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Loblied auf das Ehrenamt im Allgemeinen und Besonderen

Foto: Lothar KaiserDie Turnhalle ist 100 Jahre alt und der Verein knapp 120, doch von Überalterung und Ideenlosigkeit keine Spur: Mit einigen Sportangeboten (Einradfahren, ZUMBA Fitness“, Tai Chi An) ist der Goldenberger Turnverein von 1892 sogar Vorreiter in Remscheid. „Wir sind so aktiv wie lange nicht mehr“, zeigte sich Vorsitzender Mac Schiller am Montagabend selbstbewusst, als er gemeinsam mit Peter Maar, den Vorsitzenden des Heimatbundes Lüttringhausen, das jüngste „Kind“ des TV Goldenberg aus der Taufe hob, die „Goldenberger Gespräche“. In loser Folge sollen hierfür künftig „interessante Referenten zu Themen rund um Sport, Ehrenamt und Lüttringhausen gefunden werden“, wie es auf der Internetseite des Vereins heißt.

Zum Auftakt hatten Turnverein und Heimatbund Oberbürgermeisterin Beate Wilding und Frank Dehnke, den Vorstandsvorsitzenden der Stadtsparkasse Remscheid, für Vorträge zum Ehrenamt gewinnen können. Eingeladen hatten sie dazu Vorstandsmitglieder diverser Vereine, Kommunalpolitiker und Unternehmer. Unter ihnen konnte Frank Dehnke auch zahlreiche Kunden der Stadtsparkasse begrüßen. Es war also eine honorige Runde, die in der mit Unterstützung der Sparkassenstiftung renovierten Turnhalle zusammen gekommen war - von der Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit längst überzeugt. Umso seltsamer mutete es an, dass Moderator Kurt Bass gleich zu Beginn ankündigte, er werde in der anschließenden Diskussion jedem das Wort entziehen, der sich verbal daneben benehme. Als ob er es mit Hells Angels oder Bandidos zu tun bekommen würde…

Frank Dehnke.

Nur wenige Plätze blieben leer, als in der Turnhalle ein Loblied auf das Ehrenamt, die Ehrenämtler und die Stiftung der Stadtsparkasse Remscheid angestimmt wurde. Dass diese Stiftung viele örtliche Vereine und Institutionen unterstützt, ist hinlänglich bekannt. Aber „wieso unterstützt die Sparkasse Remscheid das Ehrenamt?“ 20 Minuten hatte Frank Dehnke, um auf diese Frage Antworten zu geben. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse („bis 1978 habe ich in dieser Halle als Grundschüler geturnt“) verwies auf die Gründung der ersten Sparkasse in Detmold vor 230 und die der Remscheider Sparkasse von 170 Jahren „aus bürgerschaftlichen Engagement“. Es sei darum gegangen, „mit dem Geld von Reichen die Armen zu unterstützen“. Und auch heute noch sei nicht die Gewinnerzielung oder –maximierung das oberste Geschäftsziel der Sparkassen („Wir haben ein anderes Geschäftsmodell als Großbanken!“), sondern sie seien wie alle Ehrenämtler bemüht, die Städte liebenswert zu machen. Dehnke: „Das hat was mit Gewissen und Ethik zu tun!“ Deshalb gehöre es zu den Verpflichtungen aller leitenden Mitarbeiter/innen der Sparkasse, ein aktives Ehrenamt in einem Remscheider Verein zu übernehmen. Aber nicht nur die Chefs würden sich engagieren, sondern weitere 115 Mitarbeiter/innen, die Azubis mit ihren Umweltaktionen eingeschlossen. „Aus der Erkenntnis heraus, dass eine Stadt ohne Ehrenamt nicht funktionieren kann!“ So beschränke sich die Sportförderung der Sparkassenstiftung nicht nur auf die finanzielle Unterstützung von Vereinen, sondern umfasse auch die Organisation von Großveranstaltungen (z.B. Citylauf), wiederum verbunden mit ehrenamtlicher Mitarbeit vieler Angestellten des Hauses. Insgesamt summieren sich die kleinen und größeren Finanzhilfen der Sparkassenstiftung zur Förderung von Kultur, Gesundheit, Bildung, Umwelt und sozialen Diensten auf rund 600.000 Euro im Jahr. Auf der Internetseite der Sparkasse ist das nachzulesen: „Die Stadtsparkasse Remscheid ist in der Region fest verwurzelt. Die Lebensqualität der Bürger liegt uns besonders am Herzen. Als größtes Kreditinstitut vor Ort unterstützen wir viele Aktivitäten … mit dem Ziel, unsere Stadt lebens- und liebenswert zu erhalten.“

Beate Wilding beim '1. Golödenberger Gespräch 2012'. Foto: Lothar Kaiser

Das Ehrenamt

Willst Du froh und glücklich leben,
laß kein Ehrenamt dir geben!
Willst du nicht zu früh ins Grab
lehne jedes Amt gleich ab!

Wieviel Mühen, Sorgen, Plagen
wieviel Ärger mußt Du tragen;
gibst viel Geld aus, opferst Zeit -
und der Lohn? Undankbarkeit!

Ohne Amt lebst Du so friedlich
und so ruhig und so gemütlich,
Du sparst Kraft und Geld und Zeit,
wirst geachtet weit und breit.

So ein Amt bringt niemals Ehre,
denn der Klatschsucht scharfe Schere
schneidet boshaft Dir, schnipp-schnapp,
Deine Ehre vielfach ab.

Willst du froh und glücklich leben,
laß kein Ehrenamt dir geben!
Willst du nicht zu früh ins Grab
lehne jedes Amt gleich ab!

Selbst Dein Ruf geht Dir verloren,
wirst beschmutzt vor Tür und Toren,
und es macht ihn oberfaul
jedes ungewaschne Maul!

Drum, so rat ich Dir im Treuen:
willst Du Weib (Mann) und Kind erfreuen,
soll Dein Kopf Dir nicht mehr brummen,
laß das Amt doch and'ren Dummen

Text von Wilhelm Busch (1832-1908)? Im Internet kursieren diverse Versionen dieses Gedichtes.

Der Dichter Wilhelm Busch scheint das Ehrenamt zu seiner Zeit (1832-1908) sehr kritisch gesehen zu haben. Jedenfalls kursieren im Internet diverse Versionen eines ihm zugeschriebenen Gedichtes, von denen sich Kurt Bass für seine Anmoderation eines ausgesucht hatte (siehe nebenstehenden Kasten). Allerdings zitierte er nur die ersten Strophen, sonst hätte es wohl allzu kontraproduktiv gewirkt. Oberbürgermeisterin Beate Wilding, die Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtsparkasse, hielt sich da lieber an eine sachliche Definition des Ehrenamtes: „Ein ehrenvolles und freiwilliges öffentliches Amt, das nicht auf Entgelt ausgerichtet ist. Man leistet es für eine bestimmte Dauer regelmäßig im Rahmen von Vereinen, Initiativen oder Institutionen. Heute wird Ehrenamt zunehmend gleichbedeutend mit Begriffen wie Freiwilligenarbeit oder bürgerschaftlichem Engagement verwendet.“

In vielen Bereichen ist das Ehrenamt längst unverzichtbar - im Jugend- und Sozialbereich, im Sport, in der Kultur, im Umweltschutz, in Kirchen und Religionsgemeinschaften, in Schulen und Kindertageseinrichtungen, in Stadtteilen, bei der Freiwilligen Feuerwehr, dem THW und anderen Hilfsorganisationen, in Gewerkschaften oder Verbänden, Kleingartenvereinen, Kultur- und Heimatvereinen (von Migranten). Wilding : „Ehrenamtler setzen sich mit viel Zeit und Kraft für das Wohl anderer Menschen und für das Wohl der Stadt ein, sammeln dabei praktische Erfahrungen und erfahren Wertschätzung! Das Ehrenamt trägt zur persönlichen Entfaltung und Entwicklung der eigenen Persönlichkeit bei. Es bereichert den Menschen! Ehrenamt ist vielseitig, vielschichtig und für jeden/jeder von uns ist etwas dabei. Wir alle können Lebenserfahrung, berufliche Erfahrung, Vorlieben, Hobbys, Wissen und Können, ehrenamtlich einbringen.“ Und die Stadt Remscheid will das durch die Ehrenamtskarte fördern.

In unserer Stadt gebe es mehr als 400 eingetragene Vereine, fuhr die OB fort. Hinzu kämen zahlreiche Organisationen und Initiativen außerhalb des Vereinsrechts. Viele Angebote und Einrichtungen könnten ohne ehrenamtliches Engagement gar nicht bestehen, und dies gelte auch für das finanzielle Engagement im Sinne von Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Sponsoren. „Das Ehrenamt ist für unsere Gesellschaft lebensnotwendig. Eine Stadt ohne Ehrenamt ist eine Stadt ohne Seele!“, betonte die OB. Deshalb lohne sich die Diskussion über das Ehrenamt. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung seien in der einen oder anderen Weise ehrenamtlich engagiert. „Wenn ich heute alle Ehrenamtlichen nur aus den großen Jugend- und Sozialbereichen und den Kindern aufzählen würde, würde das den Rahmen des heutigen Abends sprengen.“ Beispielsweise sei ohne den persönlichen, körperlichen und finanziellen Einsatz der Mitglieder auch der Betrieb und der Erhalt der Goldenberger Turnhalle nicht möglich. Und das gelte auch für die Artistic Jumbers, den LTV und die LTG mit ihren Sportstätten – oder den Förderverein Freibad Eschbachtal, ohne den es das städtische Freibad nicht mehr gäbe. „Diese Beispiele beweisen, welche Möglichkeiten auch in Zeiten leerer öffentlicher Kassen bestehen, um durch ehrenamtliches Engagement Gutes zu bewirken!“

Apropos leere Kassen. Eigentümer der Stadtsparkasse ist die Stadt Remscheid. Sie hat Anspruch auf die Gewinne des Geldinstitutes (abzüglich Rücklagen). Die Gewinne fließen ohne Zweckbestimmung in die Stadtkasse und dürfen gegenwärtig nicht für freiwillige Leistungen verwandt werden – eine Folge der städtischen Finanzmisere und eine Auflage der Kommunalaufsicht. Da ist es gut, dass es seit 1991 die Sparkassenstiftung gibt, in die mittlerweile sechs Millionen Euro aus den Erlösen der Sparkasse geflossen sind. Die Stiftung kann damit das tun, was der Stadt Remscheid verwahrt wäre.

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Marc Schiller, 1. Vorsitzender GTV am :

Nach dem großen Erfolg des ersten Goldenberger Gesprächs im Januar 2012 zum Thema „Ehrenamt in Remscheid“ freuen sich Goldenberger Turnverein und Heimatbund Lüttringhausen, nun zum zweiten Goldenberger Gespräch einladen zu können. Es widmet sich sportlichen Leistungen, und als Referent konnte dank der Unterstützung der Volksbank Remscheid-Solingen eG der Extremsportler Joey Kelly gewonnen werden, einst und Mitglied der Musikgruppe „Kelly-Family“. Das 2. Goldenberger Gespräch findet statt am 29. Oktober um 19 Uhr in der Turnhalle am Goldenberg, Remscheider Straße 241. Der Eintritt ist frei – es wird jedoch um Voranmeldung bis zum 15. Oktober unter gespraeche@goldenberger-tv.de oder per Fax RS 929964 gebeten.

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