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Hitler schaffte es in Remscheid knapper als andernorts

Denkmal für Wilhelm Conrad Röntgen, der im Jahre 1854 in Lennep geboren wurde. Das Denkmal entstand im Jahre 1930. Es ist von Arno Breker, einem Künstler, der während des Dritten Reiches besondere Ehren erfuhr, und nennt sich »Genius des Lichts«

Trotz der miserablen wirtschaftlichen Lage hatte die Stadt Remscheid in den ersten Jahren nach der Eingemeindung von Lennep und Lüttringhausen 1929 den Ehrgeiz, einige Zeichen für ihren Willen zu gutnachbar­lichem Miteinander zu setzen. So errichtet sie 1930 Wilhelm Conrad Röntgen, dem in Lennep geborenen Nobelpreisträ­ger für Physik, zu Ehren ein Denkmal, gestaltet von dem im Dritten Reich zu fragwürdigem Ruhm gelangten Arno Breker, baut 1932 im altbergischen Empire-Haus der Oelbermanns an der Schwelmer Straße das Röntgen-Museum aus. In Lüttringhausen wird am 12. April 1930 die Badeanstalt eröffnet. Doch war dieser Bau noch eine Tat der ehemals selbstständigen Stadt, mit dem sich Remscheid nun schmückt. Und zu den Lüttringhauser Heimatspielen hat Remscheid auch erst später beitragen können. Sie waren 1928 zum ersten Mal an die Öffentlichkeit getreten, mit »Schützen, Ritter und Rosen« (Foto oben links), einem Stück des Herbringhauser Lehrers Paul Figge, das bis in die mittelalterliche Geschichte des alten Lüttringhausen zurückreichte. Jahr für Jahr schrieb Figge, der sich mit Vorliebe mit Stoffen aus der bergischen Geschichte beschäftigte, dann weitere Spiele. 1929 »Zeitenwende«, ein Stück um den Reformator Adolf Clarenbach, 1930 »Meister Diet­richs Tag«, 1931 »Glocken läuten Sturm«, 1932 »Bergische Hammerschmiede«, und Jahr für Jahr kamen an den Au­gustsonntagen Tausende zur Heimatspielbühne, dicht bei der evangelischen Kirche, deren Turmuhr mit vier nachmit­täglichen Glockenschlägen das Zeichen zum Beginn gab. Georg Schirmer führte Regie. Er hatte eine bewährte Laienspielschar zur Verfügung, aber er holte sich für jedes neue Stück auch Männer und Frauen aus der Bevölkerung und wusste sie für die heimatlichen Spiele zu begeistern.

Foto oben links: Die Uniformen sind verboten, aber die SA marschiert dennoch. Die nationalsozialistische Zeit wirft ihre Schatten voraus. Szene aus Lüttringhausen, Barmer Straße. Rechts eine Ecke des später abgebrannten Düringer Hofes. Foto oben rechts: Die Märsche wurden immer zahlreicher. Das braune Regime machte seine wachsende Macht auch nach außen hin sinnfäl­lig. Szene in der Nähe des Remscheider Amtsgerichts mit Blick in die Königstraße. Foto unten links: Beliebte Möglichkeit inszenierter Sympathiebekundungen: der Fackelzug. Hier zum Beispiel aus Anlass der »Machtergreifung«. Foto unten rechts: Wahlfarce  im  Dritten Reich: Schlangen vor den   Wahl­lokalen, in denen es nichts mehr zu wählen gab.

Begeisterung, das war in jenen Jahren allgemeiner Niederge­schlagenheit ein rares Wort, und namentlich das, was sich im politischen Raum abspielte, hatte alle Charakteristika eines Trauerspiels. Die Weimarer Republik ging ihres Kredits verlustig. Die lautesten Trommelrührer begannen, ihre Ernte einzufahren, und auch auf Remscheids Straßen waren das schon längst nicht mehr nur die Roten, die hier gewiss ihre Hochburgen hatten. Häufiger flatterte den Marschie­rern für eine wie immer geartete Überzeugung jetzt auch die Hakenkreuzfahne voran, und sie verschwand nicht einmal mehr, als Hitlers SA vorübergehend das Tragen der Unifor­men verboten worden war. Auch die Remscheider begannen, sich für jenen Mann zu erwärmen, wo schon nicht auf Anhieb zu begeistern, der unter vielem anderen die Beseitigung der Arbeitslosigkeit versprach.

Natürlich ging der Einzug des Nationalsozialis­mus und seiner Ideen in Remscheid nicht kampflos über die Bühne, brauchten die ersten Anhänger Hitlers Zuflucht und Unterstützung in der Bevölkerung. Ungeachtet dessen hol­ten sie sich von denen, die für andere Überzeugungen stritten, namentlich von den Kommunisten, manche blutige Nase. Aber, als Hitler am 30. Januar 1933 sein erstes Kabinett mit Göring, von Papen, Hugenberg, von Blom-berg, Frick und anderen bildet und ein letztes Mal Gewalttätigkeiten zwischen Rot und Braun aufflammen, ist es in Remscheid ruhig. Die Zeitung meldet am nächsten Tage nichts Wichtigeres als: »Der Höhepunkt der Grippewelle ist überschritten« und »Auch in diesem Jahre findet wieder eine Kirmes statt«.

Hitler macht in Berlin kurzen Prozess, löst den Reichstag auf und setzt für den 5. März 1933 Neuwahlen an. Ein heftiger Wahlkampf setzt ein. Zwei Tage vor der Wahl beherrschen in Remscheid nur noch die Nazis und ihre Gesinnungsge­nossen von der schwarzweißroten Front das Feld. Die einen wettern in der Stadtparkhalle gegen Liberalismus und Bolschewismus und versprechen jedem Recht auf Arbeit. Die anderen bemühen das massenwirksame Mittel jener Jahre, den Fackelzug, marschieren vom Stadtpark durch die Hindenburgstraße zum Kaiserplatz und benutzen die Rat­haustreppe als Rednertribüne. Der Stahlhelmführer Dr. Osthold aus Düsseldorf kritisiert die Parteien der Mitte, von der DVP bis zum Zentrum, schmäht die Sozialdemokraten und prophezeit einen Sieg Hitlers, »weil er Hugenberg neben sich hat«.

Hugenberg oder nicht: Hitler schaffte es auch in Remscheid, immerhin knapper als anderenorts. Nach Schließung der Wahllokale herrschte in der Stadt eine fieberhafte Spannung. Gegen 18 Uhr war der Marktplatz schon Treffpunkt vieler hundert Menschen. Sie warteten auf Ergebnisse. Die Wan­derleuchtschrift am Gebäude des »Remscheider General-Anzeigers« verkündete den Stand der Dinge. Ein Zwischen­fall wurde gemeldet: eine Schießerei in der Hoffmeisterstraße. Sonst blieb es ruhig. Was die Stunde geschlagen hatte, wussten am nächsten Morgen alle Remscheider, denn da wehte vom Rathaus die Hakenkreuzfahne.

Von 72.500 wahlberechtigten Remscheidern hatten 67.450 gewählt, also immerhin 93 Prozent! Davon stimmten 29.500 für die Nationalsozialisten, 20.850 für die Kommunisten, 5.100 fürs Zentrum und 4.900 für die Sozialdemokraten. Die Lenneper Straße, die Intzestraße und die Honsberger Straße erwiesen sich als kommunistische Hochburgen. In der Wirtschaft Oerkermann beispielsweise, einem der Honsber­ger Wahllokale, wurden 1.000 Stimmen für die Kommuni­sten abgegeben und ganze 167 für die Nazis. Umgekehrt sah es in der Wilhelmstraße aus: 810 für die Nazis, 171 für die Kommunisten. In Lennep: 4.064 für die Nationalsozialisten, 1.900 für die Kommunisten und in Lüttringhausen gar 3.600 für die Braunen und nur 280 für die Roten. In bürgerlichen Kreisen hatten die Parolen des Mannes aus Braunau offen­sichtlich am stärksten verfangen. (aus: „Remscheid so wie es war 2“, von Dr. Gerd Courts, erschienen im Droste Verlag, Düsseldorf, im Jahre 1978.)

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