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Statt Leibniz-Gymnasium künftig eine Gesamtschule?

Zur Sitzung des Ausschusses für Schule und Sport am kommenden Donnerstag im neuen Mensaraum des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums hat die Stadtverwaltung unter der Überschrift „Perspektiven schaffen für ein längeres  gemeinsames Lernen“ zur Schulentwicklungsplanung Stellung genommen. Nach Rücksprache mit der Bezirksregierung und den Schulleitungen beabsichtigt die Verwaltung nunmehr, „die  … Konzeptionierung und Vorbereitung auf ein zweigliedriges  Schulsystem unter Einbindung aller Schulen und Schulformen“, wie es in der Mitteilungsvorlage heißt. Parallel sollen die Schulen und Schulformen stärker als bisher verzahnt werden (höhere Durchlässigkeit von der Primarstufe in die Sekundarstufe), um den Schülerinnen und Schülern die bestmögliche Förderung zu bieten und damit die Chance auf den höchstmöglichen Schulabschluss. Allgemeiner Konsens nach den Schulgesprächen: Der Status Quo in Remscheid ist nicht akzeptabel. Die Schullandschaft in NRW steuert auf ein zweigliedriges  Schulsystem (Gymnasium und integrierte Schulform) hin. „Abzuwarten“ ist keine Lösung; Die Schulen sollen sich (bis zu einer klaren schulpolitischen  Positionierung des Landes zu einem zweigliedrigen Schulsystem) prozessorientiert auf  die neue Entwicklung vorbereiten; die Gesamtschulen  haben dazu entsprechender Konzepte zugesagt. Eine Schulform des längeren gemeinsamen Lernens wird von allen weiterführenden  allgemein bildenden Schulen befürwortet, wobei die „Gemeinschaftsschule“ lediglich als Zwischenschritt auf dem Weg zu einem zweigliedrigen Schulsystem gesehen  wird. Nachfolgend auszugsweise weitere Passagen aus der Vorlage:

Sowohl im politischen Raum als auch in der Öffentlichkeit besteht eine starke  Erwartungshaltung – nicht zuletzt genährt durch die landespolitische Diskussion um ein neues  Schulgesetz - zur weiteren Entwicklung der Remscheider Schullandschaft, insbesondere unter  dem Aspekt des Elternwillens nach einer Schulform des längeren gemeinsamen Lernens.  Darüber hinaus hat die Bezirksregierung Düsseldorf die Stadt aufgefordert, zu verschiedenen  aktuellen Entwicklungen im Schulbereich, schulorganisatorische Maßnahmen aufzuzeigen. Im Oktober 2010 erfolgte die Gründung eines interfraktionellen Arbeitskreises zur  perspektivischen Schulentwicklung in Remscheid. Er hat folgende Aspekte der Schulentwicklung im Einzelnen zu betrachten:

  • Die hohe Zahl der jährlichen Abweisungen der Gesamtschulen und der damit  verbundenen Nachfrage nach einer Schulform des längeren gemeinsamen Lernens.  Hierbei sind die vom Land als Modellversuch offerierte Schulform der  Gemeinschaftsschule sowie die Erweiterung des bestehenden Remscheider  Gesamtschulangebotes zu berücksichtigen.
  • Schülerzahlentwicklung und Klassenbildung der Gymnasien; am Röntgen-Gymnasium und am Leibniz-Gymnasium werden zum kommenden Schuljahr die  gesetzlichen Klassenbildungswerte knapp erreicht.
  • Weiterhin sinkende Schülerzahlen, derzeit besonders in den Hauptschulen.
  • Berücksichtigung inklusiver Beschulung in allen Schulen.

Dies wurde zwischen der Verwaltung und den Schulleitungen  aller weiterführenden allgemein bildenden Schulen am  18.Mai intensiv diskutiert.

Hauptschulen: Die GHS Klausen kann aufgrund zu geringer Anmeldungen zum kommenden Schuljahr  2011/2012 keine Eingangsklasse bilden. Da hierdurch keine rechtliche Grundlage mehr zur  Fortführung der Schule besteht, ergibt sich eine Verpflichtung zur Auflösung der Schule  (faktische Auflösung aufgrund der Nichtaufnahme von Schülerinnen und Schülern). Die  politische Beschlussfassung über die Auflösung steht noch aus. - Die GHS Rosenhügel bildet zum kommenden Schuljahr mit dem gesetzlichen Mindestwert von  18 Schülerinnen/Schülern letztmalig eine Eingangsklasse. Vorbehaltlich der politischen  Beschlussfassung wird die schrittweise Auflösung der Schule ab dem Schuljahr 2012/2013  angedacht. Durch die beabsichtigte Auflösung der GHS Rosenhügel soll die innerstädtische GHS  Wilhelmstrasse perspektivisch gestärkt werden.

Gymnasien: Die sich hier abzeichnende demografische Entwicklung der Schülerzahlen ist für die weitere  Schulentwicklung, unter Einbeziehung der weiteren Entwicklung der gesamten Remscheider  Schullandschaft, zu betrachten. Angesichts der schülerdemografischen Entwicklung wird von der Bezirksregierung  angezweifelt, dass alle vier Remscheider Gymnasien dauerhaft in ihrem Bestand erhalten  bleiben. In diesem Zusammenhang erfolgte der Hinweis der Bezirksregierung auf die Situation  im Innenstadtbereich, wo sich zwei Gymnasium in örtlicher Nähe zueinander befinden.

Gründung einer Gemeinschaftsschule bzw. Errichtung einer weiteren Gesamtschule: In den vergangenen Jahren musste regelmäßig der Wunsch von zwischen 150 und mehr  Kindern nach Besuch einer Gesamtschule in Remscheid abgelehnt werden, weil die  Kapazitäten nicht ausreichten. Die Zahlen dokumentieren ausdrücklich den Wunsch der Eltern  nach einer integrierten Beschulung.

Dazu fand am 27. Mai im Rahmen einer Schulträgerberatung ein Gespräch der Verwaltung bei der Bezirksregierung  Düsseldorf statt (die Bezirksregierung begleitet die Schulentwicklungsplanung einer Kommune lediglich  beratend. Die Entscheidungen obliegen der Kommune im Rahmen ihres  Selbstverwaltungsrechtes.) Sowohl in den Gesprächen mit den Schulen als auch im Rahmen der Schulträgerberatung bei  der Bezirksregierung Düsseldorf wurden folgende Varianten intensiv diskutiert:

  • Errichtung einer Gemeinschaftsschule oder Gesamtschule mit Oberstufe am Schulzentrum Hackenberg.
  • Errichtung einer Gemeinschaftsschule oder Gesamtschule mit Oberstufe am Schulzentrum Klausen und einer damit verbundenen Auflösung des Leibniz-Gymnasiums.
  • Errichtung einer dreizügigen Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe im Schulzentrum Klausen durch Umwandlung der GHS Klausen. Das ebenfalls im Schulzentrum Klausen befindliche Leibniz-Gymnasium sollte in der bisherigen maximalen Dreizügigkeit erhalten bleiben und hinsichtlich der Oberstufe mit der Gemeinschaftsschule kooperieren.
  • Errichtung einer Gemeinschaftsschule bzw. einer weiteren Gesamtschule im  Innenstadtbereich.
  • Bau einer neuen Schule (Gemeinschaftsschule, Gesamtschule) und abzuwarten, welche bisherigen Schulen in ihrer Existenz gefährdet werden.)

Von der Bezirksregierung wurde die im kommunalpolitischen Raum getroffene Aussage unterstützt, dass Remscheid rein quantitativ betrachtet zwei Hauptschulen und ein Gymnasium zu viel habe. Die Errichtung einer Gesamtschule/Gemeinschaftsschule im Innenstadtbereich wurde von  der Bezirksregierung als sehr problematisch angesehen, da die dort befindlichen Schulen in  ihrer Existenz gefährdet werden könnten. Gegen die Errichtung einer dreizügigen Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe im Schulzentrum  Klausen durch Umwandlung der GHS Klausen (V3) wurden seitens der Bezirksregierung  erhebliche Bedenken geäußert, da es schwierig wäre, eine für die Antragstellung erforderliche  nachweisbare Leistungsheterogenität der Schülerschaft zu erreichen. Die Bezirksregierung  wertete diese Variante aus schulfachlicher Sicht als aussichtslos und „warnte“ davor, eine  Gemeinschaftsschule allein durch die Umwandlung einer Hauptschule zu errichten. In diesem  Zusammenhang wurde über die mit dieser Variante gemachten schlechten Erfahrungen aus der  ersten Antragsrunde für das Modellvorhaben „Gemeinschaftsschule“ berichtet. Für eine evtl. zweite Antragsrunde lägen bereits 120 Anträge vor. Sollte es für den  Schulversuch eine zweite Antragsrunde geben, wäre die Frist hierfür voraussichtlich für Anfang  November 2011 vorgesehen. Schulfachlich wäre es nicht umsetzbar, ein genehmigungsfähiges  Konzept bis zu diesem Zeitpunkt zustande zu bringen. (Die hohe  Zahl der Anträge könnte auch dazu führen könnte, dass die Gemeinschaftsschule als  reguläre Schulform im Schulgesetz verankert würde.

Aus Sicht der Bezirksregierung wäre die Gründung einer Gesamtschule oder  Gemeinschaftsschule am Standort Hackenberg derzeit kaum umsetzbar, da beide Schulen  in ihrem Bestand stabil sind. Mittelfristig betrachtet wurde der Standort als geeignet für eine  integrierte Schulform gewertet. Ebenso wurde der Neubau einer Schule als äußerst kritisch hinsichtlich der  Genehmigungsfähigkeit bewertet, da die Finanzierung in starker Diskrepanz zu den  haushaltsrechtlichen Auflagen der Kommunalaufsicht stehen würde. Insgesamt betrachtet  verfüge die Stadt über ein ausreichendes Angebot an Schulraum, welches die Errichtung einer  Gesamtschule bzw. Gemeinschaftsschule im Raumbestand ermöglichen könnte, wenn  verschiedene und vom Grundsatz her mögliche schulorganisatorische Maßnahmen getroffen  würden. Von der Bezirksregierung wurde die im kommunalpolitischen Raum getroffene Aussage  unterstützt, dass Remscheid rein quantitativ betrachtet zwei Hauptschulen und ein Gymnasium  zu viel habe.

Von der Bezirksregierung wurde als geeigneter Standort für die Errichtung einer  Gesamtschule/Gemeinschaftsschule ebenfalls das Schulzentrum Klausen gesehen. Jedoch  sollte das Leibniz-Gymnasium in die Betrachtung mit aufgenommen werden. Es wurden  folgende Varianten von der Bezirksregierung vorgeschlagen:

  • Errichtung einer Gemeinschaftsschule durch Umwandlung der GHS Klausen und des  Leibniz-Gymnasiums. Diese Variante sei im Hinblick auf einen Schulversuch voraussichtlich genehmigungsfähig
  • Errichtung einer Gesamtschule im Ganztagsbetrieb inklusive Oberstufe durch Auflösung  beider Schulen.
  • Als weitere Variante schlug ein Vertreter der Bezirksregierung vor, eine Gesamtschule zunächst  am Schulstandort Leverkuser Strasse zu gründen und die derzeit dort befindliche Förderschule  Pestalozzi an einen anderen Standort (z.B. Schulzentrum Klausen) zu verlagern. Damit könnte  eine „Zeitgewinn“ von vier bis sechs Jahren erreicht werden, um - unter Berücksichtigung der  Schulentwicklung in Remscheid - bis dahin einen dauerhaften Standort für eine Gesamtschule  zu „finden“.

Unter Berücksichtigung der Sichtweise der Bezirksregierung wurden im zweiten Gespräch mit den Schulen am 7. Juni folgende Handlungsvarianten aufgezeigt:

  • Fortschreibung des Status Quo mit der Folge, dass der Elternwille nach einer integrierten  Schulform nicht berücksichtigt würde, der von der Bezirksregierung aufgezeigte  schulentwicklungsplanerische Handlungsbedarf unberücksichtigt bliebe und in der Öffentlichkeit  als auch politisch keine Akzeptanz erreichbar wäre.
  • Die Gründung einer Gemeinschaftsschule durch die alleinige Umwandlung der GHS  Klausen, entgegen den erheblichen schulfachlichen Bedenken der Bezirksregierung, weiter zu  verfolgen.
  • Eine Empfehlung für die Gründung einer integrierten Schule am Standort Hackenberg oder  Klausen vorzuschlagen. Hier wäre mit erheblichem Widerstand der Schulen und  Schulgemeinden der Albert-Schweitzer-Realschule und der GHS Hackenberg und starken  öffentlichen und politischen Konflikten zu rechnen.
  • Ein bis zwei Jahre „abzuwarten“, bis die sich abzeichnenden schulgesetzlichen Grundlagen  vorliegen (Gemeinschaftsschule als gesetzliche Schulform). Für eine politische Akzeptanz dieser Variante wäre bereits zum jetzigen Zeitpunkt eine konkrete  Aussage der Schulen zu einer prozessorientierten Vorbereitung auf diese Entwicklung  erforderlich.
  • Neubau einer Schule, wobei lt. der oberen Schulaufsicht eine Genehmigung der  Finanzierung durch die Kommunalaufsicht als utopisch gewertet wurde. Eine Finanzierung aus  der Bildungspauschale würde die Finanzmittel auf Jahre hinaus binden und zu Lasten des  notwendigen Finanzbedarfes für alle anderen Schulen führen.

Angeregt wurde auch, die Existenzberechtigung  zweier Schulen (Gymnasium und Gemeinschaftsschule) im Schulzentrum Klausen mit der  Unterschiedlichkeit „G8 / G9“ stärker heraus zu stellen. Hierdurch könnte eine  Leistungsheterogenität für eine Gemeinschaftsschule möglicherweise erreicht werden. In diesem Zusammenhang führten die Gesamtschulen an, dass angesichts der völlig  ausgeschöpften Raumressourcen der beiden Gesamtschulen durchaus eine Reduzierung der  Zügigkeit der Gesamtschulen in Betracht zu ziehen wäre, um auch hierdurch eine Schülerschaft  mit einer entsprechenden Leistungsheterogenität für eine weitere integrierte Schulform zu  erhalten. Auch sollte die Gründung einer weiteren Gesamtschule Priorität haben gegenüber einer Gemeinschaftsschule, da es sich bei der Gesamtschule um  eine gesetzlich verankerte und bereits langjährig bewährte Schulform handele.  Für die Gründung einer Gemeinschaftsschule wären Eltern dagegen von einer neuen, unbekannten  Schulform zu überzeugen. Hierfür wären zunächst ein valides Konzept sowie umfangreiche  „Informations- und Werbemaßnahmen“ erforderlich.  Es bestand bei allen Beteiligten Konsens darüber, dass angesichts der zeitlichen Bedingungen und  Erfordernisse (u.a. Konzepterstellung), die evtl. Errichtung einer Gesamtschule/Gemeinschaftsschule frühestens zum Schuljahr 2013/2014 in Frage käme.

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Kommentare

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Eija Tirkkonen am :

Die SPD wählt aus allen vorgeschlagenen Wahlmöglichkeiten für die neue Schulstruktur in Remscheid die teuerste: Neubau einer Gesamtschule. Dazu die Bezirksregierung: Utopisch! Erste Schätzungen für diesen Neubau liegen zwischen 12 und 30 Mio. €. Vor einem Jahr haben die gleichen Politiker die Schließung von Schulen in dem Sparmaßnahmenkatalog den Bürgern vorgeschlagen. Längeres gemeinsames Lernen, um jedem Kind eine seiner Fähigkeiten entsprechende Schulausbildung zu ermöglichen, scheint der einzige, übriggebliebene Ansatz einer Gesamtschule zu sein. Bildungsgerechtigkeit kann nämlich auch auf dem niedrigsten Niveau erreicht werden: Große Klassen, wenig Wahlfächer, unzureichende Sprachförderung und nur ein Pädagoge/Lehrer in der Klasse. Im internationalen Vergleich wird Deutschland weiter an Boden verlieren. Damit die Schule auch eine Spitzenleistung bringt, braucht man Geld vor allem für die Bildungsarbeit in den Klassen. Dieses Geld wird nun für die Ankurbelung der Bauwirtschaft verwendet. Jahrelang hat man die Bildung in den Hauptschulen vernachlässig. Das Ansehen der Haupt- schule ist dadurch nicht gestiegen. Die tägliche Praxis zeigt, daß Industrie und Handwerk starke Vorbehalte gegenüber Bewerbern für einen Ausbildungsplatz aus der Hauptschule haben. Mit einem Bruchteil der 12 Mio. könnte man die Hauptschule zur überragenden praxisorientierten Schulform entwickeln, die jedem eine berufliche Zukunft sichert.

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