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Armut in Remscheid (2): Honsberg gehört zu den „Problemzonen“

Stadtteile beschreibt der 1. Kommunale Armutsbericht“ der Stadt Remscheid als Orte des Wohnens und Orte der Existenzsicherung durch Arbeit,  der sozialen Ausstattung und des sozialen Austausches, der Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben und als „die Räume, in denen Armutsrisiken und belasteten Lebenslagen wirksam entgegengesteuert werden kann.“ Lebenslagen und –chancen sind in Remscheids Stadtteilen unterschiedlich verteilt. Einige davon sind „Problemzonen“, in denen sich Arbeitslosigkeit und Armut konzentrieren. „Damit ist sowohl die Stabilität einzelner Stadtteile wie auch die der gesamten Stadt betroffen,“ stellt der „Armutsbericht“ fest. Ziel müsse die Erhaltung und Förderung stabiler Stadtteile sein, eine „Mischung sowohl in altersstruktureller, sozialer und kultureller Hinsicht“. Damit ist das auch Verhältnis von Deutschen und Migranten gemeint.

Sehen wir uns die problematischen Stadtteile einmal näher an. Von den Bewohnern des Honsberg bezieht fast jeder fünfte (18,35%) Wohngeld. Es folgen Altstadt (15,33 %), Stachelhausen (14,03 %) Zentralpunkt (12,22 %), Stadtgarten (12,03 %), Scheid (11,52 %) und Klausen (11,45 %).

Jeder dreizehnte Bewohner des Honsberg bezieht Sozialhilfe (7,48 %). Es folgen Klausen (7,05 %), Vieringhausen (6,99 %), Blumental (6,53 %) und Stachelhausen (6,46 %).

Im Dezember 2003 (auf diesen Daten basiert der „Armutsbericht“) war in der Stadtteile Honsberg, Stachelhausen, Altstadt und Zentralpunkt mehr als jeder zehnte Bürger (bezogen auf die potentiell erwerbsfähige Bevölkerung) ohne Arbeit. In den Stadtteilen Mitte, Nordstadt, Neuenkamp, Mixsiepen und Klausen lag die Quote bei mehr als neun Prozent, in Blumental, Scheid und Vieringhausen bei mehr als acht Prozent.

In den Stadtteilen Honsberg, Altstadt, Hölterfeld, Zentralpunkt, Reinshagen, Hackenberg und Schmittenbusch war fast jeder achte (13 Prozent) der erwerbsfähigen ausländischen Bewohner ohne Arbeit.

In den Stadtteilen Honsberg, Stachelhausen, und Zentralpunkt sind 40 von 100 Bewohnern ausländischer Herkunft. Zitat aus dem Remscheider „Armutsbericht“: Vielfach wählen Migrantinnen / Migranten und Ausländer/innen bewusst Wohnquartiere aus, in denen möglichst viele Menschen gleicher Herkunft leben. Dadurch kommt es nicht nur zu kulturellen und sozialen Prägungen von einzelnen Stadtteilen, es besteht hier auch die Gefahr von Segregation und Ausgrenzung. (...) Eine "relative" Abgeschlossenheit von Stadtteilen, in denen sich Ausländer konzentrieren, kann durch die Entwicklung von Parallelgesellschaften und Subkulturen zu Desintegration tendieren.“

Den größten zahlenmäßigen als auch prozentualen Anteil von Migranten-Kindern und –Jugendlichen zeigt sich in den Stadtteilen Stachelhausen, Altstadt, Blumental, Honsberg und Zentralpunkt. In den Grundschulbezirken Honsberg, Mannesmann und Daniel-Schürmann wurden bei Zahnuntersuchungen die prozentual höchsten Kariesraten mit gleichzeitigen niedrigsten Raten an naturgesunden Zähnen festgestellt. Diese drei Grundschulen haben einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Schüler aus Migranten- und Aussiedler-Familien. Prozentual unterdurchschnittlich sind Übergänge von Schüler/innen zu Gymnasien aus den Schulen Honsberg, Mannesmann, Daniel-Schürmann, Dörpfeld, Walther-Hartmann und Eisernstein.

Ist Ihnen was aufgefallen? Honsberg und immer wieder Honsberg. Aber auch Zentralpunkt und Stachelhausen. Was ist zu tun? Besser: Was ist bereits getan worden? Was kann man überhaupt tun? Der „Armutsbericht“ empfiehlt (in Soziologendeutsch) den „Aufbau interdisziplinärer und auf Partizipation ausgerichteter Stadtteilkonferenzen“. So biete sich die Möglichkeit, „ein integriertes Handlungskonzept zu entwickeln, das die Basis für eine langfristige und nachhaltige Stabilisierung und Verbesserung der Lebenslagen bildet.“ Zugleich misst der Bericht der Wohnungspolitik eine besondere Bedeutung bei. Dabei komme es auf eine soziale Durchmischung zur Vermeidung von Ghettobildung an.

Der Bericht entwirft das Idealbild „einer bedarfsorientierten Wohnraumversorgung sowohl für Mehrpersonen- als auch Single-/Paarhaushalte unterschiedlicher Einkommensgruppen, einer Wohnumfeldgestaltung mit Nutzungsmöglichkeiten für alle Altersgruppen sowie einer Infrastruktur zur wohnumfeldnahen Alltagsversorgung.“ Die Umsetzung in die Praxis ist der weitaus schwierigere Teil. Im Stadtteil Rosenhügel bemühen sich inzwischen viele darum. Durch Förderung sozialer Kontakte und Nachbarschaftsbeziehungen, Beratungs- und Hilfeangebote, kreative Wohnumfeldgestaltung, Verbesserung des Stadtteil-Image. Aber auch in anderen Remscheider Stadtteilen gibt es noch viel zu tun.

Trackbacks

waterboelles.de am : Der Stadtteil Honsberg soll nicht vor die Hunde gehen

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Die Honsberger nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand: „Wie soll der Honsberg werden, damit ich mich hier wohl fühlen kann?“, ist jeder einzelne Bewohner der alten Arbeiterviertels gefragt. Und möglichst viele Antworten darauf erhofft sich die die Stadtt

Kommentare

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Karl Heinz Christians am :

Ich danke als Honsberger für diesen Bericht. Bei einem Rundgang durch unseren schönen Stadtteil fiel mir auf, dass immer mehr Wohnungen und Häuser leer stehen. Es ist gegenüber früher richtig ruhig geworden. Für die letzten hier noch lebenden Honsberger werde ich mit diesem Bericht dafür werben, dass auch der letzte Wirt nicht mehr als 1,00 € für ein Glas Bier nimmt.

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