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Statt Dramen lieber Schwänke von Millowitsch

Das Haus der Gesellschaft 'Concirdia', erbaut zwischen 1891 und 1892. Nah dem Zweiten Weltkrieg diente es vorübergehend für städtische Kulturveranstaltungen. Heute steht an dieser Stelle das 1954 erbaute Stadttheater."1914 hatte Remscheid 80.000 Einwohner. Und wie lebte es sich hier? Was geschah zur Unterhaltung dieser durch die Indu­strie herbeigelockten Bevölkerung? Nun, sonntags lockten in Restaurationsgärten »Frei-Concerte«, wobei die Wirte aus­drücklich vermerkten, dass ein Bieraufschlag nicht erhoben werde. Otto Reuther gastierte mit seinen Couplets, so etwa mit dem heute noch gelegentlich entstaubten »Gehst du weg von dem Fleck, ist der Überzieher weg«. Aber die Rem­scheider befriedigten auch gern den vermeintlichen »Hang zum Höheren«. Freilich hatte bei der Konkurrenz um die Publikumsgunst der Kölner Millowitsch eine größere Chance als das Stadttheater Barmen-Elberfeld. Wenn der Kölsche Spaßmacher bei seinen Runden durch das Land Remscheid anvisierte, dann genügte eine einmalige Anzeige »Millowitsch kommt« Wochen vor dem Gastspiel, um seinen Pointen eine ausverkaufte »Concert-Halle Ger­mania« in der Brüderstraße zu sichern. Die Remscheider, hart arbeitend, hatten nach Feierabend wenig Sinn für kulturelle Strapazen, sie wollten unterhalten sein, und dies so schlicht wie möglich.

In der »Concert-Halle Germania« herrschte als Direktor um die Jahrhundertwende ein gewisser Julius von Bastineller, und der erfuhr oft genug schmerzlich, wie begrenzt die Auf­nahmebereitschaft seines hochverehrten Publikums war. 1900 spielte er angeblich auf »vieles Verlangen« den Schwank »Der Schlafwagen-Kontrolleur«. Schreibt ein Rezensent: »Das Stück fand freundliche Aufnahme bei dem selbstver­ständlich spärlichen Publikum, dass sich ungeachtet der gäh­nenden Leere im Saal an den übermütigen Szenen ergötz­te . . .« Andere Musenkinder hatten es leichter. Wenn zum Beispiel der Dramatische Verein »Minerva« in der Schützenhalle mit der taufrischen Posse »Robert und Bertram« herauskam, gab es schon deshalb ein volles Haus, weil die Dilettanten auf der Bühne einen zahlreichen Anhang mitbrachten, und weil es um wohltätige Zwecke ging. Das Theaterleben damals hatte keine klare Kontur. Subven­tionen für Gastspiele wurden von den Stadtverordneten verweigert. Der Pächter der »Concert-Halle Germania« er­hielt eine Beihilfe von jährlich 150 Mark. Das Theater mag den für das Kulturleben verantwortlichen Stellen noch wie der Bastard unter den Künsten vorgekommen sein.

Das Mu­sikleben hingegen blühte. Gustav Schwager, erster Städti­scher Musikdirektor, leitete den Chor des »Concertvereins«. Gustav Engels, dessen Vorsitzender, förderte nicht nur Or­chester- und Chorleben, er holte auf Anregung Schwagers auch führende deutsche Künstler nach Remscheid. Und fünfzig Gesangvereine mischten sich ein, damals schon so viele. Namen sind darunter, die längst Vergangenheit: Al­liance Schüttendelle, Concordia Grund, Lorbeerkranz. Sie fahren zum Wettstreit, hier und dort mit der Fahne, und oft genug schleppen sie Preise heim, schwer und wenig künstlerisch. Die füllen Vereinsschränke und - Qualitätsausweise, die sie zu sein scheinen - auch Konzertsäle. Land der »sin­genden und klingenden Berge«, dort zu leben ist den Remscheidern fröhliches Bewusstsein. Und viele von ihnen lockt es, Balladen von Hegar zu intonieren oder auch dies: »Fahr wohl du goldne Sonne, du gehst zu deiner Ruh', und voll von deiner Wonne geh’n mir die Augen zu.« Hochmütiges Lä­cheln ist nicht angezeigt. Auch unsere Zeit produziert Kitsch, und wir wollen über den Geschmack der alten Remscheider nicht richten, sondern berichten. Sie waren übrigens auch ein kirmesfreudiges Volk, und wenn die Karussells, besser gesagt »Partiewagen«, und die Buden auf dem Schützenplatz (heute Rathausplatz) auf­gebaut waren, dann vergaßen sie, dass sie eigentlich die Arbeit als ihren Lebenszweck ansahen, wenigstens für ein paar Stunden." („Remscheid so wie es war“, von Dr. Gerd Courts, erschienen 1974 im Droste Verlag.)

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