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Remscheid war zuerst nur ein Hof mit wenigen Häusern

Der Remscheider Markt um 1870.Remscheid, das ist kein Platz, an dem sich je große Geschichte ereignet hat. Das Kriegsgeschrei früher Tage und die spekta­kulären Friedensschlüsse fanden anderswo statt. Wenn in ganz Deutschland die Völker aufeinanderschlugen, bekamen die Ur-Remscheider zwar auch ihren Teil ab, denn Notzeiten verschonten das Bergische Land nicht. Aber nur Mitläufer zu sein im Weltgeschehen sichert keinen Platz in Geschichtsbü­chern. Remscheid war zuerst ein Hof mit wenigen Häusern an einem Hang irgendwo im Viereck der Wupper. Durch den Willen Napoleons zu kommunaler Neuordnung wurde es Stadt, ohne diesen Namen vom baulichen Bild her rechtfer­tigen zu können. Erst Mitte des vorigen (19.) Jahrhunderts wuchs es zu einem geschlossenen Gebilde heran, und um 1880 be­gann es richtig zu leben, als kommunale Gemeinschaft mit eigenem Bewusstsein. Remscheid war ins Blickfeld allgemei­ner Aufmerksamkeit geraten, weil einige geniale Männer wichtige Weichen gestellt hatten, die den Eintritt ins Indu­striezeitalter für die Bewohner dieser Stadt einhergehen ließen mit für die damalige Zeit revolutionären Annehmlichkeiten. Doch wäre es ungerecht, alles was vor dem großen Auf­schwung Remscheids geschah, einfach zu unterschlagen. Ei­ner neuen Geschichtsschreibung bei der Betrachtung dieser Anfänge bedarf es nicht, denn die hat Erwin E. Stursberg erst 1969 gültig besorgt. Hier sei nur kurz festgehalten, wie das mit Remscheid begann, ehe wir uns … der Zeit zwischen 1880 und 1939 nähern.

Menschen hat es im Waldland des Wupperbogens frühestens vor 5.000 Jahren zum ersten Mal gegeben. Sie kamen nicht als Siedler, sondern als Durchwanderer. Und das blieb so bis in die Frankenzeit. Die Spärlichkeit der Funde spricht hier eine eindeutige Sprache. In der Zeit, da die Sachsen und Franken um die Vorherrschaft in den Ländern längs des Rheins ran­gen, hatte der Bergrücken, auf dem später Remscheid ent­stehen sollte, eine trennende Funktion. Doch mit Karl des Großen endgültigem Sieg konnte die bis dahin natürliche Grenzscheide zur verbindenden Klammer werden. Sachsen und Franken trafen sich im Wupperviereck zu friedlichem Miteinander.

Mit dem Ende der Sachsenkriege sind im 9. Jahrhundert große Waldstücke als Lehen an bäuerliche Siedler vergeben worden, und einer dieser Siedler hieß vermutlich Rembold oder Rembert. Denn als der Name der Stadt, um die wir uns hier mühen, zum ersten Mal in Urkunden auftaucht, ist meist von »Rembscheid« die Rede. Die Namengeberrolle des Hofes Remscheid für das spätere größere Gemeinwesen findet eine einfache Erklärung: das Scheid oder die Wasserscheide war die Bezeichnung für das gesamte Gebiet des Bergrückens. Als sich nun der erste Lehensträger fand, hieß dieses Land „das Remscheid«. Und bei dieser Bezeichnung blieb es auch, als sich aus vielen Höfen anderen Namens eine Stadt bildete. Die Mundart beweist die Richtigkeit dieses Gedankengangs bis heute, denn alle alten Remscheider behaupten von sich, em Remschet zu wohnen, im Remscheid also, der frühmittelal­terlichen Gemarkung.

Aus den ersten Siedlungen im Waldland der Wupperberge wurden im 10. Jahrhundert zahlreiche Niederlassungen. Ihre Namen verraten das Vordringen mit der Axt: Rädchen, Rath und Oelingrath gehen auf Rodungen zurück, Garschagen, Hohenhagen und Reinshagen verweisen auf eingehegte Waldsiedlungen. Damals schon begann, was später dem Raum um Remscheid das Gepräge geben sollte: die Eisenge­winnung und -Verarbeitung in den Bergen. Anfang des 12. Jahrhunderts kam Remscheid in die Hände der Grafen von Berg. Sie nahmen den Edelherren von Hückeswagen nach und nach deren Hoheitsrechte und errichteten von 1118 an ihre neue Burg an der Wupper, in deren Wieder­aufbau die Remscheider der Jahrhundertwende mit anderen bergischen Heimatfreunden eine große Aufgabe sahen.

Ins 12. Jahrhundert fällt auch die Entstehung der einzelnen Ho­fesverbände, die mit ihren Herren- und Fronhöfen, mit Kir­chen und abhängigen Bauerngütern Keimzellen der Orte waren, die später zum größeren Remscheid vereinigt wurden. Einen ersten Schritt zur Selbstverwaltung durften die Rem­scheider 1369 tun, als ihnen Graf Wilhelm von Berg »erblich und ewiglich« seinen Zehnten verpachtete und ihnen die Ab­gabe für Waldnutzung und für das Gerichtswesen erließ. Was zunächst wie ein Vorteil aussah, brachte auch neue Auf­lagen mit sich. An die Stelle des je nach Ernteertrag wech­selnden Zehnten waren jetzt feste Abgaben getreten. Außer­dem mussten die Remscheider fortan auch für ihren Kirchbau aufkommen. Der Orden der Johanniter nahm ihnen nur die Sorge für Chor- und Altarraum ab. Da das ganze Kirchspiel Remscheid zur Zahlung der Zehntpacht verpflichtet war, mussten die Gemeinden Vertrauensleute zur Überwachung einsetzen. Diese Aufgabe fiel den Vorstehern zu. Seit 1369 hat Remscheid also diese Figur.

Die erwähnte Eisengewinnung und -Verarbeitung in den Tä­lern um Remscheid hat um 1400 eine wichtige, technologische Folge. Es entstehen Eisenhütten, Hammerwerke, Schleifkotten und Walkmühlen, die mit Hilfe der Wasserkraft ange­trieben werden. Das Wasser bleibt bis Ende des 19. Jahr­hunderts unverändert die wichtigste Kraftquelle der Rem­scheider Industrie. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts zeigen sich die Gemeinden um Remscheid beeindruckt vom Wirken der Reformatoren. Bald sind nur noch die äußeren Gottesdienstformen rö­misch-katholisch. Um das Jahr 1609 befinden sich alle Kir­chen und Kirchengüter von Remscheid im Besitz der Luthe­raner.

Das alte Kreuz an der Talsperre.Die fortschreitende Entwicklung des Eisengewerbes, das schon längst einen starken Exportdrang zeigt, hat die heimi­schen Lagerstätten um die Mitte des 17. Jahrhunderts er­schöpft. Fremdes Eisen muss eingeführt werden. Die Wälder sind durch das Brennen von Holzkohle gänzlich verhauen. Auch Holzkohle muss aus dem Ausland geholt werden. Im Zuge des jülich-clevischen Erbstreites, durch das Aus­sterben des Herzoghauses im Jahre 1609 ausgelöst, kamen die Herzogtümer Jülich und Berg 1666 an das wittelsbachische Pfalz-Neuburg, damit auch Remscheid. Obwohl der Pfalz­graf während des 30jährigen Krieges (1618-1648) die Neutra­lität verkündet hatte, wurde das Bergische Land von Heeren aller Herren heimgesucht. In Remscheid kamen 1629 fremde Truppen ins Quartier. 100 Reiter und 100 Fußsoldaten wur­den auf 32 Kirchspielgüter und Anwesen im Dorf verteilt und verursachten große Schäden. 1632 zerstörten kaiserliche Soldaten die Dorfmühle. Auch der damals schon existierende Wiedenhof wurde völlig verwüstet. Doch aufs Ganze gesehen kam Remscheid in diesen unruhigen Zeiten noch gut davon. Brände verheerten im 18. Jahrhundert viele bergische Städte. Das obere Dorf Remscheid brannte 1723 mit Kirche und Schule ab. 1726 ist die Kirche aber schon wiederaufgebaut. Der Rest des Jahrhunderts steht im Zeichen wirtschaftlicher Hochblüte. Der Gewerbefleiß der Bergischen trägt Früchte. Die erfolgreichen Kaufleute bringen die Waren in alle Welt. Da fällt Reif. 1791 errichtet Frankreich als Folge der Revolu­tion einen Schutzzolltarif, der die Geschäftsverbindungen nach Westen stört. Von 1795 an ziehen immer wieder requi­rierende französische Truppen durchs Bergische Land. Das gewerbliche Leben gerät ins Stocken, Arbeitslosigkeit greift um sich. (Foto links: Das Steinerne Kreuz, das nördlich der Remscheider Talsperre an den Überfall auf einen Briefboten am 17. Oktober 1554 erinnern soll. Das Steinerne Kreuz war im alten Remscheid am frühen Morgen eines jeden zweiten Pfingstfeiertages Treffpunkt einer großen Volksmenge, für deren Bewirtung regelmäßig Schank- und Verkaufsstände errichtet wurden.)

Johann Gottlieb Diederichs.Im Jahre 1803 legte der Landesherr Maximilian Joseph von Bayern, der die Nachfolge von Kurpfalz angetreten hatte, die Regierung des Herzogtums Berg in die Hände seines Vetters, Herzog Wilhelms von Bayern. 1805 trat dieser es an Napo­leon ab. Der Korse übergab das Herzogtum 1806 seinem Schwager Murat. Zwei Jahre später erhielt das Land eine straffe Zentralverwaltung. Remscheid wurde eine französi­sche Munizipalität, und sein erster Bürgermeister, der ange­sehene Kaufmann J. G. Diederichs (Foto rechts nach Gemälde), war ein Maire von Na­poleons Gnaden. Er wurde durch die Franzosen, die damals das Großher­zogtum Berg besetzt hielten, 1808 zum Munizipaldirektor, später Maire genannt, bestellt. Remscheid hatte damals schon mehr als 5.000 Einwohner und wurde darum eine Kommune ersten Grades. Die Franzosen, die zuerst viel Ungemach und Stö­rung des Erwerbslebens mit sich gebracht hatten, taten jetzt etwas für die Zukunft. Sie schafften Leibeigenschaft und Le­henswesen ab, führten den Code Napoleon - ein Zivil-Ge­setzbuch - und die französische Gerichtsverfassung ein, bau­ten Straßen. In Remscheid sah es damals mit dem Wegenetz trostlos aus, aber der 1811 auf Diederichs folgende Maire Sonntag tat viel zur Besserung auf diesem Gebiet. Die Elberfelder Straße, (Ober-)Bürgermeister Ludwig von  Bohlen.die Blumenstraße und die Straße vom Hand­weiser über Ehringhausen wurden in Angriff genommen. Ludwig von Bohlen (1834-1899, Foto links), war zwischen 1876 und 1899 Bürgermeister, 1888 sogar Oberbürgermeister von Remscheid. Er lenkte die Geschicke der Stadt, als sie ihren großen Aufschwung nahm.

1815, nach des Korsen Untergang, fiel das Großherzogtum Berg und damit auch Remscheid an Preußen. Es lebten in­zwischen 7000 Menschen in der Stadt. Sie nahm eine organi­sche Entwicklung, bekam 1844 ihr eigenes Friedensgericht. 1848 erscheint als erste Remscheider Zeitung das »Volks­blatt«. 1854 wird an der Wendung, einer Haarnadelkurve der Straße nach Müngsten, die älteste Remscheider Dampf­schleiferei eröffnet. Ihr wird 1860 noch ein Walzwerk ange­gliedert. Das Unternehmen geht als »Alte Wendung« in die Industriegeschichte der späteren Werkzeugstadt ein. Es war die Keimzelle der »Bergischen Stahlindustrie« im Loborn. Der Name »Wendung« blieb im Volksmund dem Unter­nehmen auch am neuen Standort erhalten. 1854 war das Jahr, in dem Remscheid mit seinen nun 15.000 Einwohnern ein Wappen erhielt. Es zeigt im oberen Feld den bergischen Löwen, in der unteren Hälfte eine Sichel, Verweis auf die Sichel- und Sensenschmiede, die in der industriellen Frühgeschichte des Remscheider Raumes eine wichtige Rolle spielten. (aus: „Remscheid so wie es war“, von Dr. Gerd Courts, erschienen 1974 im Droste Verlag. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors.)

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