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„Grün in die Stadt“: Neue Freiräume statt Leerstände!

"Von 2001 bis 2010 sank die Einwohnerzahl Remscheids von rd. 122.000 auf rd. 113.500. Die Stadt verlor rd. 8.500 Einwohner einerseits durch einen permanenten Sterbeüberschuss, andererseits durch Wanderungsverluste. Unter den Nachbarstädten, deren Bevölkerungsentwicklung in diesem Zeitraum ebenfalls jeweils negativ war und zum Teil deutlich unter dem Landesdurchschnitt lag, hatte Remscheid gemeinsam mit der Stadt Radevormwald die schwächste Einwohnerentwicklung zu verzeichnen. (…) Die städtische Bevölkerungsprognose sieht ebenso wie die Prognose des Landes (IT.NRW) für die Zukunft eine fortdauernde Schrumpfung der Einwohnerschaft Remscheids voraus. Nach diesen Prognosen werden im Jahr 2020 in Remscheid zwischen rd. 104.000 und 106.000 Personen leben, im Jahr 2030 werden es nach der Landesprognose rd. 96.500 sein. Dies entspricht langfristig einem Rückgang um fast 15 Prozent der Bevölkerung des Jahres 2010. Voraussichtlich wird diese Entwicklung nach Altersgruppen differenziert verlaufen. Während die Altergruppen der über 50-jährigen z. T. noch relativ stabile Entwicklungslinien – mit vorübergehenden Zunahmen - aufweisen werden, sind insbesondere bei den jungen Erwachsene überproportionale Rückgange zu erwarten.

Dieser Prozess führt zu einem Rückgang der Zahl der männlichen Erwerbstätigen, der prozentual über dem Rückgang der Gesamtbevölkerung liegen wird. Die zu erwartende Einwohnerentwicklung lässt bereits jetzt erkennen, dass in vielen Bereichen der Daseinsvorsorge eine mehrstufige Anpassung der Angebote unerlässlich ist. (…) Die Steuerungsmöglichkeiten der Stadt beschränken sich nicht zuletzt wegen der finanziellen Situation der Stadt im Wesentlichen auf eine Anpassungsplanung. (…) Ein sparsamer Umgangs mit Grund und Boden (erfordert)…, dass die Innenentwicklung Vorrang vor dem „Bauen auf der grünen Wiese“ erhält. Die Entwicklung von innerstädtischer Wohnbauflächen mit sehr guten Lagequalitäten und einer sehr guten Infrastrukturversorgung soll vorantreiben werden (…) durch eine Aktivierung vorhandener Flächenpotenziale wie Baulücken und kleinerer Arrondierungsflächen für den Wohnungsneubau (in der Größe fünf bis vierzig Wohneinheiten). Hingegen sollen größere Wohngebiete im Einzelfall und nur bei gesicherter Umsetzbarkeit beplant werden.

Vor dem Hintergrund der erwarteten Wohnungsüberhänge in Remscheid haben die Handlungsansätze zur Eindämmung der Zunahme von Wohnungsleerständen ein besonderes Gewicht. (…) Um in Quartieren mit hoher Wohndichte und fehlenden Freiflächen Aufwertungspotenziale zu schaffen, sollen diese gezielt durch Rückbau von Beständen schlechter Qualität aufgelockert werden. Neben der Gefahr zunehmender Leerstände und des damit häufig verbundenen Risikos städtebaulichen Niedergangs birgt der Schrumpfungsprozess auch eine für Remscheid erhebliche Chance, die u. a. in der Sicherung von Siedlungskanten, die beispielsweise der Flächennutzungsplan 2010 vorgibt, und eines vielerorts nahe gelegenen, ungehinderten Zugangs zur Landschaft oder zu Grünflächen liegt. (…)Die notwendige Reduzierung der Anzahl von Wohneinheiten soll Möglichkeiten für die Schaffung wohnungsnahen Freiraums eröffnen – „Grün in die Stadt“. (…) Aus städtebaulicher Sicht sind die vielgestaltigen Landschaftsräume Remscheids besonders für die Naherholung der Bevölkerung geeignet und somit ein Aspekt der Standortqualität. Die Inanspruchnahme von Freiraum für Siedlungszwecke soll daher möglichst vermieden werden und in unabweisbaren Fällen immer besondere Rücksicht auf dessen Naturschutz- und Erholungsfunktion nehmen.

Die zentralen, verdichteten Wohnlagen prägen das Image und das Bild einer Stadt. In Remscheid sind genau in diesen Stadtquartieren die größte Anzahl an Leerständen und soziostrukturellen Probleme, wie Arbeitslosigkeit der Bewohner und z.T. ein sehr hoher Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, zu verzeichnen. Gleichzeitig ist die Infrastrukturversorgung und Erreichbarkeit dieser Quartiere ist in meisten Fällen sehr gut. Diese Quartiere weisen in Remscheid die höchste Einwohnerdichte auf. Diese bauliche Dichte, die gleichzeitig fehlenden Freiraum- und Aufenthaltsqualitäten, die günstigen Mieten und die gute Versorgungsstruktur, tragen dazu bei, dass diese Quartiere insbesondere für einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen ein nachgefragter Wohnstandort ist. Dies hat zur Folge, dass bei zu starker Ausprägung sozialer schwächerer Strukturen und den damit verbundenen Auswirkungen auf das Stadtbild, diese Quartiere von anderen Milieus kaum nachgefragt werden. Die gleichzeitige schwache Ausstattung an urbanen Qualitäten wie z.B. Cafés, Kneipen und den fehlenden Aufenthaltsqualitäten im öffentlichen Raum verdeutlichen diesen Effekt. (…)

Die Beschäftigungsentwicklung war in Remscheid im Zeitraum 2001 bis 2010 ebenfalls rückläufig.  Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (nach dem Arbeitsstättenprinzip) sank von  rd. 46.900 auf rd. 40.500. Zuletzt konnte eine leicht positive Entwicklung festgehalten werden, weil  die sonstigen Dienstleistungen einen Beschäftigungszuwachs melden konnten. Im produzierenden  Gewerbe, das nach wie vor der Motor der Remscheider Wirtschaft ist, sinkt die Beschäftigung nach  wie vor, in den beiden letzten Jahren jedoch mit einer Tendenz zur Konsolidierung.

(aus: Beschlussvorlage 14/1505 der Stadtverwaltung, die derzeit die politischen Gremien durchläuft. Titel und Inhalt: „Strategische Ausrichtung der räumlichen Entwicklungsplanung sowie Übersicht über die aktuellen Planungsprojekte des Zentraldienstes 0.12 (Stadtentwicklung und Wirtschaft) und des Fachdienstes 3.63 (Bauordnung und Bauleitplanung)“.

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Kommentare

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Lothar Kaiser am :

Bleibt die Frage, wie Hausbesitzer dazu bewegt werden sollen, ihre veralteten, (teilweise) leerstehenden Mietshäuser abzureißen zugunsten eines "wohnungsnahen Freiraums".

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