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Remscheid hat kein Monopol auf ein Outlet-Center

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin!

Die Stadt Remscheid beabsichtigt auf der „grünen Wiese“ bei Lüttringhausen ein „Designer Outlet-Center“ (DOC) mit etwa 20.000 qm Verkaufsfläche anzusiedeln.  Die Stadt erwartet von dem  DOC einen deutlichen wirtschaftlichen Impuls, der sich nachhaltig und positiv auf die künftige Haushaltswirtschaft der Stadt auswirken soll. Die Landesregierung lehnt dieses Vorhaben aus Gründen der Raumordnung ab. Remscheid hat jedoch kein Monopol auf ein Outlet-Center auf der „grünen Wiese, auch wenn das vorliegende Einzelhandelsgutachten von ECOSTRA[1] dies faktisch unterstellt. Auch andere Gemeinden sind aus Gründen der Wirtschaftsförderung, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der zusätzlichen Steuereinnahmen an der Ansiedlung von Outlet-Centern mit einem möglichst großen Einzugsgebiet interessiert.

Sollte sich Remscheid durchsetzen und das Planungsrecht für das DOC Blume schaffen, würde Remscheid zum „Türöffner“ für Outlet-Center werden. Die Bezirksregierungen wären gezwungen, weitere großflächige Einkaufszentren auf der „grünen Wiese“ zu genehmigen. Der Investor, der in Remscheid tätig werden möchte, ist nicht das einzige kapitalkräftige Unternehmen für derartige Vorhaben. Der Wettkampf zwischen den Gemeinden einerseits und den Investoren andererseits, dürfte dann unvermeidlich sein.

Folgende großflächige und nicht stadtkernintegrierte Einkaufszentren und Outlet-Center im Einzugsgebiet der Stadt Remscheid sind bereits heute geplant oder angedacht:

Die Stadt Werl (30.000 Einwohner) möchte es einem nicht genannten Investor ermöglichen, auf der „grünen Wiese“ – hier sind es gute Ackerböden an der A 44 – das „größte Outlet-Center in Deutschland“ mit 80.000 qm Verkaufsfläche anzusiedeln. Zum Einzugsbereich des Centers sollen unter anderem das Ruhrgebiet und die Städte des Bergischen Landes mit zusammen 18 Millionen Menschen gehören. Von Remscheid bis Werl sind es auf der Autobahn etwa 80 Kilometer.

Die kreisfreie Stadt Hagen (188.000 Einwohner) wollte ein „Factory-Outlet-Center“ auf einer brachgefallenen Industriefläche ansiedeln. Dies ist ihr durch ein Ministerschreiben untersagt worden. Hagen beobachtet die Planungen der Stadt Remscheid sehr kritisch. Sollte das DOC in Remscheid genehmigt werden, könnte auch Hagen die Planungen für ein Factory-Outlet-Center wieder beleben. Die Entfernung von Remscheid bis Hagen beträgt auf der Autobahn etwa 35 km.

Die kreisfreie Stadt Wuppertal (348.000 Einwohner) beabsichtigt einen „Ikea-Homepark“ beim Autobahnkreuz Wuppertal-Nord anzusiedeln. Bislang sollen neben Möbeln und Haushaltswaren nur Sortimente verkauft werden, die „nicht Innenstadtrelevant“ sind. Durch eine Genehmigung des DOC in Remscheid würde diese Beschränkung gegenstandslos werden. In dem Homepark könnten dann auch Modewaren wie in einem Outlet-Center angeboten werden. Von Lüttringhausen bis zu dem geplanten Standort sind es etwa 20 km.  Im Umland der Landeshauptstadt Düsseldorf sind aus der Sicht von Investoren mehrere Outlet-Center möglich. Diese wurden bisher von der Bezirksregierung Düsseldorf verhindert.

Remscheid begünstigt mit dem Outlet-Center Blume in Lüttringhausen die Planung und die Ansiedlung weiterer Outlet-Center im Land NRW. Eigentlich sollten Remscheid und anderen Städte hoffen, dass die Landesregierung bei ihrem „Nein“ für nicht stadtkernintegrierte Outlet-Center bleibt. Andernfalls droht ein ruinöser Verdrängungswettbewerb. Mit einem Dutzend großer Outlet-Center und großflächiger Einkaufszentren auf der grünen Wiese könnten wenige Investoren die städtebaulichen Strukturen, die in Jahrhunderten gewachsen sind, verändern. Bei einer derartigen Entwicklung gäbe es Gewinner und Verlierer. Gewinner wären international tätige Großkonzerne und mobile, meist jüngere Menschen mit eigenem PKW. Verlierer wären unsere Innenstädte, der traditionelle Einzelhandel und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Verlierer wäre aber auch unsere Umwelt: mehr Verkehr auf den Straßen, Verbrauch von Landschaft und Zerstörung von landwirtschaftlich genutzten Böden. Die Verluste sind mit den Zielen und Grundsätzen der Raumordnung nicht vereinbar.

Haimo Bullmann, Vorsitzender des Regionalverbandes Wuppertal-Solingen-Remscheid im Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz


[1] ECOSTRA: „Auswirkungsanalyse (Ersteinschätzung) zur möglichen Realisierung eines Designer Outlet Centers in der kreisfreien Stadt Remscheid, ecostra-Untersuchung im Auftrag der Stadt Remscheid, 19. September 2011“

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Kommentare

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Eija Tirkkonen am :

Überlappende Einzugsgebiete sind doch schon mehrfach im Rheinland, im Ruhrgebiet und im Bergischen vorhanden, ohne dass jemand die angebotenen Sortimente gegenseitig abstimmen würden. Ob die Überlappung durch großflächige Einkaufszentren im Stadtkern oder außerhalb verursacht werden ist irrelevant. Sie zerstören innerhalb und gegenseitig den kleinformatigen Einzelhandel in den kleineren und mittleren Großstädten, wie jeder in Remscheid mitverfolgen kann. Dieser Umstand zieht allmählich in das Bewusstsein der Bezirksregierung ein, wie man in den Protokollen der runden Tische zum Thema des großflächigen Einzelhandels entnehmen kann. Es ist auch kaum vertretbar, dass NRW als einziges Land in Deutschland und in ganz Europa gegen einen Wirtschaftszweig der Outlet-Centren stemmt. Von Ihrem Beitrag, sehr geehrter Herr Bullmann, bleibt der Schutz der Natur übrig. Zu der Abwägung zwischen dem Erhaltungswert der Ackerfläche auf der Blume und der wirtschaftlichen Entwicklung Remscheids haben die Bürger mit einer großen Mehrheit für die wirtschaftliche Entwicklung Remscheids durch das DOC ausgesprochen.

Chronist am :

Im Landtag Nordrhein-Westfalen haben die CDU-Abgeordneten Rainer Deppe und Arne Moritz eine Kleine zum Designer Outlet Center Remscheid gestartet mit der Frage „Teilt die Landesregierung die Befürchtungen zum Kaufkraftverlust?“ Zitat: „ Im zugrunde gelegten Einzugsgebiet liegen … nicht nur die rheinischen Großstädte Köln und Düsseldorf und das Ruhrgebiet, sondern auch insbesondere das Bergische Städtedreieck mit Solingen und Wuppertal und auch die Städte und Gemeinden im Rheinisch-Bergischen und im Oberbergischen Kreis. In den Bergischen Großstädten und im Rheinisch-Bergischen Kreis ist die Furcht vor Kaufkraftverlusten besonders ausgeprägt. Bei vergleichbaren Projekten hat sich gezeigt, dass die Innenstädte nur dann von einem FOC profitieren, wenn der Tourismus ohnehin eine (bedeutende) Rolle spielt, das FOC in der Innenstadt selbst liegt und dort mehr oder weniger organisch gewachsen ist.“

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