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1930 lag die Wohnungsmiete bei 75 bis 100 Mark

Wie sah es mit der Vermögenslage der Remscheider in der neuen Großstadt kurz nach der Eingemeindung von Lennep und Lüttringhausen im August 1929 aus? Nicht schlecht, denn getreu dem Vorbild der Väter hatten sie, kaum dass die Rentenmark geholfen hatte, das Elend der Inflation zu überwinden, viel auf die hohe Kante gelegt. Jeder vierte Einwohner der neuen Großstadt besaß ein Sparkassenbuch, auf den Sparkonten lagen am 1. Januar 1930 17,9 Millionen Mark. Das waren pro Kopf der Bevölkerung 173 Mark. Aber die schlechte Zeit hat gerade erst begonnen. Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland geht einer Kata­strophe entgegen. Die besondere Krisenanfälligkeit von Industrie und Gewerbe im Remscheider Raum verschärft die Lage noch, die Einkommen sinken, die Arbeitslosigkeit erfasst immer weitere Bevölkerungskreise.

Im Mai 1930, so ist dem »Remscheider General-Anzeiger« zu entnehmen, gibt es 9.200 Arbeitsuchende. Außerdem herrscht Wohnungsnot. Wer nur 40 Mark mo­natlich für Miete ausgeben kann, und das sind die meisten, muss lange auf eine eigene Bleibe warten. Nur wer 75 bis 100 Mark aufzuwenden vermag, hat keine Probleme. Das Woh­nungsamt, dessen Existenz zu dieser Zeit ein Hinweis auf die Zwangsbewirtschaftung des Wohnraumes ist, versucht, mit der Zahlung von Entschädigung Hausbesitzer zur Meldung freien Wohnraums zu verlocken. Doch der Verband der Hausbesitzer kämpft energisch gegen eine solche Bewirt­schaftung, weil er fürchtet, dass eine auf diesem Wege vermietete Wohnung nur einen Bruchteil des denkbaren Mietzinses erbrächte.

Die Haus- und Grundbesitzervereine beschränken sich nicht darauf, wirtschaftliche Probleme zu erörtern, sie äußern sich auch immer häufiger allgemein politisch. Jahreshauptver­sammlung am 17. April 1930: Es ergeht ein Appell an das gesamte Bürgertum, sich endlich in der nicht mehr zu überbietenden Notlage zusammenzuschließen. Dabei zielen die Redner ganz besonders auf die Marxisten. Die marxisti­schen Ideen hätten im Bürgertum Wurzeln geschlagen. Das Bürgertum sei »versozialisiert«. Man erkenne die Quelle gefährlicher Gedanken nicht mehr und leiste dem Gegner wertvolle Dienste. (aus: „Remscheid so wie es war 2“, von Dr. Gerd Courts, erschienen im Droste Verlag, Düsseldorf, im Jahre 1978.)

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