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Das Haus von Zirkusdirektor Fach existiert nicht mehr

Foto: Lothar Kaiser

Foto: Hans Georg MüllerKönigstraße und Weg zur Edelhoffstraße gesperrt“, titelte der Waterbölles gestern. Da hätte sich jetzt „Königstraße und Weg zur Edelhoffstraße wieder frei“ angeboten. Denn gegen 18.35 Uhr teilte gestern der städtische Beigeordnete Dr. Christian Henkelmann in der Ratssitzung mit: „Die Sperrung ist aufgehoben und das Haus abgerissen!“ Doch der Waterbölles entschied sich für eine andere Überschrift. Denn in dem Haus Königsstraße 195, das gestern aufgrund akuter Einsturzgefahr abgerissen wurde – rechtzeitig vor dem für heute angekündigten Orkan „Joachim“ -, betrieben Franz Carl und Martha Fach etliche Jahre die Kneipe im Erdgeschoss. Älteren Remscheider/innen ist Fach allerdings weniger als Gastwirt, sondern vielmehr als Zirkusdirektor bekannt. In den 1920er Jahren zogen die Fachs mit seinem Zirkus umher, später hatten sie dann an der Königstraße eine Tierhandlung. Im Keller des Hauses sollen sie sich sogar einen Bären gehalten haben. Sogar von einem Löwen im Keller ist die Rede, aber das ist denn doch wohl eher eine Mär. Der Remscheider Fotograf Hans Georg Müller erinnert sich: "Vor etwa 40 Jahren fotografierte ich bei den Zirkusleuten, Herrn und Frau Fach. Wir saßen im kleinen Wohnzimmer mit Aussicht auf die Königstraße.Zwei große Borsoihunde strichen mit unterkühltem Blick um uns herum. Es raunzte und gurrte und knurrte aus allen Winkeln des Zimmers,wo in Käfigen Lebendiges gehalten wurde. Ab und zu sprach ein Papagei. Lori wurde er genannt. Zig Urkunden, Peitschen und Zaumzeug hing an den Wänden, und ein nicht genau zu definierender Duft, eher Geruch, waberte durch den historienschwangeren Raum. Nachdem wir einen Klaren getrunken und uns viele Geschichten vom Zirkus angehört hatten, wurde uns der Braunbär im Untergeschoß hinter dicken Eisenstangen präsentiert."

Der Remscheider Circusdirektor und Tierhändler Franz Carl Fach aus der Königstraße.Aber nicht wegen des Bären im Keller machte das Haus Nr. 195 vor zehn Jahren Schlagzeilen in der Lokalpresse (da lebte das Tier längst nicht mehr), sondern wegen eines Brandes im Dachstuhl. Seitdem stand das Gebäude leer und verfiel, ohne dass dies äußerlich sonderlich auffiel. Dafür sorgte der dichte Efeubewuchs. Als das Haus gestern von Mitarbeitern einer Spezialfirma mit einem großen Bagger abgebrochen wurde, nachdem die Königstraße bereits am Mittwochabend gesperrt worden war, hatten Schaulustige den Eindruck, es fiele beinahe von selbst in sich zusammen, kaum waren die armdicken Efeu-Äste entfernt.  Eine Geschossdecke war bereits vor geraumer Zeit eingestürzt, und die verfaulten Dachbalken ruhten lediglich noch auf einer einzigen Hauswand und an einem Schornstein. Eine Windbö von Orkanstärke hätte das marode Gebäude leicht zum Einsturz bringen können. Doch zum Glück war einem „Mann vom Fach“ (Statiker) gestern Vormittag auf dem Weg zur Arbeit aufgefallen, dass das Dach des Hauses teilweise in sich zusammen gefallen war. Er verständigte Mitarbeiter des städtischen  Bauordnungsamt und diese wiederum denjenigen, der das Haus vor zwei Wochen gekauft hatte in der Absicht, es durch einen Neubau zu ersetzen. Mit dem kann er nun schneller beginnen als vielleicht geplant. Denn das Haus von Bärendompteur Fach existiert nicht mehr. Der Bürgersteig vor dem Abbruchhaus blieb gestern noch gesperrt, soll aber im Verlauf des heutigen Tages wieder freigegeben werden. (Foto links von Hans Georg Müller)

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