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In RS bildet sich eine "Borderline"-Selbsthilfegruppe

„Borderline“ wird eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung genannt, bei der Gefühle, Denken und Handeln des/der Betroffenen beeinträchtigt sind. Das zeigt sich durch Impulsivität, wechselnde Stimmungen bis hin zu Depressionen, einem teilweise paradox wirkenden Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen und einem gestörten Verhältnis zu sich selbst (Sucht, Essstörungen und Selbstverletzungen bis hin zu Suizidgefährdung). Oft ist Borderline auch mit anderen Persönlichkeitsstörungen verbunden, weshalb die meisten Betroffenen Psychiatrieerfahrung haben. Und weil die Betroffenen auch im Berufsleben durch destruktive Verhaltensweisen auffielen, sind sie zumeist arbeitslos.

Psychiatrieseelsorgerin Ellinor Bube-Klubertz. Foto: Lothar KaiserWie viele Remscheider/innen unter der Krankheit leiden, weiß niemand. „Aber es sind so viele, dass eine Selbsthilfegruppe nur für Remscheid Sinn macht“, sagte gestern auf einer Pressekonferenz beim Caritasverband Remscheid an der Blumenstraße die Psychiatrieseelsorgerin Ellinor Bube-Klubertz (Foto links). In der Stiftung Tannenhof hatte sie lange Jahre auch mit Borderline-Patienten zu tun. Jetzt, im Ruhestand, hat sie die Zeit, sich unentgeltlich um den Aufbau einer Selbsthilfegruppe zu kümmern. „An Borderline erkrankte Menschen haben es besonders schwer, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Mit anderen Betroffenen gelingt der Kontakt allerdings meist sofort. Deshalb kann eine Selbsthilfegruppe ein wirksames Instrument an der Schnittstelle zwischen Therapie und Alltag sein: Sie kann all das auffangen, was als 'Sprachlosigkeit' die ersehnte Kommunikation mit anderen Menschen behindert, und sorgt so für mehr innere Stabilisierung!“

In der Caritas fand Ellinor Bube-Klubertz die Organisation, die ihr die technischen Hilfsmittel und den Raum dafür zur Verfügung stellte. Zuerst für Sprechstunden, dann – ab April – auch für erste Gruppentreffen. Mit dabei eine Remscheiderin, die schon mit sieben Jahren anfing, sich selbst zu verletzen (Ritzen). Derzeit sind es sechs Frauen zwischen 20 und 45, die sich regelmäßig bei der Caritas treffen. Weitere betroffene Frauen sind dort herzlich willkommen. Auch eine Gruppe für Männer – erste Interessenten gibt es bereits – hält Ellinor Bube-Klubertz für möglich.

Mit den „Neulingen“ möchte die Psychiatrieseelsorgerin zunächst ein klärendes Vorgespräch führen, bevor dann die Gruppe über eine Aufnahme entscheidet. „Im Anfangsstadium einer Borderline-Gruppe ist die Leitung durch eine geschulte Fachkraft unerlässlich. Im weiteren Verlauf sollte dann aber in der Gruppe ein Leitungsteam von Betroffenen entsteht, das mich überflüssig macht. Ich stünde dann nur noch bei Bedarf als Coach zur Verfügung“, sagte sie. Sprechstunde in den Räumen des Caritasverbandes ist jeden Montag von 12 bis 14 Uhr. Auch Angehörige und andere interessierte Menschen sind herzlich willkommen. Kontaktaufnahme: Tel. 0162 89 44 622 oder E-Mail bube-klubertz@t-online.de.

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Chronist am :

Zum Thema "Borderline - psychiatrische Erkrankung und Modediagnose"referiert Dr. med. Antje Möhlig (Leitende Ärztin der Evangelischen Stif-tung Tannenhof) am Donnerstag, 29. November, um 18 Uhr im Helene-Härtel-Buchmann-Haus der Stiftung Tannenhof. Eine Veranstaltung in Kooperation mit derBorderline-Selbsthilfegruppe Remscheid.

Ellinor Bube–Klubertz am :

Die Borderline-Selbsthilfegruppe hat im Laufe dieses Jahres eine starke Veränderung erlebt. Eine Teilnehmerin arbeitet seit dem Sommer wieder in ihrer alten Arbeitsstelle in einer großen Firma. Mitte des Jahres entstand der Wunsch, auch für betroffene Männer offen zu sein. Seither ist ein Herr eine wertvolle Bereicherung der Gruppendynamik. Insgesamt sind zwölf Menschen aktiv an der Entwicklung der Gruppe beteiligt. Weiterhin offen ist die Frage der Finanzierung der professionellen, anleitenden Arbeit. Unter den Angehörigen der betroffenen Menschen ist eine eigene Bewegung entstanden, die auf eine eigene Gruppenbildung hinzielt.Hintergrund hierzu ist die Tatsache, dass sie mit ihrem Erleben weitgehend ungefragt bleiben und damit übersehen werden. Dies führt bei nicht wenigen Angehörigen zu eigenen, hochakuten Krankheitsbildern und bietet damit den Boden für soziale Spannungen in der Familie.

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