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Die Gegensätze in der DOC-Diskussion werden deutlicher

Samstag am Brunnen vor dem Alleecenter: Hüben Infos pro DOC, drüben contra Doc. Foto: Lothar KaiserAuf der einen Seite des Brunnens vor dem Alleecenter hatten sich am Samstag mit grünen Fahnen die Grünen postiert, deren Bedenken gegen das Designer Outlet-Center (DOC) von „Freitagsgespräch“ zu „Freitagsgespräch“ (um 17 Uhr im Röntgen-Museum) immer deutlicher werden. Und auf der anderen Seite eine Koalition, die man ansonsten im Remscheider Rat nur selten erlebt: CDU, SPD, FDP und W.i.R. im gemeinsamen Bemühen um Ja-Stimmen für die Bürgerbefragung zum DOC am 16. Oktober. Das Interesse der Bürger/innen sei groß gewesen in den drei Stunden, sagte Rosemarie Stippekohl (CDU). Und: „Die Mehrzahl der Bürger äußerte sich zustimmend!“ Nur ältere Frauen seien noch ein wenig unsicher („Wie kommen wir denn da hin?“) Das verriet ihnen auch das Flugblatt nicht, dass die vier Fraktionen für ihre Werbeaktion (mit gemeinsamer Internetseite) hatten drucken lassen. Dafür waren dort „sieben Gründe für ein ‚Ja zum DOC!’“ nachzulesen: „Die Lage an der Autobahn A1 ist ideal. Hohe Kaufkraftabflüsse in der Region können mit dem DOC vermieden werden. (…) 800 neue Arbeitsplätze, davon sind 540 Voll- und Teilzeitarbeitsplätze. - damit wird das DOC einen wichtigen Beitrag zum Strukturwandel leisten.“ (…) Die Kaufkraftabflüsse aus den bestehenden Zentren werden gering sein. Das Sortiment eines DOC, unterscheidet sich deutlich vom bestehenden Angebot des Handels. (…) Das Designer Outlet Center ist für Remscheid und die Bergische Region eine große Chance, die wir kein zweites Mal bekommen werden. In jeder Hinsicht wird sich das DOC positiv auf unsere Heimatstadt und die Region auswirken.“ Tags zuvor beim „Freitagsgespräch“ der Grünen im Röntgenmuseum, diesmal moderiert von David Schichel, hatte sich das ganz anders angehört. Gleich drei Gegner / Kritiker der DOC-Pläne hatte die Fraktion eingeladen. Und keinen einzigen Befürworter.  Doch die gab es dann doch im Saal – unter den Zuhörern. Das ergab die anschließende Diskussion.

Foto: Lothar Kaiser

Auf dem Podium an diesem Tag: Georg-Eicke Dalchow, Geschäftsführer des Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleistungsverband e. V. mit Sitz in Wuppertal,  der Journalist Dr. Dankwart Guratzsch und Daniela Schneckenburger, Landtagsabgeordnete der Grünen aus Dortmund. Sie beschrieb das DOC-Projekt als Totgeburt: „Sobald der neue Landesentwicklungsplan im Dezember im Kabinett eingebracht worden ist, gelten „Ziele in Aufstellung“, und die sind dann für alle Kommunen verbindlich“! Das wäre in der Tat für die Stadt Remscheid eine zu kurze Zeitspanne, um die gegenwärtige Rechtsunsicherheit für eine Zementierung der DOC-Pläne zu nutzen. Hintergrund: Auf eine Klage der Stadt Ochtrup hin hatte das Oberverwaltungsgericht Münster die dortige Bezirksregierung verpflichtet, die Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Ochtrup als Grundlage für die Erweiterung des bestehenden Factory Outlet Centers (FOC) in Ochtrup zu genehmigen. Begründung: § 24 Abs. 1 Satz 4 des Gesetzes zur Landesentwicklung (Landesentwicklungsprogramm - LEPro), wonach Hersteller-Direktverkaufszentren mit mehr als 5.000 qm Verkaufsfläche nur ausgewiesen werden dürfen, wenn sich der Standort in einer Gemeinde mit mehr als 100.000 Einwohnern befindet, stehe dem nicht entgegen, da diese Bestimmung vom Verfassungsgerichtshof des Landes NRW bereits mit Urteil vom 26. August 2009 für unwirksam erklärt worden sei. „Hier muss die Landesregierung alsbald wieder Rechtssicherheit herstellen“, betonte Daniela Schneckenburger. Mit der Positionierung von Bauminister Harry K. Voigtsberger sei sie jedenfalls ausgesprochen zufrieden: „Er hat in seinen Briefen an die Remscheider CDU-Fraktion und den Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz klar gemacht, dass der Regionalplan für den Regierungsbezirk Düsseldorf großflächige Einzelhandelsbetrieben nur in Allgemeinen Siedlungsbereichen vorsehe, nicht aber auf der „grünen Wiese“. In Wuppertal sehe man das allerdings anders; die Stadt hätte gerne einen „IKEA-Homepark“. Da vermutete die grüne Landtagsabgeordnete wahrscheinlich zu Recht eine Allianz mit Remscheid. Motto: „Wir boykottieren unsere Pläne nicht gegenseitig!“ Zu was solche Einkaufzentren führten, sei in Oberhausen zu besichtigen. Dasd dortige „Centro“ sei mittlerweile das wahre Zentrum der Stadt, während die alte City veröde.

Georg-Eicke Dalchow ergänzte, auch die Düsseldorfer Staatskanzlei habe Bedenken gegen ein DOC an der Blume geäußert. Für die Entwicklung der Remscheider Innenstadt sei das DOC „in der Tat der Sargnagel“, sagte Geschäftsführer des Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleistungsverband e. V. „Hier wird ein völlig falscher Weg eingeschlagen!“ Mit dem in Roermond sei es ohnehin nicht vergleichbar, da die Ortsteile Lennep und Lüttringhausen zu weit entfernt lägen. „Das wäre, als wenn man planen würde, das Alleecenter zur Blume zu verlegen!“ Zeit seines Berufslebens habe es geheißen „Die Innenstädte müssen gestärkt werden!“. Auf einmal scheine sich die Grundsatzfrage bei zu stellen (eine Anspielung auf die Befürworter eines DOC im Marketingrat Lüttringhausen?). Als unfair bezeichnete es Dalchow, die gegenwärtige Gesetzeslücke für den Bau einbes DOC auszunutzen. „Auch gegenüber den Nachbarstädten!“ Denn die müssten mit Kaufkraftverlusten von sechs bis zehn Prozent rechnen. Nach langer Diskussion hätten sich die bergischen Großstädte 2006 auf ein Regionales Einzelhandelskonzept geeinigt. „Darin finden sich die Ziele der Landesplanung eins zu eins wieder. Die DOC-Pläne zerstören dieses Konzept. Auch das müsste im Vorfeld der Bürgeranhörung auf den Tisch!“

Wie Dalchow fürchtet auch der „Welt“-Korrespondent Dr. Dankwart Guratzsch, dass ein DOC Kaufkraft aus der Innenstadt abziehen wird: „Der kleine Einzelhandel wird gefressen!“ Und ohne Mieteinnahmen würden die Hausbesitzer ihre Häuser verfallen lassen. Sein Rat an die Stadtplaner: „Setzen Sie nicht auf eine reine Kaufstadt ohne eine einzige Wohnung, sondern machen Sie lieber die Remscheider Innenstadt attraktiver!“ Mit welchem Geld? Das sagte Guratzsch nicht. Wohl aber wie: „Vom Disneyland-Stil eines DOC mit Giebeln, Säulen und Skulpturen könnten sich die Städtebauer sehr wohl etwas abgucken. Die Menschen fühlen sich in dieser Kulisse, deren Vorbild mittelalterliche Altstädte sind, wohler als in einer eintönigen Straßenflucht!“ Den künstlichen Lebensmittelpunkten gelänge es trotz diverser Verbote (keine Hunde, keine Scater, keine Radfahrer und kein Fotografieren) mit ihren skurrilen Bauten Hochstimmung zu erzeugen. Dazu zeigte der Journalist ein tristes Bild der unteren Alleestraße gegenüber dem einstigen Kaufhof. Weitere Fotos von Räumungsverkäufen und Billigläden hatte er in Hameln, Wetzlar, Wertheim und Bautzen aufgenommen. Die dortigen „künstlichen Einkaufsparadiese“ hätten allesamt zu Geschäftsaufgaben in den Innenstädten geführt. Und das, obwohl die angebotenen Waren nach seinem Empfinden „überraschend unmodisch oder wahnsinnig teuer sind!“

Trackbacks

Waterbölles am : Junge Union lässt fürs DOC die Hüllen fallen

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Pressemitteilung der Jungen Union Remscheid Die Junge Union Remscheid möchte mit dieser Aktion die Remscheider Bürger dazu animieren, die bisher sehr gute Wahlstimmung bei der Bürgerbefragung bis zum Sonntag, 16. Oktober, beizubehalten, um diese Chance

Kommentare

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Eija Tirkkonen am :

Der Niedergang der Alleestraße in Remscheid ist seit 25 Jahren in vollem Gange und beschleunigt sich bei jeder Geschäftsschließung. Die negative Entwicklung ging einher mit der Fertigstellung des Allee-Centers. Die ruinöse Wirkung für den innerstädtischen Einzelhandel besteht nicht nur darin, dass die Angebotsbreite im Center vorhanden ist, sondern dass es die Nachfrage allein abdeckt. Dem Einzelhandel in der Alleestraße bleiben keine Marktanteile übrig. Das Problem der verödenden Innenstädte ist nicht Konkurrenz am Stadtrand, sondern großangelegte Shopping-Centren mit einem Vollsortiment, und zwar völlig egal, ob im Stadtkern oder im Randbereich. Im Gegensatz dazu ist ein DOC ein überregionaler Magnet, der seinesgleichen sucht. Es zieht zahlungskräftige Kundschaft aus ganz NRW an sich, drei bis vier Millionen im Jahr, aber deckt nur einen ganz schmalen Bedarf ab. Für den Einzelhandel der anliegenden Stadtkerne bleiben Marktanteile genügend übrig. Das ist der große Unterschied. Das DOC in Lüttringhausen wird nicht das erste Center sein, das der Investor realisiert. Die positive Auswirkung auf die Wirtschaft ist dokumentiert, und zwar unabhängig davon, in welcher Entfernung das DOC von einem Stadtkern jeweils angesiedelt wurde. Die Debatte über die Richtigkeit des nostalgischen Architekturstils wirkt an dieser Stelle reichlich akademisch.

Felix Staratschek am :

Das DOC in Roermond liegt mitten in der Stadt. Es ist vom Inter City-Bahnhof aus erreichbar, und die Leute, die im DOC parken, sind zu Fuß schnell auch in der Altstadt! Wenn also ein DOC, dann doch dort, wo direkter Kontakt zu einer Alt- oder Innenstadt besteht. Dabei ist es denkbar, eine künstliche U- Bahn zu schaffen und alle Gleisflächen in Remscheid-Hbf oder Remscheid Lennep zu überbauen oder über den Friedrich Ebert Platz und die ihm umgebenden Straßen. Dort könnte das RS-Trade-Center entstehen, ein modernes Hochhaus mit Aussichtsplatzform. Ein Blick bis zum Kölner Dom wäre eine besondere Attraktion! Problematisch wäre allesfalls der Bau einer Tiefgarage, dem dürfte sich die heimische Grauwacke mit aller Härte widersetzen. Aber Parkplätze ließen sich über dem Hauptbahnhof schaffen, und Deutschlands steilste Straßenbahn ohne Zahnrad könnte als DOC-Express Hauptbahnhof und die dort machbaren Parkplätze zwischen dem Ebertplatz und Hauptbahnhof pendeln. Denkbar wäre es, diese Straßenbahn einen Kreis fahren zu lassen vom Ebertplatz über das Rathaus und die Alleestraße. Fahrzeuge könnte die Bergische Museumsbahn von der Kohlfurth stellen, die Fahrer könnten Angestellte des DOC sein, und ein Fahrpreis wird nicht erhoben. Wenn ein DOC wirklich Kaufkraft anzieht anzieht, sollte diese in die Innenstadt gezogen werden. Und es sollte eine optimale ÖPNV- Anbindung bestehen. Die Blume könnte nur dann Lennep beleben, wenn es eine Seibahn zum Haltepunkt Remscheid- Lennep gäbe, von wo aus man schnell in der Altstadt oder auf der Kölner Straße ist. Wenn Remscheid ein DOC will, sollte es mit dem Investor nach anderen Standorten suchen, als die Blume! Denn ich sehe nicht, dass die höhere Politik aus Düsseldorf irgendwelchen Plänen an der Blume grünes Licht geben wird. Remscheid hat eine autobahnartige Straße von der A1 zum Hauptbahnhof. Vielleicht ließe sich deren Leistungsfähigkeit steigern, würde man an viel beanspruchten Kreuzungen die inneren Spuren nur für PKW und Linienbusse über oder unter der Kreuzung herführen. Es ist ja eine Bundesstraße und da würde der Ausbau die Stadtkasse von Remscheid nicht belasten. Nicht folgen kann ich der Aussage, ein DOC zieht nur einen "schmalen Bedarf" anzieht und "zahlungskräftige Kundschaft aus ganz NRW" anzieht. Die zahlungskräftige Kundschaft braucht doch kein DOC! Da soll den Normalverdienern vermittelt werden, hier gibt es die teure Ware aus der Innenstadt zum Rabattpreis. Was die Wirkung auf die Innenstädte angeht, hat es ja hier und in der Remscheider Presse auch schon Berichte über negative Auswirkungen der DOCs gegeben. Fakt ist, gute Kleidung hält einige Jahre. Wenn also jemand im DOC einkauft, deckt der mindestens seinen Jahresbedarf an Kleidung. Bei 10.000 Kunden pro Tag wären das 300.000 Personen, die diese Ware nicht mehr in anderen Geschäften kaufen können. Und in Zeiten des Klimawandels und der Energiewende ist es nicht angebracht, Strukturen zu schaffen, die einseitig auf noch mehr PKW- Verkehr ausgerichtet sind. Die Grundidee des DOC ist, dass der Fabrikverkauf mehrerer Marken an einem Ort konzentriert wird. Da kann dann Ware der der Vorsaison oder mit minimalen Produktionsfehlern ohne Einschaltung von Zwischenhändlern verkauft werden. Aber das könnte im Prinzip auch in den Geschäften der bestehenden Innenstädte laufen, wenn sich alle Händler, die jetzt knapp über dem Existenzminimum leben, zu einer Outlet- Genossenschaft zusammenschließen und sich die Ware der Hersteller direkt besorgen. Fakt ist, dass Wettbewerb das Geschäft belebt! Da wo viele Händler einer Ware anwesend sind, kommen die Leute, weil dies Auswahl bedeutet. Heute kann der Einkauf sehr wohl gut per ÖPNV erledigt werden: 1. Es gibt heute Tageskarten für 5 Personen. Wer die einmal hat, kann in Remscheid auch zwischen verschiedenen Einkaufsbereichen hin und her fahren. 2. Sinnvoll wären durch die Händler Gepäckaufbewahrungsstellen, wo man Rucksäcke oder Taschen abgeben kann, bis man die Heimfahrt antritt. So. wie es akut aussieht, wird das DOC eine Luftblase bleiben, die vertuscht, dass die Politik keine Ideen für Remscheid hat. So läuft man halt immer wieder vor die Mauern der Landespolitik und freut sich, wenn der Schmerz nachlässt.

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