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Helferinnen mit Handy für das Frauenhaus in RS gesucht

Martina Sturm-May Taffe Frauen sind gefragt, keine feinfühligen Seelchen. Frauen mit gesundem Menschenverstand, die sich in schwierigen Situationen nicht gleich „verflüchtigen“, sondern mit klarem Kopf schnell reagieren können. Am liebsten wäre es Martina Sturm-May (Foto), der Leiterin der Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Remscheid, wenn sich gleich fünfzehn bis 20 Frauen, auf die diese Beschreibung passt, bei ihr melden würden. Denn für diese hätte sie ab sofort eine verantwortungsvolle, ehrenamtliche Tätigkeit. Und die heißt „Rufbereitschaft“ für das Remscheider Frauenhaus in der Innenstadt, dessen Träger der SkF ist.

Nach 18 Uhr, wenn die hauptamtliche Mitarbeiterin Feierabend gemacht hat, nehmen unter der Rufnummer 997016 derzeit Bewohnerinnen des Frauenhauses die Notrufe von Frauen entgege, die  schnell einen Zufluchtsort suchen, und veranlassen alles Weitere. Sie tun das gerne, weil sie genau wissen, wie hilflos frau sich fühlt, wenn der eigene Mann gewalttätig geworden ist. „Aber eigentlich ist den Frauen diese Rufbereitschaft alleine nicht zuzumuten“, hat Martina Sturm-May erkannt. Sie hat sich deshalb Nicole König, Teamkoordinatorin der Freiwilligenzentrale „Die Brücke e.V.“, die „Stellenbeschreibung“  der Rufbereitschaft zukommen lassen und zusätzlich gestern die Lokalpresse informiert. Die Idee: Mindestens zweimal im Monat sollte die ehrenamtliche Helferin mit ihrem Handy, auf die die Rufnummer des Frauenhauses dann zwischen 17.30 und 22 Uhr umgeleitet wird,  zur Verfügung stehen, um im Notfall eine Frau,  die den Schutz eines Frauenhauses braucht, an einem vereinbarten Ort in der Innenstadt treffen zu können. „Auf keinen Fall möchten wir, dass Frauen zu Hause abgeholt werden; jeder Kontakt mit dem  Partner der Frau sollte vermieden werden!“ Das müsse der Anruferin – notfalls auch resolut und mit einer gewissen Distanz – klar gemacht werden. Befindet diese sich in einer akuten Notlage, kann nur die Polizei der erste Freund und Helfer sein. „Unsere Helferin in der Rufbereitschaft hat lediglich die Aufgabe, die Frauen am Telefon kurz zu beraten, Anfragen nach einer Aufnahme ins Frauenhaus zu beantworten und, falls dort Platz ist, sich dorthin zu begleiten. Und wenn in Remscheid kein Platz ist, ein anderes Frauenhaus in der Umgebung zu nennen.“

Eine Aufgabe, die sich im ersten Moment einfach anhört. Aber im Einzelfall kann sie durchaus schwierig werden. Deshalb  können die Frauen, die sich für die ehrenamtliche Rufbereitschaft melden, mit einer zunächst auf drei Abende angelegten Schulung rechnen, nötigenfalls mehr. Und sollte dann einmal ein Einsatz am Abend problematisch geworden sein, kann die Helferin am nächsten Morgen mit Beratung in der SkF-Geschäftsstelle  an der Theodorstraße rechnen.

Wenn alles so gelingt, wie es sich die SkF-Leiterin wünscht, werden die Frauen der Rufbereitschaft den „Dienstplan“ selbst vereinbaren. Wenn ein Einsatz um 17.30 Uhr begonnen hat, ruft eine Bewohnerin aus dem Frauenhaus an und meldet, ob und wie viele Plätze aktuell frei sind.  Martina Sturm-May: „Wir haben acht Plätze zur Verfügung. Im Durchschnitt ist das Haus zu 80 Prozent belegt!“ In der Regel bleibt eine Frau zwei Wochen in dem Haus, 60 Prozent kehren dann zu ihrem Partner zurück – in der Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet. Nicht selten eine vergebliche Hoffnung. Aber, so die SkF-Leiterin, es handele sich schließlich „um Frauen, die für ihr Leben selbst verantwortlich sind!“

Mit 45 bis 50 Prozent ist der Anteil der Migrantinnen unter den schutzsuchenden Frauen (zwischen 20 und 45 Jahren) überdurchschnittlich hoch, ebenso der der Hartz IV-Empfängerinnen. Auch Frauen mit Kindern (Jungen bis 14 Jahre) werden im Remscheider Frauenhaus aufgenommen. Dies kommt allerdings relativ selten vor. Weil die Frauen durch den Ortswechsel die Stigmatisierung ihrer Kinder in Kita oder Schule fürchten!“ Gelegentlich erreicht das Remscheider Frauenhaus auch Notrufe aus anderen Bundesländern, zumeist aus den neuen. „Diese Frauen möchten eine möglichst große Distanz zwischen sich und ihre Partner bringen, damit sie auch ja nicht gefunden werden können!“ Aus dem gleichen Grunde werde manchmal auch einer Remscheiderin ein anderes Frauenhaus empfohlen. Selten wenden sich gutsituierte Frauen an das Frauenhaus. Doch das sei kein Zeichen dafür, dass es nicht auch in solchen Familien Probleme gebe. Sturm-May: „Dort  sind nur Scheu und Scham größer, diese Probleme nach außen hin einzugestehen. Da macht man dann lieber einen auf ‚heile Welt’!“

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