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Theaterprogramm mehr nach dem Publikumsgeschmack?

Die Tabellen(*), die Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann gestern den Mitgliedern des Kulturausschusses vorlegte, belegen es Schwarz auf Weiß: Die durchschnittlichen Einnahmen des Teo Otto Theaters pro Veranstaltungen haben in der Spielzeit 2010/2011 einen neuen Tiefstand erreicht. „Ein drastischer Rückgang“, konstatierte Beatrice Schlieper von den Grünen. Wirtschaftlich erfolgreich seien lediglich die Musical- und Revue-Abende gewesen. Viele Konzerte lägen dagegen „am Boden“. Vor allem bei den Meisterkonzerten sei der Kreis der Besucher „überschaubar“. In der Tat: Diese vier Konzerte erlebten insgesamt gerade mal 393 zahlende Besucher/innen. Durchschnittliche Einnahmen pro Konzert: 1.341 Euro. Das steht in keinem Verhältnis zu den Betriebskosten eines solchen Konzertabends.  Und bei durchschnittlich 344 zahlenden Besucher/innen in den sechs Opernaufführungen und den 253 in den 13 Schauspiel-Gastspielen sah es gleich trübe aus. Merke: Das Remscheider Stadttheater hat 699 Plätze.

Die Frage, die die Ausschussmitglieder gestern beschäftigte: Kann sich die finanzschwache Stadt wirklich all diese Bühnensparten noch länger leisten: Oper, Operette, Musical, Mod. Ballett, Schauspiel, Tanz, Komödie, Kabarett, Kindertheater, Konzerte, Revue, Neue Formen? Oder sollte hier ausgedünnt werden zu Gunsten von „Publikumslieblingen“ wie Musical und Revue? Der Kulturdezernent signalisierte Verständnis: „Auch die klassische Musik hat es zunehmend schwerer. Und Oper vor leerem Haus – das geht nicht! Die Spartenaufteilung werden wir verändert müssen. Das Programm muss attraktiver werden!“. Im Übrigen hätten aber auch andere deutsche Theater einen Zuschauerrückgang zu beklagen. „Da liegt Remscheid im allgemeinen Trend!“

Henkelmann sieht sich als Quasi-Intendant des Stadttheaters, der für das Programm verantwortlich ist, vor der unlösbaren Aufgabe der Quadratur des Kreises. Einerseits soll er mit Angeboten nach dem breiten Publikumsgeschmack für höhere Einnahmen sorgen, andererseits erwarten kulturell anspruchsvollere Theaterbesucher von ihm auch Angebote jenseits des „mainstreams“ bis hin zur Avantgarde. Das aber lasse die Finanzlage der Stadt nicht länger zu, meinte Volker Leitzbach (SPD): „Wenn wir uns die hohe Kultur nicht mehr leisten können, müssen wir eben mehr auf den Publikumsgeschmack achten!“ Für Klaus Küster (Linke) eine Horrorvorstellung: „Kunst und Geschmack lässt sich auf der Qualitätsebene nicht unbedingt fassen!“

Der Ausschussvorsitzende Karl Heinz Humpert (CDU) konnte sich vorstellen, bei der Zusammenstellung des Theaterprogramms „die Menschen dort abzuholen, wo sie ihre Interessen haben, dann aber auch vorsichtig an anderes heranzuführen“. Karen Krebs (SPD) widersprach. Diese Vorstellung sei nicht realistisch. Und Beatrice Schlieper stimmte ihr zu: „Wir müssen aufhören, das Publikum erziehen zu wollen. Das sucht sich aus, was es haben will!“

Henkelmanns Wunschtraum: „500.000 Euro mehr im Jahr – für ein erstklassiges Programm!“ Henkelmanns Realität: Ein Werbeetat, der von 50.000 auf 20.000 Euro gekürzt wurde, und die weiterhin unbesetzte Stelle einer Pressesprecherin / eines Pressesprechers für das Theater. Für das Frühjahr kündigte der Kulturdezernent eine Publikumsbefragung an. Darüber sollte im Kulturausschuss allerdings noch einmal gesprochen werden. Will man lediglich Besucher/innen des Theaters vor und nach einer Aufführung befragen oder zusätzlich auch „theaterferne“ Bürgerinnen und Bürger, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden sind? Das könnte wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis haben.  [*Die Auswertung des Zahlenmaterials durch die Verwaltung erfolgte in den Bereiche „Bühnenwesen“ (Teo Otto Theater) und „Musikwesen“ (Bergische Symphoniker). Letztere Sparte enthält auch die „Musiktheater“-Darbietungen (Pflichtabnahmen der Bergischen Symphoniker; Kooperationen mit den Wuppertaler Bühnen und dem Kulturbüro Solingen)]

Nachfolgend Zahlenmaterial aus den Spielzeiten 2002/2003 bis 2010/2011:

Spielzeit Sparte Veranstaltungen Zuschauer Ehrenkarten Zahlende Auslastung Durchschnittl.
            Zahlende Einnahmen
2010/2011 Bühne 77 18643 568 18036 38 3437
  Musik 29 6406 239 6167 34 3105
2009/2010 Bühne 74 21666 1536 20125 44 3568
  Musik 101 28172 1720 26447 42 3225
2008/2009 Bühne 55 17706 1318 16375 48 4894
  Musik 26 7870 468 7542 48 3550
2007/2008 Bühne 64 21980 1719 20249 54 5436
  Musik 25 8409 459 7946 52 4264
2006/2007 Bühne 79 25576 277 22939 47 4557
  Musik 27 7363 472 6882 41 3325
2005/2006 Bühne 76 25030 1063 23822 53 4896
  Musik 26 7041 268 6767 42 3474
2004/2005 Bühne 79 24919 1544 23376 52 4320
  Musik 28 7238 270 6968 40 3268
2003/2004 Bühne 61 18959 1184 17676 47 4516
  Musik 25 6832 268 6537 42 3693
2002/2003 Bühne 72 23087 1371 21004 47 5037
  Musik 25 9068 408 8623 56 4645
   
Bühne =  Oper, Operette, Musical , Mod. Ballett, Schauspiel, Zeitgen. Tanz,   
  Komödie, Kabarett , Kindertheater, Konzerte, Revue, Neue Formen  
Musik = andere Konzerte, Philharm. Konzerte, Meisterkonzerte    

Trackbacks

Waterbölles am : "Leichte Muse, um die Löcher in der Kasse zu stopfen!"

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Der große Umbruch nach dem Ende des Ersten Weltkrieges brachte in Remscheid nicht nur Kampf und Streitigkeiten, nicht nur harte politische Auseinandersetzungen, sondern auch Neuanfänge, die dem Alltag einige erfreuliche Akzente gaben. Er wurde im kulturel

Kommentare

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Christoph Humpert am :

Musical und Revue ist wie Rosamunde Pilcher. Vielleicht schön zum Kopfausschalten. Aber jeder Blockbuster im Kino hat mehr Niveau. Das wäre das Ende.

Klaus Schmidt am :

Die Arroganz läßt grüßen. Ich bin auch nicht für diese Art von Musik. Aber man muß doch den Wunsch der Mehrheit respektieren, so wie er in jeder Demokratie geachtet wird. Das schließt doch nicht aus, dass andere Musik auch gespielt werden kann, nur in der Häufigkeit müssen Prioritäten entsprechend aufgebaut werden.

Christoph Humpert am :

Dann müsste der Pächter für sein Kino Gelder aus dem Remscheider Kulturetat bekommen. Ich halte nichts davon, Mainstreamaufführungen im großen Stil mit öffentlichen Geldern zu subventionieren. Dafür braucht niemand ein Stadttheater.

Klaus Schmidt am :

Wofür soll das Stadttheater denn gedacht sein, wenn nicht auch für Mainstream-Aufführungen? Nur für Aufführungen, die der Elite dienen? Ihr Hinweis auf das Kino ist doch reine Polemik. Sie sollten sich die Zahlen aus dem Kommentar von Herrn Kaiser zu Gemüte führen, um zu erkennen, dass Ihre Bemerkungen jeglicher Grundlage entbehren.

Christoph Humpertgmx.de am :

Wenn es gelingt, mit Revue und Musical nach Vollkostenrechnung eine Kostendeckung zu erreichen, dann gerne. Wenn der Zuschussbedarf nur unwesendlich geringer ist, dann nicht. Ein Stadttheater ist für mich einfach keine Stadthalle! Selbstverständlich ist es sinnvoll, das Programmspektrum des Stadttheaters zu überdenken, gerade weil die Zahlen mies sind. Hier sollten auch Schwerpunkte gesetzt werden und das scheinbar bisherige Allerlei aufgegeben werden. Insgesamt braucht das Haus eine Zukunftsstrategie. Ob das Herr Dr. Henkelmann neben seiner sonstigen Arbeit leisten kann ist aber fraglich.

Lothar Kaiser am :

Die Zeit bleibt nicht stehen, sie verändert sich. „Alle deutschen Theater beklagen einen Zuschauerrückgang“, hieß es im Kulturausschuss. Kein Grund also, über Programmänderungen nachzudenken? Augen zu und durch?! Wäre Remscheid finanziell gut gestellt, könnte man sich anspruchsvollere Vorstellungen für eine kleine Gruppe von Bürger/innen noch vorstellen. (Die Eliten in einer Gesellschaft sind nicht zimperlich mit ihren Ansprüchen zu Lasten der Allgemeinheit.) So aber täte die Stadt gut daran, das Angebot an ´“Hochkultur“ – oder was eine Minderheit dafür hält - finanzstärkeren Metropolen wie Köln oder Düsseldorf zu überlassen. Die sind von Remscheid aus gut zu erreichen. Kulturdezernent Henkelmann hat deshalb recht, wenn er sagt: „Die Spartenaufteilung werden wir verändert müssen. Das Programm muss attraktiver werden!“ Merke: Gerade mal 20.000 Euro hat die Stadt in diesem Jahr für die Förderung der freien Kulturarbeit in Remscheid zur Verfügung. Und dann sollen wir uns in einer Theatersaison weiterhin 13 Schauspiele leisten, die im durchschnitt von 253 zahlenden Besucher/innen gesehen werden – und in jeder dieser Vorstellungen 446 Plätze ohne Einkünfte?? Das passt nicht zusammen!

Rolf Lehmann am :

Der Mix macht's. Warum nicht hochwertige Oper neben Musical und Tanztheater neben Rockoper? Alles hat seine Berechtigung. Wenn dann die Veranstaltungen von Herrn Henkelmann auch noch beworben werden, wird's auch besser mit den Zuschauerzahlen. Wie soll eientlich Herr Henkelmann als Verwaltungschef dem Intendanten Henkelmann auf die Finger schauen? Eigentlich eine nicht tragbare Personalunion!

Lothar Kaiser am :

Habe mich heute von kundiger Seite eines Besseren belehren lassen: Der Satz: "Das Remscheider Stadttheater hat 699 Plätze." ist so nicht richtig. Der große Saal hat normalerweise exakt 619 Plätze. Mit sog. Vorparkett sind es 674 (also 619 + 55). Bei zu erwartendem starken Publikumsandrang kann in Vorstellungen, bei denen die Vorbühne bzw. das Orchesterpodium nicht benötigt werden, dieses auf Höhe des Saalbodens gefahren werden. Die 55 zusätzliche Stühle (baugleich mit den andern Plätzen) lagern normalerweise in einem Raum unterhalb der vorderen Reihen des Zuschauersaals neben dem Orchestergraben - und werden von den Bühnenarbeitern dann aufwändig angeschraubt. Mittlerweile wird bei vielen Veranstaltungen ein Tonmischpult eingesetzt, das aus akustischen Gründen nicht oberhalb des Rangs im Regieraum (hinter der Scheibe) steht, sondern im Saal hinten in der Mitte vor der letzten Reihe des Zuschauerraums aufgebaut wird. Dabei fallen dann - je nach Ausführung - bis zu 25 Zuschauerplätze weg. Am Kernproblem des Zuschauerschwundes ändert das allerdings nichts.

Bernd Quinting am :

Sicherlich sollten die Sparten auf Zuchauerattraktivität überprüft werden. Kultur hat jedoch viele Facetten, und die einfache Feststellung "Musical in Remscheid - für vieles andere bitteschön in andere Städte fahren" kann und darf nicht so sein. Wenn im Lande so gehandelt würde, würde der Kulturvielfalt und den Künstlern der Atem genommen. Diese Einschätzung darf nicht die Ansicht einer Kulturpolitik sein.

Rolf Lehmann am :

Apropro Zuschauerschwund, den muß sich wohl der Veranstalter ankreiden lassen, also Herr Henkelmann. Da gibt's bestimmt Verbesserungbedarf. Denn die Nachfrage nach Kultur ist da! Siehe "Die10 Gebote", das Konzert der EWR und jetzt aktuell die "Nacht der Kultur".

Michael Dickel am :

Kultur hat einen Bildungsauftrag! Theater und Orchester sind keine Unterhaltungsangebote - sie sind wichtige und unerlässliche Aufgaben seitens der Gesellschaft, um den Menschen ein weiterhin friedliches Zusammenleben zu gewährleisten. (ich finde das nicht übertrieben) Es mag sein, dass wir gerade in unserer Gesellschaft gewaltige Rückschritte hinnehmen müssen, die eigentlich in den letzten Jahrzehnten überwunden schienen. Wir nehmen es kommentarlos hin, dass in einer Moschee nach Geschlechtern getrennt wird - die Gleichberechtigung gilt für andere "Kulturkreise" (wie es immer so schon heißt) anscheinend nicht. Und je mehr wir unsere Aufwendungen für "Kultur" kürzen, je mehr wundern wir uns über einen Werteverfall?

Chronist am :

„Die Theaterkrise eskaliert auch in Abhängigkeit von der Finanzkrise der öffentlichen Haushalte. Verstärkende Krisenfaktoren sind der Bevölkerungsrückgang und ein deutlicher gesellschaftlicher Wandel vom grundsätzlich theaterinteressierten – meist allgemeingebildeten älteren – Kulturbürger zum – meist jugendlichen, aber auch mittelalten – eher aktionistisch orientierten „Event-Bürger“, der sich spontan für einen Theaterbesuch entscheidet und ein Wahl-Abo bevorzugt, das er sich selber zusammenstellen kann. Streng betrachtet funktionieren in Deutschland derzeit nur wenige Schauspiele optimal (Bochum, Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart, Münchner Kammerspiele).“ (Aus der Antwort von Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann im Jahre 2006 auf eine Anfrage der SPD-Fraktion)

Chronist am :

Im Kulturausschuss zitierte Dr. Christian Henkelmann gestern aus einem Interview der Zeitung „Welt am Sonntag“ mit Valdemar Holm, dem neuen Intendanten des Düsseldorfer Schauspielhauses: „Es ist nicht leicht, für Düsseldorf ein Programm zu entwickeln, denn den Großstädten dieser Region fehlt immer das eine oder andere Milieu. Damit auch eine klare Identität und Urbanität. Ich werde immer wieder gefragt: ‚Was ist Düsseldorf?" Ich weiß es noch nicht. Man darf Düsseldorf nicht in seinen engen Stadtgrenzen denken, sondern darüber hinaus, ins Ruhrgebiet, in die Niederlande und nach Belgien. Ich habe meine vier Vorgänger hier zum Problem der Zuschauergewinnung befragt, auch sie hatten während ihrer Intendantenzeit kein Rezept. Uns fehlt beim Publikum die mittlere Generation. Die Jungen gehen ins Theater, weil sie müssen. Und dann gibt es eine scharfe Zäsur, weil die bis Mitte-40-Jährigen mit Karriere und Familie beschäftigt sind. Erst ab 45 ist das Interesse an Theater wieder da. Dann kommen meist Frauen. Die Männer sind auf dem Sportplatz verloren gegangen.“

Christoph Humpert am :

Der Mann hat es auf den Punkt gebracht!

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