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Je schlechter das Deutsch, desto schlechter die Berufschancen

Im Februar waren in Remscheid 7731 Menschen (gleich 12,9 Prozent) arbeitslos gemeldet. Das waren 147 mehr als im Januar. Und es sieht nicht so aus, als ob der März besser werden würde. Da klafft eine Schere auseinander: Auf der einen Seite gibt es kaum offenen Stellen, und auf der anderen Seite beschert der Strukturwandel Remscheid einen fortschreitenden Arbeitsplatzabbau. Das trifft dann ältere, ungelernte und geringer qualifizierte Männer und Frauen meist als erste. Zitat aus dem „Armutsbericht“ der Stadt Remscheid: „Die größten Anteile ausländischer Arbeitsloser finden sich bei den Personengruppen, die über keinen oder nur einen niedrigen Bildungsabschluss verfügen. Die Chance, nicht oder nur kurzfristig von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, steigt mit zunehmendem Bildungsgrad." Und das gilt auch für deutsche Arbeitnehmer.

Während das Verhältnis Ausländer : Deutscher unter den potentiell Erwerbsfähigen in Remscheid ungefähr 1 zu 5 ist, sieht es unter den Arbeitslosen umgekehrt aus: Da kommen knapp drei Ausländer auf einen Deutschen. Zitat aus dem „Armutsbericht“ der Stadt Remscheid: „Von Migranten-Familien werden die vorhandenen Bildungschancen nicht in ausgeglichenem Maße wahrgenommen. So sind z.B. 34,5 % aller Hauptschüler/innen ausländischer Nationalität, wohingegen nur 6,3 % aller Gymnasiasten Ausländer/innen sind.“ 8,8 Prozent der deutschen Jungen verlassen in Remscheid die Hauptschule ohne Abschluss, aber von den ausländischen Jungen sind es 13,9 Prozent.

Die Chancen dieser Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt sind schlecht. Auf sie warten bestenfalls Hilfsarbeiter-Tätigkeiten. Für ein ganzes Berufsleben ? Hier setzt als eine Art Vorbeugung ein Sonderprogramm an, für das den bergischen Arbeitsagenturen in Wuppertal, Solingen und Remscheid insgesamt zwei Millionen Euro zur Verfügung stehen, davon 800.000 Euro für Remscheid. Mangelnde Sprachkenntnisse sind oft der Grund dafür, dass gerade Ausländer ohne abgeschlossene Berufsausbildung mit Hilfsjobs zufrieden geben müssen. Deshalb sieht das neue Sonderprogramm auch Sprachkurse für Ausländer vor. Denn: Für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund bildet der Erwerb schulischer und beruflicher Qualifikation eine Schlüsselrolle im sozialen Integrationsprozess. Die integrationspolitische Bedeutung von Bildung und Ausbildung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.“ (Armutsbericht der Stadt Remscheid).

Bundesweit verlassen 8,5 Prozent aller Hauptschüler/innen die Schule ohne Abschluss. Davon ist jeder/jede dritte nicht-deutscher Nationalität. Auffällig: Der deutlich höhere Anteil an männlichen Schulabgängern ohne Abschluss. Nach einer Statistik der Gewerkschaft Erziehung+Wissenschaft ist der Anteil der Jungen in Haupt- und Sonderschulen überproportional hoch, in Gymnasien sind sie in der Minderheit, und zwei von drei Schulabbrechern seien Jungen. Die GEW bewertet diese Tatsache zu recht als besorgniserregend: „Hier braut sich ein gefährliches gesellschaftliches Problem zusammen."

Das erfordert Angebote wie das jüngste Förderprogramm der Arbeitsagenturen. Das erfordert, bezogen auf Kinder und Jugendliche aus Migranten-Familien, schulische Förderkurse in Deutsch (in diesem Zusammenhang finde ich die Idee der Grünen ausgesprochen gut, das städtische Kinderferienprogramm durch „Sprachcamps“ für Kinder aus Migranten-Familien anzureichern). Und das erfordert eine gehörige Portion Lernbereitschaft der betroffenen Schüler und Arbeitslosen. Wer sich verweigert, verpasst eine große Chance.

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Kommentare

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Chronist am :

Welche Berufschancen jemand später hat, entscheidet sich zum Teil schon in frühen Jahren. Je besser die Deutschkenntnisse, desto höher die Chancen. Aus diesem Grunde erhalten jetzt Remscheider Kindergärten vom Land 133.000 Euro, um sie gezielt für Sprachkurse ausgeben zu können. Insgesamt sind es 65 Projekte. Sie gelten Jungen und Mädchen (meist mit Migrationshintergrund), deren Sprachvermögen (in Deutsch) erhebliche Defizite aufweist.

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