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Lenneper und Remscheider erkennen sich am Platt

Blick auf den historischen Stadtkern von Lennep im Jahre der Eingemeindung, 1929 Auch für Lennep gilt - wie für Remscheid -, dass vor etwa 5000 Jahren Menschen erste Spuren in die Wälder zeichnen. Steinbeile sind gefunden worden, wo später die Stadt ent­stand. Aber ehe der Ort mit seinem Namen in das Licht der Urkunden rückt, vergehen von der frühesten - vorüberge­henden - Besiedlung an mehr als 4000 Jahre. Mitte des 12. Jahrhunderts   entstehen  die  ersten  Schriftzeugnisse,   die  über Lennep berichten. Das Küsteramt des Stiftes Werden an der Ruhr verfügte 1126 über ein Gut bei Lennep, das Zur Kemenaden (heute Kimmenau) hieß. Später im Jahrhundert ist von einer Villa Linniphe die Rede, von einer Villikationsverfassung, die einem grundherrlichen Kleindorf galt, vermutlich in der Hand Engelberts I. von Berg.

Altes Fachwerkhaus an der Brandgasse in Lennep.Um 1230 erhält Lennep Stadtrecht und wird befestigt. Es entsteht eine Pfarrei. 1325 werden die Stadtprivilegien er­neuert, da die alten nach einem Stadtbrand weggefallen wa­ren. Im 15. Jahrhundert nennt Lennep sich eine Stadt, »die in der Hanse ist«, Hinweis auf ihre Handelskraft; um 1500 werden ihre Tuchmacher berühmt. 1569 zerstört ein großer Brand die Stadt bis auf 17 Häuser, aber in wenigen Jahren ist sie wieder aufgebaut. 1746 brennt Lennep abermals nieder. Diesmal geht es mit dem Wiederaufbau langsamer voran. In dieser Zeit steht die Lenneper Lateinschule in hoher Blüte. Sie wird 1802 geschlossen.

Als Napoleon kommt, erhält auch Lennep eine Bürgermei­stereiverfassung, unter Aufhebung der Privilegien als Stadt. 1816 wird der Kanton Lennep preußischer Landkreis. Und 1830 erscheint das erste Lenneper Kreisblatt, die älteste Zeitung weit und breit, bis heute in der »Bergischen Mor­genpost« fortlebend. »Redacteur« war ein Rektor J. H. Mül­ler. Mittwochs und sonnabends war je eine Ausgabe zu lesen, zum Preise von vierteljährlich 7,5 Silbergroschen. »Haupt­tendenz des Blattes sey,« so heißt es in der Jungfernausgabe, »schnellere Verbreitung der von der landräthlichen und jeder anderen obrigkeitlichen, gerichtlichen, polizeilichen, Verwaltungs-, Kirchen- und Schul-Behörden des Lenneper Kreises ausgehenden, die Bewohner desselben unmittelbar oder mittelbar betreffenden Verfügungen, wobei denn die Herren Beamten öfters Gelegenheit finden und nehmen werden, sich über Veranlassung, Nutzen und die beste Art der Ausführung derselben umständlicher auszusprechen als es vielleicht auf dem gewöhnlichen Wege thunlich seyn möchte.« Mit anderen Worten: in Aussicht genommen war ein amtliches Mitteilungsblatt mit Werbe-Funktion für die Behörden. Aber eines machte das Blatt deutlich: die Stellung Lenneps in diesem Teil des Bergischen Landes. Die Stadt Lennep spielte eine führende Rolle, erhielt 1840 eine König­liche Handelskammer und 1842 eine private Aktiengesell­schaft für Gasbeleuchtung. (…)

Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals am In vielen Zügen war das Leben in dieser Stadt mit dem Leben im alten Remscheid vergleichbar, auch wenn Lennep ein gänzlich anderes Wachstum hatte. Um 1700 standen im Mauerring der Stadt etwa 300 Häuser. Die Zahl erhöhte sich bis 1746 durch die Aufnahme der Feintuchfabrikation bis auf 430. Der erwähnte Stadtbrand vernichtete sie bis auf sieben. Man baute weniger Häuser wieder auf, die dafür höher. Die alte Einwohnerzahl erreichte man nicht mehr. 1790 standen 280 bis 290 Häuser, 1793 fielen die Stadtmauern und 1803 hatte sich die Häuserzahl wieder auf 350 bis 360 vermehrt.

Doch die bergische Hauptstadt Lennep hatte den Anschluss verpasst; Remscheid hatte sich weitaus kräftiger entwickelt, und mit dem mitleidigen Herunterblicken auf die armen Vet­tern vom Lande war es vorbei. Schon als Napoleon 1808 eine Verwaltungsordnung für das Großherzogtum Berg schuf und Kommunen oder Munizi­palitäten bildete, zeigte sich, dass für ihn die Bevölkerungs­zahl ein wichtigeres Argument war als geschichtliche Remi­niszenzen. Remscheid wurde eine Kommune ersten Grades, Lennep und Lüttringhausen hatten sich mit dem zweiten Grad zu bescheiden. Aber Lennep wurde 1816 Kreisstadt. Hatte die zentrale Lage hier eine Rolle gespielt, so auch bei der weiteren Entwicklung der Stadt zum Verkehrsknotenpunkt. 1851 bestehen Personenpostlinien von Lennep nach Remscheid, Elberfeld, So­lingen, Köln, Olpe, Gummersbach, Lüdenscheid, Schwelm und Remlingrade, 1868 wird die Eisenbahnlinie Rittershausen-Ronsdorf-Lüttringhausen-Lennep-Remscheid eröffnet. Als 1856 die preußische Städteordnung auch im Bergischen Land eingeführt wurde, musste Lennep erneut erfahren, was es bedeutet, im Bevölkerungswachstum zurückzubleiben: Remscheid erhielt die Städteordnung wegen der Einwohner­zahl automatisch, Lennep nur nach Genehmigung eines ent­sprechenden Antrages.

Die Gaststätte Windgassen an der Kölner Straße (später 'Kölner Hof').Doch noch war die Geschichte nicht vollends verbraucht, noch gab es Statussymbole. Lennep erhielt 1877 ein Amtsgericht, und 1880 glühten zum ersten Mal weit und breit elektrische Lampen auf, in den Ge­bäuden der neuerrichteten Kammgarnspinnerei von Johann Wülfing und Sohn. Auch Lennep vermochte also technische Wegmarken zu setzen. 1883 entstehen Wasserleitung und Kanalisation (wenigstens ihr Anfang), 1888 wird die Lenneper Gasversorgungsanstalt Eigentum der Stadt. Außerdem wird eine Landwirtschaftli­che Winterschule gebaut.

Doch dieses Dreikaiserjahr bringt in Bezug auf den Remscheider Nachbarn auch wieder ein Ereignis, das am Lenne­per Selbstverständnis rüttelt: Remscheid scheidet aus dem Landkreis aus und wird selbständiger Stadtkreis, und 1893 geht der Substanzverlust weiter, denn in diesem Jahr werden Hohenhagen und Neuenkamp an Remscheid abgetreten. Das Jahr 1893 brachte den Lennepern aber auch den Bau ihrer Talsperre im Panzerbachtal, und schon 1894 konnten sie die neuangelegten Lüttringhauser Wasserleitungen aus ihrem Netz versorgen.

Im Saal des Hauses Kölner Straße 34 im Jahre 1900, festlich dekoriert und mit kleiner Bühne.. haben Vater und Sohn Berben Platz genommen, die Inhaber. An den Wänden die Lorbeerkränze erfolgreicher Turner. Die Straßenbahn kam 1907 nach Lennep, als die Westdeut­sche Eisenbahngesellschaft eine Linie von Wermelskirchen über Remscheid, Lennep, Lüttringhausen bis zur Halbach baute. 1922 wurde die Linie von der Remscheider Straßen­bahn gekauft. Remscheid drängte sich nun immer stärker ins Lenneper Le­ben hinein. 1921 wurde die Handelskammer von Lennep nach Remscheid verlegt, und Ende der zwanziger Jahre begannen die Gespräche um eine Eingemeindung. Dass solche Gedan­ken bei traditionsbewussten Lennepern zunächst nicht auf Gegenliebe stießen, versteht sich am Rande. Zwar war Rem­scheid längst auf dem Weg zur Großstadt, während Lennep - wie E. Erwin Stursberg schreibt - »den Charakter eines Landstädtchens nicht abzustreifen vermochte«, aber die ei­gene Entwicklung, der Stolz auch auf die historische Rolle führte zu heftigen Widerständen.

Am Endergebnis war aber nicht mehr zu deuteln. In einer Kampfabstimmung des preußischen Landtags wurde die Eingemeindung beschlossen, Lennep kam mit seinen 1736,35 ha Gebiet und seinen 14463 Einwohnern zu Remscheid. Im Jahre 1930 gab es noch einmal eine kleine Korrektur. Vom Lenneper Gebiet wurden einige Striche mit den Ortschaften Wilhelmsthal, Krebsöge, Steeg und Nagelsberger Gemarke an Radevormwald abgetreten.

Der 'Kaffeegarten' der Gaststätte Windgassen. Dort wurde später ein Kino erbaut (heute ein Lagerraum).Lennep hat durch die Eingemeindung nicht aufgehört zu exi­stieren. Es hat - wenn auch mit vorsichtigen baulichen Ver­änderungen - seinen historischen Stadtkern bewahrt, auch eine eigene, von der Remscheider völlig verschiedene Mund­art. Im konfessionellen Bereich gingen die Lenneper ohnehin eigene Wege. Hier stritten von 1738 an Gegner und Befür­worter alter kirchlicher Gebräuche aus dem protestantischen Raum so heftig miteinander, dass darunter auch das wirt­schaftliche Leben litt, hier siedelten sich in einem ganz prote­stantisch gewordenen Gebiet im 17. Jahrhundert Minoriten an, die fleißig missionierten, für einen hohen katholischen Anteil an der Bevölkerung sorgten und eine katholische Pfa­rrei St. Bonaventura schufen, die außer Lennep auch Remscheid und Lüttringhausen umfasste. Heute wird in Lennep von einsichtigen Zeitgenossen aber wohl kaum noch geleugnet, dass nur im großen Stadtverband die Aufgaben der letzten Jahrzehnte lösbar waren. (aus: „Remscheid so wie es war“, von Dr. Gerd Courts, erschienen 1974 im Droste Verlag.)

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Waterbölles am : Als es in Lennep noch drei "Lichtspielhäuser" gab

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von Dr. Wilhelm R. Schmidt Nicht nur in Remscheid (Innenstadt), sondern auch in Lennep hat es bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg noch Lichtspielhäuser gegeben. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass meine Freunde und ich am Alten Markt im Union-

Kommentare

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Dr. Wilhelm R. Schmidt am :

Eine sehr schöne Kurzeinführung zur Lenneper Geschichte, und was die Anfänge betrifft, so muss man sagen, wir haben in Lennep erst neulich gehört, das man schlecht forschen kann, wenn dazu die Unterlagen gar nicht erhalten sind. Das wusste weiland schon der Kapitän Windgassen, der zeitweilig für das Lenneper Stadtarchiv arbeitete, und das wusste später auch Stadtadtarchivar Dr. Lorenz, mit dem ich kurz or seinem Tad darüber sprach. Die wiedergebenen Fotos sind charakterisch für die Lenneper Vergangenheit im 19. Jahrhundert bzw die Jahrhundertwende, zu jedem könnte man eine Geschichte erzählen, was ich selbst aber im Einzelfall auch schon getan habe, etwa in Bezug auf die Kaufmannsgesellschaft, deren Festsaal hier wiedergegeben wird. Die Bilder haben übrigens immer wieder Einzug in Lennepbücher gefunden, etwa in das meines früh verstorbenen Jugendfreunds Rolf Lotznmann im Wartberg Verlag , aber wer weiß noch, dass es sich hier in einem Falle um das Gartenlokal des Kölners Hofs handelt und dass die Leute, die auf einem anderen Bild auf der Kölnerstraße stehen, die benachbarten Wirte mit Ihren Familien sind (Windgassen und Groß). In der Überschrift des Beirtrags wird auf das Remscheider und Lenneper Platt verwiesen. Natürlich kann man dies heute tendenziell auch noch unterscheiden, aber beim Lenneper Platt war es auch schon immer besonders schwierig, denn wie die Sprachwissenschaftler und Germanisten uns sagen, verläuft in diesem Bereich die Linie zwischen Ober- und Niederdeutsch und dazu noch quer die Linie zwischen dem Rheinischen und Westfälischen. Die Mobilität seit dem 19. Jahrhundert hat hier natürlich immer mehr eine Vermischung gebracht, so dass es nach meiner Auffassung ein wirkliches Lenneper Platt gar nicht (mehr ) gibt, aber natürlich kann so mancher Remscheider oder Radevormwalder sagen : der kommt seiner Sprache nach aus Lennep.

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