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Mit dem Bollerwagen auf Straßenbahnschienen

Der Remscheids Markt um 1895 mit Pferdefuhrwerk und neuer Straßenbahn

1893 kam die Straßenbahn nach Remscheid und verband die vielen Remscheider Höfe miteinander. Nicht einmal in den ebenen Nachbarstädten wagte man, das Wunder der elektrischen Bahn zu verwirklichen, als sich in Remscheid, ungeachtet der schier unüberwindlichen Knubben, Männer daran machten, eine Straßenbahn zu bauen. Eine wahrhaft große Tat! Man muss sich im Geiste in das Jahr 1890 zurückversetzen, um die Größe dieses Planes zu begreifen. Sicherlich wurde die Notwendigkeit eines Verkehrsmittels, das die Entfernungen zwischen den Höfen überbrücken könnte, von allen erkannt. Wer aber hätte es gewagt, in Zeiten des Pferdefuhrwerks ein Experiment mit vollkommen neuen, unerprobten elektrischen Bahnen zu starten? Dazu gehörte nicht nur Geld, sondern auch Mut. Ein Remscheider Bürger, Robert Böker, hatte diesen Mut. Vorzug dieser Männer waren ihre Erfahrungen, die sie in allen Teilen der Erde auf ihren Reisen gesammelt hatten. Sie brachten gereifte Erkenntnisse und unumstößliche Entschlüsse mit nach Hause, und die tausendfachen Bedenken der Daheimgebliebenen waren für sie das Summen eines Bienenschwarmes. In den Stadtratssitzungen hat es rumort und gedonnerkielt, bis schließlich doch der weltweite Blick und die ehrfurchtgebietende Erfahrung obsiegten.

Der Remscheider Straßenbahnwagen Nr. 1 im Jahre 1897 mit einem Fanggestell für unachtsame Passanten.Den letzten Zweifel der um ihr sauer verdientes Geld bangenden Mitbürger überwand der großzügige Einsatz des eigenen Geldbeutels der Wagemutigen. So kam denn die Remscheider Straßenbahn dennoch auf den Weg. Zunächst waren es nur zwei Linien, die von Wirtschaft Rudolf Halbach auf dem Scheid bis Bliedinghausen und von Feld über den Markt bis zur „Spreng" und später weiter bis Vieringhausen führten. Die Bilder verraten uns, dass es auch ohne Uniform klappte. Im hellen Anzug, weißem Binder und Strohhut steht der Fahrer von damals auf der offenen Plattform an der Kurbel. In Winterzeiten wird er oft „kaul Knuwen" (kalte Füße) gehabt haben.

Am Samstag, 1. Juli 1893, fand frühmorgens die erste Probefahrt der Remscheider Straßenbahn statt. „Ingenieure und Beamte der Gesellschaft sowie mehrere Interessenten, u. a. Kommerzienrat Böker, bestiegen das mit elektrischen Glühlampen beleuchtete, außerordentlich elegant und bequem eingerichtete Gefährt“, hieß es in der Lokalpresse. Die Fahrt ging von der Freiheitstraße bis zur Schüttendelle. Die zweite Fahrt, in einem anderen Wagen, führte über die Blumenstraße, den Marktplatz und die Elberfelder Straße bis zum Rathaus.  An der Stelle, wo Freiheit-, Blumen- und Honsbergerstraße zusammentreffen, wurde der Wagen durch Steine, die in den Schienen lagen, zum Entgleisen gebracht. Doch es gelang, ihn flott zu machen, ohne dass er irgendeinen Schaden nahm. Wenig Sorgen und Kopfzerbrechen um das technische Wunderwerk machten sich am Tag der Eröffnung die zu derben Späßen aufgelegten Remscheider Witzbolde. Davon erzählt mit unvergleichlichem bergischen Humor Gustav Hermann Halbach in seiner Anekdote auf Remscheider Platt:

Das riesige Eisengestell vor dem Wagen, der „Maulkorb", nahm in den Anfängen noch diejenigen unachtsamen Passanten „auf die „Schuppe“, die sich bis dahin an den Wagen ohne Pferd noch nicht gewöhnen hatten.

„Tu den äulsten en Dütschlangk gebouden elktreschen Strotenbahnen gehüöt de e, Remsched. Vör allem wogden märr et hie te alleri'esch, Wagen ohne Tangkreder sonne pielen Berg erop- on erongerluopen te loten äs et se hie gött. Em Joahr aiti'ehnhon-getdre'ionnüngzeg alt es döse Bahn engewe'iht woaren. Ussem verstorbenen I'ehrenbörger Robät Büöker köffe se en i'eschter Linnege verdanken. Nöüschiereg on gespannt hären de Remscheder op denn Dag gewatt, an demm die Bahn de i'eschte Kiehr fahren suol. Förr dösen Dag hären äwwer derr Siebens Ernst on derr Pi'etersch Hermann, genuomt Rassa, ut derr Bismarckstroten, enn netten Spaß utgeheckt. Enn gruoten Bollerwagen met derr Spurwidden vannen Strotenbahnschienen onnen schwoar Meiere'iklocke hären se opgedri'ewen on an de Hengerreder van demm Wagen enn Paar düchtege hüöltern Bremsklötze aangebrait. Alte Wagenhalle an der Hornberger Straße, erste Unterbringungsmöglichkeit für die Straßenbahnwagen Met dösem Bollerwagen trocken die twei Piffeküsse am Ewe'ihengsdag derr Bahn alt morges früö öm uhroffsässe bis noa derr Kerken am Matte erop, mackden do kehrt on lootsden enn met denn Redern en de Schienenrellen eren.   Dann stault sech der eng, ennen Wagen an de Lenkstang, li'et dat Gefährt langsam bergeraff luopen on beiernden dobie äs kusendoll met derr Schellen; derr anger satt sedi hengen obben Wagen on trock de Bremsklötze aan, dat et märr su buolernden, rappelnden on krietschden.

Van dösem Randalen, Fusen on Kraki'elen wuoden die noch en ehren vi'eti'ehn Eelen van Respels on Gereffeis süöt drüömenden Aanwohner derr Bismarckstrolen allbini'en wackereg. Sie glauten äwwer, derr i'eschte Strotenbahnwagen köm alt aangefahren on sprongen ut ehren Laken, Pölwen, Kössen on Kösti'eken op annet Fenster. Do goof et förr die twei löstegen Fröng dann üöwerall enn netten Aanbleck: Keäls bowenher em Hemden, Fraulütt on aul Wiewer em Naitsjack on met er Naitsmotschen öm de Uohren, jong staatse We'iter äs de Lorelei met opgelüöstem langem göülem on schwattem Hoar, mollegen bläcken Armen on spetzenömrahmden, alabasterwitten on prallen rongen Böäschten on Blagenpörke on -puten en Naitski'edelen. Su gong dat aan vam Zuckerbäcker Melchersch reits on louts vörrbie bim Hesse, Dannenberg, Kremersch Ernst, Duisbergs udder Pöppkes Weilern, Caasmanns Hermann, Rödersch Ernst an derr „Trennen", Kammerecker, Herbener, Hasencli'ewersch Ougust udder Papageno on su wieder bis ongen noa derr Quatschen bim Angermongks Kamesölschen, Leyersch Kaal on Ki'esersch Ernst, demm Kruonenwi'et. Su es aiti'ehnhong.etdre'ionnüngzeg de Eröffneng derr weiltberühmden Remscheder Strotenbahn vörr sech gegangen, on wecker do en aller Herrgottsfrüöh denn Bohei vam Siebens Ernst on Pi'etersch Rassa meterleeft heet, hätt düchteg dorüöwer on üöwer sienen i'egenen Refall gelacht. (nach: „Remscheider Bilderbogen“ von Max Eulenhöfer aus dem Jahre 1950)

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