Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Stolpersteine: Erinnerung polieren, damit sie nicht verblasst

Eine eigene Homepage für die Remscheider Stolpersteine.„Gegen das Vergessen Stolpersteine“ steht auf der Jutetasche, mit der Johann Max Franzen mehrfach im Jahr loszieht, um die Erinnerung zu  polieren, damit sie nicht verblasst. In der Tasche sind Flaschen mit Scheuermitteln und Putztücher. Denn die Messingplatten im Pflaster von fast fünfzig Straßen und Plätzen in Remscheid wollen gepflegt sein, damit sie nicht Patina ansetzen. Nur wenn sie goldgelb glänzen, besteht die Chance, dass sie die Aufmerksamkeit von Passanten erregen und ihrem Namen – „Stolpersteine gegen das Vergessen“ – gerecht werden. Johann Max Franzen möchte, dass viele Remscheider an diesen Steinen innehalten und die darauf eingravierten Namen lesen – von Koll, Koppel, Kornmann, Lazer, Lefman, Lenneberg, Linden, Löwenthal und Mandelbaum bis Rosenbaum, Sternberg, Strauss, Vogel und Zauderer. Es sind die Namen der Angehörigen von 65 meist jüdischen Remscheider Familien, die zwischen 1933 und 1945 von den Nazis verfolgt und ermordet wurden.

Deportationszug 1943 von Sinti und Roma zum Hauptbahnhof.Ihre Wohn- und Lebensorte belegen die „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig.  Mittlerweile sind es in Remscheid 143, die meisten davon in der Innenstadt zu finden. Ein Stolperstein ist den Sinti und Roma gewidmet, die in einem sogenannten ‚Zigeunerlager’ an der Ibacher Mühle lebten, bis sie am 3. März 1943 von Polizisten zum Hauptbahnhof geleitet wurden, um von dort in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert zu werden (Das Foto – oben rechts – von diesem Marsch durch die Innenstadt findet sich im Eingangsbereich zur Dauerausstellung des „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“ in Berlin-Mitte).

Johann Max Franzen auf 'Putztour'. Foto:Lothar KaiserJohann Max Franzen hat viel zu putzen und zu polieren, um die Erinnerung an die Ermordeten wach zu halten. Etwa an die Familie Mandelbaum, die an der Palmstraße wohnte (sieben Steine), die Familie Zauderer und Becker von der  Brüderstraße (acht Steine), die Familie Vogel von der Bismarckstraße (sechs Steine), die Familien Artmann und Kamiel von der Greulingstraße (sechs Steine), die Familie Isaak vom Gänsemarkt (sieben Steine) und die Familie Koppel von der Alexanderstraße (sieben Steine).

In diesem Jahr war er an insgesamt 17 Tagen unterwegs. Nach einem festen „Reinigungsplan“, für den er sich eine Tabelle erstellt hat. Manchmal bringt er an einem Tag zehn Tafeln auf Hochglanz, manchmal – wie am 30. August – sind es auch 30. Niemand hat den 67 Jahre alten Rentner zu dieser Arbeit aufgefordert, und niemand bezahlt ihn dafür. Der gelernte Fernmeldetechniker hat sie sich selbst ausgesucht. „2004 wurde die Firma DeTeWe, bei der ich 32 Jahre lang beschäftigt war, verkauft, und ich ging mit 60 Jahren in den Vorruhestand.“ Es war Zufall, dass Johann Max Franzen in der „Zeit ohne sinnvolle Arbeit“, in der er nach eigenen Worten „in ein großes tiefes Loch zu fallen drohte“, von einer Stadtführung mit Harald Neumann entlang der "Stolpersteine" am ehemaligen Polizeigefängnis an der Uhlandstraße und der Martin-Luther-Straße erfuhr. Daran nahm er teil – und stellte fest, „dass die Stolpersteine in einem erbärmlichen Zustand waren“. Damals kam ihm die Idee, die Patenschaft und Pflege dieser Gedenksteine zu übernehmen („Und ich hatte wieder eine Aufgabe!“).

Die Stolpersteine für die jüdische Familie Mandelbaum vor dem Haus Palmstraße 10.Seit drei Jahren pflegt Johann Max Franzen regelmäßig insgesamt 159 Stolpersteine. In Remscheid, Wermelskirchen und in seiner Heimatstadt Schleswig. Die Putzmittel bezahlt er von seiner Rente. Ebenso die Internetseite, die er jetzt eigens für die „Stolpersteine in Remscheid“ eingerichtet hat. Dort findet sich unter dem Titel „Remscheider im Kampf gegen den Faschismus“ auch eine Fotodokumentation über Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschafter, die als Antifaschisten im so genannten Dritten Reich gegen die Willkür der Nationalsozialisten gearbeitet und gekämpft haben. Die Homepage ergänzt  die Informationen über die Stolpersteine, die seit September 2009 auf der städtischen Geoportalstartseite http://geoportal.remscheid.de/stolpersteine zu finden sind.

Die Anregung, über die Stolpersteine zu schreiben, kam von seiner geschiedenen Frau, mit der er in Hamburg wohnte, bevor er 1973 nach Remscheid zog, und mit der er immer noch Kontakt hat. Sie wuchs in einer jüdischen Familie auf. In der Schellingstraße in Hamburg erinnern zwei Stolpersteine an ihre beiden Tanten, die im KZ Auschwitz ums Leben kamen. „Die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Johann Max Franzen. Die Bilder und Texte, die auf seiner neuen Homepage (oben links die Startseite) zu finden sind, brannte er auf CD. Die hat inzwischen das Remscheider Stadtarchiv, die Bibliothek in Solingen und das Hochschulbibliothekszentrum NRW. Und auch in der Jutetasche liegen immer ein paar Exemplare, wenn der Rentner auf „Putztour“ geht. Denn manchmal wird er von interessierten, meist älteren Passanten angesprochen („immer positiv, noch nie kritisch!“). Denen drückt er dann am Ende des Gesprächs eine CD in die Hand. „Zur Erinnerung!“

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Harald Neumann, Stadtführer am :

Ein ganz großes Kompliment zu diesem Bericht im Waterboelles und zu der Arbeit von Herrn Franzen. Leider konnte ich in diesem Jahr, aus gesundheitlichen Gründen keine Stolpersteinführung anbieten. Wir bereiten für das nächste Jahr gerade das neue Programm vor, und da soll das dann wieder entsprechend berücksichtigt werden.

Stadt Remscheid am :

Zur Erinnerung an Remscheider Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wird der Arbeitskreis "Stolpersteine - gegen das Vergessen" unter Schirmherrschaft von Frau Oberbürgermeisterin Beate Wilding am Freitag, 25. November, zwischen 9 und 11 Uhr weitere neun Stolpersteine in der Remscheider Innenstadt setzen. Die Stolpersteinen werden in Vereinbarung mit dem Künstler Gunter Demnig durch einen städtischen Mitarbeiter verlegt Derzeit ist folgender zeitlicher Ablauf geplant: ca. 9 Uhr Konrad-Adenauer-Straße 13 (ehem. Villenstraße 13): Gedenken an Rosa Chain, geb. 1874, die hier bis zu ihrer Deportation 1942 wohnte und die 1943 im Ghetto Theresienstadt ermordet wurde. ca. 9.20 Uhr Alleestraße 56: Gedenken an Lotte Ilse Weinberg, geb. 1910, die von hier aus 1941 in das Ghetto Litzmannstadt deportiert und dort ermordet wurde, Vera Weinberg, geb. 1906, die von hier aus 1941 in das Ghetto Litzmannstadt deportiert und dort ermordet wurde, Hedwig Weinberg, geb. Heilbrunn, geb. 1885, die von hier aus 1941 in das Ghetto Litzmannstadt deportiert und dort ermordet wurde. ca. 9.40 Uhr Alleestraße 40: Gedenken an Julius Lange, geb. 1875. Er lebte hier bis 1941 und wurde in das Litzmannstadt deportiert. Dort wurde er ermordet. ca. 10.00 Uhr Blumenstraße 2: Gedenken an Rosa Schmidt, geb. Abraham, geb. 1875. Sie lebte hier bis 1942. Sie wurde in das Ghetto Theresienstadt deportiert und dort ermordet. ca. 10.20 Uhr Freiheitstraße 3 (Willy-Brandt-Platz): Gedenken an Leon Wieselmann, geb. 1892. Er wurde 1938 ausgewiesen und im Osten ermordet, Michla Wieselmann, geb. Press, geb. 1897. Er wurde 1939 ausgewiesen und im Osten ermordet; Walter Wieselmann, geb. 1926. Er wurde 1939 ausgewiesen und im Osten ermordet.

Chronist am :

Auf den Spuren unserer jüdischen Mitbürger: Wo und wie haben Sie gelebt? - Gemeinsam mit Jochen Bielstein bietet Stadtführer Harald Neumann eine Führung durch die Remscheider Innenstadt an. Sonntag, 18. März, um 11Uhr ist der Quimperplatz der Treffpunkt. Anmeldung: Harald Neumann, Tel. RS 71184.

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!