Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

"Remscheider Tafel" zählt mehr denn je auf Ehrenamtler

Montags bis freitags gibt es in der Hauptstelle der 'Remscheider Tafel' an der Kronprinzenstraße ein warmes Mittagessen für einen Euro. Im Bild Elsa Vasileva und Tamara Genamm bei der Ausgabe. Foto: Lothar Kaiser

Arbeit der Tafel gelingt nur mit Hilfe vieler Sponsoren“, titelte der Waterbölles am 26. Februar 2010.  Damals hatte Jürgen Urbinger, der 1. Vorsitzender der Remscheider Tafel, in der Mercedes-Niederlassung an der Ueberfelder Straße den Schlüssel zu einem nagelneuen Kühlfahrzeug in Empfang nehmen können. Den neuen „Sprinter“ hatten 25 Remscheider Firmen durch ihre Spenden möglich gemacht. Zu was aber wäre ein Kühlwagen noch nutze, wenn niemand mehr da wäre, der ihn fahren könnte?  Deshalb machten gestern in einer Pressekonferenz Jürgen Urbinger und die Vorstandsmitglieder Werner Fußwinkel und Bernd Behrendt darauf aufmerksam, dass die "Remscheider Tafel" (bei nur 1,5 hauptamtlichen Stellen) künftig noch mehr als bisher auf Ehrenamtler angewiesen sei. Zurzeit sind es 40 Männer und Frauen, die unentgeltlich mit anpacken, damit „der Laden läuft“. Urbinger: „Zehn mehr wären schon gut. Vor allem weitere Fahrer und Beifahrer könnten wir sehr gut gebrauchen – für ein, zwei Tageschichten von 7.30 bis 16 Uhr pro Woche, aber auch mal nur für die Zeit von 7.30 bis 13 Uhr. Hauptsache, der Führerschein passt, und das Verladen einer Obstkiste macht keine Mühe!“ (Interessenten melden sich bitte unter Tel. RS 790193).

Ohne Fahrer und Beifahrer keine Lebensmitteltransporte! Die Logistik sei das Rückgrat einer jeden Tafel, sagt Urbinger – und berichtet von „tonnenweise Nudeln“, die regelmäßig bei einem Remscheider Produzenten abgeholt werden müssen, und von anderen Lebensmittel-Überproduktionen, die dann auf mehrere Tafeln verteilt worden seien: 4.000 Sahnesprühdosen beispielsweise oder 150 Sechs-Kilo-Räder Appelzeller Käse aus dem Kölner Zentrallager eines Discounters. Mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum auf den Lebensmitteln, die ihnen angeboten werden, haben die Tafeln in Deutschland kein Problem. Denn, so Urbinger: „Die Waren sind auch noch Wochen und Monate darüber hinaus haltbar!“ Wohl aber muss dafür gesorgt werden, dass im voll gepackten Kühlhaus an der Kronprinzenstraße keine Ware „übersehen“ wird. Deshalb hat der Verein Rollcontainer angeschafft. Urbinger: „Die ältere Ware kann so immer ganz vorne stehen!“

Insgesamt kümmert sich die Tafel zurzeit um rund 1.700 bedürftige Bürger, vom Single bis zur achtköpfigen Familie. Wer nachweisen kann, dass sein Monatseinkommen unter der Pfändungsgrenze liegt, gilt offiziell als arm und erhält einen Ausweis, den er dann in den Ausgabestellen der Remscheider Tafel vorzeigen muss, wenn er Lebensmittel mit nach Hause nehmen will. Alleinstehende und Familien mit bis zu vier Personen können zweimal in der Woche Lebensmittel in Empfang nehmen, größere Familien dreimal in der Woche. Die Nachfrage ist groß und die Tendenz weiter steigend. Vorstandsmitglied Werner Fußwinkel: „Das ist für mich erschreckend. Ich wäre froh über jeden ‚Kunden’, den die Tafel verliert, weil er wieder zurückgefunden hat in Lohn und Brot. Hierin sollte die Politik mehr als bisher eine wichtige Aufgabe sehen!“ Doch stattdessen sieht es eher so aus, als lasse die Politik, konkret: die Bundesregierung, die 900 Tafeln in Deutschland mehr und mehr im Stich. Fußwinkel gestern: „Nachdem die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Arbeitsamtes weggefallen sind, sollen zum Jahresende auch die Eingliederungshilfen für Langzeitarbeitslose gestrichen werden!“ Für die Remscheider Tafel wird das bedeuten, dass sechs Stellen gefährdet sind, für die das örtliche Jobcenter bislang Zuschüsse zahlte. Deshalb also die aktuelle Suche der Tafel nach weiteren Ehrenamtlern!

Aber bei einem Jahresetat von knapp 90.000 Euro ist der eingetragene Verein auch weiterhin auf Spenden angewiesen – kleine wie große. Schatzmeister Bernd Behrendt: „Firmen unterstützen uns mit vierstelligen Beträgen. Aber wir freuen uns auch, wenn jemand fünf Euro überwiesen hat!“ Pro Jahr kommen so rund 50.000 Euro zusammen. Weitere 30.000 durch den „Tafel-Euro“. Denn ganz kostenlos gibt es für Bedürftige weder das warme Mittagessen in der Hauptstelle an der Kronprinzenstraße (montags bis freitags) noch die Lebensmittelzuteilungen in der Hauptstelle und den vier Nebenstellen (Burger Straße, CVJM Lüttringhausen sowie in Lennep an der Wülfing- und der May-von-Laue-Straße).  Eine Spende an die Tafel sei auch indirekt möglich, verrät der Vorsitzende Jürgen Urbinger: „Wer bei Lidl sein Leergut zurückgibt, kann am Automaten auf die Taste ‚Für die Tafel’ drücken. Dann bekommt nicht der Kunde das Geld ausgezahlt, sondern zum Jahresende geht das Geld an die Tafeln, die sich darum beworben haben!“ Und dazu gehört auch die „Remscheider Tafel“.

Jürgen Urbinger, der Vorsitzende der 'Remscheider Tafel' im voll gepackten Kühlhaus. Foto: Lothar Kaiser

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!