicht zu unterschätzende Ressource, aber auch Herausforderung dar.

Für jene Remscheider/innen, die sich über Möglichkeiten des freiwilligen Engagements in der Flüchtlingshilfe informieren wollen und die bislang keinen Zugang zu einem Träger gefunden haben, ist es schwierig, grundlegende Informationen zu Ansprechpartnern, Aufgabengebieten und dem städtischen Angebot eigenständig zu recherchieren. Hier wird ein dringender Handlungsbedarf deutlich. Es fehlt eine offizielle Zusammenstellung von Informationen zu Angeboten und dem ehrenamtlichen Engagement in der Flüchtlingshilfe der Stadt, die interessierten Bürgerinnen und Bürgern den Einstieg in dieses Betätigungsfeld erleichtert. (Zitat aus dem Konzeptentwurf)

„Das Ehrenamt hat in Remscheid in der Flüchtlingshilfe einen sehr großen Stellenwert eingenommen und viel zum erfolgreichen Gelingen der Integrationsarbeit beigetragen. Bisher konnten die ehrenamtlich tätigen Remscheiderinnen und Remscheider durch unsere Trägerlandschaft betreut werden. Doch es gibt ebenso viele Personen, die nicht an einen Träger gebunden werden möchten aber dennoch Betreuung und Beratung bei ihrer Arbeit mit Flüchtlingen/Geflüchteten benötigen“, heißt es in der Beschlussvorlage der Verwaltung. „Das Ehrenamtskonzept deckt sowohl den Handlungsstrang ‘Integration als Querschnittsaufgabe’ ab, indem die Bereiche der Vernetzung und auch Akquise – gerade auch Menschen mit Fluchterfahrung -  angesprochen werden, als auch den Handlungsstrang ‘Integration durch Bildung’ im Bereich der Qualifizierung der Ehrenamtlichen. In das Ehrenamtskonzept wurden ebenfalls Anregungen und Erfahrungen interner und externer Experten mitaufgenommen. Das Integrationskonzept wurde somit um das Handlungsfeld ‘Ehrenamt’ erweitert.“

„Unser Remscheid, unsere Solidarität“ steht über dem Vorwort zum neuen Ehrenamtskonzept der Stadt. Und zitiert wird der Dichter Friedrich Schiller: „In seinen Taten malt sich der Mensch!" Bereits 2014 habe Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz zum Beginn der durch den Bürgerkrieg in Syrien ausgelösten, dann stark angestiegenen Zuwanderung von Flüchtlingen nach Europa – respektive Deutschland –- eine klare .Farbpalette' für die Remscheider Flüchtlingsarbeit festgelegt.

„Ehrenamtliche unterstützen nicht nur mit ihrer erbrachten Arbeitsleistung und Angeboten die Integration von Geflüchteten, sondern vermitteln auch gleichzeitig ein gutes Beispiel für unsere gesell­schaftlichen Ideale und Werte“, heißt es weiter. „Wenn wir als offene und tolerante Gesellschaft erkannt und anerkannt werden wollen, müssen wir durch unsere Taten auch als solche wirken. Ehrenamtliche können durch ihr persönliches Engagement bei Geflüchteten bestehende Vorbehalte gegenüber kommunalen und staatlichen Strukturen abbauen. Zudem wirken sie als Meinungsmultiplikatoren in ihrem persönlichen Umfeld einer einseitigen oder negativen medialen Be­richterstattung entgegen. Dem Ehrenamt kommt daher eine Schlüsselrolle bei der Integration von Geflüchteten zu.“

Ziel der Flüchtlingshilfe - wie sie in Remscheid gelebt werde - sei nicht die Segregation der Geflüchteten in spezielle Angebote, sondern die Teilhabe aller Remscheider Bürgerinnen und Bürger, gleich welcher Herkunft, am gesellschaftlichen Leben unserer Stadt. Dies könne z. T. über Angebote erfolgen, die sich zunächst speziell an Geflüchtete richten. „Aus den heutigen Flüchtlingen werden Nachbarn, werden Freunde, werden Remscheiderinnen und Remscheider mit Migrationshintergrund - wie gut ein Drittel der in Remscheid lebenden Bevölkerung. Deshalb kann ein Konzept für das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingsarbeit nicht losgelöst vom Integrationskonzept unserer Stadt stehen, sondern muss künftig integraler Bestandteil dieses Konzeptes werden.“

Als ein Ziel wird genannt, „in der zweiten Jahreshälfte vermehrt organisatorische und operative Routinen in den Abläufen des Kommunalen Integrationszentrums zu verankern, die in der Flüchtlingshilfe zu einer nachhaltigen Verbesserung der Kommunikation und der Netzwerkarbeit beitragen sollen.“ Zugleich wird darauf verwiesen, „dass die Aufrechterhaltung der geschaffenen Strukturen personelle Kapazitäten bindet und auch in Zukunft binden wird. Besonders von der poli­tischen Führung der Stadt muss daher bald eine bewusste und deutliche Entscheidung für oder gegen die aktive Förderung und Begleitung des freiwilligen bürgerschaftlichen Engagements in der Flüchtlingshilfe getroffen werden.“

„Rassismus fängt im Kopf an!“

Rassismus ist in allen
Teilen der Gesellschaft

„Rassismus ist ein politisches, aber zugleich auch ein gesellschaftliches Problem, das nicht auf politisch rechts motivierte Straf- und Gewalttaten verengt werden kann und darf. Rassismus ist in allen Teilen der Gesellschaft verbreitet und hat verschiedene Ausprägungen (Alltagsrassismus oder struktureller Rassismus, etwa auf dem Arbeitsmarkt oder im Bildungssystem). Der Alltagsrassismus zum Beispiel wird oft verneinet oder heruntergespielt und Betroffenen wird gesagt, sie sollen sich doch bitte nicht so anstellen.

Dieser alltägliche Rassismus entsteht oft ungewollt und aus Unwissenheit, manchmal aber aus schierer Ignoranz. Er äußert sich in scheinbar harmlosen Fragen wie dem typischen „Woher kommst du?" oder in vermeintlichen Komplimenten wie „Du hast aber schöne Haare, darf ich die mal anfassen?" oder „Sie sprechen aber gut Deutsch". Am Flughafen als Einzige vom Zoll kontrolliert zu werden oder aus Angst vor einer Ablehnung nicht mit zu einer Wohnungsbesichtigung zu kommen sind Erfahrungen, die für den Rassismus Betroffene leider zum Alltag gehören. Es ist wichtig und erlässlich, dass sich Menschen deutlich gegen jede Form von Rassismus aussprechen. Diese Verurteilung von Rassismus darf jedoch nicht vor dem eigenen Rassismus haltmachen. Es ist wichtig, sich mit den eigenen rassistischen Handlungen und Denkweisen auseinanderzusetzen. Mit der eigenen Sprache und dem eigenen Unwissen, aber auch mit der eigenen Ignoranz. Es ist wichtig, die rassistischen Erfahrungen anderer als solche anzuerkennen und nicht herunterzuspielen, denn was eine rassistische Erfahrung ist, kann im Zweifel nur die Person beurteilen, die sie gemacht hat."
(aus der Broschüre "Wir nehmen Rassismus persönlich" von Amnesty International Deutschland, September 2016)

Für März, Juni, Oktober und November 2018 plant Kommunale Integrationszentrum (KI) der Stadt Remscheid eine Veranstaltungsreihe mit dem Arbeitstitel: „Es ist auch unser Remscheid. Rassismus fängt im Kopf an“ Ein Konzept der Reihe, die aus vier Blöcken besteht, wurde mit dem Jugendrat vorab beraten. Ein erster Entwurf des Vorhabens wurde in der Oktober-Sitzung des Jugendrates vorgestellt mit dem Ziel, engagierte Jugendliche für die Teilnahme zu gewinnen. Die Reihe richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt, um sie einerseits zu sensibilisieren und andererseits auch als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu gewinnen in der Frage, was Rassismus ist, wo er auftaucht und wie er uns begleitet: „Es sollen mehr Menschen bereits im Alltag auf rassistische Diskriminierungen aufmerksam werden und begreifen, dass sie auch im Kleinen schon Großes gegen Rassismus erreichen können“, heißt es in der Verwaltungsvorlage zur Sitzung des Integrationsrates am Donnerstag, 23. November. „Auch Menschen in Remscheid machen Rassismus-Erfahrungen. Und die aktuellen Ergebnisse der Bundestagswahl und die Erfahrungen des Kommunalen Integrationszentrums aus interkulturellen Sensibilisierungstrainings mit Jugendlichen verdeutlichen, dass die Stadtgesellschaft das Thema „Rassismus/Diskriminierung" angehen muss.“

 

 

Land NRW gibt Geld für Kultur-Vermittler

Neuzugewanderte brachen Hilfe bei der Eingewöhnung in das Leben in Deutschland. Behördengängen, der Arbeitssuche über Kita und Schule bis hin zur Freizeitgestaltung. Als Integrationslotsen „sollten vor allem Personen gewonnen werden, die selber einen Migrationshintergrund haben“, so die Verwaltung in einer Mitteilung für den Integrationsrat sowie den Haupt- und Finanzausschuss. Begründung: „Sie werden wegen ihrer eigenen Herkunft und Sprache einen leichteren Zugang zu den Neuzugewanderten haben.“  werden. Derzeit finden sich in Remscheid Integrationslotsen bei mehreren freien Trägern mit unterschiedlichen Akzenten. „Vermehrt wird ein Patenschaftsprogramm erstellt, das von Sprach- über Wohnungs- bis hin zu Arbeitspatinnen und -paten beinhaltet: Der Caritasverband Remscheid e.V. betreibt einen Lotsenpunkt, in dem v.a. Mentorinnen und Mentoren schwache Hauptschülerinnen und Hauptschüler unterstützen. Die Diakonie des Ev. Kirchenkreis Lennep startet demnächst eine Ausbildung von sogenannten Integrations-Coaches. Dabei handelt es sich um Personen, die eher dem Bereich der Sprach- und Kulturmittlerinnen und -mittler zuzuschreiben sind als dem Bereich der Integrationslotinnen und Integrationslotsen. Sowohl Die Schlawiner gGmbH als auch die BAF e.V. begleiten ehrenamtliche Familienpatinnen und Familienpaten - vorrangig im Ortsteil Lüttringhausen. Verschiedene Träger der freien Wohlfahrtspflege bieten in ihren Migrationsberatungen Hilfestellung für Geflüchtete besonders im Bereich der Formularhilfe und bei strukturellen Schwierigkeiten an.“

Das Jugendamt der Stadt Remscheid hat ein Konzept zu Patenschaften für junge Geflüchtete erarbeitet, das in Kooperation mit dem Kommunalen Integrationszentrum (Kl) praktiziert werden soll – „sobald eine entsprechende Stelle im Kl eingerichtet ist, wobei diese Stelle vom Land gefördert wird. Es wird die Aufgabe dieser einzurichtenden Stelle sein, das Konzept auf ein allgemein anwendbares Patenprogramm weiterzuentwickeln - von der Akquise der ehrenamtlich Tätigen bis hin zur Qualifizierung und Begleitung.“

Der Sachmittelzuschuss des Landes zur Förderung der Kommunalen Integrationszentren ist auf 50.000 € aufgestockt worden für den Aufbau eines Dolmetscherpools, aber auch für Qualifizierungsmaßnahmen für Kulturmittlerinnen und Kulturmittlern. Das Kommunale Integrationszentrum koordiniere das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe in Remscheid und sei Ansprechpartnerin für alle Akteure in diesem Bereich, heißt es in der Vorlage weiter. Bei der Erstellung bzw. Umsetzung des Paten-/Kulturmittlerinnen-Programms werde das KI „selbstverständlich auch die Flüchtlinge berücksichtigen, die in den 1980er und 1990er Jahren nach Remscheid gekommen und sich hier eingelebt haben“.

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