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„Tup-tup-tup“ der Feilenhauer erklang den ganzen Tag

Früher floss der Eschbach in der Ortschaft Preyersmühle fast komplett in den großen Teich der Feilenabrik Ehlis eingangs des unteren Eschbachtales. Ein malerisches Bild war es, wenn man über den riesigen Teich mit dem Bootshauschen, den Schwänen und der versteckten Firma dahinter ins Tal blickte. Leider ist der Damm von Bisamratten zerfressen worden und der Teich eines Tages spektakulär ausgelaufen. Die Kosten zur Wiederherstellung standen in keinem Verhältnis zum Nutzen für die Firma, und so entschloss sich Herr Ehlis, auf die Wasserkraft mittels Turbine zu verzichten. Schade wäre es nur, wenn die Turbine durch Stillstand nach und nach kaputt ginge, denn sie ist neben der Francis-Turbine im Johanneshammer der Zeuge der Vergangenheit im Tal. Aber schauen wir uns erst einmal die Historie des Ehlishammers an:

Villa stand schon 2014 zum Verkauf

Märchenhaft wohnte man in der Villa im Eschbachtal“, titelte der Waterbölles am 8. August 2014, und berichtete, dass sich der Remscheider Rechtsanwalt Till Büssem im Auftrag der Eigentümer um den Verkauf der ehemaligen Fabrikantenvilla Ehlis in der Preyersmühle bemüht. Nachdem Horst Ehlis am 1. August 2015 im Alter voon 83 Jahren verstorben ist, steht nun das gesamte, 30.000 Quadratmeter große Gelände im Eschbachtal zum Verkauf, die unter Denkmalschutz stehende Feilenfabrik ebenso wie das daneben stehende Wohnhaus und der große Teich. Es gebe mehrere Interessenten, heißt es.
Als es der Stadt Remscheid im Oktober 2006 im Rahmen der Bergischen Expo `06 gelang, die Feilenfabrik Ehlis (die Fotos des Waterbölles entstanden damals) für zwei Tage der offenen Tür zu gewinnen, wurde dort noch gearbeitet. Zitat aus der Pressemeldung der Stadt: „Die malerisch gelegene Fabrik wird heute in vierter Generation betrieben und offenbart mit Maschinen und Produktionsabläufen einen nahezu unverfälschten Blick in die Geschichte der Werkzeugproduktion. Sie gehört zu den interessantesten alten und immer noch genutzten Produktionsstätten im Bergischen Städtedreieck und ist damit, so die Regionale 2006 Agentur GmbH, „ein absoluter Geheimtipp, was die Industriekultur der Region anbelangt, und bietet lebendige Industriegeschichte und Authentizität“.

Gleich 500 Meter unterhalb von Preyersmühle befindet sich in dem zu Remscheid gehörenden Schlepenpohl die Feilenfabrik Ernst Ehlis, die zweitgrößte des Tales. Sie ist noch heute in Betrieb und beherbergte von 1997 bis 2005 als Pächter den letzten Remscheider Degenschmied, Eberhard Paffenhoff. Der ursprüngliche Flurname war Langenbroch. 1685 errichtete an dieser Stelle auf einer vom Landesherren in Erbpacht genommenen Wiesengrundstuck Tillmann Hasenclever zu Bliedinghausen einen Reckhammer. 1692 zahlt er - der Burger Aufstellung zufolge - einen Goldgulden als Erbpacht und für die Benutzung eines Teiles der landesherrlichen Wiese im Langenbroch und des Teiches drei Goldgulden. Das war damals sehr viel Geld. 1806 gehört der Stahl-Raffinierhammer den Engels & Hasenclever- Erben. 1810 ist ein F. Korts von Bliedinghausen ein Nachfolger der Erben Hasenclever. 1824 führt Caspar Corts zu Pohlhausen den Hammer und 1829 bis 1834  ein Peter Caspar Corts zu Wermelskirchen. Dieser arbeitet dort selbst mit einem Bruder und einem Tagelöhner, verarbeitet eigenes Material (rohen Stahl) und verkauft den raffinierten Stahl an hiesige Schmiede. Ausgerüstet ist der Hammer mit drei oberschlächtigen Wasserrädern, die einen Hammer und zwei Herdgebläse treiben.

Am 29.4.1835 ist der Hammer durch Kauf in das Eigentum des Peter Caspar Ehlis übergegangen.  Am 22.8.1840 bekommt Peter Ehlis die Konzession, einen weiteren Hammer an den Teich zu setzen. 1853 steht der zweite Hammer mit einer Jahresproduktion von 60.000 bis 80000 Pfund Raffinierstahl zu Buche. Als Inventar sind zwei Ambosse und drei Feuer angegeben. 1846 kam ein Schleifkotten, 1858 ein zweiter Schleifkotten und 1864 noch ein dritter Schleifkotten hinzu, letzterer mit Wasser- und  Dampfkraftantrieb. Schon 1853 werden fünf oberschlächtige Wasserräder gezählt.

Ehlishammer mit Teich 1908. Foto: HIZ RemscheidEine Konzession vom 22.10.1855 berechtigt Ehlis, eine Knochenstampfmühle und eine Schleiferei am gleichen Teich anzulegen. Die Knochenstampfmühle wurde gleich als Schleifkotten gebaut. Erst 1834 ist von einem Haus mit sechs Einwohnern die Rede. 1864 werden zwei bewohnte Häuser mit 15, 1867 vier Häuser mit 33 Einwohnern in sieben Haushaltungen genannt. Bis 1900 stieg die Zahl der Wohnhäuser auf sechs an, die Zahl der Einwohner blieb aber die gleiche. Noch heute (2006) ist die Fa. Ehlis der größte Feilenhersteller des Eschbachtales.

Im bergischen Fachwerkstil zeigt sich die Feilenhauerstube in Berghausen. Das am 23. April 1967 abgerissene Haus des Feilenhauers Wilhelm Hein steht für die traditionelle Remscheider Zunft. Schon 1845 gründete sich in Remscheid eine eigenständige Feilenhauerinnung.Früher war in Remscheid, Wermelskirchen und Umgebung die Feilenherstellung ausschließlich Heimindustrie. Wohl gab es Feilenschmieden, in denen geschmiedet und gehärtet wurde, aber die übrigen Arbeiten, besonders das Hauen, wurde nur von Heimarbeitern ausgeführt. In den Wasserhämmern in den Tälern des Eschbachs und des Morsbachs wurden die von den Hüttenwerken gelieferten schweren Stahlblöcke zu Werkstücken vorgeschmiedet. Auf dem Amboss schmiedete dann der Feilenschmied mit seinen Zuschlägern die Feilen in die gewünschte Form aus. Dann folgte das Ausglühen der Feilen, woraus sich wieder ein eigener Gewerbezweig entwickelte, da nur wenige Feilenschmiede auch Glühofen besaßen. Das Ausglühen geschah gewöhnlich sonnabends und sonntags, denn der Feilenschmied brachte die geschmiedeten Feilen samstags dem Ausglüher, der sie am Montagmorgen wieder beim Feilenschmied abliefern musste, da sich dann die Feilenhauer dort ihre Arbeit für die kommende Woche geben ließen. Früher musste der Feilenhauer die im Glühofen krumm gezogenen Feilen erst noch richten und in einem Schleifkotten schleifen lassen. Lief aber wegen der Eisbildung oder bei längerer Wasserknappheit das Wasserrad nicht, so musste der Feilenhauer sich selbst dieser Arbeit unterziehen und von den Feilen den Glühspan abfeilen, um sie behauen zu können.

Feilenhauenan der Maschine.Nach dem Ausschmieden oder Auswalzen des Feilenmaterials ist die rohe Form der Feile fertig. Es folgt das Ausglühen und Wiederausrichten. Dann kommt das Flachschleifen. Nach dem Bläuen und Scheuern der Feilen, deren Kanten abgestrichen sind, beginnt die wichtigste Arbeit: das Hauen. Auf den Haumaschinen werden die gewünschten Hiebarbeiten von der feinsten bis zur gröbsten schnell und sauber hergestellt. Die Leistungsfähigkeit der Maschine übertrifft die der Handarbeit natürlich um ein Vielfaches. Es folgen das Neurichten, das Ausbürsten und das hochgewichtige Harten. Nach einem Reinigungsvorgang im Sandstrahlgebläse werden noch einige verfeinernde Bearbeitungen vorgenommen, so das Spülen, Ölen, Trocknen und das Anlassen der Angeln. Bevor dann die Feilen verpackt werden, werden sie einzeln auf ihre Güte und Schnittfähigkeit hin geprüft, um die Gewähr für eine einwandfreie Härtung zu haben. Jede Feile muss frei von Rissen und Sprüngen sein. Die mit dem Fabrikzeichen versehenen Feilen tragen einen Garantiestempel, der dem Ruf deutscher Fabrikation in aller Welt Achtung verschaffen soll. Die Kunst des Handhauens kann man sich vorstellen, denn jede einzelne Ritze (sprich jeden Hieb) im richtigen Winkel parallel zur vorhergehenden Ritze im gleichen Abstand zu schlagen, dazu bedurfte es langer Einarbeitungszeit, Talent und Erfahrung. „Tup-tup-tup“ ging das den ganzen Tag, mindestens zwölf Stunden lang.  Feilenhauer aus Pohlhausen sind bei uns im Bergischen die ältesten ansässigen Gewerbetreibenden, denn schon 1820 werden sie erwähnt. (nach: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid. Herausgegeben von Günther Schmidt, Band 5 - Vom Blombach bis Eschbach)

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Kommentare

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Lothar Kaiser am :

Man darf ja mal träumen: Wie schön wäre es, wenn die Stadt zusammen mit heimischen Traditionsunternehmen genug Geld aufbringen könnte, um die alte Feilenfabrik der Nachwelt zu erhalten. Gewiss, nicht dran zu denken! Tatsächlich werden Heimatfreunde froh sein können, wenn einige Einzelstücke im Deutschen Werkzeugmuseum im Archiv landen und das Freilichtmuseum Lindlar mit Ehlis-Objekten eine „historische“ Feilenhauerwerkstatt bestückt. Der Rest dürfte dann nur noch etwas für Schrotthändler sein. Schade.

Klaus R. Schmidt am :

Leider ging in dem ansonsten interessanten Bericht über Ehlis in Schlepenpohl einiges durcheinander (gemeint ist das Zitat aus dem 2006 erschienenen Buch von meinem Freund Günther Schmidt - Seite 119 ff.), weshalb es der historischen Korrektheit geschuldet ist, dies klarzustellen. Peter Caspar Ehlis (1775-1847) betrieb das erste Wasserkraftwerk im Eschbachtal (Dorfmüllershammer), den später die Firma Joh. Wilh. Arntz übernahm. Sein Sohn Peter Ehlis (1800-1868) hatte um 1826 einen Hammer im Lobachtal (Tyrol), zog aber 1834 nachSchlepenpohl, wo er von der Wwe. des Peter Caspar Corts aus Pohlhausen den "Schleifenpohler Stahl-Raffinier-Hammer" kaufte. Dieser Peter Ehlis hat schon in den 1840er Jahren ein Projekt zum Bau einer Gemeinschaftstalsperre im Eschbachtal ausgearbeitet, und zwar an der selben Stelle , wo fünfzig Jahre später Prof. Intze auf Betreiben von Robert Böker die heute noch bestehende erste Trinkwasser-Talsperre Deutschlands baute. Die alten Original-Pläne von Peter Ehlis sind übrigens heute noch vorhanden. Nachdem Peter Ehlis früher nur Stahl geschmiedet hatte, ging er in Schlepenpohl zur Feilenfabrikation über. Aber nicht, wie fälschlich immer dargestellt wird, im alten Raffinierstahlhammer an der Mündung des Heintjesmühler Bachs auf Wermelskirchener Gebiet, sondern indem er die bereits 1780 gegründete "Eschbachtaler Feilenfabrik von J.W. Falkenrath & Comp." übernahm, deren Spezialität handgehauene Feilen und Raspen waren. Jetzt erst sprechen wir von der aktuell wieder in den Blickpunkt geratenen Feilenfabrik Ernst Ehlis (1850-1931), benannt nach dem dritten Sohn von Peter Ehlis. Danach folgten zwei weitere Generationen, nämlich Walter und Horst Ehlis.

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