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"Wichtig oder relevant?", das ist für Radio RSG die Frage

Foto: Lothar Kaiser

Die rund 50 Gäste aus den Kirchen, Politik und Gesellschaft, die  Dr. Erwin Bürgel, der Vorsitzende des Dekanatsrates der Remscheider Katholiken,  gestern Abend im  gut geheizten Pfarrzentrum St. Josef an der Menninghauser Straße willkommen hieß, waren froh, der eisigen Kälte draußen entronnen zu sein. Während einige noch fröstelten, nahm Bürgel die sibirische Kälte gelassen, ganz nach dem Grundsatz „Was man nicht ändern kann, muss man nehmen, wie es ist“ und sprach von „nicht ganz so günstigen Wetterverhältnissen“.  

Thorsten Kabitz. Foto: Lothar Kaiser

Stadtdechant Thomas Kaster legte den Gästen des Jahresempfangs eindringlich das in dieser Woche von zahlreichen Verbänden und Institutionen gründete Aktionsbündnis „Remscheid tolerant“ ans Herz und empfahl ihnen den Beitritt, wie ihn schon mehrere katholische Vereinigungen vollzogen hätten. Ziel des Bündnisses – die Reaktion auf eine von der rechten deutschen Kleinpartei für den 24. März angekündigten Demonstration gegen den geplanten Bau einer Moschee an der Ecke Papenberger / Weststraße – sei es, „für die Grundrechte einzutreten, die aus der Menschenwürde resultieren“, den Respekt vor Menschen jedes Glaubensbekenntnisses zu bekunden und das friedvolle Miteinander in Remscheid zu verteidigen. „Wir wollen keinen Unfrieden in diese Stadt tragen lassen!“, betonte Kaster. „So unterschiedlich und bunt die Menschen in dieser Stadt sind – in diesem Fall stehen sie zusammen. Und das macht mich froh und glücklich!“

Wichtigkeit und Relevanz

Immanuel Kant philosophierte an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert über „Weitläuftigkeit und Gründlichkeit oder Wichtigkeit und Fruchtbarkeit des Erkenntnisses“ und setzte Wichtigkeit auch mit „Gehalt“ und „Vielgültigkeit“ gleich. Er verwies dabei auch darauf, dass sich die Wichtigkeit - einer Erkenntnis - an der „Größe oder Vielheit der Folgen“ festmachen lässt: „Je mehr oder je größere Folgen ein Erkenntnis hat, je mehr Gebrauch sich von ihm machen lässt, desto wichtiger ist es.“

In der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft wird die Aufmerksamkeit für eine Nachricht von der Neuigkeit, der formalen Auffälligkeit (Präsentation) und von der Relevanz (Bedeutung) beeinflusst, die der Nutzer den Inhalte beimisst.
(nach Internetlexikon Wikipedia)

Zwischen musikalischer Darbietung am Synthesizer (Kantor Peter Bonzelet – vorgestellt von Dr. Erwin Bürgel als „Seelsorgebereichsmusiker von Remscheid-Ost“ (gemeint war der Pfarrverbund Lüttringhausen, Lennep und Bergisch Born) – und  kleinem Imbiss oblag es diesmal Thorsten Kabitz, Chefredakteur von Radio RSG (Foto links), ein „Impulsreferat“ zu halten. Sein Thema: „Journalistischer Ethos versus wirtschaftliche Zwänge“.  Letztere ergeben sich, wie er eingangs darstellte, allein schon dadurch, dass privatwirtschaftliche Radiosender wie RSG im Gegensatz zu öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ohne Gebühren auskommen und ausschließlich von Werbeeinnahmen leben müssen. Das aber führt zu einem geradezu existenziellen Zwang, ein Programm zu produzieren, das möglichst viele Leute erreicht. Denn ohne eine hohe Einschaltqoute – die streben selbstverständlich in Deutschland auch alle ARD-Sender an – können Privatsender mit nur geringen Werbeeinnahmen rechnen. In dieser Situation müssen die Redaktionen dann gelegentlich Versuche von Werbekunden abwehren (Stichwort „journalistischer Ethos“), auf redaktionelle Inhalte Einfluss zu nehmen. (Übrigens kein Novum in der Medienbranche. Auch Redaktionen von Tageszeitungen sind solchen Ansinnen seit Jahren immer wieder ausgesetzt – was aufmerksamen Leser/innen nicht entgegen kann…) 

Dass sich die Medienwelt durch das Internet verändert hat, hat auch Radio RSG bemerkt. Teilweise schneller noch als im Radio sei dort das Neueste vom Tage zu lesen, räumte Kabitz ein. Abrufbar auch über Handy, etwa während einer Bahnfahrt. Darauf habe sich ein Sender wie RSG einzustellen. „Wollen die Leute, wenn sie abends nach Hause kommen und das Radio einschalten, tatsächlich noch die Nachrichten hören, die sie womöglich schon tagsüber im Internet gelesen haben“, fragte er. „Oder sind sie mehr an Unterhaltung oder an der Geschichte hinter den Nachrichten interessiert?“ Grundsätzlich werde derzeit in seiner Redaktion die Frage diskutiert, was für einen Lokalsender denn überhaupt „lokal“ noch bedeuten könne. „Wir unterscheiden zwischen wichtig und relevant!“ Wichtig sei beispielsweise sehr viel von dem, was von Kommunalpolitikern entschieden werde. Aber sei es auch für die Hörer/innen relevant, räumten sie diesen Themen für sich persönlich tatsächlich eine Bedeutung bei?  Wenn ja, sei es für die Redaktion berichtenswert. Wenn nicht? Das ließ Kabitz offen. Die Kirchenvertreter im Saal bat er jedenfalls um Verständnis dafür, dass die Redaktion nicht jeder Einladung zu einer Pressekonferenz folge. Das hänge ganz vom Thema ab. Auch die katholische Kirche müsse sich fragen, ob ihre Themen für die Bürger/innen tatsächlich relevant seien.

Waterbölles-Kurzkommentar: Irren ist menschlich; alle Menschen machen gelegentlich Fehler. Da machen auch Journalisten, die "Gatekeeper/Schleusenwärter", keine Ausnahme. Auch nicht bei der Einschätzung, was die Hörer/Leser/Seher für relevant halten – und was, wenn nicht, sie vielleicht dennoch erfahren sollten. Weil es für sie wichtig ist!

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