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Freiheitstraße: Nur neun Anwohner zeigten Interesse

Foto: Lothar Kaiser

Mitspracherecht bei der Neugestaltung der Freiheitstraße“, überschrieb der Waterbölles am 17. Juni die Einladung der Stadt Remscheid zu einer Bürgerversammlung im Großen Sitzungssaal des Rathauses. Gestern um 18 Uhr fanden sich dazu rund  interessierte 60 Bürgerinnen und Bürger ein. Man sollte annehmen, dass es sich beim größten Teil der Anwesenden um „unmittelbar Betroffene“ gehandelt habe. Doch weit gefehlt! Tatsächlich waren von den 1.238 Abwohner/innen der Freiheitstraße im Bereich zwischen Schüttendelle und Weststraße nur neun (!) erschienen – fünf Mieter und vier Hausbesitzer. Reges Interesse Betroffener sieht anders aus!

Nach der Begrüßung durch Bezirksbürgermeister Otto Mähler erläuterte Stadtplaner Hans Gerd Sinnenschein (rechts im Bild) ausführlich die Absichten der Stadtverwaltung, die in Kurzform bereits in der Einladung beschrieben worden waren: Die Freiheitstraße soll auf zwei Fahrspuren mit zusätzlich notwendigen Rechts- und Linksabbiegespuren zurückgebaut und die dabei freiwerdenden Verkehrsflächen als Grün- beziehungsweise zusätzliche Stellplätze angelegt werden. Die Beweggründe für die Umplanung der vielbefahrenen Bundesstraße 229 (in 2010 wurden dort im Tagesdurchschnitt 21.937 Fahrzeuge gezählt, davon 584 Lkw und 228 Lastzüge), die Sonnenschein in seinem Powerpoint-Vortrag nannte, müssen hier nicht wiederholt zu werden. Sie finden sich bereits im früheren Berichten des Waterbölles, etwa unter Der ‚Stachus’ liegt auf der Freiheitstraße und wird grün“ (18. August 2009) oder „Rechtsabbiegespuren und neue Ampeln für grüne Welle“ (20. Mai 2011).

Das gilt auch für die EU-Vorschriften, die die Stadt Remscheid zwingen, auf der Freiheitstraße durch geeignete Maßnahmen für weniger Verkehrslärm und weniger Stickstoffdioxid (Autoabgase) zu sorgen. Sonnenschein: „An diesen Vorschriften kommen wir nun mal nicht vorbei!“ Gleichwohl sei aber noch völlig offen, wie die Neugestaltung der Freiheitstraße ausfallen werde. „Die Stadtwerke werden 2013 ihre Kanalbauarbeiten beendet haben. Das heißt, wir werden 2012 eine Entscheidung treffen müssen, was mit der Freiheitstraße dann geschehen soll. Und dazu wollen wir wollen die Meinung der Bürger wissen!“ Die fiel gestern allerdings nicht einhellig aus. So sprach Helmut F. Ruppert vom Verkehrs-Clubs (VCD) Bergisches Land von einem „hervorragenden Planungsentwurf“ (im Anschluss an die Planungswerkstatt im August 2009 prämiiert), der „bei intelligenter Ampelsteuerung auch eine grüne Welle bei Tempo 30 möglich machen wird; dann kann auf teuren Flüsterasphalt verzichtet werden!“ Bei den gegenwärtigen Baustellenampeln seien Staus unvermeidbar. Eine Hausbesitzerin berichtete von Rissen in einer Kellerwand, die auf Schwerlastverkehr zurückzuführen seien.: „Die Lastwagen müssen langsamer fahren!“

Andere Bürger befürchteten nach einem Rückbau auf zwei Fahrspuren auch außerhalb der Hauptverkehrszeiten häufige Staus. Die seien auch auf anderen zweispurigen Hauptverkehrsstraßen morgens zwischen 6 und 9 sowie abends zwischen 17 und 19 Uhr nicht ganz auszuschließen, entgegnete Sonnenschein. Das habe schon vor Jahren der Rat der Stadt bekräftigt im Zusammenhang mit einem Beschluss über Straßenausbau und Verkehrsflüsse. Und auf die Frage nach Schneebergen am Straßenrand und der Müllabfuhr auf einer zweispurigen Straße verwies der Stadtplaner auf Vieringhausen / Solinger Straße (ebenfalls B 229) und Königstraße: „Da geht es doch auch – seit Jahren!“ Der Verzicht auf je eine Fahrspur in eine Richtung sei durchaus möglich, vorausgesetzt, es entstünden ausreichend Links- und Rechtsabbiegespuren. „Außerhalb der Kreuzungs- und Einmündungsbereiche können dann Parkstreifen entstehen, die den Zulieferbetrieb anliegender Firmen erleichtern werden, beispielsweise bei einer Glasbaufirma. Wenn da heute ein Lastwagen anfährt, Stockt der Verkehr!“

Die Eigentumsverhältnisse an der Freiheitstraße hatte Sonnenschein eingangs als kleinteilig bezeichnet. „Das bedeutet unterschiedliche Interessen, und die machen dann die Planung schwierig!“ Vielleicht hat er nach der gestrigen Bürgersanhörung seine Meinung geändert. Denn „große Proteste“ blieben aus – ebenso wie viele Anwohner der Freiheitstraße. Aber wie die Vergangenheit lehrt: Sobald der Rat der Stadt eine Entscheidung getroffen hat, formiert sich der Widerstand…

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Kommentare

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Ursel Bickenbach-Schmidt, Bürgerkreis Stachelhausen am :

Jede Veränderung auf dieser zentralen Verkehrsachse hat große Bedeutung für die Wohn- und Lebensqualität in unserem Stadtteil. Die nun anstehende Umgestaltung der Freiheitsstraße stellt die einzige wirklich sichtbare und wirksame Maßnahme dar, mit der in die Zukunft unseres Stadtteils investiert wird, während ansonsten Desinvestition und Verfall vorherrschen. Auch wenn die Freiheitsstraße zum größten Teil die Funktion einer Durchgangsstraße hat und damit für unseren Stadtteil weit mehr Belastungen als Nutzen erbringt, so hat sie für Stachelhausen zumindest die wichtige Funktion, dass die ansässige Industrie gut mit Lkw angefahren werden kann, was einen der wenigen noch verbliebenen positiven Standortfaktoren unseres Stadtteils darstellt. (Auszug aus einem Brief an die Bauverwaltung)

Klaus Kowakowski am :

Am 21. Mai glossierten die Mundartfreunde im RGA die neue Kopfgeburt des Remscheider Zentraldienstes für Stadtentwicklung" mit der mehr als deutlichen Formulierung: "vam Quatsch met dem VÖGESCHOWENEN BÖRGERWELLEN en de Freiheitstrote". Bei dem Termin am 07. Juli im Remscheider Rathaus hat der Bürgerkreis Stachelhausen dem Leiter dieser Dienststelle ein zweiseitiges Schreiben zur Beantwortung übergeben, in dem Fragen nach Umlenkung der Verkehrsströme, Winter-und Notfallsituation, logistische Anbindung von Industriebetrieben, Überfälligkeit Grüner Welle, Schwarzdecke mit "Flüsterasphalt", nach wirtschaftlichen und strategisch vertretbaren Umgang mit begrenzten Fördermitteln, nach, warum nicht mehr Lebensqualität durch gebietsbezogene Stadterneuerung des Wohnungsbestandes, nach, warum statt dessen gesamte Fördermittel in anachronistischen, rückwärtsgewandten Rückbau versenken, enthalten waren. Zu befüchten ist allerdings, dass fern vom Geschehen wohnende Politiker in Bezirksvertretung und Rat, zum Nachteil betroffener Menschen und zum Nachteil der Stadt Remscheid falsch entscheiden werden.

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