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"Leichte Muse für die Löcher in der Kasse!"

Das Remscheider Schauspielhaus 1929, bevor es 1935 ein klassizistisches Gewand erhielt. „Remscheids gut StubeDer große Umbruch nach dem Ende des Ersten Weltkrieges brachte in Remscheid nicht nur Kampf und Streitigkeiten, nicht nur harte politische Auseinandersetzungen, sondern auch Neuanfänge, die dem Alltag einige erfreuliche Akzente gaben. Er wurde im kulturellen Bereich als eine Chance be­griffen, in Remscheid etwas zu wagen. Für den Start war ein Umstand von Bedeutung, der im Zu­sammenhang mit dem Kriegsgeschehen gesehen werden muss. Leitung und Mitglieder des Deutschen Theaters von War­schau waren, aus Polen vertrieben, nach Remscheid ver­schlagen worden und wählten diese Stadt zur neuen Stätte ih­res Wirkens. Was die Warschauer boten, war so beachtlich, dass der Wunsch der kulturell Interessierten nach einem festen Theater immer deutlicher vernehmbar wurde. Ein Theaterverein hatte bald eine große Mitgliederzahl und schlug der Stadt Remscheid vor, die "Concert-Halle Germania“ in ein Theater umzuwandeln. Schon im August 1919 wurden die Mittel zum Umbau bewilligt, und am 20. September öffnete das Theater mit einer Aufführung von Goethes »Iphigenie« seine Pforten. An diesem Tag verschwanden die Landesherren in Stein, die bis dahin auf Postamenten in den Nischen des Oberge­schosses der Concerthalle gestanden hatten; das Haus hatte einen neuen Namen bekommen: Städtisches Schauspielhaus (foto rechts).

Doch mit diesem hoffnungsvollen und vom Selbst­verständnis des Theaters her auch programmatischen Beginn („Hinaus aus den Niederungen der Politik zu den reinen Höhen des Geistes!“) war es nicht getan. Theaterdirektor Dietrich klagte über einen zu geringen Fundus, über Mangel an szenischen Hilfsmitteln. Er durfte nicht fragen: „Was wol­len wir spielen?“, sondern allenfalls „Was geht?“ Zwar wurden 1920 das Orchester vergrößert, der Fundus erweitert, der Schnürboden und die Ankleideräume neu gebaut, aber jetzt blieb der Besuch aus. Es gab ein Minus in der Kasse, und das Stadtverordneten-Kollegium rang sich zur Schließung des Theaters durch. Da bildete sich ein Kreis kunstsinniger Förderer, der das Haus in eigene Regie übernahm. Eine GmbH entstand unter maßgeblicher Beteiligung der Stadt, und bis 1925 blieb diese Konstruktion erhalten. Dann übernahm die Stadt das Haus wieder ganz in ihre Obhut.

Ein anderer Konflikt war 1922 schon programmiert. Direktor Dietrich folgte einem Ruf nach Halberstadt, und erneut schien völlig ungewiss, was aus dem Theater werden sollte. Die Verpflichtung des Oberspielleiters am Altenburger Landestheater, Ernst Müller-Multa, beseitigte die neuen Sorgen. Auch er konnte dem Remscheider Theater keinen vorwiegend literarischen Charakter geben. Aber er mühte sich um Klassik und Moderne in angemessenem Umfang. Immer gegen Ende der Spielzeit bot er mehr Operette und leichte Muse, denn dann musste er Löcher in der Kasse stopfen, und das ging so am leichtesten. Der Theatersaal vor dem Umbau 1938.1938 erhielt das Theater an der Brüderstraße auch eine völlig neue FassadeDas Orchester bestand zum großen Teil aus Musikern, die tagsüber einem anderen Beruf nachgingen. Trotzdem schufen die Dirigenten Hausmann, Lang, Stürmer und Friedrich unter schwierigen Umständen ein Orchester, das sich seiner Aufgabe, Operette zu spielen, gewachsen zeigte. Unter Müller-Multa entstanden auch die ersten Be­sucher-Organisationen, unter denen der Bühnenvolksbund, der das Theater »mit deutschem Volkstum und christlicher Weltanschauung« durchdringen wollte, die größte Rolle spielte; er hatte mehr als 2.000 Mitglieder. Aus den Krisen war das Remscheider Theater damit noch immer nicht heraus. 1926 wurden das bis dahin noch existie­rende Opernensemble, der Chor und ein großer Teil des Or­chesters entlassen. Nur 16 Musiker blieben. Bis zum Jahre 1931 ging es recht und schlecht weiter, aber dann war dem Stadtrat ein Zuschuss von 180.000 Mark zuviel. Das Rem­scheider Theater wurde neuerlich geschlossen.

Mit dem nächsten Intendanten Hans Donadt begann die glanzvollste Zeit des Theaters. Unter ihm wurde das alte Ge­bäude an der Brüder-Straße einschließlich der Fassade völlig renoviert, eine Tat, zu der sich der Stadtrat 1938 durchringen konnte. Am 29. Oktober 1938, nach nur halbjähriger Umbauzeit, konnte das Remscheider Theater wieder seine Pforten öffnen. Foto rechts: So bot sich der Innenraum den Blicken des Betrachters dar. Horst Tanu-Margraf war Städtischer Musikdirektor und Dirigent von Rang. Mit Donadt zusammen brachte er die große Oper auf die Remscheider Bühne zurück. Die gemein­same Arbeitsstätte sank kaum fünf Jahre nach ihrer Eröffnung am 30. Juli 1943 beim Angriff auf Remscheid in Schutt und Asche. (aus: „Remscheid so wie es war“, von Dr. Gerd Courts, erschienen 1974 im Droste Verlag.)  

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